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Die Geächteten

Willibald Alexis: Die Geächteten - Kapitel 16
Quellenangabe
typenovelette
authorWillibald Alexis
titleDie Geächteten
publisherDuncker und Humblot
year1825
correctorreuters@abc.de
senderbruce.welch@gmx.de
created20151204
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Funfzehntes Kapitel.

Als er die Tritte des Wirthes auf der untersten Stufe der Treppe und dann die äußere Flurthüre zuschlagen hörte, warf sich der Gast ungestüm auf einen Stuhl, und verbarg das Gesicht in beiden vorgestreckten Armen auf dem Tische. In Thränen gebadet erhob er es erst nach einer langen Weile, faltete die Hände, und murmelte ein Selbstgespräch vor sich hin, das halb wie ein Gebet klang.

»Mit diesem Mädchen« – schloß er vernehmlicher – »aus deren klarem großen Auge Natur und Unschuld lachen, die nichts von den Leiden kennt, die unsere Brust zerreißen, die, gleich einem schuldlosen Engel, fremd auf der Welt ist, unwissend wie ein Kind in der Wiege, mit diesem Mädchen ein Eremitenleben führen auf einer einsamen Insel, wo kein Schiff Nachricht brächte von dem Hinsterben des Vaterlandes, wo wir, völlig entfremdet dem Treiben dieser Welt, den Kindern wieder ähnlich würden, das wäre ein Loos, welches Götter mir beneiden könnten.«

Das herunterbrennende Licht und die Mattigkeit des Flüchtlings mahnten ihn zur lange nicht gewohnten Ruhe. Seit vielen Nächten warf er zum ersten Male die Kleider ab und versank in dem hohen Bette. Wie müde er auch war, ließ ihn der Sturm draußen doch nicht so bald einschlummern. Er hörte das Brausen des Meeres von zweien Seiten her, und von manchen Windstößen schien der Giebel des Hauses wie der Gipfel einer Kiefer hin und hergeschüttelt zu werden. Den kalten Zugwind scheuend, verkroch er sich immer tiefer unter dem schweren Federbett, und sah, gedrückt von dessen Last, im Traume alle die unangenehmen oder schrecklichen Bilder, die ihm im Wachen vor die Augen traten, noch einmal so, daß er bald sich nicht anzugeben wußte, was wacher Zustand, was Traum sey? Aus dem Stralsunder Blutbade rüttelte ihn ein heftiger Stoß. Die Fensterscheiben klirrten, aber von unten schallten wilde Stimmen herauf und andere Gläser klangen: »Noch ein Glas Liqueur – noch eines – eines!« wurde häufig von einer ihm nicht unbekannten Stimme wiederholt. »Ihr trinkt zu viel,« glaubte er den Wirth sagen zu hören: »Ihr seyd schon erhitzt, und dann in die kalte stürmische Nacht hinaus!« – «Eben deshalb noch Eines,« erwiederte der Trinker, stampfte mit dem Fuße, und sang ein Theodor wohlbekanntes Liedchen. Dann hörte er ihn das Glas heftig niedersetzen und die Thür aufreißen. »Gott befohlen!« sagte der Wirth. Lachend entgegnete der Andere: »Oder dem Teufel,« und schlug die Thüre zu. Daß es Julius Stimme gewesen, dafür hätte der Schlummernde sein Leben wetten mögen, er wußte aber nicht, ob er nicht geträumt habe, denn erst ein neuer Orkan brachte ihn wieder zur völligen Besinnung.

Während er darüber nachsann, verlangte die Natur ihr Recht. Er schlief wirklich ein, aber schwer und unruhig zugleich war sein Schlaf. Man hätte eine Flinte neben seinem Bette abschießen können, ohne ihn zu erwecken, und doch erlebte er so viel, daß der Schlummer keine Ruhe genannt werden konnte. Ein schreckliches Bild trat nach dem andern an sein Bett und rüttelte ihn. Er hatte gestern, beim Eintreten in das Haus, in der Scheune die Hechselmaschine in Bewegung gesehen. Diese sah er jetzt wieder, aber viel größer, die Scheune wurde zum Stralsunder Markte, und statt des Strohes legte man alle seine Kriegsgefährten hinein und schnitt ihnen den Kopf ab. Alles ringsum war Blut. Er sah ein liebes Haupt nach dem andern von der neuen Guillotine herabfallen, und berechnete den Moment, wo auch er von seinem Thurme herabgeholt werden würde. Jetzt legte man die Letzten auf das Brett. Ihn ergriff eine unaussprechliche Angst. Er wollte auch jetzt vom Thurme hinunterspringen, aber am äußersten Rande gereute es ihn, er klammerte sich wieder fest und schrie aus Leibeskräften: »Herbei, zu Hülfe, ich sinke – schafft mich hin zur Guillotine – ich hasse den Tyrannen – ich will diesen Tod sterben.« Von der heftigen Anstrengung erwachte er; er hatte sich fest an dem eichenen Bettgestell angefaßt, während der ganze Körper in Schweiß gebadet war.

»Holla, Teufel, was ist das?« schrie es in seiner Nähe, und der Träumer bemerkte zu seinem Schrecken, daß in allen Betten, welche er beim Besteigen des seinigen kaum im Zimmer bemerkt, sich andere Gäste einquartirt hatten. Alles gerieth in Allarm, und er hielt es für das Gerathenste, still wieder unter sein Bett zu kriechen und die Miene des Schlafenden anzunehmen. Er rief noch einmal mit schwächerer Stimme: »Ich danke Euch – danke, danke – ich bin wieder oben,« und ahmte dann alle Zeichen des festen Schlafes nach. Man glaubte ihm, und er hörte einen Scherenschleifer aus seinem Bette den Anderen zurufen: »Da sieht man doch wie der Mensch im Schlafe nicht mehr Herr über sich selbst ist. So wie mein Schleifrad, wenn es in seine Bewegung kommt, sich nicht mehr selbst halten kann, und wir sind doch vernünftige Menschen.«

Schläft er auch wirklich ganz fest? fragte der Hausirer. Der Schleifer trat an das Bett des ängstlich Horchenden und versicherte es. – Nun dann kann ich Euch wol sagen, fuhr Jener fort, daß es hier wol so seine eigene Bewandniß haben mag.

»Wie so? Was? Woher? Wer ist es?« scholl es von allen Seiten.

Wer es ist, das werde ich Euch heute nicht auf die Nase binden, morgen vielleicht zu seiner Zeit. Daß es vornehmer Leute Kind war, merkte ich ihm gestern schon an, seine Manieren paßten gar nicht recht zum Rocke, aber jetzt an seiner Sprache – und im Schlafe kann sich Niemand verstellen – habe ich ihn wieder erkannt. Es hat seine guten Gründe, warum er so schlecht angezogen geht.

»Hat er Geld bei sich?« fragte der Schleifer.

Hm, das bezweifle ich, – aber es ließe sich wol aus ihm etwas machen; es kann ja ein Sohn seyn, der den Eltern fortgelaufen ist, seine Beschreibung steht in den Zeitungen, und wer ihn wiederbringt, kriegt ein Douceur. – Ihr mochtet nun wol Alle gern wissen, wer die Eltern sind, aber, prost Mahlzeit, das ist mein Geheimniß.

Der Schleifer meinte, es wäre doch schlimm, daß kein Mensch so viel Gewalt über sich hätte, ein Geheimniß auch im Schlaf zu verschweigen. Der Hausirer erklärte jedoch das Unglück nicht für allzugroß, da es bei den Wenigsten verlohne, ob sie es verschwiegen oder ausplauderten was sie wüßten. Damit endete das Gespräch, und die Bettgenossen bekundeten alsbald durch Schnarchen, daß sie in der That wieder fest eingeschlafen waren.

So leise sich auch Alle bemüht hatten zu sprechen, war dem gespannt Horchenden doch kein Wort entgangen. Die Physiognomie des einäugigen Hausirers, auf welche gestern der Ermattete nicht geachtet, stand ihm jetzt lebendig vor Augen; er wußte, es war jener verdächtige Handelsmann im Schillschen Corps, der, als feindlicher Unteragent entdeckt, damals kaum dem Tode entrann. Seine dunkelen Reden erschienen für ihn klar. Zauderte er bis zum Anbruch des Tages, war es gewiß, daß der verrätherische Schuft ihn dem Feinde verrathe. Sein Entschluß war deshalb sogleich gefaßt. Er stieg mit der äußersten Behutsamkeit aus dem Bette, warf sich in die Kleider, so gut die Dunkelheit erlaubte, erreichte und öffnete die Thür, ohne daß die festen Männer von dem Geräusch erweckt wären, und tappte glücklich die Treppe hinab bis auf den Hausflur. Aber die Thür war verschlossen, kein Schlüssel zu finden. Die Schenkstube stand offen, er öffnete ein Fenster. In dem Augenblick überkam ihn ein Gedanke der Ehrlichkeit. Es kam ihm unrecht vor, sich fortzuschleichen, ohne die Zeche einem so freundlichen Wirthe zu bezahlen. Schon wollte er etwas Silbergeld auf den Schrank legen, als es ihm einfiel, daß er dadurch nur mehr Verdacht auf sich lade. Einem armen Schlucker, der sich, um der Rechnung zu entgehen, in der Nacht auf und davon mache, werde Niemand nachspüren; er sprang hinaus, und hinein in den nächtlichen Orkan.

Schon eine geraume Strecke war er vom Wirthshause fort über Gräben und Wiesen gesprungen, ohne zu wissen wohin? Auf einer Anhöhe blieb er jedoch stehen, der Sturm theilte die Wolken, daß der Mond durchscheinend auf Augenblicke die Gegend beleuchtete. Theodor sah die Höhen bei Peerd; im dortigen Fischerdorfe, dem abgelegensten des ganzen Ländchens, dachte er vielleicht Schutz, vielleicht Gelegenheit zum Entkommen zu finden. Allein kaum, daß er einige Schritte gegangen, verschwand der Mond. Er tappte durch Gräben und Hecken, fürchtete schon weit entfernt von seinem Ziele zu seyn, als er, über einen Zaun von weißem Seegras steigend, die Beete und Fruchtbäume eines Gärtchens zu fühlen glaubte. Er ging behutsam eine kleine Allee entlang, und stieß hier an die Wand eines hohen hölzernen Hauses. Ein Geräusch drinnen ließ ihn noch vorsichtiger jeden Laut vermeiden. Aus einer obern Oeffnung leuchtete es wie Fackelschein, und mehrere Stimmen flüsterten drinnen. Die Neugier verläßt uns oft auch in der peinlichsten Lage nicht, überdies konnte der Flüchtling ja hier Menschen finden, die seiner sich annähmen. Er suchte nach einer Spalte vergebens umher. Endlich fand er einen gekappten Fichtenstamm, vermuthlich als Pfoste vor der Hauswand eingerammt. Er schwang sich hinauf, und konnte nun durch die obere Luke den innern erleuchteten Raum überschauen.

Es war eine jener unförmlich großen Tennen, wie man sie noch häufig in den älteren Bauerhäusern auf Mönchgut findet, und wie sie auch in den alten Deutschen Gehöften zum Versammlungssaal der ganzen Hausgenossenschaft dienten, während die eigentlichen Wohnzimmer, vernachlässigt und klein, kaum mehr Raum als zur Aufstellung der Betten darboten. Eine Kienfackel, an eine der hohen das Dach stützenden Fichtensäulen befestigt, erleuchtete den großen Raum nur spärlich. Was aber darin vorging, sollte auch wol unter dem Schatten der Nacht verborgen bleiben. Zwei Gestalten, deren Umrisse Theodor nur allmählig erkannte, waren schweigend beschäftigt mit Knochen und halben Schädeln einen großen Kreis zu legen. Dann grub der Jüngere kleine Löcher an verschiedenen Enden des Saales, worin er einige Kohlen und darauf Rauchwerk streute, welches bald einen erstickenden Dampf und unangenehm starken Geruch durch die ganze Tenne verbreitete. Während alles, was Aberglauben oder Betrug bei Beschwörungen ersonnen, bunt durcheinander getrieben wurde, konnte der eine Mann, hochbejahrt wie es schien, sich des Hustens nicht enthalten, worüber ihn der andere, welcher den thätigen Beschwörer spielte, mehrmals streng zurechtwies. »Gebt Ihr nachher auch nur einen Laut von Euch, oder regt Euch von dem Platze, so seyd Ihr ein Kind des Todes. Denn, daß es ein schrecklicher, verstockter Geist ist, der uns Angst und Schweiß machen wird, könnt Ihr voraussehen.«

Auch vor Theodors Augen stieg ein Geist auf, kein Geist, wie er dem Greise erscheinen sollte, aber so finster, daß es ihn kalt überlief, aus Sorge für einen Freund. Noch war es nur Ahnung, und doch hätte er vorbrechen mögen und den Zauberer beschwören, fortzueilen von da, wo schon ein böser Geist ihn gefangen hielt. Ein Scherz war es nicht, das sagte ihm Alles; aber er konnte sich in dem Manne und in dem Zwecke des Unternehmens täuschen, und innere Angst verschloß seinen Mund.

»Alter,« murmelte der Beschwörer: »jetzt Arme und Brust entblößt, erst wird es Schweiß und dann Blut kosten.« Sie warfen Rock und Weste ab, streiften die Hemden auf, und gruben in der Mitte des Kreises eine Weile. Nachdem die Erde ungefähr eine halbe Elle tief hier aufgelockert war, traten Beide hinaus, und der Beschwörer ging mit einer Ruthe, Formeln brummend, um den Knochenkreis mehrere Male herum. »Alter,« sagte er mit gedämpfter Stimme: »ist das auch wirklich die Stelle, wo er versenkt liegt?« Der Mann zeigte auf die Mitte.

»Jetzt kann er nicht mehr da liegen,« sagte Jener nach einigem Sinnen: »es ist nicht möglich, denn eine Wünschelruthe wie diese, giebt es auf der Welt nicht, und sie zeigt nicht in die Mitte, sondern schwankt am Rande umher. – Alter, deine anderen Geldtöpfe, die rund um stehen, werden die Ruthe abziehen, weil ihr Metall, da sie noch nicht so tief gesunken sind, mehr Kraft übt, als der große Schatz unten. Wir müssen die ausgraben, sonst geht Mitternacht umsonst vorüber.«

Der Alte schien ungern daran zu gehen. Endlich gab er doch drei Punkte an. Man grub und stellte herausgegrabene Töpfe in gleicher Entfernung um den Mittelpunkt des Kreises. Der Beschwörer wiederholte jetzt sein voriges Maneuvre, streckte dann die Ruthe immer tiefer, indem er ihr mit dem Kopf folgte, und erhob beide endlich langsam und seufzend mit den Worten: »Sehr, sehr tief! Es wird schreckliche Kämpfe kosten, er wird sich sträuben und viel Blut verlangen. Alter, wirst Du es aushalten können? Wenn er so schrecklich wild heraufkommt?«

Ja, ja, zitterte der Alte: ich will was mein ist.

»Aber wenn er dein eigenes Blut, das Blut einer reinen Jungfrau will.«

Wenn es seyn muß, ich Will mein Eigen haben. Sie steht ja gebunden in der Kammer. – Ihr kleiner Finger – die Zehen, das wird doch genug seyn?

»Oder auch ihre Hand, wenn er Blut riecht, ist er unersättlich, wie Du nach Geld. – Jetzt stelle Dich, weit vom Kreise, an den Pfeiler, und klammere Dich fest an, daß er nicht mit seinen langen feurigen Krallen Dich losreißt und mit sich herunterzieht. Bete nicht, und denke auch an nichts Heiliges; das könnte Alles verderben.«

Der Greis that, wie ihm geboten wurde. Der Beschwörer warf heimlich eine Kohle in die mittlere Grube, und begann außerhalb des Kreises mit schrecklichen Gebärden fürchterlich tönende Formeln zu sprechen. Jetzt schlug es vom Kirchthurm zwölf; der Wind heulte durch den Giebel des Hauses. Der erste Theil der Beschwörung schien vorüber, und murmelnd: »Er will Blut,« nahm er aus einem Bauer einen Vogel, schnitt ihm den Kopf in der dabei stehenden Hechselmaschine ab, und warf ihn vor den Augen des Greises in die Grube. Ein heller Blitz flammte heraus und erleuchtete den Flur. Offenbar hatte er mit dem Vogel zugleich Pulver in die Grube fallen lassen, das sich an der Kohle entzündet; der Greis aber sank schreiend nieder.

»Habt Ihr den Geist nach Euch langen sehen?« fragte der Beschwörer hinzutretend. – »Mit feurigen Augen,« antwortete der Andere.– »Wäre ich nicht dazwischen getreten, hatte er Euch gefaßt. Ich muß Euch mit meinem Gürtel an den Pfeiler binden, sonst ist es mit Euch aus, denn er will viel mehr Blut, und wird viel schrecklicher wiederkommen.«

Der zitternde Alte war zum Spielball des Gauklers geworden. Festgebunden an der Säule sah er einen schwarzen Kater auf gleiche Weise schlachten und in die Grube werfen, worauf eine noch mächtigere Flamme bis in die Spitze des Daches stieg. Wimmernd hielt sich der Alte an die Säule, sein Zähneklappern klang fürchterlich für den Zuschauer. Eben sann er, wie das frevelhafte Spiel zu stören, als der Beschwörer aus der Kammer ein halb entkleidetes Mädchen, dessen Hände auf den Rücken gebunden waren, hereintrug. Sie sträubte sich und schrie heftig, als sie das Feuer, Blut und den gebundenen Alten erblickte. Im Vorbeitragen hörte Theodor wie der Peiniger ihr zuflüsterte: »Kein Haar soll Dir gekrümmt werden, schreie nur etwas, wenn ich Dich an's Messer halte, kein Blut, nur zum Schein. Ich will Dich hinführen, wo es Dir besser gehen soll, als bei dem Geizhals.« Das Mädchen aber mochte die Sprache nicht verstehen, oder ihr nicht trauen, – sie rang mit ihm, und schrie aus Leibeskräften als er ihre Hand auf die Maschine legte. Die Fackel knisterte jetzt hell auf, vermuthlich an dieser Stelle mit Pulver versetzt, und im Feuerregen erkannte Theodor das schone Mädchen, das ihm am Abende begegnet war. Wuth übermannte ihn, und er rief mit der ganzen Gewalt des Zornes: »Julius von ***, was beginnst du?«

Seine Stimme hatte eine fürchterlichere Wirkung, als er voraussehen mochte. Ein allgemeiner Schrei betäubte ihn. Julius – denn daß dieser der Geisterbanner gewesen, darin war Theodor mit jedem Moment mehr bestärkt worden – stand einen Augenblick leichenblaß ohne Regung da; dann, als er, starrend ins Dunkle, Niemand erblickte, schrie er laut auf, bedeckte das Gesicht mit beiden Händen, und stürzte umgewandt zu einer von Theodor bisher nicht bemerkten Nebenpforte hinaus. Er hörte, wie der Verzweifelnde in unbedachter Hat über die Hecken fortsprang, und ihn reute des Freundes. So schnell er jedoch hinunterstieg, und um die Ecke des Hauses dem Entfliehenden nacheilte, konnte er ihn doch nicht mehr erreichen. Querfeldein stürzte dieser, wie von einem bösen Geist getrieben, und hörte nicht auf den Freund, der seinen Namen ihm so lange nachrief, bis die Gestalt des Laufenden fern im Schatten verschwand.

»So also sollte ich ihn zum letzten Male sehen!« sagte Theodor, und wandte sich von der Verfolgung nach dem Hause, um drinnen Trost und Hülfe zu bringen, vielleicht auch zu finden.

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