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Die Fünfundvierzig

Alexandre Dumas (der Ältere): Die Fünfundvierzig - Kapitel 25
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas d. Ä.
titleDie Fünfundvierzig
publisherFranck'sche Verlagshandlung
editorK. Walther
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
projectid7fe78599
created20070315
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Zweiter Band

Die Herren Bürger von Paris.

Herr von Mayenne, mit dem man sich so viel im Louvre beschäftigte, ohne daß er es vermutete, entfernte sich aus dem Hotel Guise durch eine Hintertür, gestiefelt und zu Pferd, als ob er gerade von der Reise käme, und begab sich mit drei Edelleuten in den Louvre.

Von seiner Ankunft benachrichtigt, ließ Herr von Epernon seinen Besuch dem König melden, während Herr von Loignac den Fünfundvierzig eine zweite Nachricht zukommen ließ, worauf sich fünfzehn verabredetermaßen in den Vorzimmern, fünfzehn im Hof und vierzehn in ihrer Wohnung aufstellten.

Wir sagen vierzehn, weil Ernauton, der, wie der Leser weiß, einen besonderen Auftrag erhalten hatte, nicht unter seinen Gefährten war. Da jedoch das Gefolge des Herrn von Mayenne durchaus keine Furcht einflößen konnte, so erhielt die zweite Abteilung Erlaubnis, in die Kaserne zurückzukehren.

Bei Seiner Majestät eingeführt, machte Herr von Mayenne ehrfurchtsvoll dem König eine Aufwartung, die dieser liebevoll aufnahm.

»Nun, mein Vetter,« fragte der König, »Ihr besucht Paris wieder einmal?« – »Ja, Sire, ich glaubte in meiner Brüder und in meinem Namen kommen zu müssen, um Eure Majestät daran zu erinnern, daß sie, keine treueren Untertanen hat als uns.« Bei Gott, das ist so bekannt, daß Ihr, abgesehen von dem Vergnügen, das Ihr mir, wie Ihr wißt, durch Euren Besuch macht, Euch in der Tat diese kleine Reise ersparen konntet. Ihr müßt sicherlich noch einen andern Grund gehabt haben.« – »Sire, ich befürchtete, Euer Wohlwollen für das Haus Guise könnte durch die seltsamen Gerüchte leiden, die unsere Feinde seit einiger Zeit in Umlauf bringen.«

»Was für Gerüchte?« fragte der König mit jener Gutmütigkeit, die ihn für die Vertrautesten so gefährlich machte. – »Wie,« fragte Mayenne, etwas aus der Fassung gebracht, »Eure Majestät hätte nichts Ungünstiges über uns reden hören?«

»Mein Vetter, wißt einmal für allemal, daß ich es nicht dulden würde, wenn man hier Schlimmes von den Herren von Guise reden wollte; und da man dies hier besser weiß, als Ihr es zu wissen scheint, so tut man es auch nicht.« – »Dann werde ich nicht bedauern, gekommen zu sein, da ich das Glück habe, meinen König zu sehen und ihn in solcher Stimmung zu finden; nur muß ich gestehen, daß meine Eile unnötig war.«

»Oh! Herzog, Paris ist eine gute Stadt, von der man immer irgendeinen Nutzen zu ziehen hat.« – »Ja, Sire, aber unsere Aufgaben fesseln uns doch an Soissons.«

»Meine, Herzog?« – »Die Eurer Majestät, Sire.«

»Es ist wahr, Mayenne; fahrt also fort, sie zu erfüllen, wie Ihr angefangen habt; ich weiß die Haltung meiner Diener nach Gebühr zu schätzen und anzuerkennen.«

Der Herzog entfernte sich lächelnd, und der König kehrte, sich die Hände reibend, in sein Zimmer zurück.

Loignac machte Ernauton ein Zeichen; dieser sagte seinem Diener ein Wort und schickte sich an, den vier Reitern zu folgen. Der Diener lief in den Stall, und Ernauton folgte zunächst zu Fuß.

Es war keine Gefahr, Herrn von Mayenne zu verlieren; durch Perducas' Schwatzhaftigkeit war die Ankunft eines Prinzen vom Hause Guise in Paris bekannt geworden, und die guten Ligisten fingen an, ihre Häuser zu verlassen und seine Spur aufzusuchen.

Man war ihm bis zum Louvre gefolgt, und hier erwarteten ihn dieselben Leute, um ihn wieder bis zu den Pforten seines Hotels zu begleiten.

Vergebens suchte Mayneville die Eifrigsten zu entfernen, indem er zu ihnen sagte: »Nicht so viel Feuer, meine Freunde, beim wahrhaftigen Gott! Ihr gefährdet uns.«

Trotzdem hatte der Herzog ein Geleite von zwei- bis dreihundert Personen, als er zum Hotel Saint-Denis kam, das er zur Wohnung gewählt hatte.

Es war dadurch Ernauton sehr leicht gemacht, dem Herzog zu folgen, ohne bemerkt zu werden. In dem Augenblick, als der Herzog sich umkehrte, um zu grüßen, glaubte er in einem von den Edelleuten, die zu gleicher Zeit ihn grüßten, den Reiter zu erkennen, der den Pagen oder den der Page begleitete, den er durch die Porte Sainte-Antoine hereingebracht hatte.

Beinahe in demselben Moment und während Mayenne verschwand, durchschnitt eine Sänfte die Menge. Mayneville ging ihr voran, ein Vorhang wurde auf die Seite geschoben, und bei einem Lichtstrahl glaubte Ernauton sowohl seinen Pagen als die Dame von der Porte Sainte-Antoine zu erkennen.

Mayneville und die Dame wechselten ein paar Worte, und die Sänfte verschwand ebenfalls unter dem Torweg des Hotels;, Mayneville folgte der Sänfte und das Tor wurde wieder geschlossen. Einen Augenblick nachher erschien Mayneville auf dem Balkon, dankte den Parisern im Namen des Herzogs und forderte sie, da es spät war, auf, nach Hause zurückzukehren, damit Böswillige ihrer Ansammlung keine schlimme Deutung geben könnten. Darauf entfernten sich alle, mit Ausnahme von zehn Männern, die im Gefolge des Herzogs eingetreten waren. Ernauton entfernte sich wie die andern oder gab sich vielmehr den Anschein, als entfernte er sich. Die zehn Auserwählten, die blieben, waren die Abgeordneten der Lige, die bei Herrn von Mayenne erschienen, um ihm für seine Ankunft zu danken, zugleich aber, um ihn zu beschwören, er möge seinen Bruder zum Kommen bestimmen.

Diese würdigen Bürger hatten in ihren vorbereitenden Versammlungen eine Menge von Plänen ersonnen, denen nur noch die Zustimmung und Unterstützung eines Hauptes fehlte, auf das man zahlen konnte.

Bussy-Leclerc meldete, er habe drei Klöster in der Handhabung der Waffen eingeübt und fünfhundert Bürger eingereiht, das heißt eine Truppe von tausend Mann zur Verfügung gestellt. Lachapelle hatte die Beamten, die Schreiber und das ganze Volk von Paris bearbeitet. Er konnte zugleich den Rat und die Tat anbieten, den Rat in Gestalt von zweihundert Schwarzröcken, die Tat mit zweihundert Stadtbogenschützen.

Brigard hatte die Kaufleute der Rue des Lombards, die Pfeiler der Hallen und der Rue Saint-Denis gewonnen. Crucé hatte die Anwälte mit Lachapelle-Marteau bearbeitet und verfügte dabei noch über die Universität von Paris. Debar brachte die Schiffer und Hafenarbeiter, eine gefährliche Gattung, die etwa fünfhundert Mann zählte. Louchard verfügte über fünfhundert Roßtäuscher und Pferdehändler, wütende Katholiken. Ein Kannengießer namens Bollard und ein Speckhändler namens Gilbert machten sich für fünfzehnhundert Schlächter und Speckhändler der Stadt und der Vorstädte verbindlich. Meister Nicolas Poulain, Chicots Freund, bot die ganze Bevölkerung auf.

Als der Herzog in der Sicherheit seines verschlossenen Zimmers diese Mitteilungen und Anerbietungen vernommen hatte, sagte er: »Ich bewundere die Kräfte der Lige, aber ich sehe das Ziel nicht, das sie mir ohne Zweifel vorschlagen will.«

Meister Lachapelle-Marteau schickte sich an, eine Rede mit drei Teilen zu halten; er pflegte bekanntermaßen sehr weitschweifig zu sein; Mayenne sagte schaudernd: »Machen wir rasch!«

Bussy-Leclerc schnitt Marteau das Wort ab und sagte: »Gnädigster Herr, es verlangt uns nach einer Veränderung, wir sind die Stärkeren und wollen folglich diese Veränderung; das ist kurz, klar und bestimmt.«

»Aber wie werdet Ihr zu Werke gehen, um diese Veränderung zu erreichen?« – »Mir scheint,« antwortete Bussy-Leclerc freimütig, »da der Gedanke der Union von unseren Häuptern herrührt, so ist es an diesen und nicht an uns, das Ziel zu bezeichnen.«

»Meine Herren,« sagte Mayenne, »ihr habt vollkommen recht, das Ziel muß von denen bezeichnet werden, die die Ehre haben, eure Führer zu sein; aber der General hat auch zu beurteilen, in welchem Augenblick die Schlacht geliefert werden soll, und mag er seine Truppen in Reihe und Glied aufgestellt, bewaffnet und voll Eifer sehen, das Signal zum Angriff wird er nur dann geben, wenn er dies tun zu müssen glaubt.«

»Aber, gnädigster Herr,« erwiderte Crucé, »die Lige hat Eile, wie wir uns schon einmal zu sagen erlaubten.«

»Eile, was zu tun, Herr Crucé?« – »Anzukommen.«

»Wo?« – »Bei unserem Ziele; wir haben auch unsern Plan.« –

»Dann ist es etwas anderes,« versetzte Mayenne; »wenn ihr euren Plan habt, vermag ich nichts mehr zu sagen.« – »Ja, gnädigster Herr; doch können wir auf Eure Unterstützung rechnen?«

»Ganz gewiß, wenn dieser Plan mir und meinem Bruder genehm ist?« – »Das ist wahrscheinlich, Monseigneur.«

»So laßt euren Plan hören!«

Die Ligisten schauten sich an; zwei oder drei bedeuteten Lachapelle-Marteau durch ein Zeichen, er möge sprechen. Lachapelle-Marteau trat vor und schien den Herzog um Erlaubnis zu bitten, sich erklären zu dürfen.

»Sprecht!« sagte der Herzog.

»Hört!« begann Lachapelle-Marteau. »Der Gedanke ist Leclerc, Crucé und mir gekommen. Wir haben unsern Plan wohl überlegt, und es ist wahrscheinlich, daß sein Erfolg gewiß ist.«

»Zur Sache, Herr Marteau, zur Sache!«

»Es gibt mehrere befestigte Knotenpunkte in der Stadt, das kleine und das große Chatelet, den Palast des Temple, das Stadthaus, das Arsenal und den Louvre.« – »Das ist wahr,« sagte der Herzog. – »Alle diese Punkte werden durch stehende Garnisonen verteidigt, die jedoch zu überwinden sind, da sie nicht auf einen Handstreich gefaßt sein können.« – »Ich gebe auch dies zu.«

»Die Stadt wird jedoch überdies vom Hauptmann von der Scharwache mit seinen Bogenschützen verteidigt. Wir haben nun folgendes ersonnen:

»Wir nehmen den Hauptmann von der Scharwache in seiner Wohnung fest. Der Handstreich läßt sich ohne Lärm ausführen, da der Ort öde und abgelegen ist.«

Mayenne schüttelte den Kopf und erwiderte: »So öde und abgelegen er sein mag, so sprengt man doch nicht ein gutes Tor und tut nicht etliche und zwanzig Büchsenschüsse ohne Lärm.«

»Wir haben diesen Einwurf vorhergesehen, gnädigster Herr; einer von den Bogenschützen des Hauptmanns von der Scharwache ist uns ergeben. Mitten in der Nacht klopfen wir nun an das Tor; der Bogenschütze öffnet uns und meldet dem Hauptmann, Seine Majestät wolle ihn sprechen. Das ist nichts Auffallendes. Ungefähr einmal im Monat wird dieser Offizier zum König berufen, um Meldungen zu machen und Aufträge in Empfang zu nehmen. Ist das Tor offen, so lassen wir zehn Mann von den Schiffsleuten eintreten und den Hauptmann von der Scharwache expedieren.« – »Das heißt erwürgen.« »Ja, gnädigster Herr. So sind die ersten Befehle zur Verteidigung abgeschnitten. Es ist wahr, es können andere Beamte von den zitternden Bürgern oder den Politikern vorgeschoben werden; da ist der Herr Präsident, sodann der Chevalier d'O., Herr von Chiverney, der Herr Staatsanwalt Laguesle; nun wohl! Man wird sich ihrer Häuser zu gleicher Zeit bemächtigen; die Bartholomäusnacht hat uns gelehrt, wie man das macht, und man wird sie behandeln, wie man den Herrn Hauptmann von der Scharwache behandelt hat.«

»Ah! ah!« rief der Herzog, der die Sache ernst fand.

»Das wird eine vortreffliche Gelegenheit sein, gnädigster Herr, über die Politiker herzufallen, die sämtlich in unseren Quartieren bezeichnet sind, um den religiösen wie den politischen Ketzern den Garaus zu machen.«

»Dies alles ist herrlich,« sagte Mayenne, »doch ihr habt mir nicht erklärt, ob ihr auch in einem Augenblick den Louvre, ein wahres befestigtes Schloß, nehmen werdet, wo beständig Garden und Edelleute wachen. Der König, so furchtsam er auch sein mag, wird sich nicht erwürgen lassen, wie der Hauptmann von der Scharwache; er wird das Schwert ergreifen, und, bedenkt Wohl, er ist der König; seine Gegenwart wird eine große Wirkung auf die Bürger hervorbringen, und man wird euch schlagen.«

»Wir haben viertausend Mann zur Expedition nach dem Louvre ausgewählt, und viertausend Mann lieben den Valois nicht hinreichend, daß seine Gegenwart die von Euch bezeichnete Wirkung hervorbringen dürfte.«

»Ihr glaubt, das werde genügen?« – »Gewiß, wir sind zehn gegen einen,« sagte Bussy-Leclerc.

»Und die Schweizer? Es sind ihrer viertausend, meine Herren!« – »Ja, aber sie stehen in Lagny, und Lagny ist acht Meilen von Paris; nehme ich nun an, der König könne ihnen Nachricht senden, so brauchen die Boten zwei Stunden zu dem Ritt, die Schweizer acht Stunden, um den Weg zu Fuß zurückzulegen, das macht zehn Stunden, und sie werden gerade zu rechter Zeit kommen, um an den Barrieren festgenommen zu werden, denn in zehn Stunden sind wir Herren der ganzen Stadt.«

»Wohl! es sei, ich gebe dies alles zu; der Hauptmann von der Scharwache ist erwürgt; die Politiker sind umgebracht, die Behörden der Stadt sind verschwunden; alle diese Hindernisse sind überwunden; ohne Zweifel habt ihr euch entschieden, was ihr dann tun werdet?« – »Wir machen eine Regierung als ehrliche Leute, wie wir sind,« sagte Brigard, »und wenn wir nur in unserem kleinen Gewerbe mit Vorteil arbeiten, wenn uns das Brot für unsere Frauen und Kinder gesichert ist, verlangen wir nicht mehr. Der Ehrgeiz des einen oder des andern von uns wird ihn vielleicht wünschen lassen, Zehner oder Viertelsmeister oder Kommandant einer Kompagnie zu werden; aber höher streben unsere Wünsche nicht; Ihr seht, daß wir nicht anspruchsvoll sind.«

»Herr Brigard, Ihr sprecht goldene Worte,« sagte der Herzog; »ja, ihr seid ehrlich, ich weiß es wohl, und ihr werdet in euren Reihen keine fremde Mischung dulden.«

»Oh! nein, nein,« riefen mehrere Stimmen, »keine Hefe bei dem guten Wein!«

»Vortrefflich!« rief der Herzog, »das heiße ich sprechen. Laßt nun hören, Herr Leutnant von der Prevoté, sagt, gibt es viele Taugenichtse und schlimmes Voll im Bezirk der Hauptstadt?«

Nicolas Poulain, der sich nicht ein einziges Mal vorangestellt hatte, trat nun gleichsam wider seinen Willen vor und antwortete: »Ja, gnädigster Herr; es gibt nur zu viel.«

»Könnt Ihr uns ungefähr die Zahl dieses Pöbels nennen?« – »Ja, ungefähr.«

»Schätzt ihn also, Meister Poulain.«

Poulain rechnete an den Fingern. »Diebe, drei- bis viertausend. Müßiggänger und Bettler, zweitausend bis zweitausendfünfhundert. Gelegentliche Diebe, fünfzehnhundert bis zweitausend. Mörder, vier- bis fünfhundert.« »Gut, gering gerechnet sind dies sechstausend oder sechstausendfünfhundert Galgenvögel. Welcher Religion gehören diese Leute an?« »Wie beliebt, gnädigster Herr?«

»Sind es Hugenotten oder Katholiken?« – Lachend erwiderte Poulain: »Sie sind von allen Religionen, Monseigneur, oder vielmehr von einer einzigen; ihr Gott ist das Geld, und das Blut ist ihr Prophet.«

Gut, und was ist ihr politisches Glaubensbekenntnis? Sind sie Anhänger von Valois, sind sie Ligisten, eifrige Politiker oder Navarresen?« – »Sie sind Räuber und Diebe.«

»Gnädigster Herr,« sagte Crucé, »glaubt nicht, daß wir diese Menschen je zu Verbündeten nehmen werden!«

»Nein, ich denke das nicht, und das ist es gerade, was mich ärgert.«

»Und warum ärgert Euch das?« fragten erstaunt einige Mitglieder der Deputation. – »Ah! begreift Wohl, meine Herren, diese, Leute, die keine Religion, keine Meinung haben, und die also nichts mit euch verbindet, werden, wenn sie sehen, daß es in Paris keine Behörden, keine öffentliche Macht, kein Königtum mehr gibt, eure Buden plündern, während ihr Krieg führt, und eure Häuser ausleeren, indes ihr den Louvre besetzt; bald werden sie sich an die Schweizer gegen euch, bald an euch gegen die Schweizer anschließen, so daß sie stets die Stärkeren sind.«

»Teufel!« riefen die Deputierten, indem sie einander anschauten.

»Ich denke, das ist ernst genug, um es in Erwägung zu ziehen, nicht wahr, meine Herren?« sagte der Herzog. »Ich meinesteils beschäftige mich sehr viel hiermit und werde ein Mittel suchen, diesem Übel zu begegnen; denn vor allem euer Interesse, das ist der Wahlspruch meines Bruders und der meinige.«

Die Deputierten ließen ein Gemurmel des Beifalls vernehmen.

»Meine Herren, erlaubt einem Mann, der vierundzwanzig Meilen Tag und Nacht zu Pferd zurückgelegt hat, einige Stunden zu schlafen; es ist keine Gefahr im Verzug, wenigstens jetzt nicht, während, wenn ihr handeln würdet, Gefahr vorhanden wäre; das ist vielleicht nicht eure Ansicht?« – »Doch, Herr Herzog,« sagte Brigard.

»Sehr gut.« – »Wir nehmen also untertänigst Abschied von Euch, gnädigster Herr,« fuhr Brigard fort, »und wenn Ihr uns eine neue Zusammenkunft bestimmen wolltet ...«

»Seid unbesorgt, so bald als möglich, meine Herren,« sagte Mayenne; »morgen vielleicht, spätestens übermorgen,« Und er entließ sie, während sie noch ganz betäubt über diese weise Vorsicht waren, die eine Gefahr entdeckt hatte, die ihnen nicht entfernt eingefallen war.

Doch kaum war er verschwunden, als sich eine in der Tapete verborgene Tür öffnete und eine Frau hastig in den Saal trat.

»Die Herzogin!« riefen die Abgeordneten.

»Ja, meine Herren, und sie wird euch der Verlegenheit entziehen,« rief die Herzogin.

Die Abgeordneten, die ihre Entschlossenheit kannten, aber auch ihren Enthusiasmus fürchteten, drängten sich um sie.

»Meine Herren,« fuhr die Herzogin lächelnd fort, »was die Hebräer tun konnten, hat Judith allein getan; hofft! Ich habe auch meinen Plan.«

Und sie reichte den Ligisten zwei weiße Hände, die die Artigsten küßten, und entfernte sich sodann durch die Tür, durch die Mayenne weggegangen war.

»Bei Gott!« rief Bussy-Leclerc, der sich den Schnurrbart leckte und der Herzogin folgte, »das ist entschieden der Mann der Familie!«

»Uff!« murmelte Nicolas Poulain, indem er sich den Schweiß abwischte, der ihm auf die Stirn getreten war, »ich wollte, ich wäre aus allem heraus.«

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