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Die Frösche

Aristophanes: Die Frösche - Kapitel 5
Quellenangabe
typecomedy
booktitleKomödien
authorAristophanes
translatorLudwig Seeger
firstpub1845-48
yearca. 1960
publisherVollmer Verlag
addressWiesbaden / Berlin
titleDie Frösche
pages255-256
created20070413
sendergerd.bouillon
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Vierte Szene

Aiakos, Xanthias, der Chor

Aiakos: So wahr ich leb', ein wahrhaft edler Mann
Ist doch dein Herr –

Xanthias:                         Ein Edler? Das versteht sich:
Im Zechen und im Schwächen ist er Meister!

Aiakos: – Daß er dich nicht gepeitscht, wie du ihm unter
Die Nase logst, du, Sklave, seist der Herr!

Xanthias: Das wär' ihm schlecht bekommen!

Aiakos:                                                           Ehre machst
Du unserm Stand; ich treib' es ebenso!

Xanthias: Auch du?

Aiakos:                     Mir ist's 'ne wahre Seligkeit,
So in den Bart auf meinen Herrn zu fluchen.

Xanthias: Und im Hinausgehn nach empfangnen Prügeln
Noch brummen? Gelt?

Aiakos:                               Auch das ist süßer Trost!

Xanthias: Und naseweis –

Aiakos:                               Das geht mir über alles!

Xanthias: O Sympathie! – Zu horchen, was die Herrschaft
Bespricht?

Aiakos:             Da bin ich außer mir vor Wonne!

Xanthias: Und auf der Gass' es auszuplaudern?

Aiakos:                                                               Sieh,
Nichts köstlicher! Das schmeckt mir wie 'ne Dirne!

Xanthias: Komm, Bruderherz, gib mir die Hand, schlag ein
Und laß dich küssen, küsse mich und sprich,
Bei Zeus, dem Gott der Prügelbrüderschaft – –
Horcht
Was gibt's da drinnen für Geschrei und Lärm?
Wer zankt?

Aiakos:             Euripides und Aischylos!

Xanthias: Aha!

Aiakos:             Geschichten, schreckliche Geschichten
Sind los im Totenreich, gewalt'ger Aufruhr!

Xanthias: Weshalb?

Aiakos:                     Es ist Gesetz bei uns hier unten,
Daß, wer in einer schweren, edlen Kunst
Der Beste seiner Kunstgenossen ist,
Der kriegt im Prytaneion freie Kost
Und thront zunächst bei Pluton.

Xanthias:                                         Ich versteh'!

Aiakos: Bis dann ein andrer kommt, der Größres noch
Geleistet; diesem tritt er ab den Thron.

Xanthias: Was lärmt denn nun der Aischylos da drinnen?

Aiakos: Er hatte just den tragischen Ehrensitz
Als Meister seiner Kunst.

Xanthias:                                 Wer hat ihn jetzt?

Aiakos: Nun kam Euripides und trat sogleich
Vor Beutelschneidern, Taschendieben, Gaunern
Und Vatermördern deklamierend auf.
Der Kerls ist hier die Meng': die riefen gleich,
Von seinen Pro und Kontras, Schlüssen, Kniffen
Ganz hingerissen, ihn als Meister aus.
Das blies ihn auf, er forderte den Thron
Des Aischylos –

Xanthias:                   Und wurde nicht gesteinigt?

Aiakos: O nein! Der Pöbel schrie: ›Ein Schiedsgericht
Soll sprechen, wer der größte Künstler ist!‹

Xanthias: Schrie das Gesindel so?

Aiakos:                                           Daß Erd' und Himmel
Erbebten!

Xanthias:         Und wer stritt für Aischylos?

Aiakos: Die Bessern sind auch hier gar dünn gesät.

Xanthias: Und was gedenkt denn Pluton jetzt zu tun?

Aiakos: Schnell anzuordnen Wettkampf, Schiedsgericht
Und Prüfung ihrer Kunst.

Xanthias:                                 Wie kommt es denn,
Daß Sophokles den Thron nicht angesprochen?

Aiakos: Wie? Sophokles? Der küßte Aischylos
Gleich wie er kam, und drückt' ihm warm die Hand,
Und jener bot ihm an den Ehrensitz:
Doch woll' er, so erzählt Kleidemides,
Im zweiten Gliede stehn; wenn Aischylos
Gesiegt, zufrieden sein, im andern Fall
Sich dem Euripides als Gegner stellen.

Xanthias: Und nun, was weiter?

Aiakos:                                       Ei, der Tausend! Gleich
Hier auf der Stelle bricht das Wetter los!
Nach Unzen wird die Dichtkunst hier gewogen.

Xanthias: Nach Apothekerbrauch? Glück zu, Tragödie!

Aiakos: Sie bringen Ell' und Zollstab für die Verse
Und Ziegelformen, sie hineinzupassen,
Und Winkelmaß und Zirkel; messen wird
Euripides das Drama Vers für Vers.

Xanthias: Das wird dem Aischylos verdrießlich sein!

Aiakos: Wild, vorgeneigt, ein Kampfstier sah er drein!

Xanthias: Wer soll denn richten?

Aiakos:                                         Schwierig war die Wahl.
An kunstverständ'gen Männern mangelt's hier;
Athener selbst verbat sich Aischylos!

Xanthias: Er hält die meisten wohl für Diebsgesindel!

Aiakos: Ja, und den Rest für Narren, nicht befähigt,
Talent und Kunst zu würd'gen. Also trugen
Sie deinem Herrn es auf, als großem Kenner.
Doch komm herein; denn wenn die Herrn in Eifer
Geraten, gibt's für unsereins nur Püffe.

Beide ab

Chor: Wahrlich, der donnernde Mann wird schrecklich im Herzen ergrimmen,
Sieht er den spitzigen Schwätzer, den Feind, zum entscheidenden Kampfe
Wetzen den Zahn; in erhabenem Ingrimm die Augen
Rollen wird er fürchterlich;

Sausende Worte wird's setzen und helmumflatternde Verse,
Splitter und Hobelspän' und künstlich gedrechselte Schnitzel,
Wenn des gewaltigen Meisters sich bäumende Rede
Jener Mann parieren wird!

Sträubend die zottige Mähne des nackenumwallenden Haupthaars,
Runzelnd die borstigen Brauen wird klobengenietete Worte
Brüllend er schleudern, wie Bretter, heruntergerissen,
Schnaubend mit Titanenwut!

Allzeitfertig wird dann und silbenstechend die glatte
Zunge Geschwätz aufwirbeln und tückisch im Kreise sich drehen,
Worte zerspalten, wie Haar, und zerhacken des Riesen
Heldenarbeit kurz und klein!

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