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Die Frivolitäten des Herrn von D.

Franz Blei: Die Frivolitäten des Herrn von D. - Kapitel 4
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authorFranz Blei
titleDie Frivolitäten des Herrn von D.
publisherVerlag Kurt Desch GmbH
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Die Entführung

Im Zwischenakt nach Romeos einziger Nacht meldete der Logenschließer, Baronesse Albertine würde ans Telefon gebeten. Kam zurück und sagte:

»Fini Brockhausen hat angerufen. Sie und ihr Mann erwarten uns nach der Vorstellung bei sich zu Hause. Sie schicken ihr Auto. Ich habe auch für dich zugesagt, Mie.«

Mie hatte nichts dagegen, da Albertine ihr versicherte, sie würde ihren Gatten bestimmt bei Brockhausens nicht treffen. Mie, eine junge Frau von dreißig Jahren, bereitete gerade ihre dritte Ehescheidung vor. »Weiß Gott, warum du immer gleich heiraten mußt, wenn du genau weißt, wie's ausgeht«, sagte Albertine, deren neunzehn gänzlich unerfahrene Jahre sich darin gefielen, von Liebessachen etwas frivol zu sprechen. Sie wußte übrigens auch, daß das gut zu ihrem schlanken, jungenhaften Körper paßte und zu dem kleinen Köpfchen im halblang geschnittenen Haar.

»Mir machen halt Verhältnisse nur Spaß, wenn sie legitim sind«, erklärte Mie. Da flog der Vorhang auseinander vor dem Klostergarten. »Der Julia ist es genauso gegangen.«

Der Chauffeur erwartete die beiden Damen im Foyer und brachte sie zum Auto. »Rührend ist die Fini«, meinte Mie, als man im Coupe vor Pelzdecken kaum Platz zum Sitzen fand. »Als ob's drei Stunden auf den Semmering ginge und nicht drei Minuten in die Gußhausgasse.«

»Und die Heizung ist auch eingeschaltet«, stellte Albertine fest, »es ist wie in einem Treibhaus.«

Der Wagen sprang an. Glitt nach kurzem Manöver in eine wagenleere Seitengasse und nahm ein Tempo, daß die Damen mit einem Ruck gegen die Rückwand prallten.

»Na, na, der hat's pressant«, meinte Mie und nahm ein unterbrochenes Gespräch wieder auf. »Schau, Berti, das verstehst du eben noch nicht. Das hat auch mit der Freundschaft nicht das mindeste zu tun. Wir stehen im Anfang der Saison. Ohne alle Absicht, ganz von selber gibt's da leicht Ähnlichkeiten, Wiederholungen und so, im Schnitt, in der Linie. Ich habe sie entdeckt, ich habe sie nach Wien gebracht, sie gehört mir allein vorläufig. Ich kann sie dir nicht geben, Berti. Im Frühjahr vielleicht, nach dem ersten Rennen.«

Man erkennt, daß es sich um Mies Schneiderin handelt, wenn solche Bezeichnung hinreicht für eine Person, die, wie Mie in bisher acht Toiletten gezeigt hatte, wahre Wunder schuf. Albertine war nicht die einzige, die sich bemühte, diese geheimnisvolle, fabelhafte Person herauszukriegen.

»Also sei mir nicht bös.«

Albertine schaute zum Wagenfenster hinaus. »Wie fährt denn der Mensch? Wir müßten doch, bei dem Tempo, schon da sein!«

»Das sieht ja aus wie Meidling oder so«, meinte Mie, zum andern Fenster hinausblickend. Der Wagen sauste durch eine Gegend, deren geringe Beleuchtung ganz niedere Häuser zuweilen sichtbar machte, kaum hier und da einen Fußgänger oder das gelbe Licht aus einer Kneipe.

»Chauffeur!« Mie klopfte an das vordere Fenster. Der krumm über das Lenkrad gebeugte Mann rührte sich nicht, hörte nichts. Der Wagen nahm Fahrt, daß man das Rechts und Links der Straße nur als einen etwas helleren Strich im nächtlichen Dunkel merkte. Da zerfloß auch dieser Strich, zerging in Nacht.

»Berti!« Mie faßte nach einer Hand, die sich ihr aus gleichem Gefühl entgegenstreckte. »Was ist das?« Angst preßte die beiden Frauen aneinander, daß sie sich umklammerten, als ob sie im nächsten Augenblick in einen Abgrund stürzten. »Entweder ist der Mensch wahnsinnig oder ...« Albertine wollte die besseren Nerven haben, löste sich los, griff an die Tür: sie war von außen verschlossen. Auch die andere. Mie tat einen langen Schrei, wie es ihr vorkam; aber es war nur ein ganz dünner, hoher Laut, kaum ihr selber hörbar im Krachen des Auspuffs. Der Mann am Lenkrad pumpte Öl wie ein Besessener. Albertine legte das Gesicht hart an das Fenster. Mondlicht kam über hohe Bäume. Man fuhr durch Wälder. Mie vergingen die Sinne. Sie sank in die Ecke. Albertines Flakon mit dem zartduftenden Coty-Mystère hatte unter Mies kleine Nase gesteckt nicht die geringste Wirkung. Wenn man ein Fenster einschlüge? Aber den verrückt gewordenen Chauffeur würde das kaum vernünftig machen, und hören würde es auch niemand. Albertine sank an die ohnmächtige Freundin und schloß die Augen.

Es war eine scharfe Kurve des Wagens, welche die beiden Damen etwas grob aufweckte aus halbem Schlaf, halber Ohnmacht. Da wurde auch schon die Tür aufgerissen, eine Hand streckte sich ins Coupé, eine Männerstimme wurde hörbar, welche die Damen auszusteigen bat. Der nun aufblitzende Scheinwerfer des Autos zeigte ein halboffenes Portal mit einem Stück alter Fassade, efeubewachsen, einen Diener mit flackerndem Armleuchter und die zum Aussteigen einladende Person, einen älteren Mann mit der Würde eines Schloßkastellans. »Fürchten Sie nichts, meine Damen, es ist nur eine kleine Überraschung«, sagte er, als die beiden auszusteigen zauderten, »nichts als das.« Die mutigere Albertine wollte sprechen, fragen, aber das Wort blieb ihr im Munde stecken, der, ganz ausgetrocknet, sich kaum öffnete. Da kam es ganz weinerlich aus dem Wagen: »Was wollen Sie denn von uns, um Gottes willen?« Es war Mie, die sich in Tränen auflöste. Der Scheinwerfer erlosch, und zum Diener mit den Kerzen trat aus dem Portal ein zweiter, der ein Windlicht trug. Von irgendwo aus einem Fenster des im Dunkel starrenden Gebäudes kam, mehr Befehl als Frage, eine Stimme: »Wird's bald?« -- »Sie sehen, meine Damen, es ist Zeit und in Ihrem Interesse. Je rascher Sie folgen, um so früher sind Sie wieder zu Hause.«

Der Diener mit dem Kandelaber schritt voran in die Halle. Hinter ihm, mehr sich schleppend als gehend, Mie und Berti. Dann kam der mit dem Windlicht. Eine Wendeltreppe ging's hinauf, ein Stockwerk, ein zweites, ein drittes. Das Zimmer war kreisrund, in dem nun die Lakaien die Lichter auf den gedeckten Tisch stellten und das einzige Fenster schlossen. Das Mobiliar schien etwas a l'improvisato in den kahlen Raum gebracht worden zu sein, denn ein Sofa, eine Couchette, ein reichlich versehener Toilettentisch standen etwas geniert und allzu füllend herum. Da trat der Kastellan mit einer älteren weiblichen Person herein, wohl einer Kammerfrau. Und sagte zu Mie: »Das Fräulein wird Ihnen behilflich sein. Die Gnädige sind nämlich gebeten, sich sofort auszuziehen.« Mie tat einen großen Schrei, Albertine machte das Echo. »Ein Protest wird nichts nützen, meine Damen. Wir scheuen auch vor der Gewalt nicht zurück, sosehr wir es bedauerten. Wir warten vor der Tür.« Die drei Männer verließen das Zimmer. Man hörte, wie ein Riegel vorgeschoben wurde. Die hagere Person lächelte süßsäuerlich, aber sprach kein Wort zu den auf sie mit Fragen einstürmenden Frauen, sprach kein Wort als »Ich bitte«, und ihre Hände streckten sich nach den vermuteten Degraffen von Mies Toilette.

»Wir sind wahrscheinlich in einem Irrenhaus, Mie, es ist das beste, darauf einzugehen. Man soll Narren nicht reizen.«

»Aber ich kann mich doch nicht so ausziehen lassen -- es ist entsetzlich!«

»Also es sollen schon schlimmere Dinge passiert sein auf der Welt, Mie. Mörder würden jedenfalls nicht erst verlangen, daß man sich entkleidet.«

»Und warum denn gerade ich? Sagen Sie, warum denn gerade ich?« Aber die Person an der Tür zuckte nur die Achseln. Von draußen eine Stimme laut und befehlend: »Wir geben noch eine halbe Minute Zeit!«

Ich will, verehrte Leserinnen, Ihre Geduld nicht in der Weise erschöpfen, wie es Mie und Albertine gegenüber den Bösewichtern taten, und rasch sagen, was Sie ohnedies schon dachten: Mie zog sich aus. Stand oder lag vielmehr aufweinend in ihrer blühweißen und sehr aparten Unterwäsche an Albertines Hals, die tröstend tat, was sie konnte, und das war weiß Gott nicht viel in so ungewohnter Situation, während die ältliche Person mit dem Kleide verschwand durch die eine Tür, die sich ihr auf ein Klopfen öffnete, um gleich wieder verriegelt zu werden.

Da sie erst unmittelbar bei Eintritt des Grauenvollen, das sie erwarteten, das Bewußtsein verlieren wollten und nicht schon früher, nahmen sie von den delikat angerichteten Speisen, denn der Hunger ließ sich merken, nichts, das vergiftet oder berauschend hätte sein können, weder Wein noch kalten Braten, sondern Eier in der Schale, die fast noch warm waren, und Obst. Mie hatte sich, kein Wunder, daß sie fror, ihren Mantel und den Albertines angezogen, die -- es ist ihrer Jugend und dem gestillten Hunger zuzuschreiben -- die ganze Geschichte komisch zu nehmen anfing.

»Weißt du was? Es ist eine Filmaufnahme!«

»Aber wieso denn, Berti? Beim Filmen geht's doch ganz anders zu, soviel ich hörte. Nein, es ist sicher was Schreckliches. Du weißt nicht, zu was Männer alles imstande sind.«

»Na, die wir bis jetzt gesehen haben, machten nicht den Eindruck, liebe Mie.«

»Aber da rief doch einer, erinnerst du dich nicht, wie wir noch vor dem Tor im Auto saßen, eine wilde Stimme ...«

»Der Heldentenor des Abenteurers, stimmt. Wenn ich nur mehr von der Frau Courths-Mahler gelesen hätte, dann könnte ich ihn mir genau vorstellen.«

»Mir ist deine Frivolität unbegreiflich, Berti. Wo nimmst du nur den Mut dazu her?«

»Ich hab' es, Mie! Es hängt irgendwie mit deiner Ehe oder einer deiner Ehen zusammen.«

Mie ließ auf die reizendste Weise ihr Mäulchen offenstehen.

»Aber natürlich, Mie. Dein eifersüchtiger Gatte arrangiert hier mit Hilfe weiß Gott welcher Spitzbuben so was wie ein flagrant délit ...«

»Hör auf, Berti, die Vorstellung ist zu entsetzlich, daß ich hier mit einem ganz fremden ...«

»Aber dazu braucht es ja nicht zu kommen, Liebste, es genügt doch, daß man dich in dem Dérangement deiner Toilette findet. Der düstere Held braucht ja gar nicht aufzutreten, nur dein Mann mit einer Person vom Gericht.«

»Aber mein Mann ist ja nicht die Spur eifersüchtig. Das ist ja einer der Hauptgründe, warum ich mich von ihm trennen will! Wenn's nämlich den Mann nicht ärgert, mußt du wissen, dann freut mich der ganze Schwindel nicht. Und mein Mann ärgert sich nicht im geringsten.«

»Dann, Mie, steh uns Gott bei. Dann ist es etwas ganz Mysteriöses.«

Die beiden Frauen, jede in eine Ecke des Sofas gehockt, mit angezogenen Beinen, schauten schweigend in die abbrennenden Lichter. Mie wußte nicht, daß ihr die Tränen über die Wangen liefen, und Albertine war mit einem Male die Laune vergangen. Denn sie sah, daß die Kerzenlichter nah ihrem Ende brannten, und vor nichts hatte sie mehr Angst als vor einem dunklen Zimmer in der Nacht. Sie erhob sich rasch und blies alle Lichter aus bis auf eines. »Was tust du denn, Berti?« -- »Leider fällt mir's zu spät ein, wir werden bald im Dunkeln sitzen.« Mie stöhnte laut auf, wollte schreien. »Nicht, Mie, das regt dich und mich nur noch mehr auf, wenn du so schreist. Wir müssen jetzt auf das Licht aufpassen, immer eines der anderen Stümpfchen anzünden, wenn das eine verlöschen will.«

Sie saßen dicht aneinandergeschmiegt, und Albertine gab auf das Licht acht. Wie spät es wohl sein mochte? Daß sie daran ganz vergessen hatte! Sie sah auf ihre Armbanduhr. Es war eins vorüber.

»Wie lange sind wir wohl hier, Mie?« Aber Mie gab keine Antwort. Sie war eingeschlafen.

»Eine Stunde vielleicht«, rechnete Berti. »Dann sind wir gegen zwölf Uhr hier gewesen. Um halb elf war die Oper aus. Wir sind über eine Stunde im Auto gefahren. Das fuhr wohl mit einer Geschwindigkeit von hundert. Wir sind hundert Kilometer weit von der Stadt. Wo kann das sein, Mie?« Aber Mie schlief. Und Berti kämpfte mit der Müdigkeit. Das unverwandte Sehen in die Flammen drückte ihr fast die Augen zu. Da mußte sie ein anderes Licht anzünden. Das brennende ging zu Ende. Sie wollte Mie von sich lösen, auf das Sofa betten, aber die ließ sie schlafend nicht los, hielt sie fest, die Arme um ihre Taille gelegt. Da fiel der Docht um, eine hohe Flamme gab's noch, und nun war's Nacht im Raum. Albertine ließ den Kopf über die Freundin sinken. Ein Schauer flog über ihren Leib und drückte sie in den Schlaf.

Ich glaube, verehrte Leserinnen, daß ich als indiskreter Zuschauer dieses garstigen Abenteuers schon weit genug gegangen bin, um auch noch dieses zu wagen, daß ich die Träume der beiden jungen Damen verrate. Sie wissen, daß Träume nicht nur Ängste ausdrücken, sondern auch versteckte Wünsche. Ich beschränke mich auf die Mitteilung, daß die beiden nicht direkt Unangenehmes träumten und nur die Traumsituationen etwas seltsam waren, was sich aus der ungewohnten und nicht ganz bequemen Lage erklärt, in der sie schliefen, in der sie der Schlaf überfallen hatte, ohne ihnen eine kleine Zeit zu gönnen, es sich dafür bequem zu machen, wie man es gewohnt ist.

Man war im Oktober, wo die Sonne schon spät aufgeht, und zu erraten war es daher nicht, ob man sich noch in der richtigen Nacht oder schon mehr gegen den Morgen zu befand, als die beiden Schläferinnen von hellem Licht und sehr freundlicher Stimme erwachten und einige Zeit brauchten, sich zurechtzufinden. Zunächst sahen sie nur, daß sehr viele Lichter brannten. Und dann einen eleganten Herrn, etwas übertrieben elegant, wie Albertine merkte, der mit höflichen Gebärden und liebenswürdigem, um Verzeihung bittendem Lächeln etwas sprach, das mehr englisch als deutsch klang. Als schöne Frauen, die sie seien, würden sie ja wissen, was die Schönheit der Frau alles über den Mann vermöge und wie sie imstande sei, ihn zu ganz Verrücktem zu veranlassen, ja ihn ganz verrückt zu machen. Es sei unerhört, was er sich erlaubt habe, und durch nichts gutzumachen, auch nicht durch das ganz bescheidene Andenken, das die beiden verehrten Damen im Auto finden würden, das sie wieder zur Stadt brächte, sofort, sowie die Damen befehlen. Er sei leider verhindert, selber zu chauffieren wie auf dem Herweg, aber die Damen ... Auch wenn der elegante Herr nicht ohne Pause gesprochen hätte, Mie und Berti waren zu verwirrt, als daß sie ihn hätten unterbrechen können. Erst im gleich zu erzählenden Moment fand Mie ihre Sprache wieder, wenn's auch nur -- sie hatte ein Faible für Unartikuliertes -- ein kleiner Schrei war. Der Herr winkte. Er winkte wirklich mit der Hand, wie man es von Schauspielern in Stücken sieht, und ein trat eine junge, schlanke Person, etwas lächelnd, etwas sich schaukelnd und wiegend, trat herein, ging vorbei, kehrte um, ging wieder vorbei, lächelte, sich wiegend. Da kam Mies kleiner Schrei. Denn die hübsche Person hatte Mies Kleid an, führte es vor.

»Oh, bitte«, sagte der englische Herr. Und es trat die säuerliche Zofe vor, mit Mies Kleid, das sie sich vom Arm nahm und zum Helfen bereit nun hielt. Der Herr ging rasch ans Fenster und blickte diskret hinaus, obzwar da nichts als vollkommene Nachtschwärze zu sehen war. Der lächelnde Mannequin schaukelte nicht mehr, sondern stand jetzt mit Stützbein, die Linke leicht auf den Tisch gelegt. In zwanzig Sekunden war Mie mit Hilfe Albertines angezogen, um, wie sie sich schon anmerken ließ, allsofort zu explodieren. Aber sie kam nur zum Anschlag. Denn als sie gerade gesagt hatte: »Das ist --«, unterbrach sie der wieder ihr zugewandte elegante Herr, indem er bittend die beiden Hände aneinanderlegte, mit dem Nachsatz: »... eine Unverschämtheit. Mindestens das. Ich habe Ihr prachtvolles Kleid kopieren lassen. Meine Frau, oh, Sie kennen sie nicht, sie erreicht, was sie will, wollte genau das gleiche. Nie hätten Sie mir, meine Gnädige, Ihre Schneiderin genannt. Ich liebe meine Frau. Sie ist fast so schön wie Sie. Nur fast. Denn Sie sind sehr schön. Meine Frau ist nur schön. Ich mußte Ihnen das Kleid stehlen. Ich war der Chauffeur. Den Schneider besorgte ich mir im Zwischenakt.«

»Auch dieses Kastell?« fragte Albertine.

»Das habe ich gestern für den nächsten Sommer gemietet und hoffe, die Damen als unsere Gäste zu sehen. Meine Frau wird entzückt sein.«

Bevor Albertine eine Viertelstunde später im Auto das Licht ausknipste, hatten die beiden Entführten Zeit, jede von einem Blumenstrauß, einer von roten, einer von gelben Rosen, ein Perlenkollier zu lösen, an dessen Echtheit nicht zu zweifeln war, nachdem Albertine die größte Perle zwischen ihren Zähnen versucht hatte.

»Aber eine Unverschämtheit ist es doch«, sagte Mie.

»Was?« fragte Berti.

»Daß jetzt diese Person, die Frau Mac Hardy, genau mein Kleid tragen wird.«

»Aber sie tut es doch in New York oder in Chicago, Mie!«

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