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Die Frivolitäten des Herrn von D.

Franz Blei: Die Frivolitäten des Herrn von D. - Kapitel 12
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authorFranz Blei
titleDie Frivolitäten des Herrn von D.
publisherVerlag Kurt Desch GmbH
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Lillebil

Trauriger Zweifel zog die Linie ihres Mundes. Im übrigen war sie von einer unbekümmerten Leichtigkeit, die sie unternehmend machte, und gar nicht geneigt zu düstern Nachdenklichkeiten.

»Warum verstecken Sie sich?« fragte sie Georg.

»Die Laster Ihrer Gäste durch das zeremonielle Kleid zu erkennen, dachte ich mir gerade als Aufgabe des Unbeschäftigten«, sagte er.

»Warum machen Sie mir nicht den Hof?«

»Weil Sie zu hübsch sind und ich nicht Geist genug habe.«

»Nein. Weil ich achtzehn bin, und weil Sie glauben, mir nichts erzählen zu können, weil man mir überhaupt noch nichts erzählt. Soll ich Sie meinen Freundinnen vorstellen, bei denen das anders ist?«

Das Kloster, wo Lillebil erzogen und aus dem sie vor einem Jahr entlassen worden war -- »Folge nur immer dem Weg deines Herzens«, hatte die Oberin ihr zum Abschied gesagt, »denn das Wort des Herrn wirst du ja sicher immer parodieren« --, das Kloster mit seinen Inkonvenienzen des Lebens unter kleinen Mädchen und der devotionalen Atmosphäre, welche die Sinne überhitzt, hatte Lillebils Sinne früh zum Erwachen gebracht.

»Also?« Sie schaute zu Georg auf, die Hände hinten am Nacken, beschäftigt, zwei Löckchen zu richten. Der junge Mann sagte: »Alle Frauen sind lieb, auch Sie. Und jede hat etwas, worauf man bestehen möchte. Aber von da bis dahin Ihnen die besondere Art Ihrer Verdienste zu erklären, ist eine Distanz, die ich nicht zu überschreiten wage.«

»Wagen Sie doch! Ich wehre mich ganz bestimmt nicht.«

»Wie eine Kartenschlägerin. Sie und lieben! Die Liebe, das pflückt man doch nicht am ersten Ast. Es kommt, glauben Sie mir, Lillebil, viel mehr auf die günstigen Umstände an als auf das Verlangen, das man danach zeigt. Das kommt in der zweiten Quadrille. Vermengen Sie das nicht.«

»Das ist ein sehr allgemeiner Rat, Herr Georg. Sie wollen, glaub' ich, kneifen, indem Sie ins Väterliche fallen.«

»Liebe Lillebil, als Amateur Ihre Schönheit aufzublättern, um dann wegzugehen, mein Gott, ich stiege mir selber auf die Finger. Da ich mir Sie anzurühren nicht erlaube, mache ich mir nichts aus Ihnen. Es ist Vorsicht.«

»Gott, nehmen Sie es aber genau!« Und Lillebil gab einem Tänzer den Arm.

Tanzen, dachte Georg, als er Lillebil vorbeiwalzen sah, ja, allein. Mit dem Mann im Zweitanz parodieren sie die Liebe.

Lillebil kam zurück und verlangte zum Büfett geführt zu werden. Während sie die Orangeade schlürfte und ihr Georg die Schuhschleife band, sagte er: »Der hübsche Fuß« und gleich dann: »und das übrige?«

»Gehört Ihnen, wenn ich Frau Soundso bin und Sie sich nicht darauf kaprizieren, sich vor mir schützen zu müssen. Aber von da bis dahin mache ich mir nichts mehr aus Ihnen.«

»Der wievielte bin ich, zu dem Sie das heute sagen?«

»Das, lieber Georg, ist der Seufzer eines wohlerzogenen Gymnasiasten. Warum lügen Sie? Sie haben eine wundervolle Mätresse, Nora Kersaven. Ich habe sie nur ein einziges Mal gesehen. Aber heute oft und immer in Ihnen. Uns interessiert durch den Mann hindurch ein anderes.«

»Um des Mannes willen?« fragte Georg.

»Manchmal. Nicht in Ihrem Fall.«

Sie stand vor einem Spiegel und legte sich Puder auf die Schultern. Sie verlangte in den Saal. Da entließ sie ihn mit einem Auf Wiedersehen. Georg fiel in Gedanken, die alle um Nora Kersaven gingen, an der er plötzlich zwanghaft etwas Unbestimmtes zu suchen begann, das ihm an ihr unsympathisch war.

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