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Die freudlose Gasse

Hugo Bettauer: Die freudlose Gasse - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie freudlose Gasse
authorHugo Bettauer
year1980
publisherVerlag Hannibal
addressSalzburg
titleDie freudlose Gasse
pages292
created20000120
senderkamelle@netcologne.de
firstpub1924
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Razzia.

Einen so harten und langen Winter hatten die Wiener seit Jahrzehnten nicht erlebt. Um Ostern herum fror es noch in der Nacht, waren die Bäume und Sträucher kahl, spürte man vom Frühling keinen Hauch. Bis eines Tages vom Süden ein Orkan heranbrauste, laue Wasserfluten vom Himmel herabströmten und den Winter in Schlamm und Kot begruben.

Mißmutig, von allerlei peinlichen Gedanken bedrückt, schlenderte der Journalist Otto Demel in später Abendstunde quer durch die Innere Stadt, um im Café Landtmann beim Burgtheater im Kollegen- und Freundeskreis einen an Arbeit überreichen Tag zu beschließen.

Er traf aber keinen seiner Bekannten, saß allein, trank nach alter Gewohnheit einen türkischen Kaffee nach dem anderen, steckte eine Zigarette nach der anderen in den Mund und ließ die Ereignisse des letzten Halbjahres an sich vorbeiziehen. Ein paar Tage noch und der große Prozeß würde vor sich gehen, der Mordprozeß gegen Egon Stirner. Demel dachte an die Ballnacht im Februar zurück, in der Stirner verhaftet worden war. Erst die Abendblätter des nächsten Tages hatten die Berichte enthalten und eine Sensation erregt, der gegenüber alle anderen Ereignisse in den Hintergrund getreten waren.

Stirner leugnete bei seiner Verhaftung, leugnete während der polizeilichen Voruntersuchung, leugnete vor dem Untersuchungsrichter. Er erklärte immer wieder, an dem Tode der Frau Lia Leid vollständig unschuldig zu sein, gab nur zu, im Absteigequartier in der Melchiorgasse ihren Schmuck entwendet zu haben. Er habe, während Frau Lia Leid im halbdunkeln Zimmer zurückblieb, den Schmuck, ohne daß sie es merkte, an sich genommen und sich entfernt. Was dann geschehen sei, wisse er nicht.

Niemand glaubte dieser Verantwortung, sogar sein Verteidiger Dr. Valentin riet ihm, lieber ein volles Geständnis abzulegen, aber Stirner blieb beharrlich, erklärte immer wieder mit eiserner Ruhe, keinen Mord begangen zu haben.

Seltsam, für ihre intimen Bekannten mehr als überraschend, war das Benehmen Regina Rosenows. Demel, der das junge Mädchen seit Jahren kannte, hatte angenommen, daß Regina die Verhaftung ihres Bräutigams nur als ihr angetane Schmach betrachten, ihre Neigung sich In Haß wandeln und sie eine ausgedehnte Auslandreise unternehmen würde, um sich allen boshaften Beileidskundgebungen zu entziehen.

Aber dem war nicht so. Tatsächlich brach Regina unter dem Schlag fast zusammen, das frivole, übermoderne, als herzlose Kokette verschriene Mädchen zog sich vollständig von der Welt zurück und als sie nach Wochen den Besuch Demels annahm, sah dieser ein blasses, in Schmerz erstarrtes junges Weib vor sich, das innerlich gereift und veredelt zu sein schien. Demel gegenüber, der seit jeher die Gabe hatte, das unbedingte Vertrauen der Frauen zu erregen, ging sie aus sich heraus.

"Jetzt erst weiß ich, wie sehr ich Egon geliebt habe und – noch immer liebe! Ich weiß, was Sie sagen wollen: ein Mann, der seine Geliebte um ihres Schmuckes willen ermordet, ist eine Bestie in Menschengestalt, ist ein wildes Tier, das kein Mitleid verdient. Aber er leugnet ja, daß er den Mord begangen hat, und dann – wer kann wissen, was in ihm vorgegangen ist, wer kann in die geheimnisvollen Zuckungen eines menschlichen Gehirns blicken. Mich hat er geliebt, das weiß ich, und ich habe ihn geliebt, das ist mir heute stärkere Gewißheit als damals, da er mich küssen durfte.

Papa und Mama wollen durchaus, daß ich auf ein paar Wochen, bis der Prozeß vorüber ist, nach Paris oder London fahre. Ich kann mich aber dazu nicht entschließen. Stellen Sie sich nur vor: Egon hat keinen einzigen Menschen in Wien, der zu ihm hält, nicht einer ist da, der nicht heute schon den Stab über ihn bricht, nicht einer, der ihm in seiner Haft eine kleine Güte erweist! Und da soll ich auch noch vor ihm die Flucht ergreifen? Nein, wenn ich ihn auch nicht besuchen darf – das kann ich meinen Eltern nicht antun – so weiß er doch, daß ich an ihn denke, daß ich hier bin –."

Regina Rosenow begann zu schluchzen, und Demel, der tief erschüttert war, mußte doch leise lächeln, und sagte sich: wenn die Frauen lieben, sind sie alle gleich! Das moderne, überkultivierte Mädchen, das zynisch jede bürgerliche Moral verwirft, das kleine Nähermädchen, die Kokotte und die Bürgersfrau – die Liebe nivelliert alle diese Unterschiede, die doch nur äußerlich sind.

Jetzt, allein im Café sitzend, erlebte Demel die Szene in der Villa Rosenow im Geiste wieder, dann sprangen seine Gedanken zu einem anderen Mädchen.

Grete Rumfort! Wie seltsam sich dieses liebliche, schöne Kind in den wenigen Monaten, die er sie kannte, verändert hatte! Er biß sich auf die Lippen, ein quälendes Unmutsgefühl stieg in ihm hoch.

Vor etwa zwei Monaten hatte es begonnen Grete war ihm gegenüber kalt, abweisend, fast verletzend geworden. Zu der Zeit hatte das begonnen, da sich die materiellen Verhältnisse der Rumforts überraschend besserten und Grete zur eleganten Dame wurde. Ein Dienstmädchen war aufgenommen worden, es roch, wenn er mittags nach Hause kam, nicht mehr nach Kraut und Kohl, sondern nach Braten und Butter, der kleine Erich trug einen neuen, warmen Winterrock, Else desgleichen, sogar mit einem Pelzkragerl, und Grete sah tipp-topp aus, wie eine junge Dame der wohlhabendsten Gesellschaft. So auffällig war der Umschwung gewesen, daß sich Otto Demel nicht hatte enthalten können, einmal Erich, als er ihn auf der Straße traf, auszuhorchen. Worauf ihm der Knabe erzählte, daß Grete bei einer sehr reichen, alten Dame als Gesellschafterin engagiert sei und von ihr Geschenke und Geld in Hülle und Fülle bekomme.

Mehrmals war dann im Laufe der Zeit Demel mit Grete um ein, zwei, drei Uhr nachts vor dem Haustor zusammengestoßen, wenn beide nach Hause kamen. Und immer war es ihm gewesen, als ob Grete erschrecken, in Verlegenheit geraten würde, immer hatte sie sich in geradezu fieberhafter Hast geeilt, rasch von ihm loszukommen.

Demel lachte laut vor sich hin, daß ein paar Kaffeehausgäste verwundert aufsahen.

Mein deutsches Gretchen wird eben ein reiches Verhältnis gefunden, sich, wie es schließlich alle anderen tun, an den Meistbietenden verkauft haben! Narr, der ich war, daß ich nicht die vielen Gelegenheiten, die sich mir boten, beim Schopf genommen habe! Wirklich, nichts ist ärgerlicher, als auf versäumte Gelegenheiten zurückblicken zu müssen und immer ist man ein Narr, wenn man sich mit moralischen Bedenken quält!

So sprach Demel in sich hinein, aber im Unterbewußtsein sah er immer wieder das liebliche Gesichterl Gretes vor sich, ihre großen, klaren, reinen Augen, mit denen sie ihn angesehen hatte, wenn er ihr von der Welt da draußen, von seinem Beruf und den Menschen, die sie nicht kannten, erzählte. Es wurde ihm heiß und er biß die Zähne zusammen. Und fragte sich selbst, ob das, was er empfand, nicht einfach Eifersucht, rasende Eifersucht war.

Ein Bekannter betrat das Kaffeehaus, begrüßte ihn. Es war dies Dr. Kellner, ein Beamter der Wiener Sittenpolizei. Demel forderte ihn auf, bei ihm Platz zu nehmen, aber der Beamte lehnte ab.

"Ich muß gleich gehen, weil ich eine größere Aktion vorhabe, die heute nacht durchgeführt wird."

"Wieder einmal Razzia?"

"Jawohl, und noch dazu eine, die großes Aufsehen erregen wird. Übrigens, Herr Redakteur, wenn es Ihnen Spaß macht, können Sie mitgehen. Es wird sehr interessant werden. Melchiorgasse 56, dort heben wir ein famoses Nest aus." Demel war mehr als überrascht.

"Melchiorgasse 56, nebenan wohne ich! Natürlich gehe ich mit. Ich habe mir längst gewünscht, bei einer solchen Streifung einmal mit dabei zu sein."

Im Autotaxi erklärte Dr. Kellner die Situation. "Wir wissen längst, daß dort eine Frau Greifer unter dem Deckmantel, einen großen Schneidersalon zu betreiben, nachts Zusammenkünfte von Herren und jungen Weibern veranstaltet. Bisher haben wir die Augen zugedrückt, weil es sich nur um erstklassige Lebeleute handelt und wir einen Skandal vermeiden wollten. Neuerdings treibt es die Kupplerin aber zu arg, wir haben Berichte, nach denen sie ganz junge Mädchen, zum Teil aus guten Häusern, an sich lockt, schamlos ausbeutet und sich die Zusammenkünfte zu wahren Orgien ausgebildet haben.

So, da wären wir. Sehen Sie, hier und dort diese Männer? Das sind meine Leute. Ich habe mir eine Empfehlung von einem Grafen Türk verschafft, der bis vor kurzem hier Stammgast war, also werden wir wohl anstandslos hineinkommen."

Der Beamte begab sich nun mit Demel in die kleine Sackgasse, die das Haus Nummer 56 flankiert, und klopfte viermal an die verschlossene Türe des angeblichen Wohnungsvermittlungsbureaus. Dann schob er in die kaum einen Millimeter weit geöffnete Türspalte die Visitenkarte des Grafen Türk, auf der ein paar empfehlende Worte standen. Nun wurde die Türe ganz geöffnet und Fräulein Henriette, die die Herren scharf musterte, ließ sie eintreten.

Im Vorraum legten sie ihre Überröcke ab, wofür eine Garderobegebühr von zweihunderttausend Kronen per Person zu zahlen war. Dann führte sie die stattliche Dame, die, während Frau Greifer in der Küche mit den Champagnerflaschen und Likören beschäftigt war, den Hausfrauenpflichten nachkam, in das große Zimmer.

Rauch, Lärm, grelles Lachen, Klavierspiel umgab sie. Herren im Sakkoanzug, Smoking, Frack. An die zehn oder zwölf Mädchen, in tief ausgeschnittenen Abendkleidern, saßen neben den Herren, auf ihren Knien, tanzten, tranken Champagner, lachten und sangen.

Plötzlich wurde es finster, nur eine elektrische Lampe erhellte das Podium im Erker. Ein langer Wandschirm bildete eine Art Gang von der Türe eines Nebenzimmers bis zum Podium, so daß man die Gestalten, die das Podium betraten, erst sah, wenn sie es erreicht hatten.

Eine betrunkene Männerstimme rief: "Paßt‘s auf, jetzt kommt was ganz Feines!"

Zwei junge, bildhübsche Geschöpfe erschienen auf dem Podium, nur in seidene Tücher gehüllt, die sie langsam gleiten ließen. Beifallsklatschen, Johlen, Lachen, Schnaufen und Stöhnen begleitete die Szene, die nun folgte. – –

Der Saal wurde wieder erhellt. Demel schüttelte sich und sagte dem Polizeibeamten:

"Ich habe zwar persönlich nichts dagegen, wenn sich erwachsene Menschen an solchen Schweinereien belustigen, aber ekelhaft ist es wirklich. Pf ui Teufel!"

Was sich in den nächsten Minuten ereignete, geschah mit blitzartiger Geschwindigkeit, in dem rasenden Tempo eines allzurasch abgewickelten Films, in so jäher Aufeinanderfolge, daß Demel späterhin nur mühsam die Dinge rekonstruieren konnte.

Aus einem der Nebenzimmer drang die helle Stimme einer Frau, das lärmende Poltern von Männern, man hörte, wie ein Stuhl umgeworfen wurde. Die Tür flog auf, zwei betrunkene Herren schleppten ein Mädchen in resedagrünem Kleid, das Schultern und Arme frei ließ, herein, das Mädchen versuchte vergeblich, sich den brutalen Griffen der Männer zu entziehen, schluchzte und schrie, man möge es loslassen.

Eine gröhlende Männerstimme brüllte: "Hinauf auf das Podium mit dem Mensch, hier gibt‘s keine Ausnahmen, hier sind alle Huren!"

Eines der im Saal anwesenden Mädchen sprang vom Schoß ihres Herrn, klatschte in die Hände und schrie:

"Ganz recht, sie soll sich nur zeigen, die Gschamige! Wahrscheinlich hat sie nur Haut und Baner, weil sie sich net ausziehen will!"

Dröhnendes Gelächter, ein Beifallssturm, das Aufschreien des Mädchens, dem man das Kleid vom Leib zu reißen begann.

Inmitten des Tumultes war der Polizeibeamte Dr. Kellner verschwunden. Otto Demel aber stand mit weit aufgerissenen Augen da, starrte das gepeinigte und bedrängte Mädchen wie ein Gespenst an, sein Rückgrat versteifte sich in namenlosem Entsetzen, dann sprang er mit einem Wutschrei mitten in den Menschenknäuel hinein und brüllte mit gewaltiger Stimme:

"Loslassen, sonst schlag‘ ich den Erstbesten nieder!"

Und schon hatte er Grete, die halb ohnmächtig in seinem Arm lag, umschlungen und weggezerrt.

In diesem Augenblick trat die Panik ein. Von Kellner geführt, drangen fünf Männer mit hocherhobenen Revolvern in den Händen in den Saal ein, mit mächtiger Stimme rief Dr. Kellner:

"Hände hoch! Kein Mensch verläßt den Raum! Im Namen des Gesetzes!"

Der Rausch war verflogen, bleich und verwirrt standen die Männer da, die Mädchen schrien hysterisch auf, eine bekam Weinkrämpfe, eine wälzte sich auf dem Boden, eine andere ergriff blitzschnell ein auf dem Tisch liegendes Messer und hätte es sich, wäre sie nicht von einem der Detektive verhindert worden, in die Brust gestoßen.

Zwischen zwei Beamten wurde Frau Greifer, die wie eine Rasende um sich stieß, in das Zimmer gezerrt. Nur Fräulein Henriette stand majestätisch da, als ginge sie die ganze Sache nichts an und lächelte verächtlich vor sich hin.

Die weitere Prozedur spielte sich rasch ab. Die Herren mußten sich legitimieren, die Mädchen, Frau Greifer, Fräulein Henriette, das Personal wurden einzeln abgeführt und in dem inzwischen vorgefahrenen Arrestantenomnibus verfrachtet.

Demel hielt noch immer Grete, die leise vor sich hinweinte, im Arm, als ein Beamter auf ihn zutrat und barsch erklärte:

"Das Mädel kommt mit!"

Demel schob ihn mit dem freien Arm zurück. "Das Mädchen wird nicht angerührt! Es steht unter meinem Schutz, ich übernehme für sie jede Garantie." "Wär‘ noch schöner," höhnte der Beamte, "hier gibt‘s keine Garantie, zuerst muß sie auf die Polizei mit, dann wird man schon sehen!"

Dr. Kellner trat hinzu, war überrascht, als er sah, daß Demel das Mädchen nicht freigeben wollte, lenkte ein und gab dem Unterbeamten einen Wink, sich zurückzuziehen. Er überlegte, daß man "oben" durchaus nicht erbaut davon wäre, wenn der hochgeachtete und wegen der Schärfe seiner Feder auch gefürchtete Journalist brüskiert werden würde.

Ohne ein Wort zu sprechen, führte Demel das wankende Mädchen nach der Garderobe, nahm seinen Hut und Rock und fragte mit rauher, belegter Stimme, wo Grete ihre Sachen habe. Schaudernd zuckte sie zusammen und flüsterte:

"Drinnen, in einem der Zimmer. Aber ich gehe um keinen Preis zurück."

Wortlos legte Demel seinen Überrock über ihre nackten Schultern, ging an zwei Polizisten vorbei auf die Straße, sperrte das Tor des benachbarten Hauses Nummer 58 auf und betrat, ohne ein Wort zu sprechen, die gemeinsame Wohnung.

Mit einem kurzen Kopfnicken verabschiedete er sich im Vorzimmer von Grete und wollte sein Zimmer betreten. Aber Grete folgte ihm, blieb auf der Schwelle mit gefalteten Händen stehen und flüsterte, während ihr die Tränen über das blasse Kindergesicht liefen:

"Herr Demel, ich muß mit Ihnen noch sprechen. Ich schwöre Ihnen." – – –

Demel winkte ab:

"Schwören Sie nicht und sagen Sie nichts, Fräulein Grete! Ich würde doch nichts glauben. Das, was ich miterlebt habe, genügt mir vollkommen."

"Nein, Sie wissen ja nicht – bitte, hören Sie mich an."

"Lassen wir das, es hat keinen Zweck, ich will nichts wissen."

Grete senkte den blonden Kopf und wollte das Zimmer verlassen. Demel rief sie zurück.

"Ich möchte Ihnen nur noch ein paar Worte sagen: Meinem Einfluß wird es hoffentlich gelingen, Sie vor jeder Untersuchung oder auch nur Vernehmung zu bewahren, so daß Sie nicht in den Skandal hineingezogen werden. Nun, die Kupplerin, die Sie in ihren Krallen gehabt haben dürfte, sind Sie ja los. Und für die nächste Zukunft brauchen Sie sich keine Sorgen zu machen. Bleiben Sie jetzt ein paar Wochen ruhig zu Hause, erholen Sie sich, dann werde ich mich für Ihr weiteres Fortkommen bemühen. Inzwischen gebe ich Ihnen einen Betrag, der für die nächste Zeit ausreichen dürfte. Sie können es von mir ruhig nehmen, ich verlange nichts dafür."

Diese letzten Worte waren mit schneidendem Hohn gesprochen. Und Grete, aus deren Gesicht jeder Blutstropfen gewichen war, sah ihn nur mit großen Augen an. Nahm die Scheine, die er ihr in die Hand drückte, und schlich leise aus dem Zimmer.

Demel war allein. Er atmete tief auf und schlug die Hände vor das Gesicht. Rasender Schmerz, den er sich nicht erklären konnte und wollte, das Bewußtsein einer furchtbaren Herzensroheit, die er begangen, Mitleid mit dem schönen Geschöpf, Abwehr gegen die eigene Weichheit, Haß gegen sich und die ganze Welt – ein Chaos von Empfindungen durchwühlte seine Seele.

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