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Die Frau und der Sozialismus

August Bebel: Die Frau und der Sozialismus - Kapitel 86
Quellenangabe
typetractate
booktitleDie Frau und der Sozialismus
authorAugust Bebel
year1994
publisherVerlag J.H.W. Dietz Nachf.
addressBonn
isbn3-8012-1009-X
titleDie Frau und der Sozialismus
pages3-9
created19990813
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1879
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4. Großbetrieb und Kleinbetrieb. Die Entwicklung der Elektrokultur

Während selbst in sozialistischen Kreisen noch die Meinung vertreten wird, der Kleinbetrieb könne infolge des persönlichen Fleißes seines Leiters und dessen Angehörigen die Konkurrenz mit dem Großbetrieb aufnehmen, ist man in fachmännischen Kreisen längst anderer Ansicht. Mag der Bauer durch Überanstrengung seiner Person und seiner Angehörigen so viel leisten wie er will, schon vom Standpunkt des Kulturmenschen aus ist seine Lage zu bedauern. Das Höchste, was er infolge von Überanstrengung und Entbehrungen leistet, die moderne Technik und die Wissenschaft der Bodenbearbeitung leisten höheres. Vor allen Dingen aber ist die Anwendung von Technik und Wissenschaft allein imstande, auch den Bauern zum vollen Kulturmenschen zu machen, während er heute Sklave seines Besitzes und Helote seines Gläubigers ist.

Die Vorteile, die der Großbetrieb in der Landwirtschaft bei rationeller Anwendung aller Vorteile bietet, sind immens. Zunächst bedeutet derselbe eine erhebliche Erweiterung der auszunutzenden Fläche, weil die Unzahl der Fahr- und Fußwege und der Grenzraine verschwindet, die der zerstückelte Besitz erfordert. Durch den Wegfall des letzteren wird ferner eine Unmasse vergeudeter Zeit erspart. Fünfzig beschäftigte Personen im Großbetrieb können, abgesehen von den rationelleren Arbeitsmitteln, mit denen sie arbeiten, sehr viel mehr leisten als fünfzig beschäftigte Personen im Kleinbetrieb. Die Kombinierung und Dirigierung der Arbeitskräfte in der zweckmäßigsten Weise ermöglicht nur der Großbetrieb. Hierzu kommen die gewaltigen Vorteile, welche die Anwendung und Ausnutzung aller möglichen Maschinen und verbesserten Einrichtungen, die industrielle Ausnutzung der Erträge, die rationellere Vieh- und Geflügelzucht usw. ermöglicht. Ganz besonders bietet die Anwendung des elektrischen Betriebs in der Landwirtschaft Vorteile, die jede andere Bearbeitungsmethode in den Schatten stellt.

P. Mack P. Mack, Althof-Ragnit, Rittmeister a. D. und Rittergutsbesitzer, Der Aufschwung unseres Landwirtschaftsbetriebs durch Verbilligung der Produktionskosten. Eine Untersuchung über den Dienst, den Maschinentechnik und Elektrizität der Landwirtschaft bieten. Königsberg 1900. stellt fest, daß bei der Einführung der Maschinenarbeit eine Ersparnis von über 5.000 Pferdetagen und bei der einmaligen Ausgabe von zirka 40.000 Mark Kapital eine Verbilligung des Produktes von über 12.000 Mark oder 48 pro Hektar erzielt werde, ohne Berücksichtigung der Mehrerträge bei Einführung der Tiefkultur, sowie der exakteren Kultivierung und Einwirkung durch Maschinen Eine große Bedeutung erlangte in den letzten Jahren der Untergrundpacker (Campbells), mit welchem in regenärmeren Gegenden Nordamerikas geradezu staunenerregende Erfolge erzielt worden sein sollen. Die Möglichkeit der Leuteersparnis führte zur Konstruktion von Ferneinlegern für den Dreschkasten, Kurzstrohhebevorrichtungen usw. Dieselbe Leutenot drängt zu noch weiterer Verwendung arbeitsparender Maschinen, wie Kartoffelsortierer, Kartoffelpflanzmaschinen, Kartoffellegemaschinen, Walzentrockenapparate, Heulademaschinen, Schwadensammler usw. .

Der Mehrertrag an Körnern werde bei der Tiefkultur auf 20 bis 40 Prozent angegeben, während die Erträgnisse bei Hackfrüchten sich oftmals um 50 Prozent gesteigert hätten. Nehme man aber nur 20 Prozent Mehrertrag durchschnittlich, so ergebe sich bei dem in Frage stehenden Gut hierfür ein Mehrertrag von 55,45 Mark pro Hektar, was mit der bereits erwähnten Ersparnis zusammen 103,45 Mark pro Hektar ausmache. Nimmt man den Preis des Hektar Grund und Boden um 800 Mark an, so ist das ein Ertraggewinn von 13½ Prozent. Es handelt sich also darum, die nötigen elektrischen Zentralen zu schaffen, mit Hilfe deren der Betrieb unterhalten wird. Alsdann können aber nicht nur alle überhaupt zur Verwendung gelangenden Maschinen in Betrieb gesetzt, sondern auch Heizung und Beleuchtung gewonnen werden. Mit Hilfe der elektrischen Anlagen können außer den Wohnungen und Straßen die Ställe, Scheunen, Keller, Vorratshäuser und Fabrikgebäude mit elektrischer Beleuchtung versehen werden, und wenn die Notwendigkeit es erfordert, kann man bei Nacht ernten. Mack berechnet, daß durch allgemeine Einführung der Elektrizität für den landwirtschaftlichen Betrieb zwei Drittel der bisherigen Arbeitstiere (gleich 1.741.300 Stück) erspart werden könnten, was einen jährlichen Reingewinn von 1.002.989.000 Mark ergeben würde. Rechnet man hiervon die Ausgaben für die elektrische Kraft ab, so verbliebe eine Ersparnis von rund 741.794.000 Mark pro Jahr.

Die Anwendung des elektrischen Betriebs gibt der Landwirtschaft immer mehr den Charakter eines rein technisch-industriellen Prozesses. Ein Bild von der mannigfachen Anwendung der Elektrizität im landwirtschaftlichen Betrieb gibt folgende Zusammenstellung Kurt Krohne, Die erweiterte Anwendung des elektrischen Betriebs in der Landwirtschaft. Elektrotechnische Zeitschrift 1908, Hefte 39 bis 41. :

Vom Elektromotor können angetrieben werden: 1. Maschinen, welche den Rohertrag erhöhen: a. für die Bestellung: Getreidereinigungsmaschinen für Saatgut, Trieure, elektrische Pflüge (Entwicklung vollendet); b. für die Ernte: Mähmaschinen mit Selbstbinder (sind in Bearbeitung genommen), Kartoffelerntemaschinen (bestehen in kaum noch zu übertreffender Vollkommenheit), Bewässerungsanlagen. 2. Maschinen, welche die Unkosten vermindern: a. Hebevorrichtungen, Entladevorrichtungen in Scheunen, Elevatoren für die Beförderung von Getreide und Stroh auf die Mieten oder in die Scheunen, sowie des Heues auf den Boden, Sackaufzüge, Jauchepumpen; b. Transportmittel: Transportrinnen und Bänder, sowie Gebläse für die Beförderung der Körner, Feldbahnen, Spille und Winden zum Befördern schwerer Lasten; c. für die Verwertung: Strohpressen, Mahlmühlen, Häckselmaschinen für Verkaufsgut. 3. Die Maschinen der Landindustrie: a. Brennereimaschinen und Maschinen für die Stärkefabrikation, Wasserpumpen für alle Zwecke; b. Molkerei: Milchkühler, Zentrifugen, Butterfässer, Kneter, Pressen usw.; c. Schneidemühlen, Kreissägen und Gattersägen; d. Stellmachereimaschinen, Bandsägen, Bohrmaschinen, Drehbänke, Radmaschinen. 4. Futterbereitungsmaschinen für die Viehzucht: Häckselmaschinen, Rübenschneider, Schrotmühlen, Kartoffel-, Hafer- usw. Quetschen, Wasserpumpen. Nach Ermittlungen sind es bereits 15 Prozent der gesamten Gutsarbeit, welche durchschnittlich auf diese Weise unter ökonomischer Ausnutzung von Zeit und Betriebsmitteln durch den Elektromotor verrichtet werden können.

Es wurde der Bedarf an Handarbeit für das Dreschen und Versandfertigmachen von 1.000 Kilogramm Getreide ermittelt:

  Arbeitsstunden
1. Wenn alle Arbeiten von Hand gemacht wurden auf 104
2. Wenn kleine Dreschmaschinen mit Göpel und
Reinigungsmaschine angewendet wurden, auf
41,4
3. Wenn elektrisch betriebener Dreschkasten mit
20 Pferdestärke-Motor verwendet wird, auf
26,4
4. Wenn elektrisch betriebener Riesendreschkasten
mit Ferneinleger, Kaff- und Kurzstrohgebläse,
Strohpresse und Elevator mit 60 Pferdestärke-Motor
betrieben wird, auf
10,5

Einer allgemeinen Anwendung des Elektropfluges in landwirtschaftlichen Betrieben steht jetzt nichts mehr im Wege. So wie die elektrischen Transportbahnen haben die elektrisch betriebenen Pflügeapparate bereits einen hohen Grad der Vollkommenheit erlangt. Der schwere und teure Dampfpflug arbeitet nur auf größter Fläche und als Tiefpflug rationell. Er dient vielmehr lediglich dazu, höhere Hackfruchterträgnisse zu erzielen. Dagegen ist der Elektropflug in gleicher Weise für das Tief- und Flachpflügen brauchbar und ist fähig, sich auch das mittlere Wirtschaftsgut zu erobern. Er ermöglicht die Bearbeitung steiler Gehänge, wo selbst der Gespannpflug Schwierigkeiten findet. Er wirkt in hohem Grade arbeitsparend, wie die folgende Zusammenstellung der Pflugkosten bei Anwendung eines Elektropfluges im Vergleich zu Pferden, Ochsen und Dampfpflug zeigt:

  Kosten pro Morgen beim Pflügen
auf Zoll mittlerer Tiefe
4 6 8 11 14
Pferde 2,50 3,00 4,20 7,70 13,30
Ochsen 3,65 4,65 5,80 7,90 10,20
Dampfpflug in Miete von 6,00 6,70 7,60 9,15 10,70
Dampfpflug in Miete bis 7,50 8,40 9,35 11,00 12,55
Dampfpflug in Eigentum von 4,50 5,00 5,85 7,30 8,85
Dampfpflug in Eigentum bis 6,00 6,70 7,60 9,15 10,70
Elektropflug, Pferdestärke 40 2,70 3,55 4,60 6,25 7,95
Elektropflug, Pferdestärke 60 2,65 3,40 4,30 5,70 7,10
Elektropflug, Pferdestärke 80 2,50 3,15 3,90 5,20 6,50

Die leichte Zuführung und Teilbarkeit der elektrischen Energie, die äußerste Vereinfachung in der Bedienung und in der Instandhaltung der elektrischen Maschinen bilden durchschlagende Vorzüge für die Landwirtschaft mit ihren ausgedehnten Flächen, für deren Kraftversorgung ein dünner Draht genügt. Und da die Voraussetzung der Verwendung der elektrischen Maschinen ein Netz von Überlandzentralen, ein planmäßiges elektrisches Netz, so kann sehr leicht der elektrische Betrieb in der Landwirtschaft mit der Elektrokultur, mit direkter Beeinflussung des Pflanzenwachstums durch Elektrizität verbunden sein.

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