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Die Frau und der Sozialismus

August Bebel: Die Frau und der Sozialismus - Kapitel 85
Quellenangabe
typetractate
booktitleDie Frau und der Sozialismus
authorAugust Bebel
year1994
publisherVerlag J.H.W. Dietz Nachf.
addressBonn
isbn3-8012-1009-X
titleDie Frau und der Sozialismus
pages3-9
created19990813
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1879
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3. Umwandlung der Bodenbewirtschaftung

Es ist selbstverständlich, daß diese großen Aufgaben nicht im Handumdrehen zu lösen sind, aber eine neue Gesellschaft wird sie mit Aufgebot aller Kräfte in die Hand nehmen, weil ihre einzige Aufgabe ist, Kulturaufgaben zu lösen und kein Hemmnis darin zu dulden. Sie wird im Laufe der Zeit Werke schaffen und Aufgaben lösen, an welche die gegenwärtige Gesellschaft nicht denken kann, weil ihr bei dem bloßen Gedanken daran schwindelt.

Die gesamte Bodenbewirtschaftung wird durch Maßregeln wie die bezeichneten und ähnliche sich bedeutend günstiger gestalten. Zu den bereits erörterten Gesichtspunkten für Hebung der Bodenausnützung kommen andere. Heute werden viele Quadratmeilen Landes mit Kartoffeln bebaut, um in große Quantitäten Branntwein verwandelt zu werden, die fast ausschließlich unsere arme, in Not und Elend lebende Bevölkerung konsumiert. Der Branntwein ist der einzige Stimulus, der »Sorgenbrecher«, den sie sich verschaffen kann. Für die Kulturmenschen einer neuen Gesellschaft ist der Branntweinkonsum verschwunden, es wird der Boden und die Arbeitskräfte für gesunde Nahrungsmittelerzeugung frei. Auch wurde bereits auf den Zuckerrübenbau und die Zuckerfabrikation für die Ausfuhr hingewiesen. Mehr als 400.000 Hektar des besten Weizenbodens werden bei uns alljährlich für den Zuckerrübenbau verwendet, um England, die Schweiz, die Vereinigten Staaten usw. mit Zucker zu versehen. Eine Konkurrenz, der die durch Klima begünstigten Zuckerrohr bauenden Länder unterliegen. Unser stehendes Heerwesen, die zersplitterte Produktion, der zersplitterte Verkehr, der zersplitterte Ackerbau usw. erfordern Millionen Pferde und dementsprechend Bodenflächen für Nahrung und die Aufzucht junger Pferde. Die total umgestalteten sozialen und politischen Verhältnisse machen künftig zum größten Teile die hierfür in Anspruch genommenen Bodenflächen frei. Es sind also wiederum große Bodenflächen und viele Arbeitskräfte für andere Kulturbedürfnisse gewonnen. Neuerdings werden große Bodenflächen in der Größe von vielen Quadratkilometern der Landwirtschaft entzogen und ganze Ortschaften dem Erdboden gleichgemacht, weil die neuen weittragenden Feuerwaffen und die veränderte Gefechtsweise Schieß- und Exerzierplätze notwendig machen, auf denen ganze Armeekorps zu manövrieren vermögen. Dies hört künftig ebenfalls auf.

Das große Gebiet der Boden-, Wald- und Wasserbewirtschaftung ist längst Gegenstand der Erörterung einer sehr umfänglichen Literatur. Kein Gebiet ist unberührt geblieben: Forstwirtschaft, Be- und Entwässerung, Kultur von Halm-, Hülsen- und Knollenfrüchten, Gemüsebau, Obst-, Beeren-, Blumen- und Zierpflanzenkultur, Anbau von Nahrungspflanzen für die Viehzucht, Wiesenkultur, rationelle Vieh-, Fisch-, Geflügel- und Bienenzucht, Dungstoffe und Dungmittel, Verwertung und Verwendung der Abfallstoffe in der Wirtschaft und in der Industrie, chemische Untersuchung des Bodens und seine Verwendung und Herrichtung für diese oder jene Kultur, Samenbeschaffenheit, Fruchtfolge, Maschinen- und Gerätewesen, zweckmäßige Anlage von Wirtschaftsbaulichkeiten aller Art, Witterungsverhältnisse usw., alles ist in den Kreis wissenschaftlicher Erörterungen und Untersuchungen gezogen. Kein Tag vergeht fast, an dem nicht neue Entdeckungen und Erfahrungen gemacht werden, welche Verbesserungen und Veredlungen für das eine oder andere der verschiedenen Gebiete im Gefolge haben. Die Bodenbewirtschaftung ist seit Thaer und J. v. Liebig eine Wissenschaft geworden, und zwar eine der ersten und wichtigsten Wissenschaften, die einen Umfang und eine Bedeutung erlangte, wie auf wenigen Gebieten materiell produzierender Tätigkeit. Vergleichen wir aber diese ungeheure Fülle von Fortschritten aller Art mit dem wirklichen Zustand unserer Landwirtschaft, so muß festgestellt werden, daß bisher nur ein Bruchteil der Privatbesitzer in der Lage war, einigermaßen die Fortschritte auszunutzen, und alle haben nur ihr Privatinteresse im Auge, ohne Rücksicht auf das Gemeinwohl. Der größte Teil unserer Landwirte, man kann wohl sagen 99 Prozent derselben, ist gar nicht in der Lage, von all den Vorteilen und Fortschritten, welche die Wissenschaft und der Fortschritt der Technik ihnen bietet, Gebrauch machen zu können, es fehlen ihnen die Mittel oder die Kenntnisse oder beides. Hier findet die neue Gesellschaft ein theoretisch und praktisch vorbereitetes Feld vor, auf dem sie nur zu organisieren braucht, um die großartigsten Resultate zu erzielen.

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