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Die Frau Bürgemeisterin

Georg Ebers: Die Frau Bürgemeisterin - Kapitel 22
Quellenangabe
typefiction
authorGeorg Ebers
titleDie Frau Bürgemeisterin
publisherDeutsche Verlags-Anstalt
printrunFünfte Auflage
year1882
firstpub1881
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20080619
projectid1995ed5b
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Zweiundzwanzigstes Kapitel.

Kurz vor Tisch kehrte die Bürgemeisterin heim. Vor ihrem Hause fand sie eine bunte Schaar von bärtigen Kriegsknechten. Diese suchten sich in englischer Sprache einigen Stadtwaibeln verständlich zu machen, und legten, als die Letzteren Frau Maria ehrerbietig grüßten, gleichfalls die Hand an die Sturmhauben.

Sie dankte freundlich und betrat die Hausflur, in welche durch die weit geöffnete Thür das volle Licht des Mittags strömte.

Peter hatte den englischen Soldaten da draußen Quartiere, und ihnen, nach Rücksprache mit dem neuen Kommandanten, Jan van der Does, Hauptleute angewiesen. Sie warteten wohl noch auf Kameraden, denn als die junge Frau die erste Stufe der Treppe betreten hatte und zu ihr hinaufschaute, fand sie das obere Ende der schmalen Stiege von der hohen Gestalt eines Kriegers versperrt. Dieser hatte ihr den Rücken zugewandt und zeigte Lieschen sein mit rechteckigen Zacken umkränztes Baret von dunklem Sammet, über welches eine schöne lichtblaue Straußfeder sich wölbte. Das Kind schien mit dem Soldaten gute Freundschaft geschlossen zu haben, denn obgleich derselbe ihr etwas untersagte, lachte die Kleine doch munter.

Maria blieb einen Augenblick unschlüssig stehen; als aber das Kind die bunte Kopfbedeckung an sich riß und sie sich auf die Locken setzte, glaubte sie ihm wehren zu müssen und rief mahnend hinauf: »Aber Lieschen, das ist kein Spielzeug für Kinder.«

Der Soldat wandte sich um, blieb einen Augenblick betroffen stehen, hob die Hand an die Stirn und eilte dann mit wenigen raschen Sätzen die Treppe hinunter und auf die Bürgemeisterin zu. Diese war überrascht zurückgetreten; er aber ließ ihr keine Zeit, sich zu besinnen, sondern streckte ihr beide Hände entgegen und rief frisch, freudvoll und mit strahlenden Augen: »Maria! Jungfrau Maria! Ihr hier? Das nenne ich einen Glückstag!«

Die junge Frau hatte den Soldaten sogleich erkannt und legte die Rechte willig, aber doch nicht ohne Befangenheit, in die seine.

Des Soldaten helle, blaue Augen suchten die ihren, sie aber wandte den Blick zu Boden und sagte: »Ich bin nicht mehr die ich war, aus dem Mädchen ist eine Hausfrau geworden.«

»Eine Hausfrau!« rief er. »Wie würdig das klingt! Und doch! Und doch! Ihr seid noch immer die Jungfrau Maria. Kein Haar hat sich an Euch geändert. So neigtet Ihr zu Delft bei der Hochzeit das Haupt, so hobt Ihr die Hände, so habt Ihr die Augen niedergeschlagen, – so hold seid Ihr schon damals erröthet.«

Aus der Stimme, welche diese Worte mit froher, fast kindlicher Unbefangenheit sprach, klang ein seltener Wohllaut, der Maria nicht weniger anmuthete, als die vertrauliche Weise des Offiziers sie verdroß. Mit einer schnellen Bewegung, hob sie den Kopf, schaute dem jungen Herrn fest in das schöne Antlitz und sagte mit Würde:

»Ihr seht nur das Aeußere, Junker von Dornburg; hier drinnen hat sich seit drei Jahren Vieles verändert.«

»Junker von Dornburg,« wiederholte er und schüttelte das lockige Haupt. »In Delft war ich Junker Georg. Es ist uns gar verschieden ergangen, werthe Frau, gar verschieden! Denn seht, mir ist der Schnurrbart gewachsen, leidlich, wenn auch nicht gar zu kräftig, ich bin breiter geworden und die Sonne hat das roth und weiße Knabenantlitz gebräunt, – kurzum: mein äußerer Mensch hat sich arg umgestaltet, hier drinnen aber sieht es heute noch gerade so aus, wie vor drei Jahren.«

Maria fühlte, daß das Blut ihr wiederum in die Wangen stieg, aber sie wollte nicht erröthen und erwiederte rasch:

»Stillstand ist Rückschritt, und so habt Ihr drei schöne Jahre verloren, mein Herr von Dornburg.«

Der Offizier schaute Maria betroffen in's Antlitz und fagte dann ernster als zuvor:

»Euer Spiel mit dem Witze trifft besser zu, als Ihr wohl meintet; ich hatte gehofft, Euch in Delft wieder zu finden, aber das Pulver wurde uns knapp in Alfen, und so werden die Spanier wohl eher in Eure Vaterstadt kommen, als wir. Nun führt mich ein freundliches Schicksal schon hier mit Euch zusammen; aber lasset mich ehrlich sein! . . . Was ich hoffe und wünsche, das stellt sich mir greifbar vor Augen, das höre ich mit der Seele, und es hat mir, wenn ich an unser Wiedersehen dachte, geträumt, Ihr würdet Eure beiden Hände in die meinen legen und Ihr würdet mich nicht mit schneidigen Worten begrüßen, sondern den alten Genossen fröhlicher Stunden, den besten Freund Eures Leonhard fragen: ›Gedenkt Ihr noch unseres Todten?‹ Und wenn ich Euch dann gesagt hätte: ›Ja, ja, ja, ich habe ihn niemals vergessen; dann, dachte ich, würde der sanfte Glanz Eurer Augen . . . O, o! wie ich Euch danke! Da schwimmen ja die lieben Sterne in dem feuchten Krystall! Ihr seid doch nicht so ganz verändert, wie Ihr wohl meintet, Frau Maria, und wenn ich in Treue des Vergangenen gedenke, wollt Ihr es tadeln?«

»Gewiß nicht,« entgegnete sie herzlich. »Und nun Ihr so mit mir redet, nenn' ich Euch wieder mit Freuden Junker Georg und lade Euch als meinen und Leonhard's Freund in unser Haus.«

»So, so ist es schön,« rief er innig. »Ich hab' Euch so viel zu fragen, und was mich selber betrifft . . . Herr Gott, ich wollte, ich hätte weniger zu erzählen.«

»Habt Ihr meinen Gatten gesehen?« fragte Maria.

»Ich kenne noch Niemand in Leyden,« gab er zurück, »als meinen gelehrten und gastlichen Wirth und den Dogen dieses wasser- und brückenreichen kleinen Venedigs.«

Georg wies mit dem Finger die Treppe hinan; Maria erröthete wieder und sagte:

»Der Bürgemeister van der Werff ist mein Gatte.«

Der Junker schwieg kurze Zeit. Dann sagte er schnell:

»Er hat mich gütig empfangen. Und die liebliche Elfe da oben?«

»Sein Kind aus erster Ehe, aber nun auch meines. Wie kommt Ihr dazu, sie Elfe zu nennen?«

»Weil sie aussieht, als wäre sie unter weißen Blumen im Mondlicht geboren, und weil der Nachglanz der Morgenröthe, vor der die Elfen entfliehen, ihre Wangen färbte, als ich sie einfing.«

»Sie hat schon einmal diesen Namen bekommen,« sagte Maria. »Darf ich Euch zu meinem Gatten führen?«

»Jetzt nicht, Frau Bürgemeisterin, denn ich habe für die Leute da draußen zu sorgen, aber morgen, wenn Ihr gestattet.«

»Ich werde meinem Manne von Euch erzählen. Auf Wiedersehen, Junker Georg!«

Maria fand auf dem Speisetische die dampfende Schüssel. Die Ihren hatten auf sie gewartet, und erhitzt von dem schnellen Gang in der Mittagszeit, erregt von der unerwarteten Begegnung mit dem jungen Deutschen, öffnete sie die Thür des Arbeitszimmers und rief ihrem Gatten entgegen:

»Verzeih'! Ich bin aufgehalten worden. Es ist schon recht spät.«

»Wir warten gern,« entgegnete er freundlich und trat ihr näher. Da kam ihr Alles in den Sinn, was sie sich vorgesetzt hatte, und zum ersten Mal seit ihrer Vermählung führte sie die Hand ihres Mannes an die Lippen. Er entzog sie ihr lächelnd, küßte ihre Stirn und sagte dann:

»Es ist doch schön, daß Du da bist.«

»Nicht wahr?« fragte sie und drohte ihm leis mit dem Finger.

»Aber nun sind wir Alle beisammen und das Essen wartet.«

»So kommt,« entgegnete sie heiter. »Weißt Du auch, wen ich unten an der Treppe getroffen?«

»Englische Soldaten.«

»Ja freilich, aber unter ihnen den Junker von Dornburg.«

»Der hat sich bei mir gemeldet. Ein schmucker Gesell, von herzgewinnender Frische, ein Deutscher aus den evangelischen Landen.«

»Leonhard's bester Freund. Weißt Du nicht mehr? Ich habe Dir sicher von ihm erzählt. Unser Gast bei Jacoba's Hochzeit.«

»Richtig. Der Junker Georg. Er hat damals den bösen Fuchs für den Stallmeister des Prinzen zur Vernunft gebracht.«

»Das war ein vermessenes Beginnen,« sagte Maria und athmete tief auf.

»Der Fuchs geht heut noch vortrefflich,« entgegnete Peter. »Leonhard hat geglaubt, der Junker werde mit seinen Künsten und Gaben die Welt aus den Angeln heben; ich erinnere mich wohl, und nun muß der arme Schelm hier still sitzen und sich von uns füttern lassen. Wie ist er zu den Engländern und hieher in den Krieg gekommen?«

»Ich weiß nicht; er sagte mir nur, er habe Vieles erlebt.«

»Das will ich glauben. Er wohnt im Wirthshaus zum Wechsel; aber vielleicht finden wir ein Zimmer für ihn im Seitenflügel am Hofe.«

»Nein, Peter,« rief sie eifrig. »Es ist dort auch keine Kammer in Ordnung.«

»Das findet sich später. Laden wir ihn jedenfalls morgen zu Tisch, da mag er uns etwas erzählen. Es steckt ein guter Kern in dem Junker. Er hat mich gebeten, ihn nicht müßig gehen zu lassen, sondern ihn, wie auch immer, im Dienst zu verwenden. Jan van der Does stellt ihn schon an den richtigen Platz, denn der neue Kommandant sieht den Leuten in's Herz.«

Barbara mischte sich in das Gespräch, Peter ließ statt des Biers trotz des Werktages einen Krug Wein bringen, und was seit Wochen nicht vorgekommen war, das geschah heute: der Hausherr blieb, nachdem die Speisen abgetragen waren, eine volle Viertelstunde mit den Seinen an der Tafel sitzen und erzählte von dem schnellen Aufmarsch der Spanier, dem traurigen Geschick der übergelaufenen Engländer, welche entwaffnet und abtheilungsweise fortgeführt worden waren, dem todesmuthigen Widerstand, welchen diejenigen Briten, zu denen Junker Georg gehörte, bei Alfen geleistet hätten, und von einem andern heißen Kampfe, bei dem Don Gaytan, die rechte Hand und der beste Offizier des Maëstro del Campo Valdez, gefallen sein sollte. Noch gingen und kamen Boten auf dem Delfter Wege in die Stadt, aber morgen schon, sagte er, werde wohl auch dieser von den Feinden versperrt sein. Bei Allem, was er sagte, wandte er sich stets an Maria, wenn Barbara ihn nicht ausdrücklich fragte, und als er sich endlich von der Tafel erhob, bestellte er auf morgen einen guten Braten für den Gast, welchen er selbst zu laden gedachte. Kaum hatte sich die Thür seines Zimmers hinter ihm geschlossen, als die kleine Elisabeth auf Maria zueilte, die Aermchen um ihre Kniee schlang und sie fragte:

»Nicht wahr, Mutter; Junker Georg ist der große Hauptmann mit der blauen Feder, der so schnell die Treppe zu Dir hinabsprang?«

»Ja, Kind.«

»Und er kommt morgen zu Tisch! Adrian, er wird kommen!«

Die Kleine schlug in die Hände vor Vergnügen und lief dann zu Barbara, um noch einmal zu rufen:

»Base Bärbel, hast Du gehört? Er wird kommen!«

»Mit sammt der blauen Feder,« entgegnete die Wittwe.

»Und Locken hat er, Locken, so lang wie Assendelft's Klärchen. Darf ich mit zur Muhme Henrika?«

»Später vielleicht,« entgegnete Maria. »Geht jetzt, Kinder, holt die Blumen und sondert sie hübsch von dem Laube. Trautchen wird Reifen und Faden bringen, und dann werden die Kränze gewunden.«

Junker Georg's Wort, es sei heute ein Glückstag, schien sich bewahrheiten zu wollen; denn die junge Frau fand Henrika frisch und schmerzlos. Sie war mit des Doktors Erlaubniß im Zimmer auf und nieder gegangen, hatte längere Zeit am offenen Fenster gesessen, ihr Hühnchen genossen und saß, als Maria bei ihr eintrat, im Wohlgefühl der wachsenden Kräfte in dem weichgepolsterten Sorgenstuhl.

Die junge Frau freute sich über ihr besseres Aussehen und sagte ihr, wie wohl sie ihr heute gefalle.

»Ich gebe Euch das Kompliment zurück,« entgegnete Henrika. »Ihr schaut drein wie die gute Stunde. Was ist Euch Schönes begegnet?«

»Mir? O, mein Mann war froheren Muthes als sonst, und es gab bei Tisch viel zu erzählen. Ich komme nur, um nach Eurem Ergehen zu fragen. Auf Wiedersehen nachher. Jetzt mach' ich mich mit den Kindern an eine traurige Arbeit.«

»Mit den Kindern? Was hat das Elschen und Signor Salvatore mit Trauer zu schaffen?«

»Der Hauptmann Allertssohn wird morgen bestattet, und da wollen wir miteinander Kränze für den Sarg winden.«

»Kränze winden!« rief Henrika, »das kann ich Euch lehren! Da, Trautchen, nehmt die Teller und ruft mir die Kleinen.«

Die Magd entfernte sich, Maria aber sagte besorgt:

»Ihr muthet Euch wieder zu viel zu, Henrika.«

»Ich? Morgen singe ich wieder. Der Trank des Retters! Ich sage Euch, er thut Wunder. Habt Ihr Blumen und Eichenlaub zur Genüge?«

»Ich sollte denken!«

Bei den letzten Worten öffnete sich die Thür und Lieschen trat vorsichtig in das Zimmer, ging auf den Zehen, wie man es ihr anbefohlen hatte, auf Henrika zu, ließ sich von ihr küssen und sagte dann eifrig:

»Muhme Henrika, weißt Du auch schon? Junker Georg mit der blauen Feder kommt morgen wieder und wird mit uns essen.«

»Junker Georg?« fragte das Fräulein.

Maria unterbrach die Antwort des Kindes und erwiederte befangen:

»Herr von Dornburg, ein Offizier, der mit den Engländern, von denen ich Euch sprach, in die Stadt kam . . . ein Deutscher . . . ein Bekannter von früher. Geh', Lieschen, und ordne die Blumen mit Adrian; dann komm' ich und werde euch helfen.«

»Aber hier, bei der Muhme Henrika,« bat das Kind.

»Ja, Elschen, hier; und wir Beide winden zusammen den allerschönsten Kranz, den Du jemals gesehen hast.«

Das Kind lief hinaus und vergaß diesmal in seiner Freude, die Thür leise zu schließen.

Die junge Frau sah zum Fenster hinaus. Das Fräulein beobachtete sie eine Zeitlang schweigend und rief dann:

»Auf ein Wort, Frau Maria. Was gibt es da unten im Hofe? Nichts? Und wo sind auf einmal die frohen Augen geblieben? Es wimmelt in Eurem Haus nicht eben von Gästen; warum habt Ihr auf Lieschen gewartet, um mir von Junker Georg, dem Deutschen, dem Bekannten von früher, zu erzählen?«

»Laßt das, Henrika.«

»Nein, nein! Wißt Ihr, was ich glaube? Der Kriegssturm hat Euch den jungen Tollkopf in's Haus geweht, mit dem Ihr bei der Hochzeit Eurer Schwester so glückselige Stunden genossen. Hab' ich Recht oder Unrecht? Ihr braucht nicht so tief zu erröthen.«

»Er ist es,« entgegnete Maria ernst. »Aber wenn Ihr mich lieb habt, so vergeßt, was ich Euch von ihm erzählte, oder versagt Euch doch die müßige Lust, darauf anzuspielen, denn wenn Ihr es dennoch thätet, so würd' es mich kränken.«

»Wie sollte ich! Ihr seid die Frau eines Andern.«

»Eines Andern, den ich ehre und liebe, der mir vertraut und der den Junker selbst in sein Haus lud. Ich bin dem jungen Manne gut gewesen, habe mich an seinen Gaben gefreut und mich um ihn geängstigt, wenn er mit dem Leben spielte, als wär' es ein armseliges Blatt, das man in den Fluß wirft.«

»Und nun Ihr ihn wiedergesehen habt, Maria?«

»Nun weiß ich, was meine Pflicht ist. Sorgt Ihr dafür, daß mir die Ruhe hier drinnen nicht durch müßige Reden gestört wird.«

»Gewiß nicht, Maria; aber begierig bin ich dennoch auf diesen Ritter Georg und seinen Gesang. Leider wird unser Beisammensein nicht lange währen. Ich will nach Hause.«

»Der Doktor läßt Euch noch nicht reisen.«

»Einerlei. Ich gehe, sobald ich fühle, daß ich wohl genug bin. Man weigert meinem Vater den Einlaß, aber Euer Gatte vermag hier viel, und ich muß mit ihm reden.«

»Wollt Ihr ihn morgen empfangen?«

»Je eher, desto lieber, denn er ist Euer Mann, und, ich wiederhole es, der Boden brennt mir hier unter den Füßen.«

»O!« machte Maria.

»Das klingt ja ganz betrübt,« rief das Fräulein. »Wollt Ihr hören, daß ich mich schwer von Euch trenne? – Ich ging' auch noch nicht; aber meine Schwester, die Anna; sie ist nun Wittwe . . . Gottlob möcht' ich sagen, doch sie leidet Noth und ist völlig verlassen. Ich muß mit meinem Vater über sie reden und wieder aus dieser stillen Bucht hinaus in den Sturm.«

»Mein Mann kommt zu Euch,« sagte Maria.

»Recht! Recht! . . . Herein nun, ihr Kinder! Stellt die Blumen dort auf den Tisch. Du, Elschen, setz' Dich hübsch auf den Schemel, und Du, Salvatore, reichst mir die Blumen. Was ist denn das? Ich glaube wahrhaftig, der Schlingel hat sich wohlriechendes Oel auf den Krauskopf gestrichen. Mir zu Ehren, Retter? Ich danke! – Die Reifen brauchen wir später. Erst machen wir Sträuße, und dann binden wir sie mit dem Laub zusammen an das Holz. – Singet mir zu der Arbeit ein Lied, Maria. Das erste! Heut kann ich's ertragen.«

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