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Die französische Revolution

Thomas Carlyle: Die französische Revolution - Kapitel 109
Quellenangabe
typetractate
booktitleDie französische Revolution
authorThomas Carlyle
translatorDr. Franz Kwest
year1898
firstpub1837
publisherVerlag von Otto Hendel
addressHalle a. d. S.
titleDie französische Revolution
pages919
created20110927
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Fünftes Kapitel.
Eine Trilogie.

Alle Schilderung heutzutage, und wäre sie noch so getreu erzählend, »gesprochen und nicht gesungen,« muß sich entweder auf Glauben und nachweisbare Thatsachen gründen, oder überhaupt auf gar nichts, muß, wie ein in der Luft fliegendes Spinngewebe, überhaupt kaum eine Existenz haben. Darum wird es der Leser vielleicht vorziehen, durch die Augen von Zeugen selber einen Blick zu werfen auf jene Tage, und so selber zu sehen, wie es zuging. Der tapfere Jourgniac, der unschuldige Abbé Sicard, der kluge Advokat Maton, diese drei sollen hier in Person, in gedrängter Kürze, jeder einen Augenblick, sprechen. Jourgniacs 38stündige Todesangst, obgleich im Grund ein schwaches Werk, erlebte »über hundert Auflagen.« In Ermangelung von etwas Besserem mag hier ein Teil davon zum über hundert und ersten mal erscheinen.

»Gegen sieben Uhr« (Sonntag Abend in der Abbaye; es schreibt nämlich Jourgniac ein Tagebuch): »Wir sahen zwei Männer eintreten, ihre Hände blutig und mit Säbeln 190 bewaffnet. Ein Gefangenwärter mit einer Fackel leuchtete ihnen. Er wies nach dem Bette des unglücklichen Schweizers Reding. Reding sprach mit sterbender Stimme. Einer der Männer blieb stehen, der andere aber schrie »Allons donc«, hob den unglücklichen Mann auf und trug ihn auf seinen Schultern hinaus auf die Straße. Hier wurde er massakriert.«

»Wir blickten uns alle schweigend an, faßten einer des andern Hand. Bewegungslos, mit starren Augen, schauten wir nieder auf das Pflaster unseres Gefängnisses, auf das das Mondlicht fiel, kariert mit dem Schatten der dreifachen Stäbe unseres Fensters.«

»Drei Uhr am Morgen. Man brach eine der Gefängnisthüren ein. Wir dachten zuerst, sie wären gekommen, uns in unserm Zimmer zu ermorden, aber hörten durch Stimmen auf der Treppe, daß es einem andern Zimmer galt, wo einige Gefangene sich verbarrikadiert hatten. Sie wurden dort alle hingeschlachtet, wie wir bald vernahmen.«

»Zehn Uhr: Abbé Lenfat und Abbé de Chapt-Rastignac erschienen auf der Kanzel der Kapelle, die unser Gefängnis war; sie waren durch eine Thür von der Treppe eingetreten. Sie sagten uns, daß unser Ende nahe wäre, daß wir uns fassen und ihren letzten Segen empfangen sollten. Eine elektrische Bewegung, nicht erklärbar, warf uns alle auf unsere Knie, und wir empfingen ihren Segen. Diese zwei weißhaarigen alten Männer, die uns von ihrem Platz oben segneten, der über unsern Häuptern schwebende Tod, der von allen Seiten uns umgab – der Augenblick ist unvergeßlich. Eine halbe Stunde später wurden sie beide massakriert, und wir hörten ihr Schreien.«Jourgniac St.-Méard, Mon Agonie de trentehuit heures (wieder abgedruckt in der Histoire parlementaire, XVIII, 103-135). –

So Jourgniac in seiner »Todesangst« in der Abbaye.

Aber nun lassen wir den guten Maton sprechen, ihn erzählen, was er drüben in La Force in den nämlichen Stunden erleidet und sieht. Diese seine »Resurrektion« ist bei weitem die beste, am wenigsten theatralische von den Flugschriften, und hält die streng geschichtliche Probe aus:

»Gegen sieben Uhr,« am Sonntag Abend, »wurden häufig Gefangene abgerufen und kehrten nicht zurück. Jeder von uns suchte in seiner Weise nach einer Erklärung für diese seltsame Erscheinung, doch beruhigten sich unsere Gedanken, da wir uns überredeten, daß die Denkschrift, die ich für die 191 Nationalversammlung aufgesetzt hatte, wohl schon eine günstige Wirkung hervorbringe.«

»Um ein Uhr am Morgen wurde das zu unserm Quartier führende Gitter neuerdings geöffnet. Vier Männer in Uniform, jeder mit gezogenem Säbel und lodernder Fackel, kamen nach unserm Korridor, von einem Gefängniswärter geführt, und betraten ein Gemach nahe dem unsrigen, um da eine Kiste zu durchsuchen, die wir sie aufbrechen hörten. Dies gethan, schritten sie in die Galerie und fragten den Mann Cuissa, wo Lamotte (»Witwer der Halsband-Lamotte«) wäre. Lamotte, sagten sie, hätte vor einigen Monaten, unter dem Vorgeben, er wisse um einen Schatz, einem von ihnen eine Summe von dreihundert Livres abgeschwindelt, indem er ihn zu diesem Zwecke zum Diner eingeladen. Der unglückliche Cuissa, nun in ihrer Hand, und der in der That diese Nacht sein Leben verlor, antwortete zitternd, daß er sich der Sache wohl erinnere, aber nicht sagen könne, was aus Lamotte geworden sei. Entschlossen, Lamotte zu finden und mit Cuissa zu konfrontieren, suchten sie herum mit Cuissa in verschiedenen anderen Zimmern, doch erfolglos, denn wir hörten sie sagen: »Kommt, laßt uns unter den Leichen suchen, denn, nom de Dieu, wir müssen herausfinden, wo er ist.«

Um diese Zeit hörte ich Louis Bardy, des Abbé Bardys Namen rufen; er wurde hinausgeführt und gleich massakriert, wie ich erfuhr. Er war, zugleich mit seiner Konkubine, vor fünf oder sechs Jahren angeklagt worden, seinen eigenen Bruder, den Auditeur bei der Chambre des Comptes von Montpellier, ermordet und in Stücke geschnitten zu haben; aber er hatte die Richter überlistet und war der Strafe entgangen durch seine Schlauheit, seine Geschicklichkeit, ja durch seine bloße Beredsamkeit.

Man kann sich denken, in welchen Schrecken mich die Worte: »Kommt, laßt uns unter den Leichen suchen, denn« versetzt hatten. Ich sah nichts mehr übrig, als mich jetzt auf den Tod gefaßt zu machen. Ich schrieb meinen letzten Willen, schloß ihn mit der Bitte und Beschwörung, das Papier an seine Adresse zu befördern. Kaum hatte ich die Feder aus der Hand gelegt, als zwei andere Männer in Uniform kamen; einer von ihnen, dessen Arm und Ärmel bis an die Schultern hinauf ebenso wie sein Säbel mit Blut bedeckt waren, sagte, er sei so müde wie ein Handlanger, der Pflastersteine geschlagen hätte. –

Bandin de la Chenage wurde gerufen. 60 Jahre eines 192 tugendreichen Lebens konnten ihn nicht retten. Sie sagten zu ihm: »à l'Abbaye!« Er schritt durch das verhängnisvolle äußere Thor, stieß einen Schreckensruf aus beim Anblick der aufgehäuften Leichen, bedeckte sich die Augen mit seinen Händen und starb an unzähligen Wunden. Bei jedem neuen Öffnen des Gitters dachte ich, ich würde meinen eigenen Namen rufen hören und Rossignol eintreten sehen.

Ich warf meinen Schlafrock und die Nachtmütze weg, legte ein grobes ungewaschenes Hemd an, einen abgetragenen Rock ohne Weste, einen alten runden Hut; nach diesen Dingen hatte ich vor einigen Tagen gesendet in der Befürchtung dessen, was sich ereignen möchte.

Die Zimmer auf diesem Korridor waren alle bis auf das unserige geleert. Wir waren unser vier beisammen, die man vergessen zu haben schien. Wir richteten unsere Gebete gemeinsam an den Ewigen, um Erlösung aus dieser Gefahr.

Es kam nur Baptiste, der Gefangenwärter herauf, um nach uns zu sehen. Ich faßte seine Hände, beschwor ihn, uns zu retten, versprach ihm hundert Louisdor, wenn er mich nach Hause geleiten wollte. Ein Lärm, der vom Gitter her sich hörbar machte, ließ ihn sich eiligst hinweg begeben.

Es war der Lärm, den etwa zwölf bis fünfzehn bis an die Zähne bewaffnete Männer machten, wie wir sehen konnten von den Fenstern unseres Raumes, in dem wir uns flach auf den Boden hinlegten, um nicht gesehen zu werden. ›Laßt uns hinaufgehen!‹ sagten sie, ›verschont keinen.‹ Ich zog mein Federmesser aus der Tasche, überlegte, wo ich mir einen Stich versetzen sollte, – aber dachte, »daß die Klinge zu kurz« und dachte auch »an Religion.«

Endlich aber kamen zwischen 7 und 8 Uhr am Morgen vier Männer mit Knütteln und Säbeln herein.

Dem einen derselben wisperte Gérard, mein Kamerad, angelegentlich etwas zu. Während sie miteinander sprachen, suchte ich überall nach Schuhen, damit ich die Advokatenschuhe (pantoufles de Palais), die ich an hatte, ablegen könnte; aber konnte keine finden. – Constant, genannt le Sauvage, Gérard und ein dritter, dessen Name mir nicht gegenwärtig ist, ließen sie ohne weiteres laufen; was mich betrifft, so wurden vier Säbel vor meiner Brust gekreuzt, und so führte man mich hinunter. Ich wurde vor ihre Gerichtsschranken gebracht, zu der Person mit der Schärpe, die da als Richter saß. Es war ein lahmer Mann von hoher, hagerer Gestalt. Er erkannte mich wieder auf der Straße sieben Monate später und redete 193 mich an. Es ist mir versichert worden, er sei der Sohn eines zurückgetretenen Advokaten, Namens Chepy. Als ich durch den Hof ging, genannt der Hof Des Nourrices, sah ich Manuel in trikolorer Schärpe eine Rede halten.«

Das Verhör endet, wie wir wissen, mit Freisprechung und résurrection.Maton de la Varenne, Ma résurrection (in der Histoire parlementaire, XVIII, 135-156).

Der arme Sicard, aus dem violon der Abbaye, soll nur einige Worte sprechen, wahrhaft, wenn auch zitternd. Gegen drei Uhr am Morgen fällt den Schlächtern dieses kleine violon ein, sie klopfen vom Hofe aus an. »Ich pochte an der entgegengesetzten Thüre, wo das Sektionskomitee Sitzung hielt, pochte leise, damit die Mörder draußen es nicht hören möchten; man antwortet grob, man habe keinen Schlüssel. Wir waren unser drei in diesem violon. Meine Gefährten glaubten eine Art von Boden über uns zu bemerken, aber er war sehr hoch, nur einer von uns konnte ihn dadurch erreichen, indem er auf die Schultern der beiden anderen stieg. Einer von ihnen sagte zu mir, mein Leben sei nützlicher als das ihre. Ich widerstand, sie ließen nicht nach, keine Widerrede half. Ich werfe mich meinen beiden Lebensrettern an den Hals, nie gab es eine rührendere Scene. Ich steige auf die Schultern des ersten, dann auf die des zweiten, endlich auf den Boden und spreche zu meinen beiden Kameraden Worte, wie sie nur aus einer von Rührung überwältigten Seele kommen können.«Abbé Sicard, Relation adressée à un de ses amis (Histoire parlementaire, XVIII, 98-103).

Die beiden großmütigen Gefährten kamen, wie wir mit Freuden vernehmen, nicht um. Doch ist es jetzt Zeit, Jourgniac de Saint-Méard seine letzten Worte sprechen zu lassen und diese in ihrer Art einzige Trilogie zu beschließen. Nacht war wieder Tag, Tag wieder Nacht geworden, Jourgniac, von langer großer Aufregung ermattet, war eingeschlafen und hatte einen trostbringenden Traum. Er hat auch Bekanntschaft angeknüpft mit einem der freiwilligen Schergen und sich mit ihm in der provençalischen Muttersprache unterhalten. Am Dienstag, ungefähr um 1 Uhr morgens, erreicht seine Todesangst ihren höchsten Punkt.

»Beim Schein zweier Fackeln gewahrte ich jetzt das schreckliche Tribunal, von denen mein Leben oder mein Tod 194 abhing. Der Präsident, in grauem Rocke, einen Säbel an seiner Seite, lehnte sich stehend gegen einen Tisch, worauf Papiere, ein Tintenfaß, Tabakspfeifen und Flaschen waren. Etwa zehn Personen saßen oder standen umher, zwei davon in Jacken und Schürzen, andere lagen schlafend auf Bänken ausgestreckt. Zwei Männer in blutigen Hemden bewachten die Thür des Raumes, ein alter Gefangenwärter hatte seine Hand am Schloß. Dem Präsidenten gegenüber hielten drei Männer einen Gefangenen von etwa sechzig Jahren« (oder siebzig – es war der alte Marschall Maillé, von den Tuilerien und dem 10. August). »Mich stellten sie in eine Ecke, meine Wächter kreuzten ihre Säbelspitzen vor meiner Brust. Ich sah mich überall um nach meinem Provençalen. Zwei Nationalgardisten, von denen einer betrunken war, überreichten eine Art Fürbitte von der Sektion Croix rouge zu Gunsten des Gefangenen. Der Mann in Grau antwortete: ›Sie sind nutzlos, diese Fürbitten für Verräter.‹ Darauf rief der Gefangene: ›Es ist entsetzlich; euer Urteil ist ein Mord.‹ Der Präsident antwortete: ›Meine Hände sind rein davon; bringt Monsieur Maillé hinweg.‹ Sie trieben ihn in die Straße hinaus, wo ich durch die Öffnung der Thür sah, wie er niedergemacht wurde.

Der Präsident setzte sich hin und schrieb, wahrscheinlich registrierte er den Namen dessen, den sie soeben expediert hatten; dann hörte ich ihn sagen: ›Einen anderen, à un autre!

So seht nun mich vor diese schnelle und blutige Gerichtsschranke geschleppt, wo der beste Schutz war, schutzlos zu sein, und wo alle Hilfsmittel des größten Scharfsinns nichts halfen, wenn sie nicht auf Wahrheit beruhten. Zwei meiner Wächter hielten mich bei den Händen, der dritte am Rockkragen. ›Ihr Name, Ihr Beruf?‹ sagte der Präsident. ›Die kleinste Lüge richtet Sie zu Grunde,‹ fügte einer der Richter hinzu. – ›Mein Name ist Jourgniac Saint-Méard; ich habe zwanzig Jahre als Offizier gedient und erscheine vor eurem Tribunal mit der Zuversicht eines unschuldigen Mannes, der darum nicht lügen wird.‹ – ›Das werden wir sehen,‹ sagte der Präsident. ›Wissen Sie, weshalb Sie verhaftet sind?‹ – ›Ja, Monsieur le président; ich bin angeklagt, das Journal de la Cour et de la Ville herausgegeben zu haben. Aber ich hoffe, die Falschheit dieser Anklage zu beweisen.‹«

Jourgniacs Beweis von der Falschheit der Anklage und seine Verteidigung im allgemeinen, so vortrefflich sie auch sein 195 mochte, hat jedoch für den Leser kein Interesse. Sie ist weitschweifig, etwas Theatralisches liegt im Ganzen, das sich zwar nicht bis zur Unwahrheit versteigt, aber nicht weit davon ist. Wir wollen annehmen, seine Beweise und Gegenbeweise seien wider Erwarten erfolgreich gewesen und gehen schnell, in zwei Schritten, über zu der Katastrophe.

»›Aber bei alldem giebt's keinen Rauch ohne Feuer,‹ sagte einer der Richter, ›sagen Sie uns, warum man Sie denn dessen beschuldigt.‹ ›Ich war im Begriff, es zu sagen,‹« – Jourgniac sagt es, mit mehr und mehr Erfolg. »›Ja,‹ fuhr ich fort, ›man beschuldigt mich sogar der Werbung für die Emigranten!‹ Bei diesen Worten erhob sich ein allgemeines Murren. ›O Messieur, Messieurs!‹ rief ich mit erhobener Stimme, ›ich habe jetzt das Wort; ich bitte den Herrn Präsidenten, mir das Wort zu lassen; nie hatte ich's so nötig.‹ – ›Wahr genug, wahr genug,‹ sagten fast alle Richter und lachten. ›Ruhe denn!‹ Während man nun die von mir vorgelegten Zeugnisse prüfte, wurde ein neuer Gefangener hereingeführt und vor den Präsidenten gestellt. ›Wieder ein Priester,‹ hieß es, ›den sie in der Kapelle erwischt haben.‹ Einige wenige Fragen, ›à la Force!‹ Er warf sein Brevier auf den Tisch, wurde hinausgeführt und massakriert. Ich erschien wieder vor dem Tribunal.

›Sie sagen uns beständig, daß Sie nicht dies, nicht jenes sind; was sind Sie denn?‹ rief einer der Richter in ungeduldigem Tone. – ›Ich war ein offener Royalist.‹ – Da entstand wieder allgemeines Murren, das jedoch von einem anderen der Männer, der Interesse an mir zu nehmen schien, auf wunderbare Weise besänftigt wurde. ›Wir sind nicht hier, um über Meinungen zu richten,‹ sagte er, ›sondern über das Resultat derselben!‹ Hätten Rousseau und Voltaire zusammen für mich gesprochen, hätten sie es besser thun können? – ›Ja, Messieurs,‹ rief ich, ›immer bis zum 10. August war ich ein offener Royalist. Seit dem 10. August ist's damit aus. Ich bin ein Franzose, meinem Vaterlande treu. Immer war ich ein Mann von Ehre. Meine Soldaten haben mir nie mißtraut. Im Gegenteil: zwei Tage vor der Affaire von Nancy, als ihr Verdacht gegen die anderen Offiziere aufs höchste gestiegen war, wählten sie mich zum Kommandanten, um sie nach Lunéville zu führen, die Gefangenen vom Regiment Mestre-de-Camp zu befreien und General Malseigne gefangen zu nehmen. Glücklicherweise ist hier jemand anwesend, der dies zuverlässig bestätigen kann.‹

196 Nach diesem Verhör nahm der Präsident den Hut ab und sagte: ›Ich finde nichts Verdächtiges an diesem Manne, ich bin dafür, ihm die Freiheit zu schenken. Ist dies euer Beschluß?‹ Worauf alle Richter antworteten: ›Oui, oui, es ist gerecht!‹«

Und nun erschallten Hochrufe drinnen und draußen, unter Jubel und Umarmungen, inmitten einer »Eskorte von drei Mann« entging so Jourgniac dem Gerichte und dem Rachen des Todes.Mon Agonie (ut supra, Histoire parlementaire, XVIII, 128). So entkamen Maton und Sicard, der eine durch Verhör und Freisprechung, da der hagere Präsident Chepy »absolut nichts« gegen ihn fand, der andere durch Flucht und ahermalige Hilfe von seiten des wackeren Uhrmachers Moton, und beide wurden umarmt und mit Freudenthränen begrüßt, die sie ihrerseits vergossen, und wohl Ursache hatten.

So haben wir denn die drei gehört, in wunderbarer Trilogie oder dreifachem Selbstgespräch, womit sie gleichzeitig ihre Nachtgedanken, während ihrer schrecklichen Nachtwachen, für uns hörbar machten. Die drei haben wir gehört, aber die anderen »Tausendundneunundachtzig, worunter zweihundertundzwei Priester,« die ebenfalls ihre Nachtgedanken hatten, bleiben unhörbar, für immer in schwarzem Tode erstickt. Gehört einzig vom Präsidenten Chepy und dem Mann in Grau.

 

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