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Die französische Revolution

Thomas Carlyle: Die französische Revolution - Kapitel 103
Quellenangabe
typetractate
booktitleDie französische Revolution
authorThomas Carlyle
translatorDr. Franz Kwest
year1898
firstpub1837
publisherVerlag von Otto Hendel
addressHalle a. d. S.
titleDie französische Revolution
pages919
created20110927
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Siebentes Kapitel.
Die Schweizer.

Unglückliche Freunde, die Sturmglocke bringt etwas ein, hat es eingebracht! Seht, wie mit den ersten Sonnenstrahlen die Oceanflut von Piken und Gewehren sich schimmernd vom fernen Osten her ergießt, unermeßlich, geboren von der Nacht. Dort marschiert es, das grimmige Heer, Saint-Antoine diesseits, Saint-Marceau jenseits des Flusses, die düsterblickenden Marseiller voran. Mit weithin hörbarem Summen und grimmigem Murmeln; wie die Flut des Meeres, die der Mond und seine Einflüsse aus der großen Tiefe der Gewässer heraufzieht, so wälzen die in Waffen schimmernden Massen sich heran. Kein König, kein Kanut oder Ludwig, kann ihnen befehlen, zurückzugehen. Weitwogende Seitenströme von Zuschauern wälzen sich hierhin und dorthin, unbewaffnet, doch laut; das Stahlheer selbst bewegt sich vorwärts. Der neue Kommandant Santerre freilich hat sich im Stadthause 146 niedergelassen, hält Rast dort auf halbem Wege. Der Elsässer Westermann dagegen, mit gezücktem Säbel, rastet nicht, noch die Sektionen, noch die Marseiller, noch Demoiselle Théroigne, sondern rücken beständig näher.

Und nun, wo sind Mandats Schwadronen, die angreifen sollten? Nicht eine von ihnen rührt sich; oder dann in der unrechten Weise, nämlich aus dem Wege, und ihre Offiziere sind froh, daß sie wenigstens das thun. Bis heute ist's ungewiß geblieben, ob die Schwadron auf dem Pont-Neuf auch nur den Schatten von einem Widerstand gezeigt hat; genug, die finsterblickenden Marseiller und das ihnen folgende Saint-Marceau gehen über die Brücke ohne Hindernis, rücken, in sicherer Hoffnung nun auf Saint-Antoine und die übrigen, gegen die Tuilerien vor, die aller Ziel sind. In den Tuilerien gerät alles in Bewegung, als man sie kommen hört. Die roten Schweizer sehen nach ihrem Pulver, die Hofleute in Schwarz greifen nach ihren Büchsen, Rapieren, Dolchen, einige haben Feuerschaufeln, jeder seine Kriegswaffe.

Man bedenke, ob unter diesen Umständen dem Syndikus Roederer wohl zu Mute war! Will der gütige Himmel keinen Mittelweg öffnen für einen armen Syndikus, der zwischen den beiden Parteien schwankt? Wenn vielleicht Seine Majestät sich bereit fände, hinüberzugehen in die Nationalversammlung? Seine Majestät, vor allem Ihre Majestät kann sich dazu nicht verstehen. Gab Ihre Majestät ein »fi donc« zur Antwort, oder sagte sie sogar, sie wollte sich lieber an die Wand nageln lassen? Allem Anschein nach nicht. Es wurde auch geschrieben, sie hätte dem König eine Pistole gereicht und gesagt, jetzt oder nie wäre die Zeit, sich zu zeigen. Nahe Augenzeugen sahen es nicht, so wenig wie wir. Sie sahen nur, daß sie königlich, ruhig war, daß sie nicht haderte, nicht räsonnierte gegen das unerbittliche Schicksal, sondern, wie Caesar im Kapitol, sich in ihren Mantel hüllte, wie es für Königinnen und alle Adamskinder sich geziemt. Aber du, o Ludwig! Aus welchem Stoffe bist du denn überhaupt? Liegt es denn nicht in dir, auch nur einen einzigen Streich zu wagen für Leben und Krone. Das dümmste gejagte Reh stirbt nicht so. Bist von allen Sterblichen du der Schlaffste oder bist du der Sanftmütigste? Du bist der Unglückseligste!

Die Flut rückt heran, des Syndikus Roederers und aller Verlegenheit wird größer und größer. Tobender Lärm dringt herauf von den bewaffneten Nationalen im Hofe, weit und breit nichts als unendliches Summen von Zungen. Wozu 147 raten? Und die Flut jetzt so nahe! Boten, Vorläufer sprechen hastig durch die äußeren Gitter, halten Zwiesprache, rittlings auf den Mauern sitzend. Syndikus Roederer geht aus und ein. Kanoniere fragen ihn: Haben wir auf das Volk zu feuern? Königliche Minister fragen ihn: Soll des Königs Residenz erstürmt werden? Syndikus Roederer hat ein schweres Spiel. Er spricht zu den Kanonieren mit Beredsamkeit, mit Wärme, solcher Wärme, als ein Mann hat, der in einem Atem warm und kalt hauchen muß. Warm und kalt, o Roederer? Wir unsrerseits können nicht leben und sterben! Und so werfen denn die Kanoniere, zur Antwort, ihre Lunten weg. – Bedenke diese Antwort, o König Ludwig, und ihr königlichen Minister, und schlagt eines armen Syndikus sichern Mittelweg ein nach der Salle de manège. König Ludwig sitzt da, seine Hände auf die Knie gestützt, mit vorgebeugtem Oberkörper, schaut eine Zeitlang fest auf den Syndikus Roederer; dann antwortet er, über seine Schulter auf die Königin blickend: Marchons! Sie gehen, König Ludwig, die Königin, Schwester Elisabeth, die zwei königlichen Kinder und die Gouvernante, mit dem Syndikus Roederer und Beamten des Departements, durch eine doppelte Reihe von Nationalgarden, die Männer mit den Musketen, die standhaften roten Schweizer blicken traurig, vorwurfsvoll drein, bekommen aber nur die Worte des Syndikus Roederer zu hören. »Der König geht in die Versammlung, macht Platz.« Es hat vor einigen Minuten auf allen Uhren acht Uhr geschlagen. Der König hat die Tuilerien verlassen – für immer.

O ihr zuverlässigen Schweizer, ihr tapfern Herren in Schwarz, für welche Sache sollt ihr euch opfern und geopfert werden. Blickt hinaus von den westlichen Fenstern, ihr könnt sehen, wie König Ludwig gelassen seinen Weg fortsetzt, wie der arme kleine Kronprinz »spielend die gefallenen Blätter mit den Füßen emporwirft.« Eine tobende Menge wirbelt, parallel mit dem Wege des Königs, auf der Feuillantsterrasse, ein Mann darunter mit einer langen Stange, der sehr lärmt; wird diese Menge nicht die Außentreppe und den hintern Eingang zum Saale versperren, wenn wir dort durch wollen? Des Königs Garden dürfen nicht weiter gehen als bis an die unterste Stufe dort. Seht, eine Deputation von Gesetzgebern kommt heraus! Der Mann mit der langen Stange läßt sich durch Zureden beschwichtigen, die Garde der Versammlung vereinigt sich mit der Königsgarde, und 148 alle zusammen mögen, in diesem Falle der Notwendigkeit, hinaufsteigen. Die Außentreppe ist frei oder wenigstens passierbar. Seht, das Königtum geht hinauf, ein blauer Grenadier hebt den armen kleinen Kronprinzen aus dem Gedränge. Das Königtum ist hineingetreten, ist unsern Augen entschwunden für immer. – Und ihr, ihr Schweizer, ihr Herren in Schwarz? Euch ließ man da stehen inmitten der gähnenden Abgründe und des Erdbebens der Insurrektion, ohne Kurs, ohne Befehl. Wenn ihr zu Grunde geht, so seid ihr mehr als Märtyrer: Märtyrer, die nun ohne eine Sache sind, für die sie sterben! Die schwarzen Hofleute verschwinden größtenteils durch welche Ausgänge sie können. Die armen Schweizer wissen nicht, was thun. Nur eine Pflicht ist ihnen klar, die Pflicht, auf ihrem Posten zu bleiben; und diese Pflicht werden sie erfüllen.

Aber die schimmernde Stahlflut ist angelangt, sie schlägt jetzt gegen die Schloßbarrieren und östlichen Höfe, unwiderstehlich, laut brandend weit und breit. Sie stürzt herein, füllt den Karussellhof, die finster blickenden Marseiller voran. König Ludwig ist fort, sagt ihr, hinüber in die Versammlung? Schön und gut, aber ehe die Versammlung ihn nicht abgesetzt hat, was hilft's? Unser Posten ist in diesem seinem Schlosse oder seiner Festung, bis dahin müssen wir hier bleiben. Bedenkt, ihr zuverlässigen Schweizer, ob es gut wäre, wenn grimmiges Morden begänne, und Brüder sich in Stücke schössen um eines Steingebäudes willen? – Arme Schweizer! Sie wissen nicht, was thun. Aus den südlichen Fenstern werfen einige Patronen als ein Zeichen der Brüderschaft; auf der östlichen Außentreppe und drinnen in langen Gängen und Korridoren stehen sie in festen Reihen, friedlich und doch sich weigernd, ihren Platz zu verlassen. Westermann spricht zu ihnen im elsässer Deutsch, Marseiller beschwören sie in hitzigem provençalischen Dialekt und mit Pantomimen, betäubender Tumult redet auf sie ein und droht ringsum. Die Schweizer stehen fest, friedlich und doch unbeweglich, ein roter, granitner Damm in der wüsten, blitzenden Stahlsee.

Wer kann den unvermeidlichen Ausgang verhindern? Die Marseiller und ganz Frankreich auf dieser Seite, die granitnen Schweizer auf jener. Die Pantomimen werden heftiger und heftiger, die Marseiller schwingen ihre Säbel in der Luft; auch die Schweizerstirne verfinstert sich, der Schweizerdaumen spannt den Hahn. Und horcht! Allen Lärm überdonnernd kommen vom Karussell her drei Marseiller Kanonenkugeln, 149 von einem schlechten Schützen gezielt, rasselnd über die Dächer! Ihr Schweizer, nun denn: Feuer! Die Schweizer feuern, salvenweise, knatterndes Büchsenfeuer, und nicht wenige Marseiller, und »ein langer Mann, der lauter war als irgend einer,« liegen verstummt, zerschmettert auf dem Pflaster, – nicht wenige Marseiller haben, nach ihrem langen, staubigen Marsch, hier nun Halt gemacht. Der Karussellplatz ist leer, die schwarze Flut ist zurückgeprallt; »Flüchtende stürzen bis nach Saint-Antoine, ehe sie stehen bleiben.« Die Kanoniere ohne Lunte haben sich unsichtbar gemacht und ihre Kanonen zurückgelassen, deren die Schweizer sich nun bemächtigen.

Welche Salve es war! Wiedertönend in allen vier Ecken von Paris und durch alle Herzen, wie der Schall von Bellonas Kriegsruf! Die finsterblickenden Marseiller, die sich auf der Stelle wieder sammeln, sind zu schwarzen Dämonen geworden, die zu sterben wissen. Auch Brest bleibt nicht zurück, nicht der Elsässer Westermann; Demoiselle Théroigne ist Sibylle Théroigne: Rache, victoire ou la mort! Aus allen Patriotengeschützen, groß und klein, von der Fenillantsterrasse und von allen Terrassen und Plätzen des weitverbreiteten Insurrektionsmeeres tobt als Erwiderung ein rotflammender Feuersturm. Blaue Nationalgarden, die im Garten aufgestellt sind, können ihre Gewehre nicht daran hindern, loszugehen gegen fremde Mörder. Denn es ist eine Sympathie in Musketen, in gedrängten Menschenmassen. Ja, ist nicht die Menschheit wie gestimmte Saiten, und besitzt sie nicht unter sich eine unendliche Übereinstimmung und Einheit; schlägt man eine Saite an, so tönen alle gleichgestimmten mit, in sanftem Sphärenton oder in betäubendem Geschrei des Wahnsinns! Berittene Gendarmerie galoppiert verzweifelt, man feuert ihr nach, bloß weil sie sich zu bewegen wagt; sie galoppiert über den Pont-Neuf, oder man weiß nicht wohin. Das Gehirn von Paris, hier im Centrum im Fieberwahnsinn, ist toll geworden, oder, wie man sagt, entzündet.

Seht, das Feuer läßt nicht nach; auch nicht von innen das rollende Feuer der Schweizer. Ja, sie haben sich der Kanonen bemächtigt, wie wir sahen, und nun fallen ihnen auf der anderen Seite noch drei Stück in die Hände; leider ohne Lunten, und auch will es mit Stahl und Feuerstein nicht gehen, obgleich sie's damit versuchen.Deux Amis, VIII, 179-188. Wäre es doch gegangen! Patriotische Zuschauer fühlen Besorgnis. Ein höchst 150 merkwürdiger patriotischer Zuschauer denkt, daß die Schweizer, hätten sie einen Anführer, siegen würden. Er ist ein Mann, der ein Urteil hat; sein Name Napoleon Buonaparte.Siehe Histoire parlementaire, XVII, 56; Las Cases etc. Und auf der anderen Seite des Flusses stehen aufmerksame Zuschauer und unter ihnen der geistreiche Dr. Moore von Glasgow; Kanonen rumpeln an ihnen vorüber, halten auf dem Pont Royal, entladen ihr eisernes Eingeweide dort gegen die Tuilerien, und bei jeder neuen Entladung jauchzen die Weiber und andern Zuschauer und klatschen in die Hände.Moore, Tagebuch während einer Reise in Frankreich (Dublin 1793), I, 26. Stadt aller Teufel! In entlegenen Straßen trinken die Leute ihren Frühstückskaffee, gehen ihren Geschäften nach, schrecken nur dann und wann zusammen, wenn ein dumpfes Echo etwas lauter schallt. Und hier? Marseiller fallen, verwundet; aber Barbaroux hat Wundärzte, Barbaroux ist nahe, ist thätig, wenn auch versteckt und heimlich. Marseiller fallen, tödlich getroffen; sie vermachen anderen ihr Gewehr, geben an, in welcher Tasche sie die Patronen haben, und sterben murmelnd: »Räche mich, räche dein Vaterland!« Brester föderierte Offiziere, die in roten Röcken dahergaloppieren, werden als Schweizer erschossen. Seht, das Karussell ist in Flammen. – Paris ist ein Pandämonium. Ja, die arme Stadt ist, wie wir sagten, in einem Fieberanfalle und in Krämpfen. Diese Krisis hat etwa eine halbe Stunde lang gewährt.

Aber was ist dies dort, mit Insignien der Legislative, was sich vom hinteren Eingang der Manege her durch den Tumult und tödlichen Hagel wagt? Es wendet sich nach den Tuilerien, zu den Schweizern, bringt den geschriebenen Befehl Seiner Majestät, das Feuer einzustellen. O ihr unglücklichen Schweizer! Warum hattet ihr nicht Befehl, das Feuer nicht zu beginnen? Gern würden die Schweizer das Feuer einstellen, doch wer will dem tollen Aufruhr befehlen, das Feuer einzustellen? Zum Aufruhr kann man nicht sprechen, er, mit seinen vielen Hydraköpfen, kann nicht hören. Und die Toten und Sterbenden, nach Hunderten, liegen rings herum, werden blutend durch die Straßen getragen, um Hilfeleistung zu empfangen; ihr Anblick entzündet, wie eine Furienfackel, den Wahnsinn. Das patriotische Paris brüllt, wie die ihrer Jungen beraubte Bärin. Vorwärts, ihr 151 Patrioten: Rache! Sieg oder Tod! Man sieht Männer, die sich, nur mit Spazierstöcken bewaffnet, in den Kampf stürzen.Histoire parlementaire, XVII, 56; Rapport du Capitaine des Canoniers; Rapport du Commandant (ebendaselbst XVII, 300–318). Schrecken und Wut beherrschen die Stunde.

Die Schweizer, von außen gedrängt, von innen gelähmt, haben aufgehört zu schießen, aber nicht aufgehört, erschossen zu werden. Was sollen sie thun? Es ist ein verzweifelter Augenblick. Entweder Schutz suchen oder augenblicklichen Tod erleiden. Doch wie, wo Schutz finden? Ein Teil flieht hinaus durch die Rue de l'Echelle und wird gänzlich, »en entier,« vernichtet. Ein zweiter Teil wirft sich auf der anderen Seite in den Garten, »eilt durch ein scharfes Gewehrfeuer,« stürzt flehend in die Nationalversammlung, findet Mitleid und auf den hinteren Bänken eine Zuflucht. Der dritte und größte Teil macht in einer dreihundert Mann starken Kolonne einen Ausfall nach den Champs Élysées. Ach, könnten wir nur Courbevoye erreichen, wo andere Schweizer sind! Wehe! Seht, in solch mörderischem Gewehrfeuer löst sich die Kolonne bald »durch die Verschiedenheit der Meinungen« in verworrene Bruchstücke auf nach hierhin und dorthin – um in Löcher zu entwischen, um, kämpfend von Straße zu Straße, zu sterben.. Das Feuern und Morden will noch lange nicht enden. Auf die roten Portiers der Hotels wird geschossen, seien sie Schweizer von Geburt oder Schweizer nur dem Namen nach.. Sogar auf die Feuerwehr, die pumpt und arbeitet beim rauchenden Karussell, wird geschossen; denn warum sollte das Karussell nicht brennen? Einige Schweizer retten sich in Privathäuser und finden, daß es noch Barmherzigkeit in den Herzen der Menschen giebt. Die tapferen Marseiller auch, vor kurzem noch so zornig, sind barmherzig, und bemühen sich zu retten. Der Journalist Gorsas redet wütenden Gruppen eifrig zu. Clemence, der Weinhändler, stolpert an die Schranken der Nationalversammlung mit einem geretteten Schweizer an der Hand; er erzählt leidenschaftlich, wie er ihn mit Mühe und Gefahr gerettet, wie er ihn von nun an unterstützen wolle, da er selber kinderlos, und fällt, unter Beifall, dem armen Schweizer ohnmächtig um den Hals. Aber die meisten werden niedergemetzelt und selbst verstümmelt. Fünfzig (nach einigen achtzig) wurden als Gefangene von Nationalgarden nach dem Stadthause geführt. Auf dem Greveplatz bricht das wütende Volk auf sie ein und massakriert sie bis auf den letzten Mann. »O peuple, vom 152 Weltall beneidet!« Peuple, in wahnsinniger, gallischer Aufregung!

Gewiß, wenige Fälle in der Geschichte der Blutbäder sind furchtbarer. Wie unauslöschlich flackert in trauriger Erinnerung dieser rote Streifen, diese arme Kolonne von roten Schweizern, die sich »auslöst durch die Verwirrung der Meinungen,« sich zerstreut in Finsternis und Tod. Ehre euch, ihr wackeren Leute, ehrenvolles Mitleid bis in ferne Zeiten! Ihr waret keine Märtyrer und doch beinahe mehr. Er war nicht euer König, dieser Ludwig, und er verließ euch, wie ein König aus Fetzen und Lumpen; ihr waret nur an ihn verkauft um einige armselige Sous den Tag, und doch wolltet ihr arbeiten für eueren Lohn, euer gegebenes Wort halten. Und diese Arbeit war, zu sterben, und ihr thatet sie. Ehre euch, und möge die alte »deutsche Biederkeit und Tapferkeit«, die »Wert und Wahrheit« ist, sei sie schweizerisch, sei sie sächsisch, zu keiner Zeit fehlen! Nicht Bastarde waren diese Leute, sondern echte Söhne der Männer von Sempach und Murten, die wohl niederknieten, doch nicht vor dir, o Burgunder Herzog! – Möge der Reisende, wenn er durch Luzern kommt, seine Schritte nach ihrem monumentalen Löwen lenken; nicht um Thorwaldsens willen allein. Ausgehauen aus lebendigem Felsen ruht dort an den stillen Wassern des Sees die Figur des Löwen, eingelullt vom fernher tönenden rances des vaches, während granitne Berge stumme Wacht halten rundherum. Und, wenn auch unbelebt, sie spricht.

 

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