Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Charles Sealsfield >

Die Farbigen / Nathan, der Squatterregulator

Charles Sealsfield: Die Farbigen / Nathan, der Squatterregulator - Kapitel 8
Quellenangabe
authorCharles Sealsfield
titleDie Farbigen / Nathan, der Squatterregulator
publisherGeorg Müller
yearo.J.
editorHeinrich Conrad
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180713
projectid0ded14a0
Schließen

Navigation:

II.
Squatter-Leben

Squatter von squatt, auf Indianerweise niederhocken, werden jene Hinterwäldler genannt, die, ohne nach dem Besitztitel zu fragen, sich auf irgendeinem Stücke Landes niederlassen, eine Blockhütte bauen und das Land beurbaren. Halb Jäger, halb Landbewohner, können sie als Mittelglieder zwischen den eigentlichen Jägern und Hinterwäldlern betrachtet werden. Viele bleiben ihr ganzes Leben hindurch Squatters, andere siedeln sich regelmäßig an und kehren so in den Schoß der bürgerlichen Gesellschaft zurück.>

Nach einer minutenlangen Pause fährt er fort:

»Habt Ihr nie den Mississippisprung gemacht?« fragte uns auf einmal der Alte.

»Was versteht Ihr unter dem Mississippisprunge?« versetzten wir.

»So ein tausend Meilen von der Mündung des Ohio herab bis zum Redriver, oder ein acht- bis neunhundert.«

»Nein, aber die Fahrt von Neuorleans hinauf.«

»Das ist nichts«, meinte Nathan; »der Strom ist da nicht den zehnten Teil so gefährlich wie oberhalb Natchez; ist auch zu tief, um Euch Sandbänke, Snakes, Sawyers Snakes, Sawyers, Planters – die bekannten Fährlichkeiten, die in Gestalt von in den Flußschlamm eingesenkten Baumstämmen die Reise auf dem Mississippi selbst noch heutzutage so gefahrvoll machen.>, und wie die T–l alle heißen, bei jedem Wurf unter die Beine zu bringen. Aber versteht Ihr, oberhalb Natchez, ehe der Atchafalaya und Lafourche und Plaquemine und Bayou Sarah und zwanzig andere Bayous den Mississippi abgezapft und er sich so gegen fünfundzwanzig Meilen während der Flutzeit zu beiden Seiten ausbreitet und Ihr keinen Fuß breit Land seht und bloß Bäume, und nur wo diese nicht zu schauen, kalkuliert, daß der eigentliche Strom laufe; – wenn Ihr so auf einem Flachboote der Wochen vier oder sechs auf diesem schmutzigsten, süßesten, allmächtigsten aller Gewässer fahrt und jede Stunde Euch Sawyers, Planters, Snakes, Woodenislands, und wie die Satanasse alle heißen, zwischen die Beine rennen und Ihr an ihnen vorbeischießt wie ein Trotter, der zwanzig Knoten in einer Stunde geht, an einem Meilensteine, und jeder dieser v–ten Meilensteine Euch ein hundert Fuß tief in dem allmächtigen Wasserstrudel zu begraben droht; – dann mag ich erschossen sein, wenn Ihr nicht froh seid, einmal in ruhiges Fahrwasser, sage den Arkansas oder Redriver, einzulaufen.«

»Sie sehen« – unterbricht sich der Graf – »unser Hinterwäldler wird weitschweifig, denn er kommt auf seinen Mississippi zu sprechen, ein für ihn unerschöpfliches Thema, so wie es wirklich unerschöpflich ist. Das Beste, was wir tun können, ist, ihn geduldig anzuhören, in der tröstlichen Erwartung, daß der Faden seines Gespinstes, wie er seine Schilderung zu nennen beliebt, doch endlich ablaufen wird.«

»Bravo, Vignerolles! Vorzüglich gut!« rufen Kreolen und Franzosen.

Der Graf winkt Stille: »Messieurs! Lassen Sie den Alten um Gottes willen reden, sonst endigen wir nicht bis morgen mittag.«

»Vergeßt«, fuhr dieser fort, »über dem allmächtigen Mississippi Grenzen und Forts und schier Euch selbst, und dankt Eurem Gott, wenn er Euch endlich in ruhiges Fahrwasser bringt.

Wohl, kamen endlich in ruhiges Fahrwasser, wollten anfangs in den Arkansas, trieb uns aber ab, und mußten noch Gott danken, daß wir ein paar hundert Meilen weiter abwärts zur Mündung des Redriver gelangten.

War hohe Zeit, der Mississippi war Euch so voll, aber begann doch bereits ein weniges zu sinken, und waren in unserer Arche an der Mündung des Redriver angekommen, und war diese Arche so baufällig und leck geworden, zog Wasser wie ein Schlauch, und war kein trockner Fleck in der ganzen Arche, und standen wir Männer und die Weiber bis an die Knie im Wasser, und schrien die Kinder und ein paar Ferkel, die wir mithatten. War ein jämmerliches Leben, zum Gotterbarmen.

War wohl, wie gesagt, hohe Zeit, uns um festes Land umzusehen, war aber meilenweit kein festes Land zu sehen, und in unsrem Bote durften wir uns nicht mehr in die Mitte des Stromes wagen, hätte es zerrissen, habe ich die Notion. – So hielten wir uns deshalb dicht oberhalb der Mündung des Redrivers in den Mississippi. Hatten sich da ein paar hundert Baumstämme zusammengetürmt und geschichtet – da hielten wir.

Hielten also an, obwohl es ein unsicherer Hafen war; denn die Baumstämme, so allmächtig lang und dick sie auch waren, schaukelten doch so widerwärtig wie alte Weiber in ihren Känguruhfesseln.

War aber keine andere Hilfe, und schrie Asa: ›Holla, Nathan! Das ist der Platz, habe ich die Notion, die Flut sinkt, und wollen uns da erquicken und das Fallen des Stromes abwarten und uns trocknen, denn sonst verfault uns alles am Leibe und in den Kisten. Und seid hurtig mit den Kisten und Truhen und Notions, sie müssen heraus, je eher desto besser.‹

So schrie Asa, und Ihr hättet nur sehen sollen. Auf Meilen herum alles Wasser, und wir Kisten und Truhen und Notions auf die schaukelnde Inselbank hinauswerfend; denn es waren im Wasser durch die Strömung zusammengeworfene und geflutete und geschichtete Stämme, auf die wir zugetrieben. Und wie wir auf einen Stamm traten, rollte er mit uns weg, und ein zweiter trieb es nicht besser, und war unter die tausend Stämme eine wahre Konfusion gekommen.

Und war Asa zuerst ausgesprungen und über die Stämme hin. Auf einmal schrie er: ›Holla, gut Glück, Nathan! Sage Euch, gut Glück, sind nicht allein hier, haben auch andere Gäste hier. Bringt die Notions und Kisten ans Land, die Weiber werden trocknen, wir wollen auf die Jagd.‹

›Asa‹, sage ich, ›du träumst, willst auf die Jagd – doch nicht auf die Alligatorenjagd?‹

›Keine Alligatoren, Nathan!‹ ruft Asa herüber, – ›Squatters, so gut, als du je auf dem Ohio sahst. Squatters, die besten Squatters, die du je gesehen.‹

Und wie wir das hören, springen wir, um die Squatters zu sehen, und sahen sie, und fingen ihrer wohl an die fünfhundert in weniger als einer Stunde, denn waren so zahm die armen Tiere, ließen sich wie junge Katzen fangen. Waren aber Eichhörnchen Der Reisende sieht diese Tierchen zur Zeit der Buch- und Hickorynüsse oft zu Hunderttausenden den Ohio durchschwimmen und am jenseitigen Ufer so erschöpft anlangen, daß sie von den Anwohnern ohne alle Mühe eingefangen und getötet werden.> die Squatters, die sich vor den Fluten auf die Baumstämme gerettet hatten.

Und waren so sehr abgemagert, daß es eine ziemliche Anzahl brauchte, um ein Mittagsmahl für zehn hungrige Magen zu liefern, aber war doch eine wahre Gottesgabe, obwohl wir viele Mühe hatten, unsern Herd da aufzuschlagen.

War überhaupt unser Hafen auf dieser v–ten Holzinsel einer, um den wir, wäre nur ein Quadratschuh trockenen Landes zu haben gewesen, keinen Fiedelbogen gegeben hätten. Konnten nicht liegen, nicht stehen, nicht sitzen, von wegen des ewigen Herumbimmelns der Stämme in der Bucht. Kletterten wir auf einen obenan liegenden Burschen hinauf, so war zwei gegen eines zu wetten, daß sein Untermann nachgab und wir mit ihm ins Wasser kollerten. Das Ersaufen durften wir nun zwar nicht befürchten, denn es gab Alligatoren um uns herum, denen wir es an den Augen ansahen, daß sie uns nicht bis auf den Grund kommen lassen würden. Hatten so mit acht haben, daß wir nicht ins Wasser plumpsten, und Abziehen der Squatters und Kochen und unsere Weiber halten, daß sie nicht über dem Kochen in das Wasser plumpsten, und Abwehren der Alligatoren, die wie Katzen um uns herum lagen und schossen, volle Hände zu tun, hielten aber doch ein Stunden vier aus.

›Hilft nichts,‹ schrie endlich Asa giftig, ›müssen von dieser v–ten Holzinsel weg, irgendwohin, wo unsere Schuhsohlen auf festem Lande stehen, und wäre der Fleck nicht größer als ein Schubkarrenrad. Müssen fort, sonst erwachen wir morgen im Magen irgend eines Alligators, sind gar zu hungrig, die schäbigen Kerle.‹

Das war ein Fakt und ließ sich nichts dagegen einwenden, aber wie mit unserem lecken, halb geborstenen Flachboote, das zur Hälfte voll Wasser war, in den Strom einfahren? Wir hätten ebensowohl in den Mond einfahren mögen; hätte das Flachboot wie ein Spinngewebe zerrissen. Asa wußte jedoch Rat, hatte einen schmalen Kanal mitten durch die Holzinsel entdeckt, und dahin steuerten wir nun unsern Kurs; freilich hatten wir mit unsern Stangen erst ein fünfzig Stämme auf die Seite zu schaffen und zu arbeiten ärger als Neger, auch trotz dieser hündischen Arbeit nicht viel ausgerichtet, kaum eine halbe Meile zurückgelegt, als die Sonne unterging und eine stockfinstere Nacht hereinbrach; aber eines hatten wir gewonnen, waren im Redriver, der im Vergleich mit dem Mississippi ein ganz liebes Wässerlein ist, obwohl es der T–l trinken mag.

Zündeten unsere Laterne an, die wir an einer Stange aufhißten, und ruderten und schwitzten uns noch ein fünf Meilen hinauf, bis wir endlich Land mit unsern Widerhaken fühlen und greifen konnten.

Und als wir dieses fühlten und griffen, sprangen wir aus dem Boote heraus, warfen Notions und Kisten und Truhen nach, unsere Männer sammelten dürres Holz zum Feuer, um die Moskitos, Alligatoren, Wölfe, Bären und derlei Gezücht in gehöriger Distanz zu halten; Asa riß mit den Widerhaken eine Last Tillandsea von den Bäumen, und in einer halben Stunde schliefen wir alle wie Ratten. Schliefen Euch – in meinem Leben hatte ich noch nicht so gut geschlafen.

Und den folgenden Tag trockneten unsere Weiber ihre Wäsche und Notions, und wir schöpften das Boot aus und zogen es an das Land und kalfaterten es wieder zusammen, so gut es ging, und als wir fertig mit allem – nahm uns drei Tage –, gingen wir wieder auf das Wasser.

Und fuhren den Redriver hinauf, bis wo rechts der Blakriver einmündet, und da angekommen, fuhren wir noch eine Strecke aufwärts und dann in ein Bayou ein und in südlicher Richtung hinab; das Bayou war ziemlich lang und wir ziemlich müde und auch hungrig, denn unsere Mehlfässer ließen die Böden schauen, und unsere Schinken waren gar, und ein paar Dutzend Makarels mit noch einem Kübel Welschkorn das einzige, das wir aufgestapelt; hatten aber noch sieben Gallonen Magentrost, und der erhielt uns Herzen und Nieren warm.«

»Magentrost, was ist das für ein Gericht?« fragte Lassalle.

»Ei, Magentrost, westlichen Magentrost mögt Ihr ihn wohl nennen, besonders wenn er ein echter Monongehala ist«, versetzte der Alte, den ich nicht weiter zu unterbrechen wagte, aus Furcht, diese ewige Schilderung würde sonst nie ein Ende erreichen.

»Wohl,« fuhr er fort, »fanden endlich einen Fleck, wo wir landen konnten, war fester Boden, obwohl noch Zypressensumpf. Waren aber an Sümpfe gewöhnt, und für Hinterwäldler ist ein derlei Zypressensumpf gar kein übles Ding. Habt immer ein weiches Bett, trefft immer auf Tillandsea, das Euch die Matratzen erspart.

Wohl, schafften also unsere Notions und alles ans Land und stoppelten uns etwas weiter vom Sumpfe eine Laubhütte zusammen, in die wir unsere Weiber einquartierten; Tillandsea, wie gesagt, gab es in Fülle – es war die zweite Nacht, seit acht Wochen, daß wir und unsere Frauen ruhig schliefen.

Den folgenden Tag machten wir uns zeitig auf die Beine. Waren zwei Dinge, die uns mächtig am Herzen lagen. Das erste war, Proviant für unsere zehn Mäuler zu schaffen; das zweite, ein Stück Land zu finden, auf dem sich ein honetter Squatter ruhig hinsetzen konnte, ohne Furcht, von den Alligatoren zum Imbiß mitgenommen oder vom Sheriff ein Haus weiter gewiesen zu werden. Waren müde des Herumziehens mit Weibern und Kindern, sahen auch, daß dabei nichts herauskommt. Ein rollender Stein, sagt der alte Benjamin Franklin, setzt kein Moos an; wußten das, sahen auch, daß es hohe Zeit war, – waren im August – unsere Schinken, Mehl, Makarels auf der Neige, – mußten schauen, frischen Proviant einzulegen. Nahmen also unsere Äxte und Riflen und teilten uns in zwei Parteien ab; die eine führte Asa, die andere ich, und gingen, er in westlicher Richtung, ich in südlicher. Zwei der Männer blieben bei den Weibern; denn wir trafen schier mehr Spuren von Panthern, als in unserm Virginien von Gäulen und Rindern.

War, wie gesagt, in südlicher Richtung vorgedrungen. Wenn ich Euch sage, vorgedrungen, so müßt Ihr darunter keine Lustreise verstehen, wie Ihr sie mit uns gemacht, sondern ein wahrhaftes faktisches Buscheindringen, durch Zypressensümpfe, in denen es mehr Snapping-Turtles gab, als hier Moskitos, und Honeylocusts und Bohnenbäume, und Schlingpflanzen mit Dornen ohne Maß und Ziel, die Euch ohne Messer und Axt in Fetzen zerrissen, wo sich Euch bei jedem Schritte ein Dutzend Kongo- und Mokassinschlangen statt der Schuhriemen um die Knöchel gelegt hätten.«

»Wohl, Mann!« fuhr der Alte fort, »drangen so tiefer und tiefer ein – schossen auch zwei Bären, die wir ausweideten, und Righteous, mein Schwager, einer der Brüder Asas, schoß auch einen Welschhahn, den wir sogleich rupften und säuberten und spießten und brieten. Hatten ein paar Hände voll Welschkorn in der Jagdtasche und eine Kalabasse Magentrost, der uns trefflich zum Imbiß schmeckte. Und nachdem wir uns so an Leib und Seele erquickt, vergruben wir einen Teil unserer Bärenbeute, die besten Stücke mit dem Fette lud Righteous auf die Schultern und ging zurück zu den Weibern, ich aber drang weiter in die Wildnis ein.

Hatte einen Kompaß mit und wollte mir absolut das Land besehen und womöglich einen Fleck ausfindig machen, auf dem sich ein honetter Squatter niederhocken und seine Rolle Virginia-Kautaback bauen könnte.

Und wie ich so vordringe, war am vierten Tage, kam ich auf ein Upland, oder wie wir es nennen, eine Rolling-Prärie Hochland – wellenartige Naturwiese. Sie sind häufig im Westen des Mississippi.>, von der ich ringsherum einen Überblick hatte, das Herz hüpfte mir vor Freude.

War Euch ein herrlicher Strich Landes, tüchtigen Landes, wie die Immergrün-Eichen im Hintergrunde mir bewiesen, und die Honeylocusts und Catalpas. Saht vor Euch die Prärie, die wohl zehn Meilen vom westlichen Abhange gegen Norden hinauflief – rechterhand einen Kottonbaumwald – und im Rücken wieder Wald. War dieser letztere Wald derselbe, den Ihr vor den Augen habt. Alles war hier beisammen für hundert der schönsten Pflanzungen, die sich denken ließen; Tabak-, Baumwollen-, selbst Zuckerland – herrliches Wasser! – Das Herz hüpfte mir vor Freude, mögt mir's glauben.

Sprang Euch doch schier wie ein Kind von zehn Jahren auf dieser Anhöhe herum, kalkulierend in meinen Gedanken, wo sich wohl am besten unsere Häuser hinsetzen ließen, und kalkulierte so den ganzen Tag in der Gegend herum, sah mir alles an und kam in meinem Kalkulieren auch auf diesen Erdaufwurf oder Wall oder Indian Mound, der just eine halbe Meile weit weg liegt. Sehe mir diesen Erdwürfel an und überlege, wozu er wohl dienen könnte, und was die Leute für eine Notion hatten, als sie ihn so zusägten, und wie ich so kalkuliere, fällt mir ein, daß die Rothäute wohl da eine ihrer Verschanzungen gehabt haben könnten, denn der Wald war auf sechzig Schritte herum ausgehauen, und daß wir ihn gleichfalls dazu gebrauchen könnten, wenn die Not es geböte.

Und sehe mir die Gegend weiter an und komme zu dem Sumpf und kalkuliere, daß der Sumpf, so arg ich sonst Sümpfe im Magen habe, ein glorioser Sumpf sei und die Kreolen und Frenchers das Wasser nicht lieben, und wie ich so kalkuliere, kommt mir ein tüchtiger Hirschbock in die Quere, der in Zeit von zehn Sekunden kein Hirschbock mehr war.

Hielt das für ein gutes Zeichen, daß mir der Hirschbock gerade so in den Wurf kam, und hatte diesen Tag meine Mahlzeit ehrlich verdient, und machte mich über den Hirsch her und zog ihm die Haut über den Rücken und zerlegte ihn und briet mir ein Stück, das mir für ein paar Tage dauern sollte, und dann legte ich mich nieder.

Und kehrte den folgenden Tag zurück, nachdem ich den Rest des Hirsches in Reisig gewickelt und aufgehängt hatte, so daß die Turkei-Bussards ihm nichts anhaben konnten, und schoß auf dem Herwege noch einen Bären, von dem ich den besten Teil mitnahm, das übrige vergrub, und kam nach sechs Tagen glücklich am Bayou an.

Und sagte zu Asa: ›Asa, hab' es – hab' es gefunden, was wir suchen, habe die Notion, in den ganzen alten Staaten gibt es kein so prächtiges Stück Land, als ich dir in vier Tagen zeigen kann.‹

›Habe auch gesehen,‹ sagt Asa, ›will mir aber nicht recht gefallen, was ich gesehen‹, sagt er. ›Kieferwald mit leichtem Sandboden und Prärien mit schwarzen Letten, auch Palmettos, aber kein Holz darauf, um eine Welschkornkrippe zu bauen.‹

›Habe gefunden, was wir brauchen, Mann‹, sag' ich. ›Alles gefunden, was wir brauchen, und mehr als wir brauchen und unsere Kindeskinder dazu.‹

›Aber ist das Land auch frei? Hast du auch geschaut? Keine Einschnitte in den Bäumen, kein Axtschlag?‹

›Kein Einschnitt, kein Axtschlag zu sehen, so weit dich deine Füße tragen; – ein Indianer-Mound, um den herum Gestrüpp, das ist alles. Muß, habe ich die Notion, seit sechzig Jahren kein zweibeiniges Menschenkind den Fuß dahin gesetzt haben.‹

›Aber die Kreolen?‹ sagt Asa. ›Weißt du auch, ob nicht die Kreolen, – vielleicht ist es von einem Kreolen geeignetes Waldland?‹

›Ist ein Sumpf da, und den haben die Kreolen nicht überschritten. Komm, Asa, sollst sehen, weißt, bin nicht blind in solchen Fällen; ein Sumpf, ein gottlos prächtiger Sumpf, über den sich kein Kreole wagt.‹

Und sagt Asa: ›Weiß es, daß du einen Walnußbottom von Kastanienland zu unterscheiden verstehst, und mögen ebensowohl unsere Hütte ein Haus weiter aufschlagen. Bären und Hirsche gäbe es zwar hier genug, haben bereits sieben Bären geschossen, und ein halbes Dutzend Hirsche, und unsere Weiber wohl ein hundert Pfunde und darüber Bärenfett ausgekocht. Schau sie an, sehen aus wie Matrosen beim Tranauskochen in der Südsee.‹

Und gingen nun zu den Weibern und sahen Euch so aus, wie Asa sagte, und sagt' ihnen, was ich gesehen, und wie wir uns auf dem Lande niederlassen müßten. Und die Weiber deliberierten nach ihrer Weise und wir auch, und beschlossen wir, den folgenden Tag schon den Anfang zur Übersiedelung zu machen.

Und zogen Asa und Righteous und zwei von den vier Weibern mit mir in den Busch ab, und luden auf, was unsere Rücken tragen konnten, und kamen nach acht Tagen glücklich auf dem gelobten Lande an. War aber ein Zug, habe die Notion, die Israeliten in den vierzig Jahren ihres Wüstenlebens haben nicht so viel ausgestanden und gearbeitet, wie wir in den acht Tagen.

Aber als Asa endlich das Land sah und herabschaute von der ersten rollenden Anhöhe und dann sich wandte in die Prärie und schaute den herrlichen Baumschlag, da jubelte er Euch doch – war sonst kein gerade zum Jubel aufgelegter Mann, der Asa; aber jubelte und schrie: ›Nathan, das vergelte dir Gott! Du bist ein wahres Sonntagskind! Hier wollen wir leben und sterben, habe in meinem Leben kein so transzendentes Land gesehen.‹

»Und nahmen wir sonach unsere fünf Sinne zusammen,« fuhr der Alte fort, »und kalkulierten, wo sich wohl unsere Häuser am besten hinsetzen ließen, und begannen Bäume zu fällen und Anstalten zu machen, ein Blockhaus zu bauen; ich aber ging zurück, um die übrigen nachzubringen.

Wohl, Mann, brauchten zu dieser Übersiedelung volle drei Wochen, und nahm drei Wochen mehr, ehe wir uns in unserem Blockhause ruhig niederlegen konnten, ohne befürchten zu müssen, daß eine Herde Wölfe oder eine Brut Panther uns ihre Besuche abstatteten. Aber nach diesen sechs Wochen waren wir fix und fertig.

War aber kein Scherz, versichere Euch, bei Jingo! Mußten Brücken und Flöße bauen, um unsere Notions und Kisten und Weiber über die Bayous und Sümpfe zu bringen, und Wege öffnen durch Dickicht, Wälder und Schlingpflanzen, kamen aber mit der Hilfe unserer Äxte zuletzt doch, wo wir hin wollten.«

»Der Alte hielt inne,« bemerkte der Graf, »die Erinnerung an die sechs Wochen schien ihn angegriffen zu haben, dem Schnauben nach zu schließen, das sich aus seiner Riesenbrust emporwälzte. Nach einer Weile fuhr er fort:

»Jetzt waren wir also unter Dach und Fach, zwar nur in einem Hause, aber zu zwei andern waren die Bäume auch bereits gefällt, und das Aufblocken war uns bloßes Kinderspiel – hatten sie in einer Woche beide aufgehißt, Dächer von Clapboards darüber. Freilich hatten unsere Häuser weder Türen noch Fenster; vor die viereckigen Öffnungen, in die sie mit der Zeit hineinkommen sollten, wurden einstweilen Wolldecken gehangen, aber reichere Leute als wir mußten sich oft knapper behelfen.

Waren mittlerweile tief in den Oktober hineingeraten. Wunderschöne Zeit in diesem unserm Lande eben der Oktober und November – mit seinem indianischen Sommer, aber dauert doch nicht ewig, der indianische Sommer; – und handelte es sich darum, für zehn Mäuler den Winter hindurch etwas zum Zubeißen zu erlangen. Waren, wie gesagt, in der zweiten Hälfte des Oktobers, an eine Ernte war nicht mehr zu denken, wenn wir auch Saatkorn gehabt hätten, – Niederlassung keine, auf hundert Meilen rings umher, und wenn auch eine gewesen wäre, so mangelte uns der Silberstoff. ›Was läßt sich tun, Nathan?‹ fragte mich Asa.

›Holla! Asa,‹ sagt Rachel, meine Schwester, ›fragst, was sich da tun läßt, wenn die Bären herumlaufen wie die Schafe im Kentucky-Territory Der heutige Staat Kentucky war damals noch nicht in die Reihe der Staaten aufgenommen.> und mehr Hirschböcke zu sehen sind, als bei uns im Kentucky-Territory Oppossums – pfui, schäme dich!‹

›Aber Rachel,‹ sagt Asa, ›du weißt, der Boden deiner beiden Mehlfässer ist schon seit Wochen so anschaulich, und wir können doch nicht immer Hirsche und Bären essen?‹

›Aber es gibt Leute, die Euch für einen Hirsch gern ein und auch zwei Fässer Mehl verhandeln; und für ein Dutzend Töpfe mit Bärenfett ein paar Barrels Welschkorn. Weißt du das nicht, und nicht wo diese Leute zu finden?‹

›Und du hast recht, Rachel,‹ sag' ich, ›und wir ziehen auf die Jagd, Asa,‹ sage ich, ›und schießen noch ein halbes Dutzend Hirsche; denn Bären und Hirsche gibt es allmächtig viel, mehr als im ganzen alten Virginien und im Territory Kentucky‹, sag' ich.

Und gingen auf die Jagd, schossen den ersten Tag zwei Bären, drei Hirsche und weideten sie aus, und trugen sie heim, und unsere Weiber kochten und brieten das Bärenfett aus und trockneten Schinken, und wir schossen weiter, bis wir ein volles Dutzend Bären und ein paar Dutzend Hirsche erlegt hatten, und als wir so weit gekommen, hielten wir ein, denn die Gabe Gottes muß geschont werden.

Und während unsere Weiber kochten und brieten und Hirschziemer und Häute und Schinken trockneten, machten wir uns mit unsern Äxten hinüber aufs Bayou und zogen unsere alte Arche ans Land und kalfaterten sie wasserdicht, und als wir fertig, beluden wir sie mit den Hirschkeulen, Schinken, Bärenfett und Häuten und nahmen Abschied von den Weibern; nur Rigtheous blieb zurück, wir fünf aber machten uns auf den Weg.

Und fuhren das Bayou hinauf in den Redriver ein, den Mississippi, der wieder vernünftig geworden war, hinab, und war, habe ich die Notion, hohe Zeit für uns, denn auch das Whiskyfaß begann hohl zu klingen, und war die letzten Wochen unsere Ration pro Mann kaum mehr als ein Gill gewesen, und wo der Magentrost fehlt, da regen sich die Hände nicht gern.

Und verlangte uns recht sehr, wieder einmal einen erquicklichen Schluck dieses Magentrostes zu nehmen, und ruderten also frisch darauf los in den Mississippi ein und hielten nirgends an, bis wir an die Levee von Neuorleans kamen, wo sie uns nach unsern Papieren fragten. Sagten aber, wir kämen vom Ohio, und zwar aus dem Territory Kentucky, was auch wahr war, denn wir kamen daher, und wären wohl gar nicht gekommen, wenn der Sheriff uns nicht ein Haus weiter gewiesen, was uns giftig verdrossen, und weshalb wir auf den Mississippi gegangen und nach Louisiana herabgekommen; – was wir aber, wie Ihr leicht ermessen könnt, wohlweislich für uns behielten.

Und in Neuorleans wußte Asa zum Glück Bescheid und schob ein paar Dutzend Bärentatzen dem glatzköpfigen Hafenaufseher in die Hand, und dieser drückte ein Auge zu, und wir verkauften an dreihundert Pfund Bärenfett, das Pfund zu einem halben Dollar, und die Hirschziemer und Rücken und die Felle so gut, als wir sie anbringen konnten, und schier an dreihundert Dollars in der Tasche, zogen wir gegen Baton Rouge hinauf. Unser Boot verhandelten wir für zwei Dollars«, fügt der Graf lachend hinzu.

»Und riefen«, fährt er mit demselben ironischen Anklange fort, »in Baton Rouge ein Flachboot an, das mit Mehl, Whisky und Notions den Mississippi herab kam, und dieses sagt uns, daß ein Kielboot nachkäme, mit dem wir einen Bargain Handel (vorteilhafter).> machen könnten.

Und kam das Kielboot richtig hinterdrein, und erhandelten uns ein Dutzend Welschkorn- und ein halbes Dutzend Mehl- und Whisky-Fässer – mit allerhand andern Notions; und kauften das Kielboot, das seine übrige Ladung auf das Flachboot überlud, in den Bargain. Und waren Landsleute, denen wir sagten, sie sollten die Unsrigen am Saltriver Ein Fluß im Staate Kentucky.> grüßen, und sprangen in das Kielboot, gerade als die spanischen Douanenbeamten herbeikamen, und ehe sie ihre Worte an Mann gebracht, waren wir in der Mitte des Stromes und dem Gesindel aus den Augen.

Hatten aber höllische Arbeit, das Kielboot den Strom hinauf und in den Redriver hineinzubringen. Sage Euch, höllische Arbeit, kamen aber endlich doch hinein und gingen hinauf, bis wo der Blackriver sein laugenfarbiges Wasser in den kaffeebraunen Redriver eingießt, und fuhren in das Bayou ein, und Asa und James und Bill nahmen die erste Ladung und machten sich auf den Weg, und Jonas und ich blieben als Wache zurück.

Und hatten volle vierzehn Tage zu tun, bis wir die Barrels und die Notions und alles an Ort und Stelle gebracht hatten. Das Kielboot schleppten wir ans Land, kehrten es um, bedeckten es mit Reisig, um es für künftige Fälle wieder zu haben.«

»Sie wundern sich,« wendet sich der Graf an uns, »wie ich auf diese alltäglichen, uninteressanten Details einer beginnenden Hinterwäldler-Niederlassung solche Wichtigkeit lege, aber ich muß Ihnen versichern, daß uns des Alten wie aus dem Blocke herausgehauene Lebensskizze mittlerweile sehr interessant, und zwar in mehr als einer Hinsicht interessant geworden war. Wir befanden uns in einer ähnlichen Lage, zwar nicht so unbemittelt, aber dafür waren wir weit hilfloser als diese Buschmänner. Die Aufschlüsse des Alten über sein Leben und Treiben und die Art und Weise, wie er seine Ansiedelung begonnen, hatten daher für uns nicht bloß den Reiz der Neuheit; es war während dieser seiner Erzählung, daß sich in mir allmählich die Idee festsetzte, die wir, wie Sie wissen, auch später realisierten, entfernt von den Pflanzungen der Kreolen eine Niederlassung zu gründen. – Mir diese Idee, die mich schon längere Zeit umhergetrieben, ins Werk setzen zu helfen, schien gerade der Alte der Mann dazu. Augenzeugen der unglaublichen Leichtigkeit, mit der er und die Seinigen Hindernisse überwanden, die uns absolut unüberwindlich geschienen, hatte sein Beispiel in uns bereits etwas von der bekannten aventurösen amerikanischen Springkraft geweckt. – Mit seinem Beistande Schöpfer einer eigenen Pflanzung zu werden, und so dem kreolischen Faulleben der Attacapas zu entrinnen, wurde jetzt mein fester Entschluß. Eben wollte ich ihm Vorschläge in dieser Beziehung machen, als mir Lassalle durch die Frage zuvorkam, warum er seine Lebensmittel nicht von Natchitoches herab bezogen, wobei er sich den größeren Teil der Mühe hätte ersparen können.

Der Blick, den er ihm zuwarf, war so eigentümlich scharf und beißend, daß unser Freund unwillkürlich die Augen zu Boden schlug. Es war ein Blick, ironisch, lachend, giftig zugleich. Eine Weile schaute er Lassalle, dann mich an und sprach dann:

»Wollte Euch nicht zu meinem Ratgeber wählen, Mann! Habe die Notion, Ihr gäbet französische Räte, und die taugen nicht viel. Sage Euch, würdet nicht viele Dollars für eine ganze Wagenladung Bärenfett in Natchitoches bekommen, hieße das Porter nach England importieren, oder Claret nach Frankreich, haben da selbst Bären die Menge. Und dann – setzte er halb lachend hinzu – war es uns auch nicht darum zu tun, den französischen und spanischen Spürhunden auf die Nasen zu binden, daß wir uns in ihrer Nähe niedergehockt und ihnen ihre eigenen Bären und Hirsche zu Markt brächten.«

»Alter!« nahm ich das Wort. Er winkte mir und fuhr dann fort:

»Seid klug wie die Schlangen, ist ein nicht zu verachtender Rat, sage ich Euch, Mann! Obwohl ich eben nicht viel von der Schlangenklugheit halte. Ei, Hundsklugheit, das ist etwas anderes – aber – wollen weiter.

Waren also für den Winter versorgt, und wohnten zu zwei Familien in einem Hause. Hätten gern noch die drei Blockhäuser aufgerichtet, so daß jede Familie ihren eigenen Verschluß gehabt; – lieben wir Amerikaner unsern eigenen Verschluß, wißt unser Sprichwort: Unser Haus ist unser Schloß; mußten aber auf das Lichten und Beurbaren der Felder denken – und war das keine Kleinigkeit, denn hatten auch nicht einen einzigen Pferdehuf; zwei Pflüge wohl und Zubehör, aber die Pferde fehlten.

Wohl, lichteten die Felder, und Asa und ich nahmen unsere Rifles und wollten im Lande umher spähen, um zu sehen, ob wir nicht ein Paar Gäule und auch Kühe auftreiben könnten, denn ohne Gäule, das sahen wir wohl, ließ sich nichts machen. Kühe waren uns drei Stück vonnöten, und hatten noch fünfzig Dollars von den dreihundert, die wir in Neuorleans gelöst. Und zogen wohl auf die fünfzig Meilen im Umkreise herum, trafen aber auf keine Pflanzung, wie wir sie wollten, und kehrten zurück, hatten aber ein paar Bären und Hirsche geschossen.

Und richteten unsere Felder zurecht, bis auf das Umpflügen, ringelten Beim Urbarmachen von Waldstrecken werden bloß die kleineren Bäume mit dem Unterholz ausgehauen und ausgerodet, die größeren aber geringelt, und zwar durch einen beiläufig zwei bis drei Zoll breiten und tiefen Ring, der mit der Axt eingehauen wird. Die Bäume sterben ab, worauf der Samen zwischen die Stämme gesät wird. Die erste Ernte in diesem sogenannten jungfräulichen Boden ist immer die ergiebigste.> nämlich die Bäume und rodeten das Unterholz aus, und richteten zehn Acker Kottonbaumwald zum Welschkorn zu, und sechs zum Tabakbau – alles fix und fertig, bis auf das Pflügen.

Und fingen bereits unsere Weiber und Männer an, den Boden zu hacken, was unter allen Arbeiten eine ist, die wir Hinterwäldler am wenigsten vertragen. Stumpft Euch Geist und Leib gleich ab, wenn Ihr so Tag für Tag nichts als Schollen aufhackt; – konnte es nie leiden; ist auch nur für Neger und weiße Sklaven.

Hatten so ein paar Acker gehackt und ein Stück wahre Negerarbeit vollbracht, und waren grade wieder im Felde, als wir auf einmal Pferdegetrampel hören und vier Reiter die Prärie heran gesprengt kommen, die, wie sie uns ersehen, nicht wenig verwundert anhalten und miteinander parlieren. Hatten auch ein paar tüchtige Wolfs- und Hühnerhunde mit.

Und sagt Asa: ›Das wäre jetzt eine herrliche Gelegenheit, ein Paar Gäule zu erhandeln, und will schauen, ob sich nicht ein Bargain machen läßt.‹

Und tritt Asa an sie heran und grüßt sie – denn Asa hatte im Revolutionskriege unter Lafayette gedient – und fragt sie, ob sie nicht absteigen und einkehren wollten.

Und wie Asa so fragt, so nehmen wir unsere Rifles, die wir an die Baumstämme angelehnt hatten, zur Hand, denn Ihr wißt, Hinterwäldler dürfen ihre Rifles nie weit von sich haben – sind ihre getreuesten Freunde, ihre Rifles, nebst einer guten Hand und einem scharfen Auge.

Und wie die Kreolen unsere Rifles sehen, geben sie ihren Pferden die Sporen, und waren doch so erschreckt!

›Fürchtet nichts,‹ sagt Asa, ›seid unter friedlichen Leuten, haben die Rifles zur Hand gegen Bären, Wölfe und Rothäute, aber nicht gegen Christenmenschen.‹

Und beruhigten sie diese Worte augenscheinlich, und galoppieren wieder näher an uns heran, und wir setzen unsere Rifles nieder, und sie steigen ab und treten in Asas Haus.

Und sahen sich zuerst um, nicht wenig verwundert, wie es schien, aber Asa setzte ihnen eine Bouteille mit trefflichem Monongehala auf, und als sie diesen versucht, wurde ihnen auf einmal das Herz leicht.

Und Rachel briet einen Hirschziemer, und wohl auch zwei, und wir luden die Jäger zum Essen, was sie auch annahmen, und während des Essens fragt sie Asa, ob sie nicht Lust hätten, ein Paar ihrer Gäule für blanke spanische Dollars auszutauschen.

Und bei der Erwähnung der spanischen Dollars leuchteten ihre Augen vor Freude, denn war Euch das Geld damals und ist noch ein seltener Artikel im Lande, und fragten sie, wie viele Dollars wohl Asa für einen Gaul gäbe.

Und sagt Asa: ›Für den Braunen, den Ihr reitet,‹ – er sprach mit dem Vordermanne – ›zwanzig Dollars, für den Braunen mit dem weißen Fuße fünfzehn.‹

Und parlierten die Franzosen ihr Kauderwelsch, und sagten endlich, Asa sollte die zwei Gäule für vierzig Dollars haben.

›Fünfunddreißig,‹ sagt Asa, ›keinen Picaillon mehr.‹

›Also fünfunddreißig‹, sagen die Spanier oder Franzosen, was sie waren, habe aber die Notion, waren beides, parlierten in beiden Sprachen, und wollten das Geld aufgezählt haben, ehe sie die Gäule gäben, was wir aber wieder nicht wollten.

›Müssen zuerst die Gäule haben‹, sagten wir und gingen hinaus, und draußen wollte der Erste nicht den Braunen geben, was uns böse machte; endlich, als sie Ernst sahen, nahmen sie das Geld.

Sahen aber, daß sie nicht die Leute waren, mit denen ein dezenter Mann gern einen Handel schließt, und gingen wieder zurück mit uns in die Stube, um, wie sie sagten, den Kauf durch eine Bouteille Taffia zu versiegeln.

Tranken eine Bouteille, und mehrere folgten nach, bis sie schier nicht mehr stehen konnten, und gaben mit lallenden Zungen uns zu verstehen, wie sie es eben nicht sonderlich gerne sähen, daß wir uns hier eingenistet, und wie der Jäger zu viele würden.

Sagten ihnen, gäbe der Jäger nimmer zu viele, und die Bären, Wölfe und Panther, und Hirsche obendrein, je eher sie verschwänden, desto besser sei es für das Land, sei nicht zu Jagdgründen erschaffen, das Land, sondern um Baumwolle, Zucker und Welschkorn zu geben. Das sei das Wahre.

Murmelten aber untereinander etwas in ihrem französisch-spanischen Kauderwelsch und brummten, als sie zu zweien auf einem Gaul abtrollten, sie würden uns bald wieder sehen.

Und sagte Asa, der ihnen kopfschüttelnd nachsah: ›Hört, Männer, das sind sogenannte Kreolen, das heißt ein Drittel Spanier, ein Drittel Franzosen und der Rest Indianerblut. Haben alle die Tücken der drei Nationen, und gebt acht, sie bringen uns irgend eine Teufelei hinterdrein.‹

›Aber was sollten sie uns für eine Teufelei bringen?‹ fragt Rachel.

›Das weiß ich noch nicht, doch so gewiß es Sheriffs gibt in den Staaten, so gewiß gibt es auch hier solche Landplagen, obwohl sie andere Namen haben mögen.‹

›Aber wenn nun unser Land von keinem geeignet ist, und wir zuerst unsere Hütte darauf aufgeschlagen?‹

›So gehört es von Rechts wegen uns,‹ sagt Asa, ›aber mir munkelt etwas. Gib acht, die bringen nichts Gutes.‹

›Wohl,‹ sage ich, ›Asa, und bringen sie nichts Gutes, so holen sie sich auch nichts Gutes. Können auch böse sein, wir, sage ich, Asa! giftig wie Kongoschlangen, und fürchte mich nicht vor zehn solcher Kreolen, und habe es wohl gesehen und mit meinen eigenen Ohren gehört, daß sie schäbige Kerle sind, die ihr Wort so wenig in Ehren halten wie unsere Neger oben im Kentuck. Aber haben die Gäule, und können unsere Felder staatsmäßig herrichten.‹

›Das können wir‹, sagt Asa, ›und wollen auch sogleich daran, sind aber noch jung, die Gäule, und habe die Notion, sind auch noch halb wild und nicht lange von ihren Prärien eingefangen.‹

Und das war wirklich der Fall. Hatten vorerst die beiden Gäule ein paar Tage einzuspannen und einzujochen, ehe sie eine gerade Furche ziehen lernten, ging aber dann um so rascher, und hatten wir wohl ein fünfzehn Acker zur Welschkornsaat vorbereitet und ein zehn für Virginiakraut, und waren wir daran, noch ein paar hundert Kottonbäume zu ringeln und das Unterholz und die Dornen und Schlingpflanzen auszuroden, um noch einiges Welschkorn und Virginiakraut anzubauen, als wir in diesem Vorhaben ein wenig irre gemacht wurden.

Hatte Asa richtig gemunkelt, und war das kreolische Gewürm uns eher wieder auf dem Nacken, als wir es erwartet. Waren gerade in dem Busche beschäftigt, ein Stück von etwa zehn Morgen abzumessen und mit der Art in Bekanntschaft zu bringen, als Jonas gesprungen kommt: ›Männer, hört ihr nichts? Die Rothäute!‹

›Die Rothäute!‹ sagen wir; ›was Teufel wollen die, doch nicht unsere Skalpe? Wollen sie die, dann müssen sie zeitig aufstehen.‹

Nahmen aber unsere Rifles zur Hand, die wir an den Baumstämmen lehnen hatten, denn Hinterwäldler, wißt Ihr, dürfen diese ihre Freunde nie weit von sich haben, sind wie ihre Weiber, die Rifles, die sie immer zur Seite haben müssen, bei Tag und auch bei Nacht. Und nahmen sofort unsere Rifles zur Hand, und stiegen den Kamm hinauf, auf welchem weiter zurück unsere Häuser standen, und sahen richtig, hörten auch bald darauf die Bande, die aus einigen vierzehn oder fünfzehn Reitern bestand, alle mit lauten Hussas und Hurras auf unsere Niederlassung ansprengend.

Und sagt Asa ›Nathan,‹ sagt er, ›das sind keine Rothäute, habe die Notion, es sind die v–ten Kreolen, die mit ihrem Schweife ankommen. Und scheinen mir ein wahres Gesindel zu sein, treiben es, als wenn sie betrunken wären.‹

Und trieben es so, schier ärger, und hussaten und hurraten wie Kobolde, und sprengten heran, und als sie noch fünfzig Schritte von uns waren, trat Asa vor.

Und war einer sogleich bei der Hand und schrie: ›Da ist er, der Pferdedieb, der Betrüger, der mich um meinen Braunen gebracht.‹

Und gab Asa keine Antwort auf eine solche grobe Rede, sondern schaute sie an und wartete, bis sie näher kommen würden.

Und kamen sie näher, – und fragte einer aus ihnen: ›Wer ist hier der Vorgesetzte?‹

Und schüttelt Asa den Kopf und erwidert: ›Hier ist kein Vorgesetzter, hier sind Mitbürger, und die sind alle gleich.‹

Sagt der Mann: ›Ihr habt diesem Gentleman, Monsieur Groupier, sein Pferd gestohlen, Ihr müßt es herausgeben.‹

›Ist das alles?‹ sagt Asa.

›Nicht alles‹, sagt der Mann. ›Dann müßt Ihr Euch ausweisen, wer Euch die Befugnis gegeben, hier auf diesem Lande zu jagen.‹

›Wahrscheinlich derselbe, der sie Euch gegeben hat‹, sagt Asa zu dem Manne, der sich recht patzig anstellte.

Und waren die Kreolen über diese Antwort schier verwundert, und schrien einige: ›Wir haben unser Jagdrecht und unsere Schenkungen von Sr. Exzellenz dem Gouverneur‹; andere: ›Und wir von Seiner Majestät dem großen Könige von Frankreich und Navarra.‹

›Und wir wollen nicht,‹ schrien alle, ›daß Fremde uns hier beeinträchtigen in unserem Jagdreviere; die Bären werden immer seltener, und auch die Jaguare und Hirsche, die Büffel haben sich ganz weggezogen.‹

Und sprangen die Kreolen auf ihren Pferden herum, als wenn sie besessen wären.

Und sagt Asa: ›Je eher die Bären und Wölfe und Jaguare weggeschafft werden, desto besser für das Land; ist nicht für Bären und Wölfe das Land, sondern für Menschen.‹

Und sagten die Kreolen, wir hätten kein Recht, hier zu jagen, und sollten uns wegpacken.

Und fragte sie Asa, welche Autorität sie hätten, ihn wegzuweisen.

Und stutzten sie darüber und murmelten untereinander, und sah Asa wohl, daß sie keine Autorität hätten, auch keine Magistratspersonen wären, sondern zusammengelaufene Nachbarn, die ohne Autorität kämen und uns ins Bockshorn zu jagen kalkulierten.

Und fragten sie wieder, ob wir eine Befugnis hätten, uns hier niederzulassen und Wohngebäude aufzurichten und Felder zu bestellen.

Und sagt ihnen Asa, sie sollten sich deshalb kein graues Haar wachsen lassen, und er habe mit seinen Mitbürgern sich hier niedergelassen, und werde auch dafür sorgen, daß die Befugnis nicht fehle.

Und sagten, sie wollten es dem Kommandanten von Natchitoches und dem Syndikus und weiß der Himmel wem, anzeigen, daß wir uns unberufen hier niedergelassen hätten, und möchten wir dann nur zuschauen.

Und sagte ihnen Asa, sie möchten gehen und es seinethalben dem T–l anzeigen, sollten es aber bald tun; denn so sie ihn toll machten, so wolle er ihnen heimleuchten, daß sie ans Wiederkommen nicht mehr denken würden.

Und schrie der Kreole, dessen Name Groupier war, er müsse sein Pferd haben.

Und sagt Asa: er solle es haben, und beide, wenn er das Kaufgeld zurückgäbe, fünfunddreißig Dollars. Und sagt der Kreole: es sei nicht so viel gewesen, bloß fünfzehn.

Und ruft Asa uns herüber, die wir ein dreißig Schritte hinter den Kottonbäumen gehalten hatten, und schritten wir, die Rifles im Arme, auf die Rotte zu; und waren sie, wie sie uns schuß- und trutzfertig erblickten, ein wenig herabgestimmt und schauten einander an und zogen sich zurück.

Asa aber sagte ganz gelassen, – sprach ziemlich geläufig das Französische, Asa hatte nämlich im Revolutionskriege in der Division Lafayettes gestanden, und später auch, als Rochambeau sich mit Washington vereinigte, gegen Cornwallis – Asa aber sagt ganz gelassen: ›Gentlemen,‹ sagt er, ›Ihr seid nicht artig gekommen, sehe aber, Ihr habt Euch von diesem Manne da, der nicht besser ist, als er sein sollte, etwas auf die Nase binden lassen. Hier stehen fünf meiner Mitbürger, und fragt sie alle, ob nicht die Gäule regelmäßig verkauft, das Geld, nämlich fünfunddreißig Dollars, zwanzig für den einen, fünfzehn für den andern, wie es sich gehört und gebührt, ausbezahlt und alles in Ordnung geschehen ist?‹

›Larifari,‹ schrie der Kreole, ›Larifari. Und Ihr sollt uns hier nicht unsere Jagd verderben, und sollt nicht hier Häuser bauen, und Ihr habt kein Recht dazu, und ich will es Sr. Exzellenz dem Gouverneur und dem Kommandanten von Natchitoches, überall will ich's anzeigen.‹

Und wurden Euch wieder die Kreolen, die vernünftig und ruhig werden zu wollen schienen, währenddem Asa sprach, so rappelköpfisch, und schrien und gestikulierten so erbärmlich, und galoppierten vorwärts und rückwärts, und schwenkten ihre Jagdflinten so indianisch, und schrien so greulich, wir sollten uns aus dem Lande packen, und sie brauchten keine Amerikaner, könnten das Wild selbst jagen, und fort sollten wir, sogleich – oder –

Jetzt wurden aber auch Asa und wir wild, und schrie Asa, sie sollten sich auf der Stelle fortscheren, seien keine Gentlemen, sondern Lumpenpack, das er mit der Peitsche sich vom Hals schaffen wolle, und sollten gehen, und ihn nicht giftig machen, sonst würden sie es alle Tage ihres Lebens bereuen.

Und warf Asa, indem er so zornig wurde, seine Rifle schußfertig vor, und wir auch, und wie die Kreolen das sahen, gaben sie ihren Pferden die Sporen und galoppierten davon; als sie aber aus dem Bereich unserer Kugeln ein fünfhundert Schritte waren, erhoben sie Euch doch ein solches kauderwelsches Geschrei, fünfzigtausend Wildgänse am Redriver oder Mississippi sind Stumme dagegen, schossen auch mehrere ihre rostigen Gewehre auf uns ab.

Und lachten wir herzlich über diese Maulhelden, aber Asa lachte nicht.

›Sagte ich's nicht,‹ sagt er, ›daß die Kreolen uns eine Teufelei auf den Hals bringen würden?‹

›Teufelei?‹ sag' ich; ›nennst du das Teufelei, Asa? Solche Altweiberzungen! Sollten sich schämen in die Seele hinein, da herzukommen auf fremder Leute Land und ihr Kauderwelsch auszuleeren, daß unsere Weiber selbst sich schämen müssen, und ruhige Bürger in ihrem eigenen Hause so zu traktieren. Sollen wir das so einstecken?‹

›Das wäre noch nicht das Schlimmste‹, sagt Asa. ›Wäre es, könnten wir's recht wohl einstecken, und würde uns die Taschen eben nicht abreißen! Aber bin der Notion, die schäbigen Kerle erzählen es weiter, und es kommt zu den Ohren eines ihrer Kommandanten oder des Gouverneurs, daß wir uns in ihrem Lande so mir nichts dir nichts zu Hause gemacht, und ehe wir einen Monat älter sind, kommt eine Kompagnie oder zwei ihrer Musketiere angezogen, und dann –?‹

›Und dann? Und wenn sie angezogen kommen, Asa, was dann?‹ sag' ich. ›Kommen sie angezogen, so kommen wir ihnen entgegen gezogen, und hast du vergessen auf den Indianer-Mound?‹

›Habe nicht vergessen,‹ sagt Asa, ›denke eben daran, ob wir uns da nicht ein Blockhaus bauen könnten, das auch aushielte.‹

›Bin der Notion,‹ sage ich, ›kalkuliere, daß wir uns da ein Blockhaus bauen können, das aushalten wird.‹

›Das ist alles recht,‹ sagt Asa, ›alles recht, aber ob wir auch das Recht dazu haben, Nathan, das ist eine andere Frage‹, sagt er. ›Plagt mich der Gedanke schier Tag und Nacht seit den drei Wochen, daß diese v–ten Kreolen zuerst angerückt. Tag und Nacht, sag' ich dir. Und will nichts Unrechtes, Nathan!‹ sagt er – ›will das Rechte, Mann!‹ sagt er, ›das Rechte, das geht über alles. Bist du mit dem unrechten Fuß vorwärts, geht alles schief, und du gerätst in Sumpfgrund, und verschlingt dich der Sumpfgrund und die Alligatoren.‹

Und sage ich, ›Asa,‹ sage ich, ›habe auch darüber nachgedacht, schon seit langer Zeit nachgedacht und kalkuliert und ruminiert, und bin der Notion, Asa, daß wir nicht mit dem unrechten Fuß vorwärts geschritten, sondern auf dem rechten Wege, auf so rechtem Wege, als es nur einen geben kann, und daß wir auf das Land so gerechten Anspruch haben, als kein Sheriff in den Staaten leugnen kann, und kein Franzose und Spanier, sie mögen herkommen, wo sie wollen. Haben gerechten Anspruch auf das Land, Asa, sag' ich.‹

›Was sagst du da, Nathan?‹ sagt Asa.

›Hast du nicht gehört, Asa‹, sag' ich, ›und weißt du nicht, sag ich, daß der Vater Mississipp in unserm Lande entspringt? Und ist dieser Vater Mississipp nicht das grausamst allmächtigste Wasser, das auf dem Erdboden zu finden ist, und drüber hinaus. Und nimmt er dir nicht, der Mississipp, hier einen Brocken Landes von einem Schock Quadratmeilen, mit den Bäumen dazu, mir nichts dir nichts weg, dort einen andern Brocken, und führt ihn fort, wie ein alter brummiger Bär eine jährige Sau, und verschlingt ihn ebenso, oder wirft ihn von da ein zwanzig oder hundert Meilen weiter unten aus.‹

›Das tut er‹, sagt Asa, ›habe es selbst gesehen, wie er oberhalb Memphis einen Fetzen Landes mit Bäumen, so groß, daß die dünnsten Äste Mastbäume zu Dreideckern abgeben konnten, abriß, und war schier, als ob die Welt zu Ende ginge, wie das ganze Land so weggerissen wurde. War mächtig grausam zu schauen – und standen mir das erstemal in meinem Leben die Haare zu Berge; weißt, Nathan,‹ sagt er, ›daß mir die Haare nicht oft gen Berg stehen.‹

›Wohl weiß ich das‹, sage ich; ›sage dir aber, Asa‹ sag' ich, ›ist nicht das ganze Louisiana ein aus solchen Brocken und Fetzen zusammengesetztes Land? Sage mir das Asa‹, sag' ich.

›Das weiß ich nicht, kalkuliere, es mag so sein, weiß aber nicht, bin nicht ganz gewiß‹, sagt Asa.

›Aber davon bist du doch gewiß, Asa, und hast es wohl öfters auch gehört und selbst gesehen, daß dieses Louisiana nichts ist, als Mississippi-Bottom – purer Mississippiboden – Niederschlag des Flußschlammes vom Mississipp, und daß dieser Flußschlamm von unserem Lande herabkommt?‹

›Das weiß ich‹, sagt Asa.

›Und daß aus diesem Flußschlamme Louisiana entstanden ist, aus unserem Schlamme, Mann, amerikanischem Schlamme, auf den die Franzosen und Spanier keinen Strohhalm Anspruch haben?‹

›Das wäre?‹ sagt Asa, ›habe die Notion, sie haben nicht.‹

›Wohl, Mann! Und wenn der allmächtig trübe Mississipp oben unser Land weggeführt, und wie der Bär die Sau verzehrt, und darüber dick und schmutzig geworden, und diesen Schlamm wieder ausgeworfen – so wie der Bär auswirft, was stinkt und schmutzig ist, wem gehört der Auswurf? Asa, sage mir das!‹ sage ich – ›wem anders, als dem, dem der Bär gehört, und der Bär, gehört er nicht dem, in dessen Land er ist? Sage mir das, Asa,‹ sag' ich, ›gehört der Bär, der Mississipp, nicht uns?‹

›Das behaupte ich auch‹, sagt Asa, ›und wollte ihn sehen, der da anders sagte. Wollte ihm die fünf Knöchel in die Weichen drücken, daß ihm die Lust verginge.‹

›Und wenn der Mississipp unser ist und unser Land verzehrt, gehört nicht sein Auswurf auch uns, und haben wir nicht das Recht auf diesen Auswurf?‹ sage ich, ›ein so gutes Recht und besseres Recht, als die Frenchers und Spanier haben?‹ sage ich.

›Aber sie waren eher da, Nathan, die Frenchers und Spanier, eher da als wir‹, sagt er.

›Und wir sind später da, Asa – später, sind zur elften Stunde gekommen, Mann! Aber deshalb sind wir doch bei der Frolic, wollen den Frenchers und Spaniern nicht ihr Recht nehmen, kein Pferdehuf soll ihnen verloren gehen, aber wollen uns unser Recht auch nicht nehmen lassen, haben so viel Recht auf Louisiana, als die Frenchers und Spanier, und wollen dieses Recht behaupten, Asa, sage ich.‹

+++

Das Auditorium hat sich bisher ziemlich ruhig verhalten, soweit nämlich Franzosen und Kreolen ruhig sein können; aber der Hinterwäldlerschluß, scheint es, regt den französischen Witz.

»Bravo!« unterbricht Monteville laut lachend den Grafen.

»Bravo, Bravissimo!« fällt Meurdon ein.

»Glorios!« lacht Vergennes.

»Gloriose Hinterwäldler!« Letrou.

»Weil der Mississippi auf ihrem Grund und Boden entsprungen«, kichert D'Ermonvalle, »so gehört ihnen Louisiana! – O transzendenter Schluß!«

»Sie lachen«, versetzte der Graf, »und wohl mögen Sie; aber versichere Ihnen, daß uns das Ganze gar nicht lächerlich vorkam. Und auch Sie, Messieurs, werden gehörigen Respekt vor einer Folgerung haben, wenn Sie hören, daß einige Jahre später, als Louisiana durch Kauf von unserer damaligen Regierung in amerikanische Hände überging, einer ihrer größten Staatsmänner sich gerade dieses Argumentes von der Tribüne herab bediente, und zwar mit so glücklichem Erfolge, daß es später bei Erlangung der Floridas wieder herhalten mußte. Versichere Ihnen, die Amerikaner haben wirklich nebst den vielen Erfindungen, die ihnen die Welt verdankt, auch die Ehre, eine ganz neue Art von Eroberungsmanifest erfunden zu haben.«

»Das aber, werden Sie mir eingestehen, Monsieur de Vignerolles, noch immer rationeller befunden werden dürfte als Ihre gloriosen französischen Manifeste«, versetzte ich ein wenig empfindlich.

»Wie Sie Amerikaner doch die Sachen gleich so ernst nehmen!« lacht der Graf. »Doch davon ein andermal, ich gebe bloß, was ich gehört, und die Wahrheit zu sagen, als ich dieses Argument zuerst aus dem Munde des Hinterwäldlers vernahm, kam mir nichts weniger als Lachlust an; im Gegenteil, ich fühlte mich, so lächerlich dieses auch klingen mag, um so mehr empört über die nackte Unverschämtheit, mit der uns das Lederwams unser Recht auf Louisiana streitig machte – als sein ganzes trockenes Wesen uns nur zu klar zu erkennen gab, daß er nichts weniger als gesonnen sei, dieses sein vermeintes Anrecht fahren zu lassen. Ich war daran, meinem Ärger Luft zu machen, er aber winkte mir und fuhr fort:

›Sage dir, Asa, ist unser Fluß, der Mississippi, entsteht in unserem Lande, irgendwo oberhalb der St. Anthony-Fälle, reißt jedes Jahr mehr Land mit sich fort, das, sagen die Leute, die aus der alten Welt über das Salzwasser herüberkommen, schier ein kleines Königreich geben könnte. Ist daher das Land unser Land.‹

›Aber,‹ sagt Asa, ›wir sind unserer bloß sechs, und wie können wir es mit Hunderten aufnehmen?‹

›Sechs, und wenn wir ein tüchtiges Blockhaus auf den Indianer-Mound hinaufstellen, zählt das sechzig, und können es mit hundert solcher spanischer Musketiere aufnehmen‹, sage ich. ›Und haben jetzt eine so schöne Gelegenheit, uns ein transzendentes Stück Landes zu erobern,‹ sag' ich, ›und lassen wir uns vertreiben, so sollte man unsere Rifles zerbrechen und uns statt ihrer Welschkornbesen in die Hand geben.‹

Und wurde Asa nachdenklich, und sagt meine Schwester Rachel: ›Asa,‹ sagt sie, ›kalkuliere, daß Nathan, obgleich er mein Bruder ist, und ich so etwas nicht sagen sollte, gesprochen hat, wie ein echter Sohn seines Vaters, der sich eher zehnmal hätte von den Rothäuten skalpieren lassen, als so ein transzendent allmächtig schönes Stück Landes aufgegeben, das ihm so klar und rechtmäßig gebührt: und sage dir, Asa,‹ sagt sie, ›will absolut nicht mehr auf den schmutzig omnipotenten Mississipp zurück, das ist ein Fakt.‹

›Aber wenn nun so ein hundert spanische Musketiere anrücken?‹ sagt Asa, ›und habe die Notion, sie kommen.‹

›Darum wollen wir das Blockhaus bauen,‹ sagt Rachel, ›und uns da wehren um unser Eigentum und sage dir, Asa,‹ sagt sie, ›erfahren unsere Leute am Saltriver und am Kentucky und Cumberland, daß die Spanier gegen uns ziehen, werden sie die Hände gewiß nicht in den Schoß legen.‹

›Und‹, sag' ich, ›habe die Notion, daß, wenn die Männer in den westlichen Territorien erfahren, was wir hier für schönes Land haben, und wie uns die Franzosen und Spanier die Sporen in die Weichen zu setzen gedenken und uns tyrannisieren, dafür, daß wir unser Recht verteidigen, sie nicht lange ausbleiben.‹

›Ist aber weit vom Redriver hinauf zum Saltriver und Kentucky Ein Fluß im gleichnamigen Staate.> und Cumberland,‹ sagt Asa, ›gute fünfzehnhundert Meilen und darüber, und mögen leicht unsere Gebeine, ehe sie Wind erhalten, bleich genug sein, um ihnen zu Gabel- und Messerheften zu dienen. Ist mir nicht um mich zu tun,‹ sagt er, ›habe den Kanonenschlünden oft genug in die feuersprühenden Rachen geschaut, und die englischen Musketen oft genug knallen gehört, hab' aber Weib und Kind.‹

›Sorge du nicht für Weib und Kind,‹ sagt Rachel, ›sorge nicht für Weib und Kind, wo die Ehre auf dem Spiele steht, und das Recht; – müßten uns ja in Ewigkeit schämen, wenn wir vor diesen Maulhelden abzögen. – Wenn es noch Indianer wären, haben aber keinen Tropfen Blutes von den Rothäuten, sind ja so feige, ärger als Neger. Sage dir, Asa,‹ sagt sie, ›sage dir's im voraus, gehe nicht auf den schmutzig omnipotenten Mississippi zurück, will nichts mehr mit dem groben Gesellen zu tun haben, hab' ihn schon satt für alle Tage meines Lebens. Ist ein ungeschliffener Geselle – das ist ein Fakt. Willst du dich mit ihm abgeben, so magst du gehen, aber laß mir eine Rifle, und will mein Blockhaus verteidigen, und wenn mich die Spanier skalpieren, so werden die Leute am Saltriver doch sagen, die Rachel war eine echte Tochter vom Hiram Strong und hat sich gewehrt, und Boone mit seinem Weibe haben auch nicht mehr getan.‹

Und gab dieses den Ausschlag, und war nun Asa überzeugt, daß er mit Fug und Recht sich gegen die Spanier wehren und behaupten könne, und machten wir sogleich Anstalt, uns zu behaupten. Und kitzelte uns auch der Gedanke nicht wenig, die ersten zu sein, die das Panier der Staaten in Louisiana aufpflanzten, und was unsere Leute am Saltriver sagen würden, wenn sie hörten, daß wir, denen der Sheriff um ein Haus weiter geleuchtet, zuerst das sternbesäte Panier in Louisiana aufgepflanzt.«

»Und nachdem der Alte«, fährt der Graf fort, »uns so die Beweggründe, die ihn und die Seinigen bestimmten, der spanischen Regierung den Krieg zu erklären, eines Breiteren erklärt, hielt er inne und schaute uns ungemein ernst an.

Wir schwiegen, denn aufrichtig gesagt, wir hatten die Sprache verloren; und es gab Momente, während welcher wir eine Parodie zu hören glaubten. Hätte uns das ein Europäer gesagt, wir würden ihn unfehlbar für einen Tollhäusler genommen haben, und selbst hier hatten wir Mühe, unsern Ohren zu trauen. Sie müssen sich in unsere Lage versetzen, in unsere Empfindungen hineindenken.

Wir waren Europäer, soeben angekommen, hatten einen Thron stürzen, in seinem Sturze eine halbe Welt erschüttern, und zertrümmert diese halbe Welt noch in Zuckungen erhalten sehen, – und hier standen wir gegenüber einem Hinterwäldler, der, auf sein Quasirecht gestützt, dem mächtigsten Reiche der neuen Welt mit fünf seiner Gefährten den Krieg erklärte. – Was uns aber am seltsamsten deuchte, so gab es wieder Momente, wo der Angriff auf die Souveränitätsrechte eines unserm angestammten Königshause blutsverwandten Monarchen uns, Franzosen von altem Adel, so natürlich erschien, daß wir darüber selbst unsere nationale Empfindlichkeit vergaßen und mit einer Sehnsucht den Verfolg der Geschichte erwarteten, die, hätte sie dem Schicksale unserer Königsfamilie gegolten, nicht gespannter sein konnte.

Es ist jedoch dieses Interesse, das wir den Zuständen der Amerikaner schenken, wieder Folge ihrer natürlichen Zustände, ihrer Neuheit, Frische, ihrer originellen Art zu denken, zu wirken, zu sein. – Solange diese Naturfrische aus ihren Zügen leuchtet und die gröberen Züge der Selbstsucht maskiert, so lange werden auch die Sympathien aller edeln Gemüter für sie fühlen.«

Der Graf hält inne, nach einer kurzen Pause fährt er fort:

 << Kapitel 7  Kapitel 9 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.