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Die Farbigen / Nathan, der Squatterregulator

Charles Sealsfield: Die Farbigen / Nathan, der Squatterregulator - Kapitel 10
Quellenangabe
authorCharles Sealsfield
titleDie Farbigen / Nathan, der Squatterregulator
publisherGeorg Müller
yearo.J.
editorHeinrich Conrad
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180713
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IV.
Squatter-Leben

»Der Alte war unter diesen Worten die Leiter hinabgestiegen. Unten angekommen, warf er nochmals einen bedenklichen Blick hinauf auf Stockade und Blockhaus, und dann gingen wir der breiten Avenue zu, die die Waldesränder bildeten. Unsere Gefährten waren bis auf einen, der die Stockade schloß, bereits voran. Wir waren schweigend, in tiefes Nachdenken versunken, auf einer wellenartigen Anhöhe angekommen, auf deren Kamme wir Gruppen von Bäumen in dem Mondscheine gewahrten. Eine halbe Meile mochten wir gegangen sein, als aus einer der Baumgruppen uns Lichtstrahlen entgegenschimmerten und Hundegebelle von mehreren Seiten her sich hören ließ.

Wir waren in der Niederlassung angekommen, und der Alte hielt an:

Auf das Licht deutend, das hinter den Bäumen hervorflackerte – für uns eine wirklich trostreiche Erscheinung – hob er wieder an:

›Seht hier das Haus oder Hütte, wie Ihr es nennen wollt‹ – das war stehen geblieben; die Wände nämlich sind von Zypressenbäumen, und das Zypressenholz brennt nicht gern; – bloß das Dach war abgebrannt, und die zwei andern Häuser bis auf den Grund; die Wände aber waren stehen geblieben.

Standen so auf unsere Krücken gestützt, war gerade vier Wochen nach der blutigen Hochzeit, und betrachteten den Greuel der Zerstörung, den die mutwilligen Spanier angerichtet, dabei kalkulierend, was am nächsten zu tun wäre. Und kalkulierten, daß das Dach mit leichter Mühe wieder aufgesetzt und so die Hälfte von uns Unterkunft finden möchte, denn im Blockhause waren wir wie Heringe zusammengeschichtet.

Sagt aber Rachel, die mitgegangen war, sagt sie: ›Hab' schier die Notion, das Beste, was wir tun können, wäre einstweilen im Blockhause zu bleiben.‹

Sage ich: ›Im Blockhause bleiben, in der faulen Luft und den erstickenden Dünsten! Wo denkst du hin, Rachel! Sind ja ärger zusammengepackt als auf unserer Mississippi-Arche.‹

Sagt aber Rachel, sagt sie: ›Ist immer besser zusammengepackt zu sein, als auseinandergerissen zu werden von den Feinden. Und kommen sie und finden uns beisammen und zusammenhaltend, so werden sie nicht leicht ihr Spiel von vorne anfangen. – Hat ihnen zuviel gekostet, das Spiel – habe aber was ganz anderes sagen wollen, lange schon darüber ruminiert.‹

›Sag' an, Rachel,‹ sage ich; ›bist deines Vaters Tochter und hast viel von seinem Geiste.‹

Und Rachel sagt kein Wort darauf, deutet aber hinauf gegen Nordost, wo das liebe Kentuck liegt, deutet hinauf und sagt: ›Sag' Euch, habe die Notion, wird mir ganz weh um das Herz, wenn ich so denke, wie wir hier stehen, und derjenige, der die Seele von allem war, nicht mit uns ist. Wird mir ganz weh, und wollte, wir sähen wieder eines unserer fröhlichen Kentuckygesichter, und unsere Landsleute am Saltriver wüßten, was hier mit uns vorgeht, und wie wir das mächtig schöne Land mit unserem Blute und Asas Leben erworben; – sag' Euch, würden nicht lange säumen, ihren Gäulen das Gebiß anzulegen.‹

›Das denke ich auch‹, sagt Righteous.

›Habe darüber kalkuliert und ruminiert‹, sagt Rachel. ›Und habe die Notion, daß, wenn du hinaufschriebest, Nathan, und ihnen das alles fein säuberlich schriebest, und ihnen schriebest, sie sollten kommen, ein Dutzend Familien oder so viele als wollen, und Land hätten wir genug, auch Holz genug zum Häuser aufblocken, und Fence machen, ohne daß wir dem County Clerk In einigen Staaten auch Protonotary genannt; führt das Protokoll bei den vierteljährigen Gerichtssitzungen ( Quartersessions) und die Register über die Urkunden und Besitztitel.> einen Cent fürs Fees Sporteln, Schreibgebühren.> zu bezahlen brauchten.‹

›Rachel,‹ sag' ich, ›Rachel, das ist ein guter Einfall, den du da hast, ein ganz transzendenter Einfall. Und will tun, was du sagst, und schreiben, und bin der Notion, daß wenn die Unsrigen am Saltriver hören, was wir hier für eine blutige Frolic hatten, obwohl sie uns teuer genug zu stehen gekommen, sie alles liegen und stehen lassen und ihren Gäulen die Sporen in die Flanken setzen, ohne erst viel zu fragen, ob das Land schön oder ein Alligatorsumpf ist.‹

›Gott behüte,‹ sagt Rachel, ›das nicht! Nichts von Fechten mehr und blutigen Frolicen, wenn wir anders helfen können. Nichts mehr davon, wenn wir es vermeiden können; darfst kein Wort davon schreiben, was wir für eine blutige Frolic gehabt, sondern bloß, daß wir mächtig schönes Land gefunden, denn merkst du nicht,‹ sagt sie, ›das schöne Land wird respektable Leute anziehen, aber die blutige Frolic Gaugers und Raufbolde und derlei Volk, und das können wir nicht brauchen.‹

›Rachel,‹ sag' ich, ›du hast recht, und bist wahrlich deines Vaters Tochter, die weiter hinaus sieht, als wir Kentucky-Leute in der Regel tun, und will schreiben, wie du es haben willst, und ihnen alles schreiben; aber wie ihnen das Geschreibe zukommen lassen? Rachel,‹ sag' ich, ›das ist eine andere Frage‹, sag' ich. ›Du weißt, am Mississippi sind keine Posten, und es sind gute sechzehnhundert Meilen hinauf bis zum Saltriver.‹

›Auch an das habe ich gedacht,‹ sagt Rachel, ›und haben hier die Akadier, und einer von ihnen kommt aus den Kanadas und redet unsere Sprache und scheint ein sensibler Mann zu sein, der sich gern unter uns mit seiner Familie niederließe, und hat mir versprochen, schier einiges zu tun, uns seine Dankbarkeit zu beweisen.‹

›Traue den Franzosen nicht, Rachel,‹ sag' ich, ›traue ihnen nicht, sind alle höflich und falsch und reden anders und denken anders. Kalkuliere, das beste ist, ich gehe selbst hinüber nach Natchez, und wenn der Akadier uns ja einen Gefallen tun will, so mag er mitgehen und eine Hand zum Rudern leihen. Haben wieder etwas Bärenfett und ein paar Dutzend Hirschschinken, die wir nicht brauchen. Kalkuliere, das beste ist, schreibe zwei Briefe, und bestelle sie durch kentuckysche Bootsleute, und kann auch nicht schaden, wenn ich drei schreibe, im Falle einer oder der andere verloren gehen sollte, obwohl ich es vorzöge, einen Acker der dicksten Immergrün-Eichen zu ringeln, als drei Schreiben zu machen. – Aber wenn ich nun gehe und die Spanier kommen?‹

›Habe die Notion,‹ sagt Rachel, ›die Spanier kommen nicht so bald. Sagen die Soldaten, daß sie von der Besatzung von Natchitoches sind, und daß nicht mehr als hundert im Fort zurückgeblieben, und daß es drei Monate nehmen würde, ehe Soldaten von Neuorleans heraufkommen können.‹

›Ja aber,‹ sag' ich, ›bis unsere Landsleute ankommen, dauert es gute sechs, und wenn nun die Regierung die Kreolen und Akadier gegen uns aufhetzt.‹

›Habe die Notion, das wird sie nicht tun‹, sagt Rachel. ›Habe darüber auch mit dem Manne gesprochen‹, sagt sie, – ›müßt wissen, ist aber nicht laut zu sagen,‹ sagt sie, ›die Akadier und Kreolen mögen einander schier so wohl leiden wie bei uns oben die Republikaner und die Tories. Sind einander spinnenfeind, und sagt der Akadier, wenn wir zu den Seinigen halten, so sollen alle Kreolen und Soldaten uns nichts anhaben, und wollen sich die beiden Akadier auch unter uns niederlassen und noch andere mitbringen.‹

›Das ist etwas,‹ sage ich, ›das gut und schlecht ist, gut und schlecht, Rachel. Wäre mir lieber, wir könnten unter uns bleiben, ohne die französischen Akadier, die besser ihre Hängematte wo anders aufschlagen. Sind nicht unsere Leute, Rachel, können sich nicht selbst regieren, und wollte, wie gesagt, sie gingen ein Haus weiter. Aber sind in einem freien Lande, oder vielmehr sind in ihrem Lande, und mögen wir es ihnen nicht wehren.‹

Und wie wir so hin und her reden, wird Righteous, dessen Auge Euch so scharf ist wie das eines Adlers, auf einmal aufmerksam, und schaut er starr in der Richtung da hinauf.

Nathan bezeichnete die Richtung mit ausgestreckter Hand und fuhr dann fort.

›Und schauen wir gleichfalls und spähen, und sehen in den Strahlen der Morgensonne zwei Gestalten, aber von einem solchen Glanze umgeben! Waren doch gleichsam überirdisch in ihrem Glanze, und erschienen sie uns wie Boten des Friedens und Engel des Lichtes, die beiden Gestalten. Ist eine wunderbare Eigenschaft, die unsere Prärien haben, unterbrach sich der Alte: Seht oft ganze Städte, Felsengebirge, Seen, Landhäuser, oft glaubt Ihr Armeen gegeneinander kämpfen und wieder Cherubims vom Himmel herabsteigen zu sehen, und kommt Ihr näher, so findet Ihr statt der Städte Gras und Gräser, und statt Cherubims Jäger in Hirsch- oder Bärenfellen. Ist ein Fakt.

Und wie wir so schauen und uns schier die Augen ausschauen, erkennen wir endlich, daß es zwei Männer sind, und Righteous, der, wie gesagt, ein wahres Indianerauge hat, schreit: ›Sind Kentuckyer, oder wenigstens aus dem Westen der Old-Dominion. Wollte darauf meine Rifle wetten, kenne sie an ihrem fröhlichen Gange und ihrem munteren Wesen. Kommen Euch und schreiten einher, als ob sie hier zu Hause wären.‹

Und waren wir Euch doch so gespannt, fuhr der Alte weiter fort, könnt es gar nicht glauben, wie gespannt wir waren. Verlangte uns das Herz wieder einmal in eines unserer fröhlichen Kentucky-Gesichter zu schauen. Hört! Wenn man so an sechzehnhundert Meilen von den Seinigen ist, und nichts als olivengrüne Dons zur Abwechslung sieht, würde, habe ich die Notion, der Teufel selbst, käme er aus der Heimat, willkommen sein.

Und waren es richtig Männer aus dem Westen, erkannten sie an den Hunting Shirts, wie sie näher kamen. War uns doch so sonderbar zumute – wußten nicht, ob wir lachen oder weinen sollten vor Freude, unsere Landsleute zu schauen. Waren auch wegen unseres ausgestandenen Siechenlagers in einer so weichen Gemütsstimmung!

War aber stark im Dezember gegen das neue Jahr zu, und der Morgen, obwohl nicht so kalt wie im alten Virginien oder Kentucky-Territory, doch frisch, und wir, durch das lange Liegen in Windeln und ewige Suppe trinken, so weich und empfindlich gegen die kühle Morgenluft geworden, könnt es gar nicht glauben, wie weich, so daß wir uns in unsere Hirschwämser eingetan hatten und aussahen wie große in Windeln gewickelte Kinder. Hatten noch Wolldecken über uns geworfen, und Rachel gleichfalls, und sah meine Schwester Rachel in ihrer Wolldecke aus, obwohl sonst ein sauberes Weibsbild, sah aus schier wie eine Indianer-Squaw. Und wie die zwei Männer so an uns herankommen, stieren sie uns schier verwundert an, und dann schauen sie einander an und schütteln sie die Köpfe und legen ihre Rifles in den Arm und so kommen sie an und heran.

Und schlug uns das Herz vor Freuden, denn war jetzt nicht bloß das Briefschreiben überflüssig, wir hatten auch andere Ursache, froh zu sein.

Und kamen die beiden Herren bis auf fünfundzwanzig Schritte heran, und ruft uns endlich der vordere zuerst an:

›Frischer Morgen das,‹ ruft er, ›habe die Notion, ein frischer Morgen.‹

Und wie er uns so anruft, war uns doch, als ob wir gerade auf ihn zuspringen und ihm um den Hals fallen müßten, erkannten ihn nämlich sogleich und sahen, daß es nicht bloß Kentuckyer waren, sondern auch, was mehr sagen will, vom Saltriver und nahe Blutsverwandte, der eine sowie der andere.

Und sagen wir: ›Wohl ist das ein frischer Morgen, und guten Tag, Ihr Männer, und wo kommt denn Ihr her und was bringt denn Euch einen so weiten Weg her?‹

Und schreit Rachel, der die Tränen in die Augen kommen: ›So möge sich Gott meiner erbarmen, wenn das nicht George ist, der George, der Bruder meines vielgeliebten Asa. O George, lieber Schwager, und mußtet Ihr zu einer so betrübten Stunde kommen?‹

Und schaut George auf, konnte Rachel in ihrer Wolldecke nicht gleich erkennen, erkannte sie aber jetzt an der Stimme. ›Was‹, schreit er, ›was, Ihr meine liebe Schwägerin Rachel? Und möge ich erschossen sein, wenn das nicht die Rachel meines Bruders Asa und meine liebe Schwägerin ist. Gott segne Euch, Schwägerin, und grüße Euch vielmals, und was treibt Ihr? Und was treibt Asa? Wird wohl den Bären auf der Fährte sein, der Asa, oder ist er zu Hause?‹

›Mann!‹ sagt sie, ›o Mann, was fragt Ihr da nach Asa! – O Asa, mein teurer Asa! Wohl ist er zu Hause – aber Gott erbarme es, in einem engen Hause!‹

›Verstehe Euch nicht, Schwägerin‹, sagt George.

Und Rachel bricht abermals in Tränen und Schluchzen aus, hatte ihn so lieb, den Asa, war auch ein liebwerter Mann, der Asa, gut, wie ein Kind am heiteren Tage, und friedfertig, wie ein Kind, wenn er nicht giftig war, war er Euch aber giftig, dann tat er zuweilen wild.

›O George!‹ schluchzte sie, ›o George! Der, den Ihr sucht, mein geliebter Asa, wohnt, Gott erbarm's, in einem engen Hause.‹

Und verstand nun George, was das enge Haus für ein Haus war, und sagt er: ›Des Herrn Wille geschehe. Hätte aber vieles darum gegeben, es wäre anders. – Mußten also die englischen Kugeln und die hessischen Bajonette ihn verschonen, bei Trenton und Saratoga und bei Cowpens, und eine elende spanische Muskete ihm den Rest geben! Haben gehört von Eurer Frolic mit den spanischen Dons, und ist das ganze Land voll davon, hätte aber nicht gedacht, daß mein armer Bruder Asa sie mit seiner Haut würde haben bezahlen müssen.‹

»Und war es George und Dan, der Dan vom alten Splash«, fuhr der Graf treuherzig fort. »Und waren sie mit einer Landung Schinken und Welschkorn und Mehl und derlei Notions, auch einem halben Dutzend Gäule und kräftiger Bursche, alle am Saltriver zu Hause, den Ohio herabgekommen – und den Mississippi, um ihre Notions in Neworleans auf den Markt zu bringen und sich bei der Gelegenheit auch das Land anzusehen, und wenn wir nicht zu weit aus ihrem Wege wären, bei uns anzurufen. Und waren sie bis Natchez gekommen, wo sie anhielten, weil einer ihrer Ruderhaken zerbrochen und sie den Hufschmied brauchten. Und während ihnen der Hufschmied den Nagel wieder zusammenschweißt, erzählt er ihnen auch von der gewaltigen Frolic, die einer, namens Asa Nollins, mit den Spaniern irgendwo im Westen gehabt. Und sagte George kein Wort dazu, horcht aber weiter herum in den Tavernen und an den öffentlichen Orten. Und sprach man schier von nichts anderem als der blutigen Frolic und was wir hier für eine Wirtschaft mit den Spaniern getrieben, und war ganz Natchez voll davon, und in den Niederlassungen um Natchez herum sprach man auch von nichts als von unserer Schlacht und der Belagerung, die wir ausgehalten, und war der Lärm so groß im Lande; sagten, daß der Gouverneur, wie er es gehört, im bloßen Hemde auf die Gasse hinausgesprungen, weil er der Notion war, wir kämen schon den Mississippi hinab, gerade auf Neuorleans zu. Und sagten, er speie Feuer und Flammen, der Gouverneur, und habe geschworen einen harten Eid, er wolle uns alle hängen, spießen oder braten lassen, wie sie die Türken und Heiden und Juden in den alten barbarischen Zeiten hingen und spießten, und kein Kind im Mutterleibe verschonen. Und hatten die Leute in Natchez ihnen auch die französische Zeitung gegeben, den »Monithur von Louisiana« Moniteur de la Louisiana, das damalige Regierungs- und einzige Blatt in Louisiana, das aber nie mehr als achtzig Subskribenten zählte. Die Expedition Nollins ist übrigens geschichtlich, und wird ihrer in Flugschriften sowohl, als geschichtlichen Werken der damaligen Zeit erwähnt, sowie noch mehrere der älteren Pflanzer sich der Umstände genau erinnern. Alle Berichte stimmen darin überein, daß er mit einigen Amerikanern, sechs an der Zahl, von Natchez aufbrach, sich mit den Seinigen ein Blockhaus baute und in diesem von den Truppen der Regierung belagert wurde, daß die Belagerung eine der mörderischsten war, die je in Louisiana stattfanden, und obwohl er in dieser fiel, die kühnen Abenteurer doch den Posten und sich selbst im Lande behaupteten.>, wo alles darinnen stand, bis auf das Aus-dem-Bettespringen des Gouverneurs, das, habe ich die Notions, ein Story Märchen.> war. Und rieten ihnen die Leute, bei der grausamen Aufregung, in welcher die Spanier gegen uns Amerikaner waren, nicht nach Neuorleans zu gehen; und obwohl sich George um die Spanier und ihre Aufregung keinen Fidelbogen kümmerte, so kalkulierte er doch, daß in ein Wespennest hineinzukriechen und hinab nach Neuorleans zu gehen, während des Aufruhrs, vermessentlich wäre. Und kalkulierten er und Dan so hin und her, was wohl anzufangen sei mit ihren Notions und Mehl und Welschkorn, und sagte ihnen endlich ein Pflanzer von Natchez, ein so reeller Amerikaner, als je in seinen Schuhen stand, sagt ihnen: Wenn er sie wäre, so sattelte er seinen Gaul und gäbe ihm die Sporen und machte einen Abstecher zu Asa Nollins – habe gewiß prächtiges Land gefunden, der Asa Nollins, habe sich gewiß nicht wegen eines Alligatorensumpfes mit den Spaniern herumgeschlagen. Er kenne beiläufig die Gegend, wo Asa sich aufhalten müßte, und gäbe da prächtiges Zucker- und Baumwollenland, und wenn er ihnen raten dürfe, so rate er ihnen, von ihren Notions so viel zu verkaufen, als sie an Mann bringen könnten, und mit dem Überreste sich in den Redriver hineinzuschiffen und an Asa anzuschließen, und wenn das Land so schön sei, wie er gar nicht bezweifle, so könnten ein halbes Dutzend Hände, wie die ihrigen, es da weit bringen, und wenn sie gehen wollten, würde er, von wegen des gemeinsamen Besten, auch gern ein übriges tun.

Und dachten George und Dan darüber nach, und ihre Hände Hands, Tagelöhner, Gesellen, Gemietete.>, die sie mit hatten, die kalkulierten gleichfalls, daß wenn das Land so schön sei und umsonst zu haben, der Bargain nicht schnell genug geschlossen werden könnte. Hatten sich aber zu einer Ansiedelung nicht vorbereitet, und wohl ein paar Äxte und Rifles mitgenommen, aber alles andere zu einer Ansiedlung Gehörige zu Hause gelassen.

Und sagt George das dem Pflanzer, und sagt der Pflanzer, wenn sonst nichts wäre als das, da wolle er bald abhelfen. ›'s hat einen Büchsenschmied in Natchez, der kapitale Rifles schmiedet,‹ sagt er, ›und hat sicher einen Vorrat von so kapitalen Riflen, als je einem Hirschbock oder Büffel den Garaus machten, und sollten selbst sehen‹, sagt er.

Und gingen George und Dan mit dem Pflanzer zum Büchsenschmied, und wählten sich ein halbes Dutzend Riflen aus, zwei hatten sie, so daß jeder Mann seine Rifle hatte, und versah sie der Pflanzer mit Äxten, Pflügen, Riemengeschirr, Wolldecken und allem, nahm ihnen dafür einen Teil ihrer Ladung ab, und waren auch andere Pflanzer zur Hand, die, als sie hörten, was vorginge, und daß es im Plane sei, festen Fuß in Louisiana zu fassen, das Ihrige beisteuerten und sich der Sache annahmen, und nahm ganz Natchez schier lebhaften Anteil daran.

Und rüsteten George und Dan und die sechs Hände das Flachboot gehörig aus, mit allem, was zu einer Ansiedelung im Busche vonnöten, und als sie mit allem fertig, fuhren sie den Mississippi herab und rechts in den Redriver ein.

Hatte ihnen aber der Pflanzer die französische Zeitung ins Englische übersetzt und ihnen beiläufig angedeutet, wo herum wir unser Blockhaus aufgerichtet haben müßten, ihnen auch vom Bayou oberhalb der Einmündung des Blackriver in den Redriver gesagt.

Und fuhren also in den Redriver ein, und kamen, bis wo rechts der Blackriver einmündet, und sahen links das Bayou weiter oben, und trieben da hinein, und fuhren immer weiter hinein, bis sie endlich nicht weiter konnten.

Und kamen endlich in der Bucht an, wo wir gehalten, und fanden unsere Spuren und unser Kielboot, das wir im Laubwerke verborgen, und obwohl sie über das Kielboot stutzten, wußten, daß wir ein Flachboot hatten, so ließen sie sich doch nicht irre machen und folgten unserer Spur und kamen endlich glücklich in unserer Niederlassung an.

Und war, fuhr der Alte fort, ob ihrem Erscheinen große Freude unter uns, und gingen sogleich George und Dan mit Jonas und sahen sich das Land von allen Seiten an, und nachdem sie alles gesehen und kalkuliert, kamen sie zurück ins Blockhaus, wohin wir früher zurückgekehrt. Hatten bloß noch Godsend nachgesehen, der seine Fallen Die Art, wie die wilden Truthühner in den westlichen Staaten gefangen werden, ist folgende: Man gräbt einen abschüssigen Graben, achtzehn Zoll tief und breit, über dessen in einen Sack ausgehendes Ende Stöcke oder Sprossen gelegt werden. Darüber legt man parallel zwölf Fuß lange und vier bis sechs Zoll dicke junge Bäume, über diese wieder parallel andere, so daß das ganze ein rechtwinkeliges Viereck bildet. Man fährt mit der Schichtung fort, bis die übereinander gelegten Stämmchen eine Höhe von vier Fuß erreicht und einen Käfig bilden. Hierauf wird derselbe mit Reisig und einigen stärkeren Stämmen belegt. Zuletzt werden in den Käfig einige Welschkornkörner geworfen, und so weiter hinauf in den Graben in Zwischenräumen, oft eine Meile bis an die Orte, wo sich die Truthühner aufzuhalten pflegen. Sowie eines derselben das Welschkorn entdeckt, ruft es die übrigen herbei, und die ganze Familie verfolgt die Spur und gelangt so in den Graben und den Käfig. Da angelangt, fressen sie das Welschkorn und springen dann auf die Sprossen, ängstlich einen Ausweg suchend; da sie jedoch immer nur hinauf und nie hinab schauen, so finden sie die Öffnung nicht und bleiben eingeschlossen, von einer Sprosse auf die andere springend, bis sie von dem Fallensteller in Empfang genommen werden. Siehe auch J. J. Audubon Ornithologic Biography of the United States.> für wilde Truthühner aufgestellt und auch an zehn gefangen, die wir ihm halfen nach Hause bringen.

Und sagt George, wie er die Leiter hinaufsteigt zur Stockade, sagt er: ›Wohl ist das ein tüchtiges Blockhaus, das eine Belagerung aushalten kann, und ist aber das Land ein so mächtig transzendentes Land, als ich im ganzen Westen nicht gesehen. Ist ein Fakt.‹

Und erklärten wir ihm nun, wie wir gefochten und wie Asa gefallen und wie die Spanier eingebrochen und wie Godsends Kugel uns von einem großen Unglücke befreit.

Und drückt er dem Buben die Hand, und sagt: ›Hast wie ein braver Kentuckyer getan, wie ein glorreicher Kentuckyer, und so habt Ihr alle, und der alte Boone konnte nicht glorreicher gefochten haben. Und seid nun Herren des Landes, und wenn Ihr wollt und nichts dagegen habt, so will ich Euch meine Notion sagen.‹

Und sagen wir, haben nichts entgegen, seine Notion zu hören.

Und sagt er: ›Habe die Notion, habt gefochten wie glorreiche Kentuckyer, und ist das Land Euer, und wenn Ihr nichts entgegen habt, so will ich kommen mit den Meinigen.‹

›Was sagt Ihr da?‹ schreit Rachel schier giftig. ›Wenn wir's erlauben und nichts entgegen haben – was sind das für Reden, Schwager, von einem Blutsfreunde und dem Bruder Asas?‹

›Ganz ernst gemeinte Reden sind das, Schwägerin,‹ sagt George, ›in allem Ernst gemeint. Ist das Land Euer, habt es mit Eurem Blute erobert, und seid Ihr daher diejenigen, die man fragen muß, wenn man sich hier eine Hütte zu bauen die Notion hat. Und so Ihr nichts entgegen habt, kommt Euer Schwager George mit Weib und Kindern und bringt Euch noch ein Dutzend oder mehr tüchtiger Bursche mit, denn sehe es, habt nicht zweimal Überfluß an Händen.‹

›Das ist es ja eben, Schwager, – das ist es ja, warum Nathan hinaufschreiben sollte, Euch zu berichten, wie wir hier auf so mächtig schönes Land gestoßen, das von keiner Seele geeignet – just für's Nehmen zu haben ist. Und da es sich nun so prächtig fein gefügt.‹

›So hat es sich‹, sagt George. ›Und sage Euch meine Notion‹, sagt er: ›Will Euch vier der Bursche hier lassen oder auch alle sechs, glaube schier, Ihr seht es lieber, wenn ich sie Euch alle sechs da lasse, kenne sie, sind ordentlicher Leute Söhne, des Jims und Waddys und Stickfast und Skulls und Davys Söhne, just die echte reelle Kentuckybrut – vom Saltriver und Kentucky.‹

›Und mögen Euch unterdessen helfen, Eure Häuser aufblocken und einrichten, so daß, wenn wir kommen, unsere Weiber Obdach finden, obwohl, wenn sie es nicht finden, sie sich die Haare auch nicht ausreißen werden.‹

Und waren wir natürlich alle einverstanden und blieben George und Dan bis zum nächsten Tage und besprachen wir alles, und mit Anbruch des nächsten Tages kehrten sie zum Bayou zurück.

Und war Jonas mitgegangen und nahmen George und Dan statt der Arche das Boot, das sie an der Arche hängen hatten, zu ihrer Rückfahrt und fuhren den Redriver hinab, den Mississippi ein, auf unsere amerikanische Seite hinüber, wo sie landeten, das Boot den Wellen überließen und dann zu Fuß nach Natchez hinaufgingen. Riefen beim Pflanzer an, und der verschaffte ihnen ein paar Gäule, und gingen durch das Choctaw- und Cherokees-Territory nach Kentucky zurück und trafen glücklich am Saltriver ein.

Und waren da kaum angekommen, als sie ihre Bekannten und ihre Freunde zusammenriefen und ihnen Bericht abstatteten, was sie für mächtig schönes Land gesehen, und wie Asa Nollins und ich ein Blockhaus darauf gebaut und eine Belagerung ausgehalten, und wie Asa die Fees mit seinem Blute bezahlt.

Und unsere Freunde am Saltriver, wie sie das hören, erheben sie sich wie ein Mann und schwören einen harten Eid, Asa Nollins habe getan wie ein reeller Kentuckyer und habe das Land erobert und behauptet wie ein wahrer revolutionärer Kämpfer, und solle ihm dafür der Dank des ganzen County zuteil werden.

Und versammelten sie auch eine public meeting und votieren Asa Nollins den öffentlichen Dank, und resolvieren, wie es sich für Kentuckyer nicht gezieme, die Hände in den Schoß zu legen, wenn Landsleute und Freunde mit Fremden und Ausländern im Kampfe begriffen sind um so mächtig schönes Land, und wie es Kentuckyern gezieme, das eroberte Land behaupten zu helfen und beizustehen, sowohl mit Männern als sonstigen Dingen.

Und bildeten ein Komitee, das alles das leiten und in Ausführung bringen sollte; und meldeten sich sogleich ein Dutzend tüchtiger Burschen und junger Männer, die zu unserem Beistande abzugehen entschlossen waren. Und ließen sich die Mehrzahl der Burschen mit ihren Mädchen trauen und zimmerten eine Arche zusammen, und in drei Wochen schifften sie sich mit ihren jungen Weibern und Ferkeln und Kühen und Notions ein.

Und kamen mit ihren Weibern und Notions auch glücklich den Mississippi herunter und zu uns herüber, und sahen wir sie gerade fünf Monate nach dem Aufbruche Georges anrücken.

Und ging nun der Jubel im guten Ernste an, und machten wir uns nun daran, eine reelle Niederlassung zu gründen, und ging es über Ausmessen der Ländereien und Fällen der Bäume und Aufblocken her, hörtet schier nichts anderes als den Knall der Äxte.

Und war dieses bloß der Anfang; die Hauptsache kam erst, als an dreißig Familien nachrückten, dreißig so reelle Familien, als je aus der alten Dominion ins neue Kentuck ausgezogen, – und mit ihnen Kühe und Kälber und Gäule und alles, und tüchtige Zimmerleute und Schreiner.

Kamen aber auch die beiden Akadier mit ihren Familien, um sich in unserer Nähe anzusiedeln; sagten, es gefiel ihnen bei uns besser, als unter ihren wilden Nachbarn und trägstolzen Altadeligen.

War uns aber nicht zweimal angenehm, die französische Sippschaft unter uns zu haben, besonders als wir merkten, daß mehrere nachzukommen die Notion hatten, fanden aber Mittel, dem Zuzuge Einhalt zu tun.

Wären sonst keine unebenen Leute gewesen, im Gegenteil, tüchtige Jäger, die Tag und Nacht auf dem Anstande lagen und ihr Wild schier um nichts wieder weggaben. Gaben Euch den schönsten Bären, die Narren, für eine Gallon Whisky, und wenn sie die Bärenklauen allein zu Markt gebracht, hätten sie sich ein ganzes Faß kaufen können. Hatten aber eine Abomination, die wir absolut nicht vertragen konnten, und die war ihr ewiges Tanzen.«

»Wie, ihr Tanzen?« fragten wir.

»Könnten es, sagten sie, unmöglich lassen, und war gerade immer an Sonntagen, daß ihnen die Fußsohlen so juckten; so unglaublich Christenleuten so etwas klingen mag. War ein wahrer Greuel, die alten und jungen Narren in ihren Wolldecken, Braguets und Mitassen so herumhopsen zu sehen, und kalkulierten wir lange, wie der Abomination Einhalt getan und unsere Niederlassung von dem Schandfleck befreit werden möchte.

Und beschlossen wir endlich in öffentlicher Versammlung und erhoben zum Gesetz, daß zwar das Tanzen nicht verboten sein solle, da es jedermann frei steht, seine Füße zu gebrauchen, wie ihn am besten dünkt, aber solle das Aufspielen zum Tanze bei fünf Dollars Strafe verpönt sein.

Und gefiel den französischen Gesellen dieses Gesetz gar nicht und weigerten sich, unsere gesetzgebende Gewalt anzuerkennen; sagten ihnen aber, wenn sie die Vorteile unserer Gemeinschaft genießen wollten, müßten sie sich auch die Beschränkungen, die sie auferlegte, gefallen lassen. Starrten uns an, schier verwundert und wußten nichts zu sagen, als daß wir weder Syndikus noch Gouverneur noch Kommandanten wären, und also keine Autorität hätten, Gesetze zu geben, da wir nicht von Gott eingesetzte Obrigkeiten wären; und hielten die Narren ihre Kommandanten für von Gott eingesetzte Obrigkeiten.

Und hatten wir nichts gegen diese ihre Meinung, da sie keine Amerikaner, sondern bloß Franzosen waren, mit denen zu disputieren wir unter unserer Würde hielten, war uns aber das Treiben ärgerlich und schlossen sie ab, und durften absolut nicht herüber in unser Gehege.

Und hielten sie das ein halbes Jahr aus, und zogen die meisten Familien wieder weg, einige aber blieben und darunter die Akadier, und sahen oft über die Fencen herüber unserm Tun und Treiben zu, und baten endlich, wir möchten sie wieder in unsere Gemeinschaft aufnehmen und sie die Wege, die wir ausgelegt, und die Sagemühlen, die wir zu bauen angefangen, benutzen lassen.

Und deliberierten wir darüber und gewährten ihre Bitte gegen das Versprechen, daß sie die Abomination des Tanzens aufgeben und sich wie vernünftige Menschen an Sabbaten gebärden sollten. Und gaben sie ihr Umherspringen auf und wurden nach und nach ordentliche Leute und wohlhabend dazu, und sind jetzt brave tüchtige Bürger, freilich keine Amerikaner.« –

»Aber was sagte die spanische Regierung zu diesem Euren Treiben?« fand ich endlich Gelegenheit einzuschalten.

»Was sie sagte«, – versetzte der Alte kopfschüttelnd – »was sie sagte, wissen wir nicht, führten aber einen allmächtigen Krieg in ihrer Zeitung und klagten über völkerrechtliche Verletzung ihres Gebietes. Und war uns das schier zum Lachen, diese Franzosen und Spanier über Verletzung des Völkerrechts klagen zu hören, sie, die um das Völkerrecht in Amerika gerade so viel gegeben wie der T – l um das Neue Testament. Ließen uns ihre Klagen wenig anfechten, versuchten aber, uns das Leben sauer zu machen, waren ihnen jedoch mittlerweile zu stark geworden.

Wandten sich zuletzt an die Zentralregierung in Philadelphia Damals war bekanntlich noch Philadelphia der Sitz der Zentralregierung.> und klagten bei ihr, war aber dieses just Wasser auf unsere Mühle.«

»Wie, Wasser auf Eure Mühle?«

»Glaubt Ihr denn, der alte John John Adams, der Nachfolger Washingtons in der Präsidentur von 1797-1801, und durch seine torystischen Grundsätze bekannt.>, so torystisch er auch ist, hätte es wagen dürfen, Bürger in der Klemme stecken zu lassen, und zwar Bürger, die mehr für das Beste der Union getan, als – Wollte es ihm nicht geraten haben. Aber –«

»Aber«, unterbrach sich der Alte, über die Stirne fahrend, wie einer, der sich besinnt; »lassen wir das für jetzt, habt einstweilen genug von der Geschichte des Blockhauses gehört und der Niederlassung Asas, und mögt nun eine Notion haben, wo Ihr seid und daß wir, schlicht wie Ihr uns seht, nicht die Leute sind, uns ins Bockshorn jagen zu lassen, und das ist einstweilen genug. Werdet das weitere später hören – bis wir mehr Salz miteinander gegessen haben.«

+++

»Wir«, bemerkte der Graf, »hätten vieles darum gegeben, mehr über die künftigen Pläne und Absichten dieses seltsamen Menschen zu hören, aber sein determiniertes Wesen und eine plötzliche Bewegung gegen das Licht zu hielten unsere Zungen gefesselt.«

Er ging mit großen Schritten einer rohen Umzäunung zu, durch deren Postengitter wir zum Hause gelangten. Auf ein leises Tappen ging die Haustüre auf; der Alte ergriff unsere Hände, und uns im Finstern eine Treppe hinanführend, brachte er uns in eine Dachkammer, in der sich ein gewaltiges Ehebett mit Moskitovorhängen, mehrere Sessel und ein weißgedeckter Tisch befanden; auf letzterem eine Bouteille mit Gläsern und das Licht, das uns bisher als Lotse gedient hatte.

Der Alte nahm die Bouteille, und die drei Gläser voll schenkend, stieß er auf unsere Gesundheit an.

Wir versuchten das Getränk; – es war so feiner East-India-Madeira, wie ich selbst in England nur in den ersten Häusern getrunken zu haben mich erinnerte.

›Wo habt Ihr diesen köstlichen Madeira her?‹ fragten wir überrascht.

›Schmeckt er Euch?‹ versetzte er, ›habe ein Dutzend Demijohns von Neuorleans heraufkommen lassen.‹

›Von Neuorleans? Ihr steht also, trotz Eurer Kriegserklärung gegen die spanische Regierung, mit Neuorleans in Verbindung?‹

Der Mann lächelte zufrieden.

›Psaw, eine Art Waffenstillstand, der vielleicht wieder in Krieg ausbricht, vielleicht die Friedensratifikation bringt. Hoffe das letztere – ist unser beider Interesse.‹

›Euer beider Interesse!‹ wiederholten wir. Der Ton unserer Stimme hatte – wie Sie sich leicht vorstellen können – einen stark ironischen Nachklang.

Der Mann schaute uns mit einem schlauen Lächeln an. –

›Ei, etwas dergleichen. Eure spanische Regierung, versteht Ihr, sind Menschen so wie wir, um kein Haar besser – im Gegenteil; – doch genug davon, morgen ist auch ein Tag, wollen etwas auf morgen versparen, bis wir mehr Salz miteinander gegessen haben. Jetzt trinkt Euren Madeira aus; werdet ihn nicht besser in Neuorleans treffen, ist von meinem Kommissionär, einem Monshur Laplace.‹

›Wie, Monsieur Laplace Euer Kommissionär?‹ fragten wir zweifelhaft. ›Wir hatten Empfehlungsschreiben an ihn, der Franzose von Geburt, mit Lacalle verwandt, und Bankier der Regierung war.‹

›So ist's,‹ sprach der Alte; ›Monshur Laplace besorgt meine Geschäfte und nimmt unsere Baumwolle und Tabak.‹

›Also Ihr bauet Baumwolle und Tabak?‹ fragten wir mehr und mehr erstaunt.

Der Alte lächelte wieder.

›Wundert Euch das? Freilich, habe schier vergessen, daß Ihr aus den Attacapas kommt, wo sie Euch eben nicht die beste Notion von uns beigebracht haben mögen.‹

›Die Wahrheit zu gestehen,‹ fielen wir lachend ein, ›so haben sie eine weniger schlimme Notion von Euch, als Ihr gegen Louisiana, nach Eurem eigenen Geständnisse zu schließen.‹ –

Der Alte lächelte wieder.

›Sind seltsame Leute, Eure Attacapaer,‹ fuhr er uns überhörend fort; – ›seltsame Leute, denen es ernstlich not tut, aus ihrem sündhaften Faulleben aufgerüttelt zu werden. Werden aber aufgerüttelt werden, werden –‹

›Glaubt Ihr?‹ fragten wir.

›Psaw! Habe Euch schon gesagt, daß morgen auch ein Tag ist, aber Ihr Franzosen‹ – meinte er kopfschüttelnd – ›man wird mit Euch nie fertig. Wenn Ihr in allem so tüchtig wäret wie im Mundstücke! Seid gefährliche Leute.‹

›Ich glaube, Alter, wir könnten noch etwas von Euch lernen.‹

›Kalkuliere so,‹ meinte er, in unsern Ton einstimmend. ›Jetzt gute Nacht und trinkt Euren Madeira und deckt Euch warm zu.‹

»Und wir sahen«, fährt der Graf fort, »dem Alten nach; eine merkwürdigere Erscheinung war uns in unserem ganzen bewegten Leben noch nicht vorgekommen. Da stand er, der Bauer, Lederwams, Republikaner, Hinterwäldler, Holzhauer, der mir nichts dir nichts gegen die spanische Regierung das Schild erhebt, ihre Truppen schlägt, sich gegen ihren Gouverneur im Kriegszustande befindet, sich mit Hunderten seiner Landsleute in einem feindlich fremden Lande festsetzt, und das alles so ruhig, so gemächlich, so ganz sans façon, als wenn er einen Nachbar-Hinterwäldler durchgebläut, den Rechtstitel dazu in seiner Faust und Tasche führte. Wir starrten ihm nach, ein solcher Charakter war uns nie vorgekommen. Dieser praktische Sinn, Lebensweisheit sollte ich sagen, und wieder Ignoranz, dieses Zartgefühl und Fühllosigkeit, diese Simplizität und Verschlagenheit, Starrheit und Geschmeidigkeit, sie derangierten uns, denn sie verwoben sich, verschmolzen so seltsam in dem Manne, daß wir Menschenkenner, wie wir uns dünkten, das erstemal in unserem Leben standen, die goldene Flüssigkeit in unsern Gläsern anstierend, ohne Worte zu finden.

Und was das Seltsamste war, ungeachtet wir die Gefährlichkeit dieses Mannes uns gar nicht verhehlen konnten, über seinen wahren Charakter keinen Zweifel hatten, denn daß er den nimmersatten Ländereienappetit seiner Mitbürger großenteils in der Absicht angeregt, den Strom der Auswanderung in unser Land geleitet, um die spanische Herrschaft zu stürzen, das lag nur zu klar vor Augen; das Seltsamste war, daß wir ihm trotz dieser Gewißheit nicht gram sein konnten, ja ihn vielmehr liebgewonnen hatten. Ob sein und der Seinigen wirklich bullköpfiger und auch am Feinde achtbarer Mut, oder die Naturdiplomatik, – nie habe ich gefährlichere Pläne hinter naiverer einladenderer Treuherzigkeit maskiert gesehen – oder endlich der funkelnde Madeira diese Ideenrevolution in uns bewirkt, lassen wir dahingestellt sein. Der letztere mochte jedoch das Seinige beigetragen haben, so schlimm ein solches Bekenntnis im Munde eines loyalen Kavaliers von altem Hause lauten mag, wenigstens hatte unsere patriotische Entrüstung, die während der Skizzen des Alten öfters auszubrechen gedroht, mit dem ersten Zuge aus dem Glase einen starken Stoß erlitten.

Aber Sie können sich gar nicht vorstellen,« meint der Graf lächelnd, »welche Wunder eine Bouteille Madeira, unter solchen Umständen in die Szene gesetzt, hervorzubringen vermag. Mit jedem neuen Zuge, den wir aus den Gläsern taten, wurden unsere Ideen philanthropischer. Ein Mann, dem so deliziöser Madeira von seinem Kommissionär, dem Regierungs-Bankier, zugesendet wird, – ein solcher Mann konnte unmöglich der ruchlose Geselle sein, als welchen ihn das Gerücht schilderte; – ein ganzer Train komfortabler Nachtgedanken reihte sich an diesen Schluß, und unsere loyale Denkweise erlitt an diesem Abende einen Stoß, der ihr für die Zukunft eine ganz veränderte, mit unserem bisherigen Leben stark kontrastierende Richtung gab.

Natürlich leerten wir die Bouteille, warfen dann die Fragmente unserer Garderobe, die mehr an uns klebten als hingen, weg und uns in das Bett, in dem wir bald von einem Schlafe umfangen wurden, um den uns wohl ein König beneiden konnte.

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