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Die Farbigen / Nathan, der Squatterregulator

Charles Sealsfield: Die Farbigen / Nathan, der Squatterregulator - Kapitel 1
Quellenangabe
authorCharles Sealsfield
titleDie Farbigen / Nathan, der Squatterregulator
publisherGeorg Müller
yearo.J.
editorHeinrich Conrad
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180713
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Die Farbigen

I.
Der Eintritt in die Attacapas

»Sie kennen, Messieurs, den Schauplatz, auf dem das Drama, das wir Ihnen zu skizzieren im Begriffe sind, sich abspielte,« hob der Graf zu uns und den Kreolen gewendet an; »unsere beiden jungen Freunde wollen wir durch eine kurze Schilderung in denselben einführen.

Neunundzwanzig und neununddreißig Stunden oberhalb der Hauptstadt brechen vom westlichen Mississippi-Ufer zwei Seitenarme aus, Bayous la Fourche und Plaquemine genannt, die gewöhnlichen Wasserstraßen, auf denen man damals und noch heute während der Flutzeit zu den Attacapas gelangt. In den Monaten Februar, März und April nämlich, wenn der Mississippi seine mittlere Wasserhöhe zu übersteigen anfängt, stürzt das Wasser mit außerordentlicher Heftigkeit aus diesem Strome über die angeschwemmten Holz- und Schlammassen der halbverdämmten Bayous, und mit dem Beginnen dieses Ausströmens beginnt auch die Schiffahrt in die beiden Ausmündungen und dauert, bis die zu dem westlichen Inundationssysteme des Mississippi gehörigen Flüsse, Seen und Gewässer gleiche Höhe mit seinem Wasserspiegel erreicht haben; – mit dem Sinken des Wassers im Strome Beiläufig in der Mitte August.> hört auch die Schiffahrt wieder auf. – Sowie man tiefer in diese natürlichen Abzugskanäle hineingelangt, läßt die Heftigkeit der Strömung nach, und der Reisende, dessen Fahrzeug nicht an einer vorspringenden Uferkrümmung oder einem entwurzelten Baumstamme zerschellt, ist der ersten Gefahr entronnen, um mehreren, wenn nicht größeren, entgegenzugehen. Es sind nämlich diese Bayous so durchschnitten und durchkreuzt von zahllosen Flüssen, stehenden Gewässern und Sümpfen, daß, selbst bei sehr genauer Kenntnis der Fahrstraße, nur die gespannteste Aufmerksamkeit den leitenden Faden aus diesem Labyrinthe herauszufinden vermag. Bald erweitert sie sich in einen See, in den radienartig eine Unzahl neuer Gewässer ein- und ausmünden, bald verengt sie sich wieder so sehr, daß sie von den zwanzig Fuß hoch überschwemmten Zypressenwäldern nicht mehr zu unterscheiden ist. Die Wucht der ungeheuern Bäume wölbt sich über seinem Haupte zusammen, das spanische Moos hängt in langen, dichten Flechten von den Riesenstämmen, liegt auf dem Wasser auf, versperrt ihm den Weg; kein Sonnenstrahl dringt durch die Wasser- und Waldesnacht, ein unheimliches Dunkel drückt ihn und die Natur nieder. Kein Singvogel läßt seine Stimme hören, bei Tage zerreißt das brüllende Gestöhn von Tausenden von Alligatoren und Riesenfröschen seine Ohren, nach Sonnenuntergang bringt ihn das nervenerschütternde Gelächter und Geächze der großen Mississippi-Nachteulen zur Verzweiflung. Er glaubt auf den Gewässern des Styx oder Acheron zu fahren, fühlt sich unruhig, beengt, bange in diesen düstern, unheilverkündenden Regionen. –

Nach einer Fahrt von etwa vierundzwanzig Stunden tritt er zuerst aus diesem Labyrinthe. Der Tag lächelt ihn wieder an, wird plötzlich zur Lichtflut. Ein wunderschönes Panorama öffnet sich seinem Sehkreise. Ein entzückend schöner See, der sich mehrere Stunden im Umfange hinbreitet, fesselt seinen staunenden Blick. Die Ufer sind abermals mit kolossalen Zypressen eingefaßt, deren Riesenstämme von benanntem spanischen Moos umwallt, deren dunkelgrüne Kronen, ineinander verschlungen, ihm beim ersten Anblicke Tausende von Domen aneinandergereiht deuchen. Er steht staunend, verwirrt; der optischen Täuschung endlich gewahr, wendet er den Blick von diesen majestätischen Naturdomen, senkt ihn und weilt auf der schönsten Blumenflur, die göttliche Allmacht je dem menschlichen Auge entfaltet. Er schaut Millionen der Nelumbo, der Königin aller Wasserblumen, in ihrem höchsten Glanze. Sie erhebt ihre konischen, vasenartig gestalteten Blätter stolz über die Gewässer, beherrscht sie bis in die Mitte des Sees, – Millionen der herrlichsten Tulpenblüten blenden sein Auge, unzählige buntgefiederte Schwimmvögel schwirren über und durch sie hin, – in der Mitte allein glänzt ein Spiegel kristallhellen Wassers. – Er verläßt nur ungern diesen Zaubersee, um sich abermals in einem Gewirre von Flüssen und Bayous zu verfangen, gelangt aus diesen in den größern Inselsee, weiter in den großen Fluß, den Atchafalaya, gleichfalls einen natürlichen Abzugskanal des überströmenden Mississippi, zuletzt in den Teche; er ist endlich, der Verzweiflung nahe, in den Attacapas angelangt: dem Landstriche, der sich vom Golf von Mexiko herauf aus zitterndem Rohr und Binsengeflechte zu zitternden Sumpfwiesen erhebt, allmählich festes Land wird, wie er weiter gegen Norden heraufschwellt, und vom Teche, Vermilon und vielen andern Flüssen und Seen bewässert, den Namen des Elysiums von Louisiana erhalten hat.

Rechts windet sich der Teche wie ein stahlgraues Seidenband um endlose Auen und Wiesen, auf denen Tausende und abermals Tausende fröhlicher Rinder und Pferde im halbwilden Zustande umherspringen, – zahllose Baumgruppen von Immergrüneichen, Papaws, Liquidambars schattieren das Panorama; – Pflanzungen, in Haine von tropischen Fruchtbäumen gebettet, tauchen links und rechts auf, kleinere Seen hellen es auf, eine weiche, wollüstig feuchte Glut hat ihren einschläfernden Odem über das Ganze hingehaucht – das Elysium der Alten, wie es der Dichter Phantasie geschaut, tritt hier verwirklicht vor Augen.« –

Der Graf hielt inne und fuhr nach einer kurzen Pause in lebhafterem Tone fort:

»Uns trat es verwirklicht vor Augen, als wir, neunundzwanzig Jahre sind es nun, zum ersten Male diese entzückenden Fluren vorübergleiteten, bei jeder Pflanzung, die wir vorbeifuhren, begrüßt, bei jeder zum Verweilen, zum Bleiben dringend eingeladen. Ich sehe und höre noch Lacalle, wie er wonnetrunken, die Arme sehnsuchtsvoll nach den Ufern ausstreckend, ruft: ›Wir werden ein paradiesisches Leben führen!‹ wie wir mit Freudentränen in den Augen einfallen: ›Ein paradiesisches, patriarchalisches Leben‹, wie der wackere greise Roche Martin, der im Tendelet Der bedeckte und erhöhte Hinterteil des Fahrzeuges, auf dem die Passagiere sich befinden.> am Ruder stand, den Blick väterlich auf Lacalle gerichtet, brummt: ›Ei Elysium, weiß nicht, was das sagen will, aber hier heißen sie es Paradies, und Paradies muß es wohl sein, denn es hat Schlangen; hüte dich, Junge, vor den Schlangen, die da sind die Farbigen, sie riechen übel!‹

»Roche Martin«. – unterbrach sich der Graf – »war derselbe rauhe aber treffliche Akadier, der uns vier Tage vorher von dem fatalen Baumstamme im Plaquemine erlöst und in sein Fahrzeug aufgenommen. Dafür duzte und erzte er uns nach der Sitte der Akadier, was wir uns um so lieber gefallen ließen, als der gute Mann viel erfahren und hoch in den Jahren war. Während der viertägigen Fahrt hatten wir ihn natürlich über die Zustände des Gemeinwesens und der bürgerlichen Verhältnisse in den Attacapas ausgefragt; die Rede war so auf die Farbigen gekommen, deren er nie erwähnte, ohne sich zuvor durch ein Salva venia zu verwahren, so wie unsere Spießbürger zu tun pflegen, wenn sie vom Borstentiere sprechen. Dies gab wieder zu häufigen Debatten Veranlassung, bei denen besonders Lacalle oft launig, oft heftig die Partei dieser Farbigen nahm. – Jedesmal schüttelte dann der Alte sein greises Haupt und brummte: ›Junge, Junge, diese Farbigen, gib acht, werden dein Unglück sein!‹

Die Landschaft wurde indes immer schöner, je weiter wir den Teche hinanfuhren. Ein unbeschreiblich mildes Stilleben sprach uns allenthalben an; wir sahen hie und da nackte schwarze Figuren sich lässig durchs Gebüsch hinstehlen, aber kein Laut war zu hören, als der des brummenden Alten, der mit aufgehobenem Zeigefinger und der den Akadiern eigentümlichen Hartnäckigkeit fortfuhr zu brummen: ›Er hört nicht, und sie riechen doch so übel, die Farbigen, sie werden sein Unglück sein.‹

Wir waren in eine Flußkrümmung eingefahren, aus der eine der schönsten Pflanzungen auftauchte, die wir noch bisher gesehen hatten. Sie schien zu schlummern in dem weichen, duftenden Blütenbeete der Orangen, Lilacs, Zitronen, Feigenbäume. Weiter zurück standen Gruppen von Immergrüneichen und Liquidambars, einen Dachhimmel wölbend über dem Wohnhaus, das im Reflex der schief einfallenden Sonnenstrahlen wiegend und wogend erschien. Die Baumgruppen waren nach einem gewissen Plane aus dem Urwalde ausgehauen, die niedrigen Baumgattungen beschnitten. Die Pflanzung gehörte offenbar einem Franzosen. Bald bestätigte dies Roche Martin, der verdrießlich brummte: ›Auch ein solcher Altadeliger, der sich nicht einmal duzen lassen will, dieser Herr von Morbihan da.‹

Herr von Morbihan – ich sah unter meinen Briefen nach. Eine der Adressen lautete an einen Monsieur de Morbihan. Doch war er es nicht, bei dem wir unser Absteigequartier zu nehmen gesonnen waren.

Und in diesem Augenblicke trat aus dem duftenden Orangenhaine heraus, in abgetragener Siamoisejacke und Pantalons, durch die die bloßen Knie zu sehen waren, einen breitrandigen Strohhut auf dem Kopfe und mit einer Fußbekleidung, für die wir damals keinen Namen wußten, die wir aber später als Mokassins sehr liebgewannen, der leibhafte Monsieur de Morbihan selbst. Er kam neugierig hastig gegen den Flußrand zugetrippelt. Schon von weitem schrie er Roche Martin an:

Eh bien, was bringst du Neues?‹

›Franzosen,‹ antwortete Roche Martin, ›aber nicht dir, sondern einem, der sich duzen läßt.‹

Der Alte sprang hoch auf. ›Was sagst du, Franzosen bringst du, aber nicht mir, sondern einem, der sich duzen läßt?‹ Und abermals sprang er auf. ›Was sagst du mir, du grober, akadischer Geselle, mir, dem Herrn von Morbihan, sagst du das?‹ – Und während der Herr von Morbihan so sprach, ballte er die Faust gegen Roche Martin. ›Messieurs,‹ wandte er sich zu uns, den Hut abziehend – ›Vergebung, der alte Grobian hat keine Manieren, er duzt Kavaliere wie ein grober Marechaussée-Caporal – Franzosen, sagst du Bengel, bringst du? als ob du eine Fracht Neger oder Wolldecken brächtest! Ah, wäre ich noch Kommandant, ich wollte dich duzen!‹

Und der gute Herr von Morbihan tanzte und sprang so wunderbar, und schwang seinen furchtbar schlechten Strohhut so possierlich! wir glaubten, der gute Mann sei durch einen Sonnenstich plötzlich cholerisch geworden.

›Adelaide, Adelaide!‹ schrie er auf einmal in die Orangenlaube zurück – ›Adelaide! Franzosen, mein teures Kind, hat uns der akadische Lümmel da, der mich duzt, gebracht, der keine zwei Neger hat und sein Welschkorn mit seinen eigenen groben, schmutzigen Händen bauen muß – ha ha ha,‹ rief er, ›ist das nicht drollig?‹

Und währenddem er die linke Faust gegen den akadischen Lümmel, wie er den guten Roche Martin nannte, ballte, winkte er mit der rechten Hand und warf Kußhändchen der Laube zu, aus der er gekommen.

Wir hörten, wir schauten, wir trauten kaum unsern eigenen Ohren.

Der Alte sprang mit einem Male vorwärts und rief uns an: ›Franzosen, Franzosen, Landsleute, soeben gelandet! – Woher? Woher? Woher?‹

›Aus der Bretagne – aus der Touraine – aus der Provence‹ – antworteten wir.

Der sonderbare Alte sprang hoch auf vor Freude.

›Adelaide!‹ schrie er zurück gegen die Orangenlaube – ›Franzosen aus der Provence, der Touraine, Bretagne, die uns Neuigkeiten bringen.‹

Er sprang vor Ungeduld vorwärts, rückwärts, gestikulierte mit Händen, Füßen.

Jetzt flimmerte etwas Weißes in der Laube, und an ihrem Rande zeigte sich endlich die ersehnte Adelaide, eine schlank gebaute Gestalt, von so herrlichen Umrissen; wie sie im Relief der Orangenpartie heranschwebte, wähnten wir eine schwebende Sylphide vor uns zu sehen. Sie war im schneeweißen Batist-Morgenkleide, das die Wellenlinien der schwellenden Glieder zart hervorhob; ein breiter Strohhut bedeckte das schöne Haupt, von dem eine Fülle glänzender schwarzer Flechten über den schneeweißen Schwanennacken herabringelte; in der einen Hand hielt sie einen Sonnenschirm, in der andern einen Fächer von bunten Paroquetfedern, ein etwa zwölfjähriges Mädchen mit einem Moskitowedel folgte ihr auf dem Fuße. Sie warf einen kurzen flüchtigen Blick auf das Fahrzeug, das nur noch etwa hundert Schritte vom Landungsplatze war, und schwebte dann mit graziöser Nonchalance auf den Pflanzer zu, der im höchsten Grade ungeduldig, bald vorwärts, bald rückwärts gesprungen, wie einer, der mit sich selbst im Kampfe ist, welcher der beiden Parteien er sich zuerst anschließen solle, endlich mit einigen Sätzen auf sie zuhüpfte, ihren Arm zärtlich erfaßte und sie halb mit Gewalt dem Uferrande zuzog, wo er hielt, einen triumphierenden Blick auf uns, einen zweiten auf das Mädchen warf.

Das ganze Benehmen des Mannes hatte mehr theatralisch Kokettes, als väterliche Zärtlichkeit. Seine Blicke schienen zu fragen: wohlan, seid ihr noch immer nicht gekommen, Monsieur de Morbihan zu sehen?

Unsere Augen hingen starr an dem seltsamen Paare und besonders der herrlichen Adelaide. Eine gewisse Langsamkeit der Bewegungen, sie war herangeschwebt wie unser Schiff, auf dem wir die Reise gemacht, vor der leichten Brise – mit Grazie sich wiegend und wogend – im weichen Wellenbette – jede ihrer Bewegungen durch ein eigentümliches Gliederspiel verschönert. Das ganze Wesen des Mädchens hatte für uns etwas Neues, ungemein Anziehendes, so wie ihre Schönheit eigentümlicher Art war. Ihr Teint war schneeweiß, beinahe durchsichtig wie fein geschnittener Alabaster – die Locken, glänzend schwarz, fielen über den nicht ganz verhüllten Nacken; – die Augen jedoch, diese Augen! Wir hatten nie solche Augen gesehen. Sie waren länglich, mehr mandelartig geschnitten als rund, nicht ganz schwarz, mehr gazellenschwarz, aber halb träumerisch geschlossen, in einem Fluidum schwimmend – zuweilen aufleuchtend, dann zuckte es wie brennende Strahlen heraus. Es lag eine unsägliche Liebesglut in diesen herrlichen Augen.

›Danae wie sie‹ – entfuhr uns allen unwillkürlich.« –

Der Graf hielt inne und fuhr dann fort:

»Wir hatten unsere Hüte abgenommen. ›Mache, daß du fertig wirst, alter Lümmel!‹ schrie der Herr von Morbihan Roche Martin, ungeduldig mit dem Fuße stampfend, zu, und als dieser, die Aufforderung nicht beachtend, noch immer keine Anstalt machte, die Bretter vom Fahrzeuge ans Ufer zu werfen, schaute der Alte die Tochter mit bittender Miene an, und mit den Worten: ›Du siehst, Adelaide, wenn ich nicht gehe, so dauert es noch eine Stunde, ehe sie landen‹, sprang er zugleich in das Fahrzeug. Er fiel mir buchstäblich in die Arme.

›Heraus, heraus,‹ schrie er, mich embrassierend, ›heraus aus diesem barbarischen Bauernfahrzeuge – willkommen, Landsleute, heraus sage ich, heraus.‹

›Adelaide!‹ rief er ans Ufer hinüber, ›Adelaide, siehst du, Franzosen, das sind wahre Franzosen! Man sieht es ihnen an den Augen an, anderer Stoff als unsere drüben am Chetimachas;‹ und abermals embrassierte er mich.

Plötzlich sprang er einen Schritt zurück.

›Sie sind aber doch von Stande, Monsieur? Doch Kavalier? Ich bin der Sieur de Morbihan.‹

›Bitte tausendmal um Vergebung,‹ erwiderte ich – ›ich nenne mich Louis Viktor de Vignerolles.‹

›Louis Viktor de Vignerolles? Ich kannte einen Hugo Grafen von Vignerolles.‹

›Ich bin sein Sohn.‹

Er ließ mich nicht ausreden. › Ma foi,‹ rief er, sich an die Stirne schlagend, ›wo hatte ich nur die Augen. Ah, Herr Graf von Vignerolles, vergeben Sie, man wird blind in diesen Attacapas, unter diesem Bauern- und Handwerkervolke – man verbauert. Tausendmal Vergebung,‹ bat er, ›aber wir sind doch nicht ganz verbauert.‹ Und so sagend trat er einen Schritt zurück, setzte seinen geflickten, zerrissenen, durchlöcherten Hut auf, nahm ihn ab, schnitt ein Kompliment und embrassierte mich nochmals in der Manier der Hofkavaliere während der sechziger und siebziger Jahre – dann mich bei der Hand fassend, wandte er sich mit einer Verbeugung gegen die am Ufer stehende Adelaide: ›Mademoiselle Adelaide de Morbihan, ich habe die Ehre, Ihnen den Herrn Grafen Louis Viktor de Vignerolles aufzuführen – Herr Graf, ich habe die Ehre, Ihnen Demoiselle Adelaide de Morbihan, meine Tochter, aufzuführen.‹

Demoiselle Adelaide knickste am Ufer, ich verbeugte mich im Fahrzeuge, Monsieur de Morbihan schritt zum nächsten. Es war Hauterouge.

›Monsieur,‹ redet er diesen an, ›ich bin der Sieur de Morbihan.‹

Hauterouge erwiderte: ›Herr von Morbihan! Ich nenne mich Vincent de Hauterouge.‹

Herr von Morbihan embrassierte Hauterouge, nahm ihn dann bei der Hand, und zu Adelaide gewendet, sprach er abermals: ›Mademoiselle de Morbihan, ich habe die Ehre, Ihnen hier den Herrn Baron Vincent de Hauterouge aufzuführen. Herr Baron, ich habe die Ehre, Ihnen Demoiselle Adelaide de Morbihan aufzuführen.‹

Die Tochter knickste abermals, der Baron verbeugte sich. Monsieur de Morbihan trat an Lassalle heran.

Genau dieselbe Etikette. Als die Reihe an Lacalle kam, schien der Alte frappiert.

Er warf einen forschenden, beinahe ängstlichen Blick auf die Tochter. Sie war bis zur Nagelspitze errötet, die halbgeschlossenen Augen zu Boden gesenkt.

Der Vater stand, einen Augenblick mißtrauisch Lacalle fixierend.

›Monsieur de Lacalle‹, nahm ich endlich das Wort, ›Kapitän im Regimente Monsieurs, mein teurer Freund.‹

Der Alte näherte sich langsam dem Jüngling, sichtbar mit sich selbst kämpfend. Während diesem Zwischenakte hob sich der Busen der Tochter stärker, einen starren Blick heftete sie auf den Vater, und dieser, wie einer, der das Versäumte schnell nachholen will, schloß den verwirrt errötenden Jüngling nun heftig in die Arme.

Hatte die seltsame Art des Aufführens bereits unsere Aufmerksamkeit erregt, so können Sie sich leicht vorstellen, daß das letzte Zwischenspiel sie noch weit höher spannte.

Die Bretter waren mittlerweile ans Land gelegt, und wir begrüßten, am Ufer angekommen, nochmals Vater und Tochter, worauf sie uns dem Hause zuführten.

Es war dies weit bequemer eingerichtet, als wir bei unserm Eintritte vermuten konnten, obwohl uns die nackten Kinder, Mädchen und Knaben und die beinahe ebenso nackten schwarzen Weiber, die im Saale herumhockten, beinahe wieder hinausgetrieben hätten. Kaum traten wir in Begleitung des etwas sonderbaren Monsieur de Morbihan in die Galerie ein, als sie alle mit einem gellenden Geheule auseinander sprangen und stoben und uns nicht wenig erstaunt allein ließen. Nicht nur das Haus geriet in Bewegung, der Aufruhr, den unser Erscheinen verursachte, teilte sich der ganzen Niederlassung mit. – Noch waren keine zwei Stunden verflossen, als – wir saßen gerade an der Mittagstafel – auch eine Menge Stimmen, und zwar nichts weniger als angenehme, sich vor der Galerie hören ließen. – Von allen Seiten kamen die Einwohner der Niederlassung herangeströmt, in Fahrzeugen und zu Pferde, und mit einer Eile, einer Hast, als ob sie im Wettrennen begriffen wären, und in den seltsamsten Trachten. Einer hatte eine Siamoisejacke und ebensolche Pantalons, mit einem gallonierten dreieckigen Hute à la Frédéric, ein anderer kam im Ginghamfracke à l'incroyable, ein dritter im Sammetrocke mit verblichener Goldstickerei à la Louis Quinze und ungebleichten Kattunbeinkleidern, ein vierter im Taffetrocke. – Die Kostüme aller Jahrzehnte des achtzehnten Jahrhunderts waren zu schauen. Sie kamen an, debattierend, gestikulierend, der Lärm, das Geschrei wurde immer heftiger, je näher sie dem Hause zukamen; vor diesem brach er in ein förmliches Gezänke aus, das so erbittert wurde, daß wir jeden Augenblick erwarteten, sie würden sich in die Haare geraten.

Einer schrie.

›Zu mir müssen sie, bei mir haben sie Platz alle zehn.‹

›Badaud!‹ schrie ein anderer mit bitterm Hohne – ›was sollen sie bei dir, der du nichts als Gombo Der zerstoßene Mais, in Milch und Wasser zur dicken Brühe gekocht.> hast. Willst du sie füttern wie deine Schweine?‹

›Und du nichts als Petitgru In größere Körner, wie geriebene Gerste, zerrieben und mit wenig Wasser mehr geröstet als gekocht.>,‹ schrie ein dritter dem zweiten zu – ›zu mir müssen sie.‹

›Was willst du?‹ fuhr ein vierter den dritten an, ›der du kaum ein halbes Dutzend Neger und zweimal so viele Arpens mit Mais bepflanzt dein nennst. Sollen diese Herren bei dir unsere Attacapas kennen lernen, bei deinem Sagamite In noch größere Stücke zerstoßen und in Wasser gekocht.>?‹

›Ah,‹ lachte ein fünfter – ›der da will auch ein Adeliger sein, und jedes Kind in der Niederlassung weiß, daß sein Vater ein Catalonier Wanderten während der spanischen Regierung häufig in Louisiana ein, trieben kleinen Handel und waren in der Regel ebenso gewinnsüchtig und tätig, als verachtet.> war.‹

Wir sahen einander bedeutsam an, der Auftritt war possierlich, roch aber auch stark nach Gemeinheit. Auf einmal sprang Monsieur de Morbihan aus dem Hause, auf der Treppe haltend, schrie er:

›Messieurs, ist das die Art, französischen Kavalieren Ihre Aufwartung zu machen? Morbleu! Parbleu! Was müssen diese Herren sich von Ihnen denken! Ich sage Ihnen – wir haben Ball, und gehen Sie mit Gott, Ihre Familien zu benachrichtigen, dann wollen wir weiter sehen.‹ –

Das Wort Ball machte allem Streite ein Ende. Ein fröhliches Bravo erschallte aus aller Munde, lachend schüttelten sie Monsieur Morbihan die Hand, lachend traten sie in die Galerie, und lachend erzählten sie uns, während sie uns embrassierten, die Ursache des Streites. Er hatte uns gegolten, und die guten Leute waren beinahe einander in die Haare geraten, wer uns zuerst in seinem Hause haben sollte. Wir stimmten in das Gelächter ein, obwohl das Ganze uns ziemlich stark an die Art und Weise erinnerte, in der unsere Strander ihr Anrecht auf die Trümmer eines gescheiterten Schiffes geltend zu machen pflegen. Nachdem sie uns von allen Seiten betrachtet und wir sie und ihre Trachten, Erbstücke von Vätern und Großvätern, auf die sie um so stolzer taten, je älter und abgeschabter sie waren, – drangen sie heftig in uns, zu erzählen. – Einige hatten sich entfernt, um den Ihrigen die Nachricht vom Balle zu überbringen, die meisten aber waren geblieben, um etwas vom schönen Frankreich zu hören.

Wir erzählten also vom schönen Frankreich und saßen, erzählend den horchenden Attacapaern von den ungeheuern Schicksalen, die über unser armes geliebtes Land hereingebrochen waren, von dem Morde des besten Königs, der je einen Thron geziert, von den Wirren der Konvention-, der Berg-, der Gironde-Parteien, den Marats, Robespierres, St. Justes, dem Direktorium, dem kühnen Korsen, der damals durch seinen antiken Geist das moderne Europa in Staunen versetzte. – Von alledem wußten die guten Attacapaer nichts. Sie waren so unschuldig an der großen Weltrevolution wie neugeborene Kinder; – das Staunen, obwohl sie nicht die Hälfte von dem, was wir sagten, verstanden, war grenzenlos. –

Während wir erzählten, begann es abermals in den Avenuen der Pflanzung lebendig zu werden. Wir sahen Damen zu Pferde und in Kabrioletts im wildesten Galopp dem Wohnhause zusprengen, fröhlich aus den Sätteln, den Wägen hüpfen und die Treppen herauftanzen.

Wir waren sehr angenehm überrascht. Die Herren waren großenteils in den beschriebenen altmodischen Kleidern, die Damen aber durchgängig nach der neuesten Mode kostümiert, in Crepe, in Gaze, in Gros de Naples, gestickten Musselinen – mit Girlanden in den Haaren, viele mit reichen Geschmeiden. Es versammelte sich ein Kreis üppig und hoch gebauter Schönheiten, deren edle Formen seltsam gegen die der etwas gemeinen Männer abstachen. – Es waren Extreme in den Kostümen sowie in andern Beziehungen. –

Wir wurden durch zwei Zeremonienmeister in den Ballsaal eingeführt. Er war mit Talglichtern beleuchtet, die Wände sahen ärmlich aus, die beiden Neger, die das Orchester bildeten, waren groteske Figuren; für uns hatten aber diese Dinge den Reiz der Neuheit, der noch ungemein durch die geschmackvollen Kostüme der Damen, ihre Schönheit, Lebhaftigkeit gesteigert wurde. In dem Augenblick erschien es uns, als ob wir in unser geliebtes Frankreich zurück versetzt, auf einer jener entzückenden Landpartien begriffen wären, die durch den Beigeschmack der Rustizität erst ihre eigentümliche Frische erlangten. – Auch hatten wir nicht bald so viele Schönheiten in einem so engen Raume beisammen gesehen. Wir erwarteten mit einiger Ungeduld die Eröffnung des Balles, und ich gestehe, unsere Überraschung stieg aufs höchste, als wir den ersten Kotillon durchführten. Diese Anmut der Bewegungen, diese Leichtigkeit, diese Poesie des Tanzes hatten wir uns auch nicht träumen lassen. Ich halte die Kreolinnen für die besten Tänzerinnen; sie verschmelzen die graziöse Leichtigkeit unserer Französinnen mit der languissanten Üppigkeit der Spanierinnen. Erst im Tanze wird ihre Zaubergewalt unwiderstehlich.

Die Palme jedoch gebührte Adelaide. Sie war unstreitig die schönste sowie die stolzeste unter den wirklich herrlichen Gestalten, die uns diese Nacht so unvergeßlich machen. –

Wenn man«, unterbricht sich der Graf, »nach zehnjährigen Kämpfen, Stürmen, Feldlagern, einem unstäten, rollenden, flüchtigen Jagen und Gejagtwerden plötzlich und unerwartet in einen so fröhlich sprudelnden Wirbel hineingezogen wird, dann wirkt es betäubend, berauschend auf einen. Wir fühlten uns wirklich berauscht, betäubt von dem plötzlichen Wechsel. Die Erinnerungen unserer Jugend, die Reminiszenzen unserer Familienzirkel, die spätern unseres Hoflebens, die glänzenden Nachtbilder unserer Versaillestage stiegen wie gaukelnde Traumgestalten vor uns herauf.

Es war ein schöner Moment, unser Eintritt in die Attacapas, in das Haus Monsieur de Morbihans – einer jener Lichtmomente, die durch ihre heitere Frische die trüben Schlagschatten düsterer Tage wieder aufhellen. Unvergeßlich bleibt uns diese Nacht. Wir tranken aus dem lange nicht verkosteten Freudenbecher mit vollen Zügen – und keiner mehr als Lacalle. Er war zweifach glücklich. –

Für mich hat jene holde Befangenheit, die der unverdorbene Jüngling in den ersten Momenten seiner keimenden Liebe so zart, so schüchtern und so mild dartut, einen unaussprechlichen Reiz. Sie ist wie der Meltau der duftenden, vom Reife der Wollust noch nicht versengten Blüte. – Mit dieser zarten Schüchternheit verband Lacalle wieder jenes bestimmte dezidierte Wesen, das der kriegerisch gewordene Geist unserer Nation damals schon stark unserer Jugend anzulegen angefangen hatte. Obwohl von einem vergleichungsweise neuen Hause (sein Großvater war Negotiant in Nantes gewesen, sein Vater als Finanzpächter geadelt worden), hatte er doch die feinen Manieren des alten Adels. Er war nach dem Ausbruche der Revolution mit seiner Familie nach England entwichen; da leidenschaftlich in die Tochter eines geschichtlich großen Hauses entbrannt, hatte er sich von ihr bestimmen lassen, seinen Arm der vertriebenen Königsfamilie zu leihen; so waren wir miteinander bekannt geworden, hatten miteinander gefochten, uns von unsern Geliebten erzählt, und waren nach dem zweiten Vendéekriege zusammen nach England zurückgekehrt; – er gerade noch zu rechter Zeit, um von seiner angebeteten Henriette einen ewigen Abschied zu nehmen. Der Verlust dieser ersten Liebe hatte ihm England unerträglich gemacht, nach Frankreich durfte er nicht; so schloß er sich uns an. Ein bedeutendes Vermögen, über das er zu gebieten, ein größeres, auf das er noch zu hoffen hatte, sicherten ihm auf alle Fälle in diesem neuen Lande wenn nicht eine glänzende, so doch ruhige Zukunft, und trugen vor allem dazu bei, ihm in seinen gegenwärtigen Verhältnissen jenes bequeme Selbstvertrauen zu verleihen, das nirgends mehr als hier vonnöten schien. – Übrigens frank, frei, ein Freund bis zum Tode, leidenschaftlich glühend für alles Gute, Schöne, und wieder harmlos wie ein Kind, naiv, war er ein Liebling aller, die ihn sahen. Der Jüngste von uns – er zählte nicht mehr denn vierundzwanzig Jahre, war er unserm kleinen Kreise ganz das, was in spanischen Häusern der Ninon der Familie ist.

Das erste Zusammentreffen mit Adelaide hatte ihn zittern, sie erröten gemacht. Sie war das erste weibliche Wesen, das ihm nach einer tristen dreimonatlichen Fahrt in den Weg trat. Sie war schön, sehr schön, ihre Züge zudem hatten Ähnlichkeit mit denen seiner betrauerten Geliebten. Während des Balles fand sich das Paar, ungeachtet aller Bemühungen des Zeremonienmeisters, sie zu trennen, doch immer wieder zusammen. Sie schienen wie füreinander geschaffen, – er ein Bild jugendlicher Schöne, sie eine Danae, eine zart sich entfaltende Knospe. Aller Augen hingen wie gefesselt an den beiden; Monsieur de Morbihans Stirne allein schien sich zu runzeln.

Monsieur de Morbihan stammte von einer alten, aber herabgekommenen Familie, die, zur Zeit Heinrichs des Dritten über bedeutende Besitzungen in der Touraine gebietend, während der Unruhen der Fronde in Verfall geraten war. Louis de Morbihan war in seiner Jugend Page im Hause der Rohans gewesen, – vom Prinzen Rohan de Rohan in einer der vielen Intrigen, – die dieser ehrgeizige Schwächling zugunsten der piemontesischen Prinzessin gegen die unglückliche Tochter Maria Theresiens zu enfilieren, sich so sehr gefiel, gebraucht worden, – darüber bei Hofe in Ungnade gefallen und in der Verzweiflung nach Louisiana gegangen. Hier war es ihm geglückt, den Kommandantenposten am Red-River und darauf die Hand einer reichen Erbin in den Attacapas zu gewinnen, wo er sich denn endlich auch niederließ. Die Ehe war nicht glücklich gewesen. Die Gattin war wenige Jahre vor unserer Ankunft an einem Gallenfieber gestorben, von den fünf Kindern, die er mit ihr gezeugt, bloß Adele am Leben geblieben, die Erbin aller Besitzungen ihrer Mutter. Die Abhängigkeit, in welche dieses Erbschaftsverhältnis den Vater zur Tochter versetzte, war uns bereits in den ersten Minuten unserer Bekanntschaft aufgefallen; sie hatte das Unangenehme, daß sie dem ganzen Wesen des Mannes eine gewisse Unstetigkeit aufdrückte, die bald heftig gebieterisch, bald wieder submiß, ja an Niederträchtigkeit grenzend, nichts weniger als vorteilhaft für seinen Charakter sprach. Noch lag im Ensemble seiner Züge etwas von jener Finesse, die den Südfranzosen eigentümlich ist, aber die Energie, die ihr in der Regel zum veredelnden Relief dient, war verschwunden und hatte einer verbauerten Hypochondrie Platz gemacht, von der wir gleich bei unserer Ankunft ein genügendes Probestück hörten. Sein Äußeres war übrigens ein treuer Spiegel seines Innern; die Gesichtszüge waren unangenehm, eine gewisse Salzsäure hatte sich eingefressen, die ganz mit den delabrierten Körperformen harmonierte; nur zuweilen trat noch etwas von angeborener französischer Hilarität und Bonhomie vor; der Ursachen, man sah es, mußten viele gewesen sein, die diese zu bessern Dingen bestimmte Existenz verkümmert und zu einer so seltsamen, wenn nicht widrigen, doch bizarren Erscheinung verunstaltet hatten. –

Erst lange nach Mitternacht trennte sich die Gesellschaft, und wir begaben uns in die angewiesenen Gemächer zur Ruhe. –

Die Sonne senkte ihre Strahlen bereits durch die Liquidambarbäume, die die Ostseite der Pflanzung einsäumten, als mich ein brennendes Jucken an den Armen und im Gesicht aus dem Schlafe weckte.

Amadee stand vor mir; – er hatte die Moskitovorhänge zurückgeschlagen, und sogleich waren einige dieser Insekten über mich hergefallen, um mein frisches ausländisches Blut zu versuchen.

›Amadee, was willst du?‹ rief ich ein wenig unwillig.

Amadee legte den Zeigefinger auf den Mund, und deutete auf die halbgeschlossenen Jalousien.

›Amadee, ich wünsche noch zu schlafen.‹

Amadee legte nochmals den Zeigefinger auf den Mund und hielt mir den Schlafrock hin.

Ich erhob mich, um seinen Willen zu erfüllen.

Das Gemach, in dem ich mich befand, war ein Eckkabinett der Galerie, aus dessen Jalousien man in ein dichtes Gebüsch von Orangen, Palmen und Katalpas hineinsah, und das sich bis zu den erwähnten Liquidambarbäumen hinzog – eine dichte Laube bildend. Der Morgen war wunderbar erfrischend! Durch die goldenen und schneeweißen Früchte und Blüten schimmerte der Spiegel des Teche hindurch, – Singvögel hüpften auf und durch die Zweige, darunter zwei Spottvögel. Das Männchen saß auf einem Katalpazweige und besprach sich mit dem Weibchen, das einige Fuß tiefer sich wiegte, es erhob sich, flatterte im Kreise um die Geliebte herum, auf dieses zu, umflatterte es, und emporfliegend brach es in den herrlichsten Nachtigallengesang aus. Ich stand entzückt. Das liebliche Tierchen schwang sich abermals in die Höhe, umkreiste das Weibchen, ließ aus seiner winzigen Kehle die Töne einer miauenden Katze, eines bellenden Hundes, eines blökenden Lammes, aller Tiere, die im Hause den frohen Tag begrüßten, hören. Das Weibchen gab einen seltsamen, wie lachenden Ton von sich, und das Männchen, auffliegend, brach wieder in den entzückenden Schlag unserer europäischen Nachtigall aus. Es war der erste amerikanische Spottvogel, den ich gehört; wunderbar fühlte ich mich bewegt.

Amadee unterbrach mich, indem er mit dem Finger durch die halb aufgerollte Jalousie in die Laube hineindeutete. Sie war mit zahllosen Konvolvulus-, Orangen-, Zitronenblüten überhangen; – Festons von wilden Weinreben durchwanden Bäume und Strauchwerk, hingen in die Laube hinein und umfingen recht ländlich lieblich ein aus Baumästen gezimmertes Sofa, vor dem als Tisch ein ungeheurer Stumpf von einem Liquidambar stand. Ich schaute genauer, – von dem Sofa glänzte es mir hell und weiß in die Augen. Es war Adelaide, die, überhangen von Konvolvulusblüten, auf dem Sofa saß, das glänzend schwarze Haar um den schneeweißen Nacken geringelt, die schwimmenden Augen auf den kosenden Spottvogel gerichtet, wieder träumerisch zur Erde geschlagen. Jetzt fuhr sie mit der Hand über die Stirn, ein leiser Seufzer stahl sich aus dem beklemmt klopfenden Busen, das stärkere Erbeben verriet, daß der Pfeil des kleinen Gottes tief in ihn eingedrungen.

Ich stand im Anschauen der lieblichen Göttergestalt versunken. Amadee legte abermals den Zeigefinger auf den Mund und deutete auf eine zweite Figur, die am Eingange der Laube stand.

Es war Monsieur de Morbihan, der mit gerunzelter Stirne die träumerische Adelaide betrachtete. Zuweilen verzerrte eine Grimasse seine Züge, wieder hellten sie sich auf; – etwas wie schadenfrohe Bitterkeit schien sie zu durchzucken; – ein seltsames Gemisch von Empfindungen mußte die Brust des Mannes durchwühlen, seine Gesichtsmuskeln waren in einer so eigentümlich rollenden Bewegung! Zuweilen hob er den Fuß, als ob er sich der Tochter nähern wollte, wieder hielt er inne, wie einer, der nicht den Mut fühlt. Endlich nahm er sich zusammen und tat einen Schritt vorwärts.

Des Mädchens Augen waren noch immer halb geschlossen.

Er tat einen zweiten Schritt. Jetzt richtete sie den Blick auf ihn, aber es war nicht der kindliche Blick der liebenden Tochter, die den Vater des Morgens begrüßt; – es war der Blick einer Herrin, die, vom Hausmeister in ihren holdesten Träumen gestört, unwillig zuckt. Sie schaute ihn einen Augenblick an und dann wieder zur Erde.

Der Vater schwieg noch immer, aber seine Gesichtsmuskeln sprachen für die Zunge.

Wieder trat er einen Schritt näher.

Sie hob das Köpfchen, blickte ihn an und fragte kurz, ganz im Tone der Gebieterin: ›Was willst du?‹

›Teure Adelaide! Ich habe dich heute noch nicht gesehen.‹

Ein seltsames, halb bitteres, halb spottendes Lächeln spielte um die Lippen des schönen Kindes.

Der Alte sah sie an, und es zuckte abermals eine Grimasse über sein Gesicht hin.

›Adelaide! Was stimmt dich so verdrießlich?‹ fragte Herr von Morbihan in einem Tone, der lauernd klang.

Adelaide stierte auf die Erde und zertrat mit dem Füßchen die Konvolvulusblüten, die sich um das Gestelle des Sofas schlängelten. Wer das Mädchen gestern gesehen in ihrer brillanten Beweglichkeit, ihrer durch die ersten Regungen der Liebe verschönerten Zartheit und jetzt, der erkannte sie nicht mehr. Sie war ein ganz anderes Wesen.

›Adelaide!‹ sprach der Vater abermals.

›Was?‹ fragte sie verdrießlich.

›Du bist verdrießlich.‹

›Ah Papa! Wer würde es nicht sein? Deine Juba hat, als sie aus deinem Schlafzimmer kam, mein neues Seidenkleid zertreten, und als ich sie schalt, lachte sie mir ins Gesicht. Papa, du darfst mir nicht meine Sklavinnen verderben.‹

Diese Worte waren nicht im Lautentone, ich versichere Sie, gesprochen – gedehnt, zänkisch, halbgellend mißtönten sie mir in den Ohren, ich sah die schöne Sprecherin an, zweifelhaft, ob sie es war, die gesprochen. Der Papa stand wie ein armer Sünder.

›Du hast sie seit einer Woche zu deiner Geliebten gemacht, schläfst mit ihr,‹ fuhr sie in demselben gedehnten, beinahe widerwärtigen Tone fort. ›Ich will das nicht in meinem Hause haben.‹

Der Mann schnitt abermals eine Grimasse, unausstehlich, ekelhaft erschienen mir die beiden. – Das Mädchen sprach von der Sünde ihres Vaters, als wenn auf ihren Moskitofächer getreten worden wäre.

›Ah, Adelaide,‹ sprach der Vater nach einer Pause mit einschmeichelnder Stimme und widerlich lachend, ›ist es das, was dich so bitter stimmt?‹

›Und was anders?‹

›Ah, du hast Geheimnisse vor mir.‹

Sie schaute ihn einen Augenblick forschend an. – ›Und wenn ich sie habe?‹

›Ah, Adelaide, du siehst mich an? – Dein Blick sagt: Mußt du alles wissen?‹

Adelaide fixierte jetzt den Vater schärfer, einen Augenblick las sie in seinen Zügen, dann schlug sie den Blick abermals zur Erde.

›Adelaide, du kannst es nicht verbergen‹, hob abermals der Vater an.

›Was?‹ fragte sie.

›Daß – daß – daß Herr von, – Adelaide, mein Kind, sei aufrichtig, du weißt, dein Vater – freilich hat er dir nichts zu befehlen – deine Mutter – hat dich glücklicher bedacht, als ihn.‹

›Meine Mutter‹, seufzte das Mädchen, und ihr schönes Haupt sank auf die Brust, dann erhob es sich, blickte gen Himmel – zwei glänzende Tränen spiegelten sich in den schwimmenden Gazellenaugen. Jetzt war sie wieder reizend, engelschön, denn die weiblichen Tränen hingen in diesen Augen. ›O meine Mutter!‹ seufzte sie.

›Würde besser getan haben, wenn sie dich, ihre Tochter, unter die Gewalt des Vaters gestellt hätte.‹

Das Gesicht des Mädchens verzog sich plötzlich, – Unwillen, Ekel drückte sich in den Zügen aus, aber sie schwieg.

›Der sie gewiß nicht mißbraucht haben würde‹, fuhr der Vater mit leiserer Stimme fort.

›Papa!‹ rief das Mädchen, ›ich bitte dich, schweige. Nicht mißbraucht, du, der du jede meiner Sklavinnen –‹

Sie hielt inne. ›Mein Gott! Ich kann ja kaum in meinem eigenen Hause mit Ehren weilen.‹

›Pah!‹ versetzte der Vater: ›Du bist abgekommen von dem – worüber ich mit dir sprechen, – dir raten wollte.‹

Sie starrte wieder auf den Boden.

›Du bist jung, meine Tochter, erst sechzehn Jahre alt. Ich bitte dich, übereile dich nicht. Du weißt, wir wollen nach Frankreich, sobald Friede ist.‹

›Ich will nicht nach Frankreich.‹

›Du würdest die Welt sehen, Adelaide, die Menschen kennen lernen, bei deinem Vermögen –‹

›Das du‹ – fiel ihm Adelaide in das Wort. Sie sprach den Satz nicht aus, aber ihr Blick sagte deutlich, ›gerne in die Hände bekämest.‹

Der Alte schnitt abermals eine Grimasse, wie einer, der auf Schleichwegen ertappt worden.

›Adelaide, gestehe nur,‹ flüsterte der Vater im lauernden Tone – ›gestehe nur, der Herr von Lacalle hat Eindruck auf dich gemacht.‹

Das Mädchen, bisher blaß, wurde glühend rot.

›O Adelaide, du liebst den Kapitän.‹

›Du liebst den Kapitän‹, wiederholte das glühende Mädchen, kaum hörbar, indem sie eine Konvolvulusblüte erfaßte und an ihre Lippen drückte.

›Ob ich ihn liebe?‹ rief sie. ›Ich liebe ihn, Papa – o Papa, ich muß ihn haben – Papa, fordere, heische – aber – ich muß ihn haben.‹ Sie sprang auf, erfaßte die Hand des Alten.

Dieser schnitt eine Grimasse, eine affenartige Fratze – dann durchzuckte sein Gesicht ein Gewirr von Furchen. Ich hatte nicht bald ein so widerliches Mienenspiel gesehen. Erst allmählich legte sich die Bewegung der Züge, die, obwohl noch immer zuckend, doch zu verraten schienen, daß das väterliche Gefühl nicht ganz in dem Manne erstorben war.

›Adelaide!‹ sprach er, ›höre mich. Lieber wollte ich, du hättest dich in den letzten Akadier verliebt.‹

Adelaide prallte vor dem Papa wie vor einer Kongoschlange zurück.

›Adelaide,‹ sprach dieser, und sein Gesicht überflog ein wehmutsvolles Lächeln: ›Adelaide, glaube mir, lieber wollte ich, du liebtest den letzten Akadier.‹

Sie sah ihn unwillig, böse an.

›Ah, Adelaide! Wenn du die Geschichte der ersten Jahre meiner Ehe mit deiner seligen Mutter kenntest.‹

›Die du unglücklich gemacht hast‹, sprach das Mädchen in kaum hörbarem Tone.

›Beide haben wir uns unglücklich gemacht. Glaube mir, Adelaide, eine Kreolin und ein Franzose, sie passen nicht füreinander.‹

Sie schüttelte das Köpfchen.

›Ihr Kreolinnen seid so ans Herrschen, an die Sklaverei aller eurer Umgebungen gewöhnt.‹

Diese Worte machten mich Vater und Tochter starr ansehen. Es war ein Lichtstrahl, der mir aufging.

›Wir Franzosen ertragen diese Sklaverei nicht, und ihr habt nicht die Zartheit, uns die Ketten zu versüßen.‹

›O Papa, warum ward die Mutter unglücklich? Weil du mit allen Sklavinnen, mit den häßlichen Farbigen –‹

›Sie verstehen wenigstens zu lieben – was deine Mutter nicht verstand‹, sprach der sich vergessende Vater.

›Meine Mutter‹, rief die Tochter heftig, ›war die treueste Gattin, ein Muster.‹

›Das war sie,‹ versetzte der Vater, ›aber sie verstand nicht zu lieben. Sie –‹

Er hielt inne, mit sich selbst kämpfend, im Drange seine Worte so zu stellen, daß sie am wenigsten beleidigten.

›Verstehe mich recht, Adelaide‹, fuhr er endlich heraus. ›Monsieur de Lacalle ist ein Edelmann, ein artiger junger Mann, er scheint gefühlvoll. Er hat dich auf dem Balle gesehen, wo du aufgeregt –‹

›Und?‹ fragte das Mädchen.

›Adelaide, wirst du immer jene Acacerie, jenes zarte Gefühl, jene Lebhaftigkeit beibehalten, ohne die der Franzose nicht leben kann?‹

Das Mädchen sah ihn an – sie verstand ihn nicht. Ich aber begann nun Vater und Tochter zu begreifen.

›O Adelaide, du bist jung, unerfahren, an das einförmige Leben auf deiner Pflanzung gewöhnt, gewöhnt, jeden deiner Winke befolgt zu sehen. Wird auch Herr von Lacalle an diesem Leben Geschmack finden?‹

›Warum nicht? Er liebt mich, seine Blicke sagen es mir.‹

›Wird er es nach einem Jahre?‹

›Er wird es.‹

Der Alte schüttelte den Kopf. So dachte ich auch. ›Ah, teure Adelaide, vergib, du bist eine Kreolin, die nie einem fremden Willen sich fügen gelernt, die nichts weiß von jener zärtlichen, kosenden –‹

›Pfui, Papa!‹ sprach die Tochter.

›Adelaide, du verstehst mich nicht –‹

›Ich will dich nicht verstehen, darf dich nicht verstehen‹, sprach das Mädchen mit abgewandtem Gesichte.

›Adelaide!‹ beschwor sie der Vater – ›ich bitte dich, warte wenigstens –‹

›Ich will aber nicht, ich will nicht warten‹, rief sie auf einmal mit überraschender Heftigkeit. ›Ich will nicht, hörst du? Er soll, er muß mein sein – er soll, er muß mein sein‹, wiederholte sie, mit dem Fuße auf die Erde stampfend.

›So sei doch nur ruhig, liebes Kind‹, bat der Vater, auf sie zueilend und ihre Hand erfassend.

Sie riß sich los. ›Er muß mein sein – in acht Tagen mein sein – in einer Woche mein sein – hörst du, Papa!‹ herrschte sie ihm zu.

Und sie sprang auf den Vater zu, sah ihn trotzig an.

›Und dein Vater – dein Vater, was soll aus ihm werden, wenn du heiratest?‹

Diese Worte waren in einem sonderbaren Tone gesprochen, sie klangen so demütig, beinahe niederträchtig, daß sie mir in die Seele schnitten.

›Was aus dir werden soll, wenn ich heirate?‹

Sie hielt inne und maß den Vater vom Kopf zu den Füßen.

›Dann, ja dann brauchen wir Taillou, unsern Aufseher, nicht, ersparen sechshundert Gourds. – Du und Lacalle teilt euch in seine Geschäfte. – Ich gebe dir zweihundert Gourds Zulage.‹

Ich mußte, so empört ich mich fühlte, innerlich lachen, wenn ich mir Lacalle mit der Peitsche hinter den Negern her dachte – er, der Glühendfeurige, für Menschenrecht und Würde sein Letztes Hingebende.

Dem Vater wieder schien der Vorschlag gar nicht lächerlich; die Worte Zulage besiegten offenbar alle seine Bedenklichkeiten; er äußerte zwar einige Zweifel hinsichtlich der Bereitwilligkeit Lacalles, den Sklavenaufseherdienst zu übernehmen, aber der Tochter bestimmtes: Ich will! beschwichtigte ihn, und er versprach, ihr ganz zu Diensten zu sein.

Sie verließen beide die Laube, er die Hände reibend mit dem widrigen Lächeln um den Mund; in dem Augenblick erschien er mir wie ein gemeiner Go between, wie Sie diese Klasse von Menschen in Ihrer Sprache nennen. Ich stand, eine solche Szene war mir noch nicht vorgekommen. Die Bruchstücke des Familientableaus, wie es teilweise vor mir aufgerollt worden, waren von einer so schmutzigen Immoralität, einem so widerlichen Egoismus durchdrungen, ja gesättigt, daß ich wiederholt den Blick durch die Jalousien warf, zweifelhaft, ob ich mich denn wirklich in dem Paradiese Louisianas befand oder vielleicht in einem der berüchtigten Seitengäßchen der Rue St. Honorée oder Richelieu unseres lastergeschwängerten Paris. Die Tochter kam mir wo möglich noch widerwärtiger vor als selbst der Vater. Mit welchem gräßlichen Phlegma sie ihm seine Scham unter die Augen rückt, mit welchem eigensinnig heftigen, schwer groben Egoismus! – Mein Gott, diese Menschen! rief ich aus – ich dachte sie mir im primitiven Naturzustande – sie sind verdorbener als –

Amadee unterbrach mich, mir meldend, daß Roche Martin warte, um Abschied zu nehmen.

Roche Martin stand hinter mir und hatte den ganzen Auftritt zu meinem nicht geringen Verdrusse als Mithorcher angehört.

›Sieht Er, Herr Graf‹, hob der alte Akadier an, der mich erzte, während er die übrigen duzte: – ›sieht Er, da hat Er ein Beispiel, dahin kommt es, wenn man sich mit den salva venia Farbigen abgibt. Dann muß man sich von seinen eigenen Kindern die Leviten lesen lassen und ihnen zu Gnaden kommen. Ja, dieser alte Morbihan hat es weit gebracht.‹

›Ist freilich ein elender alter Mann; aber die Tochter‹ – bemerkte ich.

›Ist ein sehr braves, sittsames, tugendhaftes Mädchen, das kann Er mir auf mein Wort glauben; die ganze Niederlassung ist voll von ihrem Lobe. Aber er hat es ja mit seinen eigenen Ohren gehört, wie sie ihr Haus nicht verunehrt haben will. Ah, sie ist ein braves Mädchen, die ihre Pflanzung bereits so gut regiert als unsere ältesten Pflanzer. Käme es auf ihren Vater an, so hätte er sie längst schon mit seinen sous son respect Farbigen durchgebracht. Aber sie weiß ihn einzuspannen.‹

Ich schaute den Mann groß an und dachte: Welche sonderbaren Begriffe! Diese Ansichten, sind sie amerikanisch, dann fürchte ich, wird sich meine europäische Denkweise schwer mit ihnen befreunden!

Der Alte fuhr fort:

›Ah, wenn Lacalle sie bekommt, dann ist sein Glück gemacht. Das ist eine Partie für ihn, die beste Partie in der ganzen Niederlassung; sie regiert, sage ich ihm, die Pflanzung trotz einem. Schade, daß ihr der Alte den vielen Verdruß verursacht.‹

›Gott behüte Lacalle vor diesem trotzigen, selbstsüchtigen Geschöpfe!‹ rief ich.

›Rede Er doch nicht so einfältig‹, schalt Roche Martin, ›und bedenke Er, daß Er nicht in Frankreich ist, sondern in Amerika und Louisiana, wo man von Empfindeleien nichts weiß. Sieht Er, eben diese Tändeleien, diese spirituellen Debauchen, ohne die Ihr nicht leben könnt, haben den Herrn von Morbihan dahingebracht, wo er jetzt ist. Seine selige Frau, die Frau von Morbihan, war eine sehr brave Frau, die auf Ordnung hielt.‹

›Sieht Er,‹ fuhr er fort, ›die Ehe soll sein wie die Kost in einem rechtschaffenen wohlgeordneten Hause, für Wochentage Brot, Fleisch, Gemüse, mit einem guten Glas Rum und Wasser, an Sonn- und heiligen Tagen zur Abwechslung etwas Apartes mit einem Glase Wein. Man muß nicht alle Tage bonne chère wollen, versteht Er, das greift den Beutel und den Magen an.

Ihr seid an diese bonne chère in Paris gewöhnt, lasse ich mir sagen, liebt die Abwechslung mit anderer Leute Weibern, habt es in der Kunst, sie zu verführen, weit gebracht. Aber hier müßt ihr euch mit Hausmannskost begnügen.

Wenn der Herr von Morbihan sich mit Hausmannskost begnügt hätte, wäre er jetzt der erste Mann in der Niederlassung, aber er wollte Abwechslung, bonne chére, und fand sie bei den sous son respect Farbigen, und sie kostete ihm alles, was er hatte; – und jetzt hat er nichts als – Schande und Verachtung.

›Er wird sie kennen lernen, diese Farbigen,‹ fuhr der Alte fort – ›dann gedenke Er des Herrn von Morbihan. – Ja, was wollte ich sagen?‹

›Ihr wollt also nach Hause?‹ unterbrach ich den eigensinnigen Murrkopf.

›Ja, das will ich, blieb einzig und allein hier, weil mich Mademoiselle eingeladen hat; – sie ist ihm doch so gemein, gar nicht stolz, sie spricht auch mit den Ärmsten, aber ihr Vater, – ja, was wollte ich sagen, – sie sagte mir: »Höre du, Roche Martin, du bleibst hier!« – und ich blieb hier, weil ich auch mit Ihm noch sprechen wollte.‹

›Und was habt Ihr mir zu sagen? – Amadee, hoffe ich, hat Euch für Eure Mühe –‹

›Rede Er doch nicht so einfältig, Herr Graf‹, unterbrach mich der Alte; – ›Er hat mir keine Mühe gemacht, und seine Freunde auch nicht. Aber weiß Er, warum ich hierblieb; – nun, ich will es Ihm sagen. Die Altadeligen hier, wie sie sich nennen, – obwohl die meisten mit gerade so viel Fug und Recht, als ich habe, mich einen Prinzen zu nennen, – werden Augen und Ohren abspitzen, um Ihm etwas von seinen Manieren abzulauern. Lasse Er nun diese Manieren nicht gar zu vornehm sein, und wenn Er von den Akadiern spricht, so spreche Er wie von andern Menschen auch, – das mag gute Früchte bringen.‹

›Ich verstehe Euch nicht, Alter.‹

›Nun, Er wird mich schon verstehen – tue Er nur, wie ich Ihn ersuche, – und spreche Er von den Akadiern nicht wie von Hunden, sondern wie von Menschen.‹

›Das will ich Euch gerne zusagen.‹

›Dafür‹, fuhr er fort, ›kann ich Ihm vielleicht auch einen kleinen Dienst erweisen. Sieht Er, eine halbe Meile vom Ehetimachas ist eine kleine Pflanzung zu verpachten, die Herrn von Berthoud gehört; sie wird Ihm sicher gefallen. So gebe Er mir nun Amadee mit, und der mag den Pachtkontrakt abschließen, und von da aus kann Er seine neue Niederlassung einrichten – es wird Ihn nicht reuen. Er wird da ein Paar Männer kennen lernen – Amerikaner, den Mister Wood, das sind andere Leute, die wissen das Zeug anzufangen.‹

›Euer Vorschlag ist so übel nicht‹, antwortete ich, eine Anwandlung von Unwillen über des Mannes massive Derbheit verbeißend; – ›ich glaube, ich will die Pflanzung selbst besehen.‹

›Das lasse Er bleiben; Berthoud ist ein Kreole, und die geben nach drei Tagen keinen Strohhalm um einen Franzosen; und geht Er, so hat Er den Pachtschilling sicherlich doppelt zu bezahlen. Ihm sieht man den Grafen an der Stirne an, Amadee hat unsere Weise, und eine Krähe hackt der andern die Augen nicht aus. Er erhält die Pflanzung, ich wollte wetten, für achthundert Gourds jährlich, und das ist ein Spottpreis – es sind vier Neger darauf.‹

›Ich will keine Neger‹, bedeutete ich dem Alten.

›Rede Er doch nicht so einfältig, Herr Graf,‹ meinte dieser, ›und warte Er, bis er selbst gesehen. Er mietet die Neger, und will Er sie nicht haben, so kann Er dann doch tun, was Er will.‹

›Noch etwas‹, sprach er gleich darauf.

›Er hat wahrscheinlich Geld, und diese Adeligen da haben keines. Versteht Er mich, leihe Er keinen Sou aus, bis Er mit Mister Wood gesprochen.‹

›Mein lieber Roche Martin,‹ bedeutete ich dem Alten, den in seine Schranken zurückzuweisen es mir nun hohe Zeit dünkte, ›ich danke Euch für Euern guten Willen, aber spart Euern guten Rat bis –‹

›Er gefordert wird‹, fiel mir Roche Martin ein. ›Er will niemanden in seinen Beutel sehen oder greifen lassen. Ganz recht, versteht Er, was ich sage, geht einzig dahin, Ihm einen Wink zu geben, den Er beachten kann, wenn Er will, und wenn Er nicht will, so mag Er es bleiben lassen. Die Adeligen werden Ihn innerhalb der acht Tage, die Er bei ihnen zubringt, sicher um Geld anreden, denn sie wollen Kavaliere sein. Leiht Er nun auch nur zwanzig Livres, so zieht Er sich einen Schwarm auf den Hals, der Ihm die Attacapas bald zum wahren Wespenneste machen wird.‹

›Wieso?‹ fragte ich.

›Das läßt sich wohl nicht so kurzweg sagen, guter Freund‹, meinte der Alte im kameradschaftlichen Tone. ›Wäre auch nicht wohlgetan. Genug, Er bleibt mit seinen Freunden hier bei den Adeligen, bis Er sich ausgetanzt hat. In acht Tagen wird Er sie, sie Ihn satt sein, wenn es ja so lange dauert; denn bei uns in den Attacapas stinken Fremde und Fische, wenn sie nicht gedörrte Stockfische sind, nach drei Tagen.‹

›Ihr gebt mir da eine liebenswürdige Zeichnung von meinen Landsleuten.‹

›Seinen Landsleuten! Der dümmste Kreole dünkt sich mehr als der Herzog von Montmorency, wenn – er sich nämlich hier niederlassen wollte. Er wird es finden. Sie werden ihn fetieren, drei, sechs, acht Tage, aber dann; – immerhin ist der Teufel nicht so schwarz wie er aussieht. Wie gesagt, Er wird acht Tage tanzen, während dem wird die Sache zwischen Lacalle und Demoiselle Morbihan richtig, wenn nur der Junge nicht mit den salva venia Farbigen –‹

›Alter, Ihr sprecht sehr bestimmt‹, warnte ich.

›Ich kenne meine Leute,‹ versetzte er, ›Er wird sehen. Und jetzt Gott befohlen.‹

Und der alte Roche Martin schüttelte mir die Hand, und nach einer halben Stunde sahen wir sein Fahrzeug, in dem Amadee mitging, den Teche hinaufgleiten.

Die Vorhersagung traf, was Lacalle betraf, genau ein, so sehr ich mir auch Mühe gab, ihn von einem vorschnellen Entschlusse zurückzuhalten; aber wir gingen, wie Sie sich leicht denken können, aus einer Hand in die andere, von einem Balle zum andern, und Mademoiselle Adelaide war – eine Kreolin, und Lacalle – ein Südfranzose. Seine Leidenschaft war zur fieberischen Gluthitze gestiegen.

Am letzten Balle, den Herr Deblanc, der Kommandant von Attacapas, und als solcher Mademoiselles gesetzlicher Vormund, uns zu Ehren gab, brachte er – Lacalle war ihm besonders anempfohlen, – die Gesundheit des schönen Paares aus.

Sonntags darauf ward die Vermählung gefeiert.

Am elften Tage nach unserer Ankunft in dem Hause des Herrn von Morbihan verließen wir, nämlich Lassalle, Hauterouge und ich, das glückliche Paar, um uns in unsere von Amadee gepachtete Pflanzung zu begeben. Wir waren der ewigen Bälle sowie der guten Attacapaer für einstweilen satt und sehnten uns recht sehr nach Ruhe.«

»Deine Charakterskizzen, lieber Vignerolles, sind treffend, aber etwas hart«, bemerkt Papa nach einer Weile in einem Tone, der einen leichten Anklang von Tadel hatte.

Der Graf schwieg.

»Etwas hart!« fiel der heftige Hauterouge ein; »hättest du sie gesehen, du würdest sie vielmehr schonend, delikat nennen. Ma foi! Wenn man sie anhörte, diese Picarder, Tourainer und Bretagner Bauern- und Krämer-Sprößlinge, so war keiner unter ihnen, dessen Vater nicht, wie Pajol, Städte und Schlösser die Menge im lieben Frankreich besessen hätte.«

»Erinnerst du dich noch des Monsieur Cordon und der Tabakspfeife seines Papas?«

»Von der uns der Sohn mit wahrer Gascogner-Salbung erzählte, wie der Papa sie von Louis quatorze zum Geschenke erhalten.«

»Mit dem er, wohlgemerkt, du und du war«, lachte Hauterouge.

»Ja,« fuhr Lassalle fort, »es war drollig und ärgerlich zugleich, die guten Leute von ihren Papas radotieren zu hören, wie sie mit Louis quatorze Tabak geraucht und Schnaps getrunken – gerade wie mit ihrem Kommandanten, und wie ihre Mamans der höchstseligen Königin bei ihrer Wäsche geholfen und dafür mit Jüpons und Capuchons beehrt worden – die sie auch nicht ermangelten, uns als Belege vor die Nase zu halten.«

»Nimm mir es nicht übel, Menou,« fällt der Graf ein, »aber die damaligen Attacapaer waren wirklich ein seltsames Völkchen, das uns nur zu oft an eben die Bayous erinnerte, die uns so sehr in Verzweiflung gebracht hatten; – ein abgerissenes Bruchstück, wie die überströmenden Gewässer aus dem Mississippi ausgeflossen und ausgestoßen, so von dem europäischen Zivilisationsstrome abgerissen und in Stillstand, Stocken und Fäulnis übergegangen. Ich kann mich keines schonenderen Ausdruckes bedienen; denn die ganze Kolonie war wirklich von einem sehr unangenehmen Faulgeschmack durchdrungen. So waren wir in Häusern, die mehrere Tausend Stücke Rinder, Kälber und Kühe auf den Wiesen, aber keinen Tropfen Milch, keine Unze Butter im Hause hatten, weil – die Pflege einer Melkkuh gar zu viel Mühe gemacht hätte. Sie hielten Sklaven, mehrere derselben Dutzende, sie mußten die Moskitos von der Frau des Hauses abwehren, ihr das Ridikül, den Moskitowedel nachtragen, sie von einem Ende der Galerie zum andern rollen, mit den verzärtelten Kindern spielen und sich zum Zeitvertreibe von diesen geißeln lassen.«

»Das waren einzelne Ausnahmen, lieber Vergennes,« versetzte Papa Menou mit einem Gesichte, als ob ihm eine Dosis Ipecacuanha eingegossen worden; »aber ich weiß doch auch, daß bereits zu dieser Zeit die Attacapas einen ziemlich bedeutenden Baumwollen-, Reis- und Maisbau hatten, und der Faulgeschmack daher nicht gar so stark sein konnte.«

»Allerdings gab es ehrenvolle Ausnahmen,« beruhigt ihn der Graf, »und eine dieser Ausnahmen war auch, wie du weißt, die Pflanzung der Demoiselle Morbihan; der herrschende Ton jedoch –«

»Und dann die Sprache der Frauen,« fiel Hauterouge ein – »dieses matte, gedehnte Zischen, Ziehen jeder Silbe! Höre, ein dreisilbiges Wort sprachen sie nie anders als dreimal absetzend aus. Und die fühllose Kälte, mit der sie ihre Neger peitschen lassen konnten! Und die Grausamkeit, mit der sie ihre Tiere behandelten! Siehst du, ein Edelmann wird auch, wenn er seine Neger bestraft, nicht vergessen, was er sich schuldig ist; die Canaille ist immer grausam, ich habe es stets so gefunden. Nicht die Sklaverei an sich, sondern das ist das eigentliche Übel, daß Menschen, die dem Pranger, der Zuchthauspeitsche, den Galeeren entwischt, die zu weißen Sklaven geboren sind, ihre niederträchtige Bosheit ungestraft an Schwarzen üben dürfen.«

»Diese Worte enthalten viel Wahres,« bekräftigen wir, »obwohl eigentlich kein Weißer zum Sklaven geboren ist.« –

Lassalle nimmt wieder das Wort. »Wir fanden bei ihnen einen Neid gegen Höhere, eine fühllose Grausamkeit gegen Tiere und Menschen und eine Indifferenz gegen geistige Bildung, die allen Glauben überstieg. – Was sagen Sie, in den tausend Kreolenfamilien fanden sich nicht zwanzig, die lesen konnten. Sie waren um hundert Jahre hinter unsern französischen Bauern und Kleinstädtern zurück.«

»Und um zweihundert hinter den Amerikanern«, bemerkt der Graf.

»Aber woher dieses Phänomen?« fragten wir mehrere zugleich. »Sie hatten doch dieselbe Gelegenheit?« –

»Dieses Phänomen dürfte Ihnen allerdings schwerer zu begreifen sein als uns, denen der Kontrast gewissermaßen anschaulich war – ja aufgedrungen wurde« – erwiderte er.

Er hielt einige Augenblicke inne, wie um sich zu sammeln, und sprach dann:

»Ich habe vorher Ihres Sprichwortes erwähnt, daß der Europäer in Amerika sieben Jahre blind ist; ich muß mich deutlicher erklären.

Wir Europäer, mit Ausnahme der Briten, werden von Regierungen groß gezogen, die die bürgerliche Gesellschaft, der sie vorstehen, mehr oder weniger als ihr Eigentum betrachten, und sie im richtigen Folgesatze als solches behandeln; das heißt, sie ihren Zwecken gemäß erziehen und modeln. – Sie betrachten ganz konsequent den einzelnen Menschen nicht als ein für sich bestehendes unabhängiges Ganzes, als ein absolutes Sein, sondern als ein Bruchstück, als eine Null, die erst durch die bestimmende Nenn-Nummer ihre Bedeutung erhält. – Wir können sie deshalb nicht tadeln. Sie handeln ihren ererbten geschichtlich gegründeten Rechten gemäß; die Regierung ist allmählich im Verlaufe der Jahrhunderte eine wohl eingerichtete komplizierte Maschine geworden, die ihren Gang fortgeht, wie sie ihn Jahrhunderte gegangen; die einzelnen Stücke bewegen sich in ihren Kreisen und befinden sich wohl dabei, solange – sie nicht aus dem Zusammenhange gerissen werden. Sobald aber dieser Fall eintritt, und ein Rad oder ein Teil der Maschine, deutlicher zu reden, ein Individuum oder ein Bruchstück aus dieser so regierten bürgerlichen Gesellschaft auf einen Boden verpflanzt wird, der ein entgegengesetztes soziales Prinzip zur Grundlage hat, dann tritt bei diesem abgerissenen Bruchstücke nicht bloß Hemmung und Stocken, sondern ein absoluter Stillstand, ja Zurückschreiten, mit einem Worte, die erwähnte Blindheit, Hilflosigkeit ein, die erst aufhört, wenn es sich auf diesem neuen Boden zu orientieren, zu erkennen angefangen hat. Der Franzose, der Deutsche ist, sowie er Ihr Land betritt, längere oder kürzere Zeit blind, und dieser Fall findet, wie gesagt, nicht bloß bei einzelnen Individuen, sondern bei ganzen Kolonien statt, die kurzsichtigerweise gezwungen werden, die gesellschaftlichen Prinzipien der europäischen Welt maschinenartig in eine neue zu verpflanzen, wo – die bürgerliche Gesellschaft auf einer entgegengesetzten Basis beruhend – jedes Individuum sich als absolutes Sein betrachtet. Sie sind nicht imstande, die Konkurrenz mit den freiern Bürgern, wohlgemerkt, ich verstehe Amerikanern, auszuhalten; sie werden im Gegenteil von diesen, die von Kindheit an daran gewöhnt sind, sich selbst zu beherrschen, ihre Kräfte in jeder Richtung hin zu gebrauchen, immer mehr isoliert, eingeschränkt und zuletzt verschlungen. Ja, in diesem wesentlichen Unterschiede unserer europäischen und ihrer amerikanischen Erziehung liegt nicht bloß die Ursache des Zurückbleibens unserer französischen Kolonien hinter den Ihrigen, ihre allmähliche Beschränkung, Einengung, sondern auch der Schlüssel zur Lösung des großen geschichtlichen Rätsels, wie es den Briten vor siebzig Jahren gelingen konnte, den zahlreichern und kriegsgeübtern Franzosen ihre zehnmal größeren Besitzungen in Amerika zu entreißen, und ihren Nachkommen, den Amerikanern, uns Franzosen zu zwingen, allmählich unseren Sitten, Gebräuchen, ja unserer Denkungsart zu entsagen, und dafür ihre eigene auf eine Art und Weise anzunehmen, die in nicht vielen Jahrzehnten die ausgeprägten Züge unserer Nationalität gänzlich verwischen wird.«

»Das heißt wirklich den Nagel auf den Kopf getroffen, lieber Graf«, entfuhr mir, dem diese Sprache, von einem Franzosen geführt, ganz neu klang.

»Es ist ebensowenig als Kompliment für Ihre Nation gemeint, was ich gesagt, Mister Howard, als es der unsrigen zu einem gereicht«, fiel mir der Graf scharf, beinahe gereizt, ein. »Als Franzosen haben wir wahrlich keine Ursache, ihnen für den destruktiven Einfluß, den sie auf unsere Nationalität geübt, dankbar zu sein, allein wir können uns auch wieder nicht verhehlen, daß es in der Natur der Dinge ist, daß der Freiere und Aufgeklärtere den Vorteil über den erringt, der es weniger ist.«

Unsere Freunde, die Kreolen und Franzosen, bissen sich die Lippen.

»Doch,« nahm wieder der Graf das Wort, »wollen wir nicht fortfahren? Der Faden unserer Geschichte würde sich sonst zu lange spinnen, und unsere Damen dürften ungeduldig werden, wenn die Stunde des Balls über Gebühr hinausgeschoben wird.«

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