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Die Entdeckung des Erdballs

Wilhelm Cremer: Die Entdeckung des Erdballs - Kapitel 9
Quellenangabe
typefiction
authorWilhelm Cremer
titleDie Entdeckung des Erdballs
publisherRudolf Mosse
addressBerlin SW68
editorWilhelm Cremer
year1924
firstpub1924
illustratorOscar Theuer
correctorreuters@abc.de
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James Cook.

Mit dem Gelingen der ersten Weltumsegelung, die an den Namen des Ferdinand Magalhaes geknüpft ist, begann eine neue Zeit. Für die Menschen des Altertums und des Mittelalters umspannte der Bereich, den sie die Welt nannten, nur einen sehr kleinen Abschnitt der Erde. Jenseits der Grenzen dieses Landteiles lag alles in einem undurchdringlichen Dunkel. Nun aber lichtete sich das Weltbild, die Gedanken umflogen die ganze Erde, das Unbekannte verlor seine Schrecken, und es bildete sich, wenigstens in der Idee, so etwas wie eine Kulturgemeinschaft der ganzen Menschheit.

Die Zahl der Entdeckungsreisen nahm immer mehr zu, und fast alle Nationen Europas beteiligten sich daran. Hatte das eigentliche Zeitalter der Entdeckungen die grossen Linien vorgezeichnet, so erforschte man jetzt die Einzelheiten. War der Durst nach Gold und sonstigen Schätzen die Triebfeder der ersten grossen Seefahrten gewesen, so traten bei den germanischen Völkern, die die lateinischen ablösten, neben den Handelsinteressen allmählich auch immer mehr die wissenschaftlichen in den Vordergrund, um dann später im neunzehnten Jahrhundert ihren Höhepunkt zu finden.

siehe Bildunterschrift

James Cook.

Der erste wissenschaftliche Forschungsreisende im modernen Sinne und sicherlich auch der grösste Seefahrer und Entdecker aller Zeiten war der Engländer James Cook, der am 27. Oktober 1728 in dem Dorfe Marton in Yorkshire als Sohn eines armen Bauernknechts geboren wurde. James war das vierte von neun Kindern, er besuchte die Pfarrschule und kam mit dreizehn Jahren zu einem Krämer in die Lehre. Lange hielt er es aber hier nicht aus, er entfloh und ging auf ein Küstenschiff, das zwischen Newcastle und London handelte. Sieben Jahre war er hier in der Küstenschiffahrt tätig, arbeitete aber mit einem eisernen Fleiss daran, sich alle Kenntnisse zu erwerben, die ihm für den seemännischen Beruf von Nutzen sein konnten, und es gelang ihm auch, langsam weiterzukommen. Als im Frühjahr 1755 Feindseligkeiten zwischen England und Frankreich ausbrachen, meldete er sich als Freiwilliger zur Kriegsmarine, wo er sich durch Tüchtigkeit und Energie auszeichnete und bald Schiffsmeister wurde. Als er sich 1759 im Kampf gegen Quebeck einen Namen gemacht hatte, erhielt er den ehrenvollen Auftrag, die Küsten von Neufundland aufzunehmen und vor allem die Mündung des Lorenzstromes zu untersuchen. Die Karte, die Cook bei dieser Gelegenheit zeichnete, war von einer Genauigkeit, wie man sie bisher noch nicht kannte. Seine Kenntnisse in der praktischen Astronomie bewies er damals durch eine sehr exakte Beobachtung einer Sonnenfinsternis, die die wissenschaftlichen Kreise auf ihn aufmerksam machte.

Nun sah man in jener Zeit mit grosser Spannung einem astronomischen Ereignis entgegen, das am 3. Juni 1769 eintreten musste und von grosser Wichtigkeit für die Berechnung der Entfernung zwischen Sonne und Erde war, nämlich einem Durchgang der Venus vor der Sonnenscheibe, der sich später erst wieder in den Jahren 1874 und 1882 wiederholt hat. Die englische Regierung beschloss, zu dem rein wissenschaftlichen Zweck der Beobachtung dieses Durchganges das Schiff »Endeavour« (Die Bemühung) nach der Insel Tahiti zu entsenden und gab dem inzwischen zum Schiffsleutnant ernannten Cook den Oberbefehl über die Expedition.

Neben dem Astronomen Green befanden sich auf dem Schiff der reiche und gelehrte wissenschaftliche Mäzen Sir Josef Banks und der Schwede Daniel Solander, ein Schüler Linnés. Die ganze Schiffsmannschaft mit Einschluss der Offiziere und Gelehrten belief sich auf 85 Personen. Die Abfahrt von Plymouth fand am 26. August 1768 statt.

Cook hatte den Auftrag bekommen, ausser seinen astronomischen Beobachtungen auch sonst Entdeckungsfahrten nach dem Süden zu machen. Vor allem sollte er versuchen, etwas Näheres von dem rätselhaften südlichen Kontinent zu erfahren, an den man immer noch in wissenschaftlichen Kreisen fest glaubte, weil man der Ansicht war, dass ohne ihn das Gleichgewicht der Erde in Unordnung geraten müsse.

Ohne jeden Unfall erreichte Cook Patagonien, wo er an der Mündung des Flusses Deseado ankerte und seinen Leuten eine kleine Erholung gönnte. Dann aber ging es weiter, und zwar fuhr er nicht durch die Magalhaes-Strasse, sondern südlich des Feuerlandes um das Kap Horn herum. Er hatte zufällig für seine Fahrt die günstigste Jahreszeit erwählt und blieb von den sonst hier immer wütenden furchtbaren Stürmen ganz verschont. Da er für sein Eintreffen auf Tahiti noch genügend Zeit hatte, so machte er jetzt zunächst einen scharfen Vorstoss nach Süden und gelangte auch bis über den 60. Breitegrad hinaus, ohne aber eine Spur von dem Land zu entdecken, das andere Seefahrer in diesen Gegenden gesehen haben wollten. Zu lange dauernden Forschungen reichte die Zeit nicht aus, und Cook wandte sich nunmehr nach Nordwesten, so dass er am 11. April 1769 Tahiti oder Otahiti, wie es damals meist genannt wurde, erreichte. Unterwegs war er an verschiedenen Inseln der Paumotugruppe vorbeigekommen, ohne aber irgendwo zu landen.

Die harmlosen Einwohner, deren milder, freundlicher Charakter der ganzen Inselgruppe den Namen Gesellschaftsinseln gegeben hat, nahmen ihre weissen Gäste sehr zuvorkommend auf. Sie halfen ihnen sogar freiwillig bei der Errichtung eines Forts, und ihr einziger Fehler war ihr Hang zu kleinen Diebereien, der sich aus dem vollständigen Fehlen jeden Eigentumsbegriffes erklärte. Die Insel war ja so fruchtbar und hatte ein so mildes, gesundes Klima, dass es hier keine Arbeit und Sorgen und fast gar keine Krankheiten gab. Die Nahrung bestand aus Fischen und Früchten, die im Uebermass vorhanden waren, eigentliche Fleischspeisen wurden selten genossen. Sie tranken ausser Kokosmilch nur Wasser, auch hatten sie einen Widerwillen gegen berauschende Getränke, gegen Tabak und scharfe Gewürze. Sie waren glücklich wie Kinder, lebten für den Augenblick, ohne an die Zukunft zu denken, und belustigten sich mit Musik und Tanz.

siehe Bildunterschrift

Feuerländer in ihrer Hütte. Kupfer in Cooks Reisewerk.

Cook zeigte sich auf der Insel als ein sehr kluger Befehlshaber. Er befahl, die Eingeborenen zwar mit grosser Vorsicht, aber auch mit grosser Nachgiebigkeit und Milde zu behandeln. Während sich nun die Astronomen auf ihre bevorstehende Beobachtung einrichteten, durchforschten die Botaniker und Zoologen das Innere der Insel, und Cook selbst fuhr mit einem Boot um die ganze Insel herum, um von ihr und den benachbarten Inseln genaue Karten zu entwerfen.

Als Cook nach vierwöchigem Aufenthalt weiter fuhr, war das Verhältnis zu den Eingeborenen noch ungetrübt, und ein angesehener, kenntnisreicher Tahitier namens Tugia, eine Art Priester, entschloss sich, die Fremden auf der Weiterfahrt zu begleiten. Er hatte einen dreizehnjährigen Knaben als Begleiter und Diener bei sich und wurde den Engländern später als Erklärer und Dolmetsch sehr nützlich.

Cook durchforschte zunächst die übrigen Gesellschaftsinseln, musste dann auf einer davon, der Insel Ulietra, einen längeren Aufenthalt nehmen, da die »Endeavour« durch eins der unzähligen Korallenriffe ein grosses Leck bekommen hatte und daher ausgebessert werden musste. Die Verhältnisse auf allen diesen Inseln waren ähnlich wie die auf Tahiti, auch hier wurden die Fremden durch die freundlichen Eingeborenen mit Tänzen und Spielen empfangen.

Am 9. August verliess das Schiff die Inselgruppe und segelte nun scharf nach Süden, um diesen bisher noch von keinem europäischen Forscher durchfahrenen Teil des Stillen Ozeans zu erforschen und das erwartete Südland, die Terra Australis, wovon dann Australien seinen Namen erhielt, zu entdecken. Dabei entdeckte er die kleine Insel Rurutu in der Tubuaigruppe, mit deren Bewohnern sich der Tahitier Tugia wohl verständigen konnte. Doch kam es zu keiner Landung, da sich die Insulaner sehr feindlich zeigten und Cook jedem Blutvergiessen aus dem Wege gehen wollte.

Er drang nun bis über den 40. Breitegrad vor, entdeckte aber nirgends eine Spur von Land. Gern wäre er weiter nach Süden gefahren, aber die Witterung wurde so ungünstig, dass er fürchtete, sein Schiff würde bei weiterem Vordringen zu Schaden kommen. Deshalb beschloss er, nach Westen zu steuern, wo das von dem Holländer Abel Tasman 1642 entdeckte Neuseeland liegen musste.

Er entdeckte es auch am 6. Oktober und landete zwei Tage später in einer Bucht, die er die Armutsbucht nannte. Schon hier kam es gleich nach einer Bootslandung zu einem Zusammenstoss mit den Eingeborenen, die sich erst zurückzogen, als einer von ihnen erschossen wurde. Auch an anderen Punkten dieser grossen Doppelinsel ereigneten sich Zusammenstösse. Die Einwohner waren überall sehr kriegerisch und huldigten dem Kannibalismus. Sobald sich ein Landungsboot etwas zu weit von dem schützenden Schiff entfernt hatte, stiessen sie plötzlich von allen Seiten, oft auf riesig langen Kriegskanus, heran, um die kleine Besatzung niederzumetzeln. Manchmal wurde das nur durch ein Wunder verhütet.

Trotzdem fuhr Cook langsam von der Ostseite um die Nordspitze nach der Westseite und nahm überall mit grosser Genauigkeit die Küstenlinie mit allen Einbuchtungen und Vorsprüngen auf. Wo er hierbei in freundlicheren Verkehr mit den Eingeborenen gelangen konnte, versäumte er nicht, über die Natur des Landes und den Charakter und die Sitten der Bewohner sorgfältige Beobachtungen zu machen.

Er entdeckte und durchfuhr auch den nach ihm benannten Cook-Kanal, der Neuseeland in zwei Teile teilt. Dann umfuhr er die Südküste und nahm auch die dort vorgelagerten kleinen Inseln auf.

Am liebsten wäre Cook von Neuseeland aus noch einmal nach Süden vorgestossen, aber der Zustand des Schiffes gestattete das nicht. So segelte er denn nach Nordwesten auf die Küste des australischen Festlandes zu, dessen Südostecke er auch am 19. April 1770 erreichte. Es galt nun die Ostküste von Australien, das damals Neuholland genannt wurde, genau aufzunehmen, und dies erwies sich als eine sehr schwierige und gefährliche Arbeit. Vor allem zeigte es sich, dass hier die ganze Küste von Korallenriffen und -bänken bedeckt war, und hundertmal geriet die »Endeavour« in Gefahr zu scheitern. Aber Cook liess sich nicht abschrecken, immerzu nordwärts fahrend, die Linie der Küste, die Lage der Inselchen, Untiefen und Klippen aufzuzeichnen.

Bei der Stelle, wo heute Sydney liegt, landete Cook in einer Bucht, die er nach dem Reichtum an ganz fremdartigen und wunderlichen Gewächsen die Botanybucht nannte. Die naturwissenschaftliche Ausbeute war hier sehr gross, man entdeckte fast 400 neue Pflanzenarten und begegnete dabei auch zum ersten Male den Australnegern.

Auf der Weiterfahrt nahmen die Korallenriffe immer mehr zu, und am 10. Juni geriet das Schiff bei einem Kap, das seitdem das Tribulationskap, das Kap der Trübsal, heisst, auf eine verborgene Klippe und erhielt ein solches Leck, dass es unmöglich schien, das Schiff durch Pumpen lange über Wasser zu halten und alle bereits das Schlimmste befürchteten. Die losgerissenen Planken schwammen um das Schiff herum, und man warf fünfzig Tonnen Gewicht aus, um es zu erleichtern. Schliesslich gelang es, ein mit grossen Mengen Werg und Wolle benähtes Segeltuch über das Leck zu ziehen, wo der Druck des Wassers die Masse in die Oeffnung hineinpresste, und mit vieler Mühe wurde das Schiff in einen Hafen geschleppt, an der Mündung des Endeavourflusses, wo es ausgebessert werden konnte. Hierbei erkannte man, dass ein grosses Stück des Korallenriffs abgebrochen war und in dem Leck festsass. Ohne diesen merkwürdigen Zufall wäre das Schiff sicherlich sofort gesunken.

Cook nahm die ganze Ostküste Australiens nebst allen dazu gehörigen Inseln als Eigentum des Königs Georg III. in Besitz und nannte das Land Neusüdwales. Fünf Monate hatten seine Untersuchungen gedauert, und er fuhr jetzt durch die schon 1542 von dem Spanier Bernard della Torre entdeckte und nach diesem benannte Torres-Strasse zwischen Australien und Neuguinea durch und kehrte ohne weitere Entdeckungsfahrten über Batavia, wo er sich drei Monate aufhalten musste und mehrere seiner Gefährten verlor, um das Kap der Guten Hoffnung nach England zurück. Am 11. Juni 1771 traf er dort nach einer Abwesenheit von fast drei Jahren wieder ein.

Die Rückkehr der kühnen Forscher wurde in ganz England mit grosser nationaler Begeisterung begrüsst. Cook, der Führer der Expedition, wurde überall, wo er sich blicken liess, mit Beifallsbezeugungen überschüttet, und Georg III. empfing ihn im St.-James-Palast, wo er dem König ein Tagebuch der Reise mit erläuternden Karten und Zeichnungen überreichen durfte. Im August wurde er zum Kapitän der Flotte befördert.

Obgleich nun der Glaube an den grossen Südkontinent durch Cooks zweimaligen Vorstoss arg erschüttert war, so entschloss man sich doch jetzt in England zu einer besonderen Expedition, die diese Frage endgültig entscheiden sollte. Wieder wollten Banks und Solander sich als wissenschaftliche Forscher anschliessen, traten dann aber zurück, weil sowohl die Admiralität wie Cook auf ihre Wünsche für die Ausrüstung keine Rücksicht nahmen. An ihre Stelle traten zwei Deutsche, ein kurländischer armer Landpfarrer von grosser naturwissenschaftlicher Begabung, Johann Reinhold Forster, und sein damals erst siebzehnjähriger Sohn Johann Georg, der später durch seine Schriften dieser Reise einen welthistorischen Ruf verleihen sollte. Ferner ging noch ein geschickter Zeichner mit, ein Schweizer namens Weber, und am Kap der Guten Hoffnung, wohin sich die Fahrt zunächst richten sollte, wurde der verdiente schwedische Naturforscher Dr. Andreas Sparrmann, ein Schüler Linnés, auf Forsters Wunsch aufgenommen.

siehe Bildunterschrift

Johann Georg Forster

Mit zwei Schiffen, der »Resolution«, die er selbst befehligte, und der »Adventure«, die unter der Leitung des Schiffsmeisters Tobias Furneaux stand, hatte er am 13. Juli 1772 England verlassen und segelte nunmehr im November seinem Auftrag gemäss mutig von der Südspitze Afrikas aus nach Süden, wobei er bis über den 67. Breitegrad vordrang, also weiter nach dem Südpol zu gelangte, als je ein anderer Seefahrer. Aber die Kälte nahm so rasch zu, dass er schon im 51. Breitegrade auf ausgedehnter Eisfelder geriet und beständig Gefahr lief, an den hohen Eisbergen zu scheitern, besonders weil so häufig dichter Nebel herrschte. Das ganze Schiff war mit einer dicken Eiskruste überzogen, und manchmal mussten die Matrosen bis zur Erschöpfung mit blutenden Händen arbeiten. Aber alles blieb guten Mutes, auch die Naturforscher, die hier sehr wichtige Beobachtungen machten.

Einmal hatte der jüngere Forster mit einem kleinen Ruderboot ohne Segel das Schiff verlassen, um Wärmemessungen vorzunehmen, als sich ein dichter Nebel auf das Meer herabsenkte, so dass er bald die beiden Schiffe aus den Augen verlor. Eine Weile ruderte das kleine Boot umher, ohne sich zurückzufinden. Es hatte keine Nahrungsmittel, war rings von Eisschollen umgeben, und in dem dichten Nebel konnte man keine Bootslänge weit sehen. Schliesslich blieb es ruhig liegen, in der Hoffnung, dass die Schiffe sich nicht allzuweit entfernen würden. Nach längerer Zeit hörte Forster dann plötzlich die Schiffsglocke der »Adventure«, und das kleine Boot gelangte glücklich wieder zurück.

Vier Monate lang war Cook in diesen Gewässern hin und her gekreuzt, ohne eine Spur von Land zu finden. Am 8. Februar kam noch hinzu, dass die beiden Schiffe im Nebel auseinandergerieten und sich hier nicht wieder finden konnten. Der Mut der Mannschaften auf der »Resolution« sank immer mehr, und so entschloss sich Cook, für dieses Jahr umzukehren.

Er nahm seinen Weg nach Nordosten auf den Stillen Ozean zu und gelangte am 26. März nach Neuseeland, wo er sechs Wochen vor Anker ging, um das Schiff auszubessern und den vielen kranken Mannschaften Gelegenheit zur Erholung zu geben.

Von Neuseeland wollte er nach Tahiti, stiess aber in der Cook-Strasse zu allgemeiner grosser Freude auf die »Adventure«, die ebenfalls auf Neuseeland Schutz gesucht hatte und schon längere Zeit ankerte. Vereint konnten jetzt beide Schiffe nach den Gesellschaftsinseln fahren, wo sie, nachdem sie unterwegs noch einige Inseln entdeckt hatten, wieder auf Tahiti landeten.

Auch Forster erschien diese Insel wie ein Paradies. Wenn man prüfe, so meinte er, worin das Glück dieser Welt eigentlich bestehe, so würde man schwerlich beneidenswertere Völker finden. Kein Wunder, dass Cook auf seinen Reisen immer wieder hierhin zurückkehrte.

Im September 1773 wurden die Gesellschaftsinseln verlassen, und die Schiffe segelten wieder nach Neuseeland, wobei sie unterwegs die Freundschaftinseln entdeckten, die jetzt meist Tonga-Inseln genannt werden. Dann aber ging es wieder nach dem Süden, diesmal inmitten des Stillen Ozeans.

Zweimal drang Cook jetzt über den südlichen Polarkreis hinaus, bis ihm gewaltige Eisfelder den Weg versperrten. Und wiederum wurden in dem dichten Nebel, der jetzt so häufig die Expedition überfiel, die beiden Schiffe voneinander getrennt, diesmal für die ganze Dauer der Entdeckungsfahrt. Aber von Land war auch hier nichts zu sehen, soweit Cook auch vordrang, überall sah er nur eine von Eisbergen bedeckte Wasserwüste.

Schliesslich musste er umkehren. Viele seiner Leute erkrankten, zuletzt auch in bedenklichem Masse Cook selbst, so dass man sogar für sein Leben fürchtete. Ein Hund, der von der Insel Tahiti mitgenommen war, wurde in Ermangelung von sonstigem frischen Fleisch geschlachtet, um dem Kranken Fleischbrühe zu verschaffen. Und allmählich gelang es, Cook wieder herzustellen.

siehe Bildunterschrift

Geschwisterpaar aus Neuseeland.

Er fuhr dann nordostwärts nach der einsamen Osterinsel, auch Rapa-Nui genannt, und von da nordwestlich nach den Marquesasinseln, die er genau bestimmte. Auf seiner langen Fahrt nach Westen durch die Freundschaftsinseln hindurch stiess er dann auf die grosse Gruppe der Neuen Hebriden, die er alle umschiffte und mit Häfen und Umrissen in Karten eintrug. Auch die grössere Insel Neukaledonien wurde am 4. September entdeckt, und jetzt ging es wieder südwärts, zunächst nach Neuseeland, wo er sich einige Wochen Ruhe gönnte, um seine Schiffe instand zu setzen und seinen Matrosen Erholung zu geben.

Noch einmal stiess er jetzt nach Süden vor, lenkte dann aber nach Osten, um, von heftigen Weststürmen getrieben, die riesiggrosse Strecke bis zur Südspitze Amerikas in wenigen Wochen zurückzulegen. Er fuhr jetzt dicht am Kap Horn vorbei und entdeckte dann südöstlich davon unter dem 60. südlichen Breitegrad das Sandwichland, das nicht mit dem ebenfalls Sandwichinseln genannten Hawai-Archipel verwechselt werden darf. Von hier aus fuhr er wieder nach Norden und kehrte nach dreijähriger Abwesenheit am 13. Juli 1775 wieder nach England zurück.

Die Ergebnisse der zweiten Weltreise Cooks waren noch grösser und bedeutungsvoller als die der ersten und wurden weit über England hinaus anerkannt. Vor allem ist die Reise durch das ausgezeichnete Buch, das J. R. Forster darüber schrieb, in weitesten Kreisen bekannt geworden. Die beiden Forster, die für ihre grossen Verdienste von der englischen Regierung später in schmählicher Weise behandelt wurden, sind übrigens die ersten Vertreter der naturwissenschaftlichen Reiseforschung, die ja später besonders durch Humboldts und Darwins Reisen so wichtige Ergebnisse erzielt hat.

Waren es bisher Entdeckungsaufgaben im Süden des Erdballs gewesen, die man Cook anvertraut hatte, so tauchte jetzt der alte Plan wieder auf, eine nördliche Durchfahrt nach Japan und China aufzufinden. Schon im Jahre 1745 hatte das englische Parlament für die Entdeckung einer Durchfahrt um das nördliche Amerika eine Prämie von 20 000 Pfund Sterling ausgesetzt, und jetzt wurden demjenigen, der sich dem Nordpol bis auf etwa einen Grad nähern würde, 5000 Pfund zugesichert. Cook erhielt nunmehr den Auftrag, um das südliche Afrika und Australien in den Stillen Ozean hineinzusegeln und dann nördlich bis zur Beringstrasse zu fahren, um von dort einen Weg durch das nördliche Eismeer zu suchen und Amerika oder Asien zu umfahren.

Schon im Februar 1776, also kaum ein halbes Jahr nach seiner Rückkehr, begann man mit der Ausrüstung der »Resolution«, und am 12. Juli verliess Cook England. Ein zweites Schiff unter Kapitän Clarke stiess am Kap der Guten Hoffnung zu ihm. Die Bemannung bestand diesmal fast ausschliesslich aus Seeleuten; die grossen Männer der Wissenschaft, die durch das Verhalten des Lord Sandwich, des Chefs der Admiralität, gekränkt waren, hielten sich zurück. Auch mochte wohl Cook selber, der bei all seinen nautischen Kenntnissen sonst wenig Verständnis für wissenschaftliche Dinge hatte, und der sich nur wohl fühlte in der Gesellschaft einfacher Matrosen, innerlich froh sein, dass er nicht mehr auf geistig ihm überlegene Menschen Rücksicht zu nehmen brauchte. Jedenfalls zeigte er auf dieser dritten Reise den Eingeborenen gegenüber manchmal ein wenig kluges, ja rohes Benehmen, was ihm dann auch das Leben kosten sollte.

Vom Kap der Guten Hoffnung fuhren die beiden Schiffe zunächst nach den nackten und öden Kergueleninseln, deren Küsten und Häfen bestimmt wurden. Cook hätte sie am liebsten Verzweiflungsinseln genannt, so trostlos sahen sie aus. In gerader Richtung ging es nun im Januar 1777 zu der 1642 durch Abel Tasman entdeckten grossen Insel Tasmanien, die auch Cook noch für einen Teil von Australien hielt. Sie wurde damals Vandiemensland genannt. Die Bassstrasse, die die Insel vom Festlande trennt, ist erst später aufgefunden worden.

Im Dezember ging es dann nach Norden. Am Weihnachtstage wurde die einsam gelegene Weihnachtsinsel entdeckt und bald darauf, am 18. Januar 1778, die berühmten, für Cook selbst später so verhängnisvollen Sandwichinseln, die ja jetzt allgemein Hawaiinseln genannt werden.

Cook begnügte sich für diesmal damit, die Lage der Inseln, die übrigens schon im Jahre 1527 von strandenden Spaniern entdeckt und dann 1555 von Juan Gaetano wiedergefunden waren, genau festzustellen, und gab ihnen nach seinem Gönner, dem Admiral Sandwich, ihren Namen. Er segelte jetzt nach Nordosten weiter, um das von Drake entdeckte Neu-Albion, die Westküste von Nordamerika, zu erreichen.

Am 7. März erreichte er in der Gegend des Kaps Mendocine Land und fuhr nun nordwärts, bis er, von Stürmen und Nebeln bedrängt, in der Nootkabucht auf der Insel Vancouver vor Anker ging. Niemand hatte erwartet, dass die Küste hier so weit nach Westen ging, denn die Aufzeichnungen Drakes waren ja nichts weniger als zuverlässig gewesen.

Beim weiteren Nordwärtsfahren zwang ihn das stürmische Wetter, sich weiter von dem klippenreichen Ufer entfernt zu halten, so dass er es erst wieder fast beim 60. nördlichen Breitengrad erreichte. Dann aber folgte er unter genauen Messungen und Berechnungen der Küstenlinie und liess sich auch nicht beirren, als sie plötzlich ganz nach Westen und dann sogar nach Südwesten verlief. So entdeckte er die Halbinsel Alaska und an deren äusserster Spitze anschliessend die Inselgruppe der Aleuten, wo er auf der Insel Unalasehka Anker warf.

Hier begegneten die Engländer zum erstenmal den Bewohnern der Nordpolarwelt, den Eskimos, die sich ihnen sehr freundlich und hilfreich erwiesen und durch ihre Erzählungen bei Cook grosse Hoffnungen auf das Gelingen der Durchfahrt erweckten. Er fand auch auf den Inseln russische Pelzjäger und begriff sofort, welche Bedeutung der Pelzhandel vielleicht für die Engländer haben könnte.

Unter grossen Erwartungen nahm er seine Nordfahrt wieder auf, indem er der Nordküste der Halbinsel Alaska folgte, die ganze grosse Bristolbai und dann die Kuskoquimbai aufnahm und durch die Nelsonstrasse in den Nortonsund segelte. Endlich wurde der westlichste Punkt von Amerika, das Vorgebirge des Prinzen von Wales, umfahren: die Einfahrt in das Nordpolarmeer war erreicht.

Fünfzig Jahre früher hatte schon der Däne Vitus Bering, der in russischen Diensten stand, festgestellt, dass hier eine Meerenge Asien und Amerika trennte. Sie trägt, ebenso wie das südlich davon befindliche Meer, noch heute seinen Namen. Cook aber drang als Erster weiter nach Norden vor, freilich ohne grossen Erfolg zu haben. Er gelangte bis über den 70. Breitengrad hinaus, wo ihm hohe, unbewegliche Eismauern jedes Vorwärtsdringen verwehrten. Auch trat Mangel an Nahrungsmitteln auf, und die Matrosen begannen sich von Robben und Seekälbern zu ernähren. Diese Seetiere waren allerdings in ungeheueren Herden vorhanden, und gerade Cooks Schilderungen haben dazu beigetragen, dass hier im Beringsmeer später ungeheure Schlächtereien an den wehrlosen Robben verübt wurden. Am interessantesten waren den Engländern die Walrosse. Sie lagen zu vielen Hunderten auf dem Eise, zusammengedrängt wie die Schweine, und brüllten so laut, dass sie bei Nacht oder Nebel die Schiffe auf die Nähe des Eises aufmerksam machten, noch ehe es erblickt werden konnte. Niemals fand man eine ganze Herde schlafend, einige waren stets auf der Lauer und weckten die anderen, sowie sich ein Boot näherte. Im Nu waren sie dann alle wach, beeilten sich aber nur selten zu entfliehen, ehe der erste Schuss gefallen war. Dann aber wälzten sie sich in wilder Flucht eins über das andere ins Meer, und wenn ein angeschossenes Tier nicht sofort tot liegen blieb, so ging es gewöhnlich verloren. Die Walrosse kamen den Engländern gar nicht so gefährlich vor, wie man sie oft geschildert hatte, und sahen schrecklicher aus, als sie waren. Doch verteidigte ein Muttertier sein Junges bis aufs äusserste, und auch das Junge verliess die Mutter nicht nach dem Tode, so dass es eine leichte Beute wurde, wenn erst die Mutter erschossen war.

Cook beschloss nun, während der kalten Jahreszeit nach Süden zu gehen und im nächsten Sommer einen erneuten Vorstoss in das Eismeer zu machen. Inzwischen wollte er die auf der Hinfahrt entdeckten Sandwichinseln erforschen. Anfangs November 1778 erreichte er die Inselgruppe und am 17. Januar 1779 ging er auf der grössten Insel Hawai in dem Hafen, den die Eingeborenen Kealakeakua nannten, vor Anker.

Zu ihrem Staunen entdeckten die Engländer, dass die Eingeborenen fast die gleiche Sprache und ganz ähnliche Sitten wie die ziemlich weit entfernten Tahitianer hatten. Auch sie kamen den Fremden sehr arglos und freundlich entgegen und schleppten bereitwillig Nahrungsmittel herbei. Cook selbst hielten sie anfangs für eine sagenhafte, zurückgekehrte Gottheit und erwiesen ihm dementsprechende Ehren.

Die Engländer liessen es sich auch hier nach den Strapazen und Entbehrungen des Polarmeeres wohl sein und labten sich an Schweinebraten und reichlichem Obst. Cook konnte die beiden Schiffe mit neuem Pökelfleisch versehen, und noch am Vorabend der Abreise, die auf den 4. Februar festgesetzt war, liess der König eine ganze Schweineherde herbeitreiben, damit es den Weissen nicht an frischem Fleische fehlen sollte. Nun aber kam der von den Engländern selbst verschuldete Umschwung.

Am 4. Februar hatten die Schiffe den Hafen verlassen, wurden aber auf der See von einem solchen Sturm überfallen, dass sie mit argen Beschädigungen zurückkehren mussten, um ausgebessert zu werden. Zu ihrem Staunen bemerkten jetzt die Engländer bald, dass die Einwohner ihre bisherige Zutraulichkeit aufgegeben hatten und ihnen überall scheu auswichen. Am Strand liess sich überhaupt niemand sehen, und es schien, als ob die Insel umgekommen wäre.

Der Grund lag aber weniger in den rohen Ausschreitungen, die sich Cook und die Matrosen gegen die Insulaner hatten zuschulden kommen lassen, als in der Rücksichtslosigkeit, mit der Cook überall die religiösen Gefühle der Eingeborenen verletzte und schliesslich die Umzäunung ihres Nationalheiligtums als Brennholz wegschleppen liess.

Es gab nun immer mehr Unruhen, und ein europäisches Boot wurde von den erzürnten Eingeborenen heimlich weggenommen und versteckt. Um dieses Boot wiederzuerlangen, zog Cook mit einer bewaffneten Abteilung ans Land und war, ohne direkt belästigt zu werden, bis zur Hütte des Königs vorgedrungen, um diesen mit Güte oder Gewalt zu bewegen, als Geisel auf sein Schiff zu kommen. Der König war auch dazu bereit, wurde aber durch die Vornehmsten seiner Untertanen zurückgehalten, so dass sich Cook langsam nach dem Ufer zurückziehen musste.

Trotzdem wäre noch alles gut gegangen, wenn man nicht von den englischen Booten aus auf einige Kähne der Eingeborenen geschossen und dabei einen Häuptling von hohem Range getötet hätte. Dadurch brach am Land eine Panik aus und die erschreckten Insulaner fielen über Cook und seine Begleiter her. Solange Cook den Eingeborenen sein Gesicht zuwandte, wagte keiner, sich an ihm zu vergreifen. Als er sich aber umdrehte, traf ihn von hinten ein Dolchstoss in den Schultern, so dass er tot zu Boden stürzte. Dies geschah am 14. Februar 1779, morgens 8 Uhr.

Der Leichnam des grossen Seehelden wurde wahrscheinlich aus Aberglaube in viele Stücke zerschnitten, die man an einzelne Häuptlinge verteilte. Doch bat schon am nächsten Tag der König um Frieden, und es gelang, wenigstens einen Teil der Ueberreste wieder herbeizuschaffen, die dann im Meere bestattet wurden.

Die beiden Schiffe segelten nun unter dem Befehl Clarkes nochmals nach Norden, konnten aber nichts ausrichten, und Clarke starb in Kamschatka infolge der Strapazen. Unter Führung des Leutnants Gore kehrte daher die Expedition über China und das Kap der Guten Hoffnung nach England zurück, wo sie am 22. August 1780 nach mehr als vierjähriger Abwesenheit wieder eintraf.

Mit Cook starb ein Seefahrer, der die grössten geographischen Rätsel seiner Zeit gelöst und überall das Dunkel gelichtet hat, das vorher über den Meereswegen lag. Nach ihm konnten zwischen dem 70. nördlichen und dem 70. südlichen Breitengrad keine grösseren Entdeckungen mehr gemacht werden, der Erdball war nunmehr, wenigstens zur See, von einem bis zum anderen Ende bekannt. Mit Cook geht auch die Zeit der Romantik des Seefahrerlebens zu Ende, das Meer verlor immer mehr seine Schrecken, aber es verlor auch seine Wunder und Fabeln, mit denen es die Phantasie alter Völker ausgestattet hatte. Das 19. Jahrhundert der exaktwissenschaftlichen Forschung begann.

siehe Bildunterschrift

A Seelöwe, B Anta oder Tapir, C Paradiesvogel, D Pinguine, E Fliegender Fisch, F Guanako. Seltsame Tiere Südamerikas. Aus Carlo Amorettis Reise. 1800.

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