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Johann Fischart: Die Ehe - Kapitel 1
Quellenangabe
typepoem
booktitleGlückhaftes Schiff von Zürich
authorJohann Fischart
year1828
publisherC. F. Osiander
addressTübingen
titleDie Ehe
pages6
created20100224
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Die Ehe,

ein künstlich vnd lehrreich Tantzliedlein

im Thon des Allemant d'amour Tantz

gestellet von

Johann Fischart

Mentzer genannt.

 


 

        I.
Kein grösser freud,
Als wo zwey gleiche Hertzen
Einander lieben beid, :||:
Kein grösser leid,
5   Dann mit vndanck vnd schmertzen
Lieb haben on bescheid.
Dann gleich vnd gleich
Gesellt sich gleich, :||:
Vngleich gepreuch
10   Trennen ein Reich.
Derhalben wol :||:
Ein jeder soll
Seins gleichen jm erlesen,
Das auch die Lieb gleich steh, :||: 236
15   Dann bei vngleichem wesen
Sind vngleich Sinn vnd Eh.
 
II.
Es schicken sich
Nicht gleich allerhand Blumen
Zusamen ordenlich, :||:
20   Sonder man sicht,
Das fein zusamen kommen
Die Gruch vnd farb verpflicht;
Dann so die ein
Solt riechen rein, :||:
25   Die ander sein
Stinckend on schein,
So schänd je eyns :||:
Dem andern seins;
Also ist mit der Bulschafft,
30   Da muß ein gleicheyt sein, :||:
Vnd ein anmut zur Huldschafft,
Sonst kompts nicht vberein.
 
III.
Dann wer ist der,
So ein vngleich par Rinder 237
35   Kan zwingen vngefär, :||:
Daß es daher
Ziecht gleich keins meh noch minder,
Dem will ich folgen sehr;
Aber ich halt,
40   Das mann nicht bald :||:
Find solcher gstalt
Ein, ders verwalt;
Also ist auch :||:
Inn lieb der brauch,
45   Da spannt mann nicht zusammen
Zwey vngleich Hertzen nur, :||:
Sonder die zsammen kamen
Auß Anmut der Natur.
 
IIII.
Alsdann wird leicht
50   Als, was sie jn fürnemmen,
Weil sich jr Gmüt vergleicht, :||:
All vnwill fleucht,
Thut keins sichs andern schämen.
Die Lieb all fähl verstreicht,
55   Vnd keins rupfft auff
Dem andern den kauff, :||: 238
Das es zu hauff
Gezwungen lauff,
Sonder sie seind :||:
60   Fridsam verfreundt,
Gedencken, das sie beyde
Gott so zusammen fügt :||:
Auß der Natur bescheyde,
Welche dann nicht betreigt.
 
V.
65   Derhalben auß,
Was sich nicht recht vereinet!
Es macht sonst eng das Hauß; :||:
Aber vorauß
Ist eynigkeyt das Kleynet,
70   Welchs macht, das man wol haußt,
Dann wie solln, secht,
Zwey tantzen recht, :||:
So das eyn schlecht
Nicht folgen möcht:
75   Also wie soll :||:
Die Lieb stehn wol,
So daß ein sicht gehn Norten,
Das ander sicht gen West, 239
Wie Adler auff den Orten:
80   Eins schirt, das ander lescht.
 
VI.
Aber wie süß,
Wo gleich Mensurlich tretten
Zur Melodei die Füß! :||:
Dann je gewiß
85   Der Tantz der ist ein Schätten,
Wie lieb vnd Eh sein müß,
Das wie der gang
Geht nach dem Klang, :||:
Also on zwang
90   Ir Hertz auch gang
Nach beider will :||:
Gestimmt in still.
Wo dann sich eins so stimmet
Nachs andern Sinn vnd Stimm, :||:
95   Als dann der Spruch sich gzimmet,
Das, was sich reimt, sich rüm. –
 
VII.
Drumb hab ich mir
Meins gleichen ein erwehlet, 240
So ist die Blum vnd zir, :||:
100   Vnd nur nach jr
Muß sein mein Hertz gestellet
Von nun an für vnd für!
Sie ist der Klang,
Nach dem ich gang! :||:
105   Sie ist das Gesang,
Nach dem ich hang!
Sie ist die Lieb, :||:
Inn der ich leb!
Sie ist mein Rhu vnd Friden,
110   Inn der ich rhu auff Erd! :||:
O Gott, gib du eim jden,
Das jm sein Eua werd!

 


 








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