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Unbekannte Autoren: Die Edda - Kapitel 25
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typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleDie Edda
publisherVerlag von Moritz Diesterweg
year1910
translatorWilhelm Jordan
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
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Helgi Hörwardsohn

Fra Hiorvarđi ok Sigurlinn eđr Helgaquiđa Haddingia-skata

I.

Ein König namens Hörward hatte vier Frauen. Die erste war Alfhild; ihr Sohn hieß Hedin. Die zweite hieß Säreida, ihr Sohn Humling; die dritte Sinrioda, ihr Sohn Hymling. Hörward hatte eidlich gelobt, [auch noch] die Frau zu heiraten, von welcher er erführe, daß sie die allerschönste sei. Er vernahm, daß König Svafner das schönste aller Mädchen namens Sigurlinn zur Tochter habe. Einer seiner Jarle hieß Idmund, dessen Sohn Atli. Letzterer fuhr aus, um Sigurlinn seinem König zu freien. Einen Winter über weilte er beim König Svafner. Dort hieß ein Jarl Franmar, der war Sigurlinns Erzieher. Dessen Tochter hieß Alöf. Der Jarl riet, die Maid zu verweigern, und Atli kehrte heim. – Eines Tages stand der Jarlssohn Atli an einem Walde. Über ihm in den Zweigen saß ein Vogel. Der hatte zugehört, wie Atlis Begleiter die Gemahlinnen des Königs Hörward für die schönsten aller Frauen erklärt. Nun kicherte der Vogel, und Atli lauschte, was er wohl sage. Der Vogel sprach:

1

Zu 1. Die vierte Halbzeile lautete ursprünglich nicht i munar –, sondern i mundar – heimi. mundr ist das Brautkaufgeld. Vgl. Sig. Qu., I,30 mun ek mey ná mundi kaupa. Also wie ich es mittelst Einschaltung einer Zeile ausführe: das schönste Mädchen einer Heimstatt, in welcher vor der Werbung Zahlung zu leisten ist. Will sagen: mich erst bestechen mußtest du, um Erfolg zu haben mit deiner Sendung. Der Vogel ist nämlich, nach der bald folgenden Prosaglosse, eben jener Jarl ( Franmar, d. i. der schlangenhaft Verschmitzte), der nach der Einleitung als Erzieher Sigurlinns die Werbung abschläglich zu bescheiden geraten hat. Atli scheint ihn, nach seiner spöttisch gefärbten Antwort in 2 zu schließen, in seiner Zaubermaske zu durchschauen. – glasis-lundi in Halbvers 8 ist weder Eigenname noch bedeutet es Goldblatthain. glasir, gebildet von gloa, strahlen, glänzen, Glanz, besonders Goldglanz, daher auch Name des vor Walhall gelegenen Hains mit goldenen Blättern; oft eben nur Gold. Hier aber ist glasis lundr der redende Adler, in dem der Gold oder Goldglanz Begehrende, der Goldglänzer Franmar steckt, denn lundr hat in einer Menge von Kompositen (z. B. auþlundr, raeki-l. reyki und vig-lundr) genau den Dienst unserer Endung er in Tischler, Schiffer usw., d. h. es bezeichnet das männliche Subjekt der mit dem vorgesetzten Wort angegebenen Tätigkeit. at hier: in Gegenwart des, vor dem usw.

Sigurlinn sahst du, Svafners Tochter,
Die Schönste des Landes, in dem einen Schatz erst
Der Freier zahlt, um die Frau zu bekommen,
Und lassest doch loben von deinen Leuten
Vor dem Goldglanzheischer die Gattinnen Hörwards?

Atli.

2

Beliebt's dir vielleicht, gelehrter Vogel,
Mit Idmunds Sprößling ferner zu sprechen?

Der Vogel.

Des bin ich erbötig, wofern dein Gebieter
Mit Opfer mich ehrt und mir auszuwählen
Erlauben will nach meinem Belieben,
Was am Fürstensitz mir gefallen sollte.

Atli.

3

Wenn du weder ihn selbst, noch seine Söhne,
Noch die tugendlichen Töchter des Fürsten forderst.
Noch seine Kebsen, dann können den Kauf wir
In Freundschaft und Güte gültig toppen.

Der Vogel.

4

Zu 4. Die Forderung eines ergiebigen Landguts mit zugehörigem Vieh ist so ausgedrückt, als behaupte der vogelgestaltige Zaubermeister, ein Gott zu sein und ein Heiligtum zu verlangen.

Ich wähl' ein Gehöft mit weitem Haine,
Eine Herde dazu von goldgehörnten
Stattlichen Küh'n aus den Ställen des Königs,
Wenn, frei dem Fürsten zur Heimat folgend,
Die Maid sich entschließt, mit ihm zu schlafen.

Dies geschah vor Atlis Heimkehr. Als er zu Hause ankam und der König ihn frug, welche Zeitung er bringe, gab er zur Antwort:

5

Gefahrvolle Reise, – gering der Erfolg!
Auf steilem Saumpfad versagten die Stuten;
Dann mußten wir waten durch Watten des Meeres.
Die wir begehrten, die goldgeschmückte,
Tochter des Thans, ward uns verweigert.

II.

Der König befahl ihnen, nochmals hinzureisen, und zog selbst mit. Als sie das Gebirge erstiegen hatten und nach Swawaland hinabschauten, sahen sie Feuersbrünste und Staubwolken von Reiterscharen. Der König ritt vom Berg ins Land hinunter und nahm sein Nachtlager an einem Fluß. Atli führte die Vorhut und setzte über den Fluß, wo er ein Häuschen fand. In diesem saß ein großer Vogel als Hüter, war aber eingeschlafen. Diesen Vogel schoß Atli tot mit seinem Spieß. Im Hause fand er Sigurlinn, die Tochter des Königs, und Alöf, die Jarlstochter. Beide Mädchen nahm er mit. Franmar, der Jarl, war es, der sich die Adlervermummung angezogen, um sie mit Zaubermacht vor dem feindlichen Heere zu schützen. Denn König Rodmar, ein Freier der Sigurlinn, hatte den Swawenkönig erschlagen, das Land verwüstet und verbrannt. So gewannen König Hörward und Atli die Sigurlinn und Alöf zu Frauen. Hörward und Sigurlinn bekamen einen Sohn, der groß und schön, aber schweigsam war und keinen bestimmten Namen beigelegt erhielt. Einst, auf einem Hügel sitzend, sah er neun Walküren geritten kommen. Eine derselben, die allerschönste, redete ihn an:

6

Spät erst, Helgi, du Held und Heerfürst,
Wirst du Ringverteiler und Röter der Walstatt
(Das sang ein Adler vor Sonnenaufgang),
Wenn stets du stumm bleibst, obwohl du die Stärke
Und den Mut verspürst zum Meister im Speerkampf.

Helgi.

7

Bestrickende Maid von strahlender Schönheit,
Was bescherest du mir als Godenschenkung
Bei der Namenswahl? Erwäg' es reiflich.
Ich nehme den Namen Helgi nur an,
Wenn du dich selbst mir dazu in Besitz gibst.

Swawa.

8

Auf Sigars Eiland sind sechsundvierzig
Schwerter verborgen. Dem besten derselben
Hemmt keine Brünne den Weg in die Brust.
Die Klinge zieren Zeichen von Gold;

9

Ein Ring dicht am Heft, ein Herz in der Mitte,
Der Spitze zunächst das Gespenst des Schreckes
Vor dem, der es schwingt. An der Schneide des Schwertes
Reckt sich geringelt und rot wie blutend
Eine Natter hinauf, die nahe dem Stichblatt
Den Schlangenschwanz zur Schleife zurückbiegt.

Des Königs Eylimi Tochter war diese Swawa. Sie war Walküre und ritt Luft und Flut. Sie hatte dem Helgi diesen seinen Namen gegeben, ihn seitdem auch oft in der Schlacht beschützt.

III.

Helgi sprach zu seinem Vater:

10

Hörward, du bist kein Heilrat-Herrscher,
Ob auch noch so belobt als Lenker der Schlacht;
Denn lässig erlaubst du, daß loderndes Feuer
Die Felder und Festen der Fürsten verwüste,
Die doch dich als Feinde niemals befehdet.

11

Doch Rodmar darf die Ringe verteilen,
Die unsre Verwandte »Unsre Verwandte«: die Familie Svafners, Vaters der Sigurlinn, Großvaters von Helgi. weiland besessen.
Nicht viel am Leben gelegen scheint ihm.
So stellt er sich an, als wären verstorben
Die Erben der Schätze, mit denen er schaltet.

Hörward versprach dem Helgi Mannschaft, wenn er den Vater seiner Mutter rächen wolle. Da holte sich Helgi das Schwert, welches ihn Swawa finden gelehrt. Mit Atli zog er aus, den Rodmar niederzuwerfen, und sie verrichteten viele Großtaten. Auf einem Berge saß der Riese Hati. Den erschlug Helgi. Während seine Schiffe im Hataforde lagen und Atli die erste Nachtwache hielt, sprach Hrimgerd, die Tochter Hatis:

12

Wie heißen die Helden im Hataforde,
Bezeltet mit Schilden sind eure Schiffe.
Bis zur Todesverachtung tollkühn seid ihr.
Nenne mir nun deines Königs Namen.

Atli.

13

Helgi heißt er. Hoffe nimmer,
An meinem Gebieter Bosheit zu üben.
Eine Burg von Eisen birgt ihm die Flotte;
Uns kann kein Bergweib Böses antun.

Hrimgerd.

14

Wie nennst du dich selbst, du sorglos Kecker?
Wie wirst du genannt von deinen Genossen?
Auf deine Treue vertrauend, trug dir
Dein Fürst das wichtige Wächteramt auf
Auf dem schmucken Bugdeck an Bord des Bestschiffs.

Atli.

15

Ich heiße Atli, und Adels-Ingrimm Atli–Atla, Wortspiel.,
Das wisse, will ich an dir bewähren,
Denn heftig hass' ich die Hexen der Berge.
Mein Standort ist stets am Steven des Buges,
Den die Wogen umspülen. Da wehr' ich Gespenstern
Und schlage nieder die Nachtunholde.

16

Doch nenne mir nun auch deinen Namen,
Tu nach Leichen lüsternes Larvengezüchte,
Auch deinen Vater, garstige Vettel.
O tauchtest du tot neun Tagereisen
In die Tiefe hinab, und Tannenzweige
Schössen empor aus deinem Schöße.

Hrimgerd.

17

Hati hieß der Vater Hrimgerds,
Der Riesen stärkster. Zu raschem Sterben
Holt' er aus den Häusern Mädchen in Menge,
Bis ihn selbst nun Helgi entseelt hat.

Atli.

18

Zu 18. Du hättest deine Absicht, uns der Göttin der Tiefe, Ran, zur Beute zu geben, d. i. zu ertränken, auch durchgesetzt, wenn dir nicht kaemiþ i Þverz in die Quere gekommen wäre, die Harpune. Eine solche Waffe nämlich muß gemeint sein mit dem auf Þverz stabreimenden Worte Þvari. Es bedeutet sonst, wie auch þvara, Kelle, Spaten; hier also einen vom Schiff aus verwendbaren Stoß- oder Wurfspeer mit kellenförmiger, einem dreieckigen Spitzspaten oder einer gebarbten Pfeilspitze ähnlicher Schneide. Vgl. dolg-þvari, Schlachtkelle, und böl-þvari, Bolzenspitze. Atli meint, Hrimgerd sei aufgetaucht als ein walartiges Seeungeheuer, um die Einfahrt der Schiffe zu hindern.

Du hindertest, Hexe, die Schiffe des Herrschers,
Du legtest dich lauernd vor in der Föhrde,
Um die Mannen des Königs zur Meeresgöttin
Hinauszutreiben und dort zu ertränken.
Und packtest dich erst vor meiner Harpune.

Hrimgerd.

19

Zu 19. Ein König Laudver (entspr. dem deutschen Namen Hlod-, Chlod-Ludwig) ist im Wielantsliede Vater der Schwanweiß und Allwiß. In welchem Sinne Laudvers Söhne hier erwähnt werden, ist nicht zu ermitteln. Wäre etwa in einer anderen Fassung dieser Sage in Strophe 11 statt Rodmars dieser Lodver als Usurpator der Hinterlassenschaft Svafners genannt gewesen, dann könnte Hrimgerd mit dieser Anführung meinen: Nicht ich versuchte, eure Einfahrt zu hindern; vielmehr habe ich sogar zu euren Gunsten gehandelt, indem ich eure Feinde ertränkte.

Du irrest, Atli. Bis über die Augen
Runzelst du brütend die Brauen und träumst wohl.
Meine Mutter war es, die deines Meisters
Schiffen die Fahrt in den Ford verlegte.
Ich ließ vielmehr die Söhne Lodvers
In des Meeres Tiefen hinuntertauchen.

20

Zu Strophe 20. Instar equae, erecta cauda admissarii salitionem invitantis, Hrimgerda Atlio coitum offert. Conf. Horatii Satir. II 7, 50 Clunibus aut agitavit equum lasciva supinum.

Wiehern vor Lüsternheit würdest du, Atli,
Wärst du kein Wallach, da willigst Hrimgerd
Den Schweif bereits auf die Seite geschwenkt hat.
Doch obgleich du stark mit Stimme versehn bist,
Ich glaube, du hast dein Herz im Hintern.

Atli.

21

Dürft' ich vom Deck ans Gestade steigen
Und mäßen wir uns, – du fändest mich mannhaft
Mehr als dir lieb. Lodernd von Ingrimm
Lähmt' ich den Leib dir, daß zag und lustlos
Deinen Hexenschweif du hängen ließest.

Hrimgerd.

22

Wähnst du so stark dich, so komm' ans Gestade,
Bei Warinswiek die Probe zu wagen.
Verrenkte Rippen, prahlender Recke,
Nähmst du als Preis heim aus meinen Pranken.

Atli.

23

Meine Schuldigkeit ist's, auf dem Schiffe zu bleiben,
Bis andere wechselnd den Fürsten bewachen;
Zu leicht sonst taucht ein Scheusal der Tiefe
Unter dem Kiel auf und macht uns kentern.

Hrimgerd.

24

Helgi, Helgi, erwache! Den Hati
Tötetest du. So hast du der Tochter
Dafür zu büßen. Sie will als Buhle
Neben dem Fürsten eine Nacht ruhn.
So entschädige mich und sühne deine Schuld.

Helgi.

25

Du Männerekel, dir mag sich vermählen
Der auf Tolley heimische Thurs mit dem Hundskopf
Und zottigem Leibe, Lodin genannt. Loþin = der Lodige, Zottige.
Für dich ist der häßliche Höhlenunhold
Der begehrenswerteste, würdigste Gatte.

Hrimgerd.

26

Zur Liebsten, Helgi, hättest du lieber
Jene von Goldschmuck prangende Jungfrau,
Die vorige Nacht hier deinen Genossen
Mit Umsicht angab die Ankerplätze.
Sie dünkte mir mächtig. Vom Deck des Schiffes
Ans Gestade stieg sie an dieser Stelle
Und befahl, die Flotte so festzulegen.
Nur von ihr verursacht ist meine Ohnmacht
Eure Mannen alle zu morden.

Helgi.

27

Wenn ich erbötig zur Buße sein soll,
So sage mir ferner, mir, dem Fürsten:
Beschirmte die Schiffe nur eine Schutzfee,
Oder erschien eine Schar von solchen?

Hrimgerd.

28

Drei Riegen Jungfraun kamen geritten.
Doch dem Haufen voran eine herrlich behelmte.
Von den Mähnen der trabenden Mähren träufte
In die tiefen Täler Tau und Regen,
Und auf hohe Wipfel wetterte Hagel.
Das alles zu schauen, schuf mir Ärger;
Denn die Ernte vom Acker mehrt's ja den Menschen.

Atli.

29

Reifhexe richte nach Osten die Augen!
Dich täuschte tödlich hinunter ins Nachtreich
Die Rede Helgis. Gerettet sind nun
Die Kiele sowohl als die Kämpen des Königs.

30

Du säumtest, bis entseelend die Sonne dich anstrahlt,
Und verlierst dein Leben, verlockt von Atli.
Belacht als zum Hafen leitende Landmark
Stehst du versteinert hinfort am Gestade.

IV.

König Helgi war ein gewaltiger Kriegsmann. Er kam zum König Eylimi und warb um dessen Tochter Swawa. Helgi und Swawa schwuren sich Treue und liebten einander wundersam innig. Swawa befand sich daheim bei ihrem Vater, Helgi aber auf einem Kriegszuge. Swawa war jedoch immer noch Walküre wie zuvor. Hedin weilte zu Hause bei seinem Vater Hörward, dem König in Norweg. Vom Julfest heimkehrend, wanderte einst Hedin einsam durch den Wald. Da begegnete ihm, reitend auf einem mit Schlangen aufgezäumten Wolf, ein Zauberweib. Sie bot es dem Hedin an, ihn zu begleiten. »Nein«, sagte er. – »Das sollst du mir büßen beim Trinken aus Bragis Becher!« versetzte sie. – Abends wurden bindende Gelöbnisse getan und dazu der Sühneber herbeigebracht, auf den die Gäste ihre Hände legten, indem sie beim Bragitrunk feierliche Verlobungen eingingen. Da band sich Hedin mit dem Gelöbnis, Swawa, die Tochter Eylimis, die Geliebte seines Bruders Helgi, als Gattin heimzuführen. Das gereute ihn hernach so sehr, daß er auf Wildniswegen südwärts zog, bis er seinen Bruder Helgi traf. Helgi sagte:

31

Willkommen, Bruder. Du bringst wohl Kunde,
Daß sich in Norweg Neues begeben?
Ohne Gefolge fährt kein Fürst sonst.
Bist du verbannt? Was hast du zu büßen?

Hedin.

32

Böseres tat ich als Bannbestraftes:
Gelobend erkor ich die Königstochter
Beim Bragitrunke, die deine Braut ist.

Helgi.

33

Verdamme dich nicht. Mir deucht, noch erfüllen
Kann sich, und bald, dein Becherbekenntnis.
Mich erwartet ein Fürst zum Gefecht auf der Walstatt,
Wann die dritte Nacht auf die Neige gegangen.
Wer weiß, wer weiß, ob ich wiederkehre!
Ohne Schuld mag's geschehn, wenn das Schicksal es fügt.

So hatte Helgi gesprochen in der Vorahnung nahen Todes, weil er meinte, daß seine Schutzgeister [ihn verlassen und] sich dem Hedin zugesellt, als dieser das auf dem Wolfe reitende Weib erblickt.

Hedin.

34

Bisher, o Helgi, dünkte dir Hedin
Deiner Liebe würdig und werten Lohnes;
Jetzt stünd' es dir besser, den Stahl zu röten,
Als mir, dem Frevler, Frieden zu geben.

Helgi.

35

Die dich im Dunkel der Dämmrung damals
Auf dem Wolfe reitend begleiten wollte,
Die sah's schon sicher, daß Sigurlinns Sprosse
Fallen soll auf dem Felde Sigars.

König Alf, der Sohn Rodmars, hatte auf dem Felde Sigars einen Platz mit Haselgerten abgesteckt zu dem nach dreier Nächte Frist bestimmten Kampf mit Helgi. Da gab es ein scharfes Treffen, und Helgi wurde tödlich verwundet.

36

Da hieß den Sigar Helgi reiten
Und holen Eylimis einzige Tochter.
Sie solle sich sputen und spornstreichs kommen,
Um den Fürsten vielleicht noch lebend zu finden.

Sigar.

37

Hierher, o Swawa, sandte mich Helgi.
Ich soll dir melden, der Männergebieter
Sehne sich sehr, dich noch einmal zu sehen,
Bevor er verhauche die Heldenseele.

Swawa.

38

Was begegnete Helgi, dem Hörwardsohne?
Grausame Trübsal hat mich betroffen,
Wenn das Meer ihn verschlang. Wenn ein Mann ihn erschlagen
Mit dem Schwert, so schwör' ich ihm schwere Rache.

Sigar.

39

Zu 39. Daß Sigar selbst den Kampfplatz nicht als »Sigars Feld« bezeichnet, sondern nach einem andern Merkzeichen in der Nähe, ist durchaus kein Widerspruch. Eben am Frekastein erschlägt der zweite Helgi, der Hundingstöter, den Hödbrod. Indem der Dichter diese Stätte schon hier erwähnt, verrät er, leise vorbereitend, seine Absicht, den ersten Helgi und Swawa als Helgi und Sigrun des zweiten Liedes wiedergeboren ahnen zu lassen.

Bei Frekastein ist heut in der Frühe
Der tapferste Fürst dem Tode verfallen,
Den die Sonne gesehen. Den Ruhm des Sieges
Errang sich Alf, der Sohn des Rodmar.
Ach, dürft' ich bessere Botschaft bringen!

Helgi.

40

Sei begrüßt, o Swawa. Beschwichte dein Grämen.
Dies Wiedersehn ist in der Welt hier das letzte.
Sie sagen, zu reichlich entriesle das Blut mir,
Weil hart am Herzen der Stahl mich durchstieß.

41

Du schwurst mir Treue, doch trockne die Tränen.
Gehorsam erfülle, was ich dir empfehle:
Meinem Bruder Hedin breite das Brautbett;
Den jungen Fürsten umfange dein Arm.

Swawa.

42

Als mich Helgi holte mit Hochzeitsgaben
Aus der Brautkaufstadt – unverbrüchlich da schwor ich,
In die Arme nie einen andern zu nehmen.
Wenn mein Verlobter das Leben verlöre.

Hedin.

43

Zu 43. Die Schneide vom Sinn der drei Halbverse

Kem ek eigi âđr
Rogheims â vit
nê Röþulsfialla

hat bisher niemand gefunden, weil sie, wie in der Edda sehr oft, im Namen versteckt liegt oder doch, wie hier, in zwei Worten, die man für Namen zu halten und unübersetzt zu lassen bequem fand. Auch bestreite ich nicht, daß der Dichter den Hedin zum Ausdruck seiner Reue und seines Entschlusses, sich der Swawa durch Entsagung und Rachegelöbnis eines Abschiedskusses wert zu machen, Worte von Namensform gewählt hat. Rog ist Vorwurf, Fluch, böser Leumund, verdammendes Urteil. Nach meinem Frevel, meint Hedin, wäre der Hof meines Vaters nur ein Fluchheim; denn dort gilt allen die Pflicht der Brudertreue für unantastbar heilig, und in diesem Sinn ist mein Heimatland ein Land der Heiligen, röþuls fialla, wofür vielleicht richtiger röþlar-f. zu schreiben wäre. Zur Bestätigung dieser vom Zusammenhang geforderten Auslegung diene eine Stelle, deren Beweiskraft nicht geschwächt wird durch den Umstand, daß sie weit späterer, entschieden christlicher Epoche angehört. Merlinus Spá 2,26 lesi Þeir röþla bokr: Sie mögen lesen die Legenden der Heiligen, die Bücher der vom Himmel erleuchteten Männer.

Küsse mich, Swawa. Ich kehre nimmer
Zurück in die Täler der redlichen Tugend,
Wo mein Los nur unlöblicher Leumund wäre
Eh' ich rächend gesühnt den Sohn des Hörward,
Der unter der Sonne der herrlichste Held war.

Von Helgi und Swawa geht die Sage, daß sie wiedergeboren seien.

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