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Unbekannte Autoren: Die Edda - Kapitel 15
Quellenangabe
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typelegend
authorUnbekannte Autoren
titleDie Edda
publisherVerlag von Moritz Diesterweg
year1910
translatorWilhelm Jordan
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20120706
projectidefbdb6c6
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Hyndlalied

Hyndlu lioþ

Vorbemerkung des Übersetzers

Zwischen Ottar und Angantyr besteht eine Wette um einen Schatz von Welschmetall, zugleich, wie es scheint, ein Streit um das Recht der Erbfolge in einem Fürstensitz. Stammbaumkunde und Aufzählung der Ahnen soll Wette und Erbfolge entscheiden. Ottar weiß aber nichts von seiner allervornehmsten, zu den berühmtesten Helden und selbst zu den Göttern zurückreichenden Herkunft. Seine Gönnerin Freya setzt ihn zu sich auf ihren goldborstigen Reiteber und bringt ihn so nach der Höhle einer riesenbürtigen, aller Fürsten- und Adelsgeschlechter kundigen Zauberin Hyndla. Sie veranlaßt diese, ihre heraldische Wissenschaft auszukramen, damit der zuhörende Ottar drei Tage später imstande sei, mit dem Gelernten den Erbstreit und die Wette zu gewinnen. Durch Eingürtung in einen Feuerkreis, eine Art von Waberlohe, erzwingt sie von ihr schließlich die Hergabe des Zaubermetes, welcher den Ottar befähigt, das Gehörte im Gedächtnis zu behalten.

Das wunderliche und rohe Lied ist so unbeholfen versifiziert als poetisch wertlos. Es besteht überwiegend aus Stammtafeln. Nur weil es auch einiger Hauptgestalten der Heldensage erwähnt, mag ihm der Vollständigkeit wegen, nachdem es einmal, sehr unverdient, in der Sammlung der Edda Aufnahme gefunden hat, auch hier ein Winkelplätzchen eingeräumt bleiben.

Die poetische Form zu erfüllen mit unpoetischem Inhalt ist schon dem Verfasser des Urtextes nahezu unmöglich gewesen. Der Nachbildner tut besser, diesen Widersinn gar nicht zu erstreben. Ich habe daher in diesem Stück nicht nur dem geregeltem Stabreim, sondern auch jedem Rhythmus und Verstakt entsagt. Ich übersetze in möglichst deckender Prosa, aber so angeordnet, daß jede Druckzeile zwei Halbverse des Originals wiedergibt.

1

Erwache, Maid der Maide, erwache, meine Freundin,
Schwester Hyndla, Höhlenbewohnerin.
Nun ist dunkelstes Dunkel; laß uns nun reiten
Nach Walhall zum heiligen Mann.

2

Bitten wir Hervatern, in unserm Geiste zu sitzen.
Er gibt und vergilt Gold den Würdigen.
Er gab dem Hermod Helm und Brünne
Und dem Sigmund ein Schwert in Besitz.

3

Den Söhnen gibt er Sieg, anderen Gold,
Beredsamkeit den Vornehmen, Mannwitz den Menschen,
Kaufleuten Fahrwind, Dichtung den Skalden,
Mannestüchtigkeit vielen Wackern.

4

Dem Thôrr wird sie opfern, von ihm erbitten,
Daß er immer gegen dich aufrichtig sich erweise,
Obwohl er nicht hold ist den Riesenjungfrauen.

5

Jetzt nimm deiner Wölfe einen aus dem Stall,
Laß ihn rennen mit dem Runen-Zaumgebiß.

Hyndla.

Dein Eber ist faul, Gottwege zu treten;
Ich will mein Roß, das treffliche, satteln.

6

Zu 6. i val-sinni = auf dem nach Val, dem Sitz der Schlachttoten, d. i. nach Walhall Reisenden. Du hast den Ottar mit dir zusammensitzen auf dem Reittier, das dich dahin bringen soll. Die folgende Strophe gebietet diese Auslegung.

Wunderlich bist du, Freya, mich zu versuchen;
Richtest die Augen auf uns so,
Und hast doch deinen Mann auf dem Walwärts-Traber,
Den jungen Ottar, den Sohn Innsteins.

Freya.

7

Bist irr, Hyndla, träumst, vermut' ich,
Wenn du nennst meinen Mann den auf dem Walwärts-Traber,
Dem glutglänzenden Watz, dem goldborstigen,
Dem Kampfeber, den mir dienstbar schufen
Zwei Zwerge, Daïn und Nabbi.

8

Zwiesprach aus den Sätteln laß uns sitzend halten,
Reden von den Königsgeschlechtern,
Von den Helden, die von Göttern abstammen.
Um Welschmetall Um eine Anzahl Armringe von goldähnlicher Bronze; vielleicht so benannt von der ersten Herkunft solchen Metalls aus Italien. wetteten darüber
Ottar der junge und Angantyr.

9

Es geziemt, zu helfen, daß der junge Fürstensohn
Erlange das Vatererbe, das Verwandte hinterlassen.
Er hat mir ein Heiligtum aus Steinen errichtet;
Nun ist das Gemäuer wie in Glas verwandelt;
Denn immer neu mit Ochsenblut rötet er es;
Immer fromm bewies sich Ottar den Asinnen.

10

Drum zähle nun auf die Ahnengeschlechter
Und ihre nachgeborenen Menschenstämme.
Welche sind Sköldunge, welche Skildinge,
Welche Audlinge, welche Ylfinge,
Welche herzogsbürtig, welche herrnbürtig
Von den vornehmsten Menschen in Mittgart?

Hyndla.

11

Du bist, Ottar, des Innstein Sprosse;
Innsteins Vater war Alf der Alte,
Der des Alf war Ulf, Sohn des Seefahr,
Seefahr ein Sohn Svans des Roten.

12

Zur Mutter hatte dein Vater die geschmeideprangende
Priesterin – Hledis, glaub ich, hieß sie –,
Ihr Vater war Frothi, ihre Mutter Friant.
Dieser ganze Stamm galt für hochadlig.

13

Ali war einst der Gewaltigsten einer,
Halfdan vordem der mächtigste Sköldung.
Berühmt waren die Feldschlachten, welche diese Kühnen stritten;
Ihre Taten schienen zu fliegen bis an die Ränder des Himmels.

14

Ihn stärkte verbündet Eymund der Erlauchte,
Der den Sigtrygg erschlug mit kalter Schneide.
Der gewann zur Gattin Almweig, die Hehre;
Sie erzeugten und erzogen achtzehn Söhne.

15

Von denen stammen Sköldunge und Skylfinge,
Audlinge, Ynglinge, Herzogbürtige und Herrnbürtige,
Der erlesenste Menschenschlag in Mittgart.
Die alle sind deine Ahnen, blöder Ottar.

16

Jener [Almweig] Mutter war Hildigunn,
Eine Tochter Swawas von einem Seekönig.
Die alle sind deine Ahnen, blöder Ottar.
Er bemühe sich, das zu behalten. Willst du noch weitern Vortrag?

17

Dag hatte zur Gattin Thora, die Mutter starker Männer;
Ihnen entstammten tapfere Kämpfer,
Frodmar und Gyrth und die beiden Frekis,
Aunn und Josurmar, Alf der Alte.
Er bemühe sich, das zu behalten. Willst du noch weitern Vortrag?

18

Ketil, ihr Freund, Erbe des Klypi,
War der Vater der Mutter deiner Mutter.
Frodi war früher als Kari,
Als ältester aber Alf geboren.

19

Nanna, die Tochter Nöckis, war die nächste,
Ihr Sohn war ein Stammvetter deines Vaters,
Doch die Vetterschaft eine ferne. Von der will ich rückwärts aufzählen.
Ich kannte beide, den Brodd und den Hörvi.
Die alle sind deine Ahnen, blöder Ottar.

20

Isolf und Asolf, die Söhne Älmuts
Und der Skurhild, der Tochter Skekkils.
Viele Vorfahren hast du aufzuzählen.
Die sind alle deine Ahnen, blöder Ottar.

21

Gunnar, Balk, Grimm, Arthskav, Pflugglätter.
Jarnskiöld, Thorir, Alf, Ginand,
Bui und Brami, Barri und Reifner,
Tindr, Tirfing, die beiden Haddinge:
Die sind alle deine Ahnen, blöder Ottar.

22

Zu Arbeit und Mühen waren sie geboren
Von Arngrim und der Eyfura.
Berserkeraufruhr und jegliches Schrecknis
Ließen sie wie Feuersbrunst lodern über Land und Meer.
Die sind alle deine Ahnen, blöder Ottar.

23

Beide kannt' ich, den Brodd und den Hörvi;
Sie waren im Gehöft Hrolfs des Alten,
Alle abstammend von Jormunrek, dem Schwiegersohn Sigfrids, Diese Ahnentafel setzt also voraus, daß Jormunrek mit Schwanhild, der Tochter Sigfrids, vermählt gewesen sei.
Desselben – merke dir's –, dessen Grimm ganze Scharen niederwarf,
Desselben, der den Fafner getötet.

24

Dieser Fürst war Nachkomme des Wölsung
Und Hiördis [seine Mutter] Enkelin Hraudungs.
Eylimi Eylimi, Vater der Hiördis-Jördis. aber war ein Audling.
Die sind alle deine Ahnen, blöder Ottar.

25

Gunther und Hagen, die Erben Gibichs,
Nicht minder Gudrun, ihre Schwester;
Gunthwurm war nicht aus Gibichs Blute,
Aber dennoch der Bruder jener beiden.
Die sind alle deine Ahnen, blöder Ottar.

26

Harald Hildetann war Sohn des Hraerek,
Des Baugenspenders, von Oda;
Oda, die Hochherzige, eine Tochter Iwars,
Radbard ferner der Vater Randwers,
Sämtlich von den Göttern geweihte Helden.
Die sind alle deine Ahnen, blöder Ottar.

27

Elf Asen wurden gezählt,
Seit Balder gelegen auf dem Scheiterhaufen.
Mali zeigte sich würdig, ihn zu rächen,
Indem er tötete den Mörder seines Bruders.
Die sind alle deine Ahnen, blöder Ottar.

28

Den Balder zeugte der Sohn Buris;
Freyr führte sich Gerda heim, die Tochter des Riesen Gymir
Und der Aurboda. Deren Verwandter
War auch Thiassi, der hochgemute Jote,
Der Skadi zur Tochter hatte.

29

Vieles hab' ich dir berichtet, mehr noch weiß ich;
Hüten wir uns, das wissen zu lassen. Ergänze: den andern, der mit dir gewettet, den Angantyr.
Willst du noch weiter hören?

30

Haki war von Hvednas Söhnen noch einer der besten,
Hvednas Vater war Hiörwarth.
Heithr und Hroßthiofr Roßdieb. stammten von Hrimnir.

31

Die Walen alle stammen von Widolf,
Die Weisfrauen von Wilmeith,
Die Siedehexen von Schwarzhaupt,
Die Riesen alle von Ymir.

32

Viel berichtete, mehr noch weiß ich;
Hüten wir uns, es wissen zu lassen.
Willst du noch weiter hören?

33

Zu 33. Rammaukin, Prädikat Heimdalls von nicht völlig sicherer Bedeutung.

Geboren ward einer in Urtagen,
Zu Wundertaten begabt, göttlicher Herkunft.
Neune gebaren den Geschoßberühmten,
Neun Riesenmädchen am Rande der Erde.

34

Ihn gebaren Gialpa, Greipa, Elgia, Angeya,
Ulfrun, Aurgiafa, Sindra, Atla, Jarnsaxa.
Der Knabe war gebildet aus Kraft der Erde,
Kalter Meerwoge und Sühneblut.

35

Viel berichtete, mehr noch weiß ich;
Hüten wir uns, es wissen zu lassen.
Willst du noch weiter hören?

36

Loki zeugte den Wolf mit Angurboda;
Er selbst empfing den Sleipner vom Svadilfar.
Für das entsetzlichste der Scheusale galt das eine,
Welches herstammt vom Bruder des Byleist.

37

Lokis Art kommt von einem gerösteten Herzen;
Halb verbrannt fand er ein solches von einem Steingemüt-Weibe.
So wurde Loptr tückisch durch ein schlechtes Weib;
Davon rührt her auf Erden alles Abscheuliche.

38

Meerflut steigt bis zum Himmel selbst auf
Und sinkt auf die Länder, wann die Luft müde wird;
Daher kommen Schneeschauer und schnelle Winde;
Dann steht zu erwarten Regens Aufhör.

39

Einer ward geboren größer als alle,
Wachsend gebildet aus Kraft der Erde.
Ihn preist man als der Herrscher größesten, reichsten,
Durch Verwandtschaftsbande sämtlichen Herrschern verbunden.

40

Einst kommt ein andrer, noch mächtiger als er,
Doch wag' ich es nicht, ihn zu nennen.
Wenige, glaub' ich, schauen weiter
Als bis zur Begegnung Odins und des Wolfes.

Freya.

41

Reiche meinem Gast Gedächtnisgetränk,
Damit er erinnernd wiederhole alle Worte
Dieser Reden am dritten Morgen,
Wann er und Angantyr ihre Ahnen aufzählen.

Hyndla.

42

Gehe deines Weges. Ich begehre zu schlafen.
Wenig Erfreuliches erlangst du ferner von mir.
Lustbrünstige, laufe draußen nächtelang,
Wie mit den Böcken die Ziege umherläuft.

43

Lüstern bis zur Tollheit rennst du ja stets,
Und schon viele schlichen sich dir unter die Schürze.
So laufe lustbrünstig nächtelang draußen,
Wie mit den Böcken die Ziege umherläuft.

Freya.

44

Mit Feuer, Waldfrau, umgeb' ich dich,
So daß du von der Stelle hier nicht entweichen kannst.
Du laufe lustbrünstig nächtelang draußen,
Wie mit den Böcken die Ziege umherläuft.

Hyndla.

45

Feuer seh' ich brennen, den Erdhügel lodern!
Viele werden gezwungen, ihr Leben auszulösen.
Da, reiche dem Ottar das Getränk in die Hand;
Der Met ist mit Gift gemischt zum Unheils-Zutrunk.

Freya.

46

Dein Mißwunschwort soll ihm nichts verschlagen,
Obwohl du ihm Böses androhst, Riesenbrut.
Segnenden Saft soll er trinken;
Aller Götter Gunst erfleh' ich für Ottar.

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