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Die Edda

Karl Simrock: Die Edda - Kapitel 99
Quellenangabe
typelegend
authorKarl Simrock
year1878
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleDie Edda
pagesI-VII
created20031015
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1851
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58. Da sprach Oegir: Sonderbar dünkt mich der Gebrauch, die Dichtkunst mit diesen Namen zu nennen. Aber wie kamen die Asen an Suttungs Meth? Bragi antwortete: Davon wird erzählt, daß Odhin von Hause zog und an einen Ort kam, wo neun Knechte Heu mähten. Er fragte sie, ob sie ihre Sensen gewetzt haben wollten. Das bejahten sie. Da zog er einen Wetzstein aus dem Gürtel und wetzte. Die Sicheln schienen ihnen jetzt viel beßer zu schneiden: da feilschten sie um den Stein: er aber sprach, wer ihn kaufen wolle, solle geben was billig sei. Sie sagten Alle, das wollten sie; aber Jeder bat, den Stein ihm zu verkaufen. Da warf er ihn hoch in die Luft, und da ihn alle fangen wollten, entzweiten sie sich so, daß sie einander mit den Sicheln die Hälse zerschnitten. Da suchte Odhin Nachtherberge bei dem Riesen, der Baugi hieß, dem Bruder Suttungs. Baugi beklagte seine übeln Umstände und sagte, neun seiner Knechte hätten sich umgebracht; nun wiße er nicht wo er Werkleute hernehmen solle. Da nannte sich Odhin bei ihm Bölwerkr, und erbot sich die Arbeit der neun Knechte Baugis zu übernehmen; zum Lohn verlangte er einen Trunk von Suttungs Meth. Baugi sprach, er habe über den Meth nicht zu gebieten, Suttung, sagte er, wolle ihn allein behalten; doch wolle er mit Bölwerkr dahin fahren und versuchen ob sie des Meths bekommen könnten. Bölwerkr verrichtete den Sommer über Neunmännerarbeit für Baugi; im Winter aber begehrte er seinen Lohn. Da fuhren sie beide zu Suttung und Baugi erzählte seinem Bruder, wie er den Bölwerkr gedungen habe; aber Suttung verweigerte gerade heraus jeden Tropfen seines Meths. Da sagte Bölwerkr zu Baugi, sie wollten eine List versuchen, ob sie an den Meth kommen möchten, und Baugi wollte das geschehen laßen. Da zog Bölwerkr einen Bohrer hervor, der Rati hieß, und sprach, Baugi sollte den Berg durchbohren, wenn der Bohrer scharf genug sei. Baugi that das, sagte aber bald, der Berg sei durchgebohrt. Aber Bölwerkr blies ins Bohrloch, da flogen die Splitter heraus, ihm entgegen. Daran erkannte er, daß Baugi mit Trug umgehe und bat ihn, ganz durchzubohren. Baugi bohrte weiter und als Bölwerkr zum andernmal hineinblies, flogen die Splitter einwärts. Da wandelte sich Bölwerkr in einen Wurm und schloff in das Bohrloch. Baugi stach mit dem Bohrer nach ihm, verfehlte ihn aber. Da fuhr Bölwerkr dahin, wo Gunnlöd war und lag bei ihr drei Nächte, und sie erlaubte ihm drei Trünke von dem Meth zu trinken. Und im ersten Trunk trank er den Odhrörir ganz aus, im andern leerte er den Bodn, im dritten den Son und hatte nun den Meth alle. Da wandelte er sich in Adlersgestalt und flog eilends davon. Als aber Suttung den Adler fliegen sah, nahm er sein Adlerhemd und flog ihm nach. Und als die Asen Odhin fliegen sahen, da setzten sie ihre Gefäße in den Hof. Und als Odhin Asgard erreichte, spie er den Meth in die Gefäße. Als aber Suttung ihm so nahe gekommen war, daß er ihn fast erreicht hätte, ließ er von hinten einen Theil des Methes fahren. Darnach verlangt Niemanden: habe sich das wer da wolle; wir nennen es der schlechten Dichter Theil. Aber Suttungs Meth gab Odhin den Asen, und denen, die da schaffen können. Darum nennen wir die Skaldenkunst Odhins Fang oder Fund, oder Odhins Trank und Gabe, und der Asen Getränk.

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