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Die Edda

Karl Simrock: Die Edda - Kapitel 92
Quellenangabe
typelegend
authorKarl Simrock
year1878
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleDie Edda
pagesI-VII
created20031015
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1851
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51. Da sprach Gangleri: Was für Zeitungen sind zu sagen von der Götterdämmerung? Ich hörte dessen nie zuvor erwähnen. Har antwortete: Davon sind viele und wichtige Zeitungen zu sagen. Zum Ersten, daß ein Winter kommen wird, Fimbulwinter genannt. Da stöbert Schnee von allen Seiten, da ist der Frost groß und sind die Winde scharf, und die Sonne hat ihre Kraft verloren. Dieser Winter kommen dreie nacheinander und kein Sommer dazwischen. Zuvor aber kommen drei andere Jahre, da die Welt mit schweren Kriegen erfüllt sein wird. Da werden sich Brüder aus Habgier ums Leben bringen und der Sohn des Vaters, der Vater des Sohnes nicht schonen. So heißt es in der Wöluspa:

Brüder befehden sich   und fällen einander,
Geschwisterte sieht man   die Sippe brechen.
Unerhörtes eräugnet sich,   großer Ehbruch.
Beilalter, Schwertalter,   wo Schilde klaffen,
Windzeit, Wolfszeit,   eh die Welt zerstürzt.
Der Eine achtet   des Andern nicht mehr.

Da geschieht es, was die schrecklichste Zeitung dünken wird: daß der Wolf die Sonne verschlingt den Menschen zu großem Unheil. Der andere Wolf wird den Mond packen und so auch großen Schaden thun und die Sterne werden vom Himmel fallen. Da wird sich auch eräugnen, daß so die Erde bebt und alle Berge, daß die Bäume entwurzelt werden, die Berge zusammenstürzen und alle Ketten und Bande brechen und reißen. Da wird der Fenriswolf los und das Meer überflutet das Land, weil die Midgardschlange wieder Jotenmuth annimmt und das Land sucht. Da wird auch Naglfar flott, das Schiff, das so heißt und aus Nägeln der Todten gemacht ist, weshalb wohl die Warnung am Ort ist, daß, wenn ein Mensch stirbt, ihm die Nägel nicht unbeschnitten bleiben, womit der Bau des Schiffes Naglfar beschleunigt würde, den doch Götter und Menschen verspätet wünschen. Bei dieser Ueberschwemmung aber wird Naglfar flott. Hrymr heißt der Riese, der Naglfar steuert. Der Fenriswolf fährt mit klaffendem Rachen umher, daß sein Oberkiefer den Himmel, der Unterkiefer die Erde berührt, und wäre Raum dazu, er würde ihn noch weiter aufsperren. Feuer glüht ihm aus Augen und Nasen. Die Midgardschlange speit Gift aus, daß Luft und Meer entzündet werden; entsetzlich ist ihr Anblick, indem sie dem Wolf zur Seite kämpft. Von diesem Lärmen birst der Himmel: da kommen Muspels Söhne hervorgeritten. Surtur fährt an ihrer Spitze, vor ihm und hinter ihm glühendes Feuer. Sein Schwert ist wunderscharf und glänzt heller als die Sonne. Indem sie über die Brücke Bifröst reiten, zerbricht sie, wie vorhin gesagt ward. Da ziehen Muspels Söhne nach der Ebne, die Wigrid heißt; dahin kommt auch der Fenriswolf und die Midgardschlange, und auch Loki wird dort sein und Hrymr und mit ihm alle Hrimthursen. Mit Loki ist Hels ganzes Gefolge und Muspels Söhne haben ihre eigene glänzende Schlachtordnung. Die Ebne Wigrid ist hundert Rasten breit nach allen Seiten.

Und wenn diese Dinge sich begeben, erhebt sich Heimdall und stößt aus aller Kraft ins Giallarhorn und weckt alle Götter, die dann Rath halten. Da reitet Odhin zu Mimirs Brunnen und holt Rath von Mimir für sich und sein Gefolge. Die Esche Yggdrasil bebt und Alles erschrickt im Himmel und auf Erden. Die Asen wappnen sich zum Kampf und alle Einherier eilen zur Walstatt. Zuvorderst reitet Odhin mit dem Goldhelm, dem schönen Harnisch und dem Spieß, der Gungnir heißt. So eilt er dem Fenriswolf entgegen, und Thor schreitet an seiner Seite, mag ihm aber wenig helfen, denn er hat vollauf zu thun, mit der Midgardschlange zu kämpfen. Freyr streitet wider Surtur und kämpfen sie ein hartes Treffen bis Freyr erliegt, und wird das sein Tod, daß er sein gutes Schwert misst, das er dem Skirnir gab. Inzwischen ist auch Garm, der Hund, losgeworden, der vor der Gnipahöhle gefeßelt lag: das giebt das gröste Unheil, da er mit Tyr kämpft und Einer den Andern zu Falle bringt. Dem Thor gelingt es, die Midgardschlange zu tödten; aber kaum ist er neun Schritte davongegangen, so fällt er todt zur Erde von dem Gifte, das der Wurm auf ihn gespieen hat. Der Wolf verschlingt Odhin und wird das sein Tod. Alsbald kehrt sich Widar gegen den Wolf und setzt ihm den Fuß in den Unterkiefer. An diesem Fuße hat er den Schuh, zu dem man alle Zeiten hindurch sammelt, die Lederstreifen nämlich, welche die Menschen von ihren Schuhen schneiden, wo die Zehen und Fersen sitzen. Darum soll diese Streifen ein Jeder wegwerfen, der darauf bedacht ist, den Asen zu Hülfe zu kommen. Mit der Hand greift Widar dem Wolf nach dem Oberkiefer und reißt ihm den Rachen entzwei und wird das des Wolfes Tod. Loki kämpft mit Heimdall und erschlägt Einer den Andern. Darauf schleudert Surtur Feuer über die Erde und verbrennt die ganze Welt. So heißt es in der Wöluspa:

    

Ins erhobne Horn   bläst Heimdall laut;
Odhin murmelt   mit Mimirs Haupt.
Yggdrasil zittert,   die ragende Esche;
Es rauscht der alte Baum,   da der Riese frei wird.

Was ist mit den Asen,   was ist mit den Alfen?
All Jötunheim ächzt,   die Asen versammeln sich.
Die Zwerge stöhnen   vor steinernen Thüren,
Der Bergwege Weiser:   wißt ihr was das bedeutet?

Hrym fährt von Osten,   es hebt sich die Flut;
Jormungandr wälzt sich   im Jötunmuthe.
Der Wurm schlägt die Brandung,   aufschreit der Adler,
Leichen zerreißt er;   Nalfagr wird los.

Der Kiel fährt von Osten,   Muspels Söhne kommen
Ueber die See gesegelt,   und Logi steuert.
Des Unthiers Abkunft   ist all mit dem Wolf;
Auch Bileists Bruder   ist ihm verbunden.

Surtur fährt von Süden   mit flammendem Schwert,
Von seiner Klinge scheint   die Sonne der Götter.
Steinberge stürzen,   Riesinnen straucheln,
Zu Hel fahren Helden,   der Himmel klafft.

Nun hebt sich Hlins   anderer Harm,
Da Odhin eilt   zum Angriff des Wolfs.
Belis Mörder   mißt sich mit Surtur:
Da fällt Friggs   einzige Freude.

Nicht säumt Siegvaters   erhabner Sohn,
Mit dem Leichenwolf   Widar zu fechten:
Er stößt dem Hwedrungssohn   den Stahl ins Herz
Durch gähnenden Rachen:   so rächt er den Vater.

Da schreitet der schöne   Sohn Hlodyns
Der Natter näher,   der neidgeschwollnen.
Muthig trifft sie   Midgards Weiher;
Doch fährt neun Fuß weit   Fiörgins Sohn.
Alle Wesen müßen   die Weltstatt räumen.

Schwarz wird die Sonne,   die Erde sinkt ins Meer,
Vom Himmel fallen   die heitern Sterne,
Glutwirbel umwühlen   den allnährenden Weltbaum,
Die heiße Lohe   beleckt den Himmel.

Auch heißt es so:

Widgrid heißt das Feld,   wo sich finden zum Kampf
Surtur und die selgen Götter.
Hundert Rasten   hat es rechts und links:
Solcher Walplatz wartet ihrer.

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