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Die Edda

Karl Simrock: Die Edda - Kapitel 9
Quellenangabe
typelegend
authorKarl Simrock
year1878
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleDie Edda
pagesI-VII
created20031015
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1851
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Loddfafnirs-Lied.

             

111 

Zeit ists zu reden   vom Rednerstuhl.
An dem Brunnen Urdas
Saß ich und schwieg,   saß ich und dachte
Und merkte der Männer Reden.

112 

Von Runen hört ich reden   und vom Ritzen der Schrift
Und vernahm auch nütze Lehren.
Bei des Hohen Halle,   in des Hohen Halle
Hört ich sagen so:

113 

Dieß rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Steh Nachts nicht auf,   wenn die Noth nicht drängt,
Du wärst denn zum Wächter geordnet.

114 

Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,
Wohl dir, wenn du sie merkst.
In der Zauberfrau Schooß   schlaf du nicht,
So daß ihre Glieder dich gürten.

115 

Sie bethört dich so,   du entsinnst dich nicht mehr
Des Gerichts und der Rede der Fürsten,
Gedenkst nicht des Mals   noch männlicher Freuden,
Sorgenvoll suchst du dein Lager.

116 

Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Des Andern Frau   verführe du nicht
Zu heimlicher Zwiesprach.

117 

Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Ueber Furten und Felsen   so du zu fahren hast,
So sorge für reichliche Speise.

118 

Dem übeln Mann   eröffne nicht
Was dir Widriges widerfährt:
Von argem Mann erntest du   nimmer doch
So guten Vertrauns Vergeltung.

119 

Verderben stiften   einem Degen sah ich
Uebeln Weibes Wort:
Die giftige Zunge   gab ihm den Tod,
Nicht seine Schuld.

120 

Gewannst du den Freund,   dem du wohl vertraust,
So besuch ihn nicht selten,
Denn Strauchwerk grünt   und hohes Gras
Auf dem Weg, den Niemand wandelt.

121 

Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Guten Freund gewinne dir   zu erfreuender Zwiesprach;
Heilspruch lerne so lange du lebst.

122 

Altem Freunde   sollst du der erste
Den Bund nicht brechen.
Das Herz frißt dir Sorge,   magst du keinem mehr sagen
Deine Gedanken all.

123 

Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Mit ungesalznem   Narren sollst du
Nicht Worte wechseln.

124 

Von albernem Mann   magst du niemals
Guten Lohn erlangen.
Nur der Wackere   mag dir erwerben
Guten Leumund durch sein Lob.

125 

Das ist Seelentausch,   sagt Einer getreulich
Dem Andern Alles was er denkt.
Nichts ist übler   als unstät sein:
Der ist kein Freund, der zu Gefallen spricht.

126 

Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Drei Worte nicht sollst du   mit dem Schlechtern wechseln:
Oft unterliegt der Gute,
Der mit dem Schlechten streitet.

127 

Schuhe nicht sollst du   noch Schäfte machen
Für Andre als für dich:
Sitzt der Schuh nicht,   ist krumm der Schaft,
Wünscht man dir alles Uebel.

128 

Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Wo Noth du findest,   deren nimm dich an;
Doch gieb dem Feind nicht Frieden.

129 

Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Dich soll Andrer   Unglück nicht freuen;
Ihren Vortheil laß dir gefallen.

130 

Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Nicht aufschaun sollst du   im Schlachtgetöse:
Ebern ähnlich wurden   oft Erdenkinder;
So aber zwingt dich kein Zauber.

131 

Willst du ein gutes Weib   zu deinem Willen bereden
Und Freude bei ihr finden,
So verheiß ihr Holdes   und halt es treulich:
Des Guten wird die Maid nicht müde.

132 

Sei vorsichtig,   doch seis nicht allzusehr,
Am meisten seis beim Meth
Und bei des Andern Weib;   auch wahre dich
Zum dritten vor der Diebe List.

133 

Mit Schimpf und Hohn   verspotte nicht
Den Fremden noch den Fahrenden.
Selten weiß   der zu Hause sitzt
Wie edel ist, der einkehrt.

134 

Laster und Tugenden   liegen den Menschen
In der Brust beieinander.
Kein Mensch ist so gut,   daß nichts ihm mangle,
Noch so böse,   daß er zu nichts nützt.

135 

Haarlosen Redner   verhöhne nicht:
Oft ist gut was der Greis spricht.
Aus welker Haut kommt   oft weiser Rath;
Hängt ihm die Hülle gleich,
Schrinden ihn auch Schrammen,
Der unter Wichten wankt.

136 

Das rath ich, Loddfafnir,   vernimm die Lehre,
Wohl dir, wenn du sie merkst.
Den Wandrer fahr nicht an,   noch weis ihm die Thür:
Gieb dem Gehrenden gern.

137 

Stark wär der Riegel,   der sich rücken sollte
Allen aufzuthun.
Gieb einen Scherf;   dieß Geschlecht sonst wünscht
Dir alles Unheil an.

138 

Dieß rath ich, Loddfafnir, vernimm die Lehre,
Wohl dir, wenn du sie merkst:
Wo Ael getrunken wird, ruf die Erdkraft an:
Erde trinkt und wird nicht trunken.
Feuer hebt Krankheit, Eiche Verhärtung,
Aehre Vergiftung,
Der Hausgeist häuslichen Hader.
Mond mindert Tobsucht,
Hundbiß heilt Hundshaar,
Rune Beredung;
Die Erde nehme Naß auf.

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