Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Karl Simrock >

Die Edda

Karl Simrock: Die Edda - Kapitel 56
Quellenangabe
typelegend
authorKarl Simrock
year1878
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleDie Edda
pagesI-VII
created20031015
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1851
Schließen

Navigation:

15. Da fragte Gangleri: Wo ist der Götter vornehmster und heiligster Aufenthalt? Har antwortete: Das ist bei der Esche Yggdrasils: da sollen die Götter täglich Gericht halten. Da fragte Gangleri: Was ist von diesem Ort zu berichten? Da antwortete Jafnhar: Diese Esche ist der gröste und beste von allen Bäumen: seine Zweige breiten sich über die ganze Welt und reichen hinaus über den Himmel. Drei Wurzeln halten den Baum aufrecht, die sich weit ausdehnen: die eine zu den Asen, die andere zu den Hrimthursen, wo vormals Ginnungagap war; die dritte steht über Niflheim, und unter dieser Wurzel ist Hwergelmir und Nidhöggr nagt von unten auf an ihr. Bei der andern Wurzel hingegen, welche sich zu dem Hrimthursen erstreckt, ist Mimirs Brunnen, worin Weisheit und Verstand verborgen sind. Der Eigner des Brunnens heißt Mimir, und ist voller Weisheit, weil er täglich von dem Brunnen aus dem Giallarhorn trinkt. Einst kam Allvater dahin und verlangte einen Trunk aus dem Brunnen, erhielt ihn aber nicht eher bis er sein Auge zum Pfand setzte. So heißt es in der Wöluspa:

Alles weiß ich, Odhin,   wo dein Auge blieb:
In der vielbekannten   Quelle Mimirs.
Meth trinkt Mimir   jeden Morgen
Aus Walvaters Pfand:   wißt ihr was das bedeutet?

Unter der dritten Wurzel der Esche, die zum Himmel geht, ist ein Brunnen, der sehr heilig ist, Urds Brunnen genannt: da haben die Götter ihre Gerichtsstätte; jeden Tag reiten die Asen dahin über Bifröst, welche auch Asenbrücke heißt. Die Pferde der Asen haben diese Namen. Sleipnir, das beste, hat Odhin: es hat acht Füße; das andre ist Gladr; das dritte Gyllir, das vierte Gler, das fünfte Skeidbrimir, das sechste Silfrintopp, das siebente Sinir, das achte Gils, das neunte Falhofnir, das zehnte Gulltopp, das eilfte Lettfeti. Baldurs Pferd ward mit ihm verbrannt. Thôr geht zu Fuß zum Gericht und watet über folgende Flüße:

Körmt und Oermt   und beide Kerlög
Watet Thôr täglich,
Wenn er hinfährt   Gericht zu halten
Bei der Esche Yggdrasils.
Denn die Asenbrücke   stünd all in Lohe,
Heilige Fluten flammten.

Da fragte Gangleri: Brennt denn Feuer auf Bifröst? Har antwortete: Das Rothe, das du im Regenbogen siehst, ist brennendes Feuer. Die Hrimthursen und Bergriesen würden den Himmel ersteigen, wenn ein Jeder über Bifröst gehen könnte, der da wollte. Viel schöne Plätze giebt es im Himmel, die alle unter dem Schutz der Götter stehen. So steht ein schönes Gebäude unter der Esche bei dem Brunnen: aus dem kommen die drei Mädchen, die Urd, Skuld und Werdandi heißen. Diese Mädchen, welche aller Menschen Lebenszeit bestimmen, nennen wir Nornen. Es giebt noch andere Nornen, nämlich solche, die sich bei jedes Kindes Geburt einfinden, ihm seine Lebensdauer anzusagen. Einige sind von Göttergeschlecht, andere von Alfengeschlecht, noch andere vom Geschlecht der Zwerge, wie hier gesagt wird:

Gar verschieden Geschlechts   scheinen mir die Nornen,
Und nicht Eines Ursprungs.
Einige sind Asen,   andere Alfen,
Die dritten Töchter Dwalins.

Da sprach Gangleri: Wenn die Nornen über das Geschick der Menschen walten, so theilen sie ihnen schrecklich ungleich aus. Die Einen leben in Macht und Ueberfluß, die Andern haben wenig Glück noch Ruhm; die Einen leben lange, die Andern kurze Zeit. Har antwortete: Die guten Nornen und die von guter Herkunft sind, schaffen Glück, und gerathen einige Menschen in Unglück, so sind die bösen Nornen Schuld.

 << Kapitel 55  Kapitel 57 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.