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Gutenberg > Karl Simrock >

Die Edda

Karl Simrock: Die Edda - Kapitel 32
Quellenangabe
typelegend
authorKarl Simrock
year1878
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleDie Edda
pagesI-VII
created20031015
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1851
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28. Helreidh Brynhildar.
Brynhildens Todesfahrt.

Nach Brynhildens Tode wurden zwei Scheiterhaufen gemacht, Einer für Sigurd, und der brannte zuerst; darnach ward Brynhild verbrannt, und lag sie auf einem Wagen, der mit Prachtgeweben umzeltet war. Es wird erzählt, daß Brynhild auf dem Wagen den Helweg fuhr und durch eine Höhle kam, wo ein Riesenweib wohnte. Das Riesenweib sprach:

 

       

Fort, zu fahren   erfrech dich nicht
Durch meine stein-   gestützten Häuser.
Beßer ziemte dir,   Borten zu wirken
Als den Gatten   begehren der Andern.

Walländisch Weib,   was willst du suchen,
Allgierig Haupt,   in meinem Hause?
Du wuschest, Walküre,   so dichs zu wißen lüstet,
Von den Händen dir manchesmal   Menschenblut.

 
Brynhild.

Was wirfst du mir vor,   Weib aus Stein?
Hab ich im Kriegsheer   gekämpft denn auch,
So bin ich die beßere   von uns beiden doch,
Wenn unsern Adel   Einsichtge prüfen.

 
Riesin.

Du bist, Brynhild,   Budlis Tochter,
In widrigster Stunde   zur Welt geboren:
Durch dich ward ohne   Erben Giuki,
Du hast sein hohes   Haus gestürzt.

 
Brynhild.

Vom Wagen kündigt   die Kluge dir.
Der Witzlosen,   wenn dichs zu wißen lüstet:
Mich machten Giukis   Erben meiner
Liebe verlustig,   der Eide ledig.

Der hochsinnige Fürst   ließ die Fluggewande
Mir und acht Schwestern   unter die Eiche tragen;
Zwölf Winter war ich,   wenn dichs zu wißen lüstet,
Als ich dem jungen   Fürsten den Eid schwur.

Alle hießen mich   in Hlyndalir
Hild unterm Helme,   wohin ich kam.

Da ließ ich den greisen   gotischen Fürsten
Hialmgunnar hinab   gehn zur Hel,
Gab Sieg dem blühenden   Bruder Adas:
Darüber ward mir   Odhin ergrimmt.

Er umschloß mich mit Schilden   in Skatalundr,
Mit rothen und weißen;   die Ränder schnürten mich.
Meinen Schlaf zu brechen   gebot er dem,
Der immer furchtlos   erfunden würde.

10 

Um meinen Saal,   den südlich gelegnen,
Ließ er hoch des Holzes   Verheerer entbrennen:
Darüber reiten   sollte der Recke nur,
Der das Gold mir brächte   im Bette Fafnirs.

11 

Der rasche Ringspender   ritt auf Grani
Hin, wo mein Hüter   das Land beherschte.
Der beste dauchte mich   der Degen alle
Der hunische Fürst   im Heldengefolge.

12 

Wir lagen mit Lust   auf Einem Lager
Als ob er mein Bruder   geboren wäre.
Keiner von beiden   konnt um den andern
In acht Nächten   die Arme fügen.

13 

Doch gab mir Gudrun Schuld,   Giukis Tochter,
Ich hätte dem Sigurd   geschlafen im Arm.
Was ich nicht wollte   gewahrt' ich da:
Daß ich überlistet ward   bei der Verlobung.

14 

Zum Unheil werden   noch allzulange
Männer und Weiber   zur Welt geboren.
Aber wir beide   bleiben zusammen,
Ich und Sigurd:   versinke, Riesenbrut!

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