Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Karl Simrock >

Die Edda

Karl Simrock: Die Edda - Kapitel 20
Quellenangabe
typelegend
authorKarl Simrock
year1878
publisherVerlag der J. G. Cotta'schen Buchhandlung
addressStuttgart
titleDie Edda
pagesI-VII
created20031015
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1851
Schließen

Navigation:

16. Hyndluliod.
Das Hyndlalied.

Freyja.

               

Wache, Maid der Maide,   meine Freundin, erwache!
Hyndla, Schwester,   Höhlenbewohnerin.
Nacht ists und Nebel;   reiten wir nun
Wallhall zu,   geweihten Stätten.

Laden Heervatern   in unsre Herzen:
Er gönnt und giebt   das Gold den Werthen.
Er gab Hermodur   Helm und Brünne,
Ließ den Siegmund   das Schwert gewinnen.

Giebt Sieg den Söhnen,   giebt Andern Sold,
Worte Manchem   und Witz den Mannen,
Fahrwind den Schiffern,   den Skalden Lieder,
Mannheit und Muth   dem heitern Mann.

Dem Thôr werd ich opfern,   werd ihn erflehen,
Daß er günstig immerdar   sich dir erweise,
Ob freilich kein Freund   der Riesenfrauen.

Nun wähl aus dem Stall   deiner Wölfe Einen,
Und laß ihn rennen   mit dem Runenhalfter.

 
Hyndla.

Dein Eber ist träg   Götterwege zu treten;
Ich will mein Ross,   das rasche, nicht satteln.

Verschmitzt bist du, Freyja,   daß du mich versuchst
Und also die Augen   wendest zu uns.
Hast du den Mann doch   dahin zum Gefährten,
Ottar den jungen,   Innsteins Sohn.

 
Freyja.

Du faselst, Hyndla,   träumt dir vielleicht?
Daß du sagst, mein Geselle   sei mein Mann.
Meinem Eber glühn   die goldnen Borsten,
Dem Hildiswin,   den herlich schufen
Die beiden Zwerge   Dain und Nabbi.

Laß uns im Sattel   sitzen und plaudern
Und von den Geschlechtern   der Fürsten sprechen,
Den Stämmen der Helden,   die Göttern entsprangen.
Darüber wetteten   um goldnes Erbe
Ottar der junge   und Angantyr.

Wir helfen billig,   daß dem jungen Helden
Sein Vatergut werde   nach seinen Freunden:

10 

Er hat mir aus Steinen   ein Haus errichtet,
Gleich dem Glase   nun glänzen die Mauern,
So oft tränkt' er sie   mit Ochsenblut.
Immer den Asinnen   war Ottar hold.

11 

Die Reihen der Ahnen   rechne nun her
Und die entsprungnen   Geschlechter der Fürsten.
Welche sind Skiöldunge?   welche sind Skilfinge?
Welche sind Oedlinge?   welche sind Ynglinge?
Welche sind Wölfinge?   welche sind Wölsunge?
Wer stammt von Freien?   wer stammt von Hersen
Unter den Männern,   die Midgard bewohnen?

 
Hyndla.

12 

Ottar, du bist   von Innstein gezeugt,
Alf dem Alten   ist Innstein entstammt.
Alf von Ulfr,   Ulfr von Säfar,
Aber Säfar   von Swan dem Rothen.

13 

Deines Vaters Mutter,   die festlich geschmückte,
Hle-Dis, wähn ich,   hieß sie, die Priesterin.
Ihr Vater war Frodi,   Friant ihre Mutter.
Uebermenschlich   schien all dieß Geschlecht.

14 

Alf war der Männer   mächtigster einst,
Halfdan der alte   der hehrste der Skiöldungen.
Bekannt sind die Kämpfe,   die die Kühnen fochten;
Ihre Thaten flogen   zu des Himmels Gefilden.

15 

Sein Schwäher Eymund half ihm,   der höchste der Männer.
Den Sygtrygg schlug er   mit kaltem Schwert.
Almweig ehlicht' er,   die edle Frau;
Almweig gebar ihm   achtzehn Söhne.

16 

Daher die Skiöldunge,   daher die Skilfinge,
Daher die Oedlinge,   daher die Ynglinge,
Daher die Wölfinge,   daher die Wölsunge,
Daher die Freien,   daher die Hersen,
Die Blüte der Männer,   die Midgard bewohnen.
Dieß all ist dein Geschlecht,   Ottar du Blöder!

17 

Hildigunna war   der Hehren Mutter,
Swawas Tochter   und des Seekönigs.
Dieß ist all dein Geschlecht,   Ottar du Blöder!
Dieß wiß und bewahre:   willst du noch mehr?

18 

Dag hatte Thora,   die Heldenmutter:
Dem Stamm entstiegen   der Streiter beste:
Fradmar und Gyrdr   und beide Freki,
Am, Jösur, Mar   und Alf der Alte.
Dieß wiß und bewahre:   willst du noch mehr?

19 

Ketil ihr Freund,   der Erbe Klypis,
War deiner Mutter   Muttervater.
Frodi ward   früher als Kari,
Aber der älteste   Alf geboren.

20 

Die nächste war Nanna,   Nöckis Tochter,
Ihr Sohn der Vetter   deines Vaters.
Alt ist die Sippe,   ich schreite weiter.
Ich kannte beide   Brodd und Hörfi:
Dieß all ist dein Geschlecht,   Ottar du Blöder!

21 

Isolf und Asolf,   Oelmods Söhne
Und Skurhildens,   der Tochter Skeckils.
Auf steigt dein Ursprung   zu vielen Ahnen.
Dieß all ist dein Geschlecht,   Ottar du Blöder!

22 

Gunnar, Balkr,   Grimr, Ardskafi,
Jarnskiöldr, Thorir   und Ulf, der Gähnende. –
(Herwardr, Hiörwardr,   Hrani, Angantyr)
Bui und Brami,   Barri und Reifnir,
Tindr und Tyrfinger,   zwei Haddinge:
Dieß all ist dein Geschlecht,   Ottar du Blöder!

23 

Zu Sorgen und Arbeit   hatte die Söhne
Arngrim gezeugt   mit Eyfura,
Daß Schauer und Schrecken   von Berserkerschwärmen
Ueber Land und Meer   gleich Flammen lohten:
Dieß ist all dein Geschlecht,   Ottar du Blöder!

24 

Ich kannte beide,   Brodd und Hörfi
Dort am Hofe   Hrolfs des Alten.
Die alle stammen   von Jörmunreck,
Dem Eidam Sigurds – ich sage dirs –
Des volkgrimmen,   der Fafnirn erschlug.

25 

So war der König   dem Wölsung entstammt,
Und Hiördisa   von Hraudungr,
Eylimi aber   von den Oedlingen.
Dieß all ist dein Geschlecht,   Ottar du Blöder!

26 

Gunnar und Högni   waren Giukis Erben,
Desgleichen Gudrun,   Gunnars Schwester.
Nicht war Guttorm   von Giukis Stamm,
Gleichwohl ein Bruder   war er der beiden.
Dieß all ist dein Geschlecht,   Ottar du Blöder!

27 

Harald Hildetann,   Hröreks Erzeugter,
Des Ringverschleudrers,   war Audas Sohn.
Auda die überreiche   war Iwars Tochter,
Aber Radbard   Randwers Vater.
Dieß waren Helden   den Göttern geweiht,
Dieß all ist dein Geschlecht,   Ottar du Blöder!

28 

Eilfe wurden   der Asen gezählt,
Als Baldur 49 beschritt   die tödlichen Scheite.
Wali bewährte sich   werth ihn zu rächen, 30
Da er den Mörder   des Bruders bemeisterte.
Dieß all ist dein Geschlecht,   Ottar du Blöder!

29 

Baldurn erzeugte   Buris Erbe.
Freyr nahm Gerda,   Gymirs Tochter,
Den Riesen anverwandt   und der Aurboda. 37
So war auch Thiassi   verwandt mit ihr,
Der hochmüthige Thurse,   dessen Tochter Skadi war. 56

30 

Vieles erwähnt ich,   mehr noch weiß ich;
Wißt und bewahrt es:   wollt ihr noch mehr?

31 

Von Hwednas Söhnen   war Haki der schlimmste nicht;
Hwednas Vaters   war Hiörwardr.
Heidr und Hrossthiof   sind Hrimnirn entstammt.

32 

Von Widolf kommen   die Walen alle,
Alle Zaubrer   sind Wilmeidis Erzeugte.
Die Sudkünstler   stammen von Swarthöfdi,
Aber von Ymir   alle die Riesen.

33 

Vieles erwähnt ich,   mehr noch weiß ich;
Wißt und bewahrt es:   wollt ihr noch mehr?

34 

Geboren ward Einer   am Anfang der Tage,
Ein Wunder an Stärke,   göttlichen Stamms.
Neune gebaren ihn,   der Frieden verliehn hat,
Der Riesentöchter   am Erdenrand.

35 

Gialp gebar ihn,   Greip gebar ihn,
Ihn gebar Eistla   und Angeyja,
Ulsrun gebar ihn   und Eyrgiafa,
Imdr und Atla   und Jarnsaxa.

36 

Dem Sohn mehrte   die Erde die Macht,
Windkalte See   und Sonnenstralen.
Vieles erwähnt ich,   mehr noch weiß ich;
Wißt und bewahrt es:   wollt ihr noch mehr?

37 

Den Wolf zeugte Loki   mit Angurboda, 34
Den Sleipnir empfing er   von Swadilfari. 34
Ein Scheusal schien   das allerabscheulichste:
Das war von Bileistis   Bruder erzeugt.

38 

Ein gesottnes Herz   aß Loki im Holz,
Da fand er halbverbrannt   das steinharte Frauenherz.
Lopturs List kommt   von dem losen Weibe;
Alle Ungethüme   sind ihm entstammt.

39 

Meerwogen heben sich   zur Himmelswölbung
Und laßen sich nieder,   wenn die Luft sich abkühlt.
Dann kommt der Schnee   und stürmische Winde:
Das ist das Ende   der ewigen Güße.

40 

Allen überhehr   ward Einer geboren;
Dem Sohn mehrte   die Erde die Macht.
Ihn rühmt man der Herrscher   reichsten und grösten,
Durch Sippe gesippt   den Völkern gesamt.

41 

Einst kommt ein Andrer   mächtiger als Er;
Doch noch ihn zu nennen   wag ich nicht.
Wenige werden   weiter blicken
Als bis Odhin   den Wolf angreift.

Freyja.

42 

Reiche das Ael   meinem Gast zur Erinnerung,
Daß Bewustsein ihm währe   von deinen Worten
Am dritten Morgen,   und deiner Reden all,
Wenn Er und Angantyr   die Ahnen zählen.

 
Hyndla.

43 

Nun scheide von hier,   zu schlafen begehr ich:
Wenig erlangst du   noch Liebes von mir.
Lauf in Liebesglut   Nächte lang,
Wie zwischen Böcken   die Ziege rennt.

44 

Du liefst bis zur Wuth   nach Männern verlangend;
Mancher schon schlüpfte dir   unter die Schürze.
Lauf in Liebesglut   Nächte lang,
Wie zwischen Böcken   die Ziege rennt.

 
Freyja.

45 

Die Waldbewohnerin   umweb ich mit Feuer,
So daß du schwerlich   entrinnst der Stätte.
(Lauf in Liebesglut   Nächte lang,
Wie zwischen Böcken   die Ziege rennt.)

 
Hyndla.

46 

Feuer seh ich glühen,   die Erde flammen:
Sein Leben muß   ein Jeder lösen.
So reiche das Ael   Ottar deinem Liebling:
Der Meth vergeb ihm,   der giftgemischte.

 
Freyja.

47 

Wenig verfangen   soll dein Fluch,
Obgleich du, Riesenbraut,   ihm Böses sinnst.
Schlürfen soll er   segnenden Trank:
Ottar, dir erfleh ich   aller Götter Hülfe.

 << Kapitel 19  Kapitel 21 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.