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Die dreißig tolldreisten Geschichten ? Drittes Zehent

Honoré de Balzac: Die dreißig tolldreisten Geschichten ? Drittes Zehent - Kapitel 16
Quellenangabe
pfad/balzac/tolldr-3/tolldr-3.xml
typenarrative
authorHonoré de Balzac
booktitleDie dreißig tolldreisten Geschichten ? Zweiter Band
titleDie dreißig tolldreisten Geschichten ? Drittes Zehent
publisherGustav Kiepenheuer Verlag Leipzig und Weimar
printrunErste Auflage
illustratorGustave Doré
year1981
translatorBenno Rüttenauer
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorGerd Bouillon
senderwww.gaga.net
created20081105
modified20150212
projectid9a89b586
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Epilog

Ah, närrische Kleine, die du für Lustigkeit im Hause sorgen solltest, du hast trotz tausend Verboten von neuem in das traurige Füllhorn der Melancholie gegriffen, aus dem du schon ›Die reuige Berthe‹ gefischt, und kommst nun dahergerannt mit aufgelöstem Haar, wie wenn du ein Fähnlein Landsknechte bezwungen hättest. Wo hast du deine Narrenpritsche gelassen und deine zierliche Kappe, daran zwischen einem Kranz von Blumen die goldenen Schellen kicherten; wo deinen Stab mit den bunten Bändern, an deren Enden kostbare Perlen schimmerten; wo hast du sie hingebracht, die lustige Geißel? Wie kannst du dir nur mit salzigen Tränen die hellen Augen verderben, die so drollig zwinkern, wenn du an eine lustige Geschichte denkst, daß selbst Päpste dir deine Reden und dein Hohnlachen verzeihen und ganz bezaubert sind vom Glanz deiner elfenbeinernen Zähne und dem Rosenschimmer deiner Lippen, dergestalt, daß sie gern ihren Pantoffel hingäben allein für ein Lächeln deines Mundes, dieser rotblühenden Blume deines gesunden Blutes. Aber merke dir, lustiges Dirnlein: wenn du immer jung und frisch bleiben willst, so weine nicht mehr. Sei einzig bedacht, zügellos durch die Lüfte zu reiten und deinen chamäleonisch sich wandelnden Schimären keinen andern Zaum anzulegen, als der gewoben ist aus duftigen Rosenwolken. Und bekleide und verhülle die ungestüme Wirklichkeit mit den Farben der Iris, mit den goldenen Rüstungen deiner lachenden Träume, mit azurnen Flügeln, in denen Millionen Pfauenaugen schillern. Wahrhaftig, beim Leib und bei der Liebe, beim Weihrauchfaß und bei den sieben Siegeln, bei der Waage und beim Schwert, beim Ton und bei der Farbe, beim Feuer und beim Dreck, wenn du dich noch einmal verirrst in die düstern Winkel der Elegie, wo Eunuchen für blödsinnige Sultane nach Vogelscheuchen suchen, verfluche ich dich, prügle ich dich, entziehe ich dir alle Näschereien und Leckereien der Liebe, verweigere ich dir ...

Hui, seht ihr sie daherfahren, rittlings auf einem Sonnenstrahl, in Begleitung eines neuen ›Zehent‹, wovon sie umstiebt ist wie von leuchtenden Meteoren. Wie in einem feurigen Sprühregen rast sie daher, so kühn, so wild, so zügellos, so bügellos, so reuelos, so ruchlos ... so ganz toll, so mannstoll, so tolldreist ... daß man sie seit langem kennen muß, um ihr zu folgen, indem sie ihren silberschuppigen Sirenenschwanz hinter sich her peitscht und immer neue Feuerwerke ihres Gelächters in den Himmel steigen läßt.

Wie wenn ein Haufen Schüler sich von der Schulstube weg auf eine Hecke reifer Beeren wirft, so lärmt's, lacht's, schreit's, jauchzt's und purzelt's durcheinander.

Hol der Teufel den Schulmeister! Das ›Zehent‹ ist fertig! Zum Kuckuck jetzt mit der Arbeit! Herbei, lustige Gesellen!

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