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Die drei Musketiere - Band II

Alexandre Dumas (der Ältere): Die drei Musketiere - Band II - Kapitel 5
Quellenangabe
typefiction
authorAlexander Dumas d. Ä.
titleDie drei Musketiere - Band II
publisherFranckh'sche Verlagshandlung
printrun14. Auflage
translatorZoller
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20111127
projectid5d970724
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VI.

Ein Procuratorsmahl.

Das Duell, bei welchem Porthos eine so glänzende Rolle gespielt hatte, ließ ihn indessen das Mittagsmahl nicht vergessen, wozu er von der Frau Procuratorin eingeladen worden war. Am andern Tag gegen ein Uhr ließ er sich von Mousqueton den letzten Bürstenstrich geben, und wanderte der Rue aux Ours zu. Sein Herz klopfte, aber nicht wie das von d'Artagnan, von einer jungen und ungeduldigen Liebe. Nein, ein materielles Interesse leitete seine Schritte. Er sollte endlich die geheimnißvolle Schwelle überschreiten, die unbekannte Treppe ersteigen, welche die alten Thaler des Meisters Coquenard einer um den andern erstiegen hatten. Er sollte wirklich eine gewisse Kiste sehen, deren Bild ihm zwanzigmal in seinen Träumen erschienen war; eine Kiste von langer und tiefer Form, mit Schlössern und Riegeln versehen, und mit eisernen Bändern an den Boden befestigt; eine Kiste, von der er so oft sprechen gehört, und welche die Hände des Procurators nun vor seinen bewundernden Blicken öffnen sollten.

Und er, der in der Welt umherirrende Mensch, der Mann ohne Vermögen, ohne Familie, der an Herbergen, Gasthöfen, Schenken und Wirtschaften aller Art gewöhnte Soldat, der Gourmand, der meistens nur auf zufällige Schmausereien angewiesen war, sollte sich an den Tisch einer bürgerlichen Haushaltung setzen, die Annehmlichkeiten eines so wohlhäbigen Heimwesens kennen lernen.

Täglich in der Eigenschaft eines Vetters bei einer guten Tafel erscheinen, die gelbe gefaltete Stirne des alten Procurators entrunzeln, die jungen Schreiber durch den Unterricht im Bassettspiele, im Lanzknecht und im Würfeln mit den feinsten Kunstgriffen rupfen und ihnen in Form eines Honorars für die Lection, die er ihnen in einer Stunde geben würde, die Ersparnisse eines Monats abnehmen. Alles dies lag in den seltsamen Sitten jener Zeit und war in der Voraussicht ungemein ergötzlich für Porthos.

Der Musketier erinnerte sich wohl der schlimmen Gerüchte, welche über die Procuratoren, ihre Knickerei, ihre Fasttage im Umlaufe waren. Da er aber im Ganzen die Procuratorin, abgesehen von einigen ökonomischen Anfällen, welche er stets sehr unzeitig fand, ziemlich freigebig gesehen hatte, wohl verstanden für eine Procuratorsfrau, so hoffte er ein angenehm eingerichtetes Haus zu finden.

An der Thüre regten sich jedoch einige Zweifel in dem Musketier. Der Zutritt hatte durchaus nichts Einladendes. Er fand einen übelriechenden schwarzen Gang, eine nur schlecht beleuchtete Treppe mit einem Fenster, durch dessen eiserne Stangen das graue Licht eines benachbarten Hofes mühsam eindrang. Im ersten Stock kam er vor eine niedere und, wie die Hauptthüre des großen Chatelet, mit ungeheuren eisernen Nägeln beschlagene Thüre. Porthos klopfte mit dem Finger an. Ein großer, bleicher und unter einem Wald von struppigen Haaren verborgener Schreiber öffnete und grüßte mit der Miene eines Mannes, der sich genöthigt sieht, an einem Andern den kräftigen hohen Wuchs, eine militärische Uniform und das frische rothe Gesicht zu achten, das die Gewohnheit gut zu leben andeutet.

Ein zweiter, kleinerer Schreiber hinter dem ersten, ein anderer größerer Schreiber hinter dem zweiten, ein Gassenjunge von zwölf Jahren hinter dem dritten.

Im Ganzen drei und ein halber Schreiber, was für jene Zeit eine Schreibstube von sehr bedeutender Kundschaft ankündigte.

Obgleich der Musketier erst um ein Uhr erscheinen sollte, war doch die Procuratorin seit der Mittagstunde mit ihrem Auge auf der Lauer, und versah sich zu dem Herzen und vielleicht auch zu dem Magen ihres Anbeters, daß er vor der bestimmten Zeit erscheinen werde.

Madame Coquenard kam also beinahe in demselben Augenblick aus der Zimmerthüre, wo ihr Gast durch die Treppenthüre eintrat, und die Erscheinung der würdigen Dame entzog Porthos einer großen Verlegenheit. Die Schreiber sahen äußerst neugierig aus, und er blieb völlig stumm, da er nicht wußte, was er zu dieser aufsteigenden Tonleiter sagen sollte.

»Das ist mein Vetter!« rief die Procuratorin. »Tretet doch ein, Herr Porthos!«

Der Name Porthos brachte die gehörige Wirkung auf die Schreiber hervor, welche zu lachen anfingen; aber Porthos wandte sich um und auf alle Gesichter kehrte der Ernst zurück.

Man gelangte in das Kabinet des Procurators, nachdem man ein Vorzimmer, wo die Schreiber waren, und die Schreibstube, in der sie hätten sein sollen, durchschritten hatte. Die letztere war eine Art von schwarzem Saale, mit beschriebenem Papier tapezirt. Aus der Schreibstube heraustretend, ließ man die Küche zur Rechten und gelangte in das Empfangszimmer.

Alle diese Zimmer, welche mit einander in Verbindung standen, brachten Porthos durchaus keine guten Begriffe bei. Man mußte die Worte von ferne durch alle diese offenen Thüren hören; dann hatte er im Vorübergehen einen raschen, forschenden Blick in die Küche geworfen und sich zur Schande der Procuratorsfrau und zu seinem eigenen Bedauern gestanden, daß er nichts von dem Feuer, von der Belebtheit von der Bewegung wahrzunehmen vermochte, wie dergleichen gewöhnlich im Augenblicke eines guten Mahles im Heiligthum der Gern- und Gutesserei zu herrschen pflegt.

Der Procurator war ohne Zweifel zum Voraus von seinem Besuche in Kenntniß gesetzt worden, denn er gab nicht das geringste Erstaunen bei dem Anblick von Porthos kund, der sich ihm mit vollkommen ungezwungener Miene näherte und ihn höflich begrüßte.

»Wir sind Vettern, wie es scheint, mein Herr Porthos?« sagte der Procurator und stand, sich mit den Armen stützend, von seinem Rohrstuhle auf.

Der Greis war in ein großes schwarzes Wamms gehüllt, in welchem sich sein schmächtiger Körper verlor, und sah gelb und vertrocknet aus. Seine kleinen grauen Augen glänzten wie Karfunkel und schienen nebst seinem Munde, der in beständigen Grimassen begriffen war, der einzige Theil seines Gesichtes zu sein, wo noch Leben wohnte. Leider fingen die Beine an, dieser ganzen Knochenmaschine den Dienst zu verweigern. Seit den fünf oder sechs Monaten, wo sich diese Schwäche fühlbar gemacht hatte, war der würdige Procurator beinahe der Sklave seiner Gattin geworden.

Der Vetter wurde mit Resignation aufgenommen und nicht weiter. Wäre Meister Coquenard noch flink auf den Beinen gewesen, so würde er alle Verwandtschaft mit Porthos abgelehnt haben.

»Ja, wir sind Vettern,« sprach Porthos, der nie auf eine begeisterte Aufnahme von Seiten des Gatten gerechnet hatte, ohne sich aus der Fassung bringen zu lassen.

»Durch die Frauen, glaube ich,« sagte der Procurator boshaft.

Porthos fühlte diesen Spott nicht und hielt ihn für eine Naivetät, worüber er in seinen dicken Schnurrbart lachte; Madame Coquenard, welche wußte, daß der naive Prokurator eine äußerst seltene Varietät in der Gattung ist, lächelte ein wenig und erröthete stark.

Herr Coquenard hatte seit der Ankunft von Porthos seine Augen unruhig auf einen großen, seinem eigenen Schreibtisch gegenüber stehenden Schrank geworfen. Porthos begriff, daß dieser Schrank, obgleich er seiner Form nach durchaus nicht demjenigen entsprach, welchen er in seinen Träumen gesehen hatte, das glückselige Geräthe sein mußte, und er beglückwünschte sich darüber, daß sie Wirklichkeit sechs Fuß mehr Höhe hatte, als der Traum.

Meister Coquenard trieb seine genealogischen Forschungen nicht weiter; aber seinen unruhigen Blick vom Schranke wieder Porthos zuwendend, begnügte er sich, zu sagen:

»Euer Herr Vetter wird wohl, ehe er in das Feld zieht, uns die Ehre erweisen, mit uns zu Mittag zu essen, nicht wahr, Madame Coquenard?«

Diesmal empfing Porthos den Stich in den vollen Leib und fühlte ihn; Madame Coquenard schien ihrerseits nicht unempfindlicher zu sein, denn sie fügte bei:

»Mein Vetter wird nicht wieder kommen, wenn er findet, daß wir ihn schlecht behandeln; aber im entgegengesetzten Fall hat er zu wenig Zeit noch in Paris zuzubringen und folglich uns zu sehen, als daß wir ihn nicht um jeden Augenblick bitten sollten, über den er noch zu verfügen vermag.«

»Oh! meine Beine, meine armen Beine!« murmelte Herr Coquenard und suchte zu lächeln.

Diese Hülfe, welche Porthos in dem Augenblicke zugekommen war, wo man ihn in seinen gastronomischen Hoffnungen angegriffen hatte, flößte dem Musketier große Dankbarkeit gegen seine Procuratorin ein.

Bald schlug die Mittagsstunde; man ging in das Speisezimmer, eine große dunkle Stube der Küche gegenüber.

Die Schreiber, denen, wie es scheint, die ungewöhnlichen Gerüche im Hause nicht entgangen waren, beobachteten eine militärische Pünktlichkeit und hielten, bereits sich niedersetzend, ihre Bestecke in der Hand. Man sah sie zum Voraus mit furchtbarem Tätigkeitsdrang ihre Kinnbacken bewegen. »Bei Gott!« dachte Porthos, indem er einen Blick auf die drei Ausgehungerten warf, denn der Gassenjunge wurde, wie man sich denken kann, nicht zu der Ehre eines Herrentisches zugelassen. »Bei Gott! an der Stelle meines Vetters würde ich solche Fresser nicht behalten. Sie sehen aus wie Schiffbrüchige, die seit sechs Wochen nicht gegessen.«

Herr Coquenard wurde auf seinem Rollstuhl von Madame Coquenard hereingeschoben, welche Porthos, bis er den Tisch erreichte, zuvorkommend im Rollen unterstützte. Kaum war er im Zimmer, als er Nase und Kinnbacken nach dem Beispiel seiner Schreiber in Bewegung setzte.

»Oh! oh!« sagte er, »das ist eine einladende Suppe.«

»Was Teufel riechen sie denn Außerordentliches in dieser Suppe?« sagte Porthos zu sich selbst beim Anblick einer blassen, weißlichen, aber ganz blinden Fleischbrühe, auf der einige seltene Krusten, wie die Inseln eines Archipels, schwammen.

Madame Coquenard lächelte und auf ein Zeichen von ihr beeilte sich Jedermann niederzusitzen.

Herr Coquenard wurde zuerst bedient, dann Porthos, hierauf füllte Madame Coquenard ihren Teller und theilte die Krusten ohne Fleischbrühe unter die Ungeduldigen aus.

In diesem Augenblick öffnete sich die Thüre des Speisezimmers knarrend von selbst, und Porthos erblickte durch die halbgeöffneten Flügel den kleinen Schreiber, der, da er nicht an dem Mahl Theil nehmen durfte, sein Brod bei dem doppelten Geruch von der Küche und dem Speisezimmer verzehrte.

Nach der Suppe brachte die Magd eine gesottene Henne, ein Prachtstück, bei dessen Anblick sich die Augenlider der Gäste so sehr erweiterten, daß man glaubte, sie müßten zerreißen.

»Man sieht, Ihr liebt Eure Familie, Madame Coquenard,« sprach der Procurator mit einem beinahe tragischen Lächeln, »das ist offenbar eine Galanterie, die Ihr Eurem Vetter erweist.«

Die arme Henne war alt und mit einer von den dicken, rauhen Häuten bekleidet, welche die Knochen mit aller Anstrengung nicht zu durchdringen vermögen. Man mußte sie lange gesucht haben, um ihre Aufsitzstange zu finden, auf die sie sich zurückgezogen hatte, um an Altersschwäche zu sterben.

»Teufel!« dachte Porthos, »das ist doch sehr traurig. Ich ehre das Alter, aber ich mache mir wenig daraus, wenn es gesotten oder gebraten ist.«

Und er schaute in der Runde umher, um zu beobachten, ob seine Meinung getheilt würde; aber er sah im Gegenteil nur flammende Augen, welche zum Voraus diese erhabene Henne, den Gegenstand seiner Verachtung, verschlangen.

Madame Coquenard zog die Platte zu sich heran, löste geschickt die zwei großen schwarzen Pfoten, die sie ihrem Gatten auf den Teller legte, schnitt den Hals ab, den sie mit dem Kopfe für sich nahm, trennte einen Flügel für Porthos ab und gab der Magd, welche es gebracht hatte, das Thier zurück, so daß es beinahe unberührt zurückkehrte und verschwunden war, ehe der Musketier Zeit hatte, die Veränderungen zu beobachten, welche diese Enttäuschung je nach den Charakteren und Temperamenten der Umsitzenden auf den Gesichtern hervorbrachte.

Nach der Henne machte eine Platte mit Bohnen ihre Aufwartung, in der sich einige Schöpsenknochen zu zeigen schienen, von denen man Anfangs glauben konnte, sie seien mit Fleisch bekleidet. Aber die Schreiber ließen sich durch diesen Trug nicht bethören, und ihre düstern Mienen wurden ergebungsvolle Gesichter.

Madame Coquenard theilte dieses Gericht mit der Mäßigung einer guten Hauswirthin unter die jungen Leute aus.

Nun kam die Reihe an den Wein; Herr Coquenard schenkte aus einem sehr mageren Weinkruge jedem von den jungen Leuten das Drittheil eines Glases em, nahm für sich ungefähr in gleichem Verhältniß, und die Flasche ging sogleich zu Porthos und Madame Coquenard über.

Die jungen Leute füllten das Drittel Wein mit Wasser; wenn sie die Hälfte des Glases getrunken hatten, füllten sie es abermals, und so machten sie dies fortwährend, wodurch sie am Ende des Mahles ein Getränke verschluckten, das von der Farbe des Rubins zu der des Rauchtopases übergegangen war.

Porthos verspeiste schüchtern seinen Flügel. Er trank auch ein halbes Glas von diesem so spärlich zugemessenen Weine und erkannte ihn als einen Montreuil. Meister Coquenard sah ihn den Wein ungemischt trinken und stieß einen Seufzer aus.

»Eßt Ihr vielleicht von diesen Bohnen, mein Vetter Porthos?« sprach Madame Coquenard mit jenem Tone, welcher sagen will: »Glaubt mir, eßt nichts davon.«

»Ich danke meiner Base,« erwiderte er, »ich habe keinen Hunger mehr.«

Es trat ein Stillschweigen ein. Porthos wußte nicht, wie er sich benehmen sollte. Der Procurator wiederholte mehrmals:

»Ah, Madame Coquenard, ich mache Euch mein Compliment. Euer Mittagsbrod ist ein wahres Festmahl!«

Porthos glaubte, man wolle ihn zum Besten halten, und fing an, seinen Schnurrbart in die Höhe zu streichen und die Stirne zu falten. Aber der Blick von Madame Coquenard ermahnte ihn zur Geduld.

In diesem Augenblick standen die Schreiber auf einen Wink des Procurators langsam vom Tische auf, legten ihre Servietten noch langsamer zusammen, verbeugten sich und traten ab.

»Geht, Ihr jungen Leute, geht und verdauet durch Arbeiten,« sagte der Procurator ernsthaft.

Als die Schreiber sich entfernt hatten, erhob sich Madame Coquenard und holte aus einem Speiseschrank ein Stück Käse, eingemachte Quitten und einen Kuchen, den sie aus Mandeln und Honig selbst verfertigt hatte.

Herr Coquenard runzelte die Stirne, weil er zu viel Gerichte erblickte.

»Ein Festmahl, ganz entschieden!« rief er, ungeduldig sich auf seinem Stuhl hin und her bewegend. »Ein wahres Festmahl! Epulae epularum: Lucullus speist bei Lucullus zu Mittag!«

Porthos schaute die Flasche an, die in seiner Nähe stand, und hoffte sich im Wein, Brod und Käse gütlich zu thun. Aber der Wein ging bald aus, die Flasche war leer. Herr und Madame Coquenard thaten, als ob sie es nicht bemerkten.

»Das ist gut,« sprach Porthos zu sich selbst, »ich weiß nun, woran ich bin.«

Er leckte ein wenig an einem Löffel voll eingemachter Quitten und verbiß sich die Zähne in dem zähen Teige von Madame Coquenard.

»Nun ist das Opfer gebracht,« sprach er.

Herr Coquenard fühlte nach den Leckereien eines solchen Mahles, das er einen Exceß nannte, das Bedürfniß, Siesta zu halten.

Porthos hoffte, dies würde an Ort und Stelle und in demselben Räume vorgehen, aber der Procurator wollte nichts davon hören. Man mußte ihn in sein Zimmer zurückbringen, und er schrie, so lange er nicht vor seinem Schranke war, auf dessen Rand er sodann aus Vorsicht seine Füße stellte.

Die Procuratorin führte Porthos in ein anstoßendes Zimmer. »Ihr könnt dreimal in der Woche zu Tisch kommen,« sagte Madame Coquenard. – »Ich danke,« erwiderte Porthos, »ich mache nicht gerne Mißbrauch von solchen Einladungen. Ueberdies muß ich an meine Equipirung denken.« – »Das ist wahr,« sprach die Prokuratorin seufzend, »diese unglückliche Equipirung nimmt Euch in Anspruch, nicht wahr?« – »Ach ja,« sagte Porthos. – »Aber worin besteht denn die Equipirung Eueres Corps, Herr Porthos?« – »Oh! in Mancherlei,« sprach Porthos, »die Musketiere sind, wie Ihr wißt, Elitesoldaten, und sie brauchen viele Dinge, welche die Garden und die Schweizer entbehren können.« – »Nennt sie mir einzeln.« – »Das belauft sich etwa auf ... erwiderte Porthos, der sich lieber über den Gesammtbetrag, als über die einzelnen Punkte aussprechen wollte.

Die Procuratorin wartete zitternd.

»Auf wie viel?« fragte sie; »ich hoffe, es wird nicht mehr als ...« hier blieb sie stecken, es fehlte ihr das Wort.

»Oh! nein, es beträgt nicht über zwei tausend fünf hundert Livres. Ich glaube sogar, daß ich bei einiger Sparsamkeit mit zwei tausend ausreichen könnte.«

»Guter Gott! zwei tausend Livres!« rief sie, »das ist ja ein ganzes Vermögen, und mein Mann wird sich nie herbeilassen, eine solche Summe zu borgen!«

Porthos machte eine sehr bezeichnende Grimasse; Madame Coquenard verstand ihren Sinn.

»Ich fragte nach den einzelnen Punkten,« sprach sie, »weil ich viele Verwandte und Kunden bei dem Handelsstand habe, und folglich überzeugt sein kann, daß ich die Sache um hundert Procent unter dem Preise bekomme, den Ihr dafür bezahlen müßt.« – »Ah! ah!« rief Porthos, »wenn Ihr damit andeuten wolltet ...« – »Ja, mein lieber Herr Porthos. Ihr braucht also vor Allem ...« – »Ein Pferd.« – »Ja, ein Pferd. Gut! das ist es gerade, was ich für Euch abmachen kann.« – »Ah!« sprach Porthos strahlend, »in Beziehung auf mein Pferd stehen also die Angelegenheiten ganz gut; dann brauche ich noch ein Pferd für meinen Bedienten und ein Felleisen. Was die Waffen betrifft, so dürft Ihr Euch nicht darum bekümmern, diese habe ich bereits.« – »Ein Pferd für Euern Bedienten?« versetzte die Procuratorin zögernd. »Aber das klingt sehr vornehm.« – »Ei! Madame!« sprach Porthos stolz, »bin ich etwa ein armer Schlucker?« – »Nein. Ich wollte Euch nur sagen, ein hübsches Maulthier sehe gleichsam eben so gut aus, wie ein Pferd, und es scheine mir, wenn ich Euch ein gutes Maulthier für Euren Mousqueton verschaffen würde ...« – »Es mag sein, ein hübsches Maulthier; Ihr habt Recht, ich habe sehr vornehme spanische Herren gesehen, deren ganzes Gefolge auf Maulthieren ritt. Aber Ihr werdet dann begreifen, Madame Coquenard, daß ich ein Maulthier mit Federbusch und Schelle haben muß.« – »Seid unbesorgt,« erwiderte die Procuratorin. – »Nun ist noch das Felleisen übrig,« sagte Porthos. – »Oh! das darf Euch nicht beunruhigen,« rief Madame Coquenard, »mein Mann besitzt fünf oder sechs Felleisen, und Ihr sucht Euch das beste aus; es ist besonders eines darunter, das er sehr gerne mit auf Reisen nahm, man könnte eine ganze Welt hineinpacken.« – »Euer Felleisen ist also leer?« fragte Porthos. – »Gewiß, es ist leer,« antwortete die Procuratorin. – »Ah! dasjenige, welches ich brauche,« rief Porthos, »ist ein wohl ausgerüstetes, meine Theure.«

Madame Coquenard stieß neue Seufzer aus. Molière hatte damals seinen Geizhals noch nicht geschrieben. Madame Coquenard gebührt also der Vorrang vor Harpagon.

Der Rest der Equipirung wurde nach und nach auf dieselbe Weise debattirt, und das Resultat der Sitzung war, daß die Procuratorin von ihrem Gatten acht hundert Livres in baarem Gelde verlangen und das Pferd und das Maulthier liefern sollte, welchen beiden Geschöpfen die Ehre zugedacht war, Porthos und Mousqueton zum Ruhme zu tragen.

Als diese Bedingungen festgestellt und die Interessen vertragsmäßig bestimmt waren, nahm Porthos von Madame Coquenard Abschied und kehrte mit abscheulichem Hunger nach seiner Wohnung zurück.

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