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Die Drei in der Nacht

Max Brand: Die Drei in der Nacht - Kapitel 35
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDie Drei in der Nacht
publisherVerlag von Th. Knaur Nachf
yearo.J.
translatorHellmuth Wetzel
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180225
projectid30d7648f
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Vierunddreißigstes Kapitel.
Die Scheidewasserprobe

Und ebenso hörten Kate Cumberland und Dan unten im Wohnzimmer diesen Ruf. Den ganzen Tag über hatte sie am Feuer gesessen, das von Zeit zu Zeit von Wung Lu erneuert wurde und lustig flackerte. Sie hatte eine Näharbeit zur Hand genommen, an der sie ruhig und stetig arbeitete. Einen Teil dieser Zeit war auch Dan Barry im Zimmer. Er konnte lange unbeweglich sitzen und sie mit luchsäugiger Aufmerksamkeit beobachten. Sehr selten nur sprach er ein Wort – fast nie – und die Finger ihrer Hände hätten ausgereicht, um die wenigen Worte zu zählen – jawohl, und sie wäre fähig gewesen, sie Wort für Wort zu wiederholen. Hier und da stand er auf und ging hinaus. Jedesmal folgte ihm der Wolfshund. Aber schließlich blieb Black Bart lieber im Zimmer, zusammengerollt zu Kates Füßen, behaglich ins Feuer blinzelnd, als wisse er, daß sein Herr doch an dieses Feuer zurückkehren werde. Warum sollte man sich dann von der angenehmen Wärme trennen, während es draußen kalt und grau war? Ruhig blieb er an seinem Platz und regte sich kaum. Gelegentlich hob er die Pfote und strich sich damit ungeschickt über die Augen, eine Bewegung, die drollig menschenähnlich wirkte. Und ein oder zweimal hob er seinen mächtigen narbenbedeckten Kopf, legte ihn Kate in den Schoß, blickte gespannt von ihren geschäftigen Händen zu ihrem Gesicht hinauf und von ihrem Gesicht wiederum auf ihre Hände, bis er schließlich, anscheinend beruhigt, den Kopf sinken ließ und wieder in seine frühere Unbeweglichkeit verfiel.

Als Stunde um Stunde so verrann, stieg ein überwältigendes singendes Glücksgefühl in Kate Cumberlands Kehle auf. Ungefähr zur selben Zeit hörte sie einen schwachen, kaum vernehmbaren Ton von der anderen Seite des Zimmers, wo Barry saß. Dan pfiff vor sich hin. Die Melodie war dünn, ein Gespensterlaut, als spiele der abgeschiedene Geist eines Paganini der Wildnis auf einer sordinierten Violine. Es war keine Melodie, die man behalten und wiederholen konnte, und wie immer, wenn sie diese seltsamen Weisen hörte, sah Kate ein Traumbild vor sich aufsteigen. Es tanzte in der goldenen Glut des Feuers, und schließlich schlug es sie so in seinen Bann, daß nichts anderes mehr existierte.

Glücklich? Und wie glücklich! Und er teilte ihre Seligkeit. Er blickte nicht einmal aus dem Fenster, während die Melodie sich leise fortspann, seine Augen ruhten stetig, voller Konzentration auf ihrem Gesicht.

Das war der Augenblick, wo sie es draußen rufen hörten: »Dan! Dan Barry! Komm raus!«

Ein heiserer gellender Schrei, wie in den Sturm hinausgebrüllt. »Dan! Dan Barry! Komm 'raus!«

Und schon stand Dan Barry auf den Füßen, schon glitt er zu der Wand hinüber, wo der Gürtel mit seinen Revolvern an einem Nagel hing, und rasch schnallte er ihn um. Kate rannte ans Fenster, knurrend lief der Wolfshund mit, und sie erblickte vor dem Haus, ohne Hut, mit wüstem Haar, Buck Daniels, einen Revolver in jeder Hand. Hinter ihm stand sein Pferd, schnaubend und schweißbedeckt von dem langen wilden Ritt.

Hinter ihr kratzte etwas. Der Hund richtete sich auf und versuchte die Tür zu öffnen. Wenn es ihm gelang, dann wußte sie, saß er im nächsten Augenblick dem Mann da draußen an der Kehle. Und nicht nur er! Dan Barry glitt eben mit seinem seltsamen katzenhaften Schritt durch das Zimmer. Er hatte keinen Blick für sie. Er lächelte vor sich hin, sie hätte lieber erlebt, ihn in wilder Wut fluchen zu hören, als dieses Lächeln auf seinem Gesicht sehen zu müssen. Die Angst packte sie mit eisernem Griff. Ihre ausgestreckte Hand suchte einen Halt, und sie taumelte gegen die Wand. Was konnte sie tun? Wenn sie zwischen ihn und den da draußen trat, so wischte sie Dan mit einer Handbewegung aus dem Weg – und für immer aus seinem Leben. Aber ebenso war er für sie verloren, wenn sie ihn seiner Rache nachgehen ließ. Denn dann wurde er zum Flüchtling vor der Vergeltung des Gesetzes.

Schon lag seine Hand auf der Türklinke, da fiel ihr ein, wie sich Black Barts Zähne über ihrem Arm geschlossen hatten, ohne sie zu verletzen. Im nächsten Augenblick war sie mit ausgestreckten Armen zwischen Dan und die Tür geglitten. Er wich um ein paar Zoll zurück, dann aber trat er auf sie zu und schob sie langsam und sanft mit einer Kraft, gegen die es keinen Widerstand gab, zur Seite. Sie hatte ihm in die Augen sehen müssen – sie konnte nicht anders – und hatte die gelbe Flamme wieder darin lodern sehen, diesen Hunger nach Gewalt, der nicht zu sättigen war. Da wußte sie – bittere Erkenntnis –, daß sie unterlegen war. Den Halbwolf hatte sie sich unterwerfen können, aber sein Herr entzog sich ihrem Einfluß. Wenn ihr noch ein wenig Zeit vergönnt gewesen wäre, so hätte sie den großen Kampf gewinnen können. Jetzt hatte derselbe Buck Daniels, der einst ihr Verbündeter gewesen war, alles mit einem Schlag zerstört. Und Buck Daniels rüttelte bereits hinter ihr am Türschloß. Verzweifelt drehte sie sich um, um der neuen Gefahr die Stirn zu bieten.

In ihren wildesten Träumen hätte sie nicht geglaubt, daß Buck sich so verändern könne. Sie wußte, daß er einmal zu den Strauchrittern gehört hatte, die die Berge unsicher gemacht hatten. Damals war Daniels auch von den Stärksten gefürchtet worden. Sie selbst aber hatte ihn niemals so gesehen. Ihr gegenüber war er immer die verkörperte Sanftmut gewesen. Und nun auf einmal stand ein Gespenst vor ihr, mit verwüstetem Gesicht, mit glitzernden Augen, die tief in ihren Höhlen lagen, ungekämmt, mit halb offenem Hemd und kampflustig geballten Fäusten. Der Hund begrüßte die bekannte Gestalt mit einem leisen Winseln, aber ein Blick auf seinen Herrn belehrte ihn, daß irgendeine Veränderung vorgegangen war, daß der alte Freundschaftsbund nicht mehr bestand, und so fletschte er plötzlich die Zähne und sein Winseln wandelte sich in wütendes Knurren. All das erfaßte Kate mit einem Blick. Eine Sekunde später stand sie vor Dan, deckte ihn mit ihrem Körper und ihren ausgebreiteten Armen und blickte Buck Daniels in die Augen. Buck ließ den Revolver, den er in der Hand hielt, wieder in den Halfter an seinem Gürtel gleiten.

»Geh von ihm weg, Kate!« befahl er. Seine Augen suchten an ihr vorbei die seines Gegners zu erreichen. »Geh da weg! 's hat schon lang kommen müssen und jetzt ist's soweit! Barry, geh weg von dem Mädel und zieh dein Schießeisen – und ich werd' dich voll Blei pumpen!«

Und die sanfteste aller menschlichen Stimmen murmelte hinter Kate Cumberland: »Buck, ich hab' auf dich gewartet Tag und Nacht. Mann, 's gibt keinen, den ich lieber säh'!«

Und Kate spürte, wie er schattengleich hinter ihr zur Seite glitt. Mit einem wilden Schrei warf sie sich wieder vor ihn.

»Buck,« bettelte sie, »schieß nicht!«

Ein klirrendes unnatürliches Lachen füllte Back Daniels Kehle.

»Also für ihn kannst du betteln«, höhnte er. »Um ihn hast du Angst, was? Aber nicht das kleinste Wort hast du für den armen Buck Daniels, der sich hier hat wegdrücken müssen wie ein geprügelter Hund – pah! Dan Barry, die Zeit ist gekommen – wie 'n Hundevieh hab' ich gelebt, und du bist schuld dran, aber jetzt ist Schluß. Zieh endlich und geh dem Mädel von den Röcken!«

Wenn sie sich einmal erst Auge in Auge gegenüberstanden – Kate wußte es nur zu gut – dann konnte keine Macht der Erde mehr den Kampf verhindern, aber sie wußte auch, wenn sie die beiden wenigstens für kurze Zeit aufhalten konnte ... Wieder fühlte sie, wie der behende Schatten hinter ihr wegglitt – sie konnte seine Bewegungen aus Buck Daniels zornfunkelnden Augen ablesen.

»Buck!« schrie sie. »Um Gottes willen – um meinetwillen dreh dich um und roll dir eine Zigarette.«

Denn es war ihr eingefallen, was Daniels in der Kneipe in Brownsville getan hatte. In ihrer Verzweiflung fiel ihr nichts Besseres ein, um die beiden auseinanderzuhalten.

Gerade daß ihr Verlangen so seltsam war, verlieh ihm Nachdruck. Buck Daniels drehte sich auf dem Absatz herum.

»Es ist der letzte Gefallen, den ich dir tue, Dan«, sagte er. Er kehrte ihnen jetzt seinen mächtigen Rücken zu. »Aber eh du ins Gras beißt, sollst du wenigstens wissen, warum ich dich um die Ecke bringen muß. Ich werd' mir eine Zigarette rollen und solange ich sie rauche, werd' ich dir mal die Augen darüber öffnen, was für ein nichtswürdiger Kerl du bist. Und wenn ich mit der Zigarette zu Ende bin, dann, Mann, dreh' ich mich 'rum und schieß dich über den Haufen, wie du dastehst.«

»Brauchst nicht erst zu warten«, antwortete Barrys sanfte Stimme. »Reden ist nicht viel wert.«

Aber Kate Cumberland wandte sich jetzt zu ihm. Er bebte vor Kampflust. Der Haß wallte und glühte und flackerte in seinen Augen. Sein Gesicht war bleich – sehr bleich –, und Kate glaubte beinahe die Spuren des Schlages darauf sich abzeichnen zu sehen, den er vor vielen Tagen von Buck Daniels erhalten hatte. Sie fürchtete ihn jetzt wie niemals zuvor. Und dennoch verlegte sie ihm mit ausgestreckten Armen den Weg.

Hinter ihnen raschelte ein Papier, Buck Daniels rollte seine Zigarette.

»Nein,« sagte Buck, seine Stimme hatte plötzlich einen übertrieben gleichgültigen Klang angenommen, »für dich ist reden nicht viel wert. Reden ist menschlich, und was menschlich ist, das gilt bei dir nicht viel. Aber ich werde dir beibringen müssen, Mann, warum's Zeit ist, daß du stirbst.«

Sie hörten, wie er ein Streichholz anstrich.

»Ich weiß wohl,« fuhr er fort, »du bist schneller mit dem Schießeisen als ich, und kräftiger als ich und geradezu zum Raufen geschaffen. Aber das macht gar nichts. Ich weiß, daß ich dich heut auslöschen werd'. Du hast deine Arbeit besorgt – die Hölle hast du hinter dir gelassen, wo du hingekommen bist – es ist endlich Zeit, daß du abfährst. Ich weiß es!«

Er machte eine Pause. Und als er von neuem zu sprechen anfing, war es beinah ein Jubelschrei: »Ich kann dir sagen, Dan, ich hab' keine Angst vor dir und ich weiß, die Kugel, die hier im Lauf steckt, just die Kugel wird dir durchs Herz pfeifen. Das weiß ich!«

Eine Art Seufzer entrang sich Dan Barrys Lippen. Seine Hände streckten sich gierig nach Buck Daniels aus.

»Du hast genug geredet,« sagte er, »reichlich genug! Jetzt dreh dich 'rum und schieß!«

Und Kate Cumberland trat zur Seite. Sie wußte, daß sie nicht mehr die Macht hatte, das, was kommen sollte, aufzuhalten, hilflos sank sie gegen die Wand. Sie versuchte die Augen zu schließen, aber der Gedanke an das Entsetzliche zwang sie, gegen ihren Willen die Augen wieder aufzuschlagen. Das schlimmste von allem war die Ruhe und Gelassenheit, mit der Buck Daniels jetzt sagte: »Nur Geduld, Dan, ich werde mich bald genug herumdrehn, aber Kate will, daß ich erst eine Zigarette rauche. Dan, du bist wie das Feuer gewesen, das jeden verbrennt, der es anfaßt.« Er zog mit einem tiefen langen Atemzug den Rauch ein und blies ihn dann in einem Strahl gegen die Decke: »Auf deinem Freund bist du 'rumgetrampelt, der an dir gehangen hat, und dem Mädel, das dich liebt, hast du das Herz gebrochen.«

Er hielt wieder inne, um den Rauch tief in sich zu saugen, und Kate Cumberland, die in angstvoller Spannung auf den Augenblick wartete, wo sich Buck herumdrehen und die Schüsse durch das Zimmer krachen würden, sah undeutlich, wie ein dünner Nebelhauch sich über die gelbe Glut in Dans Augen legte. Er zog die Stirne kraus, wie jemand, der unvermutet auf einen Gedanken stößt.

»Denk' an sie, Dan!« fuhr Buck Daniels fort, »denk' dran, wie sie sich weggeworfen hat an einen nichtsnutzigen Hund, wie du einer bist – einen nichtsnutzigen wilden Wolf. Großer Gott – und sie hätte einen anständigen Mann glücklich machen können – einen Kerl, der ein Herz in der Brust hat – aber was geschieht? Gott schickt dich ihr auf den Hals wie die Pest – einen Kerl, wie du bist, mit 'ner Seele aus Wind und einem Herz aus Stein. Denk' nur dran! Wenn du erst mal richtig siehst, was du gewesen bist, Barry, dann soll's mich nicht wundern, wenn du auf der Stelle hinausgehst und dir den Schädel mit deinem eigenen Revolver in Fetzen knallst.«

»Buck!« rief Dan Barry. »So wahr ein Gott im Himmel lebt, wenn du mir nicht endlich das Gesicht zeigst – ich schieß dich in den Rücken!«

»Das wußt' ich,« sagte Daniels, den nichts mehr aus der Ruhe zu bringen schien, »daß es einmal so weit mit dir kommen würde. Früher mal hast du gefochten wie ein anständiger Kerl, aber jetzt gehst du deinen Instinkten nach und kämpfst wie ein jagender Wolf. Schau dir doch das Vieh an, das sich hier an mich heranschleicht! Da siehst du, was du selbst bist! Du machst die Leute kalt just aus Sport – wie die Tiere. Wenn du 'n Kerl wärst, könntest du mich dann so behandeln, wie du's getan hast. – Dein verdammtes Herz aus Stein und deine gelben Katzenaugen und was sonst noch – 's wär' alles längst verbrannt damals im Schuppen – du mitsamt deinem Wolf und deinem verdammten Gaul. Warum hab' ich dich nicht drin rösten lassen? Weil ich ein Narr gewesen bin! Weil ich immer noch dachte, 's steckt was in dir. Aber später hab' ich gesehn, was mit dir los ist, und ich bin weggeritten, um dir aus dem Weg zu gehen – um dir's zu ersparen, daß du dir die Hände mit meinem Blut befleckst. Und was machst du? Du setzt dir's in den Kopf, mir nachzuschleichen – da soll dir doch das Donnerwetter in den Hals schlagen! Mir wolltest du nachschleichen! Und jetzt weißt du, Dan, warum es Zeit ist, daß ich dich aus der Welt schaff' – und das tu ich jetzt! Früher, da war es dir verhaßt, irgend jemand auch nur 'n bißchen wehzutun, und wenn du jemand was angetan hattest, so war's, weil es nicht anders ging, aber jetzt, jetzt lebst du einfach davon, andere zu foltern. 'raus mit dem Revolver, Barry!«

Und damit fuhr er herum und der schwere Revolver schien ihm wie von selbst in die Hand zu springen.

Und immer noch gelang es Kate nicht, die Augen vor dem Fürchterlichen, das jetzt kommen mußte, zu schließen. Sie konnte noch nicht einmal schreien. Sie war hilflos, wie angefroren.

Aber die Dinge, vor denen sie sich fürchtete, der schmetternde Knall, der dünne Rauchstrahl, das Vorwärtstaumeln eines zu Tode Getroffenen, das alles blieb aus. Dan Barry stand, die Hand vor die Augen gepreßt, während die Rechte unbewaffnet an seiner Hüfte herabhing und er in tiefem Grübeln den Boden anstarrte.

Und schließlich sagte er: »Buck, ich glaube, du hast recht. Mit mir ist nicht viel los. Und mir ist eingefallen, Buck, wie du Kate zu mir geschickt hast, als ich krank war.«

Buck Daniels Händen entglitt der Revolver und fiel rasselnd zu Boden.

Wieder murmelte Dan Barrys musikalische Stimme: »Und jetzt fällt mir ein, wie du dich um meinetwillen gegen Jim Silent gestellt hast. Buck, was ist bloß zwischen uns getreten seit damals? Vor einer Weile da hast du mich geschlagen und seitdem hat mich's nach deinem Blut verlangt – aber ich weiß nicht, wie's kommt, wenn ich dich jetzt reden hör' – Mann, ich fühl mich so verloren und so einsam – als hätt' ich was weggeschmissen, was mir mehr wert ist als alles andere.«

Buck Daniels streckte seine gewaltigen Arme aus. Es war erschütternd, wie gebrochen seine Stimme klang:

»Oh, lieber Gott, Dan,« rief er, »nur einen Schritt komm zu mir zurück und ich lauf' um die ganze Welt, um dir zu begegnen.«

Er stolperte über den Boden und packte Barrys Hand. Ein feuchter Nebel hatte sich vor seine Augen gelegt.

»Dan, ist jetzt alles wieder wie's früher war? Vergibst du mir?«

»Sag', Buck,« murmelte Dan Barry, wie ein Mann, der plötzlich erwacht, »sind wir nicht mal Kameraden gewesen?«

»Dan,« stotterte Buck Daniels mit erstickter Stimme, »Dan ...« Aber er konnte seiner Stimme nicht mehr trauen, drehte sich herum und flüchtete aus dem Zimmer.

Dan Barry blickte ihm mit benommenen Augen nach. Und dann wanderte sein Blick weiter, bis er auf Kate Cumberlands Gesicht fiel. Mit einem Ruck riß er die Augen auf und starrte sie mit dem Ausdruck tiefster Überraschung an. Lange standen sie so und betrachteten einander schweigend. Dann setzte er den Fuß vor und schritt langsam, Schritt um Schritt, auf sie zu. Jetzt stand er vor ihr und sah ihr mit einem Ausdruck so stummen Leides in die Augen, daß ihr Herz schwoll.

Er sagte mehr zu sich selbst, als zu ihr: »Scheint mir, ich bin lange Zeit weg gewesen.«

»Lange, lange Zeit«, flüsterte sie.

Er atmete tief auf.

»Ist das wahr, was Buck gesagt hat? Von dir?«

»Oh, Lieber, Lieber!« rief sie. »Siehst du's denn nicht?«

Er stutzte ein bißchen, dann faßte er ihre beiden Hände und drehte sie dem trüben Licht zu, das durch die Fenster fiel.

»Scheint mir, du bist so bleich, Kate.«

»Alle Farbe ist vergangen, während ich auf dich gewartet habe, Dan.«

»Aber da zieht's rot herauf – wie Morgenlicht – und steigt dir in die Wangen ...«

»Weißt du denn nicht? Das ist, weil du zurückgekommen bist.«

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