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Die Drei in der Nacht

Max Brand: Die Drei in der Nacht - Kapitel 3
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDie Drei in der Nacht
publisherVerlag von Th. Knaur Nachf
yearo.J.
translatorHellmuth Wetzel
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180225
projectid30d7648f
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Zweites Kapitel.
Worte und Revolverkugeln

»Hier ist einer, der sich Doktor schimpft«, sagte Hank Dwight, um seinen Gast gebührend vorzustellen. »Wenn Sie ihn brauchen können, Miss Cumberland, dann greifen Sie ruhig zu.«

Und damit zog er ab.

Der Zufall wollte es, daß die Sonne gerade hinter Kate Cumberland stand. Um sie genauer zu betrachten, mußte der Doktor die Hand schützend über seine schwachen Augen legen und die Brauen zusammenziehen, denn unter Miss Cumberlands breitrandigem Sombrero rollte eine schwere Wolke goldenen Haares heraus, das glänzte wie der Sonnenschein selbst – es war wirklich eine bedenkliche Beanspruchung für Doktor Randalls empfindlichen Sehnerv. Er wiederholte ihren Namen, verbeugte sich, richtete sich auf und mußte wieder blinzeln. Als wisse sie um die übermäßige Beanspruchung seiner armen Augen, trat sie einen Schritt näher und stand nun im Schatten.

»Doktor Hardin ist nicht zu Hause,« sagte sie, »und ich muß so schnell wie möglich einen Arzt haben. Mein Vater ist krank, es steht kritisch mit ihm.«

Randall Byrne rieb sich sein hageres Kinn.

»Ich übe zur Zeit keine Praxis aus«, sagte er widerstrebend. Dann sah er, daß sie ihn genau musterte. Es war ihm zumute, als werde er gewogen, und es kam ihm zum Bewußtsein, daß er äußerlich kein Mann von besonderem Format war. Die Gefahr war groß, daß er zu leicht befunden wurde.

»Ich habe kaum die nötigen Instrumente«, hub er an.

»Sie brauchen keine Instrumente«, unterbrach sie ihn. »Es handelt sich bei meinem Vater um die Nerven und den ganzen geistigen Zustand.«

Ein schwaches Leuchten verriet sich in den Augen des Doktors.

»Ah,« murmelte er, »um den geistigen Zustand!«

»Jawohl!«

Er rieb langsam seine blutlosen Hände: »Sagen Sie mir die Symptome«, sagte er. Seine Stimme war plötzlich scharf und wach und gänzlich unpersönlich.

»Könnten wir das nicht unterwegs besprechen? Selbst wenn wir jetzt gleich losreiten, wird es dunkel sein, bis wir auf unserer Ranch ankommen.«

»Aber«, bemerkte der Doktor protestierend, »ich habe mich noch nicht entschlossen – diese Überstürzung ...«

»Oh«, sagte sie. Ihre Wangen röteten sich. Sie war drauf und dran, ihn stehenzulassen; er merkte es deutlich. Aber irgend etwas hielt sie noch fest. »Es ist kein anderer Arzt erreichbar und meinem Vater geht es furchtbar schlecht. Ich verlange von Ihnen ja nur, Herr Doktor, daß Sie eine Diagnose stellen.«

»Aber nach der Ranch hinausreiten«, sagte er hilflos. »Ich nehme an, daß ich auf einem Pferd reiten soll.«

»Natürlich.«

»Ich bin gänzlich unvertraut mit diesem Fortbewegungsmittel«, erklärte der Doktor ernsten Blickes. »Ja, ich muß sagen, ich habe meine Bekanntschaft mit dem Genus equus niemals über das Stadium des rein Experimentellen hinaus entwickeln können. In anatomischer Beziehung besitze ich allerdings einige oberflächliche Kenntnisse, aber bei der einzigen Gelegenheit, wo ich je im Sattel saß, habe ich bemerken müssen, daß die viel gerühmte Gefügigkeit des Pferdes doch wohl nur eine schöne poetische Freiheit ist.«

Er rieb sich nachdenklich die linke Schulter und sah dabei, wie die Mundwinkel des Mädchens leise bebten. Dies diente dazu, sein Sehvermögen zu klären und zu schärfen. Er konnte feststellen, daß diese Lippen im Begriff waren zu lächeln. Das Gesicht des Herrn Doktor hellte sich auf.

»Sie sollen mein eigenes Pferd reiten«, sagte das Mädchen. »Es ist das sanfteste Tier der Welt und hat einen angenehmen leichten Schritt. Ich kann Ihnen versprechen, daß Sie mit ihm nicht die geringsten Zwischenfälle zu befürchten haben.«

»Und Sie?«

»Ich werde hier im Nest schon etwas für mich ausfindig machen, darauf kommt es nicht besonders an.«

»Dies«, sagte der Doktor, »ist ein höchst bemerkenswerter Umstand. Sie pflegen also Ihre Reittiere auf gut Glück zu wählen?«

»Aber Sie werden mitkommen?« beharrte sie.

»Ach so, ja. Der Ritt da hinaus«, stöhnte der Doktor. »Lassen Sie mich überlegen. Die physischen Hindernisse, die sich einem solchen Unternehmen entgegenstellen, sind zwar vielfältig, aber man braucht sie nicht als unüberwindlich zu betrachten, wie ich wohl sagen darf. Auf der anderen Seite scheint mir moralisch eine bindende Verpflichtung vorzuliegen, die allerersten Ranges ist und mich zwingt, mich nach der Ranch hinaus zu begeben.« Er seufzte. »Ist es nicht sonderbar, Miss Cumberland, daß der Mensch, obwohl gegenüber den niedrigeren Gattungen von Lebewesen durch den Besitz des Denkvermögens ausgezeichnet, bei seinen Handlungen so oft unter dem Einfluß ethischer Impulse steht, von denen die Erwägungen kühler Vernunft über den Haufen geworfen werden. Eine Bemerkung, die uns zu der Schlußfolgerung zu führen geeignet ist, daß das leidenschaftliche Begehren, gut zu sein, ein bewegendes Prinzip ist, das an Bedeutung dem leidenschaftlichen Begehren nach absoluter Wahrheit kaum untergeordnet sein dürfte. Sie müssen sich allerdings darüber klar sein, daß ich diese Hypothese zunächst nur versuchsweise aufstelle und dabei vielfache Vorbehalte zu machen habe, zu welchen unter anderen ...«

Er brach kurz ab, das Lächeln auf ihren Lippen war stärker geworden.

»Ich werde ein paar Kleinigkeiten zusammenpacken«, sagte der Doktor, »und sofort wieder hier unten bei Ihnen sein.«

»Gut,« sagte das Mädchen, »ich werde hier mit zwei Pferden auf Sie warten, noch ehe Sie fertig geworden sind.«

Er wandte sich dem Haus zu, hatte jedoch kaum einen Schritt getan, als er sich wieder umwandte, um zu fragen: »Aber wieso sind Sie so sicher, daß Sie bereit sein werden, ehe ich ...«

Aber sie war bereits die Verandastufen hinuntergeeilt und marschierte flott die Straße hinunter.

»Der Frau als solcher ist doch immer ein Zug des Unerklärlichen zu eigen«, meinte der Doktor und machte sich wieder auf den Weg nach seinem Zimmer. Irgend etwas veranlaßte ihn, sich dort nach Leibeskräften zu beeilen. Er warf ein paar Toilettensachen und ein bißchen Wäsche in eine kleine Handtasche aus weichem Leder und stürmte die Treppe wieder hinunter. Als er schnaufend auf der Veranda ankam, war das Mädchen noch nicht in Sicht. Ein Lächeln des Triumphes erschien auf den ernsten, farblosen Lippen des Herrn Doktor. »Immerhin ist der weibliche Instinkt doch nicht unfehlbar«, bemerkte er zu sich selbst und setzte dann seinen Gedankengang laut fort, wobei er sich an einen der Cowboys wandte, der sich in seiner Nachbarschaft in einem Stuhle räkelte. »Obwohl man sagen muß, daß bereits des öfteren eine ganze Reihe von Denkern die Wahrheit der Fabel von der weiblichen Divinationsgabe anzuzweifeln gewagt haben, wie Sie wohl auch zugeben werden.«

Der Mann, dem diese Ansprache galt, ließ erschrocken die Kinnlade fallen, ermannte sich aber einen Augenblick später zu dem stürmischen Ausruf:

»Ja, in Dreideibelsnamen, Mensch, was wollen Sie eigentlich sagen?«

Der Doktor war, in Gedanken versunken, im Begriff gewesen, sich wegzuwenden, aber jetzt hielt er inne und wandte sich wieder dem Cowboy zu. Stirnrunzelnd bemerkte er: »Ich finde, mein Herr, daß sich Ihre Bemerkung durch eine keineswegs angebrachte Heftigkeit auszeichnet.«

»Schnallen Sie sich ruhig Ihre Brille vor«, meinte das fragliche Mitglied der menschlichen Gesellschaft. »Sie meinen wohl, Sie reden mit Ihren Büchern? Sie reden hier mit 'nem Menschen!«

»Und in Ihrer Haltung, mein Herr,« fuhr der Doktor fort, »bemerke ich einen Anflug von Provokation, der es, falls Sie Ihr Benehmen fortsetzen sollten, nötig machen würde, zu seiner Korrektur sich physischer Gewalt zu bedienen.«

»Muß sagen, 's ist mir nicht ganz klar, was Sie daherreden,« meinte der Mann der Herden und des Rindviehs, »aber die Melodie, die Sie mir vorpfeifen, die glaube ich zu kennen. Mann, wenn Ihnen die Galle gestiegen ist und wenn Sie meinen ...«

Seine Stimme hatte sich unheilverkündend gehoben. Und nun glitt er aus dem Stuhl und stand Randall Byrne drohend gegenüber. Ein großer, sonnengebräunter Mann mit kräftigen Fäusten. Der Doktor lief rot an.

»Nun?!« gab er zurück. Aber statt voll und dröhnend herauszukommen, wurde seine Stimme zu einem gereizten, schrillen Quietschen.

Er sah eine mächtige Hand, die sich zur Faust ballte, aber fast augenblicklich flog ein Grinsen über die Züge seines riesigen Gegenübers und seine Augen glitten an Byrne vorbei.

»Hol's der Teufel!« grunzte er und drehte Byrne mit einem verstohlenen Kichern den Rücken.

Der Doktor fühlte sich von einer wahnwitzigen Lust erfüllt, über den Kerl herzufallen, aber das dauerte nur einen Augenblick. Das Gefühl der Ohnmacht überkam ihn wie eine riesige Welle. Er war weiß um den Mund, und er wußte es, und er spürte eine unangenehme Trockenheit in der Kehle.

»Die durch das Bewußtsein bevorstehenden physischen Kampfes und persönlicher Gefahr ausgelöste Erregung«, diagnostizierte er bei sich, »verursacht eine Beschleunigung des Pulses unter gleichzeitigem allgemeinen körperlichen Schwächegefühl. Ein Zustand, der eines ausgeglichenen Intellekts nicht würdig ist.«

Nachdem er so durch rascheste Anwendung seines Denkvermögens seine Haltung zurückgewonnen hatte, schritt er weiter die große Veranda hinunter. An einem Pfeiler lehnte ein anderer großgewachsener Mann des Rindviehs und der Herden, genau so braun, sehnig und hart wie der andere.

»Darf ich mir die Frage erlauben,« sagte der Doktor, »ob Sie irgendwelche direkte oder indirekte Informationen über eine gewisse Familie Cumberland haben, die hier in der Umgebung eine Ranch besitzen soll?«

»Sie dürfen!« sagte der Cowboy, der beschäftigt war, eine Zigarette zu rollen, und fuhr in seiner Arbeit fort.

»Schön,« sagte der Doktor, »wissen Sie etwas über diese Leute?«

»Gewiß«, sagte der andere. Er war mit seiner Zigarette zu Ende gekommen und steckte sie zwischen die Lippen. Es schien ihm jedoch augenblicklich zum Bewußtsein zu kommen, daß er sich eines Verstoßes gegen die Regeln der Gastfreundschaft schuldig gemacht hatte. Er erschrak, zog seinen Tabak und sein Zigarettenpapier wieder heraus und hielt sie dem Doktor anbietend hin.

»Rauchen?« fragte er.

»Ich pflege mich«, erklärte Randall Byrne, »in keiner Form des Tabaks zu bedienen.«

Der Cowboy starrte ihn wie versteinert an. Ja, er ließ das angezündete Streichholz so weit herunterbrennen, daß er sich die Fingerspitzen versengte, ehe er sich überwinden konnte, seine Zigarette anzuzünden.

Endlich war er fähig, seinem Erstaunen Luft zu machen:

»Was Sie nicht sagen?« meinte er. »Wie fangen Sie's da bloß an, die Zeit totzuschlagen? Na, ich hab' mir's auch schon durch den Kopf gehen lassen, ob ich das Zeug nicht für 'ne Weile aufgeben soll. Meine alte Dame ist mir schon lange aufsässig, weil ich immer die Finger so voll Nikotin hab'.«

Er zeigte seine Hand, deren Zeige- und Mittelfinger glänzend gelb gefärbt waren.

»Mit Seife geht's nicht weg«, bemerkte er dazu.

»Eine weitverbreitete, aber eigentlich ganz unentschuldbare Auffassung«, sagte der Doktor. »Diese Flecken werden durch die teerartigen Nebenprodukte des Tabaks verursacht. Mit Nikotin hat das nichts zu tun. Nikotin selbst ist natürlich etwas ganz anderes, nämlich eine flüchtige alkalische Base, von der im Tabak nur ganz geringfügige Mengen vorhanden sind. Es ist eines der tödlichsten Nervengifte und ganz farblos. Wenn das, was Sie da an den Fingern haben, Nikotin wäre, wäre es hinreichend, um zwölf Männer umzubringen.«

»Der Deubel! Was Sie nicht sagen!«

»Nichtsdestoweniger ist es eine unbestreitbare Tatsache. Ein stecknadelkopfgroßes Klümpchen Nikotin auf die Zunge eines Pferdes gebracht, würde das Tier im selben Augenblick töten.«

Der Cowboy schob sich den Hut aus der Stirn und kratzte sich am Kopf.

»'s ist nur gut, daß ich's weiß,« sagte er, »aber ich bin mächtig froh, daß die alte Dame 's nicht gehört hat.«

»Was nun die Cumberlands angeht,« sagte der Doktor, »möchte ich ...«

»Was die Cumberlands angeht,« erwiderte sein Gegenüber, »so würde ich Ihnen raten, die Finger von ihnen zu lassen«, und er war im Begriff, seiner Wege zu gehen. Doch der Wissensdurst Randall Byrnes war allzu brennend. Er beharrte auf dem Thema:

»Wollen Sie sagen, daß sich mit ihrem Namen irgendein Geheimnis verknüpft?«

»Ich will gar nichts sagen«, erklärte der andere, schob sich schwerfällig die Treppe hinunter und verschwand.

Man darf getrost feststellen, daß Randall Byrne im allgemeinen an Tratsch und Klatsch keineswegs Gefallen fand, aber es war entschuldbar, daß er jetzt erregt war. Er sah Hank Dwight in seiner ganzen Länge am Türpfosten lehnen und versuchte nun sein Glück bei seinem Wirt.

»Mr. Dwight,« sagte er, »ich bin im Begriff, nach der Cumberland-Ranch hinauszureiten. Soviel ich höre, liegen dort allerlei Umstände ungewöhnlicher Natur vor.«

»Das stimmt.«

»Können Sie mir sagen, worum es sich handelt?«

»Das kann ich.«

»Gut«, sagte der Doktor, ja, er war nahe daran zu lächeln. »Es ist immer gut, wenn man in Fällen seelischer Erkrankung über den Hintergrund informiert ist, auf dem der Fall sich abspielt. Was wissen Sie also?«

»Ich weiß«, begann der Wirt und unterbrach sich und warf einen zweifelsschweren Blick auf seinen Gast. »Ich weiß,« fuhr er fort, »eine Geschichte.«

»Ja, und?«

»Ja. Von einem Mann, einem Pferd und einem Hund.«

»Wir scheinen uns nicht gerade auf dem direktesten Weg zu befinden, aber ich höre gern, was Sie mir zu sagen haben.«

Tiefe Stille.

»Worte«, sagte der Wirt zu guter Letzt, »sind schlimmer als Revolverschüsse. Man weiß nie, wo's einschlägt.«

»Aber die Geschichte?« beharrte Randall Byrne.

»Die Geschichte«, sagte Hank Dwight, »werd' ich vielleicht meinem Sohn erzählen, wenn ich auf dem Sterbebett liege ...«

»Das klingt sehr vielversprechend.«

»... aber keinem anderen.«

»Wirklich?!«

»Es geht um einen Mann, ein Pferd und einen Hund. Der Mann, der ist nicht recht möglich, das Pferd auch nicht und der Hund ist ein Wolf.«

Er hielt wieder inne und ließ einen bedeutungsschweren Blick auf seinem Gegenüber ruhen. Entgegengesetzte Gefühle schienen ihn hin und her zu zerren. Er schien nur zu sehr darauf aus, ein Garn zu spinnen und andererseits wieder vor den Folgen Angst zu haben.

»Ich weiß Bescheid«, murmelte er. »Ich habe sie alle drei gesehen. Ich habe gesehen –« er blickte ins Leere, schien mit sich selbst um die Grenze zu feilschen, bis zu der er in der Preisgabe des Geheimnisses mit heiler Haut gehen konnte. »Ich habe ein Pferd gesehen, das verstand, was einer zu ihm sagte, wie ich und Sie – und besser. Ich hab' 'nen Mann gehört, der konnte pfeifen wie ein Singvogel, jawoll, ich mach' Ihnen nichts vor. Sie brauchen sich bloß einen Steinadler vorzustellen, so einen Kerl, vor dem alles, was da kreucht und fleucht, den kürzeren ziehen muß und der dabei pfeifen kann wie so 'ne Nachtigall. Just so klang das, wenn der Kerl pfiff. 's machte einen richtig froh ums Herz, und dabei war das erste, was einem dabei einfiel, nach dem Revolver zu sehen, ob er auch richtig funktioniert. 's war nie laut, das Pfeifen, aber es trug mächtig weit durch die Luft, just, als käme es über einem vom Himmel herunter.«

»Sie wollen sagen, daß der seltsame Mann in Ihrer Geschichte so pfeift.«

»Geschichte?« entgegnete der Wirt ziemlich hitzig. »Lieber Mann, wenn der Kerl nicht wirklich ist, dann bin ich auch ein Geist. Und ich könnte Ihnen Leute nennen hier in Elkhead, die brauchen bloß an ihre Narben zu fassen, um zu wissen, daß er hier in Fleisch und Blut herumgeht.«

»Ah! Ein Bandit, ein Revolverheld?« fragte der Doktor.

»Nun hören Sie mal zu, junger Mann«, bemerkte Hank Dwight und bohrte, um seinen Worten Nachdruck zu verleihen, seinen Zeigefinger energisch in Byrnes hohle Brust. »Hier bei uns draußen weiß einer just soviel, wie er sieht, und oft genug weiß er nicht mal soviel. Kann sein, daß Sie manchmal was zu Gesicht kriegen, was Sie selbst angeht, aber meistens geht Sie's nichts an. Worte,« schloß er mit großem Nachdruck, »Worte, die sind schlimmer als Revolverschüsse.«

»Schön,« überlegte Byrne halblaut, »ich werde diese Fragen dem jungen Mädchen vorlegen. Vom ärztlichen Standpunkt aus ist es ganz unerläßlich.«

»Das Mädel fragen? Die wollen Sie fragen?« wiederholte sein Wirt in einer Art von Bestürzung. Aber er tat sich Gewalt an und beendete die Unterredung mit der Bemerkung: »Das ist Ihre Sache!«

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