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Die Drei in der Nacht

Max Brand: Die Drei in der Nacht - Kapitel 29
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDie Drei in der Nacht
publisherVerlag von Th. Knaur Nachf
yearo.J.
translatorHellmuth Wetzel
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180225
projectid30d7648f
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Achtundzwanzigstes Kapitel.
Die Spur

Black Barts Wunden heilten schnell, vielleicht mehr noch dank seiner zähen Natur, als dank der sorgfältigen Pflege. Drei Tage, nachdem er Kate Cumberland seinen Kopf in den Schoß gelegt hatte, konnte er schon, soweit es ihm die Kette erlaubte, herumhumpeln, und den Tag darauf wurde der Verband entfernt, und Dan erklärte, daß nunmehr Bart wieder frei herumlaufen könne. Doktor Byrne wohnte der Zeremonie bei. Vom Fenster aus beobachteten Joe Cumberland und Kate, was vorging. Black Bart wurde von seiner Kette losgemacht. Er beschnüffelte einen Augenblick lang des Doktors Stiefel, knurrte und trabte dann hinkend den Gehegen zu. Als Doktor Byrne und Dan Barry ihn einholten, fanden sie ihn zwischen den Trümmern des verbrannten Stalles. Mit hastigem Schnuppern stöberte er in der Asche hin und her und plötzlich setzte er sich mitten auf der Brandstätte auf die Hinterfüße, streckte die Schnauze hoch in die Luft und stieß ein langgezogenes, unendlich trübseliges Heulen aus.

»Unglaublich, wie intelligent manchmal so ein Tier ist,« meinte der Doktor zu Dan, »er hat genau die Stelle gefunden, wo er angeschossen worden ist. Selbst durch den Brand hat sein Gedächtnis nicht gelitten.«

Er hielt inne, Dans Gesicht war plötzlich düster geworden. Er lief zu Bart hinüber, kauerte sich neben ihn hin. Byrne hörte, wie er sich murmelnd mit dem Tier unterhielt. »Da hast du gelegen«, sagte Dan. »Das ist dein Blut, was du da riechst. Paß scharf auf, Bart! Hier gibt es noch etwas für dich zu finden.«

Der Wolfshund blickte mit aufmerksam aufgerichteten Ohren seinem Herrn ins Gesicht, winselte und fing dann wieder geschäftig an, unter dem Aschenhaufen herumzuschnüffeln.

Byrne hatte ein Bedürfnis, Konversation zu machen.

»Mir ist ganz rätselhaft, wie der Hund zu einer Schußwunde gekommen ist. Glauben Sie, daß einer der Cowboys nach ihm geschossen hat?«

Aber Dan schien des Doktors Gegenwart ganz vergessen zu haben. Er folgte dem Hund getreulich im Zickzack zwischen dem Trümmerhaufen hin und her, blieb stehen, sobald Black Bart stehenblieb und sprach dauernd mit halblauter Stimme auf ihn ein. Manchmal zeigte er ihm irgend etwas – was es war, konnte der Doktor nicht sehen, und dann stieß Bart ein bösartiges, blutdürstiges Heulen aus, während ihm der Geifer vom Maule troff.

Jetzt trennte sich der Hund von der Brandstätte und eilte in vielfach verschlungenen Linien zwischen den Schuppen und Ställen hin und her. Dan Barry war stehengeblieben, wo er stand. Er schien nachdenklich. Hier und da rief er dem Tier ein aufmunterndes Wort nach.

Und Black Bart verfolgte seine Aufgabe mit großer Ausdauer. Jetzt beschrieb er, immer die Nase dicht auf dem Boden, einen großen Kreis um die ganze Gruppe der Schuppen und Ställe. Dann kehrte er plötzlich mit einer jähen Wendung zu der Brandstätte zurück und begann seine Nachforschungen in anderer Richtung. Er hatte es eilig, manchmal lief er fast ohne zu hinken, auf allen vier Pfoten, dann wieder zog er das verletzte Bein hoch und lief auf drei Füßen weiter. Einen Augenblick später war er hinter einer kleinen Bodenerhebung verschwunden, die sich in einiger Entfernung hinter den Ruinen der Brandstätte erhob. Er kam nicht wieder zum Vorschein. Statt dessen hörten der Doktor und Barry ein langes schrilles Jaulen durch die Luft zittern. Dem Doktor stiegen bei dem Ton die Haare zu Berge und ein eiskalter Schauer lief ihm über den Rücken. Dan Barry aber raste sofort auf die Stelle zu, wo Black Bart verschwunden war. Der Doktor eilte nach so rasch er konnte, und sah nun, wie der Hund hinter dem Hügel eifrig enge, vielfach verschlungene Bogen schlug und dann anfing, im Zickzack über seine vorige Spur hin und her zu kreuzen. Sein Herr stand mit düsterem Gesicht dabei. Plötzlich lief er dem Hund nach und begann eilig auf ihn einzureden.

»Siehst du,« sagte er und deutete nach der Ranch hinüber, »wer hier hinter dem Hügel stand, der konnte ausgezeichnet beobachten, was am Schuppen vorging, ohne gesehen zu werden. Irgend jemand muß hier gestanden und gewartet haben. Sieh dich um, Bart, hier herum mußt du eine Masse Zeichen finden. Weißt du, was es heißt? Die Kerle, die auf dich geschossen haben und die den Schuppen in Brand gesteckt haben, die haben hier gestanden und den Brand beobachtet – sie dachten, du und Satan, ihr würdet nicht mehr lebend aus dem Stall herauskommen. So ist's gewesen.«

Er fiel auf die Knie und packte Bart, als er an ihm vorbeirannte, am Halsband.

»Finde sie, Bart,« flüsterte er, »du mußt sie finden!«

Und damit versetzte er dem Hund einen scharfen Schlag auf die Stelle, wo sich ihm die Kugel ins Fleisch gebohrt hatte.

Bart antwortete mit einem so wilden Aufheulen des Schmerzes und der Wut, wie es der Doktor noch von keiner lebenden Kreatur gehört hatte, und nahm sein Hin- und Herspüren wieder auf. Plötzlich schlug er eine bestimmte Richtung ein, ließ den Hügel im Rücken und trabte eilig davon.

Dan stieß einen Freudenschrei aus: »Du hast's gefunden? Du hast die Spur gefunden?!« rief er und rannte eilig dem Hunde nach. Aber als er eine kurze Strecke den Hügel hinuntergekommen war, blieb er stehen und pfiff. Er mußte den Pfiff wiederholen, ehe der Hund gehorchte, zu ihm zurückkam und eifrig winselnd, als wolle er ihn auffordern, ihm zu folgen, vor ihm hin und her sprang. Es war eine unheimliche Szene, schien es doch, als fordere das Tier von seinem Herrn ein Leben – ein Menschenleben. Der Doktor machte kehrt und ging nachdenklich zum Haus zurück.

An der Tür stieß er auf Kate, die ihn mit unzähligen Fragen überfiel. Er erzählte, was er gesehen hatte.

»Näheres werden Sie von Mister Barry erfahren«, schloß er seinen Bericht.

»Das ist nicht nötig«, antwortete das Mädchen. »Er hat die Fährte gefunden und er weiß jetzt, in welcher Richtung sie verläuft. Und jetzt wird er nur einen Wunsch haben, ihr zu folgen. Doktor Byrne, jetzt brauche ich Sie – Sie ahnen nicht, wie sehr. Wir müssen Dan davon überzeugen, daß Vaters Leben in Gefahr ist, wenn er uns jetzt verläßt. Sind Sie dessen fähig?«

»Mindestens«, sagte der Doktor, »kann ich das mit gutem Gewissen behaupten, daß Ihr Vater in Gefahr schwebt. Ich täusche Dan damit nicht und ich werde alles tun, was in meinen Kräften steht, um ihn zum Bleiben zu bewegen.«

»Dann«, sagte sie rasch, »wollen wir uns hierher setzen und warten, bis Dan zurückkommt.«

Beinah im selben Augenblick betrat Barry die Veranda, den Hund an den Fersen. Am Eingang blieb er einen Augenblick stehen. Sein Blick ging über sie hin, dann schritt er weiter. An der Haustür machte er noch einmal halt.

»'s ist wohl besser, ich sag's euch gleich,« sagte er mit seiner gewohnten sanften Stimme, »jetzt, wo Bart wieder hergestellt ist, muß ich mich wieder auf den Weg machen. Morgen früh reite ich los.«

Kates flehend auf ihn gerichtete Augen trieben den Doktor hoch.

»Mein lieber Mister Barry«, rief er. Dan, der im Begriff gewesen war, das Haus zu betreten, blieb stehen und drehte sich um. »Haben Sie tatsächlich die Absicht, uns zu verlassen, obwohl Mister Cumberlands Befinden so außerordentlich kritisch ist?«

Ein Schatten flog über Barrys Gesicht.

»Wenn ich könnte, würde ich dableiben,« antwortete er, »aber 's ist nicht möglich.«

»Ich kann nicht beurteilen, ob das, was Sie von hier wegtreibt, für Sie von so außerordentlicher Wichtigkeit ist«, sagte der Doktor. »Was mir Sorge macht, ist Mister Cumberland. Sein Zustand gibt zu den größten Besorgnissen Anlaß. Die geringste nervöse Erschütterung kann die allerschlimmsten Folgen haben.«

Ersichtlich spielte sich in Barrys Innern ein gewaltiger Kampf ab. Schließlich antwortete er: »Wie lange werde ich dableiben müssen? Ein einziger Regentag wird alle Spuren verwischen. Dann stehe ich da wie ein Blinder in der Wüste. Wie lange glauben Sie, Doc, daß ich hierbleiben muß?«

»Nur ein paar Tage«, antwortete Byrne, »würden genügen, um in Mister Cumberlands Befinden Wunder zu wirken.«

Barry zögerte noch.

»Ich werde zu ihm hinaufgehen und mit ihm reden,« sagte er schließlich, »und ich werde tun, was er will.«

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