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Die Drei in der Nacht

Max Brand: Die Drei in der Nacht - Kapitel 24
Quellenangabe
authorMax Brand
titleDie Drei in der Nacht
publisherVerlag von Th. Knaur Nachf
yearo.J.
translatorHellmuth Wetzel
correctorJosef Muehlgassner
senderwww.gaga.net
created20180225
projectid30d7648f
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Dreiundzwanzigstes Kapitel.
Wie Mac Strann die Gesetze achtete

Denn als der Hund ihn ansprang, hatte Mac Strann gefeuert, und das sausende Geschoß hatte das Tier mitten im Sprung getroffen und zur Seite geschleudert. Mühelos wich Strann ihm aus, das Tier schoß über ihn hin und schlug schwer auf den Boden der Scheune auf. Es fiel Haw-Haw gerade vor die Füße. Ein heißer Blutstrahl traf ihn ins Gesicht. Der Mann war zutiefst entsetzt, um schreien zu können, er sank rückwärts gegen die Wand und rang nach Luft. Er starrte Bart an, der vergeblich kämpfte, um wieder hochzukommen. Seine beiden Vorderpfoten schienen gelähmt zu sein. Hinter ihnen flackerte das Feuer plötzlich heller auf. Haw-Haw konnte die furchtbaren Augen auf sich gerichtet sehen, er sah, wie dem Tier der Geifer von der lang heraushängenden Zunge troff, die riesigen Fänge glänzten wie elfenbeinerne Dolche. Es war ersichtlich unfähig, seine Vorderpfoten zu gebrauchen, aber es schob sich mit krampfhaften Bewegungen der Hinterläufe auf Mac Strann zu.

Haw-Haw Langley starrte in panischer Angst, aber als es ihm zum Bewußtsein kam, daß das fürchterliche Tier anscheinend jetzt hilflos war, wie irgendein alter zahnloser Köter, schnalzte er in einem Ausbruch wortloser Freude mit den Fingern. Noch einmal gelang es Black Bart, sich ein Stückchen näher an Mac Strann heranzuschieben, da sprang Haw-Haw vor und schmetterte den Absatz seines schweren Stiefels dem Hund in die Schnauze. Black Bart fiel hilflos unter die Krippe, versuchte vergeblich, wieder auf die Füße zu kommen und dann streckte er die Schnauze in die Luft und heulte auf, wie ein Verdammter im Fegefeuer – heulte, wie nur ohnmächtiger Haß heulen kann. Mac Strann packte Haw-Haw am Ärmel und zog ihn auf die Tür zu, durch die sie hereingekommen waren.

»Umbringen will ich den Hund nicht,« sagte er, »mach', daß du hier herauskommst, Haw-Haw. Barry wird jeden Augenblick da sein.«

Die beiden rasten auf den kleinen Hügel zu, hinter dem ihre Pferde versteckt waren, und während sie liefen, durchhallte der irrsinnige Schrei die Nachtluft, der Doktor Byrnes Blut zum Gerinnen gebracht hatte. Doktor Byrne hätte in tausend Jahren nicht geraten, aus wessen Kehle sich dieser furchtbare Schrei losgerissen hatte. Für ihn klang es wie der Todesschrei eines Gefolterten. Aber Mac Strann und Haw-Haw kannten diesen Laut.

Als sie wieder im Sattel saßen, konnten sie, ohne gesehen zu werden, über den Hügelkamm hinweg, alles bequem beobachten. Vor ihnen lagen die Ställe und Gehege, und der größte der Schuppen war jetzt deutlich sichtbar, denn am einen Ende des langen niedrigen Gebäudes stieg eine riesige Flammengarbe auf, die die ganze Umgebung erhellte. In dem unruhigen, zuckenden Licht tauchten da und dort plötzlich die Kühe und Pferde in den Gehegen auf, in deren Augen der Feuerschein sich spiegelte, dann wieder die Bäume um das Wohnhaus, und das Wohnhaus selbst, bis für ein paar Augenblicke wieder alles in Dunkelheit verschwand. Wieder ließ der furchtbare unmenschliche Schrei sich hören und rollte widerhallend zwischen den Wänden der Häuser und den Hügeln hin. Das war Satan, der in dem brennenden Gebäude eingeschlossen war. Die Flammen nagten an der Wand zu seiner Box, und das Pferd war rasend vor Furcht.

In dem großen Ranchhaus blitzten Lichter auf. Von dem Schlafhaus der Cowboys auf der anderen Seite der Gehege kam eine Salve von Flüchen der Überraschung und der Ohnmacht. Das Vieh innerhalb der Gehege geriet langsam in eine kreisförmige mahlende Bewegung, wildes Blöken und Stampfen ertönte, und die Pferde rasten in sinnlosem Galopp hin und her. Es war wie das Getümmel einer Schlacht, und heller als das Schmettern einer Trompete schnitt ein scharfes Pfeifen zweimal durch den verworrenen Lärm. Aus dem brennenden Stall antwortete der Rappe mit einem lauten schmetternden Wiehern.

»Hörst du?« stieß Mac Strann zwischen den Zähnen hervor. »Der Gaul spricht mit seinem Herrn.«

»Und da kommt er!« sagte Haw-Haw Langley. »Schnell wie der Wind!«

Vom Wind angefacht, hatte sich jetzt die Flamme eine weite Öffnung ins Dach gefressen, eine brüllende Feuersäule erhob sich in die Nacht und verbreitete ein blendendes Licht. So konnte Mac Strann, in der Richtung blickend, die ihm Haw-Haws Finger wies, bequem eine schlanke Gestalt wahrnehmen, die eben in mächtigem Schwung über die äußere Umzäunung der Gehege setzte und sich pfeilschnell in die blindlings mahlenden und kreisenden Massen der Rinder hineinstürzte.

Wenn Rinder einmal in dem Zustand sind, daß sie, in dichte Massen zusammengeballt, in ihren Gehegen zu rotieren beginnen, dann gehört ein mutiges Herz und ein unerschrockenes und zähes Pferd dazu, sich zwischen die Hörner der von blinder Wut geschlagenen Tiere zu trauen, aber dieser Mann unternahm das Wagnis zu Fuß. Er war ohne Hut. Das Feuer glitzerte auf seinem schwarzen Haar. Mac Strann konnte seinen Lauf mühelos verfolgen. Jetzt hatte er ihn aus den Augen verloren. Die Flut trampelnder Hufe schien ihn verschlungen zu haben. Aber plötzlich tauchte er weiter drüben wieder auf. Er hatte einen verhältnismäßig offenen Platz erreicht und lief mit den langen, gleichmäßigen Sprüngen eines Läufers auf der Rennbahn gegen einen Wall unruhig auf und ab tanzender Hörner an. Eine einzige Bewegung der drohend gesenkten Häupter konnte genügen, um ihm die scharfe Spitze eines solchen Horns quer durch den Leib zu treiben. Trotzdem raste er weiter wie ein Krieger, der sich in wilder Berserkerwut in die Speere des Feindes werfen will. Im letzten Augenblick schnellte er sich hoch in die Luft. Zwei lange Sätze über die wogenden Rücken, und er war wieder auf dem Boden und glitt jetzt, in verhältnismäßiger Sicherheit, den brüllenden Nachzüglern der Herde blitzschnell ausweichend, dem jenseitigen Zaune zu, schwang sich darüber und war gleich darauf im Eingang des brennenden Schuppens verschwunden, der dicke Rauchschwaden ausspie.

»Großer Gott!« stöhnte Haw-Haw Langley. »Meint Ihr, er kann den Gaul doch noch herauskriegen?«

»Das ist unmöglich«, antwortete Mac Strann. »Alle Pferde werden verrückt, wenn sie Feuer sehen. Braucht bloß dort nach den Korrals hinüberzusehen, Mann, wie verrückt sich die Viecher gebärden.«

Und tatsächlich versuchten im Pferdekorral einige Tiere in panischem Schrecken in der Richtung des brennenden Schuppens auszubrechen. Ihr Stampfen und Schnauben kam mit dem Lärm von Salven den Hügel heraufgerollt.

»Alle Pferde werden verrückt im Feuer,« schloß Mac Strann, »und Barry wird von seinem eigenen Gaul zu Tode getrampelt werden, wenn er überhaupt in die Box hineinkommt. Und er kommt nicht hinein. Da schau selbst hin, Mann.«

In einer stiebenden Wolke von Rauch und Funken taumelte Barry eben rückwärts aus der Tür des brennenden Schuppens und sank zu Boden. Haw-Haw Langley schlang in stummer Begeisterung die Finger ineinander.

»Der Gaul ist zum Teufel, und der Wolf ist zum Teufel, und Barry ist geschlagen«, gluckste er. »Mac, wenn ich zehn Tage hätte reiten müssen, hätt' ich das nicht versäumen mögen. Es ist der Mühe wert. Aber sieh das Mädel, Mac, und den anderen Kerl!«

*

Buck Daniels hatte aus vielen Gründen es vorgezogen, für diese Nacht in den Kleidern zu bleiben. Als er den verworrenen Lärm vor dem Hause hörte, stürzte er ans Fenster, sah das Dach des Schuppens in Flammen stehen, sah Dan Barry, allen Gefahren trotzend, durch das Gehege rasen, hörte Satans schrilles Wiehern und sah Barry in dem brennenden Gebäude verschwinden. Furcht zog ihn nach der einen, ein edlerer Impuls nach der anderen Seite. Er drehte sich mit einem Fluch vom Fenster weg, er wandte sich mit einem Fluch wieder dem Fenster zu und starrte hinaus, und dann sprang er zur Tür und donnerte die Treppe hinunter. »Für mich ist er durch die Hölle gegangen. Ich und er, wir werden wieder zusammen durch die Hölle gehen«, murmelte er vor sich hin.

Vor dem Haus stieß er auf Kate Cumberland, und wortlos liefen sie miteinander dem Brandplatz zu. Als sie den Schuppen fast erreicht hatten, erschienen von der anderen Seite, vom Schlafhaus her, die Cowboys. Buck Daniels war der erste, der Dan Barry erreichte, als er betäubt aus der Tür des Schuppens stolperte, eingehüllt und verfolgt von dem nachströmenden Rauch. Buck half ihm vom Boden auf.

Kate Cumberland stand im selben Augenblick an seiner Seite. Sie hatte einen weißen Schlafrock übergeworfen, der hoch unter der Brust gegürtet war, darüber floß in dichten Wellen ihr helles Haar, das im zunehmenden Licht des Feuers wie Gold blitzte. Sie nahm sich Dan Barrys an, der halb bewußtlos wie ein Bündel in den Armen Buck Daniels hing. Buck Daniels sprang dicht an die Brandstätte vor und begann mit lauter Stimme Befehle zu erteilen, die die beiden Lauscher hinter dem Hügel nicht verstehen konnten, obwohl sie seine langen Arme gestikulieren und seine Lippen sich bewegen sahen. Aber die Cowboys waren verwirrt und hilflos, sie rannten nutzlos hin und her. Einer oder der andere brachte einen Eimer Wasser geschleppt und goß den Inhalt zwecklos in die wirbelnde Hölle, aber die meisten liefen hin und her, ohne überhaupt irgend etwas zu unternehmen.

»Und all das hat ein kleines Streichholz zuwege gebracht, Mac«, rief Haw-Haw begeistert. »Alles, was wir da sehen, schau dir das Mädel an, Mac, die hat vollständig den Verstand verloren über ihren Barry, aber es hilft ihr nichts.«

Dan Barry schien noch immer völlig betäubt zu sein, anscheinend hatten ihn beim Betreten des Schuppens die verzehrende Hitze und der giftige Rauch unmittelbar ins Gesicht getroffen. Er hing schwer in Kates Armen, und sein Kopf rollte hilflos hin und her. Da erklang klarer und deutlicher noch als zuvor, den verworrenen Lärm beherrschend, schmetternd wie eine Kampffanfare das Wiehern des Rappens aus seinem brennenden Stall. Es wirkte auf Barry wie die Berührung eines Zauberstabs. Er richtete sich auf und riß sich aus den Armen des Mädchens los. Mac Strann und Langley sahen die hilflose Geste, mit der sie ihm nacheilte, und hörten sie die anderen Männer zu Hilfe rufen. Ein Dutzend Hände streckten sich aus, um den Wahnsinnigen daran zu hindern, sich erneut ins Feuer zu stürzen. Sie hätten geradesogut versuchen können, ein wildes Pferd zurückzuhalten. Er rang sich los, entglitt den festhaltenden Händen und war einen Augenblick später wieder in dem brennenden Schuppen verschwunden. Er lief, dicht auf dem Boden gebückt, wo, wenn überhaupt noch atembare reine Luft vorhanden war, sich etwas freier atmen ließ.

»Jetzt ist das Mädel rein hin«, sagte Haw-Haw Langley. »Seht nur, Mann!« Und er stieß das widerliche Lachen aus, das ihm seinen Spitznamen eingetragen hatte, weil es dem lärmenden Schrei des Esels glich. Aber selbst unter dem Lachen blieben seine Augen gierig auf die Szene gerichtet, er ließ sich keine der traurigen Einzelheiten entgehen und mästete sich daran. Kate Cumberland hatte ihr Gesicht in den Armen vergraben. Buck Daniels, der Dan Barry hatte nachstürzen wollen, war von Doktor Byrne und einem anderen Mann abgefangen worden. Sie schleppten ihn zurück, während er, wild um sich schlagend, sich aus ihrer Umarmung zu befreien suchte.

Aus dem Hexenkessel heraus drang ein scharfer, kurzer Pfiff, und aus dem wirbelnden Rauch und den aufstiebenden Funken kam das Wiehern, das Antwort gab. Eine Menschenstimme hätte nicht deutlicher und verständlicher sagen können: »Ich warte und vertraue!«

In der kleinen Gruppe in der Nähe der Tür wurde es still. Es ließ sich nichts tun. Der Wind war wenigstens nicht scharf genug, um das Feuer auf die übrigen Gebäude übergreifen zu lassen. Es blieb nur übrig, dem Fortgang des Brandes untätig zuzusehen.

Jetzt ließ sich Mac Stranns tiefe heisere Stimme vernehmen:

»Haw-Haw, Mann, sprich ein Gebet, daß das Pferd den Barry nicht zu Tode stampft, wenn er bis zu ihm gelangt. Sprich ein Gebet, Mann, daß Dan Barry verschont bleibt, damit ich ihm den Garaus machen kann. Aber 's ist nicht möglich«, fügte er hinzu. »Ich bin auch schon in brennenden Häusern gewesen. Barry wird's nicht überleben. Und selbst, wenn ihn die Glut verschont, wird ihm der Gaul den Garaus machen. Es ist nicht möglich, daß er lebend wieder herauskommt.«

Das halbe Dach stand schon in Flammen, jetzt stieg am Ende des Schuppens eine neue Flammengarbe hoch. Sie hörten dumpfe Stöße und ein Krachen.

»Hoi!« kreischte Haw-Haw. »Barry ist bei dem Rappen, und der Gaul trampelt ihn in Grund und Boden.«

»Du Narr!« antwortete Mac Strann gelassen. »Barry hat einen Balken oder sonst irgend etwas erwischt und rammt damit die brennende Wand zwischen dem Stall und Satans Box ein. Das ist das Ganze! Mann, hör' doch bloß hin!«

Wieder hörten sie den Rappen wiehern, ein Schrei des Triumphes, der sich hoch über die wirbelnden Flammen zu erheben schien.

»Ihr habt recht«, stöhnte Haw-Haw niedergeschlagen. »Er hat's erreicht.«

»Aber er wird nicht mehr lebend herauskommen«, entgegnete Mac Strann. »Die Wand auf dieser Seite wird jeden Augenblick einstürzen.«

Tatsächlich fing die Außenwand des Schuppens in der Nähe der Tür zu beben an und neigte sich langsam nach innen. In der nächsten Sekunde mußte sie zusammenbrechen und Dan Barry den Rückweg durch einen prasselnden Trümmerhaufen versperren. Jetzt sahen die beiden hinter dem Hügel, wie sich in der Gruppe an der Brandstätte ein Kampf entspann. Drei Männer rangen mit Buck Daniels, der gleich darauf seine Arme frei machte, zwei Männer, die ihm im Weg standen, mit einem sausenden Faustschlag zu Boden streckte und mit einem Satz in dem wirbelnden Rauch verschwunden war.

»Der ist übergeschnappt, genau wie ein Gaul, wenn er Feuer sieht«, bemerkte Mac Strann gelassen.

Aber Haw-Haw Langley war wild erregt: »Der ist nicht verrückt! Der nicht! Der stemmt sich gegen die Wand, um Barry den Weg freizuhalten. Gott verdamm' den Kerl!«

Und tatsächlich wurde die wankende Wand, die sich erst in einem leichten Winkel nach innen gesenkt hatte, von irgendeiner Kraft im Innern des Gebäudes in ihre senkrechte Lage zurückgedrückt und festgehalten. Freilich schwankte sie von Zeit zu Zeit, als versagten die Kräfte dessen, der sie hielt, unter der übermenschlichen Anstrengung.

Ein fürchterliches Krachen lenkte jetzt die Aufmerksamkeit der Zuschauer nach dem anderen Ende des Schuppens. Hier war der größte Teil des Daches eingestürzt. Eine gewaltige Funkengarbe schoß zum Himmel auf und beleuchtete die ganze Umgebung, selbst die fernen Berge schienen plötzlich nähergerückt, als wollten sie Zeuge der Vorgänge dieser furchtbaren Nacht sein.

»Jetzt ist alles zu Ende«, sagte Mac Strann. »Haw-Haw, in deinem Gebet war keine Kraft.«

»Ich bin keiner, der wo 's Beten von Berufs wegen versteht,« verteidigte sich Haw-Haw, »aber ich habe mein Bestes getan. Wenn ...«

Er wurde unterbrochen. Die Leute an der Brandstätte schrien laut auf. Im Feuer und dem Rauch, die die Stalltür ausspie, erschien Satans riesige Silhouette. Auf seinem sattellosen Rücken hing, zusammengeduckt, Dan Barry, in den Armen hielt er den leblosen Körper des Hundes.

Und beinah im selben Augenblick wankte, in dichten Rauch gehüllt, noch eine andere Gestalt aus der Tür. Seine Hände waren weit ausgestreckt, als sei er von Blindheit geschlagen und müsse strauchelnd und tastend seinen Weg in der Finsternis finden. Es war Buck Daniels. Er hatte kaum die Schwelle überschritten, als der Teil der wankenden Wand, den er bisher gestützt hatte, um für die drei den Weg offen zu halten, erbebte, in sich zusammensackte und dann donnernd zu Boden stürzte. Der ganze Schuppen war nichts mehr als eine prasselnde Trümmerstätte.

Dan Barry glitt, den verwundeten Hund in den Armen, vom Rücken seines Pferdes, legte das Tier auf den Boden und kniete neben seinem leblosen Körper nieder.

»'s ist noch nicht vorbei«, brummte Mac Strann. »Der Gaul wird ins Feuer zurückspringen, 's liegt nicht in ihrer Natur. Sie müssen verrückt werden, wenn sie Feuer sehen.«

Statt dessen wirbelte der Rappen herum, warf den Kopf hoch, und mit wehender Mähne und peitschendem Schweif schmetterte er den Flammen ein Wiehern des Trotzes und der Herausforderung entgegen. Es war, als habe er Mac Strann eine Antwort gegeben. Und dann kehrte er dem Feuer den Rücken und rieb seine Schnauze liebkosend an der Schulter seines Herrn, der mit flinken Händen sich um Black Bart bemühte.

»Wenigstens«, knirschte Haw-Haw Langley, »ist der verdammte Wolf tot.«

»Ich weiß nicht«, sagte Mac Strann. »'s kann sein, 's kann auch nicht. Man weiß so manches nicht.«

»Mann,« drängte Haw-Haw, »wenn Ihr Euch den Gaul vom Hals schaffen wollt, dann ist's jetzt Zeit. 'raus mit dem Schießeisen und ihm eins aufs Fell gebrannt. Bevor die Kerle hinter uns her sind, sind wir schon meilenweit weg. Hier ist kein einziger gesattelter Gaul zu sehen. Ihr wollt nicht, Mac? Na schön, dann will ich's.«

Aber Mac Strann streckte die Hand aus und drückte Haw-Haws Revolverlauf nach unten.

»Wir haben hier alles ausgerichtet, was wir zu tun hatten.«

Er warf sein Pferd herum und, wenn auch widerstrebend, schloß Haw-Haw sich an. Aber während sie in langsamem Trab die Brandstätte hinter sich ließen, blieb sein Kopf nach rückwärts gewandt, bis ein letztes donnerndes Krachen und eine letzte mächtige Glutwolke, die hoch zum Himmel aufschoß, anzeigten, daß der Schuppen aufgehört hatte zu existieren. Da erst wandte Haw-Haw seinem Gefährten das Gesicht zu.

»Und jetzt?« fragte er.

»Wir gehen nach Elkhead und warten«, antwortete Mac Strann. »Wenn der Hund wieder auf die Beine kommt, so wird er Barry von selbst zu uns führen. Und dann brauch' ich weiter nichts mehr zu tun. Dann wird's Notwehr sein.«

Haw-Haw Langley verzerrte sonderbar sein Gesicht und lachte schweigend zu dem in Glut getauchten Himmel empor.

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