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Gutenberg > Wilhelm Busch >

Die Drachen

Wilhelm Busch: Die Drachen - Kapitel 1
Quellenangabe
typecomics
booktitleUnd die Moral von der Geschicht
authorWilhelm Busch
year1982
publisherC. Bertelsmann Verlag
addressMnchen
isbn3-570-03004-0
titleDie Drachen
pages14
created20101207
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Wilhelm Busch

Die Drachen

Schon seit mehren Wochen haben
Drei intim bekannte Knaben –
Fritz, Franz, Conrad hießen sie –
Mit Verstand, Geduld und Müh'
Schöne Drachen sich gepappt
Und zum Flug bereit gehabt,
So daß sie, bis auf den Wind,
Mit der Sache fertig sind.

Endlich weht 'ne frische Brise,
Und fort geht es auf die Wiese.
Conrad wandelt an der Spitze,
Dann kommt Franz und schließlich Fritze.

»Freund!« sprach plötzlich Franz zu Fritzen
»Siehst du Zöpfels Äpfel sitzen?«

Und als Fritze dies bejaht,
Schreitet man sofort zur Tat.
Doch was Conrad anbetraf,
Der geht weiter klug und brav.

Trefflich gut ging die Geschichte.
Franz hat Zöpfel seine Früchte.
Lirum larum! dachte er –
Fritze hin und Fritze her!
Ich genieße, was ich habe! –
Damit ist der freche Knabe,
Grad als wäre nichts passiert,
Äpfel essend fortmarschiert.
Saftig kann man's knirschen hören.
Soll das Fritzen nicht empören?

Mit dem Fuße und mit Krachen,
Gradesweges durch den Drachen,
Gibt er Franzen rücksichtslos
Einen wirkungsvollen Stoß.

Franz, der dieses krummgenommen,
Ist sofort herumgekommen.

Und es hebt sich und es saust
Seine zorngeballte Faust
Durch den vorgeschützten Drachen,
Gleichfalls unter großem Krachen,
Dergestalt in Fritzens Nacken,
Daß er meint, er muß zerknacken.

Jetzt sucht jeder sich zu decken,
Und es wird so mit den Pflöcken
Wo die Schnur herumgewickelt,
Emsig hin und her geprickelt.

Franz zuerst durch kühnes Wagen
Trifft genau auf Fritzens Magen.

Dafür sticht ihn Fritz der flinke
In das Nasenloch das linke.

So entspinnt sich auf die Länge
Ein direktes Handgemenge,
Was zunächst und augenscheinlich
Für die Ohren äußerst peinlich.

Dennoch wird der Kampf zuletzt
Noch am Boden fortgesetzt.

Grad kommt Zöpfel wie gewöhnlich,
Um sich wieder mal persönlich
Und gewiß zu überzeugen,
Daß sein Obst noch an den Zweigen.
Wer – ruft er – hat dies getan?
Damit stockt sein Sprachorgan.

Ha! Jetzt wird er grausam heiter.
Er entdeckt die beiden Streiter.

Fritze kriegt den ersten Schlag
Weil er am bequemsten lag.

Und der Franz war schon vergnügt,
Daß er siegt und oben liegt;
Bis die Peitsche wieder pfiff
Und auch ihn empfindlich kniff.

Gern entrönnen nun die beiden,
Um das Weitre zu vermeiden,
Wären nicht die nötgen Beine
Tief verwickelt in die Leine. –
Also folgt der Rest der Hiebe. -
Zöpfel tut's mit Lust und Liebe.

Sorgsam sammelt hierauf Zöpfel
Seine hochgeschätzten Äpfel.
Einer nur ist angenagt,
Was jedoch nicht viel besagt;
Und so kehrt er hocherfreut
Heim in seine Häuslichkeit.

Aber ach, wie traurig stand's
Um den Fritze und den Franz.
Soviel ist gewiß für sie:
Ihre Drachen steigen nie,
Während Conrad seiner schon,
Dieser Erdenwelt entflohn,
Höher stets und höher steigt,
Bis man vor Erstaunen schweigt.








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