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Die Donau

Eduard Duller: Die Donau - Kapitel 1
Quellenangabe
typereport
authorEduard Duller
titleDie Donau
publisherVerlag Lothar Borowsky
yearo.J.
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20140403
projectidbb361333
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Motto

Sei mir gegrüßt, schöne Stromfee! Ich habe dich aufgesucht in der düsteren Einsamkeit deiner ungeheuren Felsenklausen. In den tiefen Fluten wurzeln die senkrechten Steinwände deiner Einsiedelei, von oben bis unten voll Hieroglyphen, die du in hellen Mondnächten dranschriebst, jede Sage in Bildern, die so ernst und schwermütig sind wie du selbst, Donau, trauernde Königin!

Jahrtausende pilgerst du vom Westen zum Osten, zu lauschen, ob die verheißene Versöhnung noch nicht beginne. In deinem Palast hängen als Trophäen König Etzels Schwert und die Kette, womit der Muselmann dich an Stambul fesseln wollte. Aber du zerbrachst sie, keusche Stromfee!

Nicht ewig wirst du in deinen Felskammern trauern, des Unvermeidlichen sinnend. Schon graut dein Brautmorgen. Dein froher, freier Bräutigam schmückt sich mit dem Geschmeide der Nibelungen schon zum Hochzeitsfest und kündet die frohe Botschaft dem goldenen Mainz, dem heiligen Köln! Seid ihr verbunden, du schöne trauernde Donau und du, freier Rhein, dann ist das Rätsel gelöst, dessen Knoten schon Karl der Große mit dem kaiserlichen Schwert zerhauen wollte, worüber der Rotbart noch heute im Untersberg sinnt, wartend, bis die große Schlacht auf dem Walserfeld geschlagen werde.

Nicht Blut löst das Rätsel, sühnt das Menschengeschlecht – die Wahrheit wird's und die Liebe. Das Schiff, das die Waren des Kaufmanns von der Nordsee ins Schwarze Meer bringt – es setzt sie in Gedanken um; ein geistiger Welthandel bemächtigt sich – nicht durch tote Bücher, sondern durch den ewig lebendigen Menschengeist – der Zollhäuser. Sowenig ihr es dem Wind könnt wehren, des Schiffes Segel anzuschwellen, so wenig dem Gedanken, der wie die schützende Dioskurenflamme über der Mastspitze des Kauffahrers schwebt. Töricht, der Humanität Schranken vorbauen zu wollen! Ihr könnt sie aufhalten – nicht aussperren; denn das erste, was die Völker sind, ist, daß sie Menschen sind; das Zeitalter der Revolutionen ist vorbei; das der Humanität im Beginn. Dahin strebt alles mit Bewußtsein, wie aus Instinkt; die Politik, der Handel dienen ihr, ohne es zu wissen.

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