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Die Dame - oder der Tiger?

Francis Richard Stockton: Die Dame - oder der Tiger? - Kapitel 1
Quellenangabe
typenarrative
authorFrank R. Stockton
titleDie Dame ? oder der Tiger?
translatorDr. Frank Kramer
year2005
senderfk173@compuserve.de
created20050911
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Frank R. Stockton

Die Dame – oder der Tiger?

Übersetzung © 2005 Dr. Frank Kramer

In der sehr alten Zeit lebte ein halbbarbarischer König, dessen Ideen, wenngleich durch die Fortschrittlichkeit entfernter lateinischer Verwandter ein wenig poliert und pointiert, immer noch groß, farbenfroh und ungebunden waren, wie es auch die zweite Hälfte von ihm wurde, die barbarisch war. Er war ein Mann von überschwenglicher Phantasie und dabei von einer so unwiderstehlichen Autorität, daß er seine verschiedenen Phantasien nach Belieben in Tatsachen umsetzte. Er neigte sehr dazu, mit sich selbst zu kommunizieren und wenn er und er selbst bei irgend etwas übereinstimmten, wurde die Sache gemacht. Wenn jedes Mitglied seines häuslichen und politischen Systems reibungslos dem ihm zugewiesenen Kurs folgte, war sein Wesen sanft und freundlich. Wann immer es aber eine kleine Erschütterung gab und einige seiner Planeten aus ihrer Umlaufbahn gerieten, wurde er noch sanfter und freundlicher, denn nichts bereitete ihm soviel Freude, wie Krummes gerade zu biegen und unebene Orte zu plätten.

Unter den entliehenen Gedanken, durch die sein Barbarentum zwiespältig geworden war, befand sich der von einer öffentlichen Arena, in der, durch Zuschaustellen von männlichem und tierischem Heldenmut, die Geister seiner Untertanen verfeinert und kultiviert wurden.

Aber selbst hier behauptete sich die überschäumende und barbarische Phantasie. Die Arena des Königs wurde nicht gebaut, um den Menschen die Möglichkeit zu geben, den Rhapsodien sterbender Gladiatoren zu lauschen, noch um ihnen zu ermöglichen, das unvermeidliche Fazit eines Konfliktes zwischen religiösen Meinungen und hungrigen Mäulern zu sehen, sondern für Zwecke, viel besser geeignet, um die mentalen Kräfte der Menschen zu erweitern und zu entwickeln. Dieses gewaltige Amphitheater, mit seinen es umkreisenden Galerien, seinen mysteriösen Gewölben und seinen verborgenen Passagen, war ein Mittel poetischer Justiz, in dem, durch die Dekrete eines unparteiischen und unbestechlichen Zufalls, Verbrechen bestraft oder Tugend belohnt wurde.

Wenn ein Untertan eines Verbrechens hinreichender Bedeutung beschuldigt war, wurde öffentlich bekannt gegeben, daß an einem bestimmten Tag das Schicksal der beschuldigten Person in der Arena des Königs entschiede würde. Dieses Bauwerk verdiente seinen Namen voll und ganz, denn obgleich sein Konzept und Entwurf von weither übernommen waren, entsprang sein Zweck ausschließlich dem Gehirn dieses Mannes, der, mit jeder Faser König, keine Tradition kannte, der er mehr Treue schuldete, als es seiner Laune gefiel, und der auf jede adoptierte Form menschlichen Denkens und Handelns das fruchtbare Gewächs seines barbarischen Idealismuses aufpfropfte.

Wenn sich alle Menschen in den Galerien versammelt hatten und der König, umgeben von seinem Hof, auf einer Seite der Arena hoch oben auf seinem pompösen Thron saß, gab er ein Signal, eine Tür unter ihm öffnete sich und der beschuldigte Untertan trat heraus in das Amphitheater. Ihm direkt gegenüber, auf der anderen Seite des umschlossenen Raumes, befanden sich zwei Türen, Seite an Seite und exakt gleich. Es war die Pflicht und das Privileg der vor Gericht stehenden Person, direkt zu diesen Türen zu gehen und eine von ihnen zu öffnen. Er konnte jede Tür öffnen, die er wollte. Er war keiner Führung oder Beeinflussung unterworfen, bis auf den schon zuvor erwähnten, unparteiischen und unbestechlichen Zufall. Wenn er die Eine öffnete, kam ein hungriger Tiger heraus, der wildeste und grausamste, der beschafft werden konnte, der sich sofort auf ihn stürzte und ihn als Strafe für seine Schuld in Stücke riß. In dem Augenblick, in dem der Fall des Kriminellen auf diese Weise entschieden worden war, erklangen traurige Eisenglocken, großes Wehklagen erhob sich von den, auf dem äußeren Rand der Arena postierten, gemieteten Trauernden und die Masse des Publikums machte sich langsam auf den Heimweg, tief betrübt, daß einer so jung und schön, oder so alt und respektiert, solch ein gräßliches Schicksal verdient haben sollte.

Wenn aber die angeklagte Person die andere Tür öffnete, kam daraus eine Dame hervor, die seinen Jahren und seiner Stellung angemessenste, die seine Majestät unter ihren schönen Untertanen auswählen konnte, und mit dieser Dame wurde er sofort verheiratet, als Belohnung für seine Unschuld. Es war nicht von Bedeutung, daß er schon Frau und Kinder besitzen könnte, oder daß seine Zuneigung schon einem Objekt seiner eigenen Wahl gelten mochte. Der König ließ nicht zu, daß sich solche untergeordneten Arrangements in sein großartiges Schema von Vergeltung und Belohnung einmischten. Das Prozedere fand, wie im anderen Fall, sofort und in der Arena statt. Eine andere Tür unterhalb des Königs öffnete sich, und ein Priester, gefolgt von einer Gruppe Chorsänger und von tanzenden Maiden, die fröhliche Melodien auf goldenen Hörnern blasend auf hochzeitliche Weise voranschritten, näherte sich dem Ort, an dem das Paar Seite an Seite stand und die Hochzeit wurde umgehend und fröhlich vollzogen. Dann ließen die lustigen Messingglocken ihr fröhliches Geläut erklingen, die Menschen riefen frohe Hurras und der unschuldige Mann führte, gefolgt von blumenstreuenden Kindern, seine Braut zu sich nachhause.

Das war des Königs halbbarbarische Methode Recht zu sprechen. Ihre vollkommene Fairneß ist offensichtlich. Der Kriminelle konnte nicht wissen, aus welcher Tür die Dame kommen würde. Er öffnete, welche er wollte, ohne die geringste Ahnung zu haben, ob er im nächsten Augenblick verspeist oder verheiratet werden würde. Bei manchen Anlässen kam der Tiger aus der einen Tür und bei manchen aus der Anderen. Die Entscheidungen des Tribunals waren nicht nur fair, sie waren auch eindeutig endgültig: die angeklagte Person wurde unmittelbar bestraft, falls sie sich selbst schuldig gefunden hatte und wurde, falls unschuldig, auf der Stelle belohnt, ob sie es wollte oder nicht. Es gab kein Entrinnen vor den Urteilen der Arena des Königs.

Die Einrichtung war sehr populär. Wenn sich die Menschen an einem der großen Gerichtstage zusammenfanden, wußten sie nie, ob sie Zeuge einer blutigen Metzelei oder einer ausgelassenen Hochzeit werden würden. Dieses Element der Unsicherheit verlieh der Veranstaltung ein Interesse, das sie sonst nicht hätte erreichen können. Auf diese Weise wurden die Massen unterhalten und erfreut, und der denkende Teil der Gemeinschaft konnte keine Klage wegen Unfairneß gegen das Verfahren erheben, denn hielt die angeklagte Person nicht die ganze Angelegenheit in den eigenen Händen?

Dieser halbbarbarische König hatte eine Tochter, so blühend wie seine blumigsten Phantasien und mit einer Seele, so leidenschaftlich und herrisch, wie seine eigene. Wie in solchen Fällen üblich, war sie sein Augapfel und wurde von ihm über alle Menschlichkeit geliebt. Unter seinen Höflingen befand ein junger Mann, von jener Feinheit des Blutes und Niedrigkeit der Position, die allen konventionellen romantischen Helden der Romantik eigen ist, die königliche Maiden lieben. Diese königliche Maid war vollauf zufrieden mit ihrem Liebhaber, denn er war hübsch und mutig in einem im gesamten Königreich unübertroffenen Maße, und sie liebte ihn mit einer Leidenschaft, die genug Barbarentum in sich trug, um sie außerordentlich herzlich und stark zu machen. Diese Liebesaffäre ging mehrere Monate lang glücklich voran, bis eines Tages der König ihre Existenz entdeckte. Er zögerte weder, noch wankte er, hinsichtlich seiner Pflicht unter diesen Umständen. Der Jüngling wurde sofort ins Gefängnis geworfen und der Tag für sein Gerichtsverfahren in der Arena wurde festgelegt.

Das war natürlich ein besonders wichtiges Ereignis und seine Majestät war, ebenso wie alle Menschen, sehr interessiert an der Funktionsweise und am Aufbau der Prüfung. Nie zuvor war solch ein Fall vorgekommen, niemals zuvor hatte es ein Untertan gewagt, die Tochter des Königs zu lieben. In späteren Jahren kamen solche Dinge häufig genug vor, aber damals waren sie in nicht geringem Maße neu und aufsehenerregend.

Die Tigerkäfige des Königreiches wurden nach den grausamsten und unbarmherzigsten Bestien durchsucht, aus denen das grimmigste Monster für die Arena ausgewählt werden konnte. Und die Reihen junger Maiden und Schönheiten aus dem ganzen Land wurden durch kompetente Kenner sorgfältig begutachtet, damit der junge Mann eine passende Braut hätte, falls das Verhängnis für ihn nicht ein anderes Schicksal bestimmt hatte. Natürlich wußte jeder, daß die Tat, der der Angeklagte beschuldigt war, begangen worden war. Er hatte die Prinzessin geliebt und weder er, sie, noch sonst irgend jemand hatte vor, diese Tatsache zu bestreiten. Aber der König dachte nicht daran, irgendeiner Tatsache dieser Art zu erlauben, sich in die Arbeitsweise des Tribunals, das ihm so große Freude und Befriedigung bereitete, einzumischen. Egal wie die Sache ausgehen würde, der Jüngling war beseitigt und der König würde seine ästhetische Freude daran haben, den Lauf der Ereignisse zu beobachten, der bestimmen würde, ob der junge Mann unrecht daran getan hatte oder nicht, sich zu erlauben, die Prinzessin zu lieben.

Der bestimmte Tag war gekommen. Von weit und fern versammelten sich die Menschen und drängten sich in die großen Galerien der Arena, während sich vor den Außenmauern Menschenmassen anhäuften, die keinen Einlaß gefunden hatten. Der König und sein Hof befanden sich auf ihren Plätzen gegenüber den Zwillingstüren, diesen schicksalhaften Portalen, so schrecklich wie ähnlich.

Alles war bereit. Das Signal wurde gegeben. Eine Tür unter der königlichen Gesellschaft öffnete sich und der Liebhaber der Prinzessin trat in die Arena. Groß, schön, ansehnlich, wurde sein Auftreten von einem leisen Murmeln der Bewunderung und Angst begrüßt. Die Hälfte des Publikums hatte nicht gewußt, daß ein so großartiger Jüngling unter ihnen gelebt hatte. Kein Wunder, daß die Prinzessin ihn liebte! Was für eine schreckliche Sache für ihn, hier zu sein!

Als der Jüngling in die Arena kam, drehte er sich, wie es Brauch war, um, um sich vor dem König zu verbeugen, aber er dachte ganz und gar nicht an diese königliche Persönlichkeit. Seine Augen waren auf die Prinzessin gerichtet, die rechts neben ihrem Vater saß. Hätte es da nicht die Hälfte Barbarentum in ihrem Wesen gegeben, die Dame wäre wahrscheinlich nicht dort gewesen, aber ihre heftige und feurige Seele würde es ihr nicht gestatten, bei einer Gelegenheit, die sie so schrecklich interessierte, abwesend zu sein. Von dem Augenblick, als das Dekret herausgegangen war, daß ihr Liebhaber sein Schicksal in der Arena des Königs entscheiden sollte, hatte sie, Tag und Nacht, an nichts anderes gedacht, als dieses große Ereignis und die verschiedenen damit verbundenen Umstände. Mit mehr Macht, Einfluß und charakterlicher Stärke ausgestattet, als irgend jemand zuvor, der jemals an solch einer Sache interessiert gewesen war, hatte sie getan, was keine andere Person getan hatte – sie hatte sich das Geheimnis der Türen angeeignet. Sie wußte, in welchem der zwei Räume, die hinter diesen Türen lagen, der Käfig mit dem Tiger mit geöffneter Vorderseite stand und in welchem die Dame wartete. Durch diese dicken Türen, innen schwer mit Häuten verhängt, war es unmöglich, daß irgendein Geräusch oder Hinweis nach außen zu der Person dringen würde, die sich an sie annäherte, um das Schloß von einer von ihnen zu öffnen. Aber Gold und die Macht eines weiblichen Willens, hatten das Geheimnis zu der Prinzessin gebracht.

Und sie wußte nicht nur, in welchem Raum die Dame, ganz rot im Gesicht und strahlend, vorzutreten bereitstand, falls ihre Tür geöffnet werden sollte, sondern sie wußte auch, wer die Dame war. Es war eine der schönsten und liebreizendsten Damen des Hofes, die als Belohnung für den angeklagten Jüngling ausgewählt worden war, sollte er sich des Verbrechens, Eine soweit über ihn zu begehren, als unschuldig erweisen – und die Prinzessin haßte sie. Oft hatte sie diese schöne Kreatur gesehen, oder sich zu sehen eingebildet, wie sie bewundernde Blicke auf die Person ihres Liebhabers warf und manchmal glaubte sie, daß diese Blicke wahrgenommen und sogar erwidert wurden. Dann und wann hatte sie sie miteinander reden sehen, es war nur für einen Augenblick oder zwei, aber in einem kurzem Zeitraum kann viel gesagt werden. Es könnten die unwichtigsten Themen gewesen sein, aber wie konnte sie das wissen? Das Mädchen war reizend, aber sie hatte es gewagt, die Augen auf den Geliebten der Prinzessin zu werfen – und mit all der Intensität des ihr durch die langen Linien vollständig barbarischer Ahnen übertragenen wilden Blutes, haßte sie die Frau, die hinter dieser schweigsamen Tür errötete und zitterte.

Als sich ihr Liebhaber umwandte und sie anschaute, und seine Augen die ihren trafen, wie sie dort bleicher und weißer, als irgend jemand sonst in dem riesigen Ozean banger Gesichter um sie herum saß, sah er, durch die Fähigkeit schneller Wahrnehmung, die denen gegeben ist, deren Seelen eins sind, daß sie wußte, hinter welcher Tür der Tiger lauerte und hinter welcher die Dame stand. Er hatte erwartet, daß sie es wußte. Er verstand ihr Wesen und seine Seele war sich sicher, daß sie niemals ruhen würde, bis sie sich diese Sache offenbar gemacht hatte, verborgen vor allen anderen Zuschauern, selbst dem König. Die einzige Hoffnung für den Jüngling, in der irgendein Element Sicherheit lag, basierte auf dem Erfolg der Prinzessin, dieses Geheimnis zu entdecken – und in dem Augenblick, als er sie anschaute, sah er, daß sie Erfolg gehabt hatte, und in seiner Seele wußte er, daß sie Erfolg haben würde.

Da geschah es, daß sein schneller und ängstlicher Blick die Frage stellte: »Welche?« Es war so offensichtlich für sie, als ob er es von dort, wo er stand, geschrieen hätte. Es galt keinen Augenblick zu verlieren. Die Frage wurde in einem Sekundenbruchteil gestellt, sie mußte ein einem anderen beantwortet werden.

Ihr rechter Arm lag vor ihr auf der gepolsterten Brüstung. Sie hob ihre Hand und machte eine klitzekleine, schnelle Bewegung nach rechts. Keiner außer ihrem Liebhaber sah sie. Jedes Auge war auf den Mann in der Arena gerichtet. Er drehte sich um und ging sicheren und schnellen Schrittes über den leeren Platz. Jedes Herz hörte auf zu schlagen, jeder Atem wurde angehalten, jedes Auge war unerschütterlich auf den Mann fixiert. Ohne im geringsten zu zögern, ging er zur rechten Tür und öffnete sie.

Die Pointe der Geschichte ist nun die: Kam der Tiger aus dieser Tür, oder die Dame?

Je mehr wir über diese Frage nachdenken, um so schwieriger läßt sie sich beantworten. Sie umfaßt eine Studie des menschlichen Herzens, die uns in die hinterhältigen Labyrinthe der Leidenschaft führt, aus denen herauszufinden schwer ist. Denken Sie darüber nach, lieber Leser, nicht als ob die Entscheidung der Frage von Ihnen selbst abhinge, sondern von der heißblütigen, halbbarbarischen Prinzessin, mit ihrer unter den vereinten Feuern der Verzweiflung und Eifersucht weißglühenden Seele. Sie hatte ihn verloren, aber wer sollte ihn bekommen?

Wie oft in ihren Stunden des Erwachens und in ihren Träumen, war sie in wildem Schrecken hochgefahren und hatte ihr Gesicht mit den Händen bedeckt, als sie daran dachte, wie ihr Liebhaber die Tür öffnete, auf deren anderer Seite die grausamen Fänge des Tigers warteten!

Aber wieviel öfter hatte sie ihn an der anderen Tür gesehen! Wie hatte sie in ihren schmerzlichen Träumereien mit den Zähnen geknirscht und sich die Haare gerauft, wenn sie das Hervorbrechen verzückter Freude gesehen hatte, als er die Tür der Dame öffnete! Wie hatte ihre Seele Höllenqualen gelitten, als sie ihn zu dieser Frau, mit ihren geröteten Wangen und dem blitzenden Auge des Triumphes, hatte eilen sehen. Als sie ihn sie fortführen gesehen hatte, seine ganze Gemütsverfassung angesteckt von der Freude des wiedergewonnenen Lebens. Als sie die freudigen Rufe aus der Menge und das wilde Gebimmel der fröhlichen Glocken gehört hatte. Als sie den Priester mit seiner fröhlichen Gefolgschaft auf das Paar zugehen gesehen hatte und sie, genau vor ihren Augen, zu Mann und Frau hatte machen sehen. Und als sie sie auf dem Pfad der Blumen gemeinsam davongehen gesehen hatte, gefolgt von den gewaltigen Schreien der ausgelassenen Menge, in denen ihr einzelner, verzweifelter Schrei verloren war und unterging!

Wäre es nicht besser für ihn, auf der Stelle zu sterben und auf sie in den gesegneten Gefilden der halbbarbarischen Zukunft zu warten?

Und doch – dieser schreckliche Tiger, diese Schreie, dieses Blut!

Ihre Entscheidung hatte sich in einem Augenblick gezeigt, aber sie war nach Tagen und Nächten qualvoller Überlegung gefällt worden. Sie wußte, daß sie gefragt werden würde, sie hatte entschieden, was sie antworten würde und ohne im geringsten zu zögern, hatte sie ihre Hand nach rechts bewegt.

Die Frage hinsichtlich ihrer Entscheidung sollte nicht leichtfertig erwogen werden und es liegt nicht bei mir, mich als die eine Person hinzustellen, die in der Lage wäre, sie zu beantworten. Und so überlasse ich sie Ihnen allen: Wer kam aus der geöffneten Tür – die Dame, oder der Tiger?