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Pedro Calderón de la Barca: Die Dame Kobold - Kapitel 3
Quellenangabe
typedrama
booktitleCalderons ausgewählte Werke Bd. III
authorPedro Calderón de la Barca
translatorJohann Diederich Gries
firstpub1817
yearca. 1905
publisherJ. G. Cotta'sche Buchhandlung Nachfolger
addressStuttgart
titleDie Dame Kobold
pages5-114
created20050609
sendergerd.bouillon@t-online.de
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Zweiter Aufzug.

Zimmer der Doña Angela.

Doña Angela, Doña Beatriz und Isabel treten auf.

Beatriz. Seltsam, was du da erzählst!

Angela. Nicht für seltsam mußt du's achten,
Bis du auch das Ende weißt.
Wobei blieb ich?

Beatriz.                       Bei dem Schranke,
Der die Thür verdeckt, durch welche
Du in sein Gemach gelangtest,
Die so leicht zu öffnen ist,
Als unmöglich zu gewahren;
Und beim Briefe, den du schriebst,
Worauf du am andern Tage
Antwort fandest.

Angela.                       Sagen muß ich,
Daß ich nimmer noch so art'gen
Und galanten Stil gesehn,
Der des Vorgangs Wunderbares
Mit Anmutigem verbindet;
Recht nach Weise jener alten
Rittersleute, die gar oft
Solch ein Abenteu'r bestanden.
Dies ist, Beatriz, der Brief;
Sicher wird er dir gefallen. (Sie liest.)

»Schöne Herrin, wer Ihr auch sein möget, die Ihr Mitleid habt mit einem bresthaften Ritter und sehr huldreich seine Kümmernis lindert, so bitte ich Euch, daß Ihr mich kennen lehret den feigen Elenden oder heidnischen Räuber, der durch diese Bezauberung Euch beleidiget; damit ich zum zweitenmal, schon geheilt von den früheren Wunden, in Euerm Namen ungeheuerliche Schlacht beginne, obschon ich in derselben tot verbliebe. Denn nicht ist das Leben von größerem Nutzen, als der Tod, einem an seine Pflicht gebundenen Ritter. Der Geber des Lichtes möge Euch schützen und mich nicht vergessen!

Der Ritter der Dame Kobold.«

Beatriz. Guter Stil, bei meinem Leben!
Und wie trefflich paßt die Sprache
Zu dem Zauberabenteuer!

Angela. Da ich eines Briefes harrte,
Angefüllt mit feierlichem
Ausdruck von Bewundrung, fand ich
Solchen heitern vor, in dessen
Stil ich einzugehen dachte.
Und in solcher Art antwortend,
Ging ich nochmals . . .

Beatriz.                               Geh nicht, warte!
Denn dein Bruder naht, Don Juan.

Angela. Treu und zärtlich naht er, dankend
Für das Glück, in seinem Hause
Dich zu sehn, zu unterhalten,
Beatriz!

Beatriz.         Mir nicht zuwider,
Wenn wir sollen Wahrheit sagen.

Don Juan tritt auf.

Don Juan. Jedes Schlimme schafft sein Gutes,
Sagt ein alter Spruch; und wahrlich
An mir zeigt es sich, weil Euer
Schlimmes mir ein Gutes schaffet.
Ich weiß, schöne Beatriz,
Daß ein Zwist, den Euer Vater
Mit Euch hatt', in unser Haus
Ohne Freud' und Lust Euch brachte.
Wider Willen muß ich sehn,
Daß so wonnevoll und labend,
Wie für Euch wohl mein Vergnügen,
Ist für mich Eur Mißbehagen.
Denn bedauern kann ich schwerlich
Einen Unfall, dem ich's danke,
Euch zu sehn. Hier schafft die Liebe
Wirkung von verschiednen Arten:
Kummer bringt sie Euch, und mir
Seligkeit; gleichwie die Nattern,
Die, enthalten sie das Gift,
Auch den Theriak enthalten.
Seid von Herzen mir willkommen!
Denn, ist die Bewirtung mager,
Darf doch eine Sonne wohl
Neben einem Engel wandeln.

Beatriz. Beileid mischet Ihr und Glückwunsch
So gefällig, daß ich schwanke,
Wem von beiden zu erwidern.
Ja, entzweit mit meinem Vater
Komm' ich her, und Ihr seid schuld;
Denn, ob er den Freund nicht kannte,
Weiß er, daß ich nachts vom Erker
Sprach mit jemand. Drum verlangt er,
Daß ich, bis sein Zorn sich lege,
Bleiben soll bei meiner Base,
Deren Tugend er vertraut.
Gnügen mag Euch, wenn ich sage,
Daß ich danke diesem Unfall;
Denn gar sehr verschiedenart'ge
Wirkung schafft auch mir die Liebe:
Gleich der Sonne, die, ausstrahlend
Ihren Lichtglanz, diese Blume
Welken macht und die entfaltet.
Liebe schießt auf meine Brust,
Und ein einz'ger Pfeil schon machet,
Daß in mir erstirbt der Gram
Und auflebet das Behagen,
Mich zu sehn in Euerm Hause,
Dieser Sphäre von Demanten,
Einer Sonne schöner Neid,
Eines Engels würd'ger Prachtsitz.

Angela. Klar ist, daß ihr zwei Verliebten
Im Gewinn seid; so gewaltig
Wohlfeil ist bei euch das Lob
Meines Engelnamens.

Don Juan.                           Rate,
Schwester, was ich mir gedacht.
Einzig und allein aus Rache
Für die Sorgen, die mein Gastfreund
Dir vermutlich macht, verschafftest
Du dir eine Gastfreundin,
Die mir gleiche Sorgen mache.

Angela. Du hast recht, auch that ich's nur,
Daß du würdig sie begabest.

Don Juan. Und mit dieser Rache bin ich
Sehr vergnügt. (Will gehn.)

Beatriz.                   Don Juan, so hastig?
Wohin gehst du?

Don Juan.                   Dir zu dienen,
Beatriz; denn dich verlassen
Könnt' ich nur um deinetwillen.

Angela. Laß ihn gehn.

Don Juan.                   Gott mög' euch wahren! (ab.)

Angela. Ja, er schuf durch seinen Gastfreund
Sorge mir und so gewalt'ge,
Daß ich kaum noch meines Lebens,
Wie er nicht des seinen, achte.
Du nun, durch die gleiche Sorge
Sollst du mir Vergeltung schaffen,
Daß wir, Gastfreund gegen Gastfreund,
Beide gleich stehn zu einander.

Beatriz. Die Begier, dein Abenteuer
Zu vernehmen, könnte wahrlich
Mir allein den Schmerz erleichtern,
Daß er geht.

Angela.               Mich kurz zu fassen:
Seine Brief' und meine Briefe
Gingen, kamen, so beschaffen
(Seine nämlich), daß sie dürften
Billigung und Lob empfangen.
Denn sie mischten Ernst und Scherz
So geschickt, so unterhaltend,
Wie ich nie gesehn.

Beatriz.                           Und er,
Wie erklärt er sich die Sache?

Angela. Nun, er glaubt mich die Geliebte
Des Don Luis und setzt zusammen,
Daß vor ihm ich mich verbarg
Und zur Wohnung einen andern
Schlüssel habe.

Beatriz.                   Eines nur
Deucht mir seltsam bei dem allen.

Angela. Was denn? Sprich!

Beatriz.                               Daß dieser Mann,
Da er sah, man holt' und brachte
Briefe gnug, dich nicht erspähte
Und dich auf der That ertappte.

Angela. Das läßt nicht so leicht sich thun,
Denn vor seiner Schwelle halt' ich
Einen Mann, der mir von jedem
Aus- und Eingang Kunde schaffet;
So geht Isabel nie hin,
Eh sie weiß, daß niemand da ist.
Schon ist es geschehen, Freundin,
Daß mein Diener einen ganzen
Tag dort auf der Lauer stand
Und daß alle Müh' und alle
Sorgfalt ganz vergebens blieben.
Und damit mir's nicht entfalle,
Isabel: versäume nicht,
Dieses Körbchen hinzutragen,
Wenn es Zeit ist.

Beatriz.                     Noch ein Zweifel
Wie ist's möglich, eines Mannes
Klugheit als so groß zu rühmen,
Der nicht gleich in solchem Falle
Das gewöhnliche Geheimnis
Mit dem Schrank erriet?

Angela.                                   Das andre
Kennst du doch, mit Hänschens Ei?
Womit viele hoch erhabne
Geister sich umsonst bemühten,
Um auf einem Tisch von Jaspis
Solches aufrecht hinzustellen;
Aber Hänschen kam und gab ihm
Einen Knicks nur, und es stand.
Solche schwer geglaubte Sachen
Sind es nur, bis man sie weiß;
Weiß man sie – wie leicht ist alles!

Beatriz. Andre Frage!

Angela.                       Welche? Sprich!

Beatriz. Was ist bei dem tollen Spasse
Nur dein Zweck?

Angela.                       Das weiß ich nicht.
Sagen könnt' ich: meinen Dank ihm
Zu beweisen, zu beschäft'gen
Meine traurig öden Tage,
Wär' es nicht schon mehr, als das.
Denn ganz thöricht schon und albern
Kam ich bis zur Eifersucht,
Weil ich wahrnahm, er bewahre
Einer Dame Bild; und sicher,
Wenn's die Möglichkeit verstattet,
Geh' ich hin und nehm's ihm weg.
Ja, wie soll ich dir es sagen,
Daß ich, ihn zu sehn, zu sprechen,
Schon mir vorgenommen habe?

Beatriz. Ihm entdeckend, wer du bist?

Angela. Himmel! Gott soll mich bewahren!
Und auch er nicht würde, denk' ich,
Seinen Freund und seinen Gastherrn
So beleid'gen; denn der Wahn,
Ich sei dessen Liebste, machet
Seine Briefe stets so höflich,
Schüchtern und zurückgehalten.
Nein, fürwahr! nie würd' ich solchem
Schimpf mich auszusetzen wagen.

Beatriz. Aber wie euch sehn?

Angela.                                   Vernimm
Den seltsamsten aller Plane:
Er soll, ohne daß ich selbst
Mich in seine Wohnung wage,
Kommen, und nicht sehn, wohin.

Isabel. Auf noch einen Bruder achte,
Denn hier kommt Don Luis.

Angela (zu Beatriz).                     Hernach
Sag' ich's.

Beatriz.           Wie verschiedenartig
Ist der Einfluß! Muß der Himmel
Gleich Verdienst und gleiche Gaben
Durch so großen Abstand trennen,
Durch so große Kluft zerspalten,
Daß, vermöge gleichen Triebes,
Der gefällt und jener abschreckt?
Laß uns gehn, denn ich will nicht
Mit Don Luis mich unterhalten. (Sie will gehn.)

Don Luis tritt auf.

Don Luis. Weshalb geht Ihr so geschwind?

Beatriz. Deshalb einzig, weil Ihr kamet.

Don Luis. Wie? Des reinsten Lichtes Pracht,
So die Sonne leuchten lehrte,
Flieht, weil ich mich zu ihr kehrte?
Bin ich denn vielleicht die Nacht?
Möge deiner Schönheit Macht
Dies zudringlich kecke Streben,
Dich zu halten, mir vergeben!
Denn daß ich zu solchem Schritte
Nicht dich um Erlaubnis bitte,
Sparet dir ja, sie zu geben.
Anerkennend dein Verneinen,
Will mein hartes Schicksal nicht,
Daß selbst dies, nur Ehrenpflicht,
Soll als eine Gunst erscheinen.
Zwar läßt deine Strenge keinen
Schimmer einer Hoffnung nahn
Meinem tollen Liebeswahn;
Doch, ob stets verschmäht geblieben,
Will ich dennoch stets dich lieben,
Bloß um Rache zu empfahn.
Du gewährst mir mehr Genuß,
Wenn du mehr mir Pein gewährest;
Denn, wie du dein Hassen mehrest,
Mehr' ich meiner Lieb' Erguß.
Schaffet dieses dir Verdruß,
Weil durch einer Lieb' Entstehn
Beide wir die Grenzen sehn,
Die der Wonn' und Qual geschrieben:
Wohl, so lerne du nun lieben,
Oder lehre mich verschmähn.
Lehre mich der Strenge Kunst,
So lehr' ich dich zärtlich Schmachten;
Lehre du mich kalt Verachten,
So lehr' ich dich holde Gunst;
Du Verschmähn, ich Liebesbrunst;
Leichtsinn du, ich feste Triebe.
Aber, nein! ich will die Liebe,
Welche Gott ist, nicht verlassen;
Drum magst du für beide hassen,
So wie ich für beide liebe.

Beatriz. Wie so angenehm Ihr klaget!
Könnt' ich Eures Leids Gewicht
Auch erleichtern, thät' ich's nicht,
Einzig, damit Ihr es saget.

Don Luis. Seit mich Eure Strenge plaget,
Lernt' ich bald, mit gutem Fleiß,
Der Verschmähung Sprache.

Beatriz.                                       Preis
Euerm Eifer! Denn beizeiten
Wird das Leid dem Trost bereiten,
Der's so gut zu sagen weiß.

(Sie will gehen; Don Luis hält sie zurück.)

Don Luis. Führt der Zufall dich zu mir:
Hör' und laß uns beide leiden!

Beatriz. Nicht Euch hören, sondern meiden
Will ich. Freundin, halt ihn hier. (ab.)

Angela. Fehlt denn aller Mannsinn dir?
Hören magst du dies und sehn?

Don Luis. Schwester, ach! was kann geschehn?

Angela. Freund, vergiß du deine Pein;
Denn verschmähet lieben – nein!
Ist nicht lieben, ist vergehn. (Ab mit Isabel.)

Don Luis. Ich vergäße sie, indessen
Ich noch klage? Schwere Kunst!
Schenke sie mir eine Gunst,
Und, beglückt, will ich vergessen,
Aber nicht, verschmäht. Denn wessen
Lippe, selbst des Klügsten, sagt
Nicht den Schmerz, der ihn zernagt?
Leicht vergißt die Gunst sich immer,
Eben, weil die Gunst ja nimmer,
Wie die Kränkung, sich beklagt. (ab.)

 


 
Andres Zimmer im Hause des Don Juan.

Don Luis und Rodrigo treten auf.

Rodrigo. Woher kommst du?

Don Luis.                               Weiß es nicht!

Rodrigo. Ein Verdruß scheint dich zu quälen;
Wirst du mir den Grund verhehlen?

Don Luis. Ich sprach Beatriz . . .

Rodrigo.                                       Schon spricht,
Ohne Worte, dein Gesicht,
Was für Antwort sie gegeben.
Wo denn ist sie? Sah ich eben
Sie doch nicht!

Don Luis.                 Zu meiner Plage
Wird, als Gast, sie ein'ge Tage
Hier bei meiner Schwester leben,
Daß von Gästen Ueberlast
Nie mir fehle. Mir zum Leide
Haben die Geschwister beide
Sich verschworen, glaub' ich fast.
Jedes hält sich einen Gast,
Der mich plagen soll auf immer:
Hier Don Manuel, dort – noch schlimmer! –
Beatriz! So dringt, mit Graus,
Eifersucht bis in mein Haus,
Und entgehn kann ich ihr nimmer.

Rodrigo. Herr, Don Manuel kann verstehen,
Was du sprichst; er naht sich hier.

Don Manuel tritt auf.

Don Manuel (für sich). Wem sind jemals, außer mir,
Wunder dieser Art geschehen?
Wie kann ich Enttäuschung sehen?
Wie erfahr' ich nur genau,
Ob dort die verkappte Frau
Des Don Luis Geliebte war,
Oder wie sie – wunderbar! –
So verwegen und so schlau
Mich mit Täuschungen umfaßte?

Don Luis. Herr Don Manuel!

Don Manuel.                         Herr Don Luis?

Don Luis. Woher kommt Ihr, wenn ich dies
Dürfte fragen?

Don Manuel.           Vom Palaste.

Don Luis. Wahrlich, Thorheit war's von mir,
Nach dem Kommen oder Gehen
Eines Werbenden zu spähen.
Jede seiner Linien schier
Hat zum Zielpunkt den Palast,
Als das Centrum ihrer Sphäre.

Don Manuel. Wenn nur der Palast es wäre,
Braucht' ich nicht so große Hast.
Doch für meine Not genügt
Nicht ein so bequemes Streben.
Seine Majestät hat eben
Sich zum Eskorial verfügt;
Und ich muß noch diese Nacht,
Zur Befördrung meiner Sachen,
Gleichfalls diese Reise machen.

Don Luis. Kann in einigem Betracht
Ich Euch dienen: ohne Wank
Bin ich Eur; in jedem Falle
Zählt auf mich.

Don Manuel.           Empfangt für alle
Diese Gunst den wärmsten Dank.

Don Luis. Glaubt, dies sind nicht leere Worte.

Don Manuel. Euer Will' ist offenbar,
Mir zu helfen.

Don Luis (beiseite). Das ist wahr;
Helf' ich bald dir nur vom Orte.

Don Manuel. Aber einen so galanten
Jungen Hofmann vom Vergnügen
Abzuhalten, müßt' ich rügen.
Denn ich rechn' es zum Bekannten,
Ihr seid sicher hier gekettet;
Und ich müßte Sitten lernen,
Wollt' ich Euch von hier entfernen.

Don Luis. Wenn Ihr auch vernommen hättet,
Was ich zu Rodrigo'n sagte,
Kränkt mich doch die Antwort da.

Don Manuel. Also riet ich recht?

Don Luis.                                     Nun ja!
Denn wahr ist es, ich beklagte
Einer Schönen harten Sinn;
Aber einer festen Neigung
Bringt Verschmähn, wie Gunstbezeigung,
Nicht Verlust und nicht Gewinn.

Don Manuel. Malt Ihr Euch doch recht verlassen!

Don Luis. Eine Schönheit lieb' ich, fern
Allem Glück und allem Stern.

Don Manuel. Soll ich noch mich täuschen lassen
Durch Verstellung?

Don Luis.                       Dürft' ich's sagen!
Aber mein Verhängnis wollte,
Daß sie so mich fliehen sollte,
Wie die dunkle Nacht mit Zagen
Flieht des schönen Tages Blick,
Dessen Strahlen mich verzehren.
Soll ich ganz Euch kennen lehren
Mein unseliges Geschick?
Damit ich, im raschen Walten
Meiner Lieb' und Eifersucht,
Ihr nicht folg' auf ihrer Flucht,
Bat sie andre, mich zu halten.
Sagt, was je Euch härter schien!
Denn die andern sonst verlangen
Mittelsleut', um zu erlangen;
Sie verlangt sie, um zu fliehn. (Ab mit Rodrigo.)

Don Manuel. Was gibt's weiter zu erklären?
Eine Frau, die vor ihm lief
Und die wen zu Hilfe rief,
Um ihn von sich abzuwehren,
Das sind sie und ich, ganz klar.
Einen Zweifel also hätt' ich
Doch gelöset; denn das wett' ich,
Es ist jene Dame zwar,
Doch sein Liebchen nicht; weil er
Wohl nicht den Verschmähten spielte,
Wenn er sie im Hause hielte.
Schlimmrer Zweifel kommt nunmehr:
Ist sie nicht sein Liebchen, lebt
Nicht im Haus, wie kann sie so
Schreiben und antworten? Floh
Eine Täuschung, so erhebt
Sich die andre. Was zu machen?
O wie häuft in dieser Irrung
Sich Verwirrung auf Verwirrung!
Weib, was schaffst du mir für Sachen!

Cosme tritt auf.

Cosme. Herr, was macht der Kobold? Sprich!
Sahest du vielleicht ihn hüben?
Wüßt' ich nur, er sei nicht drüben,
Wär' ich froh.

Don Manuel.         Nur säuberlich!

Cosme. Denn viel hab' ich anzufangen
Dort im Zimmer, und ich kann
Nicht hinein.

Don Manuel.       Was hindert dran?

Cosme. Bangen.

Don Manuel.     Wie? Ein Mann hat Bangen?

Cosme. Also, meinst du, hätt' er's nicht?
Sieh hier einen, der es hat,
Weil's ihm eben nötig that.

Don Manuel. Laß den Spaß und bringe Licht
Auf mein Zimmer. Viel noch schaffen,
Ordnen, schreiben muß ich dort
Und will diese Nacht noch fort
Aus Madrid.

Cosme.                 Du gibst mir Waffen
Denn soeben sagst du mir,
Daß dir bangt bei dieser Sache.

Don Manuel. Daß ich nichts mir aus dir mache,
Dies soeben sag' ich dir.
Dinge größrer Wichtigkeit
Hab' ich jetzo zu vollbringen;
Sprichst du stets von jenen Dingen,
So verlier' ich meine Zeit.
Abschied nehm' ich von Don Juan;
Hole Licht nun. (ab.)

Cosme.                     Wie befohlen!
Licht will ich dem Kobold holen;
Bin sein Diener ja fortan,
Darf ihn nicht im Dunkeln lassen.
Hier ist ja ein Wachsstöcklein;
Und an jenem Lämpelein,
Das soeben will erblassen,
Glückt mir wohl es anzustecken.
Klug doch bin ich offenbar;
Und bei allem dem, fürwahr!
Zittr' ich schier vor Angst und Schrecken. (ab.)

 


 
Zimmer des Don Manuel. Nacht.

Isabel kommt durch die heimliche Thür, einen verdeckten Korb unter dem Arme tragend.

Isabel. Sie sind fort, denn so erzählte
Mir der Diener. Zeit nun ist es,
Diesen Korb mit weißer Wäsche
Vorsichtig an den bestimmten
Platz zu stellen. Weh mir Armen!
Es ist Nacht, und in so dichter
Finsternis muß ich fürwahr
Vor mir selbst mich scheun und zittern.
Hilf mir, Himmel, denn ich bebe!
Wohl der erste Kobold bin ich,
Der dem Himmel sich empfiehlt.
Wie? Kann ich den Tisch nicht finden?
In der Angst und Furcht vergaß ich
Die Gelegenheit des Zimmers.
Ach, wo bin ich nur? Und wo
Ist der Tisch? Was mach' ich, Himmel
Träf' ich nun den Ausgang nicht,
Und sie fänden mich hier drinnen,
Alle dann mit Mann und Maus
Gingen wir zu Grund. Ich zittre –
Jetzt zumal; denn wie ich höre,
Oeffnet sich die Thür des Zimmers,
Und man kommt herein mit Licht.
Nun zu End' ist die Geschichte;
Denn ich kann mich nicht verbergen,
Noch zurück, um zu entwischen.

Cosme tritt auf, mit Licht.

Cosme (ohne Isabel zu sehen).
Kobold, werter Herr, wenn etwa
Man durch Höflichkeit und Dienste
Einen edeln Kobold rührt:
Ach, in tiefster Demut bitt' ich,
Kümmert gar nicht Euch um mich
Bei all Euern Gaukelspielen;
Und zwar dieses aus vier Gründen:
Erstens – das ist leicht zu schließen;
Zweitens – nun, das weiß Eur Gnaden;
Drittens – ei, ins Maul zu schmieren
Braucht man nicht dem klugen Hörer;
Viertens – wegen dieses Liedes: (er singt)

    Ach, gnäd'ge Dame Kobold,
        Mitleid habt mit mir!
        Bin ein arm klein Kindlein
    Und ganz allein allhier.

(Indem er durchs Zimmer geht, sucht Isabel ihm immer im Rücken zu bleiben.)

Isabel (beiseite). Endlich, durch des Lichtes Hilfe,
Find' ich mich zurecht im Zimmer,
Und er sah mich nicht. Ausblasen
Will ich's, und dann kann ich sicher,
Wenn er geht, es anzuzünden,
Schnell in meine Kammer wischen;
Denn vernimmt er auch Geräusch,
Sieht er mich doch nicht, zum mindsten
Von zwei Uebeln stets das kleinste!

Cosme. Trefflich lehrt die Furcht doch singen!

Isabel (beiseite). Ja, auf die Art will ich's machen.

(Sie gibt ihm von hinten einen Schlag und bläst das Licht aus.)

Cosme. Weh, o weh! Ich bin geliefert!
Einen Beicht'ger her!

Isabel (beiseite).                 Jetzt kann
Ich entwischen.

Indem sie zur Hauptthür hinaus will, tritt Don Manuel herein.

Don Manuel.           Was ist dieses,
Cosme? Du hier ohne Licht?

Cosme. Ja, denn beid' uns hingerichtet
Hat der Geist: das Licht durch Blasen,
Mich durch Schlagen.

Don Manuel.                     Solche Dinge
Macht nur deine Furcht dich glauben.

Cosme. Sehr auf meine Kosten, sicher!

Isabel (herumtappend). Wenn ich doch die Thür nur fände!

(Sie stößt auf Don Manuel; er ergreift den Korb, den sie festhält.)

Don Manuel. Wer ist hier?

Isabel (beiseite).                   O weh, noch schlimmer!
Auf den Herrn bin ich gestoßen.

Don Manuel. Licht her, Cosme! Jetzt ergriff ich
Den, der hier ist.

Cosme.                       Laß nicht los!

Don Manuel. Sicher nicht; geh nur geschwinde.

Cosme. Halt ihn ja recht fest. (ab.)

Isabel (beiseite).                       Das Körbchen
Packt' er an; behalt' er's immer!
Hier ist ja der Schrank; ade!

(Sie läßt ihm den Korb in der Hand, entwischt durch die heimliche Thür und schiebt den Schrank wieder vor.)

Don Manuel. Wer es sein mag, halt' er stille,
Bis der Diener kommt mit Licht;
Denn, wo nicht, so soll, beim Himmel!
Durch und durch mein Dolch ihn bohren..–
Doch nur leere Luft umschling' ich,
Und nichts halt' ich, als ein Ding
Von gar wenigem Gewichte.
Was nur ist's? Gott helfe mir!
Stets wird die Verwirrung schlimmer.

Cosme tritt auf, mit Licht.

Cosme. Laß den Kobold schaun bei Licht!
Doch was ward aus ihm? Wo blieb er?
Hieltest du ihn nicht? Wo steckt er?
Herr, was ist dies?

Don Manuel.                 Nichts Gewisses
Kann ich sagen. Dieses Ding
Ließ er mir, und er entwischte.

Cosme. Nun, was sagst du zu dem Streiche?
Sagtest du doch selbst, du hieltest
Ihn gefangen; und sieh da!
Durch die Luft ist er entwichen.

Don Manuel. Sicherlich war die Person,
Die durch Kunst und Schlauheit immer
Aus- und eingeht, diese Nacht
Eingeschlossen hier im Zimmer;
Dann, um fort zu können, löschte
Sie das Licht dir aus, und diesen
Korb ließ sie mir in meiner Hand,
Worauf fliehend sie entwischte.

Cosme. Wo hinaus?

Don Manuel (auf die Hauptthür zeigend). Durch jene Thür.

Cosme. Den Verstand soll ich verlieren!
Straf mich Gott! ich sah ihn ja
Bei dem letzten schwachen Schimmer,
Der zurückblieb von der Schnuppe
Meines ausgeblasnen Lichtes.

Don Manuel. Wie denn sah er aus?

Cosme.                                             Ein Mönch war's,
Nur so klein, und eine spitze
Mütze hatt' er auf, so groß;
Und aus diesen Zeichen schließ' ich,
War's ein Kapuziner-Kobold.

Don Manuel. Was die Furcht nicht schafft für Dinge!
Leucht' einmal; wir wollen sehn,
Was das Mönchlein uns beschieden.
Diesen Korb hier halte du.

Cosme. Was? Ich? Höllenkörbe hielt' ich?

Don Manuel. Nun, so halt ihn doch!

Cosme.                                               Ich habe
Schmutz'ge Hände, Herr, vom Lichte,
Das aus Talg besteht, und würde
Nur den schönen Taft beschmieren,
Der den Korb bedeckt. Nein, setz' ihn
Lieber auf die Erde nieder.

Don Manuel (untersucht den Korb).
Linnen ist es und ein Brief.
Nun, wie schreibt der Kapuziner? (Er liest.)

»In der kurzen Zeit, da Ihr in diesem Hause wohnt, hat man nicht mehr Wäsche verfertigen können. Wie sie fertig wird, bringt man sie. In Hinsicht dessen, was Ihr von dem Freunde sagt, voraussetzend, ich sei die Geliebte des Don Luis, versichere ich Euch, daß ich es weder bin, noch sein kann. So viel, bis wir uns sprechen, was bald geschehn wird. Gott behüte Euch!«

Dieser Kobold ist getauft,
Denn er denkt an Gott.

Cosme.                                 Du siehst es.
Gibt es nun nicht Koboldmönche?

Don Manuel. Es ist spät; in Ordnung bringe
Jetzt die Mantelsäck' und Sättel
Und steck' in den Beutel diese
Schriften; denn sie sind's, worauf
Alles ankommt. Ich, inzwischen,
Will gehörig Antwort geben
Meinem Kobold.

(Er gibt dem Diener einige Schriften und setzt sich zum Schreiben.)

Cosme (legt die Schriften auf einen Stuhl). Gut; hier liegen
Sie, daß ich sie nicht vergesse
Und gleich bei der Hand sie finde.
Warten will ich nur ein Weilchen,
Um die Frag' an dich zu richten:
Glaubst du nun, es gibt Kobolde?

Don Manuel (schreibend). Was für Albernheiten immer!

Cosme. Albernheiten das? Du selbst
Siehst der Wirkungen so viele,
Wie, daß durch die Luft Geschenke
Eben in die Hand dir fliegen:
Und noch zweifelst du? Doch thu's,
Wenn du wohl dabei dich findest.
Nur vergönne mir, dem leider
Ein viel schlimmer Teil beschieden,
Daß ich's glaube.

Don Manuel.             Aber wie?

Cosme. Wie, Herr? Das ist leicht bewiesen.
Wenn man das Gepäck herumreißt,
Lachst du über solche Spiele;
Und ich soll's zusammensuchen,
Was nicht leicht ist zu verrichten.
Wenn man Briefe dir zurückläßt
Und nichts als Billette mitnimmt,
Läßt man Kohlen mir zurück
Und nimmt all mein Geld von hinnen.
Wenn man Naschwerk bringt: du kannst,
Wie ein Pater, dich erquicken;
Und ich faste, wie ein Knäblein,
Denn ich schmeck' und seh' kein Bißchen.
Wenn man dir Schnupftücher schenkt,
Feine Hemden, zarte Binden,
Schenkt man mir nur den Verdruß,
Es zu hören und zu wissen.
Wenn man, da wir beide doch
Hier zu gleicher Zeit erschienen,
Dir ein Körbchen gibt, so herrlich
Aufgeputzt, so schmuck und zierlich,
Gibt man einen Faustschlag mir
Eben recht auf das Genicke,
So unmäßig und so derb,
Daß ich mein Gehirn ausniese.
Kurz, Herr, du hast ganz allein
Freud' und Vorteil zu genießen,
Und ich Schaden und Verdruß;
Und der Kobold, find' ich, bietet
Stets die Seidenhand dem Herrn,
Stets die Eisenhand dem Diener.
Also laß mich's immer glauben;
Denn das heißt Geduld probieren,
Abzuleugnen einem Mann,
Was er selber hört und siehet.

Don Manuel (aufstehend.) Nun pack' ein und laß uns gehen.
Ich erwarte dich im Zimmer
Des Don Juan.

Cosme.                    Was ist zu packen?
Dort am Hof verlangt die Sitte,
Schwarz zu gehn; und da ist's gnug,
Daß man einen Mantel mitnimmt.

Don Manuel. Schließ wohl ab und nimm den Schlüssel
Mit dir. Wenn man auch inzwischen
Sein bedarf, so hat Don Juan
Einen andern..– Mich verdrießt es,
Daß ich fort muß so geschwind,
Eh ich dies Geheimnis wisse.
Doch eins soll zu meines Hauses
Ehr' und meiner Größe dienen
Und das andre nur zur Lust;
Und im Widerstreit der Pflichten
Wird, wenn Ehre Höchstes ist,
Alles übrige geringer. (Beide ab.)

 


 
Zimmer der Doña Angela.

Doña Angela, Doña Beatriz und Isabel treten auf.

Angela (zu Isabel). So war's, wie du berichtet?

Isabel. Schon glaubt' ich unser Gaukelspiel vernichtet;
Denn, fand er mich zur Stelle,
Kam er auf alle Fälle
Gleich hinter unsre Sachen.
Doch, Herrin, mir gelang's, mich fort zu machen,
Wie ich gesagt.

Angela.                     Ganz prächtig
Ist dieser Spaß.

Beatriz.                   Und mehrt die Täuschung mächtig,
Wenn, ohne wie zu sehen,
Man Körbe kommen sieht und Leute gehen.

Angela. Wird's nun mir noch gelingen,
Ihn, wie ich dir gesagt, hieher zu bringen,
So mach' ich ihm im Kreise
Den Kopf sich drehn.

Beatriz.                             Der ehrwürdigste Weise,
Erführ' er solche Sachen,
Sie müßten, Angela, ihn närrisch machen.
Einladung wird gegeben;
Er kommt, weiß nicht, wohin, und sieht sich neben
Der schönsten aller Damen,
So jung, so hold, so hoch von Stand und Namen,
Und weiß nicht, wer sie sei, noch, wo sie wohne
(Fürwahr, der Plan ist deines Scharfsinns Krone);
Und muß verhüllt, im Blinden,
Von dannen gehn und wie im Traum sich finden.
Wer staunte nicht?

Angela.                         Geordnet ist das Schwerste;
Doch, weil du hier bist, sei nicht dies die erste
Nacht, da ich ihm vergönne,
Zu mir zu kommen.

Beatriz.                           Und du meinst, ich könne
Nicht im Verschwiegnen hegen
Dein Liebesspiel?

Angela.                         Nein, Mühmchen, nicht deswegen;
Nur, weil in meinen Zimmern
Du wohnst, und weil die Brüder, von dem Schimmern
Des Sterns, nach dem sie spähen,
Wie fest gebannt, nicht aus dem Hause gehen,
Wär's ein gefährlich Treiben
Mit solchem Plan, wenn sie zur Stelle bleiben.

Don Luis tritt auf und bleibt im Hintergrunde.

Don Luis (unbemerkt von den anderen).
Wem doch der Himmel gönnte,
Zu bergen seine Glut! O wer doch könnte
Die Phantasie beschränken,
Die Stimme zügeln, die Empfindung lenken!
Allein da ich die Gabe,
Dies zu vollbringen, nicht empfangen habe,
Versuch' ich's, zu bekämpfen
Die Leidenschaft und diese Glut zu dämpfen!

Beatriz. Du sollst die Weise hören,
Wie ich es mach', um, ohne dich zu stören,
Im Hause zu verweilen;
Denn sehr verdrießlich wär's, müßt' ich enteilen,
Ohn' erst nach Wunsch und Hoffen
Den Ausgang anzusehn.

Angela.                                 Und wie? Sprich offen!

Don Luis (immer wie oben).
Was zischeln die Vertrauten?
Sie scheuen fast sich vor den eignen Lauten.

Beatriz. Wir wollen beid' erklären,
Mein Vater heiße mich nach Hause kehren.
Und glaubt auf diese Weise
Mich alles weit entfernt, so komm' ich leise
Zurück, um hier zu bleiben.

Don Luis. Was mögen sie, mir zum Verdruß, betreiben?

Beatriz. So seh' ich, still verborgen,
Des Plans Erfolg, und nichts ist zu besorgen.

Don Luis. Was, Himmel, muß ich hören? O Entsetzen!

Beatriz. Und alles dies wird mich gar sehr ergötzen.

Angela. Allein, was bleibt zu sagen,
Wenn man hernach dich sieht?

Beatriz.                                           Seltsames Fragen!
Sollt' unser Witz nicht gnügen,
Um auch hernach die Leute zu belügen?

Don Luis. O sicher! – das zu hören!
Wie neue Martern mein Gemüt verstören!

Beatriz. So werd' ich zeugenlos, ganz im Vertrauen,
Hier den Erfolg so seltner Liebe schauen.
Denn, wann in stiller Klause
Ich mich verbarg und alles schläft im Hause:
Ohn' Aufsehn, sollt' ich meinen,
Geht er aus seinem Zimmer dann zum deinen.

Don Luis. Zu deutlich nur erwerb' ich
(Als Feiger leb' ich, als Verwegner sterb' ich!)
Aufschluß des Plans. Gewinnen
Soll nun mein Bruder sie (ich bin von Sinnen!);
Befriedigung gewährt sie
Dem Wunsch des Glücklichen; er soll, begehrt sie,
Von jedem ungesehen,
Betreten ihr Gemach – und ich vergehen!
Und daß kein Unterbrechen
Sie störe (o die Frechen!),
Will sie durch schlaue Lügen
Mich und den Argwohn meiner Brust betrügen.
Doch, Himmel, gib Erhörung!
Laß mir gelingen ihrer Liebe Störung!
Und bleibt sie im Verstecke,
Erharrend andre Zeit, soll meine kecke
Entschlossenheit das ganze Haus durchrennen,
Bis ich sie finde. Meiner Flamme Brennen
Hat weiter keine Lindrung;
Die letzte Zuflucht ist des Glückes Hindrung
Dem Eifersücht'gen. Himmel, o erhört mich!
Denn Lieb' entflammt und Eifersucht zerstört mich. (ab.)

Angela (die indes mit Beatriz gesprochen).
Gut; alles ist erwogen,
Und morgen heißt es, du seist ausgezogen.

Don Juan tritt auf.

Don Juan. Find' ich Euch hier? Wie gerne!

Beatriz. Schon wurdest du vermißt.

Don Juan.                                         Ward meinem Sterne
Gewährt so große Wonne,
Daß mich vermisset, Herrin, Eure Sonne,
Muß ich mich selbst beneiden
Und selber Argwohn von mir selbst erleiden.
Denn nimmer kann ich wähnen,
Daß solch ein mildes Sehnen
Verdient hat meine Liebe.
Und so, beneidet und voll neid'scher Triebe,
Versenkt in süßen Schauern,
Muß ich mich selbst beneiden und bedauern.

Beatriz. So schmeichlerischen Gründen
Hab' ich, Don Juan, den Krieg nicht anzukünden.
Denn wer so lang gemessen
Die Zeit der Trennung hat und mich vergessen,
Der wußt' – es kann nicht fehlen –
Sehr gut die Unterhaltung sich zu wählen;
Der wird sein Glück beneiden
Und mit Bedauern von den Reizen scheiden,
Die ihn so gut beschäftigt.
Und so wird klar bewiesen und bekräftigt
Durch wohlgefügte Schlüsse,
Daß man sich neiden und bedauern müsse.

Don Juan. Hieß' es nur nicht, mich selbst und Euch beleid'gen,
So könnt' ich, Beatriz, mich leicht verteid'gen,
Wenn ich Euch Kund' erteilte,
Daß ich bei meinem Gast, Don Manuel, weilte,
Ihm Lebewohl zu geben;
Denn eben reist' er fort.

Angela.                                 Weh meinem Leben!

Don Juan. Woher dir dieser Schrecken?

Angela. Den kann oft Freude wie Verdruß erwecken.

Don Juan. So muß ich denn bedauern,
Daß deine Freude nicht wird lange dauern;
Denn morgen kommt er wieder.

Angela (beiseite). Und wieder steigt mir eitle Hoffnung nieder!
(Laut.) Mich würd' es wunder nehmen,
Wenn wir so leicht von dieser Plage kämen.
Denn lästig war er immer.

Don Juan. Ich denke doch, der Gast war kein so schlimmer.
Du und Don Luis, ihr seid ihm nur entgegen,
Weil ihr gewahrt, mir sei an ihm gelegen.

Angela. Die Antwort anzuhören,
Erlass' ich dir, um nicht dein Spiel zu stören.
Denn ich bin jetzt als Dritte
Bei deiner Liebschaft; und nach alter Sitte
Uebt Liebe ja die Spielbetrügereien
Mit besserm Glück zu zweien, als zu dreien. –
(Beiseite zu Isabel.) Komm, Isabel, behende,
Daß ich heut nacht ihm jenes Bild entwende;
Jetzt ist der Gang zu wagen
Mit mehr Gemächlichkeit und minderm Zagen.
Ein Licht halt in der Nähe,
Damit ich heimlich auf sein Zimmer gehe;
Denn, wer mir schreibt, soll nicht, mich zu verhöhnen,
Das Bild bewahren einer andern Schönen. (Ab mit Isabel.)

Beatriz (die indes mit Don Juan gesprochen).
Vergib, wenn ich mich scheue,
An so viel Glut zu glauben.

Don Juan.                                   Meiner Treue
Gehalt und echte Stärke
Beweis' ein kurzer Spruch.

Beatriz.                                     Sag' an!

Don Juan.                                               So merke:

Ja, Beatriz, mein Herz ist so beständig,
    So treu mein Sinn, so innig meine Liebe,
    Daß, wünscht' ich auch zu tilgen diese Triebe,
    Ich liebte doch, dem eignen Wunsch abwendig.

Und diese Lieb' ist so in mir lebendig,
    Daß ich vergäße dein, wenn' s möglich bliebe:
    Damit ich dann aus eigner Wahl dich liebe;
    So wäre frei die Lieb' und nicht notwendig.

Wer eine Schönheit liebt, weil, zu vergessen,
    Ihm nicht gelingt, hat kein Verdienst errungen;
    Denn da ist nichts dem Willen beizumessen.

Dich zu vergessen – nie wär's mir gelungen;
    Und dennoch zeigt mein Stern sich so vermessen,
    Obwohl von deiner Liebe Macht bezwungen.

Beatriz. Läßt eigne Wahl sich von der Willkür leiten,
    Notwendigkeit vom Sterne nur beschränken,
    So wird man mehr Vertraun der Neigung schenken,
    Die nicht gehorcht der Laune Lüsternheiten.

Deshalb mißtrau' ich deinen Zärtlichkeiten;
    Denn meine Treu – läßt sich Unmöglichs denken –,
    Wollt' abwärts sich von ihr mein Wille lenken,
    Sie würde, daß er mein sei, kühn bestreiten.

Denn selbst die kurze Zeit, die ich verlebte,
    Vergessend und zurück zu dir getrieben,
    Wär' angstvoll mir, weil meine Lieb' entschwebte.

Wohl mir, daß solch Vergessen meinen Trieben
    Unmöglich ist; denn, ach! so lang' ich strebte,
    Dich zu vergessen, könnt' ich ja nicht lieben. (Beide ab.)

 


 
Straße vor dem Hause des Don Juan. Nacht.

Cosme flieht vor Don Manuel, der ihn verfolgt.

Don Manuel. Ha, bei Gott! könnt' ich vergessen . . .

Cosme. Drum vergiß nicht!

Don Manuel.                       Daß dergleichen
Müßte mir zur Schmach gereichen:
Wüten würd' ich.

Cosme.                       Denk' indessen,
Wie ich sonst mich schön betragen.
Gutes Dienen ja vergißt
Nie ein altkathol'scher Christ.

Don Manuel. Wer nur, wer kann dich ertragen?
Just, was mir am meisten wichtig,
Was zumal ich dir empfahl,
Das vergissest du zumal.

Cosme. Eben drum vergaß ich's richtig,
Weil ich mir's so wichtig machte;
Denn, lag nicht so viel daran,
Was that mein Vergessen dann?
Weiß der Himmel, an nichts dachte
Ich so viel, als an die Schriften
Im Paket; zur Sicherheit
Legt' ich sorgsam es beiseit.
Und just diese Sorgen stiften
Nun die großen Unheilsschläge;
Hätt' ich's nicht beiseit genommen,
Wär' es eben mitgekommen.

Don Manuel. Daß es dir auf halbem Wege
Einfiel, war noch Glück genug.

Cosme. Ich empfand, daß mich was quälte,
Doch nicht wußt' ich, was mir fehlte;
Dacht', ich wäre wohl nicht klug,
Bis ich endlich traf das Rechte.
Und nun wußt' ich, von dem Pressen
Sei die Ursach das Vergessen
Des Pakets.

Don Manuel.       Dem Pferdeknechte
Sag', er soll dort halten bleiben
Mit den Tieren; wär's doch böse,
Anzukommen mit Getöse
Und den Schläfern zu vertreiben
Ihren Schlaf. Ich kann ins Haus
Mit dem Schlüssel, den ich führe;
Und so, eh uns jemand spüre,
Hol' ich das Paket heraus.

Cosme (geht und kommt gleich zurück).
Nun, der Bursche weiß Bescheid.
Doch bedenk', Herr, ohne Licht
Findest du die Schriften nicht;
Und es ist Unmöglichkeit,
Allen Lärmen zu vermeiden.
Denn steckt man kein Licht uns an
In der Wohnung des Don Juan,
Wie dann sehen?

Don Manuel.             Nicht zu leiden
Bist du heut. Soll ich denn jetzt
Lärmen, schrein vor seiner Stube?
Weißt du denn (so sprich, du Bube,
Der dies alles angehetzt)
Tappend nicht den Ort zu finden,
Wo du's hingelegt?

Cosme.                           Das ist
Zweifellos; zu jeder Frist
Fänd' ich ja den Tisch im Blinden,
Wo ich's ließ.

Don Manuel (gibt ihm den Schlüssel). Schnell aufgemacht.

Cosme. Doch der Anstoß für mein Zagen
Ist, daß ich nicht weiß zu sagen,
Wo's der Kobold hingebracht.
Denn bis jetzt – was ließ ich dort,
Das ich bei der Wiederkehr
Da fand, wo es lag vorher?

Don Manuel. Nun, verändert' er den Ort,
Dann ist Zeit, um Licht zu bitten.
Doch bis dahin wär' es schlecht,
Den zu stören, der mit Recht
Heischt vom Gaste gute Sitten.

(Cosme schließt auf, beide gehen ins Haus.)

 


 
Zimmer des Don Manuel.

Doña Angela und Isabel kommen durch die heimliche Thür; erstere trägt eine blinde Laterne.

Angela. Isabel, schon lange blieb
Alles still; der müden Geister
Machte sich der Schlaf zum Meister,
Unsers halben Lebens Dieb.
Komm! der Gast ist auf der Reise;
Nun das Bild ihm weggenommen,
Das ich sah beim ersten Kommen!

Isabel. Kein Geräusch gemacht! Nur leise!

Angela. Schließe nur von außen zu.
Bis du Nachricht bringst hieher,
Bleib' ich hier, um nicht noch mehr
Zu befahren.

Isabel.                 Bleib in Ruh!

(Sie geht durch die heimliche Thür und schiebt den Schrank wieder vor.)

Don Manuel und Cosme treten leise durch die Hauptthür herein.

Cosme. Offen ist's!

Don Manuel.           Nur sacht gegangen!
Wenn man Lärm vernimmt im Zimmer,
Wird die Störung nur noch schlimmer.

Cosme. Glaubst du mir, ich fühle Bangen?
Dieser Kobold könnte Licht
Unmaßgeblich uns besorgen.

Angela (ohne die andern wahrzunehmen).
Dieses Licht, das ich verborgen
Mit mir nahm, damit man nicht
Es gewahre, kann ich füglich
Nun enthüllen. (Sie öffnet die Laterne.)

Cosme.                   So gewandt
War der Kobold nie zur Hand.
Licht besorgt er unverzüglich.
Nimm ein Zeichen dir daraus,
Wie der Geist dich lieb gewann;
Denn dir steckt er Lichter an,
Und mir löschet er sie aus.

Don Manuel. Hilf mir, Himmel! Solches Thun
Geht nicht zu mit rechten Dingen;
Licht so schnell hervorzubringen,
Ist kein Menschenwerk.

Cosme.                                 Und nun
Hast du Glauben doch erlangt,
Es sei wahr?

Don Manuel.       Mir stockt das Blut;
Fast scheint umzukehren gut.

Cosme. Du bist sterblich, denn dir bangt.

Angela (wie oben). Ha, dort seh' ich ja den Tisch,
Und Papiere liegen drauf.

Cosme. Nach dem Tische geht der Lauf.

Don Manuel. Glaub' und Zweifel im Gemisch
Füllen mein Gemüt mit Grauen.

Cosme. Siehst du wohl? Des Lichtes Helle
Führt uns an die rechte Stelle;
Doch, wer's trägt, ist nicht zu schauen.

Angela nimmt das Licht aus der Laterne und steckt es auf einen Leuchter, der auf dem Tische steht.)

Angela. So! da steht das Licht; und jetzo
Will ich an die Schriften gehn.

Don Manuel. Ha, gib acht! Beim Kerzenschimmer
Sieht man alles klar und hell,
Und ich sah in meinem Leben
Nie ein Weib, so hold und hehr.
Hilf mir, Himmel! Was ist dieses?
Hydern sind die Wunder; schnell
Aus dem einen wachsen tausend.
Himmel, was beginn' ich jetzt?

(Angela nimmt einen Stuhl, setzt sich an den Tisch, mit dem Rücken gegen die andern gekehrt, und beschäftigt sich mit den Papieren.)

Cosme. Nun, sie nimmt sich Zeit; sie holt sich
Einen Stuhl.

Don Manuel.       Welch Wunderwerk
Höchster Schönheit, wie des größten
Meisters Pinsel nie vorher
Eins erschuf!

Cosme.                 Gewiß, die Schönheit
Ist allein des Pinsels Werk.

Don Manuel. Heller als des Lichtes Schimmer
Strahlt ihr Auge.

Cosme.                       Du hast recht,
Denn die Augen dort sind Sterne
Von dem Himmel Lucifers.

Don Manuel. Jedes Haar ist Strahl der Sonne.

Cosme. Strahl von ihr gestohlen, gelt!

Don Manuel. Und ein Stern ist jede Locke.

Cosme. Sicher; denn vom Sternenheer
Brachten die gefallnen Engel
Einen Teil wohl mit hieher.

Don Manuel. Nimmer sah ich höhern Reiz!

Cosme. Sagen würdst du das nicht mehr,
Sähest du ihr Bein; denn diese
Sind verflucht am Fußgestell.

Don Manuel. 's ist ein Ausbund aller Schönheit!
's ist ein Engel, hold und hehr!

Cosme. Ja, ein Engel mit dem Hufe.

Don Manuel. Aber wie? Was ist ihr Zweck
Mit den Schriften?

Cosme.                           Ich vermute,
Daß sie nach den Schriften späht,
Die du suchest, um uns beiden
Zu erleichtern das Geschäft.
's ist ein sehr dienstbarer Kobold!

Don Manuel. Himmel, was beginn' ich jetzt?
Niemals hab' ich Furcht empfunden,
Als nur diesesmal zuerst.

Cosme. Ich schon manchesmal.

Don Manuel.                             Von eis'gen
Fesseln wird mein Fuß gehemmt.
Jedes Haar sträubt sich empor;
Jeder Seufzer, der sich drängt,
Wird für meinen Hals zur Schnur,
Wird für meine Brust zum Schwert.
Doch geziemet mir auch Furcht?
Ha, beim Himmel! ich will sehn,
Ob ich obsieg' einem Zauber.
    (Er geht auf Angela zu und faßt sie beim Arme.)
Engel, Teufel oder Mensch!
Diesesmal sollst du gewiß
Meinen Händen nicht entgehn.

Angela (beiseite). Ich Unsel'ge, weh mir!
Seine Reise war verstellt,
Und er wußte schon, daß ich . . .

Cosme. Nun, im Namen unsers Herrn
(Hier ist Satans Troja), sag' uns . . .

Angela (beiseite). Doch Verstellung gilt's nunmehr.

Cosme. Wer du bist und was du willst.

Angela. Trefflicher Don Manuel
Enriquez, dem man ein Gut
Aufbewahrt vom höchsten Wert:
Nicht berühre mich, nicht nahe!
Denn du nahtest zum Verderb
Hohen Glückes, das der Himmel
Dir bereitet auf Begehr
Des Geschicks, das dich begünstigt,
Und auf seinen Machtbefehl.
Hat mein letzter Brief nicht heute
Die Verkündung dir gewährt,
Daß wir bald uns würden schauen?
Wie ich's wohl vorausgesehn.
Und da ich mein Wort erfüllte
(Denn du schauest mich anjetzt
In der menschlichsten Gestaltung,
Die ich wählen kann), so geh,
Geh in Frieden und verlaß mich,
Weil die Zeit noch nicht gewährt,
Daß von meinem Sein und Wesen
Dir Enthüllung mag geschehn.
Morgen sollst du alles wissen:
Aber schweige du von dem,
Was du sahest, wenn du nicht
Willst ein großes Glück verschmähn.
Geh in Frieden!

Cosme.                     Da in Frieden
Sie uns fortschickt, bester Herr,
Worauf warten wir?

Don Manuel.                   Bei Gott!
Mich erzürnt es, daß mein Herz
Furcht empfand vor leeren Schrecken;
Und da Freisinn nimmermehr
An sie glaubt, will ich auf einmal
Auf den Grund der Sache gehn.
Weib, wer du auch immer bist
(Denn nicht glauben werd' ich je,
Daß du etwas andres seiest),
Wahrlich, wissen muß ich jetzt,
Wer du bist, wie du herein
Kamst, weshalb, zu welchem Zweck.
Nicht bis morgen will ich warten,
Jetzt sei mir dies Glück gewährt.
Bist du Dämon, sprich als Dämon;
Bist du Mensch, so sprich als Mensch.
Denn dein übermütig Drohen,
Nicht verschüchtert es, noch schreckt
Meinen Mut, und wenn du selber
Dämon wärst; obwohl erhellt,
Daß, da Körper dich umgibt,
Du kein Dämon bist, vielmehr
Nur ein Weib.

Cosme.                   Das ist all eins.

Angela. Rühre mich nicht an; entgehn
Würde dir ein Glück.

Cosme.                               Gewiß,
Der Herr Teufel hat sehr recht.
Nicht rühr' an; er ist ja weder
Harfe, Laute, noch Spinett.

Don Manuel (den Degen ziehend).
Ha, bist du ein Geist, so soll
Mir's beweisen dieses Schwert;
Denn obwohl ich dich durchbohre,
Thu' ich dennoch dir kein Weh.

Angela. Wehe mir! Gehemmt den Degen!
Diesen blut'gen Arm gehemmt!
Denn gewiß, ein unglücksel'ges
Weib zu töten, wäre schlecht.
Ich bekenne, daß ich's bin;
Und ist Lieb' auch ein Vergehn,
Doch kein solches, das für heiße
Liebe kalten Tod beschert.
Drum beflecke nicht, Verdunkle
Dieses silberhelle Schwert
Nicht mit meinem Blut!

Don Manuel.                         Wer bist du?

Angela. Ach, wohl muß ich es gestehn!
Denn nicht so zum Ziele bringen
Kann ich ja, wie ich gewähnt,
Diese Wahrheit, diese Treue,
Diese Liebe, dies Begehr.
Aber in Gefahr des Todes
Sind wir, sollte man uns sehn
Oder hören; denn ich bin
Weit mehr, als du siehst und denkst.
Und deshalb, um jeder Störung,
Die uns drohet, zu entgehn,
Schließet ab, Herr, diese Thüre,
Auch die in das Vorhaus geht,
Daß man hier kein Licht erblicke,
Wenn man käm', um nachzusehn,
Wer hier geht.

Don Manuel.         So leuchte, Cosme;
Schließen will ich. Siehst du jetzt,
Daß sie Weib ist und nicht Kobold?

Cosme. Sagt' ich es nicht auch vorher?

(Cosme nimmt das Licht; beide ab.)

Angela. Eingesperrt bin ich von außen;
Himmel, ach! nun läßt nicht mehr
Sich die Wahrheit leugnen, weil
Isabel mich dort versperrt,
Und weil hier mich unser Gastfreund
Hat ertappt.

Isabel erscheint an der heimlichen Thür.

Isabel.                 Pst, Herrin! He!
Eben fragt nach dir dein Bruder.

Angela. Guter Zufall! Es bewegt
Sich der Glasschrank; doch, o Liebe!
Aller Zweifel bleibt bestehn.

(Ab durch die heimliche Thür; der Schrank wird wieder vorgeschoben.)

Don Manuel und Cosme treten auf.

Don Manuel. Alle Thüren sind verschlossen.
Fahrt nun fort, Señora; gebt
Mir Bericht . . . Doch was ist dieses?
Wo nur ist sie?

Cosme.                     Weiß ich's denn?

Don Manuel. Barg sie dort sich im Alkoven?
Geh voran!

Cosme.             Unhöflich wär's,
Herr, da du zu Fuß bist,
Ging' ich dir voran.

Don Manuel.                 Durchspähn
Will ich alles. Her das Licht!

Cosme. Herzlich gern.

(Don Manuel nimmt ihm das Licht aus der Hand; beide gehen in den Alkoven und kommen zurück.)

Don Manuel.               Wie grausam quält
Mich das Schicksal!

Cosme.                             Diesmal konnte
Durch die Thüre sie nicht gehn.

Don Manuel. Und wodurch denn sonst? Sag' an.

Cosme. Das begreif' ich nicht. Nunmehr
Siehst du (was ich immer sagte),
's ist ein Teufel und kein Mensch.

Don Manuel. Ha, bei Gott! durchspüren will ich
Diese ganze Wohnung, sehn,
Ob hier hinter den Gemälden
Irgendwo die Wand sich spellt;
Ob hier etwa die Tapeten
Eine Höhlung bergen; selbst
Jeden Zwischenraum des Daches.

Cosme. Hier ist weiter nichts zu sehn,
Als der Schrank da.

Don Manuel.                   Seinetwegen
Kann kein Zweifel mir entstehn;
Denn er ist ja ganz von Glas.
Komm, das andre zu durchspähn!

Cosme. Ach, Herr, ich bin gar kein Späher.

Don Manuel. Glauben kann ich nimmermehr,
Daß gespenstig sei ihr Leib;
Denn wahr ist's, sie hat gebebt
Vor dem Tode.

Cosme.                     Wahr doch auch,
Daß sie wußt' und sah vorher,
Wie wir diese Nacht zurück
Kämen, bloß um sie zu sehn.

Don Manuel. Als ein Schatten stieg sie auf,
Und ihr Licht war Zauberwerk;
Doch als menschlich Wesen war sie
Zu berühren und zu sehn.
Als ein sterblich Ding erschrak sie,
Ward, als Weib, in Angst gesetzt;
Als ein Blendwerk schwand sie fort
Und entwich als ein Gespenst.
Geb' ich freien Lauf dem Grübeln,
Dann, bei Gott! weiß ich nicht mehr,
Weder was ich soll bezweifeln,
Noch wem Glauben zugestehn.

Cosme. Ich wohl.

Don Manuel.       Sprich!

Cosme.                             Ein Teufel-Weib
Ist's, und wundert mich's nicht sehr,
Stellt im ganzen Jahr als Teufel
Sich das Weib, daß einmal jetzt
(Zur Vergeltung für so viele)
Sich als Weib der Teufel stellt.

Dritter Aufzug.

Zimmer der Doña Angela. Nacht.

Isabel führt den Don Manuel bei der Hand herein.

Isabel. Wart' auf mich in diesem Zimmer;
Bald ist meine Herrin da,
Dich zu sprechen. (Geht und schließt ab.)

Don Manuel.               Nun, kein schlimmer
Streich ist das! Verschlossen? (untersucht die Thür.) Ja!
Wer sah solche Not nur immer?
Kaum komm' ich vom Eskorial,
Und die fremde Zaubermacht,
Dieser helle Himmelsstrahl,
Der zerstreuen will die Nacht
Und mich läßt in solcher Qual,
Hat schon einen Brief gestellt,
Der sehr zierlich dies enthält:
»Wenn Ihr mich zu sehen trachtet,
So verlaßt, sobald es nachtet,
Eure Wohnung und gesellt
Euch den Diener zu. Sofort
Findet Ihr der Männer zwei
Auf Sebastians Kirchhof (ei!
Schöner Platz!) und eben dort
Eine Sänfte.« Sie hielt Wort.
Ich stieg ein und ließ mich tragen,
Bis ich, ganz der Spur entschlagen,
Kam an ein Portal voll Graus,
Nacht und Schauer. Ich stieg aus,
Blind, allein, nicht mit Behagen.
Hier nun harrt' ein Mädchen mein
(Wie die Stimme ließ erspähen),
Und mit diesem mußt' ich gehen
Zimmer aus und Zimmer ein,
Ohne Hören, Reden, Sehen,
Blind und tappend. – Doch ein neuer
Lichtstrahl fällt durchs Schlüsselloch
Einer Thür. Mein Liebesfeuer
Wird gestillt; die Schöne doch
Werd' ich sehn. Welch Abenteuer!
    (Er guckt durchs Schlüsselloch der Thür zur Rechten.)
Welch ein Haus voll Prunk und Flimmer!
Welch geputzte Damenmenge!
Welch ein reichgeschmücktes Zimmer!
Welche Frauen voll Gepränge!
Welcher Schönheit Wunderschimmer!

Die Thür zur Rechten wird geöffnet; Bediente bringen Lichter. Viele Frauen treten herein, Erfrischungen und Servietten tragend; sie neigen sich, im Vorüberziehen, vor Don Manuel. Nach ihnen erscheint Doña Angela, prächtig gekleidet; zuletzt Doña Beatriz und Isabel.

Angela (im Eintreten, zu Beatriz).
Da die Brüder Kund' empfangen,
Du seist längst nach Haus gegangen,
Während du dich hier verborgen,
So ist nichts mehr zu besorgen.
Denn wovor noch sollt' uns bangen?
Diesem Orte kannst du trauen.

Beatriz. Und nun meine Rolle hier?

Angela. Jetzt die, einer meiner Frauen;
Dann, im stillen anzuschauen,
Was geschieht mit ihm und mir. –
(Zu Don Manuel.) Längst wohl reut' Euch der Entschluß,
Mein zu harren?

Don Manuel.             Nein, Señora;
Denn, wer harret auf Aurora,
Weiß gar wohl, daß er Verdruß,
Sorg' und Schmerz begraben muß
In der Nacht kaltdunkle Schauer.
Und zur Lust, in dieser Lage,
Ward im Uebergang die Plage;
Denn je länger ihre Dauer,
Um so mehr rief sie dem Tage.
Doch es brauchte keine Nacht,
Mich so lange zu umdunkeln,
Wenn mir jetzt die Sonnenpracht
Eurer Schönheit sollte funkeln;
Denn daß Eures Glanzes Macht
Bring' aus seiner lichten Sphäre
Rings die hellste Strahlenwonne,
Wehrt ihm nicht die farbenleere
Düstre Nacht; Ihr seid der hehre
Tag, der anbricht ohne Sonne.
Früh erscheint, ein holdes Licht
Nach entschwundner Nacht, Señora,
Albas lächelndes Gesicht;
Sie erhellt, doch goldet nicht.
Dann, auf Alba, folgt Aurora;
Karg mit Licht und Strahlenschein,
Goldet sie, doch wärmet nimmer.
Aber auf Aurorens Schimmer
Folgt die Sonn', und sie allein
Goldet, hellt und wärmet immer.
Siegend ob der finstern Nacht,
Zeigt sich Albas frühe Helle;
Glänzender, an Albas Stelle,
Tritt Aurorens Strahlenpracht;
Und der Sonne Göttermacht
Fordert auf zum Kampf Auroren,
Ihr die Sonne. Doch ich sage,
Unnütz ging die Nacht verloren,
Da Ihr Euer Licht geboren,
Sonnensonne! nach dem Tage.

Angela. Ob ich Dank auch schuldig wäre
Euern Reden, zart und fein,
Muß ich klagen um die schwere
Kränkung solcher Schmeichelein.
Denn nicht hier ist ja die Sphäre,
Wo der Worte kühne Pracht
Streite mit des Windes Macht:
Nein, nur eine stille Wohnung;
Und in Wahrheit, viel Verdacht
Weckt ein Lob ohn' alle Schonung.
Alba bin ich nicht, mir fehlet
Ja das lächelnde Gesicht;
Noch Aurora, weil Euch nicht
Thränen zeigen, was mich quälet;
Noch die Sonne, denn mein Licht
Strahlt nicht Wahrheit aus, die reine.
Wer ich bin, tönt keinem Ohre;
Nur nicht Alba, nicht Aurore,
Noch die Sonne, denn ich scheine
Nicht und lächle nicht, noch weine.
Also sagt von mir, ich bitte,
Herr Don Manuel, immerhin,
Daß ein Weib ich war und bin,
Nur von Euch zu solchem Schritte
Hingelockt, fremd aller Sitte.

Don Manuel. Nicht viel wagtet Ihr vielleicht;
Denn erblick' ich zwar mich hier,
Herrin, doch bewies' ich leicht,
Daß mehr Grund zur Klage mir,
Als zum Danke, ward gereicht.
Und so muß ich mich beschweren.

Angela. Ueber mich beschweren?

Don Manuel.                                 Ja;
Denn Ihr wollt mir nicht erklären,
Wer Ihr seid.

Angela.                 Nur dieses da,
Bitt' ich Euch, nicht zu begehren,
Denn unmöglich kann ich's sagen.
Wollt Ihr künftig hier mich sehn,
Müßt Ihr die Bedingung tragen,
Daß ich's nimmer darf gestehn
Und Ihr nimmer danach fragen.
Gönnet, daß ich Euerm Sinn
Als ein Rätselbild erscheine;
Denn nicht bin ich, was ich scheine,
Und nicht schein' ich, was ich bin.
Bleib' ich unentdeckt forthin,
Dürft Ihr mich, darf ich Euch sehn;
Doch gelingt es Euerm Spähn,
Mein Geheimnis auszufinden,
So wird Eure Lieb' entschwinden,
Bleibt auch meine Liebe stehn.
Schafft der Pinsel manchmal nicht
Ein Gemälde, das die eine
Form hat bei dem einen Scheine,
Andre Form bei anderm Licht?
Solch ein Doppelangesicht
Gab die Lieb', als Maler, mir.
Jetzt, bei diesem Lichte hier,
Hab' ich Eure Gunst erreicht;
Und bei anderm Licht – vielleicht
Mich verabscheun würdet Ihr.
Was Euch nötig ist zu hören,
Knüpft sich bloß an Euern Wahn,
Daß Don Luis sei mein Galan.
Diesen Argwohn zu zerstören,
Will ich, er sei's nicht, beschwören.

Don Manuel. Doch, Señora, was verband
Euch, vor ihm zu fliehn?

Angela.                                   Und wäre
Nun vielleicht so hoch mein Stand,
Daß es schad'te meiner Ehre,
Hätte mich Don Luis erkannt?

Don Manuel. Dies nur wollt mir nicht verschweigen:
Wie gelangt Ihr in mein Haus?

Angela. Und auch dies Euch anzuzeigen,
Wehrt derselbe Grund durchaus.

Beatriz (beiseite). Nun muß ich mich höflich zeigen.
(Laut zu Angela.) Die Erfrischungen sind hier;
Will Eur Exzellenz, daß wir . . .

Angela. Seht nur die Impertinenz!
Thörin! wer ist Exzellenz?
Willst du wohl auf die Manier
Herrn Don Manuel hintergehen?
Bringst ihm gar den Glauben bei,
Daß ich große Dame sei!

Beatriz. Doch erwäge . . .

Don Manuel (beiseite).       Dies Versehen
Läßt mich etwas doch erspähen.
Nun erklärt sich's ohne Zwang,
Wie, als Frau von hohem Rang,
Sie sich barg in jene Hülle,
Und wie durch des Goldes Fülle
Ihr geheimer Plan gelang.

(Man pocht an die Mittelthür; alle geraten in Schrecken.)

Don Juan (draußen). Isabel, mach' auf die Thür!

Angela. Weh mir, Himmel! Welch ein Lärmen!

Isabel. Ich bin tot!

Beatriz.                 Ich bin erstarret!

Don Manuel. Hilf mir, Himmel! Noch nicht enden
Meine grausen Mißgeschicke?

Angela. Herr, mein Vater dort ist jener.

Don Manuel. Und was soll ich thun?

Angela.                                               Ihr müßt
Euch im Kabinett verbergen.
Isabel, führ' ihn hinweg
Und verbirg ihn wohl in jenem
Abgelegnen Aufenthalte,
Den du kennest; du verstehst mich.

Isabel. Kommt geschwinde!

Don Juan (wie oben).           Werdet ihr
Nicht bald öffnen?

Don Manuel.                 Himmel, schenke
Beistand mir! denn auf dem Spiele
Stehn zugleich itzt Ehr' und Leben.

(Ab mit Isabel durch die Thür zur Linken.)

Don Juan. Schnell! sonst schlag' ich ein die Thür.

Angela. In dem Zimmer dort, zur Rechten,
Birg dich eiligst, Beatriz;
Sehn darf er dich nicht.

(Beatrix und die übrigen gehen durch die Thür zur Rechten; Angela öffnet die Mittelthür.)

Don Juan tritt auf.

Angela.                                 Was dränget
Dich so spät noch in mein Zimmer,
Daß du kommst, uns so zu schrecken?

Don Juan. Erst sag' du mir, Angela,
Was sind dies für Prunkgewänder?

Angela. Meines Unmuts, meines Kummers
Ursach' ist, daß ich beständig
Muß in Trauer gehn; und deshalb,
Um mich aufzuheitern, setzt' ich
Mich einmal in Staat.

Don Juan.                         Ich glaub' es;
Denn wohl lassen Weiberschmerzen
Sich mit Prachtgewändern heilen,
Mit Geschmeide wohl sich heben;
Wenn es gleich mir scheint, als sei
Dein Bemühn nicht schicklich eben.

Angela. Was thut's, daß ich hier mich putze,
Wo kein Mensch kommt, mich zu sehen?

Don Juan. Sage mir, ging Beatriz
Schon nach Haus?

Angela.                         Und recht verständig
Hat ihr Vater, sich besinnend,
Seinen Zorn in Huld verändert.

Don Juan. Schon genug! Versuchen will ich,
Ob's gelingt, sie noch zu sehen
Und zu sprechen diese Nacht.
Bleib mit Gott! und dies bedenke:
Diese Tracht ist nicht mehr dein. (ab.)

Angela. Gehe Gott mit dir, und gehe!

Beatriz kommt zurück.

Angela. Schnell die Thür zu, Beatriz!

Beatriz (verschließt die Mittelthür).
Das ging glücklich noch zu Ende!
Mich zu suchen, geht dein Bruder
Fort.

Angela.   Und bis es stiller werde
Hier im Haus, und bis Don Manuel
Zum Besuche wiederkehre,
Laß, um sicherer zu sein,
Uns in jenes Zimmer treten.

Beatriz. Glückt dir dies, wird man mit Recht
Dich die Dame Kobold nennen.

(Beide ab durch die Thür zur Rechten.)

 


 
Zimmer des Don Manuel; dunkel.

Isabel und Don Manuel kommen durch die heimliche Thür.

Isabel. Hier verweil' und mache ja
Kein Geräusch, daß man nicht merke,
Du seist hier.

Don Manuel.         Ein Marmor bin ich.

Isabel (beiseite). Gebe Gott, daß ich's nur treffe,
In der Angst, recht abzuschließen! (ab.)

Don Manuel. O wie viel wagt ein Verwegner,
Der sich wagt an einen Ort,
Wo er nicht weiß, nicht erkennet,
Welches Unheil ihm bevorsteht,
Welch Verderben ihn umschwebet!
Hier nun bin ich in dem Hause
Einer so vornehmen Herrin
(Exzellenz ist sie zum mindsten),
Dicht umringt von Graun und Schrecken,
Und so weit entfernt vom meinen. –
Aber wie? Man öffnet eben
Eine Thüre, deucht mir; ja!
Es ist wer herein getreten.

Cosme kommt durch die Mittelthür.

Cosme. Gott sei Dank! Für diese Nacht
Kann ich in mein Zimmer endlich
Frei hinein und ohne Furcht,
Ob ich gleich im Dunkeln gehe.
Denn der Kobold, mein Gebieter,
Hat er nun doch meinen Herren;
Was denn will er noch von mir?
    (Er stößt auf Don Manuel.)
Und doch will er etwas, merk' ich.
Wer da? Wer ist hier?

Don Manuel.                     Schweig, sag' ich,
Wer du sein magst, wenn zur Stelle
Nicht mein Dolch dich soll durchbohren.

Cosme. Gerne! Wie ein armer Vetter
In des Reichen Hause, schweig' ich.

Don Manuel (beiseite).
Wohl ein Diener ist's, den eben
Nur der Zufall hergeführt.
Durch ihn will ich mich belehren,
Wo ich bin. (Laut.) Sprich, was ist dieses
Für ein Haus und welches Herren?

Cosme. Herr, das Haus und sein Gebieter
Sind des Teufels, der mich nehme!
Denn es wohnt hier eine Dame,
Die sie Dame Kobold nennen.
's ist ein Dämon in Gestalt
Einer Frau.

Don Manuel.     Und wer du selber?

Cosme. Ich? Ein Famulus, ein Diener,
Ein Lakai, ein Untergebner,
Der hier, ohne Fug und Recht,
Muß das Hexenwerk bestehen.

Don Manuel. Und wer ist dein Herr?

Cosme.                                               Das ist
Ein gewalt'ger Thor, ein Peter,
Ein Hans Narr, ein Geck, ein Dummkopf,
Der sich hängt an solche Hexe.

Don Manuel. Und er heißt?

Cosme.                                 Don Manuel
Enriquez.

Don Manuel.   Ha, was vernehm' ich?

Cosme. Und Cosme Catiboratos
Heiß' ich.

Don Manuel.   Cosme, wie? Du wärst es?
Aber wie kommst du hieher?
Sprich! Ich bin dein Herr. Der Sänfte
Folgtest du vielleicht und tratest
Nach mir, um dich zu verbergen,
Ebenfalls in dieses Zimmer?

Cosme. Das sind angenehme Scherze!
Sage, wie kommst du hieher?
Gingst du nicht allein, sehr kecklich,
Dorthin, wo man deiner harrte?
Und zurück mit solcher Schnelle?
Und wie endlich kamst du jetzt
Hier herein, da ich beständig
Bei mir trug des Zimmers Schlüssel?

Don Manuel. Wessen Zimmer ist dies? Rede!

Cosme. Deines, oder das des Teufels.

Don Manuel. Ha, du lügest, Unverschämter!
Denn in anderm Hause, weit
Von dem meinen, war ich eben
Noch in diesem Augenblick.

Cosme. Koboldstreiche sind's am Ende
Ganz gewiß; denn reine Wahrheit
Sagt' ich dir.

Don Manuel.       Du willst mich närrisch
Machen glaub' ich.

Cosme.                           Was bedarf's,
Als dich zu enttäuschen? Gehe
Nur zur Thür' hinaus, so kommst du
In das Vorhaus, wo du klärlich
Dich enttäuschen kannst.

Don Manuel.                           Nun gut!
Prüfen will ich selbst und sehen. (ab.)

Cosme. Wann, ihr Herrn, wird endlich nur
Dieser bare Trug sich enden?

Isabel kommt durch die heimliche Thür.

Isabel (für sich). Endlich trollte sich Don Juan;
Und damit der Gast nicht merke,
Wo er ist, muß ich nunmehr
Schleunig ihn von hier entfernen. –
Pst, Herr, pst.

Cosme (beiseite).   Noch schlimmer wird's;
Dieses Pisten ist verpestet!

Isabel. Endlich hat mein Herr zur Ruhe
Sich gelegt.

Cosme (beiseite). Was für ein Herr denn?

Don Manuel tritt auf.

Don Manuel. In der That, dies ist mein Zimmer.

Isabel (zu Cosme). Bist du's?

Cosme.                                   Ja, ich bin's.

Isabel.                                                         So gehe
Mit mir fort.

Don Manuel (zu Cosme). Du hattest Recht.

Isabel. Zögre nicht; nur ohne Beben!

(Sie faßt den Cosme bei der Hand und zieht ihn nach der heimlichen Thür.)

Cosme. Bester Herr, der Kobold holt mich! (Ab mit Isabel.)

Don Manuel (mit Cosme sprechend). Wann erfahren wir nur endlich,
Woher dieser Trug entsteht? –
Du antwortest nicht? Wie närrisch!
Cosme! Cosme! (Herumtappend.) Ha, beim Himmel!
Nichts berühr' ich, als die Wände.
Sprach ich denn nicht hier mit ihm?
Aber wie, in solcher Schnelle,
Schwand er fort? War er nicht hier?
Ja, verlieren soll ich kläglich
Den Verstand. Herein zu kommen,
Weiß hier irgend wer notwendig;
Wie er's macht, muß ich ergründen.
Deshalb will ich mich verbergen
Im Alkoven dort und ganz
Ruhig harren im Verstecke,
Bis ich endlich, wer die schöne
Dame Kobold sei, erspähe. (Er geht in den Alkoven.)

 


 
Zimmer der Doña Angela, hell erleuchtet.

Die Frauen treten auf, mit Erfrischungen, wie vorhin; sodann Doña Angela und Doña Beatriz.

Angela (zu Beatriz). Fort ist Don Juan, voll Verlangen,
Dich zu sehn; und Isabel,
Die nach unserm Gast gegangen,
Holt uns den Don Manuel. (Zu den Frauen.)
Rüstet euch, ihn zu empfangen!
Find' er die Erfrischung da,
Wie er Eintritt hat genommen;
Und so wartet auf sein Kommen.

Beatriz. Solche Wunderdinge sah
Ich noch nimmer.

Angela.                       Kommt er?

Eine Dienerin.                               Ja;
Denn schon hör' ich seine Schritte.

Isabel kommt durch die Thür zur Linken, den Cosme nach sich ziehend.

Cosme (im Eintreten). Weh mir Armem! Wohin geh' ich?
's ist ein Spaß von schlechter Sitte. –
Aber nein! Bewundernd steh' ich
In so vieler Schönen Mitte.
Bin ich Cosme? Amadis?
Cosmelein? Belianis?

Isabel. Nun, da ist er! (Ihn erkennend.) Was gewahr' ich?
Himmel!

Cosme.           Schöner Trug ist dies,
Und sogleich zum Teufel fahr' ich.

Angela. Isabel, was ist geschehen?

Isabel. Als ich kam in das Gemach,
Wo ich ließ Don Manuel stehen,
Traf ich auf den Diener.

Beatriz.                                 Schwach
Uebermalst du dein Versehen.

Isabel. Es war dunkel.

Angela.                         Wehe mir!
Alles nun entdeckt der Späher.

Beatriz. Nein, ihn täuschen müssen wir. –
Cosme!

Cosme.         Damiana?

Beatriz.                         Näher!
Kommt hieher.

Cosme.                   Gut bin ich hier.

Angela. Nahet Euch; die Furcht erspart!

Cosme. Furcht? Ein Mann von meiner Art?

Angela. Und warum nicht näher treten?

Cosme (beiseite). Nun hilft Singen nicht, noch Beten;
Denn der Ehrenpunkt ist zart. – (Nähert sich.)
Wenn's nun aber Ehrfurcht wär,
Und nicht eben Angst und Schrecken?
Denn auch Lucifer sogar
Könnt' in Frauentracht, fürwahr!
Mir nur wenig Furcht erwecken.
Oft schon hat er's so gemacht
Und, nach alter Schlauheitsprobe,
Sich gesteckt in Weibertracht
(Denn die Schnürbrust und die Robe
Hat der Teufel selbst erdacht).
So erschien der Wohlbekannte
Einst als reizende, galante
Jungfer einem Schäfersmann,
Der beim ersten Blick sodann
Rasch von Liebesglut entbrannte.
Er vergnügte sich mit ihr;
Und zur grausen Ungestalt
Ward die Teufelin alsbald:
Frevler! schrie das Höllentier,
Sieh die Schönheit, welche dir
Lieb' erweckt hat und Verlangen.
Nun verzweifle, weil so schwer
Du in Sünden dich vergangen!
Doch der Schäfer, ohne Bangen,
Minder reuig als vorher,
Sprach zu ihr: Wenn du gedacht,
Blendwerk ohne Sein und Macht,
Daß ich gleich verzweifeln würde,
Komm nur morgen zu der Hürde
Wieder her in Frauentracht:
Und voll Lieb' und voll Vertrauen
Sollst du mich, wie heute, schauen.
Denn dies merk' dir und frohlocke
Nicht zu früh: Im Weiberrocke
Macht der Teufel selbst kein Grauen.

Angela. Faßt Euch nur! Von diesen Sachen
Eßt ein wenig; trinkt einstweilen,
Denn der Schreck pflegt Durst zu machen.

Cosme. Habe keinen.

Beatriz.                     Stärkt die schwachen
Kräfte, denn zweihundert Meilen
Geht für heute noch Eu'r Lauf.

Cosme. Wie? Was hör' ich?

(Man pocht an die Mittelthür.)

Angela.                                 Klopft man?

Beatriz.                                                     Ja.

Isabel. Kommt das Unglück doch zuhauf!

Angela. Ich Unsel'ge!

Don Luis (draußen).   Bist du da,
Isabel?

Beatriz.       O weh!

Don Luis.                 Mach' auf!

Angela. Hab' ich doch für jeden Unfall
Einen Bruder!

Isabel.                   Schlimmes Treffen!

Beatriz. Ich verberge mich.

(Ab in das Zimmer zur Rechten.)

Cosme.                                 Nun wird
Sich der wahre Kobold melden!

Isabel. Folge mir!

Cosme.                 Von Herzen gern.

(Beide ab durch die Thür zur Linken.)

Angela öffnet die Mittelthür; Don Luis tritt auf.

Angela. Was nur kannst du hier begehren?

Don Luis. Mein verhaßtes Unglück will,
Daß ich andrer Luft verderbe.
Eine Sänfte sah ich kommen,
Noch ganz spät; sie brachte, denk' ich,
Beatriz. Dann ging mein Bruder
Hier herein.

Angela.               Was willst du endlich?

Don Luis. Da dies Zimmer über meinem
Liegt, so kam mir vor, als wären
Leute hier; und selber schauen
Will ich, um mich aufzuklären.
    (Er hebt den Vorhang der Thür und findet Beatriz.)
Beatriz, du hier?

Beatriz.                     Nun freilich;
Denn ich mußte wiederkehren,
Weil der Zorn auch meinem Vater
Wiederkam, der immer grämelt.

Don Luis. In Verwirrung seid ihr beide. –
Was für eine Wirtschaft seh' ich?
Teller? Gläser? Eingemachtes?

Angela. Warum spähst du doch so ängstlich
Nach den Dingen, womit Frauen,
Die allein sind, sich beschäft'gen?

(Geräusch in dem Zimmer zur Linken.)

Don Luis. Welch ein Lärm?

Angela (beiseite).                 Ich bin des Todes!

Don Luis. Ha, bei Gott! dort hör' ich gehen;
Und mein Bruder kann's nicht sein,
Der auf die Art sich versteckte.
    (Er geht in das Zimmer zur Linken und kommt zurück.)
Wehe mir, barmherz'ger Himmel!
Da ich thöricht unternehme,
Hier die Eifersucht zu stören,
Welche Lieb' entflammt, so werd' ich
Eifersucht der Ehr' enthüllen.
Licht her, ist's auch toll; denn endlich
Findet alles sich bei Licht,
Und bei Licht verliert sich Ehre.

(Er nimmt ein Licht und geht durch die Thür zur Linken.)

Angela. Beatriz, wir sind verloren,
Wenn er ihm begegnet.

Beatriz.                               Rettet
Isabel ihn in sein Zimmer,
So sind Angst und Furcht vergebens;
Denn dich sichert das Geheimnis
Des bewußten Schranks.

Angela.                                   Und hätte
Isabel, wenn so mein Unglück
Es gewollt, im blinden Schrecken
Nicht den Eingang fest versperrt,
Und er dräng' hinein?

Beatriz.                             Dann wär' es
Nötig, dich davon zu machen.

Angela. Ja, dein Vater soll mir helfen,
Wie ich ihm ja eben half;
Und, da sich die Lose wechseln,
Hat er dich in Not gebracht,
Soll er mich der Not entheben. (Beide ab.)

 


 
Zimmer des Don Manuel, dunkel.

Isabel und Cosme kommen durch die heimliche Thür, gleich darauf Don Manuel aus dem Alkoven.

Isabel (zu Cosme). Schnell herein!

(Sie läuft zur Mittelthür hinaus, ohne den Schrank an seine Stelle zu schieben.)

Don Manuel.                                 Zum zweitenmal
Hör' ich Leut' im Zimmer gehen.

Don Luis, ein Licht in der Hand, kommt durch die heimliche Thür.

Don Luis. Ich sah einen Mann, bei Gott!

Cosme. Das ist übel!

Don Luis.                   Wie entfernte
Man den Schrank von seinem Platz?

Cosme. Da kommt Licht her; mich verbergen
Will ich unter diesen Tisch.

(Er kriecht unter einen Tisch.)

Don Manuel (legt die Hand an den Degen).
So nun muß ein Ende werden.

Don Luis. Ha, Don Manuel!

Don Manuel.                       Ihr, Don Luis?
Wer war je so im Gedränge?

Cosme (unterm Tisch). Nun hört, wie er kam herein;
Tausendmal wollt' ich's erzählen.

Don Luis. Ha, Elender! Schlechter Ritter!
Meineidiger Gast! Verräter!
Der du schändlich deines Freundes,
Gönners und Beschützers Ehre
Sonder Rückhalt willst beleid'gen,
Sonder Anstand willst beflecken:
Ziehe dein verruchtes Schwert! (Er zieht.)

Don Manuel. Ja; doch nur, um mich zu wehren,
Will ich's ziehen, so bestürzt,
Dich zu hören, dich zu sehen
Und mich selbst zu sehn, zu hören,
Daß, obwohl du jetzt begehrest,
Mich zu töten, du's nicht kannst;
Denn mein Leben, vom Verhängnis
Längst erprobt, ist todesfrei.
Nein! obwohl du sinnst, das Leben
Mir zu nehmen, kannst du's nicht,
Denn der Schmerz kann mir's nicht nehmen;
Und erkenn' ich dich für stark,
Dennoch ist der Schmerz viel stärker.

Don Luis. Nicht besiegst du mich durch Worte,
Nur durch Thaten.

Don Manuel.               Doch bedenke
Erst, Don Luis, ob ich vermag,
Dir Befriedigung zu geben.

Don Luis. Ha, was für Befriedigung,
Wenn du mich so schmählich kränkest?
Wenn du durch geheime Thüren
Inn die Wohnung jener Frechen
Eindringst, gibt's Befriedigung
Solches Schimpfes?

Don Manuel.                 Dieser Degen
Soll zehnfach mein Herz durchbohren,
Wußt' ich nur, Don Luis, von jener
Thür und wußt' ich, daß sie dort
Führ' in andre Wohngemächer.

Don Luis. Und was machst du hier, verschlossen,
Ohne Licht?

Don Manuel (beiseite). Was ihm entgegnen?
(Laut.) Auf den Diener wart' ich.

Don Luis.                                             Sah ich
Selbst, daß man dich hier verberge:
Lügen mir die Augen?

Don Manuel.                       Ja;
Denn sie täuschen sich weit eher,
Als die andern Sinne.

Don Luis.                           Doch,
Wenn die Augen lügen, werden
Gleichfalls lügen auch die Ohren?

Don Manuel. Gleichfalls.

Don Luis.                         Alles lügt am Ende,
Und die Wahrheit sagst nur du;
Und nur du bist's . . .

Don Manuel.                     Nicht vollende!
Denn noch ehe du es sagest,
Nur es ahnest, nur es denkest,
Ist dein Leben schon dahin.
Und steht fest nun das Verhängnis,
So bin ich der Nächste mir;
Mag die Freundschaft mir vergeben!
Ist notwendig nun der Kampf,
Laß, wie sich gebührt, uns kämpfen.
Teilen wollen wir das Licht,
Daß es beid' uns gleich erhelle.
Du verschließe jene Thür,
Wo du eindrangst, unverständig;
Diese hier will ich verschließen.
Und hier auf den Boden werf' ich
Ihren Schlüssel hin, auf daß,
Wer am Leben bleibt, sich rette.

(Er verschließt die Mittelthür und wirft den Schlüssel auf den Boden.)

Don Luis. Um den Schrank fest zu verschließen,
Setz' ich diesen Tisch dagegen,
Daß von jener Seite niemand
Oeffnen mag, wer's auch begehre.

(Er hebt den Tisch auf und findet Cosme.)

Cosme. Nun entdeckte sich der Kunstgriff!

Don Luis. Wer ist hier?

Don Manuel.                 O unermeßlich
Hartes Schicksal!

Cosme.                       Es ist niemand.

Don Luis. Sprich, Don Manuel, ist nicht jener
Der Bediente, des du wartest?

Don Manuel. Davon ist nicht Zeit zu reden.
Weiß ich doch, ich habe Recht;
Glaubet Ihr, was Ihr begehret.
Jetzt, den Degen in der Faust,
Soll nur, wer da sieget, leben.

Don Luis. Ei, so schlagt doch zu, ihr beiden!
Worauf wartet ihr?

Don Manuel.                 Du kränkst mich,
Wenn du solches von mir glaubst.
Ich bedachte, was mit jenem
Sei zu machen: Fort ihn jagen,
Heißt, ausschicken zum Erzählen.
Bleibt er hier, bin ich im Vorteil;
Denn auf meine Seite stellen
Würd' er sich gewiß.

Cosme.                             O nein,
Wenn nur das Euch steht im Wege.

Don Luis. Eine Thür dort im Alkoven
Führt zu einem Kabinettchen;
Da verschließ ihn, und alsdann
Sind wir gleich.

Don Manuel.             Es soll geschehen.

Cosme. Wenn ich fechten soll, da sind
Vorkehrungen sehr notwendig;
Doch, daß ich nicht fechten möge,
Dürft ihr euch so sehr nicht quälen.

(Er geht in den Alkoven; Don Manuel folgt ihm und kommt wieder zurück.)

Don Manuel. Jetzt sind beide wir allein.

Don Luis. Nun wohlan denn, zum Gefechte!

(Sie fechten; Don Luis verliert das Stichblatt.)

Don Manuel. Niemals sah ich festre Hand!

Don Luis. Niemals sah ich größre Stärke!
Ich bin wehrlos; ohne Stichblatt,
Ganz unbrauchbar ist mein Degen.

Don Manuel. Das ist Mangel nicht des Muts,
Nur des Glücks und Zufalls Fehler.
Geh und hol' ein andres Schwert.

Don Luis. Du bist tapfer, du bist edel.
(Beiseite.) Schicksal, was nun soll ich thun
In so mächtiger Bedrängnis?
Denn nimmt er die Ehre mir,
Schenkt er, siegend, mir das Leben.
Suchen muß ich einen Vorwand,
Wahr nun oder falsch, um ernstlich
Zu bedenken, welchen Weg
Ich in solchem Zweifel wähle.

Don Manuel. Holst du nicht den Degen?

Don Luis.                                                 Ja;
Und bald werd' ich wiederkehren,
Wenn du warten willst auf mich.

Don Manuel. Bald sei's oder spät: hier steh' ich.

Don Luis. Lebet wohl; Gott mög' Euch schützen!

Don Manuel. Lebet wohl; Gott geb' Euch Segen!

(Don Luis hebt den Schlüssel vom Boden auf, öffnet die Mittelthür und geht ab. Don Manuel schließt hinter ihm wieder zu.)

Don Manuel. Schließen will ich und den Schlüssel
Abziehn, damit keiner merke,
Daß hier drinnen Leute sind. –
Ha, wie kämpft in meiner Seele
Dieser Wirrwarr von Gedanken!
Wie er tobt in meinem Herzen!
Sagt' ich nicht vorher, es müsse
Eine Thür ihr Eingang geben,
Und sie sei Don Luis' Geliebte?
Alles nun hat sich begeben,
Wie ich's mir gedacht vorher;
Unheilsahnung lügt ja selten!

Cosme (im Alkoven). Bester Herr, um Gottes willen!
Bist du jetzt allein, so fleh' ich,
Laß mich doch hinaus! Der Kobold,
Fürcht' ich, wird hier ein sich drängen
Mit dem Sagen und dem Fragen,
Mit den Ränken und Gezänken;
Und ein Loch ist dies, wo kaum
Auseinander stehn die Wände.

Don Manuel. Oeffnen will ich; denn ich bin
So erschöpft vom Widerstreben
Der Gedanken, daß gewiß
Nichts vermag mich mehr zu quälen.

(Er geht in den Alkoven.)

Die Mittelthür wird von außen aufgeschlossen. Don Juan bringt die verschleierte Angela herein; beide bleiben im Hintergrunde.

Don Juan. Hier verweil', indessen ich
Suchen will, mich zu belehren,
Welcher Grund, um diese Zeit
Und auf die Art auszugehen,
Dich veranlaßt; denn nicht sollst du
Deine Wohnung jetzt betreten,
Weil ich ohne dich, Treulose!
Will erspähn, was dir begegnet. –
(Beiseite.) In der Wohnung des Don Manuel
Lass' ich sie; und wenn er käme,
Soll ein Diener vor der Thür
Ihm den Eingang hier verwehren. (ab.)

Angela. Ich Unselige! Weh mir!
Schlag auf Schlag trifft mich die Strenge
Des Geschicks; ich bin des Todes!

Don Manuel und Cosme kommen aus dem Alkoven.

Cosme. Schnell heraus!

Don Manuel.                 Was kann dich schrecken?

Cosme. Daß dies Weib ein Satan ist
Und daß sie auch dort mich quäle.

Don Manuel. Da wir wissen, wer sie ist;
Da wir jene Thür versperrten
Durch den Tisch, die durch den Schlüssel:
Welchen Eingang soll sie nehmen?

Cosme. Ei nun, welcher ihr beliebt.

Don Manuel. Bist ein Narr!

Cosme (Angela erblickend).   Gott sei uns gnädig!

Don Manuel. Nun, was gibt's?

Cosme.                                     Das Verbi gratia
Hat sich leis hier eingedränget.

Don Manuel. Bist du Blendwerk oder Schatten,
Weib, das mich zu Tode quälet?
Sprich, wie kommst du hier herein?

Angela. Ha, Don Manuel!

Don Manuel.                     Sprich!

Angela.                                           So merke:
Don Luis pocht' an gewaltsam,
Trat ein ergrimmt, hielt sich zurück enthaltsam,
Bereitete bedächtig,
Erwog gescheit und widerstrebte mächtig,
Das ganze Haus durchrannt' er,
Sorgfältig spähend; dich alsbald erkannt' er,
Und plötzlich sprach, verwegen,
Das Schwertgeklirr; denn Zunge ward der Degen.
Ich, die wohl weiß, daß nimmer
Zwei Edelleut' in fest verschloßnem Zimmer,
Wenn Mut und Ehre treiben,
Die Schwerter sprechen, stumm die Lippen bleiben,
Ein andres Ende geben,
Als nur mit einem Tod und einem Leben:
Ich, ohne Seel' und Willen,
Verließ mein Haus, und in der dunkelstillen
Umgebung nächt'ger Schauer
(Graunvolles Bild von meines Daseins Trauer!)
Begann ich, einsam wallend,
Den Weg, hier irrend, strauchelnd da, dort fallend;
Und ängstlicher Beklemmung
Ward des Gewandes Seide Haft und Hemmung.
So irrend durch die Gassen,
Einsam, verstört, schier vom Verstand verlassen,
Erreicht' ich eine Sphäre,
Mein Kerker längst, obwohl mit Recht sie wäre
Mein Zufluchtsort und Hafen;
Allein wo finden den des Unglücks Sklaven?
Es stand auf ihrer Schwelle
(So drängt sich Not auf Not mit wilder Schnelle!)
Don Juan, mein Bruder. – Endlich,
Trotz allem Widerstreit, ist's unabwendlich,
Mich ganz dir kund zu geben;
Denn, daß ich dies verschwieg, das hat uns eben
Mit solcher Not beladen.
Wer glaubt, daß ich mir schweigend konnte schaden,
Obwohl ein Weib? Wie eigen!
Obwohl ein Weib, fand ich den Tod durch Schweigen.
Kurz, wartend auf der Schwelle
Stand er, als ich gelangt' an diese Stelle,
Wo ich, in seiner Nähe,
Ein Schneevulkan, ein Flammengletscher, stehe.
Er, bei dem kargen Lichte,
Das milde strahlt von Lunas Angesichte,
Sieht schimmern meines Busens Prachtgeschmeide
(Ach, nur zu oft führt uns der Schmuck zum Leide!)
Und hört zugleich das Rauschen vom Gewande.
(Ach, nur zu oft stürzt uns der Putz in Schande!)
Er hält mich für die Seine,
Naht sich als Schmetterling dem Trügerscheine,
Um sich an ihm zu brennen,
Und muß des Sternes Schatten – mich erkennen.
Ein Liebender – wer's dächte! –
Sucht Grund zu seiner Eifersucht und brächte
Dem Himmel Dank am Ende,
Wenn er den Grund zur Eifersucht nur fände.
Er strebt umsonst, zu sprechen,
Weil ja dem Schmerz die Worte stets gebrechen.
Zuletzt, in dumpfen Klängen,
Die auf dem Weg zur Lippe so sich drängen,
Daß sie der Worte missen,
Begehrt er, seiner Schande Grund zu wissen.
Ich wollt' ihm Antwort geben
Und konnt' es nicht; denn – ich bemerkt' es eben –
Der Schmerz weiß nichts zu sagen,
Und schlecht zu Hilfe kommt das Wort dem Zagen.
Zwar sucht' ich für die Schuld nach Farb' und Flimmer.
Doch wer Entschuld'gung sucht, dem wird sie immer
Spät oder nicht erscheinen
Und mehr die Schuld bestät'gen, als verneinen.
Komm, sprach er zorn'gen Mutes,
Du erster Schandfleck unsers alten Blutes,
Jetzt will ich dafür sorgen,
Daß du verschlossen bleibest und verborgen,
Bis klügliches Verfahren
Wird meiner Schande Grund mir offenbaren. –
So kam ich zu dem Orte,
Wo meinem Leid dein Anblick ward zum Horte.
Weil ich dich mußte lieben,
Ward ich zur Rolle des Phantoms getrieben;
Weil ich dich trug im Herzen,
Ward ich lebend'ges Grabmal meiner Schmerzen;
Denn nicht dich lieben könnte,
Die deinem Wert Hochachtung nicht vergönnte;
Nicht dich im Herzen trüge,
Die gleich dir hätt' entdeckt, für wen es schlüge.
Dich lieben, war mein Wissen;
Mein Zweck, dich minnen; meine Furcht, dich missen;
Meine Sorgen, dich bewahren;
Mein Leben, meine Seele, dir willfahren;
Mein höchster Wunsch, dir dienen;
Und meine Thränen sollen nur verdienen,
Daß du mein Leid vergütest,
Daß du mich haltest, schützest und behütest.

Don Manuel (beiseite). Mein Unglück gleicht fürwahr dem Haupt der Hyder,
Denn immer aus der Asch' erwächst es wieder.
Was soll ich thun? Welch Schwanken
Im Labyrinth der eigenen Gedanken!
Sie ist die Schwester des Don Luis, nicht seine
Geliebte. Wenn er so, beim leichten Scheine
Gekränkter Lieb', entlodert,
Was wird er thun, wenn Ehrsucht Rache fodert?
Wenn ich die Schwester schütze
Und ritterlich mein Blut für sie verspritze,
Dem Degen übertragend die Verteid'gung,
So mehr' ich die Beleid'gung;
Das heißt, Verrat bekennen
Und mich Beschimpfer seines Hauses nennen,
Weil er mich hier muß finden.
Doch sie verklagen, um mich zu entbinden,
Das heißet, sie beladen
Mit schwerer Schuld und meiner Ehre schaden.
Was nun ist hier das Rechte?
Verrätrisch handl' ich, wenn ich sie verfechte;
Wenn ich sie lasse, niedrig;
Wenn ich ihr helf', ungastlich; fühllos, widrig,
Wenn ich sie übergebe;
Unfreundschaftlich, wenn ich zu schützen strebe;
Wenn ich sie rett', ist's Hohn dem Freundestriebe;
Rett' ich sie nicht, ist's Hohn so edler Liebe.
Wohlan! droht mir Verderben
In jedem Fall, so will ich tötend sterben. –
(Zu Angela.) Señora, keine Sorgen!
Ich bin ein Edelmann; du bist geborgen.

(Man klopft an die Mittelthür.)

Cosme. Herr, man klopft.

Don Manuel.                   Es ist Don Luis,
Der den Degen bringt. Die Thüre
Oeffne du.

Angela.             Weh mir! Mein Bruder
Ist es.

Don Manuel. Du hast nichts zu fürchten,
Denn es schützet dich mein Mut;
Tritt nur hinter meinen Rücken.

(Doña Angela stellt sich hinter Don Manuel, Cosme öffnet die Thür.)

Don Luis tritt auf.

Don Luis. Ich bin hier . . . (Er erblickt Doña Angela und zieht den Degen.)
                                  Was muß ich sehen?
Ha, Treulose!

Don Manuel.         Noch nicht zücket
Euer Schwert, Don Luis. In diesem
Zimmer harrt' ich, bis Ihr würdet
Wiederkehren; und herein
Trat indes (nicht, daß ich wüßte
Auf was Art) die Dame hier,
Die sich Eure Schwester rühmet;
Denn mein Ritterwort empfangt,
Daß ich sie nicht kenn'; und gnügen
Muß Euch dies: ich sprach sie, ohne,
Wer sie sein mag, zu enthüllen.
Mir liegt ob, selbst mit Gefahr
Meines Lebens, sie zu schützen;
So, daß unser Zweikampf nun,
Welcher bei verschloßnen Thüren
Unter uns sich sollt' entscheiden,
Wird zum lauten Stadtgerüchte.
Wenn ich sie gesichert habe,
Kehr' ich wieder, um gebührend
Meinen Mann zu stehn. Und sind
Dem Verteid'ger seiner Würde
Ehr' und Schwert notwend'ge Waffen.
Laßt, mit Ehre mich zu rüsten,
Jetzt mich gehn; so wie ich Euch,
Um Euch mit dem Schwert zu rüsten.

Don Luis. Um ein Schwert zu holen, ging ich,
Doch nur weil ich's Euch zu Füßen
Wollte legen. (Er legt seinen Degen nieder.)
                      Und nunmehr,
Die Verbindlichkeit erfüllend,
Die mir oblag gegen Euch,
Kann ich, da Ihr neue Gründe
Mir verliehn, von neuem kämpfen. (Hebt ihn wieder auf.)
Meine Schwester muß ich hüten;
Keiner darf, vor meinen Augen,
Sie aus ihrem Hause führen,
Der ihr Mann nicht ist. Und so,
Wollt Ihr fort sie führen, dürft Ihr's
Nur als ihr Gemahl. Verbindet
Ihr Euch durch ein solch Gelübde:
Führt sie fort und kehret heim
Zum Gefecht, wenn's Euch gelüstet.

Don Manuel. Ja, ich kehre heim; doch nur,
Deinen klugen Gleichmut würd'gend,
Um vor dir mein Knie zu beugen. (Er kniet.)

Don Luis (ihn aufhebend). Auf, Don Manuel! Dies genüget.

Don Manuel. Und um die beschworne Pflicht
Ganz auf einmal zu erfüllen,
Nehm' ich deiner Schwester Hand.

Doña Beatriz und Isabel kommen durch die heimliche Thür; durch die Mittelthür Don Juan und Bediente mit Lichtern.

Don Juan. Fehlt es nur am Brautzuführer,
Hier bin ich! Der Schwester wegen
Kam ich her; doch an der Thüre
Hört' ich euch und wollte nicht
Mich einmengen in das Ueble,
Wie ich gern mich meng' ins Gute.

Beatriz. Und wenn sich's zum Guten füget,
Füg' es nicht sich ohne Kuppler.

Don Juan. Beatriz, du hier? Wie glücklich!

Beatriz. Niemals ging ich fort; hernach
Will ich dir den Grund enthüllen.

Don Juan. Nutzen wir den Augenblick,
Der so sichtbar uns begünstigt!

Cosme. Gott sei Dank, daß unser Kobold
Sich entdeckt! (Zu Don Manuel.) Und nun, was dünkt dich?
War ich trunken?

Don Manuel.             Bist du's nicht,
Mag dich Isabel beglücken.

Cosme. Das wär' Ursach es zu werden;
Doch ich darf nicht.

Isabel.                             Deine Gründe?

Cosme. Um die Zeit nicht zu verderben,
Die man leicht dabei verkrümelt;
Da ich sie benutzen kann,
Um Verzeihung unsrer Sünden
Zu erflehn. Und hierum bittet
Der Verfasser, euch zu Füßen.

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