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Die Dame in Grün

Frédéric Boutet: Die Dame in Grün - Kapitel 13
Quellenangabe
typenarrative
authorFrédéric Boutet
titleDie Dame in Grün
publisherAlbert Langen Georg Müller Verlags GmbH
translatorHanns Heinz Ewers und Maria Ewers aus'm Werth
correctorreuters@abc.de
senderwww.gaga.net
created20150607
projectid4ebd9813
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Das authentische Altertum

Herr Blaireau, der ehrenwerte und hochberühmte Konservator eines sehr bekannten Museums, »der Mann der ägyptischen Altertümer«, wie man ihn in ganz Europa nannte, befand sich in seinem großartig eingerichteten Arbeitszimmer, das mitten in diesem unvergleichlichen Museum lag, das sein Arbeitsfeld, seine Ehre, sein Leben bedeutete. Umgeben von den Wundern längst versunkener Zeiten, mit denen die Wände geschmückt waren, schlummerte Herr Blaireau friedlich der Stunde entgegen, in der er das Bureau zu verlassen pflegte, in dem er übrigens niemals etwas arbeitete, was immer es auch sein mochte.

Herr Blaireau freute sich an diesem Tag seines Lebens fast noch mehr als sonst, denn er hatte soeben einen kleinen Triumph gefeiert, und zwar in einer Angelegenheit, die ihm im ersten Augenblick ein wenig unangenehm war, es handelte sich nämlich um Altertümer, von denen behauptet wurde, daß sie gefälscht seien.

Indiskrete Zeitungsschreiber, die unter dem Vorwand, die Wahrheit festzustellen und das Publikum belehren zu wollen, ja immer aller Welt Dinge zu erzählen pflegen, die in der Tat keinen etwas angehen, hatten diese Geschichte angezettelt. Sie hatte einiges Aufsehen erregt, und Herr Blaireau hatte darunter sehr gelitten. Er verfluchte die hellsehenden Augen dieser Journalisten, die sich stets in alles mischen, was sie nichts angeht, und empfand eine wahre Wut auf die Zeitungen überhaupt, sowohl auf die, die sie schreiben, als auch auf die Leser derselben.

Angeregt durch die ihn bedrohende Gefahr, hatte er eine Widerlegung der gegen ihn erhobenen Anschuldigungen veröffentlicht.

Er bewies darin:

Daß die betreffenden Altertümer wirklich echt seien.

Daß selbst, wenn sie dies nicht sein sollten – was übrigens ganz ausgeschlossen sei – sie jedenfalls in einer so vollkommenen Weise nachgemacht seien, daß niemand es besser machen könne.

Daß endlich kein Museum in der ganzen Welt echte oder nachgemachte Altertümer von dem Wert besäße, wie man solche in dem Museum von X. bewundern könne.

Herr Blaireau schloß diese Erklärung, indem er ganz beiläufig hinzufügte, daß die bestrittenen Altertümer unter Leitung und mit dem vollen Einverständnis Herrn Douxamys (des Vorgängers Herrn Blaireaus) erworben seien, daß dieser letztere besagte Stücke in dem Katalog registriert und ihnen einen passenden Ausstellungsplatz im Museum angewiesen habe. Es sei selbstredend, daß er, Herr Blaireau, sich niemals erlauben würde, an der Autorität seines so bedeutenden, ihn in jeder Beziehung weit überragenden Vorgängers zu zweifeln. Durch diese Erklärung zog Herr Blaireau seine eigene Person mit großer Geschicklichkeit aus der unliebsamen Affäre, und sie wurde allgemein höchst beifällig aufgenommen. Alle Welt war in das Museum gekommen, um die betreffenden Altertümer zu betrachten, und überall und an allen Orten wurde der feine Takt, das Kunstverständnis und Talent des Herrn Konservators Blaireau gepriesen, während gleichzeitig manche etwas hämische Bemerkung über seinen Vorgänger, den armen Herrn Douxamy fiel, der ja freilich nicht mehr da war, um sich verteidigen zu können. All dies hatte die gute Laune Herrn Blaireaus erhöht und seinem Herzen wohlgetan.

Wie ich bereits gesagt, befand der Konservator sich bei Beginn dieser Erzählung friedlich schlummernd in seinem Kabinett. Es schlug vier Uhr. Durch die weiten Säle des Museums ertönte der laut mahnende Ruf:

»Es wird geschlossen«, wodurch die Aufseher allzu eifrige Besucher zur Eile anzutreiben pflegen. Es war an einem Frühlingsnachmittag.

Herr Blaireau reckte sich, stand auf, warf einen Blick durch das Fenster und lächelte den sich entfaltenden Blattwedeln eines jungen Kastanienbaumes zu, die sich in der vom Fluß kommenden Brise hin und her wiegten. Herr Blaireau war seines Lebens noch sehr froh. Er wusch seine Hände, steckte sich eine Zigarre an und strich sorgsam die Falten seines Überziehers zurecht. Als er sich dann vom Spiegel ab und der Tür zuwandte, öffnete sich diese plötzlich ganz geräuschlos, und ein offenbar menschliches, aber höchst eigentümlich aussehendes Wesen glitt in das Zimmer.

»Nun«, sagte der Herr Konservator, der ziemlich überrascht auf die lange dürftige Gestalt blickte, die vor ihm stand. Sie war mit einem Malkittel bekleidet, der mit Farbklecksen aller Art bedeckt war, und ihr Kopf war fest von einem engen Mützchen umschlossen, das aus schmalen Streifen eines schmutzigen Stoffes hergestellt zu sein schien.

»Nun«, sagte Herr Blaireau, »wen haben wir denn hier?«

»Ich«, so sagte die Gestalt, nachdem sie die Tür hinter sich geschlossen hatte, »ich bin die thebaische Mumie aus dem großen Saal, – und – ich habe genug davon.«

»Sie haben genug davon, ja, von was denn«, frug fast unbewußt Herr Blaireau, der ganz starr vor Erstaunen war.

»Ich habe genug von allem, und ganz besonders bin ich es gründlich leid, noch länger Mumie in Ihrem schmutzigen Museum zu sein«, sagte der andere, sich in einem grünen Sessel niederlassend und sein mageres linkes Bein über das spitze rechte Knie legend. »Ich habe mehr als genug davon. Es ist die höchste Zeit, daß das aufhört.«

Es entstand eine längere Pause. Herr Blaireau, der Mann der ägyptischen Altertümer, starrte mit runden erschrockenen Augen auf diese merkwürdige Antiquität, die zu ihm gekommen war, um Streit mit ihm zu suchen, und die Seele des Konservators wurde von den verschiedensten, aber keineswegs angenehmsten Gefühlen bewegt.

»Sie ... Sie sprechen Französisch«, sagte endlich Herr Blaireau mit gepreßter Stimme.

»Das scheint wohl so, da ich Französisch zu Ihnen rede, Sie Dummkopf«, rief die Mumie in gereiztem Ton. »Übrigens, hören Sie auf, mich so albern anzugaffen, das gefällt mir durchaus nicht.«

Herr Blaireau wurde dunkelrot.

»Verzeihung«, sagte er, »es ist absichtslos geschehen. Aber nicht wahr, es ist doch auch wirklich etwas höchst Seltsames, wenn die Toten wiederkommen –«

»Oh, machen Sie keine albernen Redensarten«, sagte der andere. »Alle Welt – ausgenommen natürlich die Altertumsforscher – weiß nur zu gut, daß die meisten von uns lebendig einbalsamiert worden sind. Der amerikanische Gelehrte hat es bewiesen, und viele andere sind derselben Meinung. Wenden Sie sich mit Ihren Geistergeschichten an eine andere Adresse, so etwas ist nichts für mich. Wenn ich tot wäre, würde ich nicht hier sein, das bitte ich Sie zu glauben. Dann würde ich zu Hause bleiben.«

»Das ist – wunderbar – ist – wunderbar«, murmelte Herr Blaireau, seine Nase streichelnd. »Aber – wie machen Sie es, um gehen und sprechen zu können?«

»Ich bewege meine Füße und meine Zunge, wie alle andern Leute auch. Wollen Sie mich übrigens beleidigen, indem Sie mir solche Fragen stellen? Sie Idiot«, antwortete der Ägypter, der ernstlich gekränkt zu sein schien. »Wissen Sie, ich kann mich meiner Hände sehr gut bedienen«, und er streckte den Arm über den Tisch aus und kniff kräftig in das Ohrläppchen Herrn Blaireaus.

»Mein Herr«, rief dieser, vor Schmerz aufschreiend.

»Mein Herr?« sagte der andere ruhig.

Dann schwiegen beide.

»Also«, nahm dann die Mumie das Gespräch wieder auf, »also: ich habe zuviel von Ihnen gesehen. Ich finde Sie häßlich. Ich will von hier fortgehen. Aber, da Sie trotz Ihrer Häßlichkeit, Ihres Geizes und Ihrer Dummheit immerhin Konservator dieses Museums sind, in dem ich Mumie bin, will ich, ehe ich von hier gehe, das tun, weshalb ich zu Ihnen gekommen bin, ich will Ihnen mitteilen, daß ich mein Amt niederlege.«

»Ihr Amt niederlegen? Ihr Amt – als was?« stammelte ganz verwirrt Herr Blaireau.

»Mein Amt als Mumie natürlich. Ich habe es satt. Seit vielen Jahren schon bin ich erwacht und habe immer mutterseelenallein in meinem Kasten gelegen. Ich bin ruhig darin geblieben und habe mich aus reiner Güte anschauen lassen, denn ich bin ein Mensch, der weiß, was sich schickt. Aber ich bin, je länger es dauerte, immer mehr davon angeekelt worden. Es wird aber auch alles hier immer schlimmer. Die Diener waschen die Parkettböden wie die Schweine auf, sie putzen den Staub nicht mehr von den Vitrinen und heizen nicht einmal mehr ordentlich ein. Das Publikum fängt an, unverschämt zu werden. Ich habe ja eine ganze Reihe von Konservatoren hier walten sehen, die alle ihre Sache schlecht gemacht haben, aber einer, der so minderwertig wäre, wie Sie es sind, ist mir bisher noch nicht vorgekommen. Einer nach dem andern ist dann gestorben – wie auch Sie sterben werden –, die Toten sind durch andere ersetzt worden, aber bisher habe ich noch keinen gesehen, dessen Wertlosigkeit nur annähernd mit der Ihrigen verglichen werden könnte. Sie übertreffen sie alle! Selbst Douxamy, trotz seines Eigensinns, seiner Taubheit und Unfähigkeit, war, mit Ihnen verglichen, ein Genie. Sie gehören dem Auswurf der Menschheit an. Das ärgert mich. Dazu kommt, daß ich mich langweile, ja, ich sage Ihnen dies ganz offen, ich langweile mich. Ich will hier heraus, will mit Menschen verkehren, mich ein wenig mit dem modernen Leben bekannt machen, will mich amüsieren. Außerdem will ich Geld haben, denn ich glaube, daß sich in dieser Beziehung die Verhältnisse nicht geändert haben und genau so geblieben sind, wie in den Tagen des alten Ägyptens: zu einem genußreichen Leben in der Gesellschaft von Lebemännern und schönen Frauen muß man Geld haben. Und eure Frauen sind wirklich sehr hübsch – das kostet um so mehr. Denken Sie nur, daß 4946 Jahre darüber verflossen sind, seit ich zuletzt – – – Das halte ich nicht länger aus.«

»Aber, mein Herr«, protestierte verschämt Blaireau.

»Ach, dummes Zeug«, sagte barsch der andere. »Daß Sie nicht mehr können, ist durchaus kein Grund dafür, andern das Vergnügen verleiden zu wollen.«

»Geld«, so fuhr er dann fort, »würde ich mir zu verschaffen wissen, und zwar indem ich unter der Hand das verkaufe, was Sie Ihre Schätze nennen. Ich habe mir übrigens all diese Dinge genauer angesehen und gefunden, daß die meisten nichts wert sind.«

»Bitte«, warf der Konservator ein.

»Ja, daß die meisten nichts wert sind«, wiederholte die Mumie, »und das ekelt mich an. Dazu kommt dann jetzt noch diese Ihre Ehre angreifende Affäre wegen der gefälschten Altertümer, die alle Zeitungen veröffentlichen. Und das ist noch nichts ... Denn immerhin weiß man nichts Bestimmtes ... Aber wenn ein wirklicher Kenner sich Ihre Sammlung mal näher ansehen wollte – – – das würde das Ende sein. Und ich will das nicht miterleben. Als ich in der ersten Zeit hier war und mir Ihre sogenannten Altertümer ansah, da fühlte ich mich sehr peinlich davon berührt. Aber nach und nach habe ich mich daran gewöhnt. Allmählich bin ich dazu gekommen, sie zuzulassen, verstehen Sie wohl, ja, sie beinahe für authentische Antiquitäten zu halten. Aber nach diesem Zeitungsskandal ist das nicht mehr möglich. Alle Welt zweifelt an allem. Selbst meine Echtheit wird in Zweifel gezogen. Ja, mein Herr, es ist so, wie ich Ihnen sage.

Erst heute hörte ich, wie ein Dummkopf allen Ernstes behauptete:

›Siehst du, der Chinese da, der gehört auch zu den gefälschten Altertümern, sieh dir nur mal seinen Schädel an, der ist von bemaltem Holz gemacht.‹ Er sagte das zu einer hübschen kleinen Dame, die laut lachte. Nun, das war der Tropfen, der das Gefäß zum Überfließen gebracht hat. Ich will es nicht leiden, daß man hübsche kleine Damen zum Lachen bringt, indem man ihnen sagt, ich wäre ein Chinese aus bemaltem Holz. Ich bin ein Ägypter, mein Herr, und zwar ein sehr lebendiger Ägypter. Himmelkreuzdonnerwetter!

Aber kommen wir zum Schluß. Ich mache mich wieder frei. Ich will, um Geld zu verdienen, für die Zeitungen schreiben und alles erzählen, was ich weiß und hier erfahren habe, oh, nur die Wahrheit, das andere wird sich dann finden. Ich werde auch von Ihnen erzählen, Sie altes Rindvieh, der Sie sich geschickt das Ansehen eines Gelehrten zu geben wissen, der alles weiß, während Sie in Wirklichkeit nichts wissen.«

Die Mumie erhob sich wütend von ihrem Platz.

»Wenn er geht, bin ich verloren«, dachte Blaireau. »Lieber, lieber – Freund«, sagte er zu dem Ägypter, die Hand auf seinen Arm legend.

»Nein, Herr«, sagte der andere zurückweichend.

»Lieber Freund«, wiederholte in schmeichelndem Ton Herr Blaireau, »sollte es denn wirklich kein Mittel geben, die Sache gütlich zu arrangieren? Ereifern wir uns nicht. Lassen Sie uns wie Freunde miteinander reden. Ihre Abdankung anzunehmen, muß ich mich entschieden weigern. Ein Mensch wie Sie ist sich seinesgleichen schuldig. Ganz gewiß haben wir noch andere schöne und authentische Mumien in unserem Museum (der Ägypter lachte so höhnisch, daß kalter Schweiß über Herrn Blaireaus Rücken rieselte), ja«, wiederholte der Konservator, »wir haben schöne und authentische Mumien – aber Sie sind die bewunderungswürdigste, Sie entzücken aller Augen, mit einem Wort: Sie sind uns durchaus notwendig, wir können Sie keinesfalls entbehren.«

»Was wollen Sie damit sagen«, erwiderte der Ägypter trocken, aber doch ein wenig besänftigt.

»Was ich damit sagen will? Nun, ganz einfach, daß wir Sie behalten müssen. Beruhigen Sie sich und spielen Sie nicht wieder gleich den wilden Mann. Es wird sich schon ein Mittel finden lassen, diese Angelegenheit zu gegenseitiger Zufriedenheit zu arrangieren. Seien Sie friedlich – – Sie sehnen sich nach der Freiheit, und ich verstehe das vollkommen. Aber kommen Sie doch alle Tage von 9 bis 5 Uhr in das Museum – das ist nicht so sehr lang – während dieser Zeit müßten Sie sich dann allerdings verpflichten, in Ihrem Kasten zu bleiben und sich ansehen zu lassen. Sehen Sie, das ist nicht schwerer als in ein Büro zu gehen, und heutzutage gehen alle Menschen ins Büro, das gehört zum modernen Leben, und da Sie in der Gegenwart leben wollen, müssen Sie das mitmachen. Ohne sein Büro könnte ein moderner Mensch gar nicht existieren. Man tut dort ja eigentlich nichts – aber man muß eben dahin gehen. Das muß so sein. Das ist ebenso notwendig wie das liebe Brot. Sie müssen also tun, wie alle Welt es tut. Sie werden Ihre Bürostunden innehalten, wie jeder andere moderne Mensch – ich will damit sagen, daß Sie Ihren Kasten als Büro betrachten müssen. Es geht nicht ohne das – Sie werden stehen anstatt zu sitzen, das ist der einzige Unterschied.«

»Ja«, sagte die Mumie, immer noch ein wenig übellaunig, »aber ihr werdet alle dafür bezahlt.«

»Natürlich sollen Sie das auch werden. Sie sollen – – nun – sagen wir mal, 400 Francs im Monat haben – das ist doch ein anständiges Honorar, dazu noch 300 Francs als Wohnungsentschädigung. Um 5 Uhr sind Sie immer frei, können herausspazieren, sich amüsieren, wie Sie wollen.«

»Mich amüsieren, mich amüsieren? – Und meine Pension? Wird man mir wenigstens seinerzeit eine anständige Pension bewilligen?«

»Eine Pension, weshalb? Sie sind in fester, von keiner Seite kündbarer Stellung.«

»Nun, damit bin ich einverstanden«, sagte die Mumie, »aber da ich nun schon so viele Jahre umsonst gearbeitet habe, bitte ich Sie, mir als Entschädigung wenigstens eine kleine Summe, etwa 10 Louis auszuzahlen. Denn fast alle Ihre Angestellten haben Orden oder goldene Medaillen – es gibt ihnen das auch wirklich ein gewisses Ansehen. Wenn ich ein Mützchen mit Goldstreifen oder ein Käppi aufgehabt hätte, würde der Dummkopf, über den ich mich heute so sehr geärgert habe, es gewiß nicht gewagt haben, mich zu verspotten.«

»Sehr wahrscheinlich nicht«, gab Herr Blaireau ohne weiteres zu. »Aber ich kann Ihnen kein Mützchen mit Goldstreifen und auch kein Käppi geben, weil Ihnen das wirklich nicht zu Gesicht stehen würde. Was meinen Sie jedoch zu den akademischen Palmen? Was? Das wäre eine Idee! – Man könnte sie an Ihren Kasten anbringen.«

»Das ist ein Wort«, sagte die Mumie, die sich durch dieses letzte Versprechen sichtbar geschmeichelt fühlte. »Das wäre also abgemacht. Aber überlassen Sie mir auch jedenfalls Ihren Überzieher und den Schlüssel zu der Ausgangstür. Ich will heute abend ausgehen, und diese Bluse, die ich einem der Anstreicher weggenommen habe, ist wirklich zu schmutzig.«

»Nehmen Sie beides«, sagte Blaireau, der nur allzu glücklich war, so billigen Kaufes davon gekommen zu sein. »Vergessen Sie die vereinbarten Dienststunden nicht: von 9 bis 5 Uhr. Vor allem aber – bringen Sie kein Wort darüber in die Zeitungen.«

»Vertrauen Sie meinem Wort«, sagte der Ägypter.

Er ging.

»Vergessen Sie aber nicht«, sagte er, noch einmal den Kopf durch die Tür steckend, »daß ich richtige silberne Palmen auf meinen Kasten haben will und nicht nur ein einfaches Band.«

»Abgemacht, mein Lieber«, rief der Herr Konservator, seinen Hut aufsetzend.

»Man sieht, daß dieser der alten Zeit angehörende Mensch nicht weiß, wie allgemein verbreitet die von ihm begehrte kleine Auszeichnung ist. Na, ich danke Gott dafür«, murmelte er, als er wenige Augenblicke später die Treppe hinabstieg, »denn dadurch ist es mir gelungen, ihn billig zu engagieren. Und er ist vielleicht die einzige unserer Antiquitäten, die wirklich echt ist.«

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