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Die bürgerliche Gesellschaft

Wilhelm Heinrich von Riehl: Die bürgerliche Gesellschaft - Kapitel 1
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authorWilhelm Heinrich von Riehl
titleDie bürgerliche Gesellschaft
publisherJ. G. Cotta'scher Verlag
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Vorwort.

In dem Vorwort zur ersten Auflage dieses Buches schrieb ich vor zwei Jahren Folgendes:

»Das vorliegende Buch ist nicht in Einem Zuge geschrieben worden, sondern in sehr allmählichem Wachsthum entstanden. Der Leser wird die Mängel einer solchen Entstehungsart, vielleicht auch einige Vorzüge derselben, dem Werke vorweg auf die Stirn geschrieben finden. Aber lieber wollte ich, daß das Ganze etwas allzu wildwüchsig erscheine, als einer äußerlich systematischeren Haltung die individuelle Farbe der einzelnen Abschnitte zum Opfer bringen.«

»Ueber die Folgerungen und Beweisführungen des Verfassers wird sich das Urtheil je nach den Parteien sehr verschieden gestalten. Aber in zwei Punkten wenigstens wünscht er auch bei den principiellen Gegnern Anerkennung zu finden: in der treuen und liebevollen Hingabe, mit welcher er in die Erkenntniß des deutschen Volkslebens einzudringen gestrebt, und in der Unabhängigkeit seiner Ueberzeugung, kraft deren er das von ihm für wahr Erkannte überall offen ausgesprochen hat, obgleich er recht gut weiß, daß seine Ansichten nirgends ganz in die bestimmten Formen der herrschenden Parteigruppen passen, und daß in diesem Buche einer jeden Partei gar vieles wider den Strich gehen wird.«

Ich habe diesen Worten nur wenig hinzuzufügen. Diese zweite Auflage erscheint in vielen Partien erweitert und hoffentlich auch verbessert. Wesentliche Aenderungen sind in dem Abschnitte vom »vierten Stande« eingetreten. Durch die schärfer durchdachte Bestimmung seines Begriffes, die ich S. 343 ff. neu eingefügt habe, bin ich mehrfach gezwungen worden, auch meine daraus abgeleiteten Schlußfolgerungen umzubilden. Ich glaube, daß diese neue logischere Fassung noch mehr Widerspruch finden wird, als die frühere; ich fand aber bei reiflicher Prüfung, daß es entweder gar keinen socialen vierten Stand gibt, oder daß derselbe eben dieser Stand der gesellschaftlichen Verneinung ist, wie ich ihn hier geschildert habe. Die für den Nationalökonomen so wichtige Berufsgruppe der Lohnarbeiter, der »eigentlichen Arbeiter,« die man wohl auch den vierten Stand nennt, ragt nur mit einzelnen Theilen in den hier gezeichneten socialen vierten Stand herein; einen nothwendigen Bestandtheil bildet sie nicht; am allerwenigsten aber ist sie ein und dasselbe mit diesem vierten Stand.

Den Schlüssel zum Verständniß dessen, was ich sociale Politik nenne, glaube ich in dem einleitenden Bande von »Land und Leuten« niedergelegt zu haben. Einer weiteren Vorrede bin ich dadurch überhoben. Weitere Ausführungen nach einer anderen Seite hin habe ich in den beiden größeren »social-politischen Studien« gegeben, die in der »Deutschen Vierteljahrsschrift« von 1852 und 1853 unter dem Titel: »die Frauen« und »die Sitte des Hauses« erschienen sind. So Gott will, soll aus diesen Aufsätzen später einmal ein Buch über » die Familie« werden als Gegenstück zu den vorliegenden naturgeschichtlichen Untersuchungen über die bürgerliche Gesellschaft.

Obgleich die erste Auflage der bürgerlichen Gesellschaft an concreten Einzelausführungen bereits keinen Mangel litt, so habe ich doch auch in diesem Stücke in der zweites Auflage noch manches hinzu gethan. Wenn ich dabei überhaupt den erlebten Beispielen aus unmittelbarer Nähe den Vorzug vor erlesenen gab, so glaube ich doch, daß das hierdurch entstehende örtliche Kolorit den allgemeinen Folgerungen keinen Eintrag thut. Es galt mir vor allen Dingen um eine frische Anschaulichkeit und hierbei ergeht es mir allezeit wie jenem Maler auf dem Hogarth'schen Kupferstich, der keine Bierflasche für ein Wirthshausschild malen mochte, außer man stellte ihm eine wirkliche Flasche Bier neben seine Staffelei.

Augsburg, am 31. October 1853.

W. H. R.

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