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Die Bräutigame der Babette Bomberling

Alice Berend: Die Bräutigame der Babette Bomberling - Kapitel 24
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Bräutigame der Babette Bomberling
authorAlice Berend
year1915
firstpub1915
publisherS. Fischer
addressBerlin
titleDie Bräutigame der Babette Bomberling
pages155
created20090728
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Paul hatte sich gerade wieder einmal davon überzeugt, daß an Tauwetter noch nicht zu denken war.

Da stand Babette vor ihm.

Bomberling, der hinter ihr kam, sagte, während er eilig den Pelz ablegte:

»Sie will Schreibmaschine lernen. Nimm du dich ihrer an. Ich habe zu tun.«

Eine Massenbestellung war da. Ein Grubenunglück. Man war über den Preis noch nicht einig.

Bomberling saß schon vor dem Telephon.

»Wer einmal unser Kunde war, bleibt es für alle Zeit,« rief er durch das Schallrohr.

Babette zog Paul in das zweite Zimmer, wo die Schreibmaschine stand.

Paul hatte die Hand am Hals.

»Du mußt verzeihen – Babette – meine Krawatte hat – morgen wollte ich sie kassieren.«

Babette lachte.

»Wer achtet denn hier auf so etwas?« tröstete sie ihn.

Und dann sagte sie, daß sie seinetwegen gekommen sei. Mit einer großen, ernsten Bitte. Er sollte mit Papa und Mama sprechen. Ihr fehle der Mut dazu.

»Babette,« rief Paul. Es sah aus, wie wenn er nach ihr greifen wollte, aber er packte nur die nächste Stuhllehne.

»Ja,« sagte Babette. »Ich kann es zu Haus nicht mehr aushalten. Frühstück, Mittag, Abendbrot. Das ist die Abwechslung. Dienstag Fisch, Mittwoch Rostbeaf und Sonntags eine Gans. Auf Jahre hinaus weiß man's im voraus. Ich ersticke daran.«

92 »Und mich – wirklich mich,« sagte Paul.

»Ja, du mußt es ihnen sagen. Denn heiraten werde ich niemals. Das weiß ich nun.«

»Ach so,« sagte Paul. Er gab die Stuhllehne frei – »aber was willst du denn?«

»Arbeiten. Da es Hermann nicht tut, will ich einmal Papas Fabrik übernehmen.«

Paul lächelte. Wie sie da vor ihm stand, schlank, blond und liebreizend, sie, der weibliche Chef einer Sargfabrik, er mußte lachen.

Babette wurde dunkelrot.

Sie sagte, daß es hier nichts zu lachen gäbe.

Seit Jahrhunderten sei sie unterdrückt worden. Das sei nun vorbei.

Paul sagte, daß man ihr die Jahrhunderte nicht ansähe.

»Hat man die Frau unterdrückt,« verbesserte sich Babette, »aber das sei jetzt zu Ende.«

Und nun bekam Paul viele der Gedanken und Empfindungen des geprügelten Ökonomen zu hören.

»Ich werde einmal das Ganze hier vergrößern und verbessern. Und mein Vermögen werde ich für die Gründung eines Waisenhauses stiften.«

Kleine Kinder hatte Babette nämlich unendlich gern.

Paul lächelte weiter und sagte, daß sie ganz gewaltig vorgehe. Eins, zwei, drei, springe sie übers ganze Leben.

Babette sagte, wenn er sie heute verspotte, werde sie ihn entlassen, sobald sie ein Wort mitzureden habe. Aber wenn er ihr beistände, wollte sie ihn fürs ganze Leben engagieren.

Paul sagte, daß dies Bestechung sei. Aber er sei nur ein Mensch. Er wolle ihr helfen.

93 Er fragte, was sie zuerst lernen wolle.

»Alles,« sagte Babette kurz.

Paul schlug vor, mit der Buchführung und der Maschinenschrift zu beginnen.

Babette nahm das Pelzhütchen ab, strich sich eine blonde Locke aus der Stirn, die das heftige Gespräch dort hinausgetrieben hatte, und setzte sich.

Paul holte ein großes neues Kontobuch und nahm neben ihr Platz. Er begann zu erklären, daß die doppelte, italienisch genannte Buchführung die übliche sei. Debet und Kredit.

Eifrig rückte Babette an Paul heran.

Je weiter die Frauen von den Männern fortstreben, je näher kommen sie ihnen.

 

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