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Die Bräutigame der Babette Bomberling

Alice Berend: Die Bräutigame der Babette Bomberling - Kapitel 11
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Bräutigame der Babette Bomberling
authorAlice Berend
year1915
firstpub1915
publisherS. Fischer
addressBerlin
titleDie Bräutigame der Babette Bomberling
pages155
created20090728
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Aus Frühstück, Mittag und Abendbrot formten sich weiter die Tage, die auf Babettes Geburtstag zuschritten.

Aber Babette war wieder heiterer geworden. Die Zwiebeln des Romeo waren ein wenig vergessen. Denn Hildes Bruder, der Leutnant, war zu Besuch gekommen und holte die beiden Freundinnen jeden Mittag aus dem Unterricht ab.

34 Babette fand, daß eine Uniform das Straßenbild wohltuend belebte . . .

Frau Bomberling steckte in diesen Tagen über und über in Arbeit.

Von früh bis abend machte sie Einkäufe und Bestellungen. Sie scheute keine Mühe. Das Essen sollte gut und reichlich werden. Bomberlings Gäste sollten sich satt essen können.

Eines Mittags fand man beim Nachhausekommen auch eine Karte vor: Gustav Koberstein, Geheimer Regierungsrat.

Erfolg spornt an. Frau Anna schlief mit dem Kochbuch auf dem Nachttisch . . .

Und endlich war der Abend da.

Das ganze Kulturgebiet war hell erleuchtet. Von den Decken, aus den Wänden, auf den Tischen glühten die elektrischen Lampen. Der Kupferstich mit dem lächelnd verliebten Paar glich einem Spiegel, glitzernd warf er die vielen Lichter zurück. Die Zaren und Großfürsten im Tassenschrank glänzten in vollem Ordensschmuck.

Im Eßzimmer stand die gedeckte Tafel.

Babette hatte sie geschickt mit duftenden Veilchen bestreut. Seit heute morgen war diese kleine Blume ihr Liebling. Auch am Gürtel ihres weißen Kleides trug sie einen Strauß davon. Frau Bomberling fragte, von wem sie die vielen Veilchen eigentlich hätte. Babette konnte sich nicht recht entsinnen. Möglich, daß sie von Hildes Bruder, dem Leutnant, wären, antwortete sie.

Um den Hals trug Babette die haarfeine Goldkette, die ihr der Vater heute geschenkt.

35 Bomberling hatte sie selbst gekauft.

Er hatte das Auto vor einem eleganten Juwelierladen halten lassen und von dem vornehmen Herrn, der im Gesellschaftsanzug hinter dem Ladentisch stand, einen Schmuck für den sehr hübschen Hals einer jungen Dame verlangt. Man hatte ihm höflich zu dieser sehr feinen Goldschnur geraten, an der eine einzelne Perle wie ein aufgefangener Tautropfen hing. –

In seinem Büro hatte Bomberling sie noch einmal ausgepackt. An seinem Schreibtisch, wo sich schwarze und braune Holzleisten türmten und Zeichnungen von Särgen und Grabstätten wenig Raum ließen, saß er und ließ die feine Kette durch seine runden Finger gleiten. Als er sie sorgsam zurückgebettet hatte in das feine Lederkästchen, lag ein Lächeln, nachdenklich und zufrieden, auf seinem Gesicht.

Wo gehobelt wird, fallen Späne ab.

Babette war froh mit der Perle.

Als der Vater nach Haus kam, umarmte sie ihn und sagte:

»Ich muß immer daran denken, daß sie tief unten im Meer, verborgen in einer Muschel, lag.«

Und dann lief sie an den Flügel und spielte einen wilden Tanz.

Bomberling stand mit Staunen und Stolz vor der blitzenden Tafel. Er bewunderte Anna. Woher nur verstand sie das alles?

Er wußte nicht, daß in jeder Frau ein Stück Prinzessin steckt. Diese Tafel hatte Anna schon mit sechzehn Jahren gesehen. Als die Funken aus den Hufeisen stoben.

36 Aber wo war Anna? Bomberling hatte sie im ganzen Kulturgebiet vergeblich gesucht. Endlich fand er sie in der Plättstube, wo die Kreidezeichnungen beider Elternpaare auf Reihen von Weinflaschen und garnierten Schüsseln niederstarrten.

Hier stand Frau Bomberling mit Herrn Schütte. Herr Schütte war der Lohndiener. Frau Rätin hatte ihn ihrer Freundin empfohlen. Er war ein Diamant. Wo er half, blieb nichts zu wünschen übrig. Er tat restlos seine Pflicht.

Eben war er gekommen. Er bat nun um die speziellen Wünsche der Gnädigen. Frau Anna sprach erregt in sein Gesicht, das glatt und unbeweglich wie eine Wachsmaske blieb und nur schmerzlich zusammenzuckte, wenn die gnädige Frau den französischen Namen eines Gerichts aussprach.

Frau Anna war recht erleichtert, als Herr Schütte sie bald unterbrach und ihr mit einer dankbar ablehnenden Handbewegung zu verstehen gab, daß er schon genügend orientiert sei.

Er verbeugte sich und ging, um seine weißen Handschuhe zu holen, zu seinem Überzieher, den er bescheiden hier an der Vorratskammer an einen Nagel gehangen hatte. Er mußte eine Weile suchen und sah sich nervös nach Frau Anna um, die immer noch, ganz ohne Grund, hier anwesend war. Denn die Taschen dieses Mantels waren tief. Nicht jeder ist seines Namens wert. Das Futter dieses Rockes verdiente seinen Namen in des Wortes weitester Bedeutung. Nur an der Peripherie des Mantels angenäht, hatte es manches Rebhuhn, manche Pastete und manche Flasche Wein umschlossen, ganz abgesehen von dem 37 Überfluß an Obst, Zigarren und Konfekt, an den es beständig gewohnt war. Denn Herr Schütte hatte eine Familie zu Haus. Jeder Mann muß für die Seinen sorgen.

Als Frau Anna ihren Gatten in der Tür erblickte, erschrak sie. Sie hatte ihm noch am Nachmittag telephonieren wollen, daß der Herr Regierungsrat vielleicht 48 Jahr sei. Entfernung mildert. August dies einfach ins Gesicht zu sagen, hatte sie von Tag zu Tag verschoben.

Aber jetzt war keine Zeit mehr zu Privatunterhaltungen. Es konnte jeden Augenblick klingeln. Bomberling mußte sich rasch einen schwarzen Anzug anziehen. Frau Anna war schon lange stattlich und pompös.

Herr Schütte, der jetzt die Handschuhe angezogen hatte, sagte mit dem vornehmen Flüsterton, der ihm eigen war:

»Verzeihung, gnädige Frau, man läßt es nicht zum Klingeln kommen. Ich begebe mich jetzt auf die Diele. Höre ich Schritte auf der Treppe, öffne ich. Ich muß die Herrschaften bitten, sich in den Salon zu begeben.«

Frau Anna bat höflich, ob sie noch einen raschen Blick in die Küche werfen dürfe. Herr Schütte erlaubte es mit einem bedauernden Achselzucken.

Als Frau Anna den Korridor zurückgeeilt kam, sagte Herr Schütte, ob die gnädige Frau nichts dagegen habe, wenn er beim Einschenken die Marke der Weine in die Ohren der Gäste flüstre. Er sei das so gewohnt.

»Muß das sein?« fragte Frau Anna und starrte erschreckt in die rasierte Unbeweglichkeit vor ihr.

Herr Schütte nickte wortlos.

Frau Anna schwieg einen Augenblick. Dann sagte sie unsicher, sie glaube, nur der Sekt habe einen festen Namen.

38 Herr Schütte beruhigte sie. Das schadete gar nichts. Er murmele überhaupt nur ganz erstklassige Marken.

Damit verbeugte er sich und öffnete die Tür des Salons.

Ein tüchtiger Diener erspart manches.

Beruhigt rauschte Frau Anna hinein.

 

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