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Gutenberg > Theodor Körner >

Die Braut

Theodor Körner: Die Braut - Kapitel 5
Quellenangabe
typecomedy
booktitleKörners Werke
authorTheodor Körner
year1903
publisherMax Hesses Verlag
addressLeipzig
titleDie Braut
pages415-416
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1811
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Fünfter Auftritt.

Der Vater (durch die Türe rechts).

Vater (allein). Das Feld ist leer; der Feind hat sich zurückgezogen.
Vorüber ist die Furcht; ich atme wieder frei.
Der Augenblick ist da, die Stunde mir gewogen.
Wer weiß, bleibt mir das Glück noch lange so getreu?
Der unverschämte Mensch mit Fabel und Moral
Stand unbeweglich da zu meiner größten Qual.
Mit einem alten Spatz mich höhnisch zu vergleichen!
Wie brachte mich das auf! Und dennoch mußt' ich schweigen;
Denn hätt' er meinem Ton den Ärger angemerkt,
Der freche Übermut wär' nur dadurch gestärkt.
Ja, unsre jungen Herrn! Man muß die Achsel zucken;
Sie haben nichts zu tun als andern abzugucken,
Wo ihre Perle liegt. Solch windiger Patron
Träumt sich, wenn er nur kommt und sieht, da siegt er schon.
Er prahlt mit Gunst und Glück, das er doch nie genossen,
Schimpft Treue, Redlichkeit und Tugend Kinderpossen.
Denn keine Tugend gibt's, so räsonniert der Held,
Die, wenn der Rechte kommt, nicht wie die andern fällt,
Und keine Treue gibt's für engverschlungne Hände,
Die ihren Preis nicht hat, um den sie brechen könnte.
Vortreffliches System! War's doch zu meiner Zeit
Mit der Philosophie noch lange nicht so weit.
Begreifen sie es denn, wie ein gesetzter Mann
Für junge Mädchen noch Intresse haben kann?
Soll nur ein Milchbart sich mit Siegeszeichen schmücken?
Liegt etwas Tiefres nicht in ernster Männer Blicken?
Wohl zum Verlieben ist ein solcher Fant genug;
Doch Ehestand will Ernst: das ist ein alter Spruch.
Mein Sohn ist sicherlich nicht frei von dummen Streichen;
Doch solchen Gecken wird er ganz gewiß nicht gleichen;
Das liegt in seinem Blut. Wenn auch der Apfel bricht
Und weit vom Stamme fällt, vom Stammbaum fällt er nicht.
Er könnte, würd' er sich an alles auch gewöhnen,
Doch keinen Mann wie ich mit Sperlingstiteln höhnen.
Er und der Fabelmann! Wie das mein Herz erfreut!
Der Unterschied ist groß! Nur groß? nein, himmelweit!
Da komm' ich willenlos schon wieder in das Schwatzen;
Am Ende glaub' ich selbst die Fabel von dem Spatzen.
Der schöne Augenblick ist mir vielleicht entflohn;
Ich soll zu meiner Braut – und denk' an meinen Sohn!
Ich kann recht albern sein! Wenn es das Fräulein wüßte,
Ich frage, ob ich nicht vor ihr erröten müßte.
Ein schöner Bräutigam! Drum jetzt nur schnell hinein!
Man spricht im Kabinett. Sie ist nicht ganz allein.
Fataler Streich! Doch still! ich höre heftig sprechen.
Sie scheint mir sehr erzürnt. Wer mag sich doch erfrechen –?

(Er sieht durch das Schlüsselloch.)

Wie? was? der Fabelmann? – O, treuvergessne Braut!
Ich alter Praktikus hab' einem Weib getraut!
Er ist ganz außer sich; er sinkt zu ihren Füßen.
Zwar, seh' ich recht, darf ich nach ihren Mienen schließen,
So teilt sie keine Schuld. Sie wendet stolz sich weg,
Und ihre Blicke sind so streng wie seine frech.
Beleidigt springt er auf. Sie aber bleibt gelassen.
O, unvergleichlich Weib, in Gold soll man dich fassen!
Er rast – sie lacht; – er droht – still weist sie nach der Tür.
Der Fabelmann zieht ab! – und ich, ich triumphier'!

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