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Gutenberg > Theodor Körner >

Die Braut

Theodor Körner: Die Braut - Kapitel 4
Quellenangabe
typecomedy
booktitleKörners Werke
authorTheodor Körner
year1903
publisherMax Hesses Verlag
addressLeipzig
titleDie Braut
pages415-416
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1811
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Vierter Auftritt.

Der Sohn (allein).

Des alten Sperlings Braut? – Der Spaß wär' ohnegleichen!
Er denkt in seinem Sinn, ich soll die Segel streichen?
Doch prosit, bester Herr! das taugt in meinen Plan!
Erwünschtes Ungefähr! vortrefflicher Roman!
Drum war er so erzürnt auf meine schöne Fabel.
O, wunderbares Glück! der Streich ist admirabel.
Und käm' ein ganzes Heer von Sperlingen dazwischen,
Jetzt hab' ich erst recht Lust, die Schöne wegzufischen.
Doch bin ich nicht ein Tor? Ich schlage mich herum
Und weiß am Ende ja nicht eigentlich, warum.
Vorher muß ich sie sehn; das wird man billig finden;
Und ist sie schön, so kann ein Blick mein Herz entzünden.
Wie aber muß sie sein, wenn sie mich fesseln soll?
Ich will kein Ideal; der Wunsch wär' gar zu toll.
Doch soll ein Mädchen mich mit Liebesglut entzücken,
Drei Dinge müssen sich vereinen, sie zu schmücken.
Zuerst ein kleiner Fuß. Seh' ich ein Mädchen gehn,
So wird vor allem nur auf ihren Fuß gesehn,
Und ist der nett und klein und zierlich ausgeschmückt,
So folg' ich ihr gewiß und bin schon halb entzückt.
Sodann ein schöner Arm. Er darf durchaus nicht fehlen,
Soll ich das Mädchen mir zu meiner Gattin wählen;
Denn wen ein solcher Arm, wenn er Guitarre spielt,
Nicht schnell begeistern kann, der hat noch nie gefühlt.
Das dritte, was ich will, ist's Wichtigste von allen;
Denn ohne dies kann mir nicht Fuß, nicht Arm gefallen;
Ein schönes Auge bleibt der Reize höchstes Glück,
Und Venus ist nicht schön mit einem matten Blick.
Also ein kleiner Fuß, ein seelenvolles Auge,
Ein schön geformter Arm ist alles, was ich brauche,
Und wenn dies Kleeblatt sich in Philomelen eint,
So setz' ich alles dran, bis mir das Glück erscheint.
Jetzt kann ich ungestört das Feld rekognoszieren;
Den Posten nehm' ich ein, will keine Zeit verlieren.

(Er sieht durchs Schlüsselloch.)

Sie ist allein und schreibt, den Rücken zugewandt.
Wie ist's mit Numro eins? Der Fuß ist ganz scharmant,
Und jeder Tadel schweigt. Er ist so zierlich klein;
Bei Amors ganzer Macht, er kann nicht schöner sein!
Und Numro zwei? der Arm? Er scheint so voll geründet,
Er hebt sich graziös, wie man nur wen'ge findet.
Nun fehlt noch Numro drei; das andre wär' geprüft;
Doch sieht sie sich nicht um und scheint mir sehr vertieft.
Wie wär's? Ich poche an; sie wird das Köpfchen drehen;
Dann kann ich ihr ja leicht ins liebe Antlitz sehen;
Und ist das Auge schön – und könnt' es anders sein? –
So setz' ich alles dran. – Ich poche. (Er tut es.)

Eine weibliche Stimme (im Kabinett).                 Nur herein!

Sohn. Welch wunderschöner Blick! Ein ganzer Himmel tagt
In diesem Augenglanz. Nun sei der Sturm gewagt!

(Er eilt in das Kabinett links ab.)

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