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Gutenberg > Theodor Körner >

Die Braut

Theodor Körner: Die Braut - Kapitel 1
Quellenangabe
typecomedy
booktitleKörners Werke
authorTheodor Körner
year1903
publisherMax Hesses Verlag
addressLeipzig
titleDie Braut
pages415-416
sendergerd.bouillon@t-online.de
firstpub1811
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Theodor Körner

Die Braut

Ein Lustspiel in Alexandrinern, in einem Aufzuge


Personen.

Graf Holm, der Vater.
Graf Holm, der Sohn.

(Ein Zimmer in einem Gasthause. Rechts zwei und links eine Tür.
Im Hintergrunde der Haupteingang.)


Erster Auftritt.

Der Vater (kommt aus der Türe links).

Vater. Triumph! sie willigt ein, will Herz und Hand mir schenken,
Will meine Gattin sein. Ach, wie mich das entzückt!
Doch warum wundr' ich mich? Wer kann ihr das verdenken?
Wenn sie mich glücklich macht, ist sie nicht auch beglückt?
Ich bin ein reicher Mann – jetzt eine seltne Ware! –
Erst fünfzig, und das sind der Männer beste Jahre.
Mich schätzt und liebt der Fürst; bei Hofe gelt' ich viel.
Ich frage: spielt sie wohl mit mir gewagtes Spiel?
Ja, wollte sie auch jetzt mit ihrem Jawort kargen,
Ganz unbegreiflich wär's! Mir könnte man's verargen.
An Stand und Reichtum ist sie mir durchaus nicht gleich.
Doch ist sie denn nicht schön? Ist das nicht mehr als reich?
Und gilt denn vornehm sein so viel als Reiz der Jugend,
So viel als gutes Herz? – Ja, apropos, die Tugend?
Daran denk' ich zuletzt. O, du verdorbne Welt!
Ich will ja eine Frau, ich suche ja kein Geld;
Mit einem Stammbaum kann ich mich doch nicht vermählen,
Und ist ein Weiberkuß nicht mehr als Taler zählen?
Ich geb' ihr Geld und Stand, sie gibt mir ihre Liebe.
Die Frage wär' nicht leicht, bei wem das Wagstück bliebe.
Die Sache ging so schnell; man wird bei Hofe staunen;
Da heißt's gewiß: »Das ist so eine seiner Launen.
Er bleibt ein Sonderling.« Ja, staunt und wundert euch!
Ich werde glücklich sein; das andre gilt mir gleich.
Was Fritz wohl sagen wird? Ei, eben denk' ich dran:
Mein Sohn, der Fritz, ja, ja, der kommt schon morgen an.
Nun, ich bin recht gespannt. Ich ließ im zweiten Jahre
Ihn auf dem Schloß zurück. Mein Weib lag auf der Bahre;
Verzweifelnd wollt' ich mich in Einsamkeit begraben;
Zum Glück erbarmte sich die Schwägerin des Knaben
Und zog ihn liebreich auf. Ihr Mann war Offizier;
Sie ging nach Preußen nach; das Kind ließ nicht von ihr.
Mir war das herzlich lieb; denn alles Kindersorgen
Ist mir im Tod fatal. Da wußt' ich ihn geborgen,
Ließ ihn mit Freuden da. Er hat drei Jahr studiert;
Doch schreibt man eben nicht, ob er viel profitiert.
Von losen Streichen mag er wohl das meiste wissen;
Denn Schulden hab' ich doch genug bezahlen müssen.
Zwar, ist er auch nicht ganz, wie ich ihn mir gedacht,
Wenn er nur übrigens dem Vater Ehre macht!
Wie er wohl aussehn mag? Ei nun, das wird sich zeigen.
Er kann nicht häßlich sein; er soll dem Vater gleichen.
Doch hab' ich jetzt die Zeit, so mit mir selbst zu plaudern?
Freund, mit dem Eh'kontrakt ist's nicht galant zu zaudern.
Die erste Liebe traut der Schwüre leichtem Eis;
Doch bei dem zweiten Mal will man's gleich schwarz auf weiß,
Ein schriftlich Instrument! Man kann's ja nicht verdenken.
Warum nicht Sicherheit, will man ein Herz verschenken,
Wenn man's beim Geld verlangt? Ach du gerechter Gott!
Die Herzen machen ja noch oft genug bankrott.
Drum will ein weiser Mann unangefochten bleiben,
Er läßt die Zärtlichkeit sich im Kontrakt verschreiben.
In andre Forderung will ich mich nicht verwickeln;
Doch Zärtlichkeit gehört zu meinen Hauptartikeln.

(Er geht in die Tür rechts ab.)

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