Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Startseite    Genres    Neue Texte    Alle Autoren    Alle Werke    Lesetips    Shop    Information    Impressum
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Charles Baudelaire >

Die Blumen des Bösen

Charles Baudelaire: Die Blumen des Bösen - Kapitel 26
Quellenangabe
typepoem
titleDie Blumen des Bösen
authorCharles Baudelaire
translatorTherese Robinson
publisherGeorg Müller Verlag
addressMünchen
year1925
senderreuters@abc.de
created20040730
pfad/baudelai/blumen/book.xml
Schließen

Navigation:

Das Haar

O Vlies des Wellen auf die Schultern fluten!
O Locken, schwer von müdem Wohlgeruch,
Erinnerungen, die da träumend ruhten,
Verzückung fühl' ich durch den Abend gluten,
Breit' ich die Locken wie ein wehend Tuch.

Asiens Schmachten, Afrikas Erglühen,
Die Ferne fühl' ich, längst verwehte Luft,
Duftenden Wald aus deinen Tiefen sprühen.
Mag Andrer Geist auf Tönen schwellend blühen,
Der meine, Liebe, schwimmt auf deinem Duft.

Dorthin, wo Baum und Mensch voll Saft und Leben
In Sonnenglut sich dehnt zu langer Rast,
Seid Flechten, Wellen mir und lasst mich schweben,
Meer, schwarz wie Ebenholz, du sollst mir weben
Den Traum von Segel, Flamme, Ruder, Mast.

Träumend will ich des Hafens Lärm durchschreiten,
Tief atmen will ich Duft und Ton und Licht,
Wo Wellen schwer wie Gold und Atlas gleiten,
Die mächtigen Schiffe ihre Arme breiten
Zur ewigen Glut, die brausend niederbricht.

Tief tauche ich mein Haupt von Liebe trunken,
Ins dunkle Meer, drin jenes andre ruht,
Mein Sinn, umschmeichelt und ins Spiel versunken,
Erkennt dich wieder, Trägheit, Lebensfunken,
Ewiges Wiegen lässig müder Flut.

Du bläulich Haar, Tempel voll Finsternissen,
Um mich gebreitet webst azurnen Raum,
Ich trink' auf weicher Locken flaumgem Kissen
Berauscht den Duft den süssen, Ungewissen
Von Bisam, Teer und Öl vom Kokosbaum.

Lang, immer werd' ich auf die schweren Strähnen
Rubinen streuen, Perlen, Saphirstein,
Dass nie du taub wirst meinem Wunsch und Sehnen,
Oase meiner Träume, meiner Tränen
Kelch, draus ich schlürfe der Erinnrung Wein.

 << Kapitel 25  Kapitel 27 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.