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Die Beweinte von Wish-Ton-Wish

James Fenimore Cooper: Die Beweinte von Wish-Ton-Wish - Kapitel 2
Quellenangabe
typefiction
booktitleDie Beweinte von Wish-Ton-Wish
authorVon J. F. Cooper
publisherRob. Henrich's Verlagshandlung
addressBerlin
titleDie Beweinte von Wish-Ton-Wish
pages660
created20110829
modified20140825
sendergerd.bouillon@t-online.de
secondcorrectorHerbert Niephaus
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Erster Theil.

 

Vorrede.

Nach Verlauf einer so langen Zeit, wo wir die Ueberlieferungen über die Indianer nur mit dem Antheil anhören, den wir Begebenheiten einer dunkeln Periode zollen, ist es keine leichte Aufgabe, ein lebendiges Bild von den Gefahren und Entbehrungen zu entwerfen, denen unsere Vorfahren sich unterzogen, als sie das Land, dessen wir uns jetzt erfreuen, in den Stand setzten, seine gegenwärtige Stufe von Sicherheit und Fülle zu erreichen. Es ist der bescheidene Zweck der Erzählung, die man auf den folgenden Blättern finden wird, die Erinnerung an einige der früheren Tagen unserer Geschichte eigenthümliche Sitten und Thatsachen der Nachwelt mitzutheilen.

Der allgemeine Charakter der von den Eingebornen befolgten Kriegsweise ist zu bekannt, um vorgängiger Bemerkungen zu bedürfen; aber um so rathsamer dürfte es sein, die Aufmerksamkeit des Lesers für einige Augenblicke auf die Hauptumstände in der Geschichte jener Zeiten hinzulenken, die im engeren oder weiteren Zusammenhange mit dem Inhalte unserer Erzählung stehen.

Das Gebiet, welches heutigen Tages die drei Staaten der Union, Massachusetts, Connecticut und Rhode-Island begreift, ward wie uns unsere am besten unterrichteten Annalisten versichern, früher von vier großen Indianervölkern eingenommen, welche, wie gewöhnlich, wieder in zahllose unabhängige Stämme zerfielen. Von diesen II Völkern besaßen die Massachusetts einen großen Theil des Landes, welches gegenwärtig den Staat dieses Namens bildet; die Wampanoags bewohnten einst die sogenannte Colonie von Plymouth, und die nördlichen Gegenden in Providence, die Narragansetts nahmen die südlicheren Bezirke der Plantagen und die wohlbekannten Inseln der schönen Bai ein, deren Name von dieser Völkerschaft entlehnt ist; die Pequots endlich, oder wie es gewöhnlich geschrieben und ausgesprochen wird, die Pequods, waren Herren eines breiten Landstriches längs der westlichen Grenzen der drei andern Bezirke. Großes Dunkel liegt über dem Zustand von Cultur, in welchem sich die Indianer befanden, die ursprünglich das dem Meere nahe gelegene Land bewohnten. Die Europäer, an despotische Regierungen gewöhnt, setzten ganz natürlich voraus, die Häuptlinge, die sie im Besitze der Gewalt fanden, seien Monarchen, denen ihr Ansehen kraft ihres Geburtsrechts überliefert worden; sie gaben ihnen demgemäß den Namen Könige. In wie weit diese Ansicht von der Regierung der Urbewohner die richtige sei, muß freilich dahingestellt bleiben, obgleich gewiß Grund da ist, sie für weniger irrig in Betreff der Stämme am atlantischen Meere, als in Hinsicht derer zu halten, welche seitdem weiter westlich aufgefunden worden sind, wo, wie hinlänglich bekannt ist, Institutionen bestanden, welche Republiken weit näher als Monarchien kamen. Die Benennung Unkas ward, wie die Benennung Cäsaren und Pharaonen nach und nach eine Art von gleichbedeutendem Wort mit Häuptling unter den Mohegans, einem Stamme der Pequods, bei welchem mehrere Krieger dieses Namens bekannt wurden, die nach einander in gehöriger Reihenfolge regierten. Der berühmte Metacom, oder unter welchem Namen er den Weißen besser bekannt ist, König Philipp, war ohne III Zweifel der Sohn Massassoit's, des Sachem's der Wampanoags, welchen die Auswanderer im Besitz der höchsten Gewalt fanden, als sie auf dem Felsen von Plymouth landeten. Miantonimoh, der kühne aber unglückliche Nebenbuhler jenes Unkas, welcher die ganze Pequod-Nation beherrschte, hatte unter den Narragansetts seinen nicht weniger heldenmüthigen und unternehmenden Sohn, Conanchet, zum Nachfolger in seiner Würde, und selbst noch in weit späterer Zeit finden wir Beispiele dieser Vererbung von Macht, welche strenge Beweise für die Ansicht abgeben, daß die Ordnung der Nachfolge in gerader Linie der Blutsverwandtschaft fortging.

Der erste ernsthafte Krieg, dem die Ansiedler von New-England ausgesetzt waren, war der mit den Pequods. Dieses Volk ward nach heißen Kämpfen unterworfen, und aus Feinden wurden alle, die nicht entweder erschlagen oder in ferne Sklaverei gesandt worden, gerne Verbündete der Sieger. Dieser Kampf fiel vor nicht ganz zwanzig Jahre, nachdem die Puritaner eine Zuflucht in Amerika gesucht.

Der Narragansetts wird oft in diesen Blättern erwähnt. Wenige Jahre vor der Zeit, wo die Erzählung beginnt, hatte Miantonimoh einen schonungslosen Krieg gegen Unkas, den Pequod oder Mohegan-Häuptling unternommen. Das Glück begünstigte diesen; er, wahrscheinlich von seinen civilisirten Verbündeten unterstützt, warf nicht nur die Horden des andern zu Boden, sondern sah auch seinen Feind gefangen in seiner Hand. Der Häuptling der Narragansetts verlor auf Anstiften der Weißen an der Stelle, die jetzt als die Sachemsebene bekannt ist, das Leben. Es bleibt jetzt nur noch übrig, ein wenig Licht auf die Hauptvorfälle im Krieg mit König Philipp zu werfen. Der erste Ausbruch fand IV im Juni 1675 statt, also etwas mehr als ein halbes Jahrhundert, nachdem die Engländer zuerst in New-England gelandet waren, und gerade ein Jahrhundert früher, Blut in jenem wichtigen Kampfe floß, welcher die Colonien von dem Mutterland trennte. Der Kampfplatz war eine Niederlassung nahe dem gepriesenen Mount Hope in Rhode-Island, wo Metacom und sein Vater lange ihre Rathsversammlungen gehalten hatten. Vom diesem Punkte aus verbreitete sich Mord und Blutvergießen längs der ganzen Grenze von New-England hin. Reiter und Fußvolk wurden angeworben, dem Feind zu begegnen, und Städte wurden niedergebrannt, und Leben ward genommen von beiden Seiten, mit wenig oft ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht. In keinem Streit mit den eingebornen Besitzern des Landes kam die wachsende Macht der Weißen in größeres Gedräng als in diesem berühmten Streit mit König Philipp. Man schätzt den Verlust der Weißen fast auf den zehnten Theil der Ansiedler.

Die Indianer entgingen jedoch der Wiedervergeltung nicht. Die schon genannten Hauptvölkerschaften wurden so sehr geschwächt, daß sie später nie mehr ernsten Widerstand den Weißen leisteten, die von nun an das Ganze ihres alten Jagdgrundes in Wohnungen gesitteter Menschen umwandelten. Metacom, Miantonimoh und Conanchet nebst ihren Kriegern leben noch als Helden in Gesängen und Volkssagen, während die Abkömmlinge derer welche ihre Herrschaft vernichteten und ihr Geschlecht ausrotteten, ihrer hochherzigen Kühnheit und der wilden Größe ihrer Charaktere ein spätes, aber wohlverdientes Lob zollen.

 


 

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