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Die Bekenntnisse des heiligen Augustinus

Aurelius Augustinus: Die Bekenntnisse des heiligen Augustinus - Kapitel 8
Quellenangabe
typeessay
authorAurelius Augustinus
titleDie Bekenntnisse des heiligen Augustinus
translatorOtto F. Lachmann
publisherReclam
year1888
seriesReclams Universal-Bibliothek
volume2791/94a
created20010524
senderhille@abc.de
correctorreuters@abc.de
corrected20120905
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Siebentes Buch

 

Erstes Kapitel

Dahingegangen war die Zeit meiner verwerflichen Jugend und ich trat in das Mannesalter ein und war, je älter an Jahren, desto schändlicher an schnöder Eitelkeit. Da ich das Wesenhafte mir nur sichtbar vorstellen konnte, nicht anders dachte ich dich mir, o Gott, als in menschlicher Gestalt. Seitdem ich aber etwas von deiner Weisheit zu fassen begann, floh ich dies und freute mich, daß ich das auch im Glauben unserer geistigen Mutter, deiner Kirche, bestätigt fand. Aber wie ich dich anders ausdenken sollte, darauf verfiel ich nicht, und ich, ein Mensch und solch ein Mensch, wagte dich, den höchsten und allein wahren Gott, zu denken, und an dich, den Unvergänglichen, Unverletzlichen, Unwandelbaren, glaubte ich von Grund meines Herzens, weil ich klar erkannte und sicher war, obwohl ich nicht wußte, woher diese meine Ansicht komme, daß das, was vergänglich ist, geringeren Wert haben müsse als das, was unvergänglich ist; das Unverletzbare zog ich ohne Zögern dem Verletzlichen vor und das Unwandelbare dem Wandelbaren. Mein Herz schrie heftig auf gegen alle meine Truggebilde, und mit einem Schlage versuchte ich den mich umwirbelnden Schwarm von Unlauterkeit aus den Augen meines Geistes zu vertreiben; kaum aber hatte ich ihn für einen Augenblick zerstreut, so war er schon wieder da, zusammengescharrt, und stürzte sich auf mein Gesicht und verdunkelte es, so daß ich dich, mein Gott, wenn auch nicht in menschlicher Gestalt, so doch als etwas Körperliches, den Raum Erfüllendes zu denken gezwungen war, sei es nun innerhalb der Welt oder außerhalb der Welt ergossen durch das Unendliche, auch wohl als das Unzerstörbare, Unverletzbare, Unveränderbare, dem ich den Vorzug gab vor dem Zerstörbaren, Verletzbaren und Veränderbaren. Denn was ich mir nicht räumlich denken konnte, schien mir gar nichts sein zu können, ein völliges Nichts, nicht einmal eine Leere, wie etwa ein von seinem Körper verlassener Raum, sei nun dieser Körper erdig, feucht, luftig oder ätherisch; ein von ihm leerer Ort deuchte mir gleichsam ein räumliches Nichts.

Ich glaubte also, fühllosen Herzens und mir selbst nicht einmal erkennbar, daß alles, was keine räumliche Ausdehnung habe, sich ergieße oder zusammengedrängt werde oder aufschwölle oder irgendeine solche Beschaffenheit habe oder doch haben könne, überhaupt nichts sei. Denn aus den Formen, welche meine Augen durchzugehen pflegten, bildete sich mein Herz Vorbilder, und ich sah nicht ein, daß dies Vorstellungsvermögen, vermöge dessen ich diese Bilder erzeugte, nichts Körperliches noch Räumliches sei; und doch hätte es sich jene nicht gebildet, wenn es nicht selbst etwas Großes wäre. So dachte ich auch von dir, du Leben meines Lebens, ausgedehnt durch unendlichen Raum, durchdrängest du die ganze Weltmasse und außer ihr die Unendlichkeit ohne Schranke, so daß dich Erde, Himmel und das All habe und in dir begrenzt sei, du aber nirgends. Wie aber der Lichtkörper, der sich über der Erde befindet, dem Sonnenstrahl keinen Widerstand entgegengesetzt, so daß er sie nicht durchdringen könnte und durchschneiden – wie es ihn ganz erfüllt, so glaubte ich auch von dir, daß du nicht allein Himmel, Luft und Meer, sondern auch die Erde durchdrängest, und zwar in ihren größten und kleinsten Teilen, um deine Gegenwart zu fassen, daß du innerhalb und außerhalb des Alls alles Geschaffene regierst in geheimer geistiger Energie. So war meine Vermutung, weil ich ein anderes nicht zu denken vermochte, aber es war falsch. Denn auf diese Weise würde ein größerer Teil der Erde ein größeres Stück von dir innehaben und ein kleinerer ein kleineres; so würde alles von dir erfüllt sein, so daß der Leib eines Elefanten mehr von dir enthielte als der eines Sperlings in dem Maße, als der Elefantenleib größer ist und einen größeren Raum einnimmt; so würdest du zerstückt großen Teilen der Welt große Teile, kleinen Teilen derselben kleine Teile deines Wesens vergegenwärtigen. So bist du aber nicht. Aber noch immer hattest du meine Finsternis nicht erleuchtet.

 

Siebentes Buch – Zweites Kapitel

Es war genug, Herr, gegen die Betrogenen und Betrüger und stummen Schwätzer, weil aus ihnen nicht dein Wort hervortönte; genug war es, was Nebridius bereits in Karthago aufgebracht hatte und wovon wir alle, die wir es hörten, erschüttert waren. Was würde ein Geschlecht der Finsternis, welches sie dir aus einer entgegengesetzten Weltmasse entgegenzustellen pflegten, dir haben anhaben können, wenn du mit ihm nicht hättest streiten wollen? Wenn man antwortete, es hätte dir schaden können, so wärest du verletzbar und vergänglich. Wenn man aber gesagt hätte, es konnte dir keinen Schaden zufügen, so war keine Ursache zum Streit vorhanden, und zwar eines Streites, daß ein Teil oder ein Glied von dir oder ein Sproß deines Wesens sich mit den feindlichen Mächten und nicht von dir geschaffenen Naturen vermischte und so weit verdorben und zum Schlechten verwandelt würde, daß er von der Seligkeit ins Elend sänke und der Hilfe bedürfte, um befreit und gereinigt zu werden; ein solcher Teil, ein solcher Sprößling aber war die Seele, der dein freies Wort im Zustande der Knechtschaft, dein reines Wort im Zustande der Befleckung und dein unverderbtes Wort im Zustande des Verderbens zu Hilfe käme, aber auch dies verderbbar, weil es von einer und derselben Substanz ist. Wenn sie daher dich und was du bist, dein Wesen, unwandelbar nannten, so ist ihre ganze Lehre falsch und verwerflich; wenn sie es aber für verderbbar halten, so ist dies schon an und für sich falsch und von Grund aus verwerflich. Es war dies also Grund genug, mich von dem Druck zu befreien, der auf meinem Herzen lag, weil es für sie keinen Ausweg gab, ohne schreckliche Gotteslästerung des Geistes und der Zunge, wenn sie in dieser Weise von dir dachten und redeten.

 

Siebentes Buch – Drittes Kapitel

Noch aber war mir, obwohl ich dich als den Unbefleckbaren und Unwandelbaren bekannte und des festen Glaubens war, daß du, Herr, unser wahrer Gott seiest, der nicht nur unsere Seelen geschaffen, sondern auch unsere Körper, nicht nur unsere Seelen und Körper, sondern alle und alles – noch war, sage ich, mir die Ursache des Bösen nicht enträtselt und entwirrt. Was sie aber auch sein mochte, ich glaubte sie so suchen zu müssen, daß ich durch sie nicht genötigt würde, dich, Gott, den Unwandelbaren, für wandelbar zu halten, auf daß ich nicht selbst würde, wonach ich forschte. So suchte ich unbekümmert und war sicher, daß die diesbezüglichen Lehren der Manichäer Lügen seien, die ich aus Grund meiner Seele floh, weil ich sah, daß für Forschen nach dem Urgrunde des Bösen nur aus Bosheit geschehe, weil sie glaubten, daß dein Wesen viel eher dem Bösen unterliege, als daß ihr Wesen das Böse tue.

Ich bestrebte mich nun, die gehörte Lehre zu begreifen, daß nämlich die freie Entscheidung unseres Willens die Ursache des Bösen sei und daß dein Gericht, das wir erlitten, ein gerechtes sei. Diese klare Ursache einzusehen vermochte ich aber nicht. Sooft ich daher die Schärfe meines Geistes aus der Tiefe hervorzuführen versuchte, tauchte sie wiederum unter, und bei dem oft wiederholten Versuche sank ich immer und immer wieder zurück. Denn es erhob mich zu deinem Lichte, daß ich ebenso überzeugt war von dem Vorhandensein meines freien Willens wie von meinem Leben. Wenn ich daher etwas wollte oder nicht wollte, so war ich ganz sicher, daß niemand anders als ich es wollte oder nicht wollte, und allmählich kam ich zu dem Bewußtsein, daß hierin wohl der Urgrund des Bösen liege. Was ich aber wider Willen tat, das betrachtete ich mehr als ein Leiden von meiner Seite als eine Tat und glaubte, daß es keine Schuld, sondern eine Strafe wäre, die ich aber, da ich deine Gerechtigkeit anerkannte, sehr bald nicht ungerecht über mich verhängt bekannte. Wiederum aber sagte ich: Wer schuf mich? Mein Gott, der nicht nur gut, sondern überhaupt das Gute ist? Woher da der Wille zum Bösen und der Nichtwille zum Guten, so daß ich gerechte Strafe verbüßen muß? Wer legte das in mich und säete in mich hinein den Keim der Bitterkeit, da ich ganz und gar von meinem süßen Gott geschaffen bin? Ist der Teufel der Urheber, nun woher stammt denn der Teufel? Und wenn er selbst erst durch Verkehrung seines Willens aus einem guten ein böser Engel ward, woher kam ihm dieser böse Wille, durch den er zum Teufel ward, da er, der Engel, seinem ganzen Wesen nach von dem besten Schöpfer gut erschaffen ward? Von diesen Gedanken ward ich immer wieder niedergedrückt und geängstet; aber ich versank nicht in die Tiefe des Irrtums, wo niemand sich schuldig bekennt, indem man glaubt, du seiest eher der Dulder als der Mensch der Täter des Bösen.

 

Siebentes Buch – Viertes Kapitel

Nun strebte ich, auch das übrige aufzufinden, wie ich denn bereits gefunden hatte, daß das Unwandelbare besser sei als das Wandelbare, und ich bekannte, daß du, was du auch sein magst, unveränderlich seiest. Denn kein Geist vermag oder wird je vermögen, etwas Besseres, als du bist, auszudenken, der du das höchste und beste Gute bist. Wenn nun aber wahrhaftig und gewiß das Unwandelbare dem Wandelbaren vorzuziehen ist, wie ich davon schon überzeugt war, so konnte ich mit meinem Forschen etwas erreichen, nämlich, daß es etwas Besseres als dich, o mein Gott, geben müßte, wenn du veränderbar wärest.

Sobald ich einsah, daß das Unveränderbare dem Veränderlichen vorzuziehen sei, mußte ich dich suchen und von da aus forschen, wo der Sitz des Bösen sei, das heißt, woher das Verderben selbst stamme, von dem dein Wesen nie ergriffen werden kann. Denn keine Vergänglichkeit vermag unsern Gott in irgendeiner Weise zu verletzen, weder durch den Willen noch durch eine Notwendigkeit noch durch ein Ungefähr, weil er selbst Gott ist, und was er will, ist gut, er selbst ist das Gute, verderbt werden aber heißt nicht gut sein. Auch wirst du nie wider deinen Willen zu etwas genötigt, weil dein Wille nicht größer ist als deine Macht. Größer wäre er nur, wenn du selbst größer wärest, als du bist; denn Gottes Wille und Gottes Macht sind Gott selbst. Und was käme dir, der du alles kennst, wohl unvermutet? Es gibt kein Geschöpf als nur dadurch, daß du es erkennst. Was sollen wir noch viel darüber sagen, warum das Wesen, welches Gott heißt, unveränderlich ist? Denn wäre es nicht also, so wäre Gott nicht.

 

Siebentes Buch – Fünftes Kapitel

Ich forschte danach, woher denn das Böse komme, und forschte schlecht; ich erkannte in meinem Forschen selbst nicht das Böse. Vor meinen Geist stellte ich die ganze Schöpfung und was in ihr zu sehen ist, die Erde, das Meer und die Luft, die Gestirne, die Bäume und die anderen sterblichen Geschöpfe; ferner alles, was wir in ihr nicht erblicken, wie die Himmelsfeste droben mit ihren Engeln und sämtlichen Geistern; aber freilich auch dies ordnete meine Einbildung in bestimmte Räume, als ob es Körper wären, und ich bildete aus deiner Schöpfung eine einzige große Masse, in sich geschieden nach Geschlechtern, als seien sie wirklich Körper oder als stellte ich mir die Geister als Körper vor. Groß machte ich mir diese Masse, aber nicht, wie sie wirklich ist, denn das konnte ich nicht wissen, sondern nach meinem Belieben von allen Seiten begrenzt. Dich aber, o Herr, bildete ich mir ein als den sie Überall Umfassenden und Durchdringenden und Allbegrenzten. Gesetzt, das Meer erfüllte alles und allenthalben durch die unermeßlichen Räume wäre nur allein das Meer und Es enthielte in sich einen Schwamm von beliebiger, jedoch begrenzter Größe, so wäre dieser Schwamm vollständig und in jedem seiner Teile erfüllt von diesem unermeßlichen Meere. So stellte ich mir deine begrenzte Schöpfung, die von dir, dem Unbegrenzten, erfüllt ist, vor und sprach: Siehe, so ist Gott und so ist Gottes Schöpfung beschaffen, und gut ist Gott und viel besser als jenes; doch hat der Gute Gutes erschaffen, und siehe, wie er es umfaßt und erfüllt! Wo ist nun also der Sitz des Bösen, woher kommt es und auf welchem Wege hat es sich eingeschlichen? Was ist seine Würze und sein Same? Existiert es etwa überhaupt nicht? Warum fürchten wir uns aber denn und hüten uns vor dein, was nicht ist? Oder aber, wenn unsere Furcht mächtig ist, ist dann die Furcht selbst das Böse, von der das Herz vergebens gereizt und gepeinigt wird? Und das Übel ist um so schwerer, als nichts ist, was wir zu fürchten hätten, als unsere Furcht nichtig ist und wir uns dennoch fürchten? Es ist daher entweder das Böse wirklich, das wir fürchten, oder das Böse besteht eben darin, daß wir uns fürchten. Woher ist es doch, da der Gott alles schuf, der Gute Gutes? Das größere und höchste Gut schuf kleineres Gut, aber doch war der Schöpfer und Lenker in ihrer Gesamtheit gut. Woher kommt nun also das Böse? War es eine böse Materie, mit der er dies schuf? Hatte er dieselbe gebildet und geordnet und blieb etwas zurück, das er nicht ins Gute wandelte? Fehlte ihm die Macht, das Ganze umzuwandeln, daß nichts Böses zurückbliebe, da er doch allmächtig ist? Endlich, warum wollte er aus der bösen Materie etwas schaffen, warum hat er sie mit seiner Allmacht nicht gänzlich vernichtet? Oder konnte sie gegen seinen Willen existieren? Wenn sie ewig war, warum ließ er sie so lange durch unendliche Zeiten rückwärts gewendet sein und wollte erst so lange hernach etwas aus ihr machen? Und wenn er so plötzlich etwas mit ihr vornehmen wollte, so hätte er sie in seiner Allmacht vernichten sollen, damit er selbst allein das ganze, wahre, höchste, unbeschränkte Gute wäre? Und wenn nichts gut vorhanden war, aus dem er, der gut war, Gutes bilden und schaffen konnte, warum hat er nicht die böse Masse beseitigt und vernichtet und eine gute bereitet, aus der er alles schaffen konnte? Er wäre ja nicht der Allmächtige, wenn er nichts Gutes schaffen könnte; er würde dann von einer Masse unterstützt, die er nicht selbst schuf. – Solche Gedanken bewegte ich in meinem elenden Herzen, beschwert von nagenden Sorgen und Furcht vor dem Tode und dem fruchtlosen Suchen nach Wahrheit; doch haftete in meinem Herzen der kirchliche Glaube an Christum, unsern Herrn und Heiland, oft freilich noch gestaltlos und über die Schranke der wahren Lehre fließend; aber doch ließ ihn meine Seele nicht, sondern von Tag zu Tag sog sie mehr von ihm ein.

 

Siebentes Buch – Sechstes Kapitel

Schon hatte ich auch die trügerischen Prophezeiungen der Sterndeuter und ihre gottlosen Albernheiten verworfen. Auch das, mein Gott, dankt mein innerstes Herz nur deinen Erbarmungen. Denn du, nur du, wer anders ruft uns hinweg von allem tödlichen Irrtum als das Leben, das nicht zu sterben weiß, und die Weisheit, die den Geist in seiner Bedürftigkeit erleuchtet, sie, die keines Lichtes bedarf, die ihre Welt erhält bis zu der Bäume flatternden Blättern. Du lenktest meine Hartnäckigkeit, mit der ich dem scharfsinnigen Greise Vindicianus und dem Nebridius mit jener wunderbaren Jünglingsseele widerstand. Von diesen behauptete der eine mit eifriger Festigkeit, der andere zwar noch mit etwas Zweifel, aber desto öfter, es gäbe keine Kunst, die Zukunft vorauszusehen, die Berechnungen der Menschen hätten oft die Macht des Zufalls für sich, und wenn man so viel spreche, so werde zufällig auch manches gesagt, das in Erfüllung gehe, ohne Wissen derjenigen, die es sagten, nur durch vieles Reden träfen sie es zufällig. Du sorgtest mir für einen Freund, der kein lässiger Frager der Sterndeuter war, doch ihre Schriften nicht gründlich verstand, sie nur aus Neugierde befragte und einiges, was er wußte, von seinem Vater gehört haben wollte. Er ahnte nicht, wie viel das dazu beitrug, bei mir das Vertrauen zu jener Kunst zu entkräften. Dieser Mann, mit Namen Firminus, in der Beredsamkeit wohlunterrichtet und wohlbewandert, fragte mich als seinen vertrauten Freund über einige Dinge, auf die er seine zeitliche Hoffnung aufbaute, unter anderen auch, was ich von der Konstellation halte, unter der ich geboren sei, und ich, der ich mich schon in dieser Hinsicht der Ansicht des Nebridius zuneigte, versagte ihm zwar nicht, auf sein Verlangen einzugehen und ihm meine Deutung zu sagen, wendete ihm aber doch dabei ein, daß ich von der Lächerlichkeit und Nichtigkeit jener überzeugt sei. Darauf erzählte er mir, daß sein Vater auf derlei Bücher außerordentlich erpicht gewesen sei und einen Freund von gleicher Neigung besessen habe. Beide hätten sich mit einem wahren Feuereifer auf diese Possen geworfen, so daß sie selbst die Geburtsstunde ihrer Haustiere beobachteten und die dabei in Frage kommenden Stellungen der Gestirne sich aufmerkten, um Versuche für ihre Kunst zu sammeln. Im weiteren Gespräch sagte er mir dann, sein Vater habe ihm mitgeteilt, daß, als seine Mutter mit ihm schwanger gewesen, auch eine Sklavin des väterlichen Freundes in gleicher Lage gewesen sei, was ihrem Herrn nicht verborgen bleiben konnte, der ja auch die Geburten seiner Hunde mit größter Sorgfalt und Genauigkeit zu erfahren Sorge trug; und so geschah es, daß mein Vater für die Gattin, dieser für die Sklavin Tage, Stunden und Minuten ganz genau zählte. Beide wurden zu gleicher Zeit entbunden, so daß die Konstellationen bei beiden Geburten sowohl für den Sohn als für den kleinen Sklaven bis auf die Minute übereinstimmten. Als die Geburten bei beiden Weibern begannen, gaben sich beide durch bereitgehaltene Boten, die sie sich wechselseitig einander zuschicken wollten, Nachricht über das, was zu Hause vorging, sobald die Geburt des Kindes angekündigt wurde, was sie als Herren in ihrem Reiche leicht bewerkstelligen konnten. So begegneten sich die beiden Boten unterwegs zwischen den beiden Häusern und die Konstellationen der beiden zeigten auch nicht den geringsten Unterschied, und doch eröffnete sich dem Firminus eine glänzende Karriere, er kam zu Reichtum und gelangte zu Ehrenämtern; jenem Sklaven aber ward nie sein Joch erleichtert, und er diente seinem Herrn fort, wie Firminus der ihn kannte, bezeugte.

Als ich das hörte und glaubte, denn er war vollkommen glaubwürdig, sank aller Widerstand, und ich suchte nun sogleich den Firminus von jenem Aberglauben zu heilen, indem ich ihm sagte, wenn ich nach der Einsicht in seine Konstellationen die Wahrheit hätte verkünden sollen, hätte ich in derselben Konstellation gesehen haben müssen, daß seine Eltern vornehmen Standes, daß seine Familie angesehen in der Stadt sei, daß sie frei geboren seien, daß seine Erziehung eine freie, daß der Unterricht, den er genossen, ein wissenschaftlicher gewesen sei. Und wenn mich nun der Sklave über seine Konstellation gefragt hätte, die ja bei ihm ganz dieselbe sei, so hätte ich in ihr der Wahrheit gemäß wiederum seine geringe Familie, seinen Sklavenstand und alles andere von dem vorigen doch so ganz und gar verschieden sehen müssen. Woher sollte es geschehen, daß ich, um das Richtige auszusprechen, dieselben Konstellationen entgegengesetzt deuten sollte, daß ich dagegen falsch es spräche, wenn ich dasselbe sagte: Daraus ging für mich mit Bestimmtheit hervor, daß die richtigen Antworten auf Konstellationen nicht aus zuverlässiger Kunst, sondern aus Zufall sich ergaben, daß dagegen die falschen Antworten nicht aus Unkenntnis der Kunst hervorgingen, sondern durch Trug des Zufalls.

So war der Zugang eröffnet und ich dachte mir die Sache noch weiter aus, damit mir nicht einer von den Betrügern, welche ein Gewerbe damit trieben und die ich nun immer mehr und mehr zu widerlegen und zu verspotten suchte, den Vorwurf machte, als hätte Firminus mir oder sein Vater ihm Falsches berichtet, und wandte meine Aufmerksamkeit auf die Zwillingsgeburten, von denen die meisten einander so schnell folgen, daß der kleine Zeitunterschied, welchen Einfluß sie ihm auch auf die Natur beilegen, doch durch die menschliche Beobachtung nicht aufgefaßt und aufgezeichnet werden kann in Zeichen, in welche der Sterndeuter dann Einsicht nehmen muß, um Wahres zu prophezeien. Doch es wird nie wahr sein, da derjenige, der auf dieselben Aufzeichnungen sähe, von Esau und Jakob auch ein und dasselbe hätte aussagen müssen, und beide hatten doch verschiedene Schicksale. Er würde demnach Falsches sagen, oder wenn er Wahres aussagte, würde er aus denselben Zeichen nicht dasselbe sagen. Nicht also durch die Kunst, sondern einzig und allein durch den Zufall würde er Wahres sagen. Du aber, o Herr, gerechter Lenker des Weltalls, wirkst in den Fragenden und Befragten, ohne daß sie es wissen, durch deinen verborgenen Antrieb, so daß jeder, wenn er dich fragt, das hört, was er aus der Tiefe deines göttlichen Gerichts hören muß, nach dem, was menschlichen Augen verborgen, die Seelen verdient, welchem der Mensch nicht entgegnen darf: Was ist das, warum das? Er soll es nicht sprechen, denn er ist Mensch.

 

Siebentes Buch – Siebentes Kapitel

Aus diesen Banden hattest du mich, o mein Helfer, bereits befreit, noch aber forschte ich nach dem Urgrunde des Übels und noch fand ich keinen Ausgang. Aber du ließest mich nicht durch die Wogen meiner Gedanken hinwegreißen von dem Glauben, durch den ich der festen Überzeugung war, daß du bist und daß dein Wesen unveränderlich ist, daß dein ist die Sorge und das Gericht über die Menschen und daß du in Christo, deinem Sohne, unserem Herrn, und den heiligen Schriften, die das Ansehen deiner Kirche empfiehlt, einen Weg des Heils für die Menschen geschaffen hast zu dem Leben, das nach diesem zeitlichen Tode folgen wird. So war dies gerettet und stand unerschütterlich in meiner Seele fest, und mit glühender Sehnsucht forschte ich nun, was der Urgrund des Bösen sei. Welche Qualen meines keuchenden Herzens, welche Seufzer, o mein Gott! Und gegenwärtig war dein Ohr, doch wußte ich nicht davon. Und als ich im verborgenen fort und fort suchte, da war die stille Zerknirschung meines Herzens eine laute Stimme von deinem Erbarmen. Du wußtest. was ich litt, sonst keiner der Menschen. Wie wenig ward davon mitgeteilt durch die Sprache meines Mundes den Ohren meiner vertrautesten Freunde! Sprach sich etwa der ganze Aufruhr meiner Seele gegen sie aus, wozu weder die Zeit noch mein Mund hinreichte? Und dennoch kam alles zu deinem Ohre, was ich in der Angst meines Herzens schrie, vor dir war all mein Sehnen und meiner Augen Licht war mir entwichen. Denn es war in meinem Innern, ich aber war draußen. Das Licht war nichts Räumliches; ich aber lenkte meinen Sinn auf das, was den Raum einschließt, und fand dort keine Ruhestätte, auch nahm mich jenes nicht auf, daß ich hätte sagen können: Es ist genug und hier ist's gut; nicht ließ es mich in mein Inneres zurückkehren, wo mir genugsam wohl gewesen wäre. Denn ich war darüber erhaben, aber doch niedriger als du, und du bist die wahre Freude, wenn ich mich dir unterwerfe, und du unterwarfest, was du niedriger schufst als mich, und dies war das richtige Verhältnis und der mittlere Bereich meines Heils zwischen dem, was über mir, und dem, was unter mir, damit ich bleibe nach deinem Bilde und in deinem Dienste den Leib beherrschte. Aber da ich mich stolz wider dich erhob und wider den Herrn anlief, mein Nacken hart unter meinem Schilde, da erhob sich jenes Niedrige über mich und drückte mich, und nirgends fand ich Erleichterung und Erholung. Die Krassesten, die Dinge selbst traten mir, wenn ich die Augen auftat, haufenweise und zusammengebaut in den Weg, meinem Denken aber die Bilder der Dinge, wenn ich zurückkehren wollte, als sprächen sie: Wohin, du Unwürdiger und Unreiner? Und dies war aus meiner Wunde hervorgewachsen, weil du den Stolzen niederwirfst gleich einem Verwundeten. Meine Hoffart aber trennte mich von dir und meines Angesichtes Aufgeblasenheit schloß mir die Augen.

 

Siebentes Buch – Achtes Kapitel

Du aber, o Herr, bleibst in Ewigkeit und du zürnst uns nicht ewig. Weil du erbarmt dich hast des Staubes und der Asche, so wolltest du, dich mir erbarmend nahend, meine Mißgestalt umbilden, und du triebst mich mit dem innern Stachel, daß ich keine Ruhe hatte, bis ich deiner durch inneres Schauen gewiß wäre; da wich meine Geschwulst deiner verborgenen Heilkraft und die gestörte und verfinsterte Sehkraft meines Geistes ward von Tag zu Tag von dem scharfen Balsam heilbringender Schmerzen geheilt.

 

Siebentes Buch – Neuntes Kapitel

Vor allem wolltest du mir zeigen, wie du den Stolzen widerstehest, den Demütigen aber Gnade gibst, und wie groß sich dein Erbarmen den Menschen auf dem Wege der Demut erwiesen hat, da dein Wort Fleisch ward und unter uns wohnte. Du schafftest mir durch einen von unbändigem Stolze aufgeblasenen Menschen einige aus dem Griechischen und Lateinischen übersetzte Bücher der Platoniker, und ich las darin, zwar nicht mit denselben Worten, aber dem Sinne nach, mit vielen und mancherlei Gründen behauptet: Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort; dasselbe war im Anfang bei Gott, alle Dinge sind durch dasselbe gemacht, und ohne dasselbe ist nichts gemacht, was gemacht ist, in ihm war das Leben und das Leben war das Licht der Menschen; und das Licht scheint in der Finsternis und die Finsternis hat es nicht begriffen. Daß aber die Menschenseele, obwohl sie Zeugnis gibt von dem Licht, doch nicht selbst das Licht ist, sondern das Wort, Gott selbst das wahre Licht ist, welches alle Menschen erleuchtet, die in diese Welt kommen; es war in der Welt und die Welt ist durch dasselbige gemacht und die Welt kannte es nicht. Daß er in sein Eigentum kam und die Seinigen ihn nicht aufnahmen, wie viele ihn aber aufnahmen, daß er denen Macht gab, Gottes Kinder zu werden, die an seinen Namen glauben – das las ich dort nicht.

Ferner las ich dort, das Wort, Gott selbst ist nicht aus dem Fleische, nicht aus dem Blute, nicht aus dem Willen des Mannes noch aus dem Willen des Fleisches, sondern aus Gott geboren. Aber daß das Wort Fleisch wurde und wohnete unter uns, das las ich dort nicht. In jenen Schriften fand ich auch oft und in verschiedener Weise ausgedrückt, daß der Sohn sei in Gestalt des Vaters und daß er es nicht für einen Raub gehalten, Gott gleich zu sein, wie er es schon von Natur sei. Allein daß er sich selbst erniedrigt, Knechtsgestalt angenommen und gleich ward wie ein anderer Mensch und an Gebärden als ein Mensch erfunden, sich selbst erniedrigte und gehorsam wurde bis zum Tode, ja bis zum Tode am Kreuze, daß ihn Gott erhöhet und ihm einen Namen gegeben habe, der über alle Namen ist; daß in dem Namen Jesu sich beugen sollen aller derer Knie, die im Himmel und auf Erden und unter der Erde sind und alle Zungen bekennen sollen, daß Jesus Christus der Herr sei zur Ehre Gottes des Vaters, das enthalten diese Schriften nicht. Daß vor Beginn der Zeiten und unwandelbar über den Zeiten dein eingeborener Sohn gleich ewig mit dir bliebe und daß die Seelen von seiner Fülle Gnade um Gnade nehmen, um selig zu sein, und durch Teilnahme an der immer für sich bestehenden Weisheit erneut werden, auf daß auch sie weise seien, das findet sich dort. Daß er aber nach der Zeit für uns Gottlose gestorben ist und daß du auch deines eigenen Sohnes nicht hast verschonet, sondern für uns alle dahingegeben, das suchst du vergeblich. Denn das hast du den Weisen und Klugen verborgen und hast es den Unmündigen geoffenbaret, daß zu ihm kommen sollten alle, die mühselig und beladen sind, und er sie erquicke, denn er ist sanftmütig und von Herzen demütig und er führt die Demütigen auf dem Wege der Gerechtigkeit und lehrt die Sanftmütigen seine Wege, indem er unsere Demut sieht und unsere Sünde vergibt. Die aber auf dem Kothurn einer angeblich erhabenen Weisheit dahinschreiten, sie hören nicht die Stimme, die ihnen zuruft: Lernet von mir, denn ich bin sanftmütig und von Herzen demütig, so werdet ihr Ruhe finden für euere Seelen. Sie haben, obgleich sie Gott erkannt, ihn doch nicht als einen Gott gepriesen und gedanket, sondern sind in ihrem Dichten eitel geworden, und ihr unverständiges Herz ist verfinstert; da sie sich für weise hielten, sind sie zu Narren geworden. Deshalb las ich auch dort, wie sie die Herrlichkeit des unveränderlichen Gottes verwandelt haben in ein Bild gleich den vergänglichen Menschen und den Vögeln und den vierfüßigen und kriechenden Tieren, die ägyptische Speise nämlich, durch welche Esau seine Erstgeburt verlor, wie das erstgeborene Volk statt deiner einst das Haupt eines vierfüßigen Tieres verehrte, da es sein Herz nach Ägypten wandte und dein Bild ihre Seele vor dem Bilde eines heufressenden Kalbes beugte. Dies fand ich, doch genoß ich nicht davon. Denn es gefiel dir, Herr, von Jakob die Schmach der Erniedrigung hinwegzunehmen, damit der Größere dem Kleineren diene, und du riefst die Heiden in dein Erbe. Und ich kam zu dir von den Heiden und gierte nach dem Golde, was du dein Volk aus Ägypten mitnehmen ließest, weil es dein Eigentum war, wo es sich auch befand. Und zu den Athenern sprachst du durch deine Apostel: In ihm leben, weben und sind wir, wie auch einige von den Euren sagen, und von dieser Art waren auch jene Schriften. Ich wandte mich nicht zu den Götzen der Ägypter, denen sie von deinem Golde opferten, sie, welche die Wahrheit Gottes in Lüge verwandelten, und haben mehr gedient dem Geschöpfe, denn dem Schöpfer.

 

Siebentes Buch – Zehntes Kapitel

Hierdurch gemahnt, zu mir selbst zurückzukehren, trat ich ein in mein Innerstes unter deiner Führung, und ich vermochte es, denn du standest mir helfend zur Seite. Ich trat ein und sah, so blöde auch das Auge meiner Seele noch war, ob diesem Auge meiner Seele, ob meinem Geiste das unwandelbare Licht, nicht dies gemeine und jedem Fleisch sichtbare, auch nicht, als wenn es größer wäre, jedoch von derselben Art und weit, weit heller noch erglänzend, alles mit seiner Größe erfüllt. Nein, nicht also, sondern anders, ganz anders und gewaltig von alledem unterschieden. Auch war es nicht also über meinem Geiste wie das Öl über dem Wasser, auch nicht wie der Himmel über der Erde, sondern weit erhabener, weil er mich selbst schuf, und ich weit tiefer, weil ich sein Geschöpf war. Wer die Wahrheit kennt, der kennt es, und wer es kennt, der kennt auch die Ewigkeit, die Liebe kennt er. O ewige Wahrheit und wahre Liebe und liebe Ewigkeit , du bist mein Gott und Tag und Nacht seufze ich zu dir. Und da ich dich erkannte, da nahmst du mich an, auf daß ich sähe, es sei wahrhaftig, was ich sehen könnte, ich aber sei noch nicht imstande zu sehen. Du machtest die Blendung meiner geschwächten Sehkraft zunichte, da du mächtig über mir strahltest, und ich bebte vor Liebe und Schauer, und ich fand, daß ich weit entfernt sei von dir im Abstand meiner Unähnlichkeit; da war mir's, als hörte ich deine Stimme aus der Höhe, die spräche: Ich bin eine Speise der Starken; wachse und du wirst mich genießen. Nicht wirst du mich in dich wandeln, gleich der Speise deines Fleisches, du wirst gewandelt werden in mich. Und ich erkannte, wie du den Menschen züchtigst um der Sünde und wie du gleich einem zerstörten Spinngewebe meine Seele verschrumpfen ließest, und ich sprach: Ist denn die Wahrheit nichts, weil sie weder durch den endlichen noch durch den unendlichen Raum verbreitet ist? Und du riefst mir aus der Ferne: ja, sie ist; ich bin, der ich bin. Da hörte ich, wie man hört im Herzen, und der Zweifel wich von mir gänzlich. Eher hätte ich daran gezweifelt, daß ich lebe als daß es Wahrheit gäbe, die man an der Schöpfung der Welt wahrnimmt.

 

Siebentes Buch – Elftes Kapitel

Nun betrachtete ich das, was unter mir steht, und ich sah, daß es weder durch uns ist noch durch uns nicht ist. Es ist zwar, weil es von dir ist, es ist aber nicht, weil es nicht das ist, was du bist. Denn nur das ist wirklich, was ohne Veränderung bleibt. Mein Gut ist, daß ich mich zu Gott halte, denn bliebe ich nicht in ihm, so könnte ich keine bleibende Stätte in mir selbst haben. Er aber bleibt, was er ist, und erneut alles. Und du bist mein Gott, der meines Gutes nicht bedarf.

 

Siebentes Buch – Zwölftes Kapitel

Dies wurde mir dadurch offenbar, weil es der Charakter der guten Dinge ist, Verschlechterung erleiden zu können, die, weder wenn sie die höchsten Güter wären noch wenn sie keine Güter wären, verderbt werden könnten; wären sie die höchsten Güter, so wären sie nicht verderblich, wären sie keine Güter, dann gäbe es nichts an ihnen, was verderbbar wäre. Denn das Verderben bringt Schaden; wenn es aber das Gute nicht verringerte, dann könnte es nicht schaden. Entweder also bringt die Verderbnis keinen schaden, was nicht möglich ist, oder nur das steht durchaus sicher da, alles, was dem Verderben unterliegt, wird eines Gutes beraubt. Wenn aber etwas alles Guten beraubt wird, dann wird es überhaupt nicht sein. Denn wären sie noch und könnten nicht mehr verdorben werden, » wären sie besser, denn sie würden unverderbbar bleiben. Was wäre aber ungeheuerlicher, als zu sagen, Dinge würden nach dein Verluste alles Guten besser? Werden sie also alles Guten beraubt, so sind sie überhaupt nicht; solange sie also sind, sind sie gut; alles, was da ist, ist also gut. Das Böse, nach dessen Ursprung ich forschte ist also keine Substanz, denn wäre es Substanz, dann wäre es gut. Denn entweder wäre es eine unverderbliche Substanz also ein hohes Gut, oder es wäre eine verderbliche Substanz, welche, wenn sie nicht gut wäre, nicht verderbt werden könnte. Daher sah ich und war es mir klar, daß alles, was du schufest, gut ist, und daß es keine Substanz gibt, die du nicht geschaffen. Obwohl du nicht alles gleich geschaffen hast, so ist doch alles, weil es als Einzelding gut ist, auch in seiner Gesamtheit gut, denn unser Gott schuf alles sehr gut.

 

Siebentes Buch – Dreizehntes Kapitel

An dir ist überhaupt nichts Böses, und nicht nur an dir, sondern auch an deiner gesamten Schöpfung; denn nichts ist außer ihr, was einbräche und die Ordnung, die du festgesetzt hast, zerstörte. Im einzelnen aber hält man das für böse, was mit anderem nicht übereinstimmt; aber dasselbe stimmt mit anderem überein und ist gut und darum auch in sich selbst gut. Und alles das, was nicht miteinander übereinstimmt, stimmt mit Niedererem überein, nämlich mit dem, was wir Erde nennen, die ihren entsprechenden wolkigen und stürmischen Himmel hat. Fern sei es von mir zu sprechen: »Wenn doch das Niedere gar nicht erst existierte; denn wenn ich es allein schaute, so würde ich sicherer suchen; aber auch für jenes allein müßte ich dich loben, weil verkündigen dein Lob die Drachen von Erde und alle Tiefen, Feuer und Hagel und Schnee und Eis und die Stürme der Wetter, welche dein Wort ausrichten, Berge und alle Hügel, fruchttragende Bäume und alle Zedern, Raubtiere und alle niederen Tiere, Gewürm und gefittigte Vögel, die Könige der Erde und alle Völker, die Fürsten und alle Richter der Erde, Jünglinge und Jungfrauen, Alte und junge loben deinen Namen. Da sie aber auch von dem Himmel dich loben, unser Gott in der Höhe, alle deine Engel, alles dein Heer, Sonne und Mond, alle Sterne und das Licht, die Himmel der Himmel und die Wasser, die über dem Himmel sind, deinen Namen loben, so sehnte ich mich nicht mehr nach Besserem, der ich aller Dinge gedachte, und ich erwog nach gesundem Urteil, daß das Erhabenere zwar besser sei als das Niederere, daß das Ganze aber doch besser sei als das Erhabenere allein.

 

Siebentes Buch – Vierzehntes Kapitel

Unvernünftig sind diejenigen, welchen etwas an deiner Schöpfung mißfällt, wie auch ich es war, solange mir so vieles, was du erschaffen hattest, mißfiel. Und weil sich meine Seele nicht so weit wagte, daß du mir, o mein Gott, mißfällig geworden wärest, so wollte sie das, was mir mißfiel, nicht für dein Werk halten. So kam sie zu der Ansicht von den zwei Substanzen, und ich ruhte nicht und sprach irre. Von da zurückgekommen, schuf sie sich einen Gott, der durch die Unendlichkeit des Raumes verbreitet sein sollte; den hielt sie für dich und stellte ihn in ihrem Herzen auf und ward wieder ein Tempel ihres Götzen, den du verabscheutest. Doch darauf bargst du, ohne daß ich es wußte, mein Haupt in deinem Schoß, schlossest meine Augen, daß sie nicht sähen die Nichtigkeit; ich bekam ein wenig Ruhe vor mir selbst und mein Wahnsinn schlief ein, und dann erwachte ich in dir und sah dich unendlich anders, doch dies Schauen war nicht vorn Fleisch.

 

Siebentes Buch – Fünfzehntes Kapitel

Und ich blickte zurück auf das andere und fand, daß sie dir ihr Dasein verdanken und daß alles in dir begrenzt sei, aber nicht gleichsam durch den Raum, sondern weil du in deiner Hand mit deiner Wahrheit alles umfassest, und alles ist wirklich, soweit als es ist; nichts ist Falschheit als das, was nicht ist, während es nach unserer Ansicht ist und nicht ist. Und ich sah, daß alles nach seiner Eigentümlichkeit nicht nur seinem Orte, sondern auch seiner Zeit entspreche, weil du, der allein Ewige, nicht erst nach unzählbaren Zeiträumen zu wirken begonnen, weil alle Zeiträume, die vergingen sowohl, als die vergehen werden, weder gingen noch kämen, wenn du nicht wirktest und bliebest.

 

Siebentes Buch – Sechzehntes Kapitel

Ich weiß es aus Erfahrung, daß man sich nicht wundern darf, wenn dem kranken Gaumen das Brot zur Pein wird, welches dem gesunden wohl schmeckt; ist doch auch dem kranken Auge das Licht zuwider, das dem klaren angenehm ist. So mißfällt deine Gerechtigkeit den Ungerechten, von der Natter und dem Wurme ganz zu schweigen, die du doch gut erschufst und die den niedersten Reihen deiner Schöpfung angehören; so ist es auch mit den Ungerechten, je unähnlicher sie dir sind; je ähnlicher sie dir aber sind, desto höheren Ordnungen gehören sie an. ich forschte, was die Ungerechtigkeit wäre, und fand in ihr keine Substanz, sondern nur eine Verkehrtheit des Willens, der sich von der höchsten Substanz, von dir, Gott, zu der niedrigsten Kreatur wendet, indem er sein Innerstes wegwirft und es eitel auf die Außenwelt richtet.

 

Siebentes Buch – Siebzehntes Kapitel

Ich wunderte mich, daß ich dich schon liebte und nicht ein bloßes Trugbild statt deiner. Doch beeiferte ich mich nicht, zum Genuß meines Gottes zu gelangen, sondern bald ward ich hingerissen zu dir durch deine Schöne, bald hinweg von dir durch meine Last und sank mit Seufzen zurück, und diese Last, es war meine Gewohnheit des Fleisches. Doch noch dachte ich deiner, nicht mehr zweifelte ich, daß der in Wahrheit sei, dem ich anhangen sollte, daß ich aber noch nicht so weit gefördert sei, um Gott anhangen zu können. Denn der sterbliche Leib beschwert die Seele, und unsere irdische Behausung beschwert den zerstreuten Sinn. Ich war gewiß, daß dein unsichtbares Wesen, deine Kraft und Gottheit wird ersehen, so man des wahrnimmt an den werken, nämlich an der Schöpfung der Welt. Denn als ich danach forschte, woher ich ein Urteil über die Schönheit der Körper entnähme, sowohl derer, die am Himmel, als auch derer, die auf Erden sind, und was ich mir vergegenwärtige, wenn ich unbedenklich über das Wandelbare ein Urteil fällte und sprach: Dies muß so sein, jenes nicht so, als ich forschte, woher ich so urteilte, fand ich eine unwandelbare und wahre Ewigkeit der Wahrheit über meinem wandelbaren Geiste. Und so stieg ich stufenweise auf von den Körpern zu der Seele, die mittels des Körpers empfindet, von dieser zu ihrer inneren Kraft, welcher die Sinne des Körpers von einer Außenwelt Kunde bringen, soweit reicht auch das Vermögen der Tiere, von dort wiederum zu der beurteilenden Kraft, welche die Sinneseindrücke zur Prüfung empfängt. Diese aber erkannte sich in mir selbst als veränderlich und erhob sich zur Erkenntnis seiner selbst, entzog sich der bisher gewohnten Denkweise und machte sich frei von dem verworrenen, ihr widersprechenden Schwarm von Trugbildern, um das Licht zu finden, von dem sie erleuchtet würde, da sie ohne allen Zweifel behauptete, daß der Unwandelbare dem Wandelbaren vorzuziehen sei, und um zu erforschen, woher sie der Unwandelbare kenne, welches sie, ohne es irgendwie zu kennen, nimmermehr so sicher dem Wandelbaren vorziehen würde. Und sie gelangte zu dem wesentlichen Sein im Moment eines zagenden Aufblicks. Damals erkannte ich dein unsichtbares Wesen, das in deiner Schöpfung im Geiste wahrgenommen wird; aber ich vermochte nicht das Geistesauge darauf zu heften, und in meine Schwachheit zurückgeworfen und dem Gewohnten preisgegeben, behielt ich nichts mehr in mir als die liebende Erinnerung, die gleichsam nach dem Dufte der Speise verlangte, die zu genießen ich noch nicht befähigt war.

 

Siebentes Buch – Achtzehntes Kapitel

Ich suchte den Weg zu der beharrlichen Stärke, die da befähigt ist, dich zu genießen, doch ich fand ihn nicht, bis ich den Mittler zwischen Gott und den Menschen, den Menschen Jesus Christus umfaßte, der da ist Gott über alles, hochgelobt in Ewigkeit, der da spricht: Ich bin der Weg, die Wahrheit und das Leben; der die Speise, für die ich zu schwach war, mit dem Fleisch mischte, denn das Wort ward Fleisch, auf daß unserer Kindheit zu Milch werde deine Weisheit, durch die du alles geschaffen. Denn nicht erfaßte ich meinen Herrn Jesus, den Demütigen in Demut, noch erkannte ich, was seine Niedrigkeit uns lehren solle. Denn dein Wort, die ewige Wahrheit, erhaben über der ganzen Schöpfung, richtet auf zu sich, die sich unterwerfen; unter den Niedrigen aber hat er sich gebaut eine niedere Wohnung aus unserem staube, wodurch er alle, die er sich unterwerfen wollte, von ihrer Selbsterhebung herunterdrückte und zu sich überführte, vom stolz sie heilend, ihre Liebe nährend, damit sie nicht in Selbstvertrauen noch weiter wankten, sondern vielmehr zum Gefühl ihrer Schwäche kämen beim Anblick der Gottheit zu ihren Füßen, die sich herabließ zu unserer Schwachheit, angetan mit dem Gewande der Sterblichkeit, und ermattet sich zu ihr niederwürfen, diese aber sich erhöbe, um sie aufzuheben.

 

Siebentes Buch – Neunzehntes Kapitel

Ich aber war anderer Meinung und hielt nur so viel von meinem Herrn Jesu Christo, als ich von einem Manne von unvergleichbarer Weisheit gehalten hätte, dem niemand vergleichbar sei, zumal da er, wunderbar von einer Jungfrau geboren, um ein Beispiel zu geben, wie man zeitliche Güter verachten müsse, um die Unsterblichkeit zu erlangen, mir es verdient zu haben schien, daß sein Lehramt durch göttliche Fürsorge für uns ein solches Ansehen erlangte. Was für ein Gnadenmittel es sei, daß das Wort Fleisch geworden, konnte ich damals noch nicht einmal ahnen. Nur so viel erkannte ich aus den Schriften, die von ihm erzählen, weil er aß und trank, schlief, wandelte, sich freute, betrübt war und redete, so könne dein Wort mit dem Fleische nur vermittels menschlicher Seele und menschlichem Geiste zusammenhängen. Denn das weiß jeder, der die Unwandelbarkeit deines Wortes erkennt, die ich nun erkannte, soweit ich vermochte, ohne noch von der Seite daran zu zweifeln. Denn wenn sich die Glieder des Leibes nach Willkür jetzt bewegen, jetzt nicht, jetzt durch irgendwelchen Affekt erregt werden, dann wieder nicht, jetzt weise Gedanken ausgesprochen werden, jetzt wieder Stillschweigen eintritt – so sind das Eigenschaften, die der wandelbaren Seele und dem Geiste angehören. Wäre dies falsch von ihm erzählt worden, so liefe alles Gefahr, für Lüge zu gelten, und den Menschen bliebe kein Heil des Glaubens in jenen Schriften. Da nun das, was von ihm geschrieben steht, Wahrheit ist, so erkannte ich Christum als vollen Menschen nach Leib, Seele und Geist, nicht nur den Körper des Menschen oder die Seele und den Leib ohne den Geist, sondern den ganzen Menschen, wie er ist; ich vermeinte, daß Christus nicht als die Wahrheit in Person, sondern wegen der großen Vortrefflichkeit seiner menschlichen Natur und seines größeren Anteils halber an der Weisheit den übrigen vorgezogen werde. Alypius aber glaubte, es sei Glaube der Kirche, daß er Gott im Fleische sei, und zwar so, daß neben Gott und dem Fleische in Christo keine Seele sei, und glaubte nicht, daß ihm ein menschliches Wesen beigelegt werden dürfe. Da er nun überzeugt war, daß das, was uns von Christus erzählt ist, nur einem mir Seele und Geist begabten menschlichen Wesen möglich sei, so verhielt er sich lau gegen das Christentum. Später aber erkannte er, daß seine Ansichten mit den Irrlehren des Apollinaris übereinstimmten, und ist nun des Glaubens der Kirche froh und mit ihr verbunden worden. Ich aber bekenne, daß ich erst später zu der Erkenntnis gelangte, wie in dem Satze Das Wort ward Fleisch sich die kirchliche Wahrheit von der Irrlehre des Photinus unterscheidet. Denn die Mißbilligung der Irrlehrer bewirkt, daß die gesunde Lehre deiner Kirche den Sieg gewinnt. Es müssen Irrlehrer unter euch sein, auf daß die, so rechtschaffen sind, offenbar unter euch werden.

 

Siebentes Buch – Zwanzigstes Kapitel

Damals war ich durch das Lesen von Schriften der Platoniker angeregt, die übersinnliche Wahrheit zu erforschen; ich erkannte dein unsichtbares Wesen an den Werken der Schöpfung, und wieder zurückgedrängt, empfand ich, was auch die Verfinsterung meiner Seele früher nicht hatte erkennen lassen, und doch war ich gewiß, daß du seiest, seiest unendlich und werdest doch nicht durch endliche und unendliche Räume verbreitet; gewiß war ich, du seiest wahrhaft, der du immer derselbe seiest, du seiest ewig in dir unveränderlich, alles andere sei aus dir, aus keinem anderen Grunde, als weil es kein Sein außer dir gibt, als weil es ist; des war ich sicher, jedoch war ich zu schwach, um mich deiner zu freuen. Ich schwatzte wie ein Kenner und wäre doch, hätte ich nicht in Christo, dem Erlöser, deinen Weg gesucht, nicht erfahren, sondern in Gefahren des Verderbens. Schon wollte ich für einen Weisen gelten, und das Maß meiner Strafe war von, und dennoch weinte ich nicht, sondern erhob mich, und das Wissen blähte mich auf Wo war jene Liebe, die sich auf dem Grunde der Demut, weiche ist Jesus Christus, aufbaut? Wie hätten jene Bücher vermocht, sie mich zu lehren! Doch glaube ich, daß ich nach deinem Willen erst auf jene Bücher stieß, bevor ich deine heilige Schrift kennenlernte, um es meinem Gedächtnisse einzuprägen, welchen Eindruck die Schriften der Platoniker auf mich gemacht, und damit, wenn ich erst durch deine Schrift gezähmt wäre und durch deine pflegende Hand meine Wunden geheilt wären, ich erkennen lernte, welch ein Unterschied sei zwischen der hochmütigen Anmaßung der Philosophen und dem demütigen Bekennen der Gläubigen, zwischen denen, die da sehen, wohin zu gehen ist, und denen, die nicht sehen, auf welchem Wege und den Weg, der zum seligen Vaterland führt, nicht bloß zu schauen, sondern auch zu bewohnen. Denn wäre ich zuerst durch die heilige Schrift belehrt worden und ich hätte vertraut mit ihr deine Wonne geschmeckt und wäre dann erst auf jene Bücher gekommen, vielleicht hätten sie mich dem wahren Grunde der Frömmigkeit entrissen, oder wenn ich auch festgeblieben wäre an dem eingezogenem Heil, ich hätte geglaubt, auch aus jenen Büchern könne dasselbe geschöpft werden, auch wenn man sie allein läse.

 

Siebentes Buch – Einundzwanzigstes Kapitel

Mit höchster Begierde griff ich zu der ehrwürdigen Schrift deines Geistes und besonders dem Apostel Paulus. Und es schwanden alle jene Fragen, in denen er nur sich selbst zu widersprechen und wo der Inhalt jener Rede mir nicht ganz mit dem Gesetz und den Propheten übereinzustimmen schien. Ein einziger Charakter nur tat sich kund in den Reden, da lernte ich mich freuen mit Zittern. Ich fand, daß das, was in den Schriften der Platoniker Wahres gesagt wurde, auch hier, doch als Gnadengabe von dir gesagt werde, damit der, welcher sieht, sich nicht rühme, als hätte er es nicht empfangen, nicht nur das, was er sieht, sondern auch, daß er sieht, denn was hat er, was er nicht empfangen hätte? Und damit er nicht allein ermahnt wird, dich, der du immer derselbe bist, zu sehen, sondern auch gesundet, um dich festzuhalten, und daß der, welcher dich nicht von fern zu erschauen vermag, doch den Weg gehe, auf welchem er dahinkommen, dich schauen und festhalten kann.

Denn hat der Mensch auch Lust an Gottes Gesetz nach dem inwendigen Menschen, was wird er tun nach dem andern Gesetze in seinen Gliedern, das da widerstreitet dem Gesetze in seinem Gemüt und nimmt ihn gefangen in der Sünde Gesetz, welches ist in seinen Gliedern? Nur du bist gerecht, o Herr, wir aber haben gesündigt, Unrecht getan, sind gottlos gewesen, und deine Hand liegt schwer auf uns, und mit Recht sind wir dem alten Sünder, dem Fürsten des Todes hingegeben, denn er hat unsern Willen gebracht zu einem Ebenbild seines Wollens, mit dem er nicht bestanden ist in deiner Wahrheit. Was soll der Mensch des Elendes tun? wer wird ihn erlösen von dem Leibe dieses Todes, wenn nicht deine Gnade durch Jesum Christum unseren Herrn, den du dir ewig gleich zeugtest und schufest im Anfang deiner Wege, an dem der Fürst dieser Welt nichts des Todes Würdiges fand und ihn tötete, wodurch vertilgt ward die Handschrift, die wider uns zeugte. Das enthalten jene Bücher nicht. Auf ihrer Seite stehen nicht die Züge der Frömmigkeit, nicht die Tränen dieses Bekenntnisses, nichts vom Opfer eines reuigen Geistes, eines demütigen, zerknirschten Herzens, nichts von des Volkes Heil, von der Braut, der Stadt Gottes, nichts von des heiligen Geistes Unterpfand, nichts von dem Kelche unserer Erlösung. Dort singt keiner: Meine Seele ist stille zu Gott, der mir hilft; denn er ist mein Hort. meine Hilfe, mein Schutz, und ich werde nicht mehr wanken. Dort hört niemand die Stimme: Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid; sie verschmähen es, von ihm zu lernen, daß er sanftmütig ist und von Herzen demütig. Das hast du den Klugen und Weisen verborgen, aber geoffenbart den Unmündigen. Etwas anderes ist es, von waldigem Bergesgipfel das Land des Friedens zu sehen, doch den Weg zu ihm nicht finden zu können und umsonst auf Umwegen sich abzumühen, wo ringsum die Flüchtlinge und Überläufer mit ihrem Führer dem Löwen und Drachen lauern und nachstellen, und ein anderes, auf dem rechten Wege sicher dahinzuwandeln, der da geschirmt ist durch die Fürsorge des himmlischen Königs und wo die nicht rauben, welche verlassen haben die himmlische Kämpferschar, denn sie meiden ihn wie eine Qual. Dies drang mir wunderbar tief ins Herz, da ich den geringsten deiner Apostel las; ich betrachtete dein Wirken, und ein Schauer ergriff mich.

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