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Die Bauern

Honoré de Balzac: Die Bauern - Kapitel 19
Quellenangabe
pfad/balzac/bauern/bauern.xml
typefiction
authorHonoré de Balzac
titleDie Bauern
publisherGeorg Müller
seriesMenschliche Komödie
volumeSzenen aus dem Landleben
year1925
translatorPaul Hansmann
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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V

Der kampflose Sieg

Madame Michauds Befürchtungen waren eine Wirkung des zweiten Gesichts, das die wahre Liebe oft eingibt. Wenn die Seele sich ausschließlich mit einem einzigen Wesen beschäftigt, erfaßt sie letzten Endes die geistige Welt, die sie umgibt: sie sieht darin dann klar. In ihrer Liebe empfindet ein Weib die Vorgefühle, die sie später in der Mutterschaft bewegen.

Während die junge Frau sich dem Anhören der wirren Stimmen überließ, die durch unbekannte Räume zu ihr drangen, ging in der Schenke zum »Grand-I-Vert« in der Tat eine Szene vor sich, welche das Leben ihres Gatten bedrohte.

Gegen fünf Uhr morgens hatten die Frühaufsteher auf dem Lande die Gendarmerie von Soulanges vorbeikommen sehen, die sich auf Conches zu bewegte. Die Neuigkeit sprach sich schnell herum, und jene, welche diese Frage interessierte, waren ziemlich erstaunt, durch Leute des Oberlandes zu hören, daß eine vom Leutnant von Ville-aux-Fayes kommandierte Gendarmerieabteilung durch den Wald von Les Aigues gekommen war. Es war an einem Montage, und das war schon ein Grund, daß die Arbeiter ins Wirtshaus gingen; aber es war auch noch der Vorabend des Jahrestages der Rückkehr der Bourbonen, und obwohl die Stammgäste des Tonsardschen Schlupfwinkels dieses »erhabenen Grundes«, wie man damals sagte, nicht bedurften, um ihre Anwesenheit im »Grand-I-Vert« zu rechtfertigen, unterließen sie es nicht, sich das ganz laut zu Nutze zu machen, sobald sie den Schatten irgendeines Beamten gesehen zu haben wähnten.

Es befanden sich da Vaudoyer, Tonsard und seine Familie, Godain, der gewissermaßen mit dazu gehörte, und ein alter Weinbergarbeiter namens Laroche. Dieser Mann lebte von der Hand in den Mund; er war einer der Delinquenten, die in Blangy durch eine Art Konskription aufgestellt worden waren, um dem General seine Klagemanie zu verleiden. Blangy hatte noch drei andere Männer, zwölf Frauen, acht Mädchen und fünf Burschen gestellt, deren Gatten und Väter für sie zu haften hatten, und die gänzlich mittellos waren. Sie waren aber auch die einzigen, die nichts besaßen. Das Jahr 1823 hatte die Winzer reich gemacht und 1826 sollte, dank der Ueberfülle von Wein, nochmals ein Geldsegen über sie niedergehen. Ebenso hatten die vom General in Auftrag gegebenen Arbeiten Geld unter die drei Gemeinden, die seinen Besitzungen benachbart waren, gebracht und man hatte Mühe gehabt, in Blangy, Conches und Cerneux hundertundzwanzig Proletarier zu finden. Nur dadurch war es gelungen, daß man die alten Weiber, die Mütter und Großmütter derjenigen nahm, die etwas Besitz hatten, selber aber nichts besaßen, wie Tonsards Mutter. Dieser Laroche, der alte Missetäter und Arbeiter, taugte absolut nichts; er hatte nicht wie Tonsard ein hitziges und lasterhaftes Blut: er war von einem tiefen und kalten Haß beseelt, arbeitete schweigsam und zeigte eine grimmige Miene. Die Arbeit war ihm unerträglich und er konnte doch nur durch Arbeit bestehen; seine Gesichtszüge waren hart, ihr Ausdruck abstoßend. Trotz seiner sechzig Jahre fehlte es ihm nicht an Kraft, doch sein Rücken war geschwächt und hatte sich gewölbt. Er sah keine Zukunft vor sich, hatte kein Stück Land als Eigentum und beneidete die, welche Feld besaßen; auch hauste er schonungslos in den Wäldern von Les Aigues: mit Vergnügen richtete er dort ruchlose Verwüstungen an.

»Lassen wir sie uns abführen?« fragte Laroche. »Nach Conches wird Blangy drankommen; ich bin rückfällig und werde darum drei Monate eingelocht.«

»Aber was gegen die Gendarmerie unternehmen, alter Trunkenbold?« sagte Vaudoyer zu ihm.

»Halt! Sollten wir nicht mit unseren Sicheln ihren Pferden die Beine absäbeln. Sie würden schnell am Boden liegen. Ihre Flinten sind nicht geladen; und wenn sie sich einen gegen sechs sehen, werden wir ihnen bald Beine machen! Würde man alles köpfen, wenn die drei Dörfer sich erheben und man zwei oder drei Gendarmen tötet? Man müßte sich zusammentun, wie im Herzen von Burgund, wohin man bei einer ähnlichen Geschichte ein ganzes Regiment geschickt hat. Ah, bah, das Regiment ist abgerückt und die Bauern sind weiter ins Holz gegangen, wie sie es seit Jahren taten, genau wie hier.«

»Töten um zu töten,« sagte Vaudoyer, »besser wird's sein, nur einen zu töten; doch ohne Gefahr zu laufen, dergestalt, daß man den ganzen Arminacs das Land verleidet.«

»Wen denn von den Räubern?« fragte Laroche.

»Michaud,« erklärte Courte-Cuisse, »Vaudoyer hat recht, durchaus recht. Wenn ein Wächter einmal um die Ecke gebracht ist, wird man so leicht keine andern finden, die untertags aufpassen. Sie tun's bei Tag, sie tun's aber auch noch in der Nacht . . . Das sind Teufel, was!«

»Ueberall, wo ihr geht,« sagte die alte Tonsard, die siebzig Jahre auf dem Buckel hatte und ihr von tausend Furchen und zwei grünen Augen durchlöchertes Pergamentgesicht zeigte, das mit schmutziggrauen Haaren geschmückt war, die in Strähnen unter einem roten Taschentuche hervorsahen, »überall, wo ihr geht, findet ihr sie, und sie verhaften euch. Sie schauen euer Bündel an. Wenn ein einziger abgebrochener Zweig, eine einzige schäbige Haselbuschrute darin ist, nehmen sie das Bündel und machen euch ein Protokoll; sie haben's deutlich genug gesagt. Ach, die Schufte! Man kann sie nicht erwischen, und wenn sie euch mißtrauen, sind sie schnell bei der Hand, euch euer Holzbündel aufbinden zu lassen. Drei Hunde sind's, die keine zwei Heller wert sind; man muß sie töten, das wird Frankreich nicht ins Verderben bringen, vorwärts!«

»Der kleine Vatel ist noch nicht so bösartig!« sagte Madame Tonsard, die Schwiegertochter.

»Der!« sagte Laroche, »der tut seine Arbeit wie die anderen; 's ist zum Lachen; gut, er lacht mit euch. Ihr seid mit ihm darum aber nicht besser dran; er ist der boshafteste der drei, ist, wie Monsieur Michaud, ein Unmensch armen Leuten gegenüber . . .«

»Trotzdem hat er eine hübsche Frau, der Monsieur Michaud,« sagte Nicolas Tonsard.

»Sie ist schwanger,« sagte die alte Mutter, »doch wenn das so fortgeht, wird man ihrem Kleinen, wenn sie kalbt, eine lustige Taufe bescheren!«

»O, diese Arminacs von Parisern!« rief Marie Tonsard, »man kann unmöglich mit ihnen scherzen . . . und wenn's auch geschähe, würden sie euch doch einen Prozeß machen, ohne sich weiter um euch zu kümmern, als ob sie nicht gescherzt hätten . . .«

»Du hast also versucht, sie einzuwickeln?« fragte Courte-Cuisse.

»Bei Gott, gewiß!«

»Nun,« sagte Tonsard mit einer entschlossenen Miene, »es sind Menschen wie die anderen, man kann mit ihnen fertig werden.«

»Meiner Treu, nein,« fuhr Marie fort, die ihren Gedanken weiterspann, »sie scherzen nicht; ich weiß nicht, was man ihnen gibt, denn schließlich ist der Tollkopf im Pavillon verheiratet; doch Vatel, Gaillard und Steingel sind's nicht; sie haben keine Seele im Lande; keine Frau gibt's, die sich mit ihnen einlassen möchte! . . .«

»Wir wollen sehn, wie der Hase bei der Ernte und der Weinlese läuft,« sagte Tonsard.

»Sie werden das Stoppeln nicht verhindern,« erklärte die Alte.

»Das weiß ich denn doch nicht,« sagte die Schwiegertochter Tonsard. »Ihr Groison sagt so: ›der Herr Bürgermeister wird eine Ankündigung veröffentlichen, in der gesagt wird, daß niemand ohne Bedürftigkeitszeugnis stoppeln dürfe‹. Und wer wird's ausstellen? Er selber! Und er wird nicht viele herausrücken. Er wird auch Verbote veröffentlichen, daß niemand auf die Felder darf, ehe das letzte Bund auf dem Wagen ist . . .«

»Was, ist denn der Kürassier ganz besessen!« schrie Tonsard außer sich.

»Ich weiß es erst seit gestern,« antwortete seine Frau, »wo ich Groison ein Gläschen angeboten habe, um etwas aus ihm heraus zu holen.«

»Das ist ein Glückspilz!« sagte Vaudoyer, »man hat ihm ein Haus gebaut, eine gute Frau gegeben, er hat Renten und ist wie ein König angezogen . . . Ich, ich bin zwanzig Jahre Flurhüter gewesen und habe nur Schnupfen davongetragen.«

»Ja, er ist glücklich,« sagte Godain, »er hat was . . .«

»Wir bleiben die armen Tröpfe, die wir sind,« schrie Vaudoyer, »machen wir uns doch wenigstens auf und sehen nach, was in Conches vor sich geht: sie sind dort nicht geduldiger als wir . . .«

»Auf,« sagte Laroche, der nicht mehr allzu sicher auf den Beinen war, »wenn ich nicht einen oder zwei um die Ecke bringe, will ich Hans Narr heißen.«

»Du,« erklärte Tonsard, »du würdest die ganze Gemeinde ruhig wegbringen lassen, aber ich, wenn man die Alte anfaßt, da ist meine Flinte; sie wird ihr Ziel nicht verfehlen! . . .«

»Gut,« sagte Laroche zu Vaudoyer, »wenn man einen aus Conches abführt, soll ein Gendarm auf der Erde liegen.«

»Er hat's gesagt, der Vater Laroche!« rief Courte-Cuisse.

»Er hat's gesagt,« fuhr Vaudoyer fort, »hat's aber nicht getan und wird's nicht tun. Zu was würde 's dir nützen, wenn du dich verprügeln lassen willst? . . . Töten um zu töten! besser ist's, Michaud zu töten . . .«

Während dieser Szene stand Cathérine Tonsard an der Schenkentüre Spähe, um imstande zu sein, die Zecher zum Schweigen zu bringen, wenn jemand vorüberginge.

Trotz ihrer weinschweren Beine stürzten sie eher als daß sie gingen aus der Kneipe; und ihr kriegerischer Eifer lenkte sie nach Conches, indem sie die Straße verfolgten, die eine Viertelmeile an den Mauern von Les Aigues entlang lief.

Conches war ein richtiges Burgunderdorf mit einer einzigen Straße, in welche die große Chaussee überging; die Häuser waren teils aus Ziegeln, teils aus Fachwerk gebaut, boten aber einen jämmerlichen Anblick. Wenn man dort auf der Bezirksstraße von Ville-aux-Fayes anlangte, kam man von der Rückseite in das Dorf und es machte sich dann ganz hübsch. Zwischen der großen Chaussee und den Wäldern von Ronquerolles, welche die von Les Aigues fortsetzten und die Höhen krönten, lief ein kleiner Fluß, und einige recht gut gruppierte Häuser belebten die Landschaft. Kirche und Pfarrhaus bildeten eine abseits liegende Anlage und boten eine Aussicht auf das Gitter des Parks von Les Aigues, der sich bis nach dort hinzog. Vor der Kirche befand sich ein von Bäumen umgebener Platz, auf dem die Verschwörer des »Grand-I-Vert« die Gendarmerie erblickten, worauf sie ihre schnellen Schritte verdoppelten. In diesem Moment kamen drei Männer zu Pferde durch das nach Conches zu gelegene Tor, und die Bauern erkannten den General und seinen Diener mit Michaud, dem Hauptwächter, die sich im Galopp dem Platze näherten. Tonsard und seine Leute trafen dort einige Minuten nach ihnen ein. Die Missetäter, Männer und Frauen, hatten keinen Widerstand geleistet, sie standen alle zwischen den fünf Gendarmen von Soulanges und den fünfzehn anderen, die von Ville-aux-Fayes gekommen waren. Das ganze Dorf war dort versammelt. Kinder, Väter und Mütter der Gefangenen gingen und kamen und brachten ihnen, wessen sie für ihre Gefängniszeit bedurften. Einen ziemlich seltsamen Anblick bot diese ländliche Bevölkerung, die erbittert war, aber in fast völligem Schweigen verharrte, wie wenn sie einen Entschluß gefaßt hätte. Die alten und die jungen Weiber waren die einzigen, die redeten. Die Kinder, die kleinen Mädchen, waren auf die Holzzäune und Steinhaufen geklettert, um besser zu sehen.

»Sie haben ihre Zeit gut gewählt, diese Guillotinehusaren! Sie sind an einem Festtage gekommen . . .«

»Wie, Ihr laßt Euren Mann einfach so fortführen? Was soll aus Euch werden die drei Monate über, den besten des Jahres, wo es so hohen Tagelohn gibt?«

»Sie sind die Diebe! . . .« antwortete die Frau, die Gendarmen mit drohender Miene messend.

»Was fällt Euch denn ein, Alte, da so herum zu schimpfen,« sagte der Unteroffizier. »Wißt, daß Eure Sache schnell erledigt ist, wenn Ihr Euch herausnehmt, uns zu beleidigen.«

»Ich hab' nichts gesagt,« beeilte sich das Weib mit unterwürfiger und kläglicher Miene zu sagen.

»Ich hab' eben ein Schimpfwort gehört, das Euch übel bekommen könnte, wenn ich wollte.«

»He, Kinder, Ruhe!« sagte der Bürgermeister von Conches, welcher der Postmeister war; »zum Teufel, die Leute haben ihren Befehl, sie müssen gehorchen.«

»s' ist wahr, der Bourgeois von Les Aigues macht das alles . . . Doch Geduld! . . .«

In diesem Augenblick erschien der General auf dem Platz, und seine Ankunft erregte einiges Murren, das ihn jedoch sehr wenig beunruhigte.

Er ritt gerade auf den Gendarmerieleutnant von Ville-aux-Fayes los und händigte ihm, nachdem er einige Worte mit ihm geredet hatte, ein Papier aus. Der Offizier wandte sich an seine Leute und sagte zu ihnen:

»Laßt eure Gefangenen frei, der General hat ihre Begnadigung beim König erlangt.«

In diesem Augenblick sprach der General von Montcornet mit dem Bürgermeister von Conches. Doch nach einer Unterhaltung von wenigen Augenblicken, die mit leiser Stimme geführt wurde, wandte der sich den Missetätern zu, die im Gefängnis schlafen sollten und ganz erstaunt waren, daß sie frei sein sollten; er sagte zu ihnen: »Liebe Freunde, dankt dem Herrn Grafen; ihm verdankt ihr euern Strafnachlaß. Er hat in Paris um eure Begnadigung gebeten und sie anläßlich des Jahrestages der Rückkehr des Königs erhalten . . . Ich hoffe, daß ihr euch künftig einem Manne gegenüber, der sich so gut gegen euch erweist, besser aufführt und seine Besitzungen fortan respektiert . . . Es lebe der König!« Und die Bauern schrien begeistert: »Es lebe der König!« um nicht Es lebe der Graf von Montcornet rufen zu müssen.

Diese Szene war von dem General, in Einverständnis mit dem Präfekten und dem Oberstaatsanwalt politisch ersonnen worden; denn man hatte, bei aller Festigkeit, die man zeigte, um die lokalen Autoritäten anzutreiben und den aufrührerischen Geist auf dem Lande abzukühlen, Milde walten lassen wollen, – so heikel erschienen diese Fragen. Tatsächlich hätte der Widerstand, falls er stattgefunden haben würde, die Regierung in große Verlegenheit gebracht. Wie Laroche gesagt hatte, konnte man eine ganze Gemeinde nicht einfach köpfen.

Der General hatte den Bürgermeister von Conches, den Leutnant und den Unteroffizier zum Frühstück eingeladen. Die Verschwörer von Blangy blieben in Conches in der Schenke, wo die befreiten Missetäter das Geld, das sie für ihr Leben im Gefängnis bei sich hatten, in Getränke umsetzten. Und die Leute aus Blangy waren natürlich auch auf der Hochzeit; die Landleute gebrauchen das Wort ›Hochzeit‹ für alle Freudenfeste. Trinken, sich streiten, sich prügeln, essen und betrunken und krank nach Hause kommen, das heißt: ›Hochzeit machen‹.

Der Graf führte seine drei Gäste durch den Forst zurück, um ihnen die Spuren der dort angerichteten Schäden zu zeigen, damit sie sich ein Urteil über die Wichtigkeit dieser Frage bilden könnten.

Im Augenblick, da gegen Mittag Rigou nach Blangy zurückkam, beendigten der Graf, die Gräfin, Émile Blondet, der Gendarmerieleutnant, der Unteroffizier und der Bürgermeister von Conches ihr Frühstück in jenem prächtigen und prunkvollen Speisesaale, wo Bourets von Blondet in seinem Briefe an Nathan beschriebener Luxus sich übertroffen hatte.

»Das wäre jammerschade, einen solchen Aufenthalt aufgeben zu müssen,« sagte der Gendarmerieleutnant, der noch nie nach Les Aigues gekommen war, dem man alles gezeigt hatte, und der, durch einen Champagnerkelch blinzelnd, die wundervolle Lebendigkeit der nackten Nymphen bemerkt hatte, welche den Schleier des Plafonds hielten.

»Wir werden uns auch bis zum Tode verteidigen,« erklärte Blondet.

»Wenn ich das sage,« fuhr der Leutnant fort, seinen Unteroffizier anblickend, wie um ihm Stillschweigen anzubefehlen, »so tue ich es, weil des Generals Feinde nicht alle auf dem Lande wohnen . . .«

Der gute Leutnant war durch den Glanz des Frühstücks, durch das kostbare Geschirr, den kaiserlichen Luxus, der den Luxus des Opernmädchens ersetzte, gerührt, und Blondet hatte geistreiche Aeußerungen getan, die ihn eben so sehr anregten, wie die ritterlichen Toaste, die er ausbrachte.

»Wie kann ich Feinde haben?« fragte der General erstaunt.

»Er . . . der so gut ist . . .« fügte die Gräfin hinzu.

»Er ist mit unserem Bürgermeister, Monsieur Gaubertin, nicht gut auseinander gekommen und um hier in Ruhe zu hausen, müßte er sich mit ihm aussöhnen.«

»Mit ihm?« rief der General, »Sie wissen also nicht, daß mein ehemaliger Verwalter ein Spitzbube ist?«

»Er ist kein Spitzbube mehr,« erwiderte der Leutnant, »er ist der Bürgermeister von Ville-aux-Fayes.«

»Unser Leutnant hat Geist,« sagte Blondet, »es ist klar, daß ein Bürgermeister vor allem ein Ehrenmann ist.«

Als der Leutnant aus der Bemerkung des Grafen erkannte, daß es unmöglich war, ihn aufzuklären, setzte er die Unterhaltung über diesen Gegenstand nicht fort.

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