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Die Bauern

Honoré de Balzac: Die Bauern - Kapitel 15
Quellenangabe
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typefiction
authorHonoré de Balzac
titleDie Bauern
publisherGeorg Müller
seriesMenschliche Komödie
volumeSzenen aus dem Landleben
year1925
translatorPaul Hansmann
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
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Zweiter Teil

I

Die Erste Gesellschaft von Soulanges

Etwa sechs Kilometer von Blangy und in gleicher Entfernung von Ville-aux-Fayes erhebt sich amphitheatralisch auf einem Hügel, einer Abzweigung des langen Rückens, der parallel mit jenem läuft, an dessen Fuße die Avonne fließt, die kleine Stadt Soulanges, die vielleicht mit mehr Recht als Mentes »die Hübsche« genannt wird.

Am Fuße dieses Hügels breitet die Thune sich über einen Tonboden von einer Ausdehnung von etwa dreißig Hektar aus, an dessen Ende die auf zahlreichen Inselchen liegenden Mühlen von Soulanges eine so reizvolle Anlage bilden, wie sie ein Gartenarchitekt nur hätte erfinden können. Nachdem sie den Park von Soulanges bespült hat, wo sie schöne Wasserläufe und künstliche Seen speist, ergießt die Thune sich durch einen prächtigen Kanal in die Avonne.

Das unter Ludwig XIV. nach Mansards Plänen wieder aufgebaute Schloß von Soulanges – eines der schönsten in Burgund – ist mit der Front gegen die Stadt hin gerichtet. So bieten sich Soulanges und das Schloß gegenseitig einen ebenso glänzenden wie anmutigen Anblick. Die Kantonalstraße zieht sich zwischen der Stadt und dem von der Landesbevölkerung von Soulanges ein wenig allzu prunkhaft »See« genannten Teich hin.

Die kleine Stadt bildet eine jener natürlichen Kompositionen, die in Frankreich so überaus selten sind, wo Anmutiges dieser Art überhaupt fehlt.

Dort werdet ihr in der Tat die Anmut der Schweiz, wie Blondet in seinem Briefe schrieb, die Anmut der Neufchâteler Gegend wiederfinden. Heitere Weinberge, die einen Gürtel um Soulanges bilden, vervollständigen diese Aehnlichkeit, nur der Jura und die Alpen fehlen; die Straßen, die übereinander am Hügel liegen, haben wenig Häuser, denn sie sind alle von Gärten umgeben, welche die in den großen Städten so seltenen grünen Flecken bilden. Die blauen oder roten Dächer inmitten von Blumen, Bäumen und buschigen Terrassen bieten mannigfache und überaus harmonische Anblicke.

Die Kirche, eine ehrwürdige, mittelalterliche, dank der Munifizenz der Herren von Soulanges, aus Haustein erbaute Kirche – diese hatten sich anfangs eine Kapelle beim Chor, später eine unterirdische Kapelle, ihre Begräbnisstätte, vorbehalten – zeigt wie die von Longjumeau als Portal einen mächtigen reich verzierten und mit Statuetten geschmückten Bogen, der von zwei in Spitzen auslaufenden Nischenpfeilern flankiert wird. Dies in kleinen Kirchen des Mittelalters, welche der Zufall vor den Zerstörungen des Kalvinismus bewahrt hat, wiederholte Portal, ist von einem Triglyph gekrönt, auf dem sich eine in Stein gehauene Jungfrau mit dem Jesuskinde erhebt. Die unteren Seiten setzen sich außen aus fünf massiven Bögen zusammen, die mit Maßwerk übersponnen sind und durch Fenster erhellt werden. Die Chorhaube stützt sich auf einer Kathedrale würdige Strebepfeiler. Der Glockenturm, der sich in einem der Kreuzarme befindet, ist ein viereckiger, von einem Kampanile überragter Turm. Die Kirche sieht man schon von weitem; denn sie liegt hoch auf dem Hauptplatze, unter dem sich die Straße hinzieht.

Der ziemlich ausgedehnte Platz wird von originellen Bauwerken, die alle aus verschiedenen Epochen stammen, eingefaßt. Sehr viele, halb aus Holz, halb aus Ziegeln gebaut, deren Balkenwerk eine Schieferverkleidung zeigt, reichen ins Mittelalter zurück. Andere, aus Steinen und mit Balkons, weisen jenen unseren Vorfahren so lieben Giebel auf, der aus dem zwölften Jahrhundert stammt. Mehrere ziehen den Blick durch jene vorspringenden Balken mit grotesken Figuren auf sich, deren Ausladung ein Schutzdach bildet, und die an die Zeit erinnern, wo die Bourgeoisie nur Handel trieb. Das prächtigste ist das alte Justizamt, ein Haus mit geschnitzter Fassade, das in einer Front mit der Kirche steht, zu der es wundervoll stimmt. Als es auf Befehl der Nation verkauft wurde, erstand es die Gemeinde, die es als Bürgermeisterei benutzte und dort das Friedensgericht unterbrachte, wo damals Monsieur Sarcus seit der Einrichtung des Friedensrichters seinen Sitz hatte.

Dieser oberflächliche Plan gestattet uns, uns den Soulanger Marktplatz vorzustellen, der in seiner Mitte von einem reizenden Brunnen geschmückt wird, welcher 1520 von dem Marschall von Soulanges aus Italien mitgebracht worden war, und der einer großen Hauptstadt nicht zur Unehre gereichen würde. Ein beständig sprudelnder, von einer oben auf dem Hügel befindlichen Quelle gespeister Wasserstrahl wird durch vier Amoretten aus weißem Marmor verteilt, die Muscheln halten und von einem Traubenkorbe gekrönt werden.

Gebildete Reisende, die hier durchkommen, wenn nach Blondet wieder jemals einer durchkommt, werden hier jenen durch Molière und das spanische Theater berühmt gewordenen Platz wiedererkennen, der so lange auf der französischen Bühne vorgeherrscht hat und der immer beweisen wird, daß die Komödie in den warmen Ländern entstanden ist, wo sich das Leben auf dem Marktplatze abspielt. Der Soulanger Marktplatz erinnert um so mehr an diesen klassischen Platz, der sich stets auf allen Theatern gleich bleibt, als die beiden ersten Straßen, die ihn genau in der Höhe des Springbrunnens schneiden, die Kulissen bilden, welche für die Herrn und Diener, damit sie sich begegnen oder fliehen können, so nötig sind. An der Ecke der einen dieser Straßen, die Rue de la Fontaine heißt, glänzt Maître Lupins Schild. Das Haus Sarcus, das Haus des Steuereinnehmers Guerbet, das Brunets, das des Registrators Gourdon und seines Bruders, des Arztes, das des alten Monsieur Gendrin-Vattebled, des Forst- und Wassermeisters, all diese, von ihren Besitzern, die den Beinamen ihres Städtchens ernst nehmen, sehr sauber gehaltenen Häuser liegen in der Umgebung des Platzes, des aristokratischen Stadtteils von Soulanges.

Madame Soudrys Haus – denn die kraftvolle Individualität von Mademoiselle Laguerres alter Kammerfrau hatte das Haupt des Gemeinwesens absorbiert – ein völlig modernes Haus, war von einem reichen, aus Soulanges gebürtigen Weinhändler gebaut worden, der, nachdem er sich in Paris ein Vermögen erworben hatte, 1793 zurückkam, um Getreide für seine Vaterstadt zu kaufen. Er wurde dort vom Pöbel, der durch das Geschrei eines elenden Maurers, Godains Onkel, aufgewiegelt worden war, mit dem er seines prunkvollen Baues wegen Schwierigkeiten gehabt hatte, als Kornwucherer erschlagen.

Die Liquidation dieser Erbschaft, um die zwischen den Seitenverwandten heftig gestritten wurde, zog sich so lange hin, daß Soudry, bei seiner Rückkehr nach Soulanges 1783, den Weinhändlerpalast für tausend Taler in klingender Münze kaufen konnte. Anfangs vermietete er ihn an das Departement zur Unterbringung der Gendarmerie. 1811 widersetzte sich Mademoiselle Cochet, die Soudry in allen Dingen um Rat fragte, der Erneuerung des Pachtvertrages, da sie das Haus »im Konkubinat mit einer Kaserne«, wie sie sich ausdrückte, unbewohnbar fand. Vom Departement unterstützt, baute die Stadt Soulanges damals in einer Seitenstraße beim Bürgermeisteramt ein eigenes Gebäude für die Gendarmerie.

Das einstöckige Haus mit einem durch Mansarden unterbrochenen Dache blickte mit drei Fronten in die Landschaft: eine auf den Platz, die andere auf den See und die dritte auf den Garten. Die vierte Seite geht auf einen Hof, der die Soudry vom Nachbarhause trennt, welches von einem Krämer namens Wattebled bewohnt wird, einem Angehörigen der zweiten Gesellschaft, dem Vater der schönen Madame Plissoud, von der bald die Rede sein soll.

Alle kleinen Städte haben eine schöne Frau, wie sie einen Socquard und ein Café de la Paix besitzen.

Man errät, daß die Fassade nach dem See hin von einer kleinen Garten-Terrasse von mäßiger Höhe eingefaßt wird, die in einer steinernen Balustrade endigt und sich an der Bezirksstraße entlang zieht. Man steigt von dieser Terrasse auf einer Treppe in den Garten hinab. Auf jeder der Treppenstufen stehen ein Orangenbaum, ein Granatbaum, eine Myrte und andere Zierbäume, die am Ende des Gartens ein Gewächshaus nötig machen, das Madame Soudry hartnäckig eine »Orangerie« nennt.

Vom Platz aus gelangt man auf einer Freitreppe von mehreren Stufen in das Haus. Der Gewohnheit kleiner Städte gemäß wird der Torweg, der für die Hofarbeit, das Pferd des Herrn und für außergewöhnliche Besuche dient, selten aufgemacht. Die Bekannten, die alle zu Fuß kommen, benutzen die Freitreppe.

Der Stil des Hotels Soudry ist nüchtern, die Steinlagen sind durch schmale, rinnenartige Streifen angedeutet, die Fenster sind abwechselnd von flachem und kräftigem Simswerk eingefaßt, in der Art jener der Pavillons Gabriel und Perronnet auf der Place Louis XV. In einer so kleinen Stadt verleihen solche Verzierungen diesem berühmt gewordenen Hause ein monumentales Aussehen.

Gegenüber, an der anderen Ecke des Platzes, befindet sich das berühmte Café de la Paix, dessen Eigentümlichkeiten, vor allem sein zauberhaftes Tivoli, später weniger gedrängt geschildert werden sollen als die des Hauses Soudry.

Rigou kam sehr selten nach Soulanges; denn jedermann begab sich zu ihm; der Notar Lupin wie Gaubertin, Soudry wie Gendrin, so sehr fürchtete man ihn. Aber man wird aus der hier notwendigen Skizze der Leute, von denen man hierzulande sagte »Das ist die erste Gesellschaft von Soulanges«, ersehen, daß jeder gebildete Mann, wie der Exbenediktiner einer war, Rigous Zurückhaltung nachgeahmt haben würde.

Von all diesen Gestalten war die originellste, das werdet ihr ja wohl ahnen, Madame Soudry, deren Persönlichkeit, um gut wiedergegeben zu werden, aller Genauigkeit des Pinsels bedarf.

Madame Soudry erlaubte sich, Mademoiselle Laguerre nachahmend, ein bischen Rot aufzulegen. Dieser leichte Anflug aber hatte sich durch die Macht der Gewohnheit in zinnoberrote Flecken verwandelt, die von unseren Vorfahren so malerisch »Wagenräder« genannt wurden. Da die Gesichtsrunzeln immer tiefer wurden und sich vervielfachten, hatte die Bürgermeisterin sich eingebildet, sie mit Schminke ausfüllen zu können. Ihre Stirn wurde auch zu gelb; und da ihre Schläfen zu glänzen anfingen, legte sie Weiß auf und stellte die Adern der Jugend durch leichte blaue Netze dar. Diese Malerei verlieh ihren schon schelmischen Augen eine übermäßige Lebhaftigkeit, so daß Fremden ihre Maske mehr als bizarr erschienen wäre; doch Ihre an diesen falschen Glanz gewöhnte Gesellschaft fand Madame Soudry sehr schön.

Dies immer ausgeschnitten gehende, ungeschlachte Frauenzimmer zeigte ihren Rücken und ihren Busen, die beide durch dieselben Prozeduren, denen sie ihr Gesicht unterzog, weiß gemacht und angestrichen waren. Glücklicherweise verschleierte sie aber unter dem Vorwande, Freude an kostbaren Spitzen zu haben, diese chemischen Produkte zur Hälfte. Stets trug sie eine Schnürbrust, deren Spitze sehr weit herunter reichte und die überall mit Schleifen besetzt war, selbst an der Spitze! . . . Ihr Rock gab knisternde Töne von sich, ein solcher Ueberfluß von Seide und Falbeln war dafür aufgewandt.

Dieser unnütze Punkt, der das binnen kurzem unerklärliche Wort atours rechtfertigt, bestand am heutigen Abend aus kostbarem Seidendamast. Madame Soudry besaß hundert Kleider, eins wundervoller als das andere, denn sie stammten alle aus Mademoiselle Laguerres ungeheurer und glänzender Garderobe, und waren alle von ihr selbst nach der neuesten Mode von 1808 umgeändert worden. Die Haare ihrer blonden, gekräuselten und gepuderten Perücke schienen ihre herrliche Schleifenhaube aus kirschrotem Atlas, der mit den Bändern ihrer Garnituren übereinstimmte, noch wirkungsvoller zu machen.

Wenn ihr euch unter dieser überkoketten Haube ein Meerkatzengesicht von monströser Häßlichkeit vorstellen wollt, dessen Stumpfnase, die fleischlos ist wie die des Todes, durch einen breiten Rand bärtigen Fleisches von einem Munde mit einem falschen Gebiß getrennt ist, in welchem die Töne sich verfangen wie in Jagdhörnern, so werdet ihr schwerlich begreifen, warum die erste Gesellschaft der Stadt, kurz, ganz Soulanges, diese Quasikönigin schön fand, außer wenn ihr euch der kurzen Abhandlung ex professo erinnert, welche jüngst eine der geistreichsten Frauen unserer Zeit über die Kunst, sich in Paris durch die Requisiten; mit denen man sich dort umgibt, schön zu machen, geschrieben hat. Tatsächlich lebte Madame Soudry erstens inmitten der prachtvollen Geschenke, die sie bei ihrer Gebieterin aufgehäuft hatte, und die der Exbenediktiner »fructus belli« nannte. Dann zog sie aus ihrer Häßlichkeit Nutzen, indem sie sie übertrieb, indem sie sich jene Miene, jenen Anstrich gab, den man nur in Paris anzunehmen weiß, und der das Geheimnis auch der vulgärsten Pariserin bleibt, die stets mehr oder weniger äffisch ist. Sie schnürte sich stark, trug eine ungeheure Tournüre, hatte Diamantohrringe, und ihre Finger starrten von Ringen. Endlich blitzte oben auf ihrem Ausschnitt zwischen zwei unförmigen Massen, die mit weißer Schminke überzogen waren, ein Maikäfer, der aus zwei Topasen und einem Diamantkopf bestand, ein Geschenk der lieben Herrin, von dem man im ganzen Bezirke sprach.

Wie ihre verstorbene Herrin ging sie stets mit bloßen Armen und hantierte mit einem von Boucher gemalten Elfenbeinfächer herum, dessen Knöpfe zwei kleine Rosen bildeten.

Wenn Madame Soudry ausging, hielt sie den veritablen Sonnenschirm des XVIII. Jahrhunderts, das heißt, ein Rohr, an dessen Spitze sich ein kleiner grüner Schattenspender mit grünen Fransen auftat, über sich. Wenn sie sich oben auf der Terrasse erging, würde ein sie von weitem betrachtender Vorübergehender geglaubt haben, eine Watteausche Gestalt dahinwandeln zu sehen.

In dem mit rotem Damast ausgeschlagenen Salon, dessen Damastvorhänge mit weißer Seite gefüttert waren und dessen Kamin mit Chinoiserien der guten Zeit Ludwigs XV. geschmückt war, in diesem Salon, voller Möbel aus vergoldetem Holz mit Bocksfüßen, fand man es begreiflich, daß die Leute von Soulanges von der Hausherrin sagen konnten: »Die schöne Madame Soudry!« So war das Hôtel das nationale Vorurteil der Bezirkshauptstadt geworden.

Wenn die erste Gesellschaft dieser kleinen Stadt in ihr seine Königin sah, so glaubte ihre Königin gleichfalls an sich selbst. Durch ein Phänomen, das nicht selten ist und das Muttereitelkeit wie Autoreneitelkeit in jedem Augenblick sich vor unseren Augen bei literarischen Werken wie bei heiratsfähigen Töchtern vollziehen läßt, hatte die Cochet sich in sieben Jahren so gut in die Rolle der Frau Bürgermeister hineingefunden, daß die Soudry sich nicht nur nicht mehr ihres ersten Standes erinnerte, sondern auch eine »Frau comme il faut« zu sein wähnte. Sie hatte sich der Kopfbewegungen, der Falsettöne, der Gesten und des Wesens ihrer Herrin so gut erinnert, daß sie mit ihrer opulenten Existenz auch ihre Impertinenz wiederfand. Sie kannte ihr XVIII. Jahrhundert, die Anekdoten der hohen Herren und deren Verwandtschaften in- und auswendig. Diese Vorzimmergelehrsamkeit ließ sie eine Unterhaltung führen, die nach Wartezimmer roch. Dort aber galt ihr Soubrettenwitz als gediegener Verstand. Was die Moral anlangte, so bestand die Bürgermeisterin, wenn ihr wollt, aus Straß; gilt Straß aber den Wilden nicht ebensoviel wie der Diamant? Diese Frau hörte sich, wie ehedem ihre Herrin, schmeicheln und vergöttern von den Leuten der Gesellschaft, die alle acht Tage ein Diner bei ihr fanden und, wenn sie im Augenblicke des Nachtisches ankamen, was zufällig ziemlich oft geschah, Kaffee und Liköre. Kein Frauenhirn hätte der erheiternden Macht dieser ständigen Beweihräucherung zu widerstehen vermocht. Zur Winterzeit füllte sich der gut gewärmte, im Kerzenglanz strahlende Salon mit den reichsten Bürgern, welche die feinen Liköre und die aus dem Keller der teuren Herrin stammenden erlesenen Weine mit Lobsprüchen bezahlten. Die Stammgäste und ihre Frauen, wahre Nutznießer dieses Prunks, sparten auf die Weise Feuerung und Licht. Und wißt ihr, was auf fünf Meilen in der Runde und selbst in Ville-aux-Fayes proklamiert wurde?

»Madame Soudry macht wunderbar die Honneurs bei sich,« sagte man, wenn man die Honoratioren des Bezirks Revue passieren ließ; »sie hält offenes Haus, man ist herrlich aufgehoben bei ihr. Sie macht die Wirtin, wie ihr Vermögen es verlangt. Sie ist immer zum Scherzen aufgelegt. Und welch schönes Silber! Solch ein Haus gibt's nur noch in Paris! . . .«

Das von Bouret Mademoiselle Laguerre geschenkte Silberzeug, prachtvolles Silbergerät von dem berühmten Germain, war von der Soudry buchstäblich gestohlen worden. Bei Mademoiselle Laguerres Tode hatte sie es ganz einfach in ihr Zimmer gebracht, und dies Silberzeug konnte von den Erben, die von den Werten der Erbschaft keine Ahnung hatten, nicht reklamiert werden.

Seit einiger Zeit sprachen die zwölf oder fünfzehn Leute, welche die erste Gesellschaft von Soulanges repräsentierten, von Madame Soudry als von Mademoiselle Laguerres vertrauter Freundin; sie schreckten vor dem Wort Kammerfrau zurück und behaupteten, sie hätte sich der Sängerin aufgeopfert, indem sie sich zur Gesellschafterin der großen Sängerin gemacht.

Seltsam aber wahr! All diese Illusionen, die Wirklichkeiten geworden waren, pflanzten sich bei Madame Soudry bis in die positiven Regionen des Herzens fort: sie herrschte tyrannisch über ihren Ehemann.

Der alte Gendarm, gezwungen eine Frau zu lieben, die zehn Jahre älter war als er, und die über die Verwaltung ihres Vermögens wachte, bestärkte sie in den Vorstellungen, die sie sich schließlich von ihrer Schönheit machte. Wenn man ihn beneidete, wenn man mit ihm von seinem Glücke sprach, wünschte der Gendarm nichtsdestoweniger manchmal, daß man an seiner Stelle wäre; denn, um seine Seitensprünge zu vertuschen, ergriff er Vorsichtsmaßregeln, wie man sie einer jungen angebeteten Frau gegenüber ersinnt, und er hatte erst seit einigen Tagen eine hübsche Magd ins Haus bringen können.

Das Porträt dieser Königin ist etwas grotesk, aber man konnte damals noch mehrere solche Exemplare in der Provinz antreffen, die einen mehr oder minder vornehm, die anderen der Hochfinanz angehörig, – Beweis eine Generalpächterswitwe, die sich in der Touraine noch Kalbfleischscheiben auf die Wangen legte. – Dieses nach der Natur gemalte Porträt würde aber unvollständig sein ohne die Brillanten, in die es eingefaßt ist und ohne die hauptsächlichen Höflinge. Deren Skizzierung ist notwendig, und wäre es nur, um zu erklären, wie furchtbar solche Liliputaner, und wie inmitten der kleinen Städte die Organe der öffentlichen Meinung beschaffen sind. Man täusche sich nicht; es gibt Oertlichkeiten, die, ähnlich wie Soulanges, ohne Marktflecken, Dorf oder kleine Stadt zu sein, der Stadt, dem Dorf und dem Marktflecken ähneln. Die Physiognomien der Bewohner sind ganz anders wie inmitten guter, reicher und schlimmer Provinzstädte; das Landleben beeinflußt dort die Sitten, und diese Farbenmischung bringt wirklich originelle Figuren hervor.

Nach Madame Soudry war der Notar Lupin, der Geschäftsträger des Hauses Soulanges, die gewichtigste Persönlichkeit; denn es hat keinen Zweck, von dem alten Gendrin-Wattebled, dem Oberförster, einem Neunzigjährigen, zu sprechen, der im Absterben begriffen war und seit Madame Soudrys Ankunft zu Hause blieb. Nachdem er über Soulanges als ein Mann geherrscht, der sich seiner Stellung seit Ludwigs XV. Regierung erfreut hatte, sprach er in seinen lichten Augenblicken aber noch von der Jurisdiktion des Marmortisches.

Obwohl er fünfundvierzig Lenze zählte, sang Lupin, der dank dem Embonpoint, das Stubenhocker sich unvermeidlich zulegen, frisch und rosig war, noch Romanzen: auch behielt er den gewählten Anzug der Salonsänger bei. Mit seinen sorgfältig geputzten Stiefeln, seinen schwefelgelben Westen, engen Ueberröcken, seinen prunkvollen Seidenkrawatten, seinen modischen Beinkleidern, erschien er fast ein Pariser. Er ließ sich seine Haare vom Soulanger Friseur, der Stadtklatsche, frisieren und behauptete sich in dem Rufe eines Frauenlieblings dank seines Verhältnisses mit Madame Sarcus, Sarcus le Riches Frau, die ohne Frage in seinem Leben das bedeutete, was für Napoleon der italienische Feldzug war. Er allein reiste nach Paris, wo er bei den Soulanges empfangen wurde. Auch würdet ihr die Ueberlegenheit, die er in seiner Eigenschaft als Geck und Richter in allen Angelegenheiten der Eleganz sich anmaßte, nur erraten haben, wenn ihr ihn hättet reden hören. Für alle Dinge hatte er nur ein einziges Wort mit drei verschiedenen Anwendungsweisen, das Künstlerwort: Schwarte und schwartenmäßig. Ein Mann, ein Möbel, ein Weib, konnten eine Schwarte sein; bei größerer Plumpheit und Mangelhaftigkeit eine Mordsschwarte, endlich als Superlativ ein Ungetüm von einer Schwarte! Ungetüm von einer Schwarte war das »Gibt's ja gar nicht« der Künstler, das Uebermaß der Verachtung. Bei Schwarte war ein Entschwarten möglich, Mordsschwarte war hoffnungslos; bei Untier von Schwarte, o! da wäre es besser gewesen, nie aus dem Nichts hervorgegangen zu sein! Was Lobsprüche anlangte, so begnügte er sich mit der Verdoppelung des Wortes reizend! »Das ist reizend«, war der erste Grad seiner Bewunderung. »Reizend, reizend«, der zweite; aber »reizend, reizend, reizend«, da gab es nichts Höheres, da war der Himmel der Vollendung erreicht.

Der Gerichtsschreiber, denn er nannte sich selber, sich durch Spott über seinen Stand stellend, Gerichtsschreiber, Aktendeckel, Winkelnotar; der Gerichtsschreiber bewegte sich der Frau Bürgermeister gegenüber, die eine Schwäche für Lupin fühlte, obwohl er blond war und Augengläser trug, in den Grenzen einer Galanterie, die bei Worten stehen blieb. Die Cochet hatte immer nur brünette, schnurrbärtige Männer mit Halbmonden auf den Fingernägeln, kurz, Herkulesse geliebt. Lupin gegenüber machte sie auf Grund seiner Eleganz eine Ausnahme, und überdies dachte sie, daß ihr Triumph in Soulanges mit einem Anbeter nicht vollkommen sein würde; nichtsdestoweniger wagten zu Soudrys größtem Kummer die Anbeter der Königin ihrer Anbetung keine ehebrecherische Form zu geben.

Der Gerichtsschreiber hatte einen hohen Bariton; er probierte ihn manchmal in den Kaminecken oder auf der Terrasse. Es war das eine Art, sein Geselligkeitstalent in Erinnerung zu bringen, eine Klippe, an der alle Menschen mit gesellschaftlichen Talenten, leider selbst Leute von Genie, scheitern.

Lupin hatte eine Erbin in Holzpantinen und blauen Strümpfen geheiratet, die einzige Tochter eines Salzhändlers, der in der Revolution reich geworden war, einer Zeit, in welcher die falschen Salzsieder dank der Reaktion, die sich gegen die Salzsteuern geltend machte, ungeheure Gewinnste einheimsten. Klugerweise ließ er seine Frau zu Hause, wo Bébelle durch eine platonische Liebe zu einem sehr schönen ersten Schreiber festgehalten wurde. Dieser, ein gewisser Bonnac, hatte kein anderes Vermögen als seine Bezüge und spielte in der zweiten Gesellschaft dieselbe Rolle wie sein Herr in der ersten.

Madame Lupin, ein Weib ohne jede Erziehung, erschien nur an hohen Festtagen in der Form einer in Sammet gekleideten ungeheuren burgundischen Pfeife, überragt von einem kleinen Kopf, der zwischen Schultern von einem zweifelhaften Ton steckte. Keine Maßnahme konnte die Kreislinie des Gürtels an ihrem natürlichen Platze festhalten. Ganz naiv gestand Bébelle, daß die Klugheit ihr Korsetts zu tragen verböte. Kurz, keine dichterische oder besser, erfinderische Einbildungskraft würde an Bébelles Rücken eine Spur von der verführerischen Biegung haben entdecken können, welche dort die Wirbelknochen bei allen Frauen, die Frauen sind, hervorrufen.

Rund wie eine Schildkröte, gehörte Bébelle zu den wirbellosen weiblichen Tieren. Diese erschreckliche Entwicklung des Zellengewebes beruhigte Lupin zweifelsohne sehr über die kleine Leidenschaft der dicken Bébelle, die er unverfroren Bébelle (Püppchen) nannte, ohne daß jemand lachte.

»Und was ist Ihre Frau?« fragte ihn eines Tages Sarcus le Riche, der das Wort Untier von Schwarte nicht verdauen konnte, das Lupin einem Stück Möbel gegenüber anwandte, das jener billig erstanden hatte.

»Meine Frau ist nicht wie die Ihrige, sie ist noch nicht definiert,« antwortete er.

Lupin verbarg unter seiner derben Hülle einen durchtriebenen Geist; er besaß den gesunden Menschenverstand, sich über sein Vermögen, das mindestens ebenso beträchtlich war wie das Rigous, auszuschweigen.

Monsieur Lupins Sohn Amaury war der ganze Schmerz seines Vaters. Dieser einzige Sohn, einer der Don Juans des Tals, weigerte sich, den väterlichen Beruf zu ergreifen; er nutzte sein Vorrecht als einziger Sohn aus, indem er die Kasse tüchtig schröpfte, ohne jemals seines Vaters Nachsicht zu erschöpfen, der bei jedem Streiche erklärte: »Ich hab's doch ebenso gemacht!«

Amaury kam nie zu Madame Soudry, die ihn »langweilte«; denn sie hatte, in Erinnerung an ihre Kammerfrauenschaft, versucht, die Erziehung des jungen Mannes zu übernehmen, den seine Vergnügungen an das Billard des Café de la Paix führten. Er trieb sich dort in der schlechten Soulanger Gesellschaft und sogar in der der Bonnébaults herum. Er flegelte sich dort herum (ein Wort Madame Soudrys) und antwortete auf seines Vaters Vorwürfe mit dem ewigen Refrain: »Schicken Sie mich nach Paris zurück, ich langweile mich hier.«

Lupin endigte, ach, wie alle »Beaux« bei einer fast ehelichen Anhänglichkeit. Seine stadtbekannte Liebste war die Frau des zweiten Gerichtsdieners des Friedensgerichts, Madame Euphémie Plissoud, vor der er keine Geheimnisse hatte. Die schöne Madame Plissoud, eine Tochter des Krämers Wattebled, herrschte in der zweiten Gesellschaft wie Madame Soudry in der ersten. Dieser Plissoud, Brunets unglücklicher Konkurrent, gehörte also der zweiten Soulanger Gesellschaft an; denn die Aufführung seiner Frau, die er, wie man sagte, guthieß, trug ihm die Verachtung der ersten ein.

Wenn Lupin der Musiker der ersten Gesellschaft war, so war Monsieur Gourdon, der Arzt, ihr Gelehrter . . . Es hieß von ihm: »Wir haben hier einen Gelehrten von größter Bedeutung.« So wie Madame Soudry (die sich darauf verstand, weil sie des Morgens Piccini und Gluck bei ihrer Herrin eingeführt und Mademoiselle Laguerre in der Oper angekleidet hatte) alle Welt, selbst Lupin versicherte, er würde sein Glück mit seiner Stimme gemacht haben, so bedauerte sie auch, daß der Arzt nichts von seinen Ideen veröffentlichte.

Monsieur Gourdon wiederholte ganz einfach Buffons und Cuviers Gedanken über die Erdkugel, was ihn schwerlich in den Augen der Soulanger als Gelehrten hinstellen konnte; aber er legte eine Muschelsammlung und ein Herbarium an, er verstand Vögel auszustopfen, kurz, er trachtete nach dem Ruhm, der Stadt Soulanges ein Naturalienkabinet zu vermachen: seitdem galt er im ganzen Bezirk für einen großen Naturforscher, für Buffons Nachfolger. Der Arzt, der einem Genfer Bankier ähnelte, denn er besaß die Pedanterie, den nüchternen Verstand und die puritanische Sauberkeit eines solchen, ohne aber dessen Geld und kalkulierenden Geist zu haben, zeigte mit übermäßiger Liebenswürdigkeit das berühmte Kabinet, das aus einem Bären und einem Murmeltier, die auf der Durchreise in Soulanges verendet waren, aus allen Nagetieren des Bezirks, großen Feldmäusen, Spitzmäusen, Hausmäusen, Ratten etc., aus allen seltenen, in Burgund getöteten Tieren bestand, unter denen ein Alpenadler, der im Jura erbeutet worden war, hervorstach. Gourdon besaß eine Kollektion Lepidopteren, ein Wort, das auf Monstrositäten hoffen ließ, und das, wenn man sie sah, den Ausruf zur Folge hatte: »Aber das sind ja Schmetterlinge!« Ferner eine schöne Menge fossiler Muscheln, die aus Sammlungen einiger seiner Freunde stammten, die ihm beim Tode ihre Muscheln vermacht hatten, und endlich aus den Mineralien Burgunds und des Jura.

Diese in Glasschränken, deren Auszugsschubladen eine Insektensammlung enthielten, untergebrachten Schätze nahmen das ganze erste Stockwerk des Gourdonschen Hauses ein und erzeugten eine gewisse Wirkung durch die Seltsamkeit der Etiketten, durch den Zauber der Farben und die Vereinigung so vieler Gegenstände, denen man nicht die mindeste Aufmerksamkeit schenkt, wenn man ihnen in der Natur begegnet, und die man hinter Glas bewundert. Man machte einen Tag fest aus, um Monsieur Gourdons Kabinet zu besichtigen.

»Ich besitze«, sagte er zu den Interessenten, »fünfhundert Gegenstände der Ornithologie, zweihundert Mammiferen, fünftausend Insekten, dreihundert Muscheln und siebenhundert mineralogische Objekte!«

»Welch eine Geduld haben Sie besessen!« erklärten ihm die Damen.

Und er zog einen ungeheuren Nutzen aus seinen Gerippen durch folgende Phrase:

»Ich habe alles testamentarisch der Stadt vermacht.«

Und die Besucher bewunderten seine »Philanthropie« Man sprach davon, die ganze zweite Etage der Bürgermeisterei nach des Arztes Tode dem »Museum Gourdon« zu weihen.

»Ich rechne auf die Dankbarkeit meiner Mitbürger und hoffe, daß man meinen Namen dort anbringt,« antwortete er auf diesen Vorschlag, »denn ich wage mir nicht zu schmeicheln, daß man meine Marmorbüste aufstellt!«

»Wieso nicht? Das würde doch das Mindeste sein, was man für Sie tun kann,« entgegnete man ihm. »Sind Sie nicht der Ruhm von Soulanges?«

Und dieser Mann hielt sich schließlich für eine der Berühmtheiten Burgunds; die solidesten Renten sind nicht die Staatsrenten, sondern jene, die man sich selber in seiner Eigenliebe schafft.

Der Gelehrte war, um Lupins grammatikalisches System anzuwenden, glücklich, glücklich, glücklich!

Der Kanzlist Gourdon, ein kleiner verschlagener Mann, dessen sämtliche Züge sich um den Hals herum konzentrierten, so daß die Nase der Ausgangspunkt der Stirn, der Wangen und des Mundes zu sein schien, die damit zusammenhingen, wie die Schluchten eines Gebirges alle am Gipfel entspringen, dieser Kanzlist galt für einen der großen Dichter Burgunds; »er ist ein Piron«, hieß es.

Das doppelte Verdienst der beiden Brüder bewirkte, daß man in der Bezirkshauptstadt von ihnen erklärte: »Wir haben die beiden Brüder Gourdon in Soulanges, zwei sehr distinguierte Herren, zwei Männer, die ihren Platz in Paris wohl behaupten würden.«

Da er ein außerordentlich guter Ballspieler war, so erzeugte die Manie des Ballspiels bei dem Kanzlisten eine andere Manie, nämlich die, dieses Spiel, welches im 18. Jahrhundert Furore machte, zu besingen. Bei den Mediokraten treten Manien oft paarweise auf. Der junge Gourdon kam mit seinem Gedichte unter Napoleons Herrschaft nieder. Soll ich euch sagen, welcher unverdorbenen und verständigen Schule er angehörte? Luce de Lancival, Parny, Saint-Lambert, Roucher, Vigée, Andrieux, Berchoux waren seine Heroen. Delille war sein Gott bis zu dem Tage, wo die erste Gesellschaft von Soulanges die Frage aufwarf, ob Gourdon nicht Delille übertreffe, den der Kanzlist seitdem stets mit übertriebener Höflichkeit den Herrn Abbé Delille nannte.

Die zwischen 1780 und 1814 entstandenen Gedichte wurden nach gleichem Muster geschnitten, und das über das Ballspiel wird sie alle explizieren. Sie hatten etwas von einer Kraftleistung. Boileaus Lutrin ist der Saturn dieser verkümmerten Generation tändelnder Gedichte, die alle etwa aus vier Gesängen bestehen; denn es bis auf sechs zu bringen, das hatte man eingesehen, hieße den Stoff zu Tode reiten.

Gourdons Gedicht hieß »die Bilboquéide« und richtete sich nach der Poetik jener Provinzdichtungen, die in ihren identischen Regeln unveränderlich sind. Im ersten Gesange enthalten sie die Beschreibung des besungenen Gegenstandes, indem sie wie bei Gourdon mit einer Anrufung beginnen, deren Modell folgendes ist:

Das schöne Spiel besing' ich, das die Narr'n und Weisen,
Die Großen, Kleinen (jedem Alter ziemt es) preisen;
Wo mit dem runden Schlagholz in geschickten Händen
Den aufgeworfnen Ball wir durch die Lüfte senden.
Reizvolles Spiel, du Kürzer aller langen Stunden,
Froh wäre Palamedes, hätt' er dich erfunden!
O Muse du des Spiels, der Liebe, Freude, komm,
Komm in mein Haus, wo ich der Themis diene fromm,
Auf Staatspapier die Silben aneinanderreihend,
Entzücke mich . . .

Nachdem er das Spiel definiert, die schönsten bekannten Ballspiele beschrieben und erklärt, in wieweit es einst dem Geschäft des »Grünen Affen« und anderen Kunstdrechslern auf die Beine geholfen hat; endlich, nachdem er dargelegt, wie das Spiel die Statik zum Gegenstand habe, endigte Gourdon seinen ersten Gesang mit folgendem Schluß, der euch an den Schluß des ersten Gesangs all dieser Gedichte erinnern wird:

So haben denn die Künste, selbst die Wissenschaft
Zu ihrem Frommen ausgenutzt ein frohes Spiel,
Das anfangs war nur des Vergnügens loses Ziel.

Der zweite Gesang, wie immer dazu bestimmt, zu schildern, in welcher Weise man sich des Gegenstandes bedienen, welchen Vorteil man aus ihm, bei Frauen und in der Welt, ziehen kann, wird von Freunden dieser weisen Literatur dank folgender Zitation vollkommen erraten, die den Spieler schildert, der seine Uebungen vor den Augen des geliebten Gegenstandes macht:

Seht jenen Spieler aus der Menge Scharen ragen
Und nach dem Elfenbeinball blicken ohne Zagen.
Aufmerkend stets er lauert, wartet, wie der runde
Dahinfliegt und sich regt in jeglicher Sekunde.
Seine Parabel hat dreimal der Ball beschrieben.
Mit Rauchfaßschwingen schmeichelt er, scheint's, seiner Lieben.
Auf seine ungeschickte Faust der Diskus flog,
Mit rasendschnellem Kuß sie seinen Finger trog.
Ob dieser leichten Qual klag, Undankbarer, nicht.
Das Mißgeschick macht wett ein lächelndes Gesicht.

Dieses Virgils würdige Gemälde war's, welches Delilles Vorrang vor Gourdon in Frage stellte.

Das Wort: Diskus, das von dem positiven Brunet angegriffen wurde, gab Stoff zu Erörterungen, die elf Monate dauerten; doch der gelehrte Gourdon zermalmte an einem Abend, wo man drauf und dran war, sich auf beiden Seiten »ganz rot« zu ärgern, die Partei der Antidiskusleute durch folgende Bemerkung:

»Der von den Dichtern Diskus genannte Mond ist eine Kugel.«

»Was wissen Sie davon,« antwortete Brunet. »Wir haben ihn immer nur von einer Seite gesehen.«

Der dritte Gesang enthielt die unumgängliche Geschichte, die berühmte Anekdote, die das Ballspiel betraf. Diese Anekdote kennt jedermann auswendig; sie bezieht sich auf einen berühmten Minister Ludwigs XVI.; doch nach der in den »Débats« von 1810–14 stehend gewordenen Formel zum Lobe derartiger öffentlicher Arbeiten »lieh sie der Poesie und den Vorzügen, welche der Autor darin auszugießen gewußt hatte, neue Reize«.

Der vierte Gesang, in dem das Werk sich resümierte, endigte mit folgender Kühnheit, die zwischen 1810 bis 14 nicht veröffentlicht worden war, 1824 aber, nach Napoleons Tode, das Lebenslicht erblickte:

Und also sang ich in den unruhvollen Zeiten.
Ach, wollten Kön'ge stets mit solchen Waffen streiten,
Hätten zur Kürzung ihrer frohen Mußestunden
Die Völker solche Spiele immer nur erfunden,
Dann hätt' Burgund, das da gelebt zu weher Klage,
Wiedergefunden Rheas und Saturnus' Tage.

Diese schönen Verse stehen in der Editio princeps, der einzigen, die aus der Presse Bourniers, des Druckers von Ville-aux-Fayes, hervorgegangen ist.

Hundert Subskribenten sicherten durch ein Opfer von drei Franken diesem Gedicht eine Unsterblichkeit von bedenklichem Beispiel, und das war um so schöner, als jeder dieser hundert Leute es etwa hundertmal im einzelnen gehört hatten.

Madame Soudry hatte »das Ballspiel«, das auf ihrer Salonkonsole lag und seit sieben Jahren ein Vorwand zu Zitationen war, unterdrückt: sie entdeckte endlich, daß »das Ballspiel« ihr Konkurrenz mache.

Was den Verfasser anlangt, der sich schmeichelte, eine gutgespickte Brieftasche zu besitzen, so würde, um ihn zu zeichnen, der Ausspruch genügen, mit welchem er einen seiner Rivalen der ersten Gesellschaft von Soulanges ankündigte:

»Wissen Sie eine merkwürdige Neuigkeit?« hatte er zwei Jahre vorher gesagt: »Es gibt noch einen anderen Dichter in Burgund! . . . Ja,« fuhr er fort, als er das allgemeine Erstaunen sah, das sich auf den Gesichtern zeigte; »er stammt aus Mâcon. Aber würden Sie sich je denken können, womit er sich abgibt? Er setzt die Wolken in Verse!«

»In ihrer Weise sind sie doch schon sehr schön,« antwortete der geistreiche Vater Guerbet.

»Es ist ein verteufelt krauses Zeug! Seen, Sterne, Wellen! . . . Nicht ein einziges vernünftiges Bild, nicht eine didaktische Absicht. Von den Quellen der Dichtung hat er keine Ahnung. Er nennt den Himmel bei seinem Namen, er sagt ganz einfach: der Mond, statt vom Gestirn der Nächte zu reden. So weit kann uns das Verlangen verleiten, originell zu sein!« rief Gourdon schmerzbewegt. »Armer junger Mann! Burgunder zu sein und das Wasser besingen, das tut weh! Wenn er mich um Rat gefragt hätte, so würde ich ihm den schönsten Stoff der Welt gesagt haben, ein Gedicht auf den Wein, die Bacchéide, für die ich mich jetzt zu alt fühle.«

Dieser große Dichter ahnt den schönsten seiner Triumphe noch nicht; (noch ist er ihn seiner Eigenschaft als Burgunder schuldig): die Stadt Soulanges in Besitz genommen zu haben, die von der modernen Plejade noch nichts, nicht einmal die Namen, kennt. Hundert Gourdons sangen in der Kaiserzeit, und man klagt diese Zeit an, die schöne Literatur vernachlässigt zu haben! Befragt die Buchhändlerzeitschrift, und ihr werdet darin Gedichte auf das Schach-, auf das Damespiel, das Triktrak, die Geographie, die Typographie und die Komödie etc. finden, ohne die allzu gerühmten Meisterwerke Delilles auf das Mitleid, die Einbildungskraft, die Unterhaltung, und die von Berchoux auf die Gastronomie, die Dansomanie etc. zu zählen. Vielleicht wird man sich in fünfzig Jahren über die tausend Gedichte im Gefolge der »Meditationen« und der »Orientalinnen« etc. lustig machen. Wer kann die Geschmackswandlungen, die Bizarrerien der Beliebtheit und die Wandlungen des menschlichen Geistes vorhersehen; Generationen fegen im Vorüberwandeln die Idole, die sie auf ihrem Wege finden, bis auf ihre Fußspuren weg und errichten sich neue Götterbilder, die ihrerseits werden gestürzt werden.

Sarcus, ein schöner, kleiner, eisengrauer alter Mann, beschäftigte sich zugleich mit Themis und Flora, das heißt mit den Gesetzen und einem Treibhause. Er arbeitete seit zwölf Jahren im Geiste an einem Buche über »die Geschichte der Institution der Friedensrichter, deren politische und richterliche Rolle bereits mehrere Phasen durchgemacht hatte,« sagte er, »denn durch das Gesetzbuch vom Brumaire des Jahres IV waren sie alles, während diese für das Land so wertvolle Institution heute ihren Wert verloren hatte, in Ermanglung von Gehältern, die mit der Wichtigkeit der Funktionen, die unwiderruflich sein sollten, in Einklang standen.« Da Sarcus als tüchtiger Kopf galt, war er zum Politikus des Salons gestempelt worden; ihr könnt euch denken, daß er dort ganz einfach der langweiligste war. Man sagte von ihm, er rede wie ein Buch; Gaubertin versprach ihm die Ehrenlegion, vertröstete ihn jedoch auf den Tag, wo er als Leclercqs Nachfolger auf den Bänken des linken Zentrums sitzen würde.

Der Steuereinnehmer Guerbet, ein Mann von Geist, ein dicker, plumper Gesell mit zerflossenem Gesicht, falschen Haaren, goldenen Ringen in den Ohren, die sich beständig mit seinem Hemdkragen befehdeten, hatte sich auf Pomologie gelegt. Stolz darauf, den schönsten Obstgarten des Kreises zu haben, erhielt er das Frühobst um einen Monat später als die Pariser. Er zog in seinen Warmbeeten die tropischsten Sachen wie Ananas, Nektarinen und Schoten. Voller Stolz brachte er Madame Soudry einen Erdbeerstrauß, wenn das Körbchen in Paris zehn Sous kostete.

Soulanges besaß endlich in Monsieur Vermut, dem Apotheker, einen Chemiker, der etwas mehr Chemiker als Sarcus Staatsmann, als Lupin Sänger, Gourdon der Aeltere Gelehrter und sein Bruder Dichter waren. Nichtsdestoweniger machte die erste Gesellschaft der Stadt wenig Aufhebens von Vermut, und für die zweite existierte er nicht einmal. Dem Instinkte der einen zeigte sich vielleicht eine wirkliche Ueberlegenheit in diesem Denker an, der kein Wort äußerte und bei den Albernheiten, die er hören mußte, mit einer so spöttischen Miene lächelte, daß man seiner sotto voce in Frage gestellten Wissenschaft mißtraute; was die anderen anlangte, so nehmen sie sich nicht die Mühe, sich mit ihm zu befassen.

Vermut war der Sündenbock in Madame Soudrys Salon. Keine Gesellschaft ist vollständig ohne ein Opfer, ohne ein beklagenswertes Wesen, das man verspotten, verachten und beschützen kann. Erstens erschien der mit wissenschaftlichen Problemen beschäftigte Vermut mit loser Krawatte, offener Weste und einem immer fleckenbesäten kurzen grünen Ueberrock. Zweitens forderte er durch ein zurechtgemachtes Gesicht so sehr zu Scherzen heraus, daß Vater Guerbet behauptete, er hätte schließlich die Miene seiner Praxis angenommen.

In der Provinz, in so rückständigen Orten wie Soulanges, verwendet man die Apotheker noch im Sinne der Pourceaugnacschen Späße. Diese ehrenwerten Gewerbetreibenden geben sich um so mehr dazu her, als sie eine Versetzungsentschädigung verlangen.

Der kleine, mit einer Chemikergeduld begabte Mann konnte (einem Worte gemäß, dessen man sich in der Provinz bedient, um die Abschaffung der häuslichen Gewalt auszudrücken) Madame Vermuts nicht froh werden, die eine reizende Frau, eine muntere Frau, eine großzügige Spielerin war (sie verstand vierzig Sous zu verlieren, ohne ein Wort zu sagen), die auf ihren Mann schimpfte, ihn mit ihren Epigrammen verfolgte und ihn als einen dummen Tropf hinstellte, der nur die Langeweile zu destillieren vermöchte. Madame Vermut, eine jener Frauen, die in kleinen Städten die Rolle der Spaßangeber spielen, trug dieser kleinen Welt das Salz zu, Küchensalz freilich, aber welch ein Salz! Sie nahm sich ein bißchen derbe Späße heraus, aber man verzieh sie ihr; sie sagte ganz einfach zum Pfarrer Taupin, einem siebzigjährigen Manne mit weißen Haaren:

»Schweig still, Junge!«

Der Müller von Soulanges, der fünfzigtausend Franken Rente besaß, hatte eine einzige Tochter, an die Lupin für Amaury dachte, seitdem er die Hoffnung verloren hatte, ihn mit Mademoiselle Gaubertin zu verheiraten, und der Präsident Gaubertin dachte an sie für seinen Sohn, den Hypothekenbewahrer – ein anderer Antagonimus.

Dieser Müller, ein Sarcus-Taupin, war der Nucingen der Stadt; man hielt ihn für einen dreifachen Millionär; doch er wollte sich zu keiner Verbindung herbeilassen, er dachte nur daran, Mehl zu mahlen, es zu monopolisieren und empfahl sich durch einen gänzlichen Mangel an Höflichkeit und guten Manieren.

Der Vater Guerbet, Bruder des Postmeisters in Conches, besaß außer seiner Steuereinnahme gegen zehntausend Franken Rente. Die Gourdon waren reich; der Arzt hatte die einzige Tochter des alten Monsieur Gendrin-Vattebled, des Forst- und Wasserinspektors, auf dessen Tod man wartete, geheiratet, und der Kanzlist hatte die Nichte und einzige Erbin des Abbé Taupin, des Pfarrers von Soulanges, geehelicht, eines feisten Priesters, der sich, wie die Ratte in ihren Käse, in seine Pfarre zurückgezogen hatte.

Dieser geschickte Geistliche, der von der ersten Gesellschaft ganz mit Beschlag belegt worden war, der zweiten gegenüber gut und gefällig und den Armen gegenüber apostolisch war, hatte sich in Soulanges beliebt gemacht. Als ein Vetter des Müllers und als Sarcus' Vetter gehörte er zum Lande und zur avonneser Mediokratie. Er speiste stets in der Stadt zu Mittag, sparte, ging zu Hochzeiten und zog sich vor dem Ball zurück; sprach nie über Politik und ging über die Kultbedürfnisse hinweg mit den Worten: »Das ist mein Beruf!« Und man ließ ihn denselben ausüben, indem man von ihm sagte: »Wir haben einen guten Pfarrer!« Der Bischof, der die Leute in Soulanges kannte, war, ohne sich über den Wert des Pfarrers zu täuschen, glücklich, in einer derartigen Stadt einen Mann zu haben, der den Leuten nicht die Religion verekelte, der seine Kirche zu füllen und dort vor eingeschlafenen Hauben zu predigen wußte.

Die beiden »Damen« Gourdon kann man nur mit jenen unglücklichen Statistinnen zweitrangiger Theater vergleichen, welche die Pariser zur Genüge kennen, da sie sich oft genug über diese Art »Künstlerinnen« lustig gemacht haben; und um die Beschreibung dieser »Damen« zu vollenden, wird es genügen, wenn man sagt, daß sie zu dem Genre der »braven kleinen Frauen« gehören; die minder gebildeten Bürger werden dann in ihrem Umkreise die Modelle dieser wesentlichen Geschöpfe finden.

Es ist zwecklos zu bemerken, daß Vater Guerbet sich im Finanzwesen wunderbar auskannte, und daß Soudry Kriegsminister sein konnte. So bot nicht nur jeder dieser Bourgeois sich als eine jener Spezialitäten der Laune dar, die einem Provinzmenschen für seine Existenz so notwendig sind, sondern jeder von ihnen kultivierte auch noch ohne Nebenbuhler den Acker seiner Eitelkeit.

Wenn Cuvier dort durchgekommen wäre, ohne seinen Namen zu nennen, würde die erste Gesellschaft von Soulanges ihn überzeugt haben, daß er, verglichen mit Monsieur Gourdon, dem Arzte, recht wenig wisse. Nourrit und »sein hübsches feines Stimmchen«, sagte der Notar mit gönnerhafter Nachsicht, würden kaum für würdig befunden worden sein, diesen Soulanger Orpheus zu begleiten. Und was den Verfasser des »Ballspiels« anlangte, das in diesem Augenblick bei Bournier gedruckt wurde, so glaubte man nicht, daß man einen Dichter von seiner Bedeutung in Paris antreffen würde: denn Delille war tot!

Diese so überaus selbstzufriedene Provinzbourgeoisie konnte also alle sozialen Vorrechte übertreffen. Auch kann die Einbildungskraft derer, die in ihrem Leben eine Zeitlang in einer kleinen Stadt dieser Art gelebt haben, allein die Miene tiefer Selbstgefälligkeit dunkel erkennen, die allen Gesichtern dieser Leute aufgeprägt ist, die sich für den Sonnenplexus Frankreichs hielten, samt und sonders aufs wunderbarste dazu ausgerüstet waren, Schlechtigkeiten zu begehen, und in ihrer Weisheit dekretiert hatten, daß einer der Helden von Eßling ein Feigling, daß Madame de Montcornet eine Intrigantin sei, die dicke Blattern auf dem Rücken habe, daß Abbé Brossette ein kleiner Ehrgeiziger sei, und die vierzehn Tage nach der Versteigerung von Les Aigues die kleinbürgerliche Abstammung des Generals, der von ihnen mit dem Spitznamen: Tapezier belegt wurde, herausbekommen hatten.

Wenn Rigou, Soudry und Gaubertin in Ville-aux-Fayes gewohnt hätten, würden sie sich verfeindet haben, ihre Ansprüche würden unvermeidlich aufeinandergeprallt sein. Doch das Verhängnis wollte, daß der Lucullus von Blangy die Notwendigkeit seines Alleinseins fühlte, um sich nach Herzenslust in Wucher und Wollust zu wälzen; daß Madame Soudry klug genug war, um einzusehen, daß sie nur in Soulanges herrschen könne und daß Ville-aux-Fayes der Sitz von Gaubertins Geschäften sei. Wem es Freude macht, die Natur der Gesellschaft zu studieren, der wird zugeben, daß der General von Montcornet rechtes Unglück hatte, daß er solche Feinde vorfand, die getrennt waren und die alle Bewegungen ihrer Macht und ihrer Eitelkeit in Entfernungen vollführten, die diesen Gestirnen nicht erlaubten, einander hinderlich zu sein, und die Macht des Uebeltuns verzehnfachten.

Wenn alle die biederen, auf ihren Wohlstand stolzen Bürger ihre Gesellschaft der von Ville-aux-Fayes sehr an Zerstreuungen überlegen hielten und mit komischer Wichtigkeit das Diktum des Tales wiederholten: Soulanges ist eine Stadt der Vergnügungen und der Geselligkeit, würde man sich doch sehr in der Annahme irren, daß die avonnesische Hauptstadt diese Ueberlegenheit akzeptierte. Der Salon Gaubertin machte sich »in petto« über den Salon Soudry lustig. An der Art, wie Gaubertin sagte: »Wir sind eine Großhandelsstadt, eine Geschäftsstadt, wir sind so dumm, uns damit zu langweilen, Geld zu machen«, war unschwer ein leichter Antagonismus zwischen der Erde und dem Monde zu erkennen. Der Mond glaubte der Erde nützlich zu sein, und die Erde meisterte den Mond. Erde und Mond lebten übrigens in engstem Einvernehmen. Im Karneval zog die erste Gesellschaft von Soulanges immer in Scharen auf die vier Bälle, die von Gaubertin, Gendrin, Leclercq, dem Steuereinnehmer, und von dem jungen Soudry, dem Staatsanwalt, gegeben wurden. Allsonntäglich kamen der Staatsanwalt, seine Frau, Monsieur, Madame und Mademoiselle Élise Gaubertin zu den Soudry nach Soulanges zum Mittagessen. Wenn der Unterpräfekt gebeten worden war, und der Postmeister, Monsieur Guerbet aus Conches, ankam und fürliebnahm, erlebte Soulanges das Schauspiel, daß vier Bezirksequipagen vor der Türe des Soudryschen Hauses standen.

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