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Die Bataver

Felix Dahn: Die Bataver - Kapitel 47
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleDie Bataver
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorThomas Stur
thirdcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20070612
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XXIV.

Die Numider hatten recht berichtet.

Cerialis hatte besonders eingeschärft, das erste Geschwader – »mit den besonderen Pfeilen« – zur Begrüßung des Batavers zu verwenden. Während Weleda zum zweitenmal in das Lager eintritt, war Civilis, begleitet von seinem Knaben und den drei Freunden, auf der Nordmündung der geländerlosen Brücke eingetroffen. Das Gefolge von etwa zwölf Kriegern war einige Schritte vor der Brücke abgestiegen und hütete dort der Führer und die eigenen Rosse.

Brinno ging mißtrauisch zuerst allein auf die Brücke. Er überzeugte sich, daß in der That in dem Mitteljoch eine Lücke klaffte, über welche kein Wagesprung führen mochte. Er ging zurück und meldete das.

»Da – auf unserem Ufer! – liegen ja auch die abgehobenen Balken und Bretter,« lächelte Civilis. Er winkte seinem Sohne, mit Katwald am Ufer zurückzubleiben, und ging mit den drei andern auf die Brücke. »Wo ist Cerialis?« rief er dem Tribunen auf der Südseite zu, – er erkannte ihn mit bitterem Groll: »es ist Labeo, der König der Bataver!« sprach er.

»Und die beiden Führer hinter ihm,« rief Brinno grimmig, »das sind die Brigantiker!«

»Ja,« rief Labeo herüber, »wir haben uns von Cerialis diesen Auftrag ausgebeten, euch gebührend zu empfangen.«

»Und wo bleibt Weleda?«

»Sie wird gleich im Lager sein,« sprach Julius.

»Ich warte nur auf das Zeichen,« schloß Labeo; er wandte sich und blickte rückwärts.

»Was rührt sich dort in dem dichten Gebüsch auf dem römischen Ufer?« fragte Brinno. »Siehst du nicht, Uffo?«

»Jawohl,« erwiderte der, »auch das Schilf bebt.«

»Es ist der Wind,« erklärte Cajus.

»Es ist kein Wind, der springt erst um Mittag ein.«

»Dann ist es Wild.«

»Das ist kein Reiher und kein Fisch!«

»Wieherte da nicht ein Roß?« forschte Ulemer.

Da rief Labeo: »Seht das Zeichen!«

»Auf des Feldherrn Zelt wird die Flagge aufgezogen,« sprach Julius.

»Weleda ist im Lager!« frohlockte Cajus.

»Jetzt!« – schrie Labeo und zog das Schwert.

Da holten die siebzehn hinter ihm stehenden Legionäre aus ihren weiten Mänteln Balken hervor, welche genau die erforderliche Länge hatten, – Cerialis selbst hatte das Maß genommen – warfen und schoben sie über die klaffende Lücke und eilfertig, mit wildem Kriegsgeschrei, liefen nun alle zwanzig hinüber, die Schwerter schwingend.

»Verrat! Flieh, Civilis!« schrie Brinno. »Rette dich!«

»Rette den Knaben!« rief Uffo.

»Wir decken dir den Rücken!« schloß Ulemer.

Und die drei Männer suchten, nebeneinander gestellt, vorn die Brücke zu sperren, während hinten Katwald, Merovech und die Gefolgen heraneilten. Aber Civilis wich nicht: als vierter sprang er in die Mitte: – der erste Anlauf der Römer ward zurückgeschlagen; hart vor Civilis stürzte Labeo tot nieder, bevor er mit diesem die Klinge gekreuzt: in die Stirne hatte ihn ein kurzer Bolz getroffen: der war befiedert mit der Schwinge des grauen Reihers.

»Gut gezielt, Merovech!« rief Brinno. Es war sein letztes Wort. Denn nun sprengten aus dem Schilf und dem Gebüsch am Römerufer ein ganzes Geschwader numidischer Reiter auf die Brücke: ihre ellenlangen Pfeile schlugen ein wie grimme Vögel mit ehernen Schnäbeln.

Civilis hatte keinen Schild, auch Brinno nicht: da warf sich der auf den Freund, mit beiden Armen ihn umschlingend, mit dem Leib ihn deckend.

Den Augenblick erspähte Julius: tückisch sprang er vor und stieß dem Wehrlosen das Schwert in den Nacken. Die starken Arme verloren die Kraft, er glitt langsam nieder.

Aber noch wich Civilis nicht.

Da sah er Ulemer, von Pfeilen durchschossen, fallen, »O rette dich!« mahnte der Friese und starb.

»Weh, weh um Weleda!« rief Civilis. »Ich habe sie in dieses Netz geführt.«

Grimmig hatte Uffo bisher sich die Legionäre vom Leibe gewehrt; er fegte die Brücke mit fürchterlichen Streichen seiner schweren Bootstange leer: fünf hatte er nieder oder über die Brücke hinabgeschmettert: da traf ihn ein Pfeil in die Brust: »Rette dich! Fahre wohl, Civilis!« rief er noch, warf die Stange weg und spähte scharf umher unter den Feinden: – die beiden Brigantiker standen nebeneinander – nun sprang er auf sie zu, umfaßte mit jedem Arm einen der Brüder und warf sich mit ihnen in den Strom.

»Vater! Laß mich mit dir sterben!« rief Merovech und eilte mit Katwald auf der Brücke vor.

Nun schickten sich die Reiter des ersten Geschwaders an, über die auf der Brücke hochgetürmten Leichen hinweg auf die Bataver einzusprengen, sie lebend zu greifen. Zugleich tönte an dem römischen Ufer ein Tubazeichen. Ein zweites Geschwader der Reiter stellte sich in Reih und Glied und machte sich fertig, schwimmend den Fluß zu überschreiten, die Brücke im Rücken zu fassen, und den wenigen noch übrigen Verteidigern den Rückzug abzuschneiden.

Aber in diesem Augenblick trafen Civilis zwei Pfeile: der eine in die linke Brust, der andere in den rechten Schenkel; der Fuß versagte, knickte, und, da er – die Leichen häuften sich auf der Mitte – ganz auf den äußersten Balken rechts gedrängt war, stürzte er in den Fluß. Augenblicklich sprangen Katwald und der Knabe nach, ihn zu retten: allein er sank sofort: das blutig schäumende Wasser schlug hoch über ihren Köpfen zusammen. Nun tauchten sie: denn Speere und Pfeile flogen in Menge auf sie: – so verschwanden alle drei im Strom.

»Aus ist der Bataverkrieg wie das Gallierspiel!« frohlockte Cerialis auf die Meldung hin. »Brecht das Lager ab. Der Sieges-Seherin legt goldene Fesseln an. Nun geht's – nach Rom!«

 


 

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