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Die Bataver

Felix Dahn: Die Bataver - Kapitel 42
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typefiction
authorFelix Dahn
titleDie Bataver
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secondcorrectorThomas Stur
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XIX.

Tutors Bemühungen war es gelungen, die hadernden Feldherren zu versöhnen: Classicus sah ein, daß Gallien ohne die Germanen widerstandslos verloren sei und Civilis trug nicht nach. »Die Sache will's, unsres Volkes Rettung,« entgegnete er dem wiedergenesenen Brinno, der durchaus nichts von Aussühnen wissen wollte.

Seinerseits aber bemühte der grimme Held sich vergeblich, des Freundes Verzeihung für die Unbotmäßigen zu erwirken, die den Mißerfolg bei Trier verschuldet hatten. Ohne Ausnahme wies Civilis so viele von ihnen übrig waren aus seinem Lager.

»Es sind die allerstärksten Helden darunter!« grollte Brinno.

»Ja. Aber ebensogut könnte ein Mann ungezähmte Bären wider den Feind treiben: sie würden vor allem sich gegen ihren Führer wenden.«

Civilis, dessen Überlegenheit sich doch auch Classicus nun wieder fügte – zumal er keinen Rat wußte! – erwiderte auf die Fragen der Gallier nach seinen Plänen und welche Art von Krieg er nun führen wolle: »Den Wasserkrieg zu Lande! Man nennt uns höhnend die Frösche: nun soll man uns schwimmen und hüpfen sehen.«

Aber unter heiteren Worten barg er ein sorgenschweres Herz. Er dachte viel an Weleda; gern hätte er sie herbeschieden. Allein sollte der Mann sich von dem Mädchen raten und helfen lassen? Er mußte sich selbst helfen. –

Und er half sich.

Trotz des Brummens von Brinno und des Nasenrümpfens der Gallier wich er bis Xanten zurück: hier hatte er treffliche Mittel für seinen Wasserkrieg ins Auge gefaßt: »und der Ort selbst,« sprach er zu Tutor, »wird Freund und Feind an Sieg und Niederlage mahnen.«

Das Wort gefiel dem Gallier. Er hinterbrachte es Classicus mit Wohlgefallen: »weißt du,« schloß er, »dieser Germane ist der einzige, der die tönenden Worte hat. Wir, wir haben alle die tönenden Worte, aber der, der hat auch die Gedanken dazu.«

Die ganze Landschaft um Xanten war durchweg sumpfig und, von zahllosen kleinen Wasseradern und Altwassern des Rheines und seiner Nebenflüsse durchschnitten, auch im Frieden schwer zu durchschreiten.

Nunmehr ließ Civilis sofort nach seinem Eintreffen schief in den Rhein von Nordost nach Südwest einen langen Damm einbauen, so daß sich der hier gestaute Strom, gewaltsam gezwängt, nach Südwest über die flachen Ufer ergoß und alles Land weithin überschwemmte, alle Rinnsale vertiefend, alle gewohnten Furten unbenutzbar machend, und so schon die Annäherung der Römer von Süden her ganz erheblich erschwerend. Zeit war den in solchen Wasserbauten altgeübten Batavern ausreichend gelassen.

Cerialis hatte freilich, sobald er sich einigermaßen erholt, den Arm noch in der Binde, die Verfolgung der Weichenden gar hitzig ins Werk gesetzt mit allen seinen Streitkräften, nur in Trier, Koblenz, Bonn, Köln Besatzungen zurücklassend. Allein er war doch auf seinem Zuge gar vielfach aufgehalten worden durch die Gallier: nicht mehr durch Widerstand, aber durch die Notwendigkeit, diese Verhältnisse in seinem Rücken nicht ungeordnet zu lassen, die Gesandtschaften der Städte, die nun um die Wette ihre Unterwerfung anboten, zu verbescheiden, die Gemeinden an Geld zu strafen, überall Rom ergebene Männer in die Ämter einzusetzen.

Als er nun endlich sich den Stellungen der Feinde näherte und sie genauer erkundete, da rief er staunend aus: »Wahrlich! Dieser Neffe des Arminius hat von seinem Ohm und zugleich von dessen Besiegern gelernt!« Mit Verdruß, ja mit schwerer Sorge erkannte er, daß er hier Wochen – und wie wenige nur durfte er noch brauchen! – festgehalten werden konnte, bevor er nur eine Stellung zum Angriff gewinnen mochte.

Die Verbündeten beherrschten beide Ufer: auf dem linken standen, durch die Überschwemmung unangreifbar gesichert, die Gallier, auf dem rechten Civilis mit seinen Germanen; ein stattliches Geschwader auf dem Strome, befehligt von Ulemer und Uffo, hielt die Verbindung zwischen beiden aufrecht.

Die Bewachung des neuen Rheindammes hatte Civilis dem treuen Brinno übertragen. »Dir vertraue ich den Damm,« hatte er dabei gesprochen, »weil ich ihn so tapferer als durch mich selbst gehütet weiß. Brinno: dieses schmale Stück Erde trägt unser aller Geschick: hat es der Feind, bin ich umgangen und muß weichen: – ich weiß noch nicht, wohin. Brinno, ich bau' auf dich: hüte mir den Damm!«

Da hatte der Riese ihm die Hand gedrückt: »Solang' ich da oben stehe, krabbelt kein Feind hinauf.«

Den Galliern schärfte Civilis ein, um keinen Preis sich aus ihrer unantastbaren Stellung locken zu lassen. Durch die Überschwemmung vorn, den Damm, den Strom und die Germanen in Rücken und Flanken gedeckt, seien sie hier sicher wie in einer Feste.

Classicus gab das zu: aber Tutor mußte doch manches Spottwort über seinen Freund, den »Froschkönig«, den »Wassertreter«, den »Herzog Vorsicht« vernehmen.

Cerialis beschloß, vor allem dem Feinde die Herrschaft über den Strom zu entreißen durch die römische Kriegsflotte, die müßig auf dem Oberlauf des Flusses lag, zumeist zu Köln, nur Vorräte bis Gellep etwa geschafft hatte. Mit aller Hast betrieb er das Eingreifen dieses, bei einem Wasserkrieg entscheidenden Kampfmittels.

Der Erfolg schien zweifellos: die Germanen hatten keine Kriegsschiffe: denn, abgesehen von den früher den Römern abgenommenen Trieren verfügten sie nur über Fischerkähne und Fährenboote, von denen keines auch nur den Anprall der hochbordigen Galeeren auszuhalten vermochte.

So war denn Cerialis überzeugt, die Barbaren würden gar den Strom nicht halten können, sobald die stolzen römischen Galeonen, von hundert Ruderern, in zwei oder drei Sitzreihen übereinander, bewegt, in der raschen Fahrt zu Thal den Rhein hinunterrauschen würden, hinwegfegend und zum Umschlagen bringend, was sich ihnen in den Weg stellen würde. Aber er irrte.

Als an dem festgesetzten Tag bei Morgengrauen der römische Schiffszug – drei Trieren, Dreirudrer, nebeneinander an der Spitze, fast die ganze Breite des Stromes füllend, und fünfzehn Drei- und Zweirudrer in deren Kielwasser – Gellep erreicht hatten, da zeigte sich vor allem die geplante Überraschung vereitelt.

Civilis, durch Nachrichten seiner flinken Fischerkähne rechtzeitig von den Vorbereitungen zu Köln verständigt, hatte rastlos daran gearbeitet, den Strom der Heimat wirksam verteidigen zu können.

Es war ein kalter regnichter Morgen und die Rheinnebel ließen nur wenige Schritte über den Schiffsrand hinausblicken. Als nun die römischen Segel die Biegung des Stroms unterhalb Gellep zurückgelegt hatten, stießen sie plötzlich auf eine unzählbare Menge der kleinen germanischen Fahrzeuge, die sich verwegen durch die Schlachtreihe der großen Kolosse drängten und von allen Seiten einen Hagel von Geschossen auf die Bemannung auf Deck richteten.

Allerdings ward manche der batavischen Nußschalen schon durch den Wasserwirbel unter dem Steuerbug der Dreirudrer, auch wohl durch die Schläge der langen Ruder der obersten Ruderbank getroffen und umgestürzt: – allein das schadete den schwimmkundigen Söhnen des Rheines wenig. Flugs schwammen sie, rasch und geräuschlos wie die Otter, die Waffe im Mund, auf das nächste ihrer Boote zu, kletterten hinein, schüttelten das Wasser lachend von sich und begannen aufs neue das für die Römer so ungünstige Gefecht.

Civilis hatte selbst eines der größeren Friesenfahrzeuge bestiegen: gerade diese und die erbeuteten römischen Trieren kamen aber nicht rasch genug vorwärts zu Berg, wider den reißenden Strom: die Ruderer mühten sich schwer.

»Das geht langsam!« grollte Uffo, der neben ihm stand.

»Ja. Und ganz allein dürfen wir auf die Dauer unsere Haselnüsse doch nicht neben jenen groben Backtrögen lassen,« meinte Ulemer. »Hätten wir nur Seewind! Aber es rührt sich kein Lüftchen!«

Kaum war das Wort gesprochen, als der Wimpel an der Mastspitze, der bisher schlaff regungslos herabgehangen, sich leise zu heben anfing und leichte flatternde Wellenlinien beschrieb.

»Jetzt, Freunde,« rief Welo, »der Wind springt ein. Aber woher mag er kommen?« Er hielt die Hand in die Höhe. – »Das muß Seewind sein: – um diese Stunde und im Neumond,« sprach Uffo, der Ferge. – »Jawohl!« bestätigte Ulemer. »Seht ihr? Nun zeigt der Wimpel straff nach Südost.« – »Hei,« rief Brinnobrand, »du selbst hast uns den Wunschwind gesandt, Wodan.« – »Ja,« meinte Uffo, »der Wind wäre der rechte. Aber uns fehlen ja die Segel.« »Nur gar wenige unserer Nachen führen solche.« – »Segel?« sagte Civilis nachsinnend. »Laß sehen! Ei, wozu haben wir unsere Mäntel? Wir werden nicht erfrieren ohne sie! Herunter damit! Aneinandergebunden und hoch hinaufgezogen auf den Rahen!« – Und als der erste nahm er seinen dunkelblauen Mantel ab.

»Herrlich!« rief Uffo. – »Prächtig!« jubelte Welo. – »Du bist zu Wasser wie zu Lande kampfgerecht!« – lobte Ulemer. – »Freilich,« lachte Brinnobrand. »Es giebt zu Wasser keinen anderen Wodan als im Walde« – und er knüpfte seinen braunroten Mantel an den dunkelgrünen Ulemers. Alle folgten diesem Beispiel.

Da hatte der Seewind das Gewölk oben ein wenig zerstreut, während unten auf dem Strom noch der Nebel dahin rollte, sich langsam wälzend, wie eine ungeheure graue Schlange.

Nun ahmten die andern Fahrzeuge den Vorgang des Leitschiffes nach: bald flogen überall die bunten Mäntel hoch an den Masten in die Höhe, lustig blies der frische Morgenwind darein, hob, füllte und blähte sie: schnell fuhren nun die sämtlichen größeren Germanenschiffe zu Berg und nahmen an dem Kampfe teil.

Der Anblick der bunten in der Sonne leuchtenden und vom Winde gebauschten Mäntel war so eigenartig schön, daß sogar die Römer mitten in der Not des Gefechts das nie gesehene Bild mit staunendem Ausruf begrüßten.

Der Verlauf ward jetzt aber immer ungünstiger für die schwer beweglichen Galeeren: sie rannten in dem für so breite Fahrzeuge nicht genügenden Rinnsal widereinander, wobei sie häufig ihre Ruder gegenseitig zerbrachen; dann wurden sie unbehilflich, bewegungslos und trieben mit dem Strom dahin. Gar manches Schiff geriet dabei aus der fahrbaren Tiefe und fuhr auf Sandwerder und Seichtstellen auf.

Das geschah auch der stolzen, reich geschmückten Triere des Legaten Gallus Annius, des Befehlhabers der Flotte. Den Bugspriet schräg nach oben gehoben, den Steuerbord so tief nach unten gesenkt, daß das aufgestaute kreiselnde Wasser von hier fast der Länge nach das Deck überspülte, saß es kläglich fest: die Ruder, auf der Leeseite abgebrochen, versagten. Im Augenblick war die unbeweglich gewordene Holzfeste von Dutzenden der batavischen Kähne umschwärmt und alsbald lag der größte Teil der Bemannung, von unzähligen Geschossen getroffen, tot oder verwundet auf Deck.

Brinnobrand bemerkte die schwere Bedrängnis der »Colonia Agrippina«.

»Wodan,« rief er, »die holen wir! Komm Uffo, komm, jung Merovech, du triffst so gut mit dem Kurzbolz.«

Und unter der kopfnickenden Bestätigung des Vaters sprang der Knabe jauchzend hinter Brinnobrand und dem Fergen in das kleine Notbot, das von dem Feldherrnschiff herabgelassen ward.

Flugs hatten sie die festgefahrene Triere erreicht.

Uffo übernahm nun den Befehl über die vielen hier versammelten Kähne.

»Gebt acht! Haltet die Seile bereit! Alle hierher! Auf die rechte Seite des Römers! Ich werde durch die Luke das Schiff packen mit dem Boothaken. Dann spannt ihr euch alle vor unseren Kahn und rudert, auf Einen Schlag beginnend, aus Leibeskräften nach dem rechten Ufer. Wir müssen den Römer am Lande haben, wohin keines ihrer Schiffe folgen kann, ihn zu holen.«

»Aber sowie er wieder schwimmen kann, wird er zu Berg steuern,« warnte Ulemer. – »Ja, der Steuermann – ich kenn' ihn« – nickte Uffo bedenklich, »versteht sein Geschäft.« – »Der Steuermann?« fragte jung Merovech. »Der dort? Er hat den Helm verloren. Wartet! Der soll . . . !«

Schon klang sein Bogen: in die Schläfe getroffen stürzte der Mann am Steuer.

»Heil dir! Dank, Merovech!« riefen die Freunde.

Uffo schlug – trotz den unsicher geschleuderten, von dem schwankenden Schiff aus schlecht gezielten Geschossen – den Haken seiner Bootstange in eine Luke dicht oberhalb des Wasserspiegels: »Jetzt!« befahl er.

Und zwanzig Kähne, die sich, einer hinter dem andern, an sein Boot geseilt hatten, zogen nun auf einmal: – da! mit mächtigem Ruck wurde die gestrandete Galeere flott und folgte nun hilflos, wie willenlos, den entführenden Nachen, welche sie pfeilgeschwind auf das rechte Ufer zogen, wo das Landheer der Germanen stand. Hier, fern außer der Erreichbarkeit durch die römischen Tiefgänger, ward die hochbordige Holzburg sofort von hundert kühnen Enterern, Beil in Hand, erstiegen. Fast ohne Widerstand ergaben sich die wenigen noch kampffähigen Römer auf dem Deck, darunter der pfeilwunde Legat selbst.

»Heia,« jubelte jung Merovech. »Brinnobrand, diese Beute führen wir – die Lippe hinauf – ihr zu – das Schiff samt dem Legaten!«

»Erst sandte ihr Einer den großen römischen Holzvogel, jetzt schickt er ihr den noch größeren römischen Holzfisch! Wird sie sich freuen über Brinnobrands kleine Geschenke!«

Der Verlust des Befehlshabers samt seinem Schiff entschied den für die Römer ohnehin schon so verlustreichen Kampf. Des Führers beraubt, von allen Seiten beschossen, gab die Flotte den Widerstand auf. Sie ward auseinander gedrängt, zuerst durch die kecken Kähne: nun fuhren auch die größeren Schiffe mit ihren Mantelsegeln in die Lücken: da gab der Unterfeldherr durch Flaggen und Wimpel das Zeichen, jedes Schiff solle sich retten, wohin es am besten könne.

Die meisten fuhren schleunig zu Berg, nach Köln zurück: – andere aber, abgedrängt von jenen und bereits unterhalb der batavischen Segler, suchten rheinabwärts die offene See zu gewinnen.

Mit ohnmächtigem Grimm sah Cerialis auf dem linken Ufer vor seinem in Schlachtordnung gestellten Landheer, zu Roß auf und nieder jagend, die Auflösung und Flucht seiner Flotte mit an.


Auch die nächsten Zusammenstöße mit den Germanen verliefen nicht glücklich.

Civilis ging, ohne seine Stellung aufzugeben, durch kleine unerwartete Streifscharen wieder zum Angriff über: an Einem Tage führte er nicht weniger als vier Schläge gegen die um der Verpflegung willen weit auseinander gelegten Standorte der Legionen und der Reitergeschwader.

»Glücken auch nicht alle vier,« sprach er zu seinen Führern, »doch der eine oder andere.«

Zu gleicher Zeit also wurde von Brinno die zehnte Legion in ihrem Standlager zu Rindern, von Welo mit den Brukterern der begonnene Brückenbau zu Wick de Duurstede angegriffen, während Civilis, verstärkt durch Sido und die Markomannen, sich auf Grinnes, Ulemer auf Altefurth warf.

Brinno überraschte die zum Holzfällen ausgerückten Mannschaften mitten im Wald, erschlug mit eigner Hand den Lagerpräfekten und zwei Centurionen ersten Ranges: noch drei andere Centurionen und eine Anzahl von Legionären fielen auf der Flucht in die schützenden Wälle des Lagers.

Welo zerstörte einen Teil der angefangenen Brücke: der Einbruch der Nacht machte hier dem Kampf ein Ende.

Gar scharf ging es vor Grinnes her. Unaufhaltsam drang Civilis vor. Die tapfersten Leute der Römer fielen hier. Da warf sich Julius Briganticus, der in dieser Befestigung befehligte, an der Spitze seines Rom treu gebliebenen Reitergeschwaders seinen Landsleuten entgegen, die fliehenden Legionäre aufzunehmen. Er brachte das Gefecht zum Stehen: es entbrannte ein Kampf unter den Stammgenossen mit besonderer Erbitterung. Haßgierig suchte er Civilis selbst, laut dessen Namen rufend. Endlich traf er ihn und schrie ihn an: »Stirb, Verhaßter!«

»Laß ab, Gesippe!« mahnte Civilis, sich begnügend, die wütenden Hiebe abzuwehren, »es ist ein Greuel vor den Göttern.«

»Denk' an die Erlenstäbe!« rief der andere. »Wir sind ausgesippt.« Und hitziger noch drang er auf ihn ein.

Da stieß Civilis das Schwert dem Rosse des Gegners in den Vorderbug: es begrub den Reiter im Fall. Brinnobrand an des Civilis linker Seite schwang über dem Liegenden das Beil. Aber Civilis fiel ihm in den Arm.

Im selben Augenblick stürzte auch sein Roß – ein Centurio sprang von rechts, unbemerkt von Brinnobrand, gegen den Wehrlosen und zückte das Schwert zum tödlichen Stoß. Jedoch das ersah Sido: – er zielte scharf mit der Lanze und warf: – der Römer fiel.

»Weleda!« rief Civilis. »Nun ist ihr Wort erfüllt. Es flog dein Speer und der Centurio fiel.«

Jetzt traf, von Cerialis – er hatte Ulemers Sturm auf Altefurth zurückgeschlagen – herangeführt, die ganze XXI. Legion auf dem Schlachtfeld ein: vor solcher Übermacht mußten die Bataver weichen. In guter Ordnung gingen sie an den Rhein, an ihre Nachen zurück.

Aber römische Bogenschützen hatten Civilis erkannt: – Alle zielten auf ihn: ein frisches Pferd, das ihm Brinnobrand herangebracht, stürzte, bevor er es besteigen konnte, von Pfeilen durchbohrt. Da rissen ihn die Freunde mit fort: sie sprangen in den Rhein, tauchten und schwammen glücklich hinüber.

Die Verluste der Römer waren sehr schwer gewesen. »Das geht nicht so fort,« grollte Cerialis. »Daß diese Wasserschlangen noch gar aus ihren Pfützen herausspringen und uns anzischen, ist zu keck.«

Er befahl am folgenden Tag – wider den Rat all seiner Führer – einen allgemeinen Angriff auf die Germanen bei Xanten. Er scheiterte völlig: Roß und Mann versanken unter ihrer schweren Waffnung und Ausrüstung im Sumpf. Die Legionäre, so mutig auf festem Boden, waren furchtsame Schwimmer. Die Kühnern wurden von den Zagen, die sich verzweifelnd an sie klammerten, mit in die Tiefe gezogen.

Die Germanen dagegen hielten sich durch ihren hohen Wuchs noch stehend, wo das Wasser den Römern über den Mund reichte: hoch springend an ihren Speeren setzten sie auf den ihnen wohlbekannten Seichtstellen herüber und hinüber durch den Strom und, galt es schwimmen, ward Batavern, Kannenefaten, Friesen erst recht wohl.

»Dies Froschgezücht ersäuft nicht mannstief unter Wasser!« schalt Cerialis. »Sie schlucken Wasser wie die Tauchenten! So geht es nicht! Der verfluchte Damm! Könnte ich nur aus der Luft auf sie stoßen, wie der Seeadler auf den Fisch!«

 


 

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