Projekt Gutenberg

Textsuche bei Gutenberg-DE:
Autoren A-Z: A | B | C | D | E | F | G | H | I | J | K | L | M | N | O | P | Q | R | S | T | U | V | W | X | Y | Z | Alle
Gutenberg > Felix Dahn >

Die Bataver

Felix Dahn: Die Bataver - Kapitel 28
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleDie Bataver
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorThomas Stur
thirdcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20070612
modified20160412
projectid57b338a8
Schließen

Navigation:

V.

Früh am Morgen eilte Brinno zu Civilis. »Heia, Botenlohn heisch' ich für frohe Kunde. Mich senden Sido, mein Bruder und Welo.«

»Warum kommen sie nicht selbst?« – »Weil sie nicht können! Jeder von ihnen liegt mit einer Wunde im Zelt.« – »Ist das frohe Kunde?« fragte Civilis, sich waffnend.

»Es ist nicht schlimm mit den Schrammen. Heute Nacht standen sie bei meiner Schar auf Wache am Rhein. Im Schutz der Dunkelheit schoß da den Rhein hinab unsichtbar, kaum hörbar, ein Schiff, vom Kiel zum Bord, wie sich später zeigte, mit Getreide beladen, der Landungsstelle im römischen Lager zu. Dort ward es offenbar erwartet: denn eine ganze Kohorte war bereit gestellt, auf dem Rheingrieß und in Kähnen. Aber mein Langer – was ihm an Verstand gebricht, ersetzt er an Schärfe der Sinnen – erlauschte das leise Geräusch der Ruder: – ich und die andern hatten's nicht vermerkt: als er mich darauf hinwies, hielt ich's für das Aufschlagen von nächtlichen Raubfischen. Er aber – mit dem Ruf: »Nun den zweiten Narrenstreich!« sprang er in den finsterflutenden Strom. Sido stieß ins Hifthorn: seine Markomannen, Welos Brukterer stutzten: aber unsere Leute, Bataver und Kannenefaten, im Wasser zu Haus wie auf dem Lande, folgten mir sofort: wir platschten ohne Besinnen nach. Da schämten sich die andern und sprangen Sido und Welo nach. Schwimmend erreichten wir das Schiff, das durch eine starke Bemannung verteidigt ward. Kähne aus dem Feindeslager rauschten heran, einzelne Fackeln tauchten darin auf, so daß die Römer vom Ufer her jetzt ein Ziel für ihre Pfeile sahen. Und nun begann ein seltsamer Kampf der Unsern, die, sobald sie, die Messer im Munde, schwimmend das große Schiff und die Kähne erreicht, von allen Seiten enterten, an den Wandungen empor kletternd, meist in voller Dunkelheit, manchmal aber in greller Beleuchtung der roten Pechfackeln der Römer. Welch ein Würgen Mann an Mann! Halb im Wasser halb rittlings auf den Borden! Da half nicht mehr die Lanze, nur noch Messer und Beil! Kaum wär' es uns gelungen, das Getreideschiff, das ja der Strom stark abwärts und dem Römerlager zutrieb, festzuhalten: aber Uffo der Ferge schrie plötzlich: »Hierher! Alle zu Hauf. Ich trete Grund.« Er hatte eine Sandbank im Strom erreicht – das Wasser stieg ihm freilich bis ans Kinn – packte mit dem Haken seiner Bootstange die Schiffswand von innen: – ein Ruck mit Riesenkräften: aufgefahren war das Schiff! Fest saß es auf dem Sand, nicht zollbreit wich es von der Stelle, trotz alles Ruderns und Abstoßens der Römer.

Nun waren die Unsern, Brinnobrand der erste, im Augenblick von allen Seiten an Bord, die Bemannung flog links und rechts in das dunkle Wasser und endlich schwammen auch von unsrem Lager Kähne in Menge heran. Mit den Händen, mit Haken und Seilen zerrten wir zuletzt das festgefahrene Schiff wieder los von der Sandbank und jetzt auf unsere Seite des Stromes herüber, trotz tapfrem Widerstreben der Römer in ihren Booten: – der Hunger trieb sie zur Verzweiflung! – Endlich war ihr letzter Nachen geflohen oder versenkt und wir zogen die Beute unter lautem Siegesgeschrei an unsrem Ufer auf den Sand. Die drei jungen wunden Helden lassen dich fragen, wie dir dieser Narrenstreich gefalle?«

»Gut. Denn nun wird die Belagerung zu Ende sein.«

»Sie ist zu Ende,« rief Uffo, der, eintretend, die letzten Worte gehört hatte. »Die Römer haben mit diesem lang erwarteten Schiff die letzte Hoffnung verloren. Sie haben ihren Legaten, der noch nichts von Übergabe wissen wollte, gefangen, in Fesseln gelegt und schicken ihn dir gebunden. Sie ergeben sich und bitten um freien Abzug zu ihren Waffenbrüdern.« – »Gewähr' es nicht!« schrie Brinno wild. »Töte sie alle! Denk' an deinen Bruder, deinen Sohn! Denk' an die vielen Hunderte, die wir durch ihre götterverhaßten Werkzeuge vor diesem Wall verloren. Räche dich!« – Aber Civilis winkte ablehnend mit der Hand: »Sie ziehen ab, ohne Waffen. Und vorher schwören sie dem Großreich Gallien. Diese Schande trifft Rom schwerer als ihr Tod.«

Da ward der Zeltvorhang aufgerissen: der Knabe flog an des Vaters Hals. »O Vater! Vater! Sieg! Ich kam gerade recht,« rief er, ihn auf die Stirne küssend.

»Ja, gerade recht. Dort liegt eine Schere. Schneide mir Haar und Bart, mein Sohn. Kein Römer steht mehr unbesiegt auf unserem Boden.«

 


 

 << Kapitel 27  Kapitel 29 >> 






TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.