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Die Bataver

Felix Dahn: Die Bataver - Kapitel 18
Quellenangabe
typefiction
authorFelix Dahn
titleDie Bataver
correctorreuters@abc.de
secondcorrectorThomas Stur
thirdcorrectorgerd.bouillon@t-online.de
senderwww.gaga.net
created20070612
modified20160412
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XVIII.

Mittlerweile hatte die Sonne die Schichten von feuchtem Dunst und weißlichem Nebel, die im Osten über der Maas lagerten, sieghaft durchdrungen und ihre Strahlen leuchteten nun bis auf die Dingstätte. Diese füllte sich jetzt rasch mit den Männern der verbündeten Gaue, aber auch mit Angehörigen der Nachbarvölker. Die meisten hatten sich schon an dem Tage vor der Sunwend eingefunden: doch trafen aus den ferner gelegenen Landschaften immer noch Nachzügler ein.

Civilis und Ulemer wurden von gar vielen angesprochen, die von den besser unterrichteten, weiter blickenden Edelingen Gewißheit zu erfahren suchten über die mannigfaltigen, oft widerstreitenden Gerüchte, die durch die Lande schwirrten: denn daß in Italien, in Rom, aber auch in Gallien sich allerlei vorbereite, das ahnten, fürchteten oder wünschten nicht wenige.

Während Civilis diese Fragen anhörte und ausweichend beantwortete, schweifte sein Auge wiederholt jene einzige breite Straße entlang nach Osten, wo sich, weit außerhalb des Dingkreises und des Dickichts, auf offener Waldwiese ein grasiger Hügel erhob, freilich nur zu bescheidener Höhe; allein da er ganz frei stand, gewährte er weithin Aussicht. Auf der Krone des Hügels lehnte, auf den Speer gestützt, eine hohe jugendliche Gestalt. Der Jüngling drehte der Dingstätte den Rücken: aber unablässig spähte er aus nach West, von wannen die Fahrstraße, und nach Nord und Süd, von wannen je ein Reit- oder Fußpfad an dem Hügel vorbei über die Waldwiese nach dem heiligen Baume zu führten. Regungslos stand der Späher: scharf hob sich der dunkle Umriß des schlanken Leibes von dem ringsum flutenden Morgenlicht ab.

Allmählich kam auf dem Gerichtsplatz Ordnung in die bisher durcheinander wogenden Massen: sie gliederten sich von selbst nach Sippen und Gauen, diese nach Völkerschaften und reihten sich im Kreise nebeneinander, alle das Antlitz dem Altar und dem Weihbaum zugewendet. Auch legte sich nachgerade das laute Stimmengewirr: es ward still in dem Kreis: erwartungsvoll blickten die vielen Hunderte nach dem immer noch leeren Richterstuhl, neben welchem sich jetzt mehrere Priester in mannigfach gefärbten Wollmänteln aufstellten.

Ulemer schritt aus der Schar der Friesen auf Civilis zu: »Es ist nicht wohlgethan,« mahnte er, »noch länger zu zögern. Die Meinen werden ungeduldig: sie haben weiten Heimweg. Wir müssen beginnen.«

Civilis warf einen langen Blick auf den Hügel: unbeweglich stand dort der einsame Jüngling. »Warte noch,« bat er. »Du hast so hohes Ansehen bei den Deinen.«

Aber der Friese schüttelte den grauen Kopf: »Die Freien werden mir verdrießlich. Und dann sind sie schwer zu lenken. Ohnehin wird's nicht an Widersachern fehlen. Schau dort, die neu Angekommenen, die all' deinen Batavern die Hände schütteln. Sind das nicht . . . ?«

»Ja,« erwiderte Civilis nach einem scharfen Blick. »Es sind meine Vettern und Labeo. – Gut, daß Cajus Briganticus erscheint.«

Da trat der älteste der Priester von dem Stuhl hinweg auf die beiden zu: ein Greis mit langem, weißem Bart, das noch reiche silberne Haupthaar hielt ihm zusammen eine breite Stirnbinde von vergoldetem Erz, mit tief eingehämmerten Runen. »Ich zögerte,« sprach er, »auf deinen Wunsch, Civilis, solang es anging. Aber nun . . .«

»Beginne, Sinnist,« entgegnete dieser. »Es muß sein.« Er stellte sich jetzt zu den Batavern seines Gaues; finster wandten sich seine drei Gegner von ihm ab; Ulemer ging zu den Ostfriesen gerade gegenüber.

 


 

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